{"id":28335,"date":"2014-06-23T18:18:48","date_gmt":"2014-06-23T16:18:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.mobi\/?p=28335"},"modified":"2014-07-11T11:17:28","modified_gmt":"2014-07-11T09:17:28","slug":"ukraine-hunderte-tote-bei-militaerischen-zusammenstoessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/06\/ukraine-hunderte-tote-bei-militaerischen-zusammenstoessen\/","title":{"rendered":"Ukraine: Hunderte Tote bei milit\u00e4rischen Zusammenst\u00f6\u00dfen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_27343\" aria-describedby=\"caption-attachment-27343\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/12753571754_c38f758f8b_b-e1401285133476.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-27343\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/12753571754_c38f758f8b_b-e1401285133476-280x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/87913776@N00\/ CC BY 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/12753571754_c38f758f8b_b-e1401285133476-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/12753571754_c38f758f8b_b-e1401285133476-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/12753571754_c38f758f8b_b-e1401285133476-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/12753571754_c38f758f8b_b-e1401285133476.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-27343\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/87913776@N00\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Arbeitende Bev\u00f6lkerung f\u00fcrchtet umfassenden Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Vor sechs Monaten weigerte sich die fr\u00fchere Regierung der Ukraine unter der F\u00fchrung von Viktor Janukowitsch, eine Assoziierungsvereinbarung mit der EU zu unterschreiben. Das l\u00f6ste die \u201eEuromaidan\u201c-Proteste aus. Jetzt ist das Land nahe am Auseinanderbrechen und einem tiefen Abgleiten in einen Krieg. Hunderte wurden schon bei milit\u00e4rischen Zusammenst\u00f6\u00dfen in der Ost- und S\u00fcdukraine get\u00f6tet. Erkl\u00e4rungen durch den neu ins Amt eingef\u00fchrten Pr\u00e4sidenten, dem Milliard\u00e4r Petr Poroschenko, dass die K\u00e4mpfe binnen einer Woche enden sollten, sto\u00dfen in ostukrainischen St\u00e4dten wie Slawjansk, Mariupol und Donetsk auf Unglauben und Emp\u00f6rung, wo die t\u00f6dlichen Zusammenst\u00f6\u00dfe weitergehen.<\/p>\n<p><em>von Rob Jones, Moskau, 13.6.2014\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Poroschenkos Wahl wurde von den EU- und US-Regierungen bef\u00fcrwortet, die ihn als den zuverl\u00e4ssigsten der westlich-orientierten Oligarchen sehen. Diese westlichen \u201eDemokratien\u201c sorgen sich nicht \u00fcber die Einbeziehung b\u00f6sartiger anti-russischer Nationalisten, rechtsextremer Politiker und Neofaschisten in das Kiewer Regime, einschlie\u00dflich dem Justizministerium und Schl\u00fcsselposten in den Streitkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Poroschenko verspricht, das Assoziierungsabkommen zu unterschreiben, und sagte, die Ukraine solle der EU als Vollmitglied beitreten. Euromaidan war im Kern ein Ausbruch der Unzufriedenheit von Millionen von UkrainerInnen \u00fcber die Folgen der Wirtschaftskrise, wachsende Korruption, gegen die verhassten Oligarchen und Schritte hin zu einem autorit\u00e4ren Regime unter Janukowitsch. Viele, die die Proteste unterst\u00fctzten, sahen den Beitritt zum europ\u00e4ischen Block als leichten Weg zum Wohlstand. Aber sie werden desillusioniert werden, wenn sie sehen, dass die EU keine Pl\u00e4ne hat, das Land als Mitglied aufzunehmen, und wenn sie beginnen, die Wirkungen der drastischen Haushaltsk\u00fcrzungen zu sp\u00fcren, die von der EU und dem IWF als Bedingung f\u00fcr Wirtschaftshilfe gefordert werden.