{"id":27306,"date":"2014-05-30T11:54:13","date_gmt":"2014-05-30T09:54:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=27306"},"modified":"2014-05-23T11:59:16","modified_gmt":"2014-05-23T09:59:16","slug":"freigeldtheorie-und-tauschkreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/05\/freigeldtheorie-und-tauschkreise\/","title":{"rendered":"Freigeldtheorie und Tauschkreise"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/freigeld.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-27307\" alt=\"freigeld\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/freigeld-186x173.jpg\" width=\"186\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/freigeld-186x173.jpg 186w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/freigeld-374x347.jpg 374w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/freigeld-600x555.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/freigeld-900x833.jpg 900w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/freigeld.jpg 1744w\" sizes=\"(max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/a>Gef\u00e4hrliche Irrwege der \u201eantikapitalistischen\u201c Bewegung<\/strong><\/p>\n<p><em>von Sonja Grusch, Wien<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Freigeldtheorie-Tauschkreise-Gef\u00e4hrliche-antikapitalistischen-Bewegung\/dp\/1491254831\/\">Den Artikel als Brosch\u00fcre bestellen.<\/a><\/p>\n<p>Am 9. August 2007 brach die heile kapitalistische Welt zusammen. Dieser Tag wird als Beginn der \u201eFinanzkrise\u201c genannt. Die Krise blieb nicht im virtuellen Rahmen bzw. in den Sph\u00e4ren der Finanzwirtschaft, sondern erfasste rasch auch alle anderen Sektoren. Seither ist die Wirtschaft in allen Teilen der Welt nicht mehr zur Ruhe gekommen. VertreterInnen aus Politik und Wirtschaft treffen sich in rascher Abfolge zu Krisengipfeln. Doch die Ergebnisse sind mager. Dort wo sie \u00fcber Lippenbekenntnisse hinausgehen, handelt es sich v.a. um Angriffe auf Kollektivvertr\u00e4ge, L\u00f6hne und Geh\u00e4lter und den Sozialbereich. Es scheint, als ob alles den Finanzm\u00e4rkten untergeordnet werden muss, die wie ein unkontrollierbares gieriges Monster \u00fcber allem drohen.<\/p>\n<p>Der Unmut \u00fcber die Krise und ihre unsozialen Auswirkungen steigt. In den USA finden mehr Jugendliche Sozialismus attraktiv als Kapitalismus \u2013 auch wenn die Vorstellungen von Sozialismus wirr sein m\u00f6gen, so macht das deutlich, das sogar im Mutterland des Kapitalismus dessen Stern sinkt. In Frankreich meinen nur 5\u00a0%, dass Kapitalismus ordentlich funktioniert. 2011 besetzten v.a. Jugendliche in den USA, aber auch Europa, Israel und Australien, zentrale Pl\u00e4tze und forderten als \u201eOccupy\u201c Bewegung eine andere Form der Wirtschaft. In manchen L\u00e4ndern, u.a. in Griechenland, Deutschland und stark in \u00d6sterreich, versuchten rechte und nationalistische Kr\u00e4fte die Occupy-Bewegung zu dominieren, was allerdings im Gegensatz zu den Zielen der Bewegung an sich stand. Am 14. November 2012 haben erstmals in mehreren Staaten in Europa gleichzeitig ArbeiterInnen gegen die K\u00fcrzungspolitik gestreikt. \u201eWir zahlen eure Krise nicht\u201c und \u201eWir sind die 99%\u201c sind nicht die Spr\u00fcche der radikalen Linken, sondern fast schon Mainstream.