{"id":28733,"date":"2014-08-22T10:00:50","date_gmt":"2014-08-22T08:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=28733"},"modified":"2014-08-19T16:14:45","modified_gmt":"2014-08-19T14:14:45","slug":"indien-iquilab-zindabad-70-jahre-nach-der-unabhaengigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/08\/indien-iquilab-zindabad-70-jahre-nach-der-unabhaengigkeit\/","title":{"rendered":"Indien: Iquilab Zindabad \u2013 70 Jahre nach der Unabh\u00e4ngigkeit"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_28734\" aria-describedby=\"caption-attachment-28734\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-28734\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641-280x173.jpg\" alt=\"Mahatma Gandhi Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/the-wanderers-eye\/ CC BY-NC-SA 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/8671777481_e841da285d_k-e1408356128641.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-28734\" class=\"wp-caption-text\">Mahatma Gandhi Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/the-wanderers-eye\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der lange Kampf f\u00fcr die indische Unabh\u00e4ngigkeit und die gar nicht positive Rolle von Gandhi &amp; Co.<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<div><em>von Sonja Grusch<\/em><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p>Am 15. August 1947 wurde Indien von der britischen Kolonialmacht in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen. Ein riesiges Land, fast schon ein Kontinent, mit himmelschreiender Armut, Kasten(un)wesen und Frauenunterdr\u00fcckung. Doch wo steht Indien heute, nach Jahrzehnten der Unabh\u00e4ngigkeit? Die Armut ist immer noch Indiens dr\u00fcckendstes Problemen, jedes Jahr sterben allein 1,7 Millionen Kinder an Unterern\u00e4hrung. An der massiv ungleichen Landverteilung hat sich nichts ge\u00e4ndert, 80% des Landes stehen im Besitz von wenigen Gro\u00dfgrundbesitzern. Das Kastenwesen ist, auch wenn offiziell abgeschafft, immer noch zentrales Zuordnungs- und Diskriminierungskriterium f\u00fcr Menschen und die Serie von bekannt gewordenen (Massen-)Vergewaltigungen sind nur die Spitze des Eisberges von Frauenunterdr\u00fcckung und -Misshandlung. Zus\u00e4tzlich gibt es seit Jahrzehnten nationale Konflikte mit den fr\u00fcher zu Indien geh\u00f6renden Gebieten des heutigen Pakistan, Kaschmir und Bangladesh sowie die bewusst zur Spaltung der Gesellschaft eingesetzten religi\u00f6sen Konflikte zwischen Hindus und Moslems. Der Grund daf\u00fcr, das keines der Probleme gel\u00f6st, aber weitere hinzugekommen sind liegt in der Art und Weise, wie die Unabh\u00e4ngigkeit erreicht wurde.<\/p>\n<p>In Indien wird sp\u00e4testens seit dem 19. Jahrhundert eine enorm r\u00fcckst\u00e4ndige Landwirtschaft mit industrieller Entwicklung kombiniert. Dadurch entsteht auch eine zahlenm\u00e4\u00dfig nicht zu vernachl\u00e4ssigende Arbeiterklasse die immer wieder zu zehn- und hunderttausenden in K\u00e4mpfe eintritt. Das Jahr 1905 sah Massenstreiks gegen die Teilung Bengalens, verbunden mit den Protesten Studierender, bewaffneten Aufst\u00e4nden und Steuerboykotten. Nach dem 1. Weltkrieg ersch\u00fctterte eine Streikwelle das Land. Unz\u00e4hlige indische Soldaten starben f\u00fcr den britischen Imperialismus \u2013 man hatte sich f\u00fcr diese Opfer nun zumindest einige demokratische Zugest\u00e4ndnisse erwartet, vergeblich allerdings. 