<\/p>\n<p>Die Maidanproteste entfachten einen brutalen Kampf zwischen verschiedenen Teilen der ukrainischen herrschenden Elite. Jede Seite st\u00fctzt sich auf reaktion\u00e4re Kr\u00e4fte wie den neofaschistischen \u201eRechten Sektor\u201c und die verschiedenen prorussischen rechten Kr\u00e4fte, um den Reichtum des Landes zu kontrollieren. Sie werden dabei von den kapitalistischen M\u00e4chten unterst\u00fctzt, die ihren politischen und milit\u00e4rischen Einfluss in Osteuropa vergr\u00f6\u00dfern m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Die Krise hat die Spannungen zwischen den westlichen imperialistischen M\u00e4chten betr\u00e4chtlich vergr\u00f6\u00dfert. Die USA fordern h\u00e4rtere Sanktionen gegen Russland, w\u00e4hrend sich Deutschland \u2013 dessen Wirtschaft besonders im Energiesektor stark vom Handel mit Russland abh\u00e4ngt \u2013 sich sorgt, dass Sanktionen auch die EU-Wirtschaft sch\u00e4digen w\u00fcrden. Die EU m\u00f6chte verhindern, dass die Instabilit\u00e4t in der Ukraine au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t, aus Angst, dass das ganz Europa sch\u00e4digen w\u00fcrde. Gleichzeitig versuchte das Putin-Regime, die westlichen Ambitionen in der Ukraine aufzuhalten, und schmiedete durch das Unterzeichnen des Gasabkommens und anderer Investitionsprojekte mit China st\u00e4rkere Beziehungen mit Peking.<\/p>\n<h4>\u201eDie Krim wird immer ukrainisch sein\u201d<\/h4>\n<p>In seiner Amtseinf\u00fchrungsrede demonstrierte Poroschenko, indem er ein schnelles und entschlossenes Ende der \u201eanti-terroristischen Aktion\u201d forderte und dann erkl\u00e4rte, dass die \u201eKrim immer ukrainisch sein wird\u201d, dass es kein leichtes (schnelles) Ende der Krise geben wird. Anti-Kiew-Rebellen halten weiterhin strategische Schl\u00fcsselstellungen in weiten Teilen der Regionen Donetsk und Lugansk, und die Ereignisse der letzten zwei Monate haben die Stimmung der Bev\u00f6lkerung gegen die Kiewer Regierung verst\u00e4rkt. Das Kiewer Regime befahl einen brutalen milit\u00e4rischen Angriff gegen den Osten und S\u00fcden des Landes, unter Einsatz von Luftangriffen und der Nationalgarde. Faschistische Banden werden gegen Anti-Kiew-Protestierende und arbeitende Menschen eingesetzt. Viele Anti-Kiew-DemonstrantInnen und ZivilistInnen wurden im Mai in Odessa get\u00f6tet, als das Geb\u00e4ude, in dem sie Schutz suchten, von einem pro-Kiewer Mob, einschlie\u00dflich Schl\u00e4gern des Rechten Sektors, angez\u00fcndet und belagert wurde.