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich hinkt die Entwicklung hinterher. Einerseits hat die Wirtschaftskrise noch nicht ihre volle Zerst\u00f6rungswut entfaltet &#8211; im Windschatten der deutschen \u00d6konomie und unter Erh\u00f6hung der Staatsverschuldung sind die sozialen Auswirkungen noch nicht auf griechischem oder spanischem Niveau. Andererseits erwachen die \u00f6sterreichische Gewerkschaftsbewegung und Linke gerade erst aus Dornr\u00f6schenschlaf bzw. Schockstarre. V.a. die Gewerkschaft tut so, als ob bei uns \u201eeh alles paletti\u201c w\u00e4re. Das geht allerdings an der Lebensrealit\u00e4t vieler Menschen vorbei. Unter Jugendlichen steigt die Zukunftsangst. Mit einer Pension rechnet kaum noch wer, kaum jemand kann die Ausbildung machen, die interessiert, Jobs sind unsicher, prek\u00e4r und mies bezahlt. Viele Menschen gehen aus Angst, bei der n\u00e4chsten Welle von K\u00fcndigungen auf der Liste zu stehen bzw. wegen des steigenden Arbeitsdrucks krank in die Arbeit. Die Anzahl der Menschen mit hohen Schulden und ohne Geld, von Familien und sogar Kindern, die in Armut leben oder drohen, in die Armut abzurutschen, steigt. Die K\u00fcrzungspolitik von Bundes- und Landesregierungen verschlimmert die 2-Klassen-Medizin, die Missst\u00e4nde im Bildungswesen und die katastrophale Lage im Pflegewesen. Auch wenn die Krise hierzulande noch nicht voll zugeschlagen hat, so herrscht doch ein allgemeines Gef\u00fchl von Angst und Unsicherheit. Als ob eine gro\u00dfe schwarze Wolke \u00fcber den K\u00f6pfen hinge, vor der es kein Entrinnen gibt.<\/p>\n<h4>Die Suche nach Alternativen ist in vollem Gange<\/h4>\n<p>Doch es gibt auch Antworten und L\u00f6sungen, die angesichts der beklemmenden Lage angeboten werden. Mit Beginn der Krise explodierten die Verkaufszahlen von Marx&#8216; \u201eKapital\u201c. In den Zelten der Occupy-AktivistInnen gab es \u2013 ebenso wie am Tahrir-Platz \u2013 lebhafte Debatten \u00fcber gesellschaftliche und wirtschaftliche Alternativen zum Kapitalismus. Selbst im Sprachgebrauch der VertreterInnen des Kapitalismus wurde auf Weichsp\u00fclen gesetzt: Verdammt wird nun der \u201eCasino\u201c-Kapitalismus, Kritik gibt es an den \u201egierigen\u201c Finanzm\u00e4rkten, gelobt wird stattdessen die \u201eehrliche\u201c Marktwirtschaft und das Bild vom hemds\u00e4rmeligen Klein- und Mittelst\u00e4ndischen Unternehmer propagiert. In vielen L\u00e4ndern haben ArbeiterInnen zu radikalen Mitteln gegriffen, um der Krise Herr zu werden: Betriebe wurden besetzt, teilweise auch weitergef\u00fchrt. Generalstreiks und Streiks haben die potentielle Macht der ArbeiterInnenklasse gezeigt, wenn sie kollektiv agiert.<\/p>\n<p>Doch diese Beispiele fehlen in \u00d6sterreich. Hier unterst\u00fctzt der \u00d6GB die Nulllohnrunde im \u00d6ffentlichen Dienst und organisiert am europaweiten Aktionstag gegen die K\u00fcrzungspolitik lediglich gemeinsames Sirtaki-Tanzen. Die Debatte \u00fcber die Krise wird hierzulande stark von Strache und Stronach \u2013 also von rechts und von Anh\u00e4ngern des Neoliberalismus \u2013 dominiert. Die Linke und insbesondere die Organisationen der ArbeiterInnenklasse \u2013 Gewerkschaften und Arbeiterkammern \u2013 sind in der Debatte kaum pr\u00e4sent. Zwar gibt es immer wieder zaghafte Versuche, eine Verm\u00f6genssteuer einzufordern, doch entschlossene Kampagnen daf\u00fcr fehlen. Die entsprechenden Beschl\u00fcsse auf Gewerkschaftstagen f\u00fchren bestenfalls zu einer Pressemeldung. Auch gegen Betriebsschlie\u00dfungen, Stellenabbau und die Prekarisierung von Arbeitsverh\u00e4ltnissen gibt es von Seiten der Gewerkschaft bestenfalls halbherzige Mobilisierungen. Da werden dann ein paar Funktion\u00e4rInnen auf eine Protestkundgebung geschickt, aber die Belegschaften kaum mobilisiert. Die Lohnabschl\u00fcsse sind real niedrig und auch wenn die Gewerkschaft sie jedes Mal als Erfolg abfeiert, sp\u00fcren wir doch alle, dass die Lohnerh\u00f6hungen hinter der Preisentwicklung zur\u00fcck bleiben und immer weniger im B\u00f6rsl ist. Doch die soziale Situation wird f\u00fcr immer mehr Menschen ein Problem. Die Armut steigt auch in \u00d6sterreich. Menschen haben Angst, sind verzweifelt und suchen nach Auswegen.