{"id":28332,"date":"2014-06-21T14:36:11","date_gmt":"2014-06-21T12:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.mobi\/?p=28332"},"modified":"2014-07-11T11:14:23","modified_gmt":"2014-07-11T09:14:23","slug":"das-blutige-erbe-der-kriege-fuer-oel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/06\/das-blutige-erbe-der-kriege-fuer-oel\/","title":{"rendered":"Das blutige Erbe der Kriege f\u00fcr \u00d6l"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_28333\" aria-describedby=\"caption-attachment-28333\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/2071491521_3bf1b3f0a3_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-28333\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/2071491521_3bf1b3f0a3_b-260x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/soldiersmediacenter\/ CC BY 2.0\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/2071491521_3bf1b3f0a3_b-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/2071491521_3bf1b3f0a3_b-522x347.jpg 522w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/2071491521_3bf1b3f0a3_b.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-28333\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/soldiersmediacenter\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dem Irak droht der Zerfall \u2013 mit dramatischen Folgen f\u00fcr die gesamte Region<\/strong><\/p>\n<p>In diesen Tagen erleben wir genau das, wovor das Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (CWI) zu Zeiten des Irak-Kriegs 2003 gewarnt hatte: den Zerfall des Landes und eine Eskalation der ethnischen Konflikte.<\/p>\n<p><em>von Judy Beishon (Mitglied im internationalen Vorstand des CWI)<\/em><\/p>\n<p>Der US- und der britische Imperialismus legten die Basis daf\u00fcr, dass nicht ein, sondern mehrere Saddam Husseins und Al-Qaida-gleiche Terrororganisationen entstehen konnten \u2013 wie das auf die Dschihadistentruppe \u201eIslamischer Staat im Irak und in der Levante\u201c (ISIL beziehungsweise ISIS) zutrifft, der es bereits im Januar gelang, Falludscha einzunehmen, und jetzt Mossul (die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt des Irak).<\/p>\n<p>Der Sturz von Saddam Hussein bedeutete f\u00fcr viele sunnitische Muslime den Verlust von Positionen im Staatsapparat und ihrer Arbeitspl\u00e4tze. Konfrontiert mit dem massiven Widerstand der Sunniten spielte der US-Imperialismus seine Teile-und Herrsche-Karte aus und installierte ein schiitisch dominiertes, korruptes Regime.<\/p>\n<p>Die USA sind im Nahen Osten mittlerweile erheblich geschw\u00e4cht, nachdem ihre Milit\u00e4reins\u00e4tze letztendlich fehlschlugen, die Opposition gegen ihre Interventionen deutlich zugenommen hat und auch im eigenen Land der Widerstand gegen diese Feldz\u00fcge stark ist. Pr\u00e4sident Barack Obama war mit dem Versprechen angetreten, die Kriege im Irak und in Afghanistan zu beenden und beschloss den R\u00fcckzug der US-Truppen 2011. Letztes Jahr kam er enorm unter Druck, auf eine Bombardierung der syrischen Armee zu verzichten.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser Ereignisse schreckt das Wei\u00dfe Haus derzeit vor einem gro\u00dfangelegten Einsatz von US-Bodentruppen im Irak zur\u00fcck. Allerdings m\u00fcssen angesichts der Verlegung von Milit\u00e4r und Waffen in die Region sowie den Pl\u00e4nen f\u00fcr Luftangriffe gegen ISIS trotzdem die Alarmglocken klingeln.