<\/p>\n<p>Putin hat, indem er praktisch die Legitimit\u00e4t von Poroschenkos Wahl akzeptiert hat und an von der EU vermittelten Gespr\u00e4chen zu den russischen Gaslieferungen an die Ukraine teilgenommen hat, den zynischen Charakter von Russlands kapitalistischer Politik gezeigt. Nach Monaten von Propaganda \u00fcber das \u201efaschistische Regime\u201d in Kiew und die Notwendigkeit des Schutzes von russischsprachigen Menschen, zeigt die Putin-Regierung jetzt, dass diese Rechte nichts wert sind im Vergleich zu seinen wirtschaftlichen Hauptinteressen wie den Gaseinnahmen. Die Realit\u00e4t ist, dass die russische herrschende Elite versteht, dass nach der Einverleibung der Krim in die russische F\u00f6deration die finanziellen, sozialen und politischen Kosten f\u00fcr die \u00dcbernahme anderer Regionen zu hoch w\u00e4ren. Die Produktivit\u00e4t der Donbass-Kohlefelder, die nach Berichten zehnmal niedriger als in Russland ist, auf Standardniveau zu bringen, erfordert gro\u00dfe Investitionen und umfangreiche Zechenschlie\u00dfungen. Damit w\u00fcrde man eine riesige soziale Explosion einer Arbeiterklasse mit einer Kampftradition riskieren. Der Kreml w\u00fcrde es vorziehen, Donetsk und Lugansk in der Ukraine zu lassen, vielleicht als nicht anerkannte Republiken, die sich als Druckmittel gegen die Kiewer Regierung verwenden lassen.<\/p>\n<p>Es wird schon erwartet, dass die Vereinigung der Krim mit Russland mehr kostet als die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Russland wird zwar keine Pacht mehr an die Ukraine f\u00fcr die Nutzung des Schwarzmeer-Flottenst\u00fctzpunkts in Sewastopol zahlen, aber es wird f\u00fcr die Pensionen und L\u00f6hne von Staatsbesch\u00e4ftigten aufkommen m\u00fcssen und f\u00fcr die \u00dcberwindung gr\u00f6\u00dferer Infrastrukturprobleme zahlen m\u00fcssen. Elektrizit\u00e4t und Wasser kommen gegenw\u00e4rtig vom ukrainischen Festland. Weil es nur einen Stra\u00dfenzugang durch die Ukraine gibt, wird ein Plan zum Bau einer Br\u00fccke zum russischen Festland diskutiert. Die Kosten steigen, zugleich werden Verhandlungen mit den Chinesen zur Durchf\u00fchrung des Projekts gef\u00fchrt. Aber die Krim-Wirtschaft kann nicht auf den Bau der Br\u00fccke warten. Die Reisernte ging durch den Mangel an Wasser verloren und die Tourismuswirtschaft bricht zusammen, weil der Zufluss der TouristInnen aufgeh\u00f6rt hat. Zus\u00e4tzlich ist die tatarische Bev\u00f6lkerung der Halbinsel zunehmend besorgt \u00fcber den neuen \u201ePolizeistaat\u201c, der die russische Annexion begleitet hat. Tausende sind von der Krim geflohen und beschweren sich \u00fcber Schikanen und Gewalt.<\/p>\n<p>Die Spannungen konzentrieren sich jetzt in der Donetsk-Region und, in geringerem Ma\u00dfe, in der Lugansk-Region. Bewaffnete Gruppen mit verschiedenen Loyalit\u00e4ten k\u00e4mpfen um die Kontrolle von Verwaltungsgeb\u00e4uden, Flugh\u00e4fen und anderen strategisch Orten. Die ukrainische Regierung setzt Milit\u00e4rhubschrauber und bewaffnete Truppentransporter gegen die St\u00e4dte ein, w\u00e4hrend die Rebellen m\u00e4chtige Waffen zum Abschuss von Flugzeugen haben. Die Bev\u00f6lkerung kann nur voll Entsetzen zuschauen. Die Stadt Slawjansk wird von der ukrainischen Nationalgarde belagert, die regelm\u00e4\u00dfig Raketensalven in das Stadtzentrum abschie\u00dft. Die EinwohnerInnen, die nicht fliehen konnten, m\u00fcssen sich in Kellern verbergen.<\/p>\n<h4>\u201eVolksrepublik Donetsk\u201d<\/h4>\n<p>Die selbsterkl\u00e4rte \u201eVolksrepublik Donetsk (VRD)\u201c unter der F\u00fchrung einer Kombination von pro-russischen Rechtsextremisten, Antisemiten, Ex-Milit\u00e4rs und fr\u00fcheren Angeh\u00f6rigen von Polizei-Sondereinheiten, hat Streitkr\u00e4fte unter dem Kommando eines \u201eOberbefehlshabers\u201c, Igor Girkin (der \u201eBogensch\u00fctze\u201c), der nach eigenen Angaben \u201efr\u00fcher\u201c russischer Geheimagent war. Angeblich war die Miliz an Pl\u00fcnderungen, Schikanen gegen die Bev\u00f6lkerung und Pogromen gegen die Roma-Community unter dem Deckmantel einer \u201eAnti-Drogen-Kampagne\u201c beteiligt.