{"id":28406,"date":"2014-07-25T11:00:38","date_gmt":"2014-07-25T09:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.mobi\/?p=28406"},"modified":"2014-09-17T14:28:28","modified_gmt":"2014-09-17T12:28:28","slug":"oekolandbau-im-kapitalismus-und-die-marxistische-perspektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/07\/oekolandbau-im-kapitalismus-und-die-marxistische-perspektive\/","title":{"rendered":"\u00d6kolandbau im Kapitalismus und die marxistische Perspektive"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_28407\" aria-describedby=\"caption-attachment-28407\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14156947747_210ebef136_k.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-28407 size-medium\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14156947747_210ebef136_k-230x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/kwssaatag\/ CC BY-NC-ND 2.0\" width=\"230\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14156947747_210ebef136_k-230x173.jpg 230w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14156947747_210ebef136_k-462x347.jpg 462w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14156947747_210ebef136_k.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-28407\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/kwssaatag\/ CC BY-NC-ND 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie lassen sich gesunde Lebensmittel f\u00fcr Alle produzieren?<\/strong><\/p>\n<p><em>von Kristof Sebastian Roloff, G\u00f6ttingen<\/em><\/p>\n<p>Die Menschheit hat ein Problem: W\u00e4hrend die Weltbev\u00f6lkerung unaufhaltsam weiter ansteigt, verschwinden weltweit immer mehr Ackerfl\u00e4chen zur Produktion von Grundnahrungsmitteln. Ein \u201eWeiter so!\u201c kann es f\u00fcr unsere Zivilisation nicht geben, weil sie sonst dem sicheren Hungertod ins Auge blicken wird. Um das zu verhindern, muss nicht nur der nachhaltige \u00d6kolandbau fl\u00e4chendeckend eingef\u00fchrt werden. Auch unser auf den wirtschaftlichen Profit der Gro\u00dfbourgeoisie fokussiertes Wirtschaftssystem ist ein massives Hemmnis f\u00fcr die Entwicklung des \u00d6kolandbaus und muss beseitigt werden.<\/p>\n<h4>Ursprung der kapitalistischen Landwirtschaft<\/h4>\n<p>Im fr\u00fchkapitalistischen Zeitalter war im Nordeuropa die sogenannte Dreifelderwirtschaft eine weit verbreitete Variante der Landwirtschaft. Die bewirtschaftete Ackerfl\u00e4che wurde in drei Teile bzw. Felder aufgeteilt: Das Sommeracker, das Winteracker und die Brache. W\u00e4hrend auf den ersten beiden Feldern jeweils Sommer- und Wintergetreide ges\u00e4t wurde, welches im Sp\u00e4tsommer erntereif war, so lag stets ein drittes Feld zur Erholung brach. Im Vergleich zu heutigen Ertr\u00e4gen war die Ausbeute schlecht und Hungersn\u00f6te waren niemals auszuschlie\u00dfen. Der deutsche Chemiker Justus von Liebig (1803\u20131873) entwickelte daraufhin die Agrochemie, in der er die D\u00fcngung des Bodens mit Mineralien zur maximalen Ertragssteigerung beschrieb. In Verbindung mit der aufsteigenden Phase des Kapitalismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts steigerte sich die landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t um fast 100 %, womit das Kapital nicht nur in der Industrie seine Macht ausbreiten konnte. Dies war der Beginn der konventionellen Landwirtschaft, wie sie im heutigen Deutschland existiert. Im Zuge des Imperialismus wurde diese Form der Landwirtschaft auf die besetzten Koloniall\u00e4nder ausgeweitet und trug zur Ausbeutung der dortigen Bev\u00f6lkerung und zur Akkumulation des Wohlstands in den imperialistischen L\u00e4ndern in noch nie dagewesenem Zustand bei.