{"id":29010,"date":"2014-09-29T12:45:38","date_gmt":"2014-09-29T10:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29010"},"modified":"2014-09-29T12:01:44","modified_gmt":"2014-09-29T10:01:44","slug":"wie-gehts-weiter-mit-der-umweltbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/09\/wie-gehts-weiter-mit-der-umweltbewegung\/","title":{"rendered":"Wie geht\u00b4s weiter mit der Umweltbewegung?"},"content":{"rendered":"<p><b><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-24424\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992-280x173.jpg\" alt=\"Zypernkrise\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/64193_231801253631921_1259284970_n-e1410441591992.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Am Sonntag, 21. September 2014, beteiligten sich <\/b><b>in New York <\/b><b>mehr als 400.000 Menschen am People&#8217;s Climate March<\/b><b> <\/b><\/p>\n<p><i>William Blueher, \u201eSocialist Alternative\u201c, USA<\/i><\/p>\n<p>Angek\u00fcndigt als gr\u00f6\u00dfter Marsch gegen den Klimawandel in der Geschichte der USA \u00fcberstieg die Teilnehmerzahl am Ende die Erwartungen der OrganisatorInnen bei weitem, die urspr\u00fcnglich von 100.000 DemonstrantInnen ausgegangen waren. Dieser Marsch war nicht nur \u00fcberw\u00e4ltigend, was seine Gr\u00f6\u00dfe insgesamt angeht. Auch die Teilnahme jugendlicher DemonstrantInnen war enorm. Diese Veranstaltung kann mit Fug und Recht als Schl\u00fcsselerlebnis bei der Radikalisierung einer ganzen Generation gewertet werden. So waren auch sehr, sehr viele Sch\u00fclerInnen mit dabei, die aus dem ganzen Land angereist waren. Ein Demo-Block bestand allein aus \u00fcber 50.000 Sch\u00fclerInnen. Zwar trugen viele von ihnen Schilder mit sich, die eher vage blieben: \u201eYouth Choose Climate Justice\u201c (dt.: \u201eDie Jugend w\u00e4hlt Klima-Gerechtigkeit\u201c). Es gab allerdings auch eine ganze Reihe konkreterer Aussagen: \u201eYouth Choose System Change\u201c (dt.: \u201eDie Jugend w\u00e4hlt den Systemwechsel\u201c).<\/p>\n<p>Dass auch die Gewerkschaften mit gut sichtbaren Kontingenten vertreten waren (so z.B. die Dienstleistungsgewerkschaft SEIU, die Gewerkschaft der Telekommunikationsbranche CWA, die Truckfahrergewerkschaft \u201eTeamsters\u201c, IBEW [Elektrobranche], AFSCME [Staatsbedienstete], UAW [Autobaubranche], NYSNA [New Yorker Gewerkschaft der Sozialversicherungen] und die Transportarbeitergewerkschaft TWU), zeigt auch ein zunehmendes Bewusstsein in der Arbeiterbewegung dar\u00fcber, was die Verbindung zwischen unserer aktuellen Wirtschaftskrise und den verheerenden Folgen f\u00fcr unsere Umwelt angeht.<\/p>\n<p>Alles in allem zog sich der Protestzug \u00fcber vier Meilen (~ 6,4 km) hin und ging von der 90. Stra\u00dfe bis runter zur 34. Stra\u00dfe. Die OrganisatorInnen hatten sechs \u201eHauptthemen\u201c festgelegt, nach denen sich die einzelnen Demonstrationsz\u00fcge aufteilten. So reihte sich \u201eSocialist Alternative\u201c in dem Block ein, der mit \u201eAnti-Corporate Campaigns, Peace &amp; Justice &amp; More\u201c (dt.: \u201eKonzernkritische, Friedens-, Gerechtigkeits- und andere Initiativen\u201c) beschrieben wurde. Auf unserem Fronttransparent stand zu lesen: \u201eF\u00fcr den Menschen und den Planeten ist der Kapitalismus gescheitert \u2013 beteiligt euch am Kampf f\u00fcr Sozialismus\u201c. Zu den anderen, an diesem Block teilnehmenden Gruppen geh\u00f6rten u.a. \u201eSystem Change Not Climate Change\u201c und \u201eFlood Wall Street\u201c (dt.: \u201e\u00dcberflutet die Wall Street\u201c), eine Organisation, die einen Tag sp\u00e4ter direkte Aktionen durchgef\u00fchrt hat und dabei einen gro\u00dfen Teil des Bankenviertels von Lower Manhattan lahmlegte.