<\/p>\n<p>Ende Mai griffen bewaffnete Aktivisten des \u201eWostok-Bataillons\u201c die Zentrale der VRD an, nahmen eine Reihe von K\u00e4mpfern unter dem Vorwurf der Pl\u00fcnderung und Schikanen fest. Das wurde als Staatsstreich bezeichnet. VRD-F\u00fchrer erkl\u00e4rten zwar sp\u00e4ter, dass sie dem Angriff zustimmten. Es scheint aber, dass Wostok eingriff, um eine diszipliniertere F\u00fchrung direkter unter russischer Kontrolle zu bilden. Wostok hat seine Wurzeln in einer paramilit\u00e4rischen Einheit, die zuerst von pro-russischen S\u00f6ldnern w\u00e4hrend des Tschetschenienkrieges gebildet und sp\u00e4ter in die russische Armee integriert wurde. Sie wurde dann aktiv in S\u00fcdossetien eingesetzt. Als Reaktion errichtete die Kiewer Regierung ihr eigenes \u201eDonbass\u201d-Bataillon aus ukrainisch- und russisch-sprachigen OstukrainerInnen in der Nationalgarde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Pr\u00e4sident Poroschenko, der die pro-europ\u00e4ischen Oligarchen vertritt, die Streitkr\u00e4fte des Landes gegen den Osten schickt, vertreten andere Oligarchen ihre Positionen im Osten. Unter ihnen ist Rinat Akmetow, der Eigent\u00fcmer von gro\u00dfen Teilen der ukrainischen Kohle- und Stahlindustrie, der eine entscheidende Rolle bei Janukowitschs Aufstieg an die Macht spielte, bevor er sich nach dem brutalen Angriff der Berkut-Polizeisondereinheiten auf die Maidan-Protestierenden gegen ihn wandte. Laut dem selbsternannten \u201eGouverneur\u201c der VRD, Pawel Gubarew, finanzierte er die pro-russischen Separatisten, bevor er sich im Mai gegen sie wandte. Entweder erkannte er, dass Chaos und die Drohung von offenem Krieg seinen Unternehmensinteressen gro\u00dfen Schaden zuf\u00fcgen w\u00fcrde, oder er handelte in \u00dcbereinstimmung mit den Kremlinteressen, die Rebellenregionen unter direktere Kontrolle zu bringen. Akmetow wies ArbeiterInnen und Personal von seinem Werk in Mariupol unter der Leitung eines Chefingenieurs an, in der Stadt zu patroullieren, um Barrikaden zu entfernen und \u201eOrdnung zu schaffen\u201c.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die M\u00e4chte sich um die Ukraine streiten, die Oligarchen man\u00f6vrieren, um ihre Unternehmensinteressen zu verteidigen, und die Kriegsherren weiterhin Krieg im Interesse ihrer Zahlherren f\u00fchren, k\u00f6nnen die arbeitenden Menschen in der Ukraine nur f\u00fcrchten, dass ein richtiger Krieg ausbrechen wird.<\/p>\n<p>Viele in den Ostregionen, die sich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der \u201eF\u00f6deralisierung\u201c entschieden \u2013 anf\u00e4nglich als Reaktion auf die von der neuen Nach-Janukowitsch-Regierung vorgeschlagenen Angriffe auf die russischen Sprachrechte und die gewaltsamen Aktivit\u00e4ten des rechtsextremen Rechten Sektors \u2013 wurden in ihren \u00c4ngsten best\u00e4tigt durch die Weise, in der Kiew die neu gebildete Nationalgarde bei einem brutalen Versuch zur Wiederherstellung der Kontrolle in ihren Regionen verwendet hat. F\u00fcr viele bedeutet F\u00f6deralisierung die Beibehaltung einer vereinigten Ukraine, aber auch den Schutz der Menschen im Osten und S\u00fcden vor den Aktionen der Zentralregierung. Andere, besonders die pro-russischen AktivistInnen, interpretieren F\u00f6deralisierung als Abspaltung und Vereinigung mit Russland.