<\/p>\n<h4>Die ersten Gegenbewegungen<\/h4>\n<p>Nicht das stark exponentielle Wachstum war es, dass der neuen konventionellen Landwirtschaft den Unmut der ersten KritikerInnen &#8211; hierzulande aus dem s\u00fcddeutschen Raum &#8211; bescherte. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts warnten einige Bauern: mit der direkten Wachstumsbeeintr\u00e4chtigung der Pflanzen durch chemische Mittel w\u00fcrden automatisch neue Krankheiten entstehen, also \u00e4hnlich wie in der Medizin. Es w\u00fcrden allgemein neue Probleme auf die Landwirtschaft zukommen, auf die es keine Antworten g\u00e4be. Damit entstand eine erste Gegenbewegung zur konventionellen Landwirtschaft, die deren kapitalistische Charakter zwar noch v\u00f6llig ausblendete, aber die konventionelle Landwirtschaft zumindest isoliert kritisierte. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts, speziell in den 60er &amp; 70er Jahren, formierte sich gegen die imperialistische Kriegstreiberei und den damit verbundenen Eins\u00e4tzen von Chemie- &amp; Nuklearwaffen eine weitere Bewegung aus unabh\u00e4ngigen SozialistInnen und alternativen Linken, die den Gedanken des \u00d6kolandbaus verst\u00e4rkt aufgriffen und deren zuk\u00fcnftige Bedeutung erkannte.<\/p>\n<p>Zeitgleich gab es viele revolution\u00e4re Bewegungen in Dritt- und Entwicklungsl\u00e4ndern, bei denen radikale Bodenreformen nicht grundlos durchgef\u00fchrt wurden \u2013 obwohl diese wegen der stalinistischen B\u00fcrokratie durchaus kritisch zu be\u00e4ugen sind. Das Problem dieser Umstrukturierung der Landwirtschaft war, dass hier der kapitalistische Charakter zwar richtiger Weise gebrochen werden sollte (der Lebensstandard der LandwirtInnen in den Sowjetrepubliken war allg. h\u00f6her als der in den kapitalistischen L\u00e4ndern, was unter anderem an der viel st\u00e4rkeren Integration der b\u00e4uerlichen Kreise in die Gesamtgesellschaft lag. Zudem gab es regelm\u00e4\u00dfige Lohnerh\u00f6hungen), aber die Einf\u00fchrung der nachhaltigen Landwirtschaft g\u00e4nzlich ignoriert wurde. Es ging, \u00e4hnlich wie in der aufsteigenden Phase des Kapitalismus, um die Industrialisierung der Landwirtschaft zur Steigerung der Produktion und Pr\u00e4vention von Hungersn\u00f6ten. Dies ist zun\u00e4chst richtig, um den Lebensstandard der Bev\u00f6lkerung massiv anzuheben und zu sichern. Wenn in einem wirtschaftlich r\u00fcckst\u00e4ndigen Land eine sozialistische Umstrukturierung erfolgt, ist ein Wirtschaftswachstum im zweistelligen Prozentbereich sogar notwendig, solange die Verteilung des erwirtschafteten Reichtums dabei auf alle Teile der Bev\u00f6lkerung gleicherma\u00dfen erfolgt. Dies war in den Sowjetrepubliken und weiteren L\u00e4ndern des Stalinismus der Fall. Die Nachhaltigkeit und insbesondere der Umweltschutz war jedoch katastrophal schlechter \u2013 teilweise gar nicht &#8211; organisiert als in den kapitalistischen Staaten, welche wiederum einen massiven Ausbeutungskurs gegen die arbeitende landwirtschaftliche Bev\u00f6lkerung umsetzte.<\/p>\n<p>Sofern man noch von Bl\u00f6cken sprechen kann, befindet sich der \u00d6kolandbau sowohl in den kapitalistischen als auch in den realsozialistischen Staaten auf gleichem Niveau, unabh\u00e4ngig davon, wie der jeweilige historische Verlauf war. Ebenso die industrielle Landwirtschaft ist im Kapitalismus und Realsozialismus gleicherma\u00dfen durchgesetzt. Interessant ist hingegen die Frage, welches der beiden Systeme die industrielle durch die \u00f6kologisch-nachhaltige Landwirtschaft dauerhaft ersetzen kann.