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><span style=\"font-size: x-large;\">Beginn einer neuen Massenbewegung<\/span><\/h4>\n<p>Den OrganisatorInnen dieses Marsches ist hoch anzurechnen, dass sie damit f\u00fcr die Umweltbewegung eine neue Phase eingel\u00e4utet haben. Es muss allerdings auch auf einige politische Schw\u00e4chen hingewiesen werden. So wurde der Marsch von einer Reihe von Unternehmen (wie z.B. dem R\u00fcstungskonzern \u201eLockheed Martin\u201c, BP und dem Finanzhaus \u201eGoldman Sachs\u201c) gesponsert. Die OrganisatorInnen haben es zudem nicht vermocht, klare Forderungen aufzustellen. Dar\u00fcber hinaus wurde es keiner Gruppe gestattet, RednerInnen zu stellen.<\/p>\n<p>Am gravierendsten ist aber, dass es die OrganisatorInnen \u2013 obwohl sie offen und ehrlich gesagt haben, dass eine Demonstration allein die Umweltprobleme nicht l\u00f6sen wird \u2013 nicht vermocht haben, irgendeine Leitlinie oder gar Perspektive zu bieten, welche Schritte f\u00fcr die Bewegung folgen m\u00fcssten. Wenn mit dem Marsch die Forderung nach Steuern f\u00fcr die Konzerne und Super-Reichen verbunden worden w\u00e4re, um dar\u00fcber ein Programm f\u00fcr gr\u00fcne Arbeitspl\u00e4tze zu finanzieren, so h\u00e4tte das eine Richtung weisen k\u00f6nnen und w\u00e4re ein Ansto\u00df f\u00fcr k\u00fcnftige Aktionen im Sinne der Klima-Gerechtigkeit gewesen. Auf dieser Grundlage h\u00e4tten Initiativen aufgebaut und Massenproteste auf Schul- und Hochschulgel\u00e4nden sowie in den Gemeinden angesto\u00dfen werden k\u00f6nnen, um den umfassenden Ausbau des \u00f6ffentlichen Verkehrs- und Transportwesens und den \u00dcbergang zu gr\u00fcnen Energietr\u00e4gern in \u00f6ffentlicher Hand zu fordern.<\/p>\n<p>Doch auch wenn die OrganisatorInnen in diesen Punkten zu unklar geblieben sind, so traf das nicht auf eine gro\u00dfe Anzahl von TeilnehmerInnen am Protestmarsch zu. Das Thema \u201eSystemwechsel\u201c kam im Protestzug immer wieder auf. Sowohl im \u00f6ko-sozialistischen Block, der ausdr\u00fccklich zur \u00dcberwindung des Kapitalismus aufrief, als auch auf vielen handgefertigten Schildern war dies zu erkennen. Die Forderungen nach einem systemischen Wandel deuten ganz eindeutig darauf hin, dass eine breite Schicht von Menschen versteht, wie wichtig es ist, unser derzeitiges kapitalistisches System nicht nur zu reformieren sondern gemeinschaftlich wirklich mit diesem System zu brechen. Nat\u00fcrlich gibt es immer noch und weit verbreitet viele Fragezeichen, was die Frage betrifft, wie dies hinzubekommen ist oder welche n\u00e4chsten Schritte getan werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wie stark der Drang nach Antworten ist, zeigte sich allein schon an den \u00fcberw\u00e4ltigenden Reaktionen, die \u201eSocialist Alternative\u201c bei diesem Marsch erhielt. Die Leute kamen in Scharen an unsere Infotische, um Genaueres \u00fcber unsere Arbeit in Erfahrung zu bringen. Viele bezeichneten sich selbst offen als SozialistInnen. In den entsprechenden Gespr\u00e4chen und Diskussionen aber auch durch die mitgef\u00fchrten Schilder wurde deutlich, dass sich gerade sehr schnell ein Konzern-kritisches und sogar ein antikapitalistisches Bewusstsein entwickelt. Angefacht wird diese Entwicklung nicht nur durch die zunehmende \u00f6kologische Bedrohung sondern auch aufgrund der anderen Folgen, die der Kapitalismus mit sich bringt: Ungerechtigkeit, Rassismus, Sexismus und Krieg. Der Kapitalismus zerst\u00f6rt mehr als \u201enur\u201c die Umwelt, und es ist unsere Aufgabe, den Kampf gegen den vom Menschen gemachten Klimawandel mit dem Kampf gegen eine Vielzahl anderer Ungerechtigkeiten und Verschlechterungen zu verbinden, die auf den Kapitalismus zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Aufbau einer echten Alternative<\/h4>\n<p>Was in den Diskussionen, die wir im Zuge dieses Marsches gef\u00fchrt haben, immer wieder aufkam, war eine tiefgreifende Frustration \u00fcber die \u201eDemokraten\u201c und vor allem die Obama-Administration, die zwar davon spricht, dass man etwas gegen den Klimawandel tun m\u00fcsse, in