{"id":28750,"date":"2014-08-20T17:00:11","date_gmt":"2014-08-20T15:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=28750"},"modified":"2014-08-20T12:41:39","modified_gmt":"2014-08-20T10:41:39","slug":"hilfe-oder-heuchelei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/08\/hilfe-oder-heuchelei\/","title":{"rendered":"Hilfe oder Heuchelei?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_28751\" aria-describedby=\"caption-attachment-28751\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-28751\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384-280x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/mirallesnora\/ cc by-nc-nd 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/13389723304_bb07dfaa37_k-e1408531232384.jpg 1571w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-28751\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/mirallesnora\/ cc by-nc-nd 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Fragen und Antworten zum Fl\u00fcchtlingsdrama im Nordirak<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts des schnellen Vormarsch der reaktion\u00e4ren IS-Milizen im Irak und des Dramas um die jesidischen Fl\u00fcchtlinge, stellt sich die Frage: Wie sollen sich Linke, wie soll sich die Partei DIE LINKE, zu von der Bundesregierung geplanten Waffenlieferungen stellen? Wie soll sie sich zu Luftschl\u00e4gen und anderen Milit\u00e4raktionen verhalten?<\/p>\n<p><em>Diskussionsbeitrag von Georg K\u00fcmmel, K\u00f6ln<\/em><\/p>\n<h4>Was sind die Fakten?<\/h4>\n<p>Die Waffenlieferungen sollen an den Irak und insbesondere an die Autonome Kurdenregion im Nordirak geliefert werden. Die Autonome Kurdenregion unter F\u00fchrung von Masud Barzani verf\u00fcgt \u00fcber eine regul\u00e4re Armee, die Peschmerga. Die genaue St\u00e4rke wird geheim gehalten, aber Sch\u00e4tzungen gehen von mindestens \u00fcber 70.000 Soldaten aus. Die Peschmerga k\u00e4mpften im Irak-Krieg 2003 an der Seite der USA. \u201eNach dem Irakkrieg und Sturz Saddam Husseins wurden die Peschmerga in Regionalgarde umbenannt und auch mit US-amerikanischen Mitteln aufger\u00fcstet.\u201c (wikipedia).<\/p>\n<p>\u00dcber die zahlenm\u00e4\u00dfige St\u00e4rke der IS-Kr\u00e4fte gibt es nur Sch\u00e4tzungen. Die h\u00f6chsten liegen bei 15.000 Mann, die aber mittlerweile in einem relativ gro\u00dfen Gebiet operieren. Wie kann es sein, dass die regul\u00e4ren irakischen Einheiten kampflos vor wenigen IS-K\u00e4mpfern davon laufen? \u201eDie britische Zeitung The Guardian berichtete, es seien bei der Offensive auf Mossul etwa 30.000 Regierungssoldaten desertiert und die Zahl der ISIS-Angreifer habe aber nur gesch\u00e4tzt 800 betragen.\u201c (wikipedia).<\/p>\n<p>Wie kann es weiter sein, dass eine weitere Armee, (die Peschmerga) aus \u00fcber 70.000 Soldaten nicht in der Lage sein soll, den Jesiden einen sicheren Flucht zu erm\u00f6glichen? Die selbe Armee war kurz vorher in der Lage, die Kontrolle \u00fcber die Gro\u00dfstadt Kirkuk zu \u00fcbernehmen. \u201eDurch den Vormarsch der Organisation Islamischer Staat und dem Ausbruch der Irakkrise 2014 konnten die Kurden viele der von ihnen beanspruchten Gebiete einnehmen. Dies wurde durch den R\u00fcckzug der irakischen Armee m\u00f6glich. So kam die \u00f6lreiche Stadt Kirkuk Juli 2014 unter kurdische Kontrolle.