<\/p>\n<h4>Sunnitischer Aufstand<\/h4>\n<p>Bedeutende Teile der eine Million Soldaten starken irakischen Armee brachen auseinander, obwohl die ISIS-Kr\u00e4fte nur wenige tausend Bewaffnete umfassen. Bei der Einnahme der Zwei-Millionen-Stadt Mossul und anderen Orten wie Tikrit wurde ISIS von Aufst\u00e4nden der sunnitischen Minderheit unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen nutzten die kurdischen Peschmerga-Kr\u00e4fte die Krise aus, um rasch Kirkuk einzunehmen, die als m\u00f6gliche Hauptstadt eines kurdischen Staates betrachtet wird.<\/p>\n<p>Die irakische Regierung unter Nuri al-Maliki erscheint v\u00f6llig hilflos, ohne jegliche Kontrolle \u00fcber den Nordirak. Mehr als eine halbe Million Million Menschen aus Mossul und anderen Gebieten der Region befinden sich inzwischen auf der Flucht.<\/p>\n<p>Es ist eine Ironie der Geschichte, dass sowohl die USA als auch der von ihnen jahrelang als Schurkenstaat titulierte Iran ein Interesse daran haben, Malikis Regierung an der Macht zu halten. Der Senator der Republikaner, Lindsey Graham, dr\u00fcckte es so aus: \u201eWarum haben wir mit Stalin gehandelt? Weil er nicht so schlimm wie Hitler war.\u201c<\/p>\n<h4>Bagdad<\/h4>\n<p>ISIS und die sunnitischen Milizen gaben das Ziel aus, in Bagdad und (\u00fcberwiegend schiitische) heilige St\u00e4tten im S\u00fcden einmarschieren zu wollen. Aber es scheint sehr unwahrscheinlich, dass sie damit in n\u00e4chster Zeit erfolgreich sind. Schiitische Milizen werden gegenw\u00e4rtig reaktiviert, erhalten neuen Zulauf, einschlie\u00dflich der Mahdi-Truppen von Muktada al-Sadr. Der Iran ist bem\u00fcht, diese mit eigenen Kr\u00e4ften zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Gleichwohl eine Invasion gegen Bagdad kurzfristig unterlassen werden k\u00f6nnte, ist nicht davon auszugehen, dass die verbliebenen irakischen Regierungskr\u00e4fte in der Lage sein werden, alle Gebiete wieder zur\u00fcckzuerobern, die heute in die H\u00e4nde von den sunnitischen Milizen und von der kurdischen Peschmerga \u00fcbergegangen sind. Die F\u00fchrer der halb-autonomen kurdischen Zone hatten sich lange mit den Ministern von al-Maliki bez\u00fcglich der Hoheit \u00fcber Kirkuk verkeilt. Mit ihrer Vorherrschaft \u00fcber die \u00d6l-produzierende Region sehen sie die Chance, einen gro\u00dfen Schritt auf dem Weg Richtung Unabh\u00e4ngigkeit tun zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>ISIS<\/h4>\n<p>ISIS, massiv gest\u00e4rkt durch viele Dschihadisten aus dem Ausland und einer wachsenden Zahl Unterst\u00fctzer aus der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung, hat bereits im syrischen Raqqa und Umgebung ein Kalifat errichtet. Nun versuchen sie, diese Gebiete mit den von ihnen kontrollierten irakischen Zonen zu verbinden \u2013 und sich m\u00f6glichst auch noch auf Teile vom Libanon und von Jordanien auszudehnen.<\/p>\n<p>Der Journalist Robert Fisk geh\u00f6rt zu denen, der berichtete, dass ISIS von den Verm\u00f6genden in den Golfstaaten finanziell unter die Arme gegriffen wird. Darunter die Elite Saudi-Arabiens, die zwar Verb\u00fcndete der USA sind, aber ein Ende der schiitischen Dominanz \u00fcber Bagdad herbeisehnen. In Syrien konnte ISIS seine Einnahmen mit Hilfe von Steuerauflagen und Erpressungen steigern. Jetzt gelang es ihnen, sich die Gelder auf den Bankkonten von Mossul sowie Unmengen Waffen (oftmals urspr\u00fcnglich aus US-Besitz) unter den Nagel zu rei\u00dfen.