Wirklichkeit aber eine massive Ausweitung der \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung zu verantworten hat. Am Vorabend des Protestzuges nahm \u201eSocialist Alternative\u201c an einer mitrei\u00dfenden Tagung mit unserer Genossin Kshama Sawant, Chris Hedges, Naomi Klein, Bill McKibben und Bernie Sanders teil, an der sich in Manhattan \u00fcber 900 Personen beteiligten (<a href=\"http:\/\/www.socialistalternative.org\/2014\/09\/21\/climate-summit-bernie-sanders-kshama-sawant-naomi-klein-bill-mckibben-chris-hedges\/\" target=\"_blank\">ein Videomitschnitt von dieser Veranstaltung findet sich hier<\/a>). Als Sawant Sanders aufforderte, mit den \u201eDemokraten\u201c zu brechen, brach lauter Beifall aus. Das zeigt, dass die Menschen bereit sind f\u00fcr eine echte Alternative und genug haben, st\u00e4ndig \u201edas kleinere \u00dcbel\u201c w\u00e4hlen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn es so viele Menschen gibt, die von der Notwendigkeit des Systemwechsels \u00fcberzeugt sind, dann ist es die Aufgabe von SozialistInnen zu erkl\u00e4ren und auszusprechen, welche Art von System wir brauchen, das den Kapitalismus ersetzen kann. Damit kann der Bewegung eine Richtung vorgegeben werden.<\/p>\n<p>Mutige Aktionen und Initiativen sind n\u00f6tig, um an der Stimmung vom 21. September anzukn\u00fcpfen. So endete der Klima-Protest in Seattle mit einer direkten Aktion und der erfolgreichen Blockierung eines \u00d6l-Zuges. An den Colleges haben wir es mit einer sehr schnell wachsenden Bewegung zu tun, die die Forderung vertritt, die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Diese Initiativen und Aufrufe zum Handeln m\u00fcssen ausgeweitet werden und zu weiteren Massenmobilisierungen f\u00fchren. Die Arbeiterbewegung muss st\u00e4rker mit einbezogen werden und sich darauf vorbereiten, Solidarit\u00e4tsaktionen mit der Umweltbewegung durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus muss die Bewegung einen klaren Forderungskatalog annehmen, mit dem man den breitest m\u00f6glichen Grad an Unterst\u00fctzung von Seiten der Arbeiterklasse mobilisieren kann. Wie oben erw\u00e4hnt muss dazu auch die Forderung nach einer Sondersteuer f\u00fcr die Reichen geh\u00f6ren, mit der ein umfassendes Programm zur Schaffung umweltfreundlicher Arbeitspl\u00e4tze, eine massive Ausweitung des Massenverkehrs und eine in \u00f6ffentlichem Eigentum befindliche Energieindustrie bezahlt werden kann. Die Bewegung muss sich allerdings auch unabh\u00e4ngig machen von den beiden politischen Parteien des Konzern-freundlichen Amerika. Wie auch die Bewegung f\u00fcr einen 15-Dollar Mindestlohn und andere soziale Initiativen muss sich auch die Umweltbewegung dringend in einer neuen politischen Kraft ausdr\u00fccken, die die Interessen der viel zitierten \u201e99 Prozent der Bev\u00f6lkerung\u201c vertritt. Als ersten Schritt brauchen wir viel mehr echte linke KandidatInnen wie Jess Spear von \u201eSocialist Alternative\u201c, eine Umweltwissenschaftlerin, die f\u00fcr das Amt der Sprecherin des Repr\u00e4sentantenhauses im Bundesstaat Washington kandidiert.<\/p>\n<p>Um aber den Klimawandel zu beenden, m\u00fcssen wir mit dem Kapitalismus aufh\u00f6ren. Der risiege Reichtum und die Macht, die die gro\u00dfen Umweltverschmutzer in den H\u00e4nden halten, wurde auf Kosten der Menschheit und der Umwelt angesammelt. Dieser Reichtum sollte daf\u00fcr eingesetzt werden, um rasch zur 100-prozentigen Umstellung auf gr\u00fcne Energietr\u00e4ger zu kommen, und die enormen M\u00f6glichkeiten, die unsere Gesellschaft bietet, m\u00fcssen genutzt werden, um den Bed\u00fcrfnissen aller gerecht zu werden. Das ist die Beschreibung einer sozialistischen Gesellschaft. Beteilige dich an diesem Kampf und werde Mitglied bei &#8222;Socialist Alternative&#8220;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, 21. 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