<\/p>\n<p>Und die werden auch scheinbar angeboten: Von der extremen Rechten wird der Fokus auf \u201edie EU\u201c oder \u201edie faulen Griechen\u201c oder \u201edie Ausl\u00e4nder\u201c gelegt. Ablenkungsversuche, die aber bei Wahlen Stimmen fangen k\u00f6nnen. Diverse andere Projekte wie Tauschkreisen und Regio-Geld-Strukturen stellen sich als vermeintliche L\u00f6sungen dar.<\/p>\n<p>Wo Klassenk\u00e4mpfe fehlen bzw. diese aufgrund einer fehlenden Perspektive und F\u00fchrung auf Dauer erfolglos bleiben, k\u00f6nnen rechte und krude Ideen und Konzepte auch in weiteren Kreisen Unterst\u00fctzung bekommen. Das trifft (noch) stark auf \u00d6sterreich zu. Dass z.B. aus Teilen der Gewerkschaft heraus Attac unterst\u00fctzt wird (das \u00e4hnlich wie die Regio-Geld-Projekte seine Kritik auf den Finanzsektor konzentriert), zeigt auch die Hilflosigkeit der Gewerkschaftsbewegung. Statt wirklich gegen die permanenten Angriffe auf die ArbeiterInnenklasse zu k\u00e4mpfen, setzt sie auf verk\u00fcrzte Kritik und Appelle.<\/p>\n<h4>Angebote, die unmittelbare Hilfe versprechen<\/h4>\n<p>Menschen suchen nach L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Probleme. Da erscheinen Angebote, die unmittelbar Hilfe versprechen, als besonders attraktiv. Doch dabei handelt es sich im Wesentlichen um Versuche, auf lokaler Ebene Nischen zu schaffen, um \u00fcber die Runden zu kommen und dem Kapitalismus ein Schnippchen zu schlagen. Der Fall des Waldviertler Schuhproduzenten Heini Staudinger, der sich \u00fcber Privatkredite Geld f\u00fcr Investitionen organisierte und damit Probleme bekam, hat viel Aufmerksamkeit erzielt. Wieder einmal schienen die Finanzm\u00e4rkte, diesmal in Form der Finanzmarktaufsicht, jede Eigeninitiative zu vernichten. Neben vielen anderen \u201eL\u00f6sungen\u201c treffen wir in der Debatte um die Wirtschafts- und Finanzkrise immer wieder auf Tauschkreise und Regionalgeld-Projekte. Die Idee scheint bestechend einfach: Wir organisieren uns vor Ort, ohne die Banken und Gro\u00dfkonzerne, und schaffen somit Freir\u00e4ume, in denen wir der Krise ein Schnippchen schlagen k\u00f6nnen. Und \u00f6kologisch ist das Ganze auch noch.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich gibt es aktuell bereits eine Reihe von Regionalw\u00e4hrungen (Waldviertler, G\u00f6singtaler, Tiroler Stunde, Styrrion, Erzi, Zeller, Einkaufsgold, Ausseer Taler, Judenburger Gulden, Sass-Taler sowie die Blaufrank, eine grenz\u00fcberschreitende Regionalw\u00e4hrung zwischen dem Burgenland und Westungarn), weitere sind in Planung. Au\u00dferdem gibt es jede Menge Tauschkreise. Google wirft bei \u201eRegionalgeld\u201c \u00fcber 43.000 Treffer aus, bei \u201eFreigeld\u201c knapp 100.000. Das Thema interessiert offensichtlich.