\u201c (wikipedia). Diese Armee ist also offensichtlich mehr damit besch\u00e4ftigt, \u00d6lquellen unter Kontrolle zu bringen, als Menschen zu retten. Fehlende Waffen d\u00fcrften demnach nicht das Problem sein.<\/p>\n<p><a name=\"firstHeading1\"><\/a> Das wirft weiter Fragen zum Charakter des Regimes in der &#8218;<span lang=\"de-DE\">Autonomen Region Kurdistan&#8216;<\/span><\/p>\n<p>auf, an das Waffen geliefert werden sollen. Der K\u00f6lner Stadtanzeiger bringt in seiner Ausgabe vom 14.8.2014 das Bild eines jesidischen Fl\u00fcchtlingsm\u00e4dchen, das auf dem nackten, staubigen Boden kampieren muss &#8211; nicht irgendwo in den Bergen, sondern in der Gro\u00dfstadt Erbil, Hauptstadt der Autonomen Kurdenregion. Hat die Regierung Barzani in dieser immens \u00f6lreichen Region kein Geld, um auch nur die einfachste Unterkunft f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge bereit zu stellen? Wer kassiert die Millionen und Milliarden aus den \u00d6leinnahmen? Was ist das f\u00fcr eine Regierung, die nach Waffen zum Schutz der Fl\u00fcchtlinge ruft und sie gleichzeitig im Dreck liegen l\u00e4sst?<\/p>\n<h4>Wer hat den Jesiden geholfen?<\/h4>\n<p>Wenn von Waffenlieferungen an die Kurden die Rede ist, ist seitens der Bundesregierung immer die Regierung Barzani gemeint. Es gibt aber auch noch die Befreiungsbewegung der Kurden in der T\u00fcrkei, Syrien und Irak. Diesen ist es im nord-syrischen Rojava gelungen eine autonome Region zu begr\u00fcnden. Aus sozialistischer Sicht haben wir viel Kritik an der F\u00fchrung der Bewegung. Aber die Volksverteidigungseinheiten der YPG (in Syrien) und HPG (im Irak), seine Frauenbataillone YPJ und die mit ihnen verbundene PKK in den Kurdengebieten der T\u00fcrkei stellen zur Zeit die Hauptkraft in der Region dar, die den Anspruch hat die Interessen der Arbeiterklasse und Armen zu vertreten, nicht mit dem westlichen Imperialismus paktiert oder religi\u00f6ses Sektierertum vorantreibt und die das Potenzial hat, dem IS milit\u00e4risch wirkungsvoll etwas entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>\u201eSie haben die entscheidende Rolle gespielt, um den Jesiden zur Flucht vor den IS-Milizen zu verhelfen. Die t\u00fcrkischen und syrischen Kurden stehen hoch im Ansehen der Fl\u00fcchtlinge: Deren Kampfverb\u00e4nde \u2013 die PKK und die YPG \u2013 waren es, die sich den IS-Truppen entgegen warfen und einen sicheren Korridor im Kampfgebiet schufen, durch den die Jesiden vom Berg fl\u00fcchten konnten. Ihnen verdanken sie ihr Leben. Nur Verachtung empfinden sie dagegen f\u00fcr die irakischen Kurden und deren Peschmerga, die sie im Augenblick der h\u00f6chsten Not im Stich gelassen haben.\u201c (tagesspiegel.de, 14.08.2014). Die PKK ist in Deutschland verboten. Wenn es der Bundesregierung um schnelle Hilfe f\u00fcr die jesidischen Fl\u00fcchtlinge gehen w\u00fcrde, k\u00f6nnte sie das PKK Verbot sofort aufheben und Druck auf das NATO-Mitglied T\u00fcrkei machen, die Blockade von Rojava zu beenden. Das w\u00fcrde vielen Menschen in der Region sofort und direkt helfen und deren Kampf gegen ein Vorr\u00fccken der IS enorm erleichtern.<\/p>\n<h4>Ergebnis der Luftschl\u00e4ge in Libyen 2011?