<\/p>\n<h4>Der Status Quo der \u00f6kologischen Landwirtschaft<\/h4>\n<p>Der Kapitalismus, also das warenproduzierende System, ist eine auf Gewinnmaximierung immanent ausgelegte Wirtschafts- &amp; Gesellschaftsform. Um wirtschaftlich zu \u00fcberleben, muss der Mensch seine Arbeitskraft verkaufen (Marxismus: Warencharakter der Arbeit). Hierbei hat derjenige, der die Arbeitskraft verkauft (ArbeiterInnen, Angestellte usw.) i.d.R. weniger Nutzen davon als derjenige, der die Arbeitskraft kauft (KapitalistIn). Das gilt in der Landwirtschaft nicht anders als in der Industrie.<\/p>\n<p>Wie in allen anderen Wirtschaftsbranchen f\u00fchrt diese Wirklichkeit auch in der \u00f6kologischen Landwirtschaft zwangsl\u00e4ufig zu stets sich selbst reproduzierenden Widerspr\u00fcchen. Auf der einen Seite existiert das v\u00f6llig richtige Bed\u00fcrfnis nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, nach Ausbau sozialer Mindeststandards insbesondere f\u00fcr Produzenten aus Drittweltstaaten und einer sich verbunden f\u00fchlenden Gemeinschaft der \u00d6kolandbauern. Auf der anderen Seite werden diese Prinzipien gerade durch den permanenten Konkurrenzkampf mit anderen MarktteilnehmerInnen immer wieder ausgeh\u00f6hlt \u2013 ob es sich dabei um industrielle oder \u00f6kologische MarktteilnehmerInnen handelt, ist irrelevant, weil der Nutzwert des jeweiligen Endprodukts identisch ist. Dadurch wird der Frage nach wirtschaftlicher Effizienz stets eine h\u00f6here Bedeutung zukommen als den Fragen nach sozialer Gleichheit unter den Lohnabh\u00e4ngigen. De facto sind \u00d6kolandbauern, so fortschrittlich sie auch denken, zur kapitalistischen Produktionsweise gezwungen, da ihr wirtschaftliches \u00dcberleben selbst vom Gesamtmarkt (also dem \u00fcbergeordneten System) abh\u00e4ngig ist. Die derzeit noch fehlende Klassenfrage innerhalb der \u00d6kobewegung stellt ein zus\u00e4tzliches Hindernis f\u00fcr wirklich selbstverwaltende und unabh\u00e4ngige Strukturen in den H\u00e4nden der Lohnabh\u00e4ngigen dar.<\/p>\n<p>Genossenschaften und Kommunen sind in der \u00d6kobranche g\u00e4ngige Formen um dem, nennen wir es mal, \u00e4u\u00dferen Einfluss des Kapitalismus zumindest betriebsintern zu d\u00e4mpfen. Diese Organisationsformen k\u00f6nnen diesen Einfluss aber freilich nicht aushebeln. Solange sie Akteure am marktwirtschaftlichen Geschehen sind werden sie zwangsl\u00e4ufig nach den \u00f6konomischen Spielregeln des Kapitalismus handeln m\u00fcssen, um am \u201efreien Markt\u201c \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Gegen eine \u00fcbergeordnete Wirtschaftsform helfen jedoch keine individuellen Verwaltungskonstrukte, sondern nur kollektive Organisation der in der Landwirtschaft Besch\u00e4ftigten und dem Bruch mit der neoliberalen Hegemonie. Auf der parteipolitischen Landkarte steht daher fest: mit einem system\u00fcberwindenden Anspruch wie ihn DIE LINKE hat \u2013 und sei er begrenzt \u2013 positioniert sie sich durchaus als gr\u00fcnere Partei gegen\u00fcber den GR\u00dcNEN.<\/p>\n<p>Das B\u00fcrgertum sucht inzwischen selbst nach alternativen Formen der Nahrungsmittelgewinnung. Das sogenannte \u201eUrban Gardening\u201c ist eine selbstorganisierte Art des Obst- &amp; Gem\u00fcseanbaus, der in st\u00e4dtischen Wohngebieten praktiziert und als allgemein anerkannte Alternative angesehen wird. Megacitys wie Bejing produzieren 40 Prozent ihres Gem\u00fcse-Bedarfs durch Urban Gardening. W\u00e4hrend dieser Weg in den Entwicklungsl\u00e4ndern bzw. von der arbeitenden Klasse vorrangig aus unmittelbar vorhandener Nahrungsmittelknappheit heraus praktiziert wird, hat dies f\u00fcr die Bourgeoisie \u00fcberwiegend als \u201ehip\u201c geltende Beweggr\u00fcnde &#8211; vom Mainstream m\u00f6chte man sich freilich abgrenzen. Grunds\u00e4tzlich sind Tendenzen, gro\u00dfe Monokulturen zu umgehen und in kleineren eigenst\u00e4ndig verwalteten Einheiten zu produzieren, begr\u00fc\u00dfenswert. Auf die tats\u00e4chlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse kann dies jedoch keine Antwort sein \u2013 denn auch hier wird das Kapital Wege zum Arrangement finden, beispielsweise durch Saatgutverordnungen der B\u00fcrokratie und Monopole, bei denen die ProduzentInnen stets neues Saatgut beziehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zudem f\u00fchrte die Behauptung der Herrschenden, die EndverbraucherInnen w\u00fcrden f\u00fcr die massive Lebensmittelverschwendung verantwortlich sein, zum Umdenken innerhalb der Bev\u00f6lkerung aus Gewissensgr\u00fcnden. Das ist eine L\u00fcge. Fakt ist, dass durch unz\u00e4hlige Lebensmittelnormen zur Erreichung eines einheitlichen Lebensmittelstandards jedes Jahr Millionen Tonnen Nahrung vernichtet werden, bevor sie \u00fcberhaupt die Superm\u00e4rkte erreichen. Wir erinnern uns an die EU-Norm zur Festlegung der maximalen L\u00e4nge &amp; Kr\u00fcmmung von Gurken und anderen Perversit\u00e4ten. Selbst gestandene B\u00fcrokraten haben die Sinnlosigkeit dieser Norm \u2013 ausnahmsweise \u2013 erkannt und sie wieder zur\u00fcckgenommen. Ziel ist es, der Bev\u00f6lkerung einzureden, dass sie f\u00fcr die globale Lebensmittelverschwendung und \u00dcberproduktion verantwortlich sei. Fakt ist, dass nur ein geringer Bruchteil der Lebensmittel tats\u00e4chlich in Privathaushalten entsorgt wird \u2013 schlie\u00dflich hat die arbeitende Bev\u00f6lkerung Geld f\u00fcr die Nahrung ausgegeben, welches sie faktisch nicht zum Fenster herausschmei\u00dfen wollen und k\u00f6nnen. Der Kapitalismus erweist sich unf\u00e4hig, die eigentliche Verschwendung bei der Lebensmittelproduktion zu umgehen \u2013 wieso auch? Letztlich gibt es kein Interesse an Produktionsverh\u00e4ltnissen, bei denen aus reinen optischen M\u00e4ngeln bereits ca. 30 Prozent der Nahrung im M\u00fcll landen, irgendetwas zu ver\u00e4ndern, solange die Profitrate zufriedenstellend ist.<\/p>\n<p>Dass sich die Herrschenden der drastischen Verschlechterung der Bedingungen des zuk\u00fcnftigen Lebensmittelanbaus \u2013 also \u00dcbers\u00e4uerung &amp; \u00dcberbeanspruchung fruchtbarer B\u00f6den, was letztlich nur sie selbst zu verantworten haben \u2013 bewusst sind und de facto wissen, dass es ein \u201eWeiter so!\u201c auch garnicht geben kann (ohne dies \u00f6ffentlich einzugestehen), beweist die Entwicklung der erh\u00f6hten B\u00f6rsenspekulation und des Handelns mit unbearbeiteten Ackerfl\u00e4chen in Entwicklungsl\u00e4ndern. Sie wissen, dass bei steigenden Bev\u00f6lkerungszahlen und stets r\u00fcckg\u00e4ngiger fruchtbarer Ackerb\u00f6den das Unwetter irgendwann hereinbrechen muss. Darum sichern sie sich bereits jetzt Ackerfl\u00e4chen um f\u00fcr globale Hungersn\u00f6te selbst gewappnet zu sein. Sollte es zu so einem Szenario kommen, indem es sprichw\u00f6rtlich um den letzten Grashalm ginge, w\u00fcrde die Bourgeoisie ihre privaten Ackerfl\u00e4chen mit s\u00e4mtlicher milit\u00e4rischer Gewalt gegen die 99 Prozent verteidigen.<\/p>\n<h4>Voran zur sozialistischen Umstrukturierung<\/h4>\n<p>Fast nirgendwo werden die Klassengegens\u00e4tze so deutlich wie hier. Mit Verh\u00e4ltnissen, in denen Landwirte mit einer w\u00f6chentlichen Arbeitszeit von teilweise \u00fcber 70 Stunden bei einem Einkommen auf Mindestlohnniveau die kostspieligen \u00f6kologischen Erzeugnisse herstellen, die sich gemeinhin nur die gutbetuchte Bourgeoisie dauerhaft leisten kann, um sich selbst nur mit billiger Massenware niederster Qualit\u00e4t versorgen zu k\u00f6nnen, muss radikal gebrochen werden. Dazu bedarf es einer massenhaften Organisierung der in der \u00d6ko-Szene besch\u00e4ftigten Lohnabh\u00e4ngigen, die die Ern\u00e4hrung in den unterschiedlichen sozialen Schichten zu einer grunds\u00e4tzlichen Klassenfrage gestaltet und ihre