<\/p>\n<p>Menschen versuchen so, alternative Netzwerke zu schaffen, um G\u00fcter und Dienstleistungen untereinander auszutauschen. Regionalw\u00e4hrungen sollen das Geld in der Region halten und so die Wirtschaft ankurbeln. AktivistInnen vor Ort stecken viel Zeit und Energie in diese Projekte, die in Zeiten der Wirtschaftskrise zunehmend auch als Alternativen pr\u00e4sentiert werden. Hinter den Ideen von Tauschkreisen und Regionalgeld steckt jedoch weit mehr. Wir halten eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesen Projekten daher f\u00fcr notwendig.<\/p>\n<h4>Die theoretischen Wurzeln von Regionalgeld und Tauschkreisen<\/h4>\n<p>Wer sich mit diesen Projekten befasst, st\u00f6\u00dft rasch auf den Namen Silvio Gesell. Er ist einer, wenn nicht der zentrale \u201eUrvater\u201c und Theoretiker der Regional- bzw. Freigeld-Idee. Er legte \u2013 vor dem Hintergrund einer tiefen Krise in Argentinien, wo er ein mittelst\u00e4ndisches Unternehmen leitete \u2013 Ende des 19. Jahrhunderts die theoretische Basis f\u00fcr diese Projekte. Vor Gesell haben sich schon Andere mit Fragen des Geldes, des Kapitals bzw. mit Konzepten zu Bodenreformen besch\u00e4ftigt. Vieles davon hatte er gelesen und es auch teilweise \u00fcbernommen. Viele seiner Kritikpunkte, die sich z.B. auf eine ungleiche Bodenverteilung beziehen, die quasi eine Verzerrung des freien Wettbewerbes darstellt, finden sich auch schon bei klassischen National\u00f6konomen wie Adam Smith und David Ricardo.<\/p>\n<p>Stark orientiert sich Gesell an Proudhon dessen \u00dcberlegungen im Gegensatz zur Marxschen Analyse stehenden. Marx geht davon aus, dass \u201eMehrwert\u201c im Produktionsprozess entsteht durch die Ausbeutung der Arbeitskraft. Bei Proudhon bzw Gesell entsteht ein \u201eMehrwert\u201c aber nicht im Produktionsprozess bzw. durch die Aneignung durch unbezahlte Arbeit erzeugter Waren und ihre Ver\u00e4u\u00dferung, sondern ergibt sich aus einer angeblich privilegierten Stellung des Geldes (und somit der GeldbesitzerInnen) im Austauschprozess. Eine Ausbeutung der Arbeitskraft sieht Gesell \u2013 im Gegensatz zu Marx \u2013 nicht, bzw. ist diese in seinem Weltbild durch die Macht des St\u00e4rkeren und Schlaueren gerechtfertigt; mehr dazu sp\u00e4ter. Bei Gesell klingt dass dann so: \u201eDie Macht des Geldbesitzes mache also einen Sondergewinn (keinen Unternehmer- oder Handelsgewinn!) m\u00f6glich.\u201c Gesell will die Prozesse und Wirkungsweisen der Natur auf das Wirtschaftsleben umlegen. Daher auch der Name seines Konzeptes der \u201eNat\u00fcrlichen Wirtschaftsordnung\u201c in der einzig das Geld die \u201eunnat\u00fcrliche\u201c Eigenschaft hat, nicht zu verderben.<\/p>\n<p>Kern von Gesells \u201eNat\u00fcrlicher Wirtschaftsordnung\u201c ist vor allem sein Konzept f\u00fcr eine Geldreform und die Einf\u00fchrung eines Freigeldes, unterst\u00fctzt durch sein Konzept f\u00fcr eine Bodenreform (auf das wir hier nicht n\u00e4her eingehen werden).<\/p>\n<p>Zusammengefasst sieht das Modell von Gesell folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n<p>\u2022 Die Einf\u00fchrung von Freigeld (Papiergeld ohne Golddeckung, das j\u00e4hrlich zu einem fixierten Schwundsatz einen Teil des Nennwertes verliert)<\/p>\n<p>\u2022 So wird der Geldumlauf beschleunigt, da Umlaufzwang herrscht.<\/p>\n<p>\u2022 Auf diesem Wege sollen Krisen verhindert und die W\u00e4hrungen stabilisiert werden.<\/p>\n<p>Gesell und die \u201eNWO (Nat\u00fcrliche Wirtschaftsordnung)-Bewegung unterscheiden zwischen \u201eMarktwirtschaft\u201c und \u201eKapitalismus\u201c: Ersteres ist ein (gesch\u00f6ntes und r\u00fcckw\u00e4rtsgerichtetes) Idealbild von einer Wirtschaft, in der nur ehrliche, hart arbeitende klein- und mittelst\u00e4ndische Unternehmen sowie kleine Landwirtschaften, aber keine Gro\u00dfindustrie und auch keine Gro\u00dfst\u00e4dte existieren. Zweiteres ist in seinem Weltbild mit der Entstehung eines Finanzkapitals verbunden, das er getrennt vom Produktionssektor sieht. Durch dieses Finanzkapital wird in seiner \u00dcberlegung das Geld seiner Tauschfunktion beraubt und selbst zur Ware.