125.000 TextilarbeiterInnen streikten in Mumbai, 1921 beteiligten sich 500.000 an Streiks in der Industrie, und \u00fcber 20.000 an Streiks in den H\u00e4fen. In der ersten H\u00e4lfte der 1920er Jahre gab es rund 200 Streiks mit 1,5 Millionen TeilnehmerInnen. Die Gewerkschaften wuchsen, die Arbeiterklasse gewann an Selbstvertrauen und Militanz. Eine Entwicklung, die Gandhi alles andere als Recht war, sein Konzept des \u201eHartal\u201c hatte ein de-aktivierendes Element, setzte auf Beten und Einkehr, aber nicht auf gemeinsame Proteste. In Folge zog er sich aus der Bewegung auch zur\u00fcck, als sie nicht seinen Konzepten entsprach.<\/p>\n<h4>Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung wird von b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften dominiert<\/h4>\n<p>Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es immer wieder Aktionen f\u00fcr mehr Unabh\u00e4ngigkeit vom britischen Empire. Der erste gr\u00f6\u00dfere Aufstand war der \u201eSepoy-Aufstand\u201c von 1857-59. Indische Soldaten die in der britischen Armee dienten meuterten und wurden dabei von st\u00e4dtischen Armen sowie der armen Landbev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt. Ein Warnsignal f\u00fcr die Kolonialmacht Britannien. Mit dem Ziel, die Bewegung zu kontrollieren wurde dann auch 1885 von einem Vertreter Britanniens der Indische Nationalkongress (INC) als Instrument zur Vermittlung zwischen den Massen und der britischen Regierung bzw. Verwaltung gegr\u00fcndet. Dieser war in Folge alles andere als homogen, hatte auch einen linken Fl\u00fcgel, ging unter dem Druck von unten immer wieder nach links. Und blieb durch seine b\u00fcrgerliche F\u00fchrung doch ein wichtiges Instrument um die Interessen des britischen Kapitals zu sichern. Aufgrund der hinduistisch-chauvinistisch Herangehensweise der INC-F\u00fchrung kam es 1906 zur Gr\u00fcndung der Muslimliga, einer Organisation die in Folge auch vom Imperialismus zur Spaltung der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung verwendet werden konnte. Die vorherrschende Taktik und Strategie des INC, gepr\u00e4gt von Gandhi, war dominiert von der b\u00fcrgerlichen F\u00fchrung und ihren Zielen. Ein Teil der heutigen herrschenden kapitalistischen Klasse in Indien machte sein Verm\u00f6gen durch die Boykottpolitik gegen britische Waren (so z.B. Tata), so gut wie alle gro\u00dfen indischen Unternehmen wurden durch die Kooperation mit der Kolonialmacht reich. Sie profitierten also von der wechselnden bzw. letztlich stets kooperationsbereiten Politik des INC.<\/p>\n<h4>Die Ineffizienz von Gandhis Strategie<\/h4>\n<p>Gandhi ist in der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung ein Held. Seine Politik des passiven Widerstandes wird als Vorbild in Schulen und politischen Bewegungen gepriesen. Man k\u00f6nnte also argumentieren, das Gandhi zwar kein Sozialist war, also kein sozialistisches Indien erk\u00e4mpfen wollte (und das auch nicht tat), dass er aber auf seine Weise erfolgreich war. Doch das Gegenteil ist der Fall. Durch seine Strategie wurde die Unabh\u00e4ngigkeit sp\u00e4t und blutig erreicht, viele Millionen Menschen mussten den \u201epassiven Widerstand\u201c mit ihrem Leben bezahlen. Und langfristig wurden die gesellschaftlichen Mechanismen, die verantwortlich sind f\u00fcr Unterdr\u00fcckung und Massenarmut, gefestigt.<\/p>\n<\/div>\n<h4>Undemokratisch<\/h4>\n<div>\n<p>Beginnen wir bei der Frage von Demokratie. Kampagnen des INC wurden nicht demokratisch beschlossen, waren h\u00e4ufig mehr die Initiative von Gandhi, bzw. wurden ohne R\u00fccksprache mit der Basis einfach abgebrochen. Als der \u201eSalz-Kampf\u201c von 1930 nicht die von ihm gew\u00fcnschte Form beibehielt, es zur Besetzung von Salzfabriken, regionalen Generalstreiks etc. kam stoppte der INC die Bewegung (was sie dann hilflos gegen\u00fcber der folgenden Verhaftungswelle machte, als 80.000 in die Gef\u00e4ngnisse wanderten und damit die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung insgesamt schw\u00e4chte) und trat in Geheimverhandlungen mit der britischen Regierung ein. Das Ergebnis war eine Wahlrechtsreform (es durfte dann einer von sechs w\u00e4hlen) die den INC zur st\u00e4rksten Partei machte. Eben dieser verwehrte in Folge der Moslem Liga Einfluss und verst\u00e4rkte damit die Spaltung in INC und Liga. Einen Keil, denn der britische Kolonialismus nur zu gerne aufgriff und sich \u00fcber die verst\u00e4rkten Kontakte zur Moslem Liga freute. Diese wurde zu einem zentralen B\u00fcndnispartner und war im 2. Weltkrieg loyaler zur britischen Regierung als der INC, der ab 1942 auf die \u201eQuit India\u201c Kampagne setzte.<\/p>\n<p>Gandhi selbst sprach sich gegen die Befehlsverweigerung von Soldaten aus \u2013 wohl wissend, dass er diese Unterdr\u00fcckungsinstrument sp\u00e4ter selbst ben\u00f6tigen k\u00f6nnte: \u201cWenn ein Soldat sich weigert, zu schie\u00dfen, ist er schuldig, seinen Eid gebrochen zu haben. Ich kann Soldaten nicht dazu raten, Befehle von Offizieren zu missachten, weil ich, wenn ich morgen eine Regierung bilde, die selben Soldaten und Offiziere ben\u00fctzen muss. Wenn ich sie heute zu irgendeiner Art von Befehlsverweigerung ermutige, dann werden sie sich morgen weigern, mir zu gehorchen.\u201d(1922)<\/p>\n<\/div>\n<h4>Blutig<\/h4>\n<div>\n<p>Wurde die Unabh\u00e4ngigkeit durch die Strategie des passiven Widerstandes (Satyagraha) friedlich erreicht? Mitnichten. Gandhi selbst trat im 2. Burenkrieg und im 1. Weltkrieg als Werber f\u00fcr die britische Arme auf. Er erhoffte sich im Abtausch f\u00fcr das Dienen von indischen Soldaten in der britischen Armee mehr Rechte f\u00fcr die InderInnen. Mag sein, dass er sp\u00e4ter davon abgekommen ist, doch auch seine sp\u00e4tere Taktik war nicht friedlicher. Wer einmal den Film \u201eGandhi\u201c gesehen hat, kann sich an die endlosen Reihen von Menschen erinnern, die in dieser Form des Widerstandes niedergeschlagen und ermordet wurden. Das Ergebnis der erreichten Form von Unabh\u00e4ngigkeit war auch die Teilung in Indien und Pakistan (und sp\u00e4ter Bangladesch). Eine blutige Teilung, die unmittelbar einer Million Menschen das Leben kostete und Millionen aus ihrer Heimat vertrieb. Der britische Imperialismus hatte mit der Teilung und dem bewusst unklaren Status von Kaschmir k\u00fcnftige Konflikte provoziert um sich so den Einfluss in der Region zu sichern.<\/p>\n<p>Doch auch sozialer Friede bzw. der Aufbau einer Gesellschaft und Wirtschaft, in der Armut beseitigt w\u00e4re, war nicht sein Ziel. Im Gegenteil war Gandhi erkl\u00e4rter Gegner von technischem Fortschritt und Industrialisierung. Spit\u00e4ler seinen \u201eInstrumente des Teufels\u201c und sein erkl\u00e4rtes Ziel war es das \u201eEisenbahn, Telegraph, Krankenh\u00e4user, Medizin\u201c aber auch die gesamte \u201emoderne Zivilisation\u201c und die dazugeh\u00f6renden (?) sexuellen Laster verschwinden. Die Reichen sollten \u00fcberzeugt werden, ihr Gl\u00fcck in der Einfachheit zu finden. Sein Ansatz war also im besten Fall idealistisch, tats\u00e4chlich aber zynisch, angesichts von Millionen Menschen, die in Indien brutal unterdr\u00fcckt, erniedrigt und ausgebeutet werden. Sie rief er zur Demut, zum Dienen und Dulden auf und dazu, ihren zugewiesenen Platz (also auch im Rahmen des Kastenwesens) zu akzeptieren um so ein friedliches Miteinander zu erm\u00f6glichen. Klassenkampf und Revolution lehnte er ganz bewusst ab und erreichte damit eine Verl\u00e4ngerung der brutalen Kolonialherrschaft und des ausbeuterischen Kapitalismus. Das mag zwar friedlicher f\u00fcr die herrschende Klasse sein, f\u00fcr die Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten war es das ganz sicher nicht! Millionen Menschen sind in Folge das Opfer von Hunger und religi\u00f6sen Konflikten geworden.