<\/p>\n<p>Diejenigen, die an den in Donetsk und Lugansk am 11. Mai abgehaltenen \u201eReferenda\u201c teilgenommen haben, waren haupts\u00e4chlich \u00e4ltere Menschen, die Illusionen haben, dass sich durch einen Beitritt zu Russland ihr Lebensstandard verbessern w\u00fcrde und aus deren Sicht das gegenw\u00e4rtige Putinregime in irgendeiner Weise eine Fortsetzung der fr\u00fcheren Sowjetunion ist. Viele Jugendliche, die sich selbst als Teil der Ukraine betrachten, ignorierten die Abstimmung, ebenso wie ein betr\u00e4chtlicher Teil der Bergarbeiter, die erstehen, welches Schicksal die Donetsk-Bergwerke erleiden w\u00fcrden, wenn die Region Russland beitreten w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Proteste<\/h4>\n<p>Auch wenn die Arbeiterklasse, besonders die Bergarbeiter, w\u00e4hrend der Krise noch nicht auf entschlossene, organisierte, unabh\u00e4ngige Weise gehandelt hat, gab es bedeutende Proteste. Neben Streiks von Bergarbeitern in der Lugansk-Region um Lohnfragen haben sporadische Proteste gegen die Aktionen der Nationalgarde und auch manchmal gegen die der Separatisten stattgefunden. Bezeichnend war, dass Bergarbeiter in der Region Lwow in der Westukraine wegen der Nichtzahlung von L\u00f6hnen gestreikt haben. Als TransportarbeiterInnen auf der Krim wegen versp\u00e4teter Lohnzahlungen streikten, tauchten unbekannte M\u00e4nner in Armeeuniformen auf, um sie zur\u00fcck an die Arbeit zu bringen. Anfang Juni streikten Tausend ArbeiterInnen im \u201eTitan\u201c-Werk auf der Krim, weil ihr Monatslohn in Rubel umgerechnet nur 3.600 Rubel (75 Euro) wert war.<\/p>\n<p>Es gab auch Proteste von Angeh\u00f6rigen von Mitgliedern der Nationalgarde und der Polizei in der Westukraine, gegen deren Entsendung in den S\u00fcden und Osten. In Berdansk, blockierten Angeh\u00f6rige von PolizistInnen, die nach Lugansk geschickt werden sollten, so lange das Tor der Kaserne, bis die, die das wollten, einen Bus verlie\u00dfen und den Polizeidienst quittierten.<\/p>\n<p>Es gibt eindeutig die Grundlage, um einen vereinigten Kampf von ArbeiterInnen quer durch die Ukraine gegen das Abgleiten in einen umfassenden Krieg zu beginnen, und auch zu L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen, besonders angesichts des erwarteten R\u00fcckgangs der Wirtschaftsleistung um f\u00fcnf Prozent in diesem Jahr. Die organisierte Arbeiterklasse hat auch die Verantwortung, ein tieferes Absinken des Landes in einen milit\u00e4rischen Konflikt zu verhindern. Zahnlose Appelle an die Kiewer Regierung, ihre anti-terroristische Operation zu beenden, an die separatistischen Regierungen, Friedensabkommen zu unterschreiben, oder an die ausw\u00e4rtigen M\u00e4chte, ihre Intervention im Land einzustellen, haben weniger Erfolgsaussicht als Appelle an einen Tiger, zum Vegetarier zu werden. Selbst wenn schlie\u00dflich irgend eine Art \u201eAbkommen\u201c zwischen Kiew und Moskau unterschrieben w\u00fcrde, w\u00fcrde es die zugrundeliegende Krise nicht l\u00f6sen, sondern w\u00e4re ein Abkommen zwischen verschiedenen oligarchischen R\u00e4uberbanden.