{"id":28789,"date":"2014-08-29T15:08:50","date_gmt":"2014-08-29T13:08:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=28789"},"modified":"2014-08-26T11:18:42","modified_gmt":"2014-08-26T09:18:42","slug":"wer-dreht-an-der-uhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/08\/wer-dreht-an-der-uhr\/","title":{"rendered":"&#8222;Wer dreht an der Uhr?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10366302_484501798347494_3196059892247760260_n-e1409043403167.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-28788\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10366302_484501798347494_3196059892247760260_n-e1409043403167-280x173.png\" alt=\"10366302_484501798347494_3196059892247760260_n\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10366302_484501798347494_3196059892247760260_n-e1409043403167-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10366302_484501798347494_3196059892247760260_n-e1409043403167-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10366302_484501798347494_3196059892247760260_n-e1409043403167.png 394w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Interview mit Claudia Sorger \u00fcber ihr Buch<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Claudia Sorger ist langj\u00e4hrige Aktivistin der \u00f6sterreichischen SAV-Schwesterorganisation SLP. Ihr Buch erschien im Mai im Verlag &#8222;Westf\u00e4lisches Dampfboot&#8220; (280 Seiten, 29,90 Euro)<\/em><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h4>Worum geht\u00b4s in deinem Buch?<\/h4>\n<p>Mein Buch behandelt die Frage, wie Geschlechtergerechtigkeit \u00fcber Arbeitszeitpolitik erreicht werden kann. Dazu habe ich mich zum einen damit besch\u00e4ftigt, was geschlechtergerechte Arbeitszeitpolitik \u00fcberhaupt sein kann. Das ist wichtig, denn gerade an den Zielvorstellungen, also an der Frage, welche Gesellschaft wollen wir \u00fcberhaupt, hapert es oft. Dann habe ich mir anhand der \u00f6sterreichischen Gewerkschaftspolitik zum Thema Arbeitszeit angesehen, welche Form der Geschlechterverh\u00e4ltnisse unterst\u00fctzt wird und wo es Ansatzpunkte zu einer gerechteren Verteilung der Arbeitszeit zwischen Frauen und M\u00e4nnern gibt.<\/p>\n<h4>Dein Buch findet Anklang in den Gewerkschaften, der \u00d6GB -Verlag hat es einmal zum Buch der Woche ernannt, die GPA-DjP &#8211; Mitgliederzeitung &#8222;Kompetenz&#8220; hat einen Artikel gebracht? Was w\u00fcrdest Du GewerkschafterInnen sagen, was sollen die Gewerkschaften tun?<\/h4>\n<p>Ich sage ihnen vor allem, dass sie das Thema Arbeitszeit wieder in die Hand nehmen sollen, als eine der ureigensten Gewerkschaftsaufgaben. Denn seit Jahrzehnten verzeichnen wir vor allem R\u00fcckschl\u00e4ge in punkto Arbeitszeit: Sei es die weitgehende Flexibilisierung in vielen Bereichen, sei es der Stillstand in der Verk\u00fcrzung der Wochenarbeitszeit seit 1975, sei es die Verabschiedung des \u00d6GB von der Forderung nach einer 35-Stunden-Woche. Arbeitszeit ist ein wichtiger Schl\u00fcssel zur Verteilung von Macht und Ressourcen. Daher sollten die Gewerkschaften auch nicht vor Aktionen und gewerkschaftlichen Kampfma\u00dfnahmen zur\u00fcckschrecken. Nach den Jahrzehnten von Flexibilisierung ist es h\u00f6chste Zeit f\u00fcr einen Gegentrend in Form einer generellen Arbeitszeitverk\u00fcrzung. Dazu braucht es aber auch einen entsprechenden Lohnausgleich und eine Aufstockung des Personals. Denn die Verdichtung der Arbeit ist ein Riesenproblem, vor allem f\u00fcr diejenigen, die ihre Arbeitszeit auf individueller Basis verk\u00fcrzen, sprich Teilzeit arbeiten und dann auch noch um s\u00e4mtliche finanziellen Zuschl\u00e4ge umfallen.<\/p>\n<h4>Kann mit der Sozialpartnerschaft eine fortschrittliche Arbeitszeitpolitik f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner erk\u00e4mpft werden?<\/h4>\n<p>In meinem Buch habe ich herausgearbeitet, dass die sozialpartnerschaftliche Konstituierung der Gewerkschaftsbewegung als Hindernis f\u00fcr die Durchsetzung von Fraueninteressen und f\u00fcr den Abbau von Geschlechterhierarchien zu sehen ist. Die Sozialpartnerschaft beruht auf einer inhaltlichen Ausrichtung zur Wahrung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, das neben der Lohnarbeit auf der mehrheitlich durch Frauen geleisteten unbezahlten Arbeit aufbaut. Damit in Zusammenhang steht eine Vorstellung von Berufst\u00e4tigkeit, die am vollzeiterwerbst\u00e4tigen Mann orientiert ist, der durch einen versorgenden Part (Ehefrau) von Hausarbeit und Kinderbetreuung entbunden ist. Au\u00dferdem stellt Sozialpartnerschaft eine undemokratische Politikform dar, in der Zugang und Teilnahme an politischen Prozessen f\u00fcr die Mehrheit der ArbeitnehmerInnen nicht einmal theoretisch m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h4>Unter dem Titel &#8222;Situation der Teilzeitbesch\u00e4ftigten verbessern&#8220; sollen im Herbst neue Verhandlungen zur Arbeitszeit starten. Vor dem Sommer gelang es k\u00e4mpferischen GewerkschafterInnen vor allem aus dem Aktionsb\u00fcndnis &#8222;Nein zum 12-Stundentag&#8220; politischen Druck gegen die Arbeitszeitverl\u00e4ngerung aufzubauen. Die geplante Beschlussfassung im Parlament vor dem Sommer kam nicht zustande. Warum unterst\u00fctzt Du das Aktionsb\u00fcndnis &#8222;Nein zum 12-Stundentag&#8220;?<\/h4>\n<p>Eine der Problematiken liegt derzeit in der nach wie vor hohen Wochenstundenzahl der Vollzeitbesch\u00e4ftigten. Gerade im Produktionsbereich leiden vor allem M\u00e4nner unter \u00fcberlangen Arbeitszeiten und darunter, dass es schwer ist, selbst gesetzliche Rechte wie Elternteilzeit oder Karenz in Anspruch zu nehmen. Bei der Ausweitung des 12-Stundentages geht es auch nicht nur um die rein gesetzliche Ebene, denn eine weitere Ausweitung hat auch symbolischen Charakter. Dadurch wird signalisiert, dass es prinzipiell ok ist, solange zu arbeiten. Dass das aber nicht der Fall ist, zeigen Unfall- und Krankenstatistiken, denn \u00fcberlange Arbeitszeiten f\u00fchren zu Unf\u00e4llen und machen krank. Au\u00dferdem widersprechen sie grundlegend einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit und unbezahlten Versorgungspflichten zwischen Frauen und M\u00e4nnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Claudia Sorger \u00fcber ihr Buch<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28788,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28789"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28789"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28789\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28789"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}