<\/p>\n<\/div>\n<h4>Versp\u00e4tete Unabh\u00e4ngigkeit<\/h4>\n<div>\n<p>Nicht einmal f\u00fcr das Erreichen der Unabh\u00e4ngigkeit war Gandhis Methode erfolgreich. Fast 50 Jahre wurde diese Taktik verfolgt bis Indien unabh\u00e4ngig wurde. Doch auch wenn es die Geschichtsschreibung so darstellen m\u00f6chte: das der britische Imperialismus Indien 1947 in die Unabh\u00e4ngigkeit entlie\u00df war nicht das Ergebnis von Gandhis Kampf sondern der revolution\u00e4ren Welle, die nach dem 2. Weltkrieg die koloniale Welt ersch\u00fctterte. 1946 kam es \u2013 wie schon 1857 und 1918\/19 &#8211; zu Meutereien und Aufst\u00e4nden der indischen Soldaten, die in der britischen Armee gedient hatten. Begleitet von einer Welle von Massenstreiks bei Post, Eisenbahnen, Industrie und sogar Teilen der Polizei war das der eigentliche Grund daf\u00fcr, dass die Kolonialmacht Britannien zum R\u00fcckzug ansetzte.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wurde also durch die Taktik von INC und Gandhi die Kolonialherrschaft Britanniens um Jahrzehnte verl\u00e4ngert was unz\u00e4hlige Opfer zur Folge hatte. W\u00e4re die revolution\u00e4re Welle z.B. nach dem 1. Weltkrieg aufgegriffen und ausgebaut worden, so w\u00e4re eine fr\u00fchere Unabh\u00e4ngigkeit und v.a. auch eine Alternative zum Kapitalismus m\u00f6glich geworden. Denn durch die so erreichte Unabh\u00e4ngigkeit wurden die britischen Imperialisten durch eine nationale herrschende Klasse ersetzt (die weiterhin gut mit den ehemaligen Kolonialherren bzw. anderen imperialistischen M\u00e4chten zusammenarbeiteten) und an den Ausbeutungsstrukturen nichts \u00e4nderten. Gandhi war also viel weniger der Stachel im Fleisch des Imperialismus, als der er uns heute gerne verkauft wird, sondern im Gegenteil ein wichtiger Faktor gegen die indische Arbeiterklasse und ihre Organisationen.<\/p>\n<h4>Das Versagen der Kommunistischen Partei<\/h4>\n<p>Das der INC, Gandhi und die b\u00fcrgerliche Klasse die treibende Kraft in der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung spielen konnten (was keineswegs so sein musste, wie das Beispiel Sri Lanka\/Ceylon zeigt) liegt v.a. auch in der Schw\u00e4che und den Fehlern der Kommunistischen Partei Indiens (CPI). Diese war 1920 in Taschkent auf dem Boden der Sowjetunion gegr\u00fcndet worden, bzw. dann 1925 in Indien selbst. F\u00fchrend war in den ersten Jahren v.a. der aus einer b\u00fcrgerlichen Tradition kommende Manabendra Nath Roy. Er setzte sich Anfangs f\u00fcr eine milit\u00e4rische L\u00f6sung (also quasi eine milit\u00e4rische \u201eBefreiung\u201c Indiens durch die Sowjetunion vom Kolonialismus) ein und spielte in der Kommunistischen Internationale (Komintern) eine f\u00fchrende Rolle. Die Entwicklung der Komintern selbst ist entscheidend f\u00fcr die Positionen der CPI. Zentrale Fragen war das Verh\u00e4ltnis zu den b\u00fcrgerlichen und reformistischen Kr\u00e4ften der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung (wie dem INC bzw.. der Congress Socialist Party CSP).<\/p>\n<p>Insgesamt ist die Frage, wieviel Ressourcen die Komintern tats\u00e4chlich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der kolonialen Befreiungsbewegungen aufwenden konnte. Zwar war die Gr\u00fcndung selbst und auch die Dokumente der ersten Kongresse ein klares Zeichen daf\u00fcr, dass die Frage sehr ernst genommen wurde. Doch fehlte es teilweise an Mitteln und M\u00f6glichkeiten (die Sowjetunion selbst stand in einem Verteidigungskrieg) und Kontakten in die jeweiligen L\u00e4nder (damals gab es kein Internet, die Kommunikation war m\u00fchsam und die Informationen sp\u00e4rlich). Hinzu kam auch, dass die KPn der