<\/p>\n<h4>F\u00fcr einen vereinigten Arbeiterkampf<\/h4>\n<p>Nur ein vereinigter Kampf der Arbeiterklasse, um dem reaktion\u00e4ren Nationalismus und den Kriegsherren entgegenzutreten, um Angriffe auf den Lebensstandard zu verhindern, um nationale Minderheiten zu sch\u00fctzen und um f\u00fcr volle demokratische Rechte f\u00fcr arbeitende Menschen zu k\u00e4mpfen, kann die verschiedenen Seiten zwingen, milit\u00e4rische Angriffe zu stoppen.<\/p>\n<p>Arbeitende Menschen in allen Teilen der Ukraine haben das Recht, sich gegen physische Angriffe von rechtsextremen Schl\u00e4gern und Ultranationalisten, egal von welcher Seite, und gegen Staatsbrutalit\u00e4t zu verteidigen. ArbeiterInnen und Jugendliche im Osten und S\u00fcden stehen einer t\u00f6dlichen Bedrohung durch von Kiew unterst\u00fctzen Milizen, einschlie\u00dflich faschistischer Elemente, gegen\u00fcber. Notwendig sind unabh\u00e4ngige multhiethnische Arbeiter-Verteidigungskr\u00e4fte, die demokratisch kontrolliert und koordiniert sind, um gegen die rechtsextreme Bedrohung und Angriffe der staatlichen Streitkr\u00e4fte Widerstand zu leisten. Indem das mit dem Aufruf zum Klassenkampf gegen alle Oligarchen und die Einmischung ausw\u00e4rtigen kapitalistischer M\u00e4chte verbunden wird, kann eine m\u00e4chtige Alternative der Arbeiterklasse aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Dies w\u00fcrde die Grundlage schaffen f\u00fcr die Schaffung einer Arbeitermassenpartei, die den Kampf zum Sturz jener Regierungen anf\u00fchren k\u00f6nnte, die mit dem Kapitalismus verbunden sind und zynisch Nationalismus und den milit\u00e4rischen Konflikt zur Verteidigung ihrer Macht und ihres Reichtums nutzen. Eine Arbeitermassenpartei w\u00fcrde daf\u00fcr k\u00e4mpfen, sie durch eine Regierung zu ersetzen, die die Interessen der arbeitenden Menschen vertritt, die den Reichtum und die nat\u00fcrlichen Ressourcen des Landes in kollektives Eigentum unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung und in einer geplanten Wirtschaft \u00fcberf\u00fchrt \u2013 die den morschen Kapitalismus durch eine neue sozialistische Gesellschaft ersetzt. Nur unter solchen Bedingungen k\u00f6nnten wirkliche demokratische Rechte voll verwirklicht werden und andauern. Und alle Menschen der Ukraine k\u00f6nnten ihre eigene Zukunft bestimmen, einschlie\u00dflich des Rechts auf regionale Autonomie, als Teil einer sozialistischen Ukraine und einer breiteren sozialistischen F\u00f6deration auf einer freiwilligen und gleichberechtigten Basis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><em>Rob Jones ist Mitglied des internationalen Vorstands der Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale. Der Artikel erschien in englischer Sprache am 13. Juni 2014 auf www.socialistworld.net. Die \u00dcbersetzung besorgte Wolfram Klein.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitende Bev\u00f6lkerung f\u00fcrchtet umfassenden Krieg<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27343,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64,43],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28335"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28335"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28335\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27343"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}