<\/h4>\n<p>Die Rufe nach Waffenlieferungen und Luftschl\u00e4gen sind laut, aber nicht neu. Im Fr\u00fchjahr 2011 wurden in den westlichen Medien Luftschl\u00e4ge gegen die Armee-Einheiten Gaddafis gefordert, die auf dem Vormarsch gegen die Rebellenhochburgen in Libyen waren. Es m\u00fcsse eine humanit\u00e4re Katastrophe verhindert werden, hie\u00df es auch damals. Der Spiegel berichtete derzeit \u00fcber die Auswirkungen der Luftschl\u00e4ge und zitierte Obama:<\/p>\n<p>\u201eWeil schnell gehandelt worden sei, &#8222;wurde eine humanit\u00e4re Katastrophe verhindert und das Leben zahlloser Zivilisten &#8211; unschuldiger M\u00e4nner, Frauen und Kinder &#8211; gerettet&#8220;, so Obama. Und &#8222;Die Hoffnungen des libyschen Volkes m\u00fcssen verwirklicht werden.&#8220; (SPIEGELONLINE, 26.03.2011). Doch heute versinkt das Land erneut im B\u00fcrgerkrieg, Zehntausende sind auf der Flucht. Waffen und Bewaffnete aus Libyen fanden auch ihren Weg nach Syrien und Mali. \u201eInfolge des B\u00fcrgerkrieges in Libyen kam es Ende 2011 zu einem Zustrom von Waffen und K\u00e4mpfern in den Norden Malis.\u201c (wikipedia) Der dort ausgel\u00f6ste Konflikt f\u00fchrte wiederum zum milit\u00e4rischen Eingreifens unter F\u00fchrung Frankreichs. Die Bundesregierung unterst\u00fctzte den Einsatz in Mali.<\/p>\n<p>Woher bekommen die Kr\u00e4fte des IS Geld und Waffen?<\/p>\n<p>\u201eIS finanziert sich vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegz\u00f6lle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien\u201c, meldet tagesschau.de. (26.07.2014).<\/p>\n<p>Deutschland liefert Waffen an beide L\u00e4nder. \u201eSaudi-Arabien ist Hauptabnehmer deutscher Waffen\u201c schreibt das Handelsblatt (18.11.2013) und taz-online (17.03.2014) berichtet, dass: \u201eDeutschland mit der Lieferung von 62 Leopard an Katar ebenfalls zum ersten Mal den Panzerverkauf an ein arabisches Land genehmigt\u201c habe. Warum stoppt die Bundesregierung nicht die R\u00fcstungsexporte an Saudi-Arabien und Katar? Warum gibt es keine Sanktionen, keinen international organisierten Boykott der Geldfl\u00fcsse aus Katar und Saudi-Arabien an die IS-Milizen?<\/p>\n<p>Die IS-K\u00e4mpfer haben auch Waffen vor Ort erobert, z.B. bei der Einnahme Mossuls.<\/p>\n<p>\u201eDabei fielen in Mossul den ISIS-K\u00e4mpfern nicht nur riesige Waffenlager der lokalen Garnison unber\u00fchrt in die H\u00e4nde, sondern auch eine noch unbekannte Zahl hochmoderner US-Black-Hawk-Hubschrauber, zahlloses anderes Flugger\u00e4t sowie schwere Waffensysteme.\u201c (wikipedia)<\/p>\n<p><a name=\"cite_ref-121\"><\/a> \u201eDie irakische Armee \u00fcberlie\u00df den Angreifern das Feld meist kampflos.\u201c (wikipedia) Wer garantiert eigentlich, dass die Armee der Autonomen Region Kurdistan, die jetzt (noch mehr) Waffen aus dem Westen erhalten soll, sich nicht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ebenfalls aus Teilen der Region kampflos vor den IS-Kr\u00e4ften zur\u00fcckzieht, die dann wiederum noch mehr moderne Waffen erobern w\u00fcrden? Durch besonderen Kampfesmut haben sich die Einheiten der Peschmerga bisher nicht hervorgetan.<\/p>\n<p>Laut Presseberichten finanziert sich die IS auch aus dem Verkauf von \u00d6l. Auf ihrem Vormarsch hat sie einige \u00d6lfelder im Irak erobert. Wer kauft Ihnen das \u00d6l ab?