L\u00f6sungen auf Grundlage ebendieser entwickelt. F\u00fcr den Arbeitskampf in den b\u00e4uerlichen Strukturen m\u00fcssen neue Perspektiven geschaffen werden. Gewerkschaftliche Organisation w\u00e4re ein wichtiger Schritt f\u00fcr \u00fcberregionalen Widerstand gegen gro\u00dfe Lebensmittelkonzerne und der kapitalistischen Ausbeute. Diese d\u00fcrfte sich nicht auf den nationalen Rahmen der Bundesrepublik Deutschland beschr\u00e4nken, da die gro\u00dfen Lebensmittelspekulanten und -Kapitalisten selbst global agieren. Deren Augenmerk liegt zwar noch auf der sehr viel gewinnintensivierteren konventionellen Landwirtschaft, doch wird sich das Kapital neue M\u00f6glichkeiten des Marktes immer unter den Nagel rei\u00dfen. Das betr\u00e4fe also auch die \u00f6kologische Landwirtschaft, sobald sie zu nennenswertem gesamtwirtschaftlichem Einfluss k\u00e4me &#8211; derzeit liegt der weltweite Anteil der \u00f6kologisch bewirtschafteten Felder im Vergleich zur Gesamtackerfl\u00e4che bei ca. 0,8 Prozent.<\/p>\n<p>Des Weiteren ist ein klares Programm zur \u00dcberwindung der derzeitigen Eigentumsverh\u00e4ltnisse notwendig. Nur wenn alle Entscheidungskompetenzen bei den ArbeiterInnen liegen, die letztlich die eigentlichen ProduzentInnen sind, k\u00f6nnen fl\u00e4chendeckende Umstrukturierungen verwirklicht werden und das Konkurrenzsystem \u00fcberwunden werden. Dieses beweist letztlich, dass es bei kapitalistischer Produktionsweise nicht um gute \u00f6kologische Erzeugnisse selbst, sondern um den wirtschaftlichen Wettbewerb und Erfolg mithilfe von \u00f6kologischen Erzeugnissen gehen muss.<\/p>\n<p>So wie der internationale Sozialismus einst den Kapitalismus ersetzen wird, so muss auch die konventionelle Landwirtschaft der geplanten \u00f6kologischen Landwirtschaft weichen. Sobald die ArbeiterInnen die Gewalt \u00fcber die Produktionsmittel innehaben k\u00f6nnen sehr viel effektivere Generalstreiks durchgef\u00fchrt werden. Ein Generalstreik der Lebensmittelproduktion w\u00fcrde zweifelsfrei nicht lange unkommentiert bleiben. Sobald das Kapital um seine Macht f\u00fcrchten muss (und das B\u00fcrgertum um sein Futter), w\u00fcrde s\u00e4mtliche Energie in konterrevolution\u00e4re Reaktionen geleitet. Weil aber die Lebensmittel nicht von den Kapitalisten selbst, sondern von den ArbeiterInnen produziert werden, w\u00fcrden letztlich die ArbeiterInnen siegen. F\u00fcr eine sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft ist also eine \u00f6kologische Landwirtschaft unter Kontrolle der Lohnabh\u00e4ngigen immanent erforderlich. Nicht nur, um soziale Mindeststandards in der Landwirtschaft ausbauen und sichern zu k\u00f6nnen, sondern auch um die Nahrungsmittelproduktion als Druckmittel gegen die neoliberale Hegemonie und ihre Hauptakteure einsetzen zu k\u00f6nnen. Die Lebensmittelvorr\u00e4te einer durchschnittlichen Stadt reichen f\u00fcr knapp 3 Tage. Man stelle sich nur das Szenario vor, in dem die ArbeiterInnen in der Lebensmittelproduktion einen fl\u00e4chendeckenden Generalstreik ausrufen w\u00fcrden. Diese Wirklichkeit zeigt, dass die eigentliche Macht nicht bei einer kleinen Anzahl von KapitalistInnen der Gro\u00dfkonzerne liegt, sondern bei Millionen von ArbeiterInnen, die f\u00fcr den Profit der Herrschenden ausgebeutet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lassen sich gesunde Lebensmittel f\u00fcr Alle produzieren?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28407,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[116,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28406"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28406"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28406\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}