<\/p>\n<p>Verschlimmert wird das in seiner Theorie durch die Golddeckung des Geldes. Geld wird gehortet und damit dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Hier flie\u00dft v.a. seine eigene Erfahrung aus der Wirtschaftskrise in Argentinien ab Mitte der 1880er Jahre ein. Seit 1883 war das Land zum uneingeschr\u00e4nkten Goldstandard \u00fcbergegangen. Die Deckungsvorschriften, steigende Importe und Auslandsanleihen bewirkten einen Geldmangel, der Klein- und Mittelunternehmen \u2013 wie Gesell einer war \u2013 hart traf. Seine Konzepte zu Geld und W\u00e4hrung sind auch immer vor seinem eigenen sozialen Hintergrund zu betrachten.<\/p>\n<p>Kern seines Konzeptes ist, Geld auf seine Tauschfunktion zu beschr\u00e4nken, indem durch einen von staatlicher Seite eingebauten Wertverlust (daher auch der Begriff \u201eSchwundgeld\u201c) verhindert wird, dass es gehortet wird. Ein zentrales Ziel von Gesell ist es, das Geld im Umlauf zuhalten. Eine Kernaussage von Gesell ist daher: \u201eGeld, das wie eine Zeitung veraltet, wie Kartoffeln fault, wie Eisen rostet, wie \u00c4ther sich verfl\u00fcchtigt, kann allein sich als Tauschmittel von Kartoffeln, Zeitungen, Eisen und \u00c4ther bew\u00e4hren. Denn solches Geld wird weder vom K\u00e4ufer noch vom Verk\u00e4ufer den Waren vorgezogen. Man gibt dann auch nur noch die eigene Ware gegen Geld her, weil man da Geld als Tauschmittel braucht, nicht, weil man vom Besitz des Geldes einen Vorteil erwartet. Wir m\u00fcssen also das Geld als Ware verschlechtern, wenn wir es als Tauschmittel verbessern wollen.\u201c<\/p>\n<p>Konkret soll ins Geld ein zeitlicher Wertverlust eingebaut werden soll. Das soll durch die Ausgabe von \u201eSchwundgeldscheinen\u201c (statt Geld) erfolgen, deren Wertverlust durch periodisches Aufkleben von Wertmarken ausgeglichen werden soll (quasi eine staatlich fixierte Inflation). Ein \u201eW\u00e4hrungsamt\u201c m\u00fcsse zur Verhinderung eines Geldmangels regelm\u00e4\u00dfig eine gewisse Menge des Freigeldes nachdrucken. Das W\u00e4hrungsamt k\u00f6nne Geldmenge sowie Geldumlaufgeschwindigkeit regulieren und auf Basis von Preisstatistik und Indexrechnung sicherstellen, dass der allgemeine Preisstand der Waren auf gleicher H\u00f6he gehalten bliebe.<\/p>\n<p>Soweit die Grundlagen der Ikone von Freigeld\/Regio-Geld-Konzepten. Gesell selbst ist als Person nicht unumstritten. Seine vielf\u00e4ltigen Ber\u00fchrungspunkte zum nationalen und v\u00f6lkischen Lager und seine sozialdarwinistischen, eugenischen und von einem biologistischen und konservativen Frauenbild gepr\u00e4gten Ans\u00e4tze sind scharf zu kritisieren. Bei n\u00e4herer Betrachtung allerdings finden sich aber auch in seinen wirtschaftlichen Konzepten weitreichende Schw\u00e4chen.