<\/p>\n<p>Unter der \u00dcberschrift \u201e Terrorgruppe Isis verkauft \u00d6l aus Irak\u201c meldet die online-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (04.07.2014): \u201eDas \u00d6l werde seit Donnerstagabend \u00fcber die kurdischen Autonomiegebiete in eine \u00f6rtliche Raffinerie oder an die iranische Grenze transportiert, sagte der Polizeichef des irakischen Bezirks Tuz Khurmatu, Schalal Abdul. Es stamme von dem \u00d6lfeld Adschil s\u00fcdwestlich von Kirkuk, das Isis Ende Juni erobert hatte.\u201c Warum stoppt man nicht den \u00d6lhandel der IS \u00fcber das Gebiet der Autonomen Region Kurdistan statt Waffen an die Regierung dieser Region zu liefern?<\/p>\n<h4>Mangel an Waffen?<\/h4>\n<p>Fehlt es der irakischen Armee oder den Peschmerga an Waffen? Die irakische Armee und die Peschmerga wurden und werden mit Waffen aus den USA ausger\u00fcstet, darunter auch hochmoderne Waffen, wie Kampfhubschrauber, Drohnen und sogenannte Hellfire-Raketen. \u201eIm Kampf gegen Extremisten versorgen die USA den Irak nach einem Bericht der &#8222;New York Times&#8220; mit Raketen und Aufkl\u00e4rungsdrohnen. Ziel sei, das irakische Milit\u00e4r angesichts der &#8222;Explosion der Gewalt&#8220; seitens Al-Kaida-naher Aufst\u00e4ndischer zu unterst\u00fctzen.\u201c (tagesschau.de, 26.12.2013). Den Vormarsch der Extremisten haben diese Waffenlieferungen, wie man heute sieht, nicht gestoppt.<\/p>\n<p>Und wer garantiert eigentlich, dass die Regierung Barzani nicht eines Tages diese Waffen gegen die eigene Bev\u00f6lkerung einsetzt? Anfang 2011 gab es Proteste in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten des Landes. \u201e\u00dcberwiegend junge Leute protestierten gegen die Korruption der beiden herrschenden Parteien, fehlende \u00f6ffentliche Versorgung und die fehlende freie Berichterstattung der Journalisten.\u201c \u2026 \u201eIn Erbil und Dohuk wurden alle Demonstrationen verboten. Insgesamt wurden 10 Demonstranten im Verlauf der Proteste get\u00f6tet und etwa 500 verwundet.\u201c (wikipedia)<\/p>\n<p>In diesem Land fehlt es an allem M\u00f6glichen \u2013 nur nicht an Waffen.<\/p>\n<h4>Welche Absichten hat die Bundesregierung?<\/h4>\n<p>Was ist dann die Motivation der Bundesregierung, warum will sie unbedingt Waffen in diese Krisenregion liefern? Bekannterma\u00dfen forderte Bundespr\u00e4sident Gauck auf der &#8218;M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz&#8216; Anfang des Jahres mehr milit\u00e4rische \u201eVerantwortung\u201c Deutschlands. Im Zusammenhang mit der aktuellen Krise im Irak werden Waffenlieferungen von Mitgliedern der Bundesregierung ganz allgemein mit der Notwendigkeit einer aktiveren Rolle Deutschlands in der Welt begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Aber ist es nicht trotzdem die ehrliche Absicht der Bundesregierung, den Menschen im Nordirak zu helfen? Nehmen wir die Bundesregierung ins Kreuzverh\u00f6r: Sie will also den Menschen im Nordirak helfen, steckt aber gleichzeitig Fl\u00fcchtlinge in Deutschland in Abschiebehaft.<\/p>\n<p>Sie will den Fl\u00fcchtlingen im Nordirak helfen, hat aber kein Problem damit, dass zeitgleich Fl\u00fcchtlinge aus dem B\u00fcrgerkriegsland Libyen gezwungen sind, ihr Leben auf der Fahrt in \u00fcberf\u00fcllten Fischerbooten \u00fcber das Mittelmeer zu riskieren, um aus oder \u00fcber Libyen zu fliehen. Wenn sie Fl\u00fcchtlinge retten will, warum schickt sie keine Schiffe an die K\u00fcste um diese Menschen in Sicherheit zu bringen.