<\/p>\n<p>Einige ISIS-F\u00fchrer bem\u00fchen sich gerade, die Bev\u00f6lkerung nicht durch unpopul\u00e4re Ma\u00dfnahmen gegen sich aufzubringen. Andere f\u00fchren in ihrem Gebiet sofort die Scharia ein und drohen damit, Dieben die Hand abzuschlagen, Parteien zu verbieten und verlangen von Frauen, sich zu verschleiern und zu Hause zu bleiben.<\/p>\n<h4>Weitere Folgen der j\u00fcngsten Entwicklungen<\/h4>\n<p>Die Ereignisse der vergangenen Wochen werden vor allem f\u00fcr die irakische Bev\u00f6lkerung schreckliche Auswirkungen haben. Zus\u00e4tzlich wachsen die Sorgen, dass mehr und mehr Nachbarstaaten in die milit\u00e4rischen Konflikte hineingezogen werden.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei sieht sich bereits einer Zunahme von Geiselnahmen und Erpressungen durch die ISIS gegen\u00fcber. Zudem f\u00fcrchten die dortigen Machthaber, dass ein unabh\u00e4ngiges Kurdistan Gestalt annehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aufgrund der reichen \u00d6lvorkommen im Nahen Osten wachsen die \u00c4ngste vor den Konsequenzen f\u00fcr die weltweite \u00d6lversorgung und die Weltwirtschaft.<\/p>\n<p>Eine weitere Gefahr wird in der sp\u00e4teren R\u00fcckkehr von traumatisierten Dschihad-K\u00e4mpfern nach L\u00e4ndern wie Russland, Gro\u00dfbritannien und Saudi-Arabien gesehen.<\/p>\n<h4>Aussichten f\u00fcr multiethnische Gegenwehr<\/h4>\n<p>Es gibt zahlreiche Beispiele daf\u00fcr, dass die Menschen im Irak sehr wohl danach streben, ethnische Spaltung und B\u00fcrgerkrieg zu \u00fcberwinden. Im April 2004 demonstrierten 200.000 Schiiten und Sunniten gemeinsam gegen die US-gef\u00fchrte Besatzung. Es kommt jetzt seitens der unterdr\u00fcckten Massen darauf an, von unten demokratische, multiethnische Strukturen zu initiieren, damit sich die Anwohnerschaft selber verteidigen kann. N\u00f6tig ist ein antikapitalistisches Programm, um die Spirale von Blutvergie\u00dfen, Repression und Armut wirklich zu stoppen.<\/p>\n<p>Bestandteil eines solchen Programms m\u00fcsste eine Absage an alle Warlords, Milit\u00e4rmachthaber und pro-kapitalistische Politiker sein. Diese m\u00fcssen gest\u00fcrzt und durch demokratisch gew\u00e4hlte VertreterInnen der arbeitenden Bev\u00f6lkerung ersetzt werden, die sich f\u00fcr einen Ausweg im Interesse aller verarmten Schichten, f\u00fcr einen sozialistischen Ausweg einsetzen.<\/p>\n<p>Das CWI unterst\u00fctzt das Recht auf Selbstbestimmung aller unterdr\u00fcckten Nationalit\u00e4ten und ethnischen Gruppen, aber weist darauf hin, dass so entstehende Staaten und staats\u00e4hnliche Gebilde heute allein \u00f6konomisch kaum \u00fcberlebenf\u00e4hig w\u00e4ren, sondern sich mit anderen zu einer freiwilligen sozialistischen F\u00f6deration zusammenschlie\u00dfen sollten. Nur auf dieser Basis lie\u00dfe sich der Reichtum der Region f\u00fcr alle nutzbar machen und der Lebensstandard sp\u00fcrbar erh\u00f6hen. Eine harmonische wirtschaftliche Entwicklung und ein solidarisches Miteinander k\u00f6nnten erstmals Realit\u00e4t werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Irak droht der Zerfall \u2013 mit dramatischen Folgen f\u00fcr die gesamte Region<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28333,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[621],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28332"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28332"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28332\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28333"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}