entwickelten kapitalistischen L\u00e4nder (v.a. die KP-Britanniens, die lange zust\u00e4ndig war f\u00fcr die CPI) nicht frei von nationalem Chauvinismus war und meinte, das die GenossInnen in Indien noch nicht &#8222;reif&#8220; w\u00e4ren. Doch das zentrale Hindernis war der Deformationsprozess, denn die Komintern selbst im Gefolge der Etablierung des Stalinismus in der Sowjetunion durchlief. Sie wurde immer weniger zu einem Instrument, dass die Weltrevolution antreiben sollte um so eine Isolierung der Sowjetunion zu verhindern und immer mehr zu einem Instrument der sowjetischen Au\u00dfenpolitik, der alles untergeordnet wurde. Der Zick-Zack-Kurs, den die Komintern seit Mitte der 1920er Jahre durchlief nahm in der indischen Praxis absurde Formen an.<\/p>\n<p>1927 wurden Gandhi und der INC mit dem Imperialismus gleichgesetzt und der linke Fl\u00fcgel der nationalen Bourgeoisie (rund um Nehru und Bose) wurden zum Hauptfeind erkl\u00e4rt. Eine Zusammenarbeit mit dem INC und eine Beteiligung an den Massenkampagnen war damit unm\u00f6glich, die CPI isoliert. In ihrer ultralinken Phase proklamierte die Komintern den angeblich unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Kapitalismus und rief quasi ein \u201eSowjet-Indien\u201c aus.<\/p>\n<p>1935 auf dem 7. Komintern-Kongress kam es zum Kurswechsel, es wurde die Notwendigkeit von Einheitsfronten gegen den Faschismus ausgerufen und der Aufbau von anti-imperialistischen B\u00fcndnissen. Das passte gut zum Verbot der CPI 1934 die \u00fcber eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit, ev. sogar eine Fusion mit der CSP diskutierte. Als im August 1939 der Hitler-Stalin-Pakt unterzeichnet wurde, bedeutete dass f\u00fcr die CPI eine Intensivierung dieser Politik: Der britische Imperialismus wurde zum Hauptfeind erkl\u00e4rt, eine Schw\u00e4chung Britanniens als willkommene Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Sowjetunion betrachtet. Nach dem Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 kam die 180 Grad Wende: Die Periode der Volksfronten wurde ausgerufen, Britannien wurde zum B\u00fcndnispartner, der Unabh\u00e4ngigkeitskampf letztlich als Schw\u00e4chung der Sowjetunion umgedeutet. Der INC wurde rechts \u00fcberholt und die CPI erkl\u00e4rte sich zum loyalen B\u00fcndnispartner der britischen Kolonialherren in Indien. Eine M\u00f6glichkeit um in den Massenprotesten der Arbeiterklasse eine starke Basis aufzubauen, eine klare Strategie vorzubringen und der b\u00fcrgerlichen F\u00fchrung der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung eine echte Alternative entgegen zu stellen war der Zick-Zack-Kurs von Komintern und CPI sicherlich nicht. Und so konnte der katastrophale Kurs von INC und Gandhi den Unabh\u00e4ngigkeitskampf um Jahrzehnte verz\u00f6gern. Errungeb wurde so bestenfalls eine formale Unabh\u00e4ngigkeit, da die Abh\u00e4ngigkeit vom internationalen und nationalen Kapitalismus bis heute Bestehen geblieben ist. Mit all seinen Ungerechtigkeiten und Opfern. Eine echte Unabh\u00e4ngigkeit w\u00fcrde aber auch eine von der kapitalistischen Ausbeutung bedeuten \u2013 und eine solche muss noch erk\u00e4mpft werden!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der lange Kampf f\u00fcr die indische Unabh\u00e4ngigkeit und die gar nicht positive Rolle von Gandhi &#038; Co.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28734,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,90],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28733"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28733"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28733\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28734"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}