<\/p>\n<p>Sie will im Nordirak Menschen vor dem Verhungern retten, tut aber, wie die anderen \u201eHelferl\u00e4nder\u201c wenig dagegen, dass \u201ejedes Jahr etwa 8,8\u00a0Millionen Menschen an Hunger sterben, was einem Todesfall alle 3\u00a0Sekunden entspricht\u201c (wikipedia).<\/p>\n<p>Was ist dann die Motivation der Bundesregierung? Wie w\u00e4re es mit folgendem Erkl\u00e4rungsversuch: Die Bundesregierung m\u00f6chte, dass Deutschland als wirtschaftliche Macht bei der Durchsetzung \u00f6konomischer und politischer Interessen endlich auch milit\u00e4risch freier agieren kann. Die Meinung in der Bev\u00f6lkerung steht dem aber entgegen. Also muss man die Bev\u00f6lkerung schrittweise an die neue Rolle gew\u00f6hnen, direkter ausgedr\u00fcckt: man muss die \u00f6ffentliche Meinung weich kochen. Am besten geht das unter dem Vorwand humanit\u00e4rer Hilfe. Die ersten Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr begannen mit der Entsendung von Minen-R\u00e4umern in den Persischen Golf, von Sanit\u00e4tern nach Kambodscha und mit Brunnenbohren in Somalia.<\/p>\n<p>Warum k\u00e4mpft die Armee nicht?<\/p>\n<p>Nochmal die Frage: Warum ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, dass eine kleine Truppe von vielleicht 15.000 bewaffneten Extremisten ein Gebiet von der Fl\u00e4che Deutschlands unter seine Kontrolle bringen kann? Einfache Antwort: Weil sich ihnen niemand in den Weg gestellt hat. Aber warum sind die Soldaten der irakischen Armee geflohen oder \u00fcbergelaufen?<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Wer sein Leben im Kampf riskieren soll, muss wissen wof\u00fcr. Jeder Soldat wird sich fragen: Wenn ich meine Gesundheit oder gar mein Leben in diesem Kampf verliere, wird es dann wenigsten meiner Frau, meine Kindern in Zukunft besser gehen? Oder werde ich mit meinem Leben blo\u00df die korrupte Regierung in Bagdad verteidigen, damit sie und ausl\u00e4ndische Konzerne weiter die \u00d6leinnahmen einstecken und das Land im Elend versinken lassen? Soll ich mit meinem Leben f\u00fcr \u201ewestliche Werte\u201c k\u00e4mpfen? Es sind westliche Regierungen, die <\/span><span lang=\"de-DE\">den Islam immer wieder als Ursache des Teerrorismus darstellen und somit <\/span><span lang=\"de-DE\">jeden Tag <\/span><span lang=\"de-DE\">Muslime <\/span><span lang=\"de-DE\">in ihrer W\u00fcrde beleidigen. Es sind westliche L\u00e4nder allen voran die USA, die dem Irak nur Tod und Chaos gebracht haben, \u201eaus Versehen\u201c ganze Hochzeitsgesellschaften in Afghanistan bei Drohnenangriffen t\u00f6ten, reaktion\u00e4re Herrscherh\u00e4user in den \u00d6lstaaten unterst\u00fctzen, kein Problem damit haben, dass in Gaza unschuldige Frauen und Kinder von der verb\u00fcndeten israelischen Regierung get\u00f6tet werden. Es sind westliche Regierungen, die obendrein massiv antimuslimischen Rassismus gef\u00f6rdert und der Gleichsetzung von Muslim<\/span><span lang=\"de-DE\">en<\/span><span lang=\"de-DE\"> und Terroristen Vorsch<\/span><span lang=\"de-DE\">u<\/span><span lang=\"de-DE\">b geleistet <\/span><span lang=\"de-DE\">haben.<\/span><span lang=\"de-DE\">. <\/span><\/p>\n<p>Weder der Westen, noch die von ihnen unterst\u00fctzten Marionetten-Regierungen im Irak haben der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung eine Perspektive zu bieten. Die meisten haben jede Hoffnung verloren, dass sich ihre Lage jemals \u00e4ndert. Also wof\u00fcr sein Leben einsetzen, schlimmer kann es kaum werden, werden viele denken. Diese Annahme ist nat\u00fcrlich falsch, aber Ausdruck totaler Hoffnungslosigkeit.<\/p>\n<h4>Aber irgendwas muss man doch tun?<\/h4>\n<p>Wer kann helfen? Wie kann geholfen werden?<\/p>\n<p>Die erste Aufgabe ist, glaubw\u00fcrdige Informationen einzuholen. Den Herrschenden kann man niemals trauen, man sollte lieber direkt die Unterdr\u00fcckten fragen. Unter den Mitgliedern der LINKEN gibt es Menschen mit Verwandten oder Bekannten aus dem Irak, Nordirak, Syrien. Nimmt man noch die Mitglieder der Gewerkschaften hinzu, hat man praktisch Zugang zu direkten Kontakten und Informationen von allen Betroffenen. Wie w\u00e4re es, diese Mitglieder der LINKEN und der Gewerkschaften zusammen zu bringen, um sich ein Bild \u00fcber die Lage zu verschaffen und in Erfahrung zu bringen, was die Menschen in den Heimatl\u00e4ndern wirklich brauchen? Die LINKE-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke ist in die Kurdengebiete gereist, um direkt mit Betroffenen zu sprechen.<\/p>\n<p><a name=\"firstHeading\"><\/a> Welche Versuche gibt es von der F\u00fchrung der LINKEN oder der Gewerkschaften, Kontakt zur Bev\u00f6lkerung, zu den Besch\u00e4ftigten in der Region aufzunehmen? In der Autonomen Region Kurdistan gibt es Gro\u00dfst\u00e4dte, Erbil mit 1,1 Millionen Einwohnern, <span lang=\"de-DE\">Sulaimaniyya mit 800.000, Duhok mit 500.000 Einwohnern. In diesen St\u00e4dten gibt es eine Arbeiterklasse, Besch\u00e4ftigte in der \u00d6l- und Bauindustrie, in Krankenh\u00e4usern, an Schulen und Universit\u00e4ten. Hat irgendjemand mal versucht, sie nach ihrer Meinung zu fragen? Hat irgendjemand mal die Idee diskutiert, wie Nachbarschaftskomitees und Betriebsgruppen organisiert und bewaffnet werden k\u00f6nnten, um sich, direkt gegen einen weiteren Vormarsch der IS verteidigen zu k\u00f6nnen? <\/span><\/p>\n<p>Es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, im Nahen Osten eine neue linke Bewegung der Arbeitenden und der Armen aufzubauen, die soziale Forderungen stellt &#8211; an erster Stelle die Vergesellschaftung der \u00d6lindustrie, Verwendung der Einnahmen f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Verbunden mit der Perspektive einer grundlegenden, sozialistischen Umgestaltung der Region, um ein Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Das ist eine ungeheuer schwierige Aufgabe, aber die l\u00e4ngste Reise beginnt mit dem ersten Schritt und nur wer diesen ersten Schritt tut und weiter in die richtige Richtung geht, kommt am Ende ans Ziel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fragen und Antworten zum Fl\u00fcchtlingsdrama im Nordirak<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28751,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,64],"tags":[621],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28750"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28750"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28750\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28751"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}