<\/p>\n<h4>Die theoretischen Schw\u00e4chen und Fehler der Freigeldtheorie<\/h4>\n<p>Gesell ist Kaufmann, sein Blickwinkel auf Geld und seine Funktion kommt daher auch aus dieser Richtung. \u201eDas gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein\u201c hatte Marx festgestellt \u2013 bei Gesell und anderen Freigeld-Anh\u00e4ngerInnen wird das sehr deutlich. Sie tr\u00e4umen sich eine \u201eMarktwirtschaft\u201c wie \u201efr\u00fcher\u201c, in der idealtypische KleinproduzentInnen bzw. Kleinh\u00e4ndlerInnen agieren, die mit \u201eehrlicher Arbeit\u201c f\u00fcr einen \u201eehrlichen Markt\u201c ohne Spekulation, Gro\u00dfunternehmen und Konzentrationsprozesse produzieren und damit \u201eehrliches Geld\u201c verdienen. Die zunehmenden Widerspr\u00fcche, die immer wiederkehrenden Krisen im Kapitalismus und die hochrationalisierte und globalisierte Warenproduktion will er in seinem Konzept ausschalten. Er vertritt ein \u201ezur\u00fcck zur Scholle\u201c, das Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr VertreterInnen des nationalen Lagers ist, aber auch eine Br\u00fccke zu verschiedenen Lebensreformbewegungen darstellte, die wir heute als \u201e\u00d6ko\u201c zusammenfassen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Gesells Hauptproblem (und das aller Kaufleute) ist es, wenn Geld liegenbleibt und nicht ausgegeben wird. Darum dreht sich dann auch ein zentraler Teil seiner Theorie. Er ging von einem Finanzkapital aus, das letztlich unnat\u00fcrlich sei und wollte zu einem Wirtschaftssystem, in dem eine \u201enat\u00fcrliche Wirtschaftsordnung\u201c herrscht. Mit \u201enat\u00fcrlich\u201c wurde eine Anlehnung an die Biologie, die Natur suggeriert. Damit sollten die brutalen Manchester-liberalen Ideen (deren Wurzeln im 19. Jahrundert liegen und die nichts anderes als \u201ereiner\u201c Kapitalismus ohne staatliche Beschr\u00e4nkungen, Gewerkschaften, Sozialstaat und Schutz f\u00fcr ArbeinehmerInnen und Schw\u00e4chere bedeuten) als \u201enat\u00fcrlich\u201c verkauft werden, wonach nur die \u201egesunden\u201c und \u201efitten\u201c ein Lebensrecht haben. Allerdings wird sogar der Begriff \u201enat\u00fcrlich\u201c \u00e4u\u00dferst selektiv eingesetzt: Denn auch in der Natur gibt es ein friedliches Nebeneinander z.B. bei Wasserstellen und sogar Solidarit\u00e4t und Hilfe gegen\u00fcber kranken Artgenossen \u2013 in der Natur gibt es Leistung ohne Gegenleistung (wenn z.B. die Sonne die Erde bestrahlt).<\/p>\n<p>In seinem Konzept geht er von einer Reihe falscher Annahmen aus, die logischerweise auch zu falschen Schlussfolgerungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Er meint, dass Geld wertbest\u00e4ndig sei und im Gegensatz zu anderen Waren nicht verdirbt. Dadurch w\u00fcrde sich ein Wettbewerbsvorteil ergeben, der dazu f\u00fchrt, dass GeldbesitzerInnen die WarenproduzentInnen erpressen k\u00f6nnen. Ein Blick aufs Sparbuch mit seinen niedrigen Zinsen, die unter der Inflationsrate liegen, zeigt, dass es mit der Wertbest\u00e4ndigkeit nicht weit her ist. Auch historische Beispiele wie die Hyperinflation in den 1920er Jahren zeigen die Unrichtigkeit dieser Annahme.<\/p>\n<p>Er meint weiters, dass bei sinkenden Zinsen Bargeld in solchen Mengen zu Hause gehortet w\u00fcrde, dass die Wirtschaft zusammenbrechen k\u00f6nnte. Aktuell ist es zwar richtig, dass gro\u00dfe Unternehmen Geld horten und nicht investieren \u2013 aber die meisten LeserInnen dieses Textes mit einem durchschnittlichen Einkommen haben gar nicht das Geld, um es zu Hause zu horten, sondern m\u00fcssen es f\u00fcr Miete und Nahrungsmittel ausgeben. In den USA z.B. ist die Sparquote seit Jahren unter Null, d.h. es wird kein Geld \u201egehortet\u201c \u2013 trotzdem hat die USA massive wirtschaftliche Probleme.<\/p>\n<p>V\u00f6llig ignorieren Gesell und auch die aktuelle NWO-Bewegung die Tatsache, dass der Gro\u00dfteil der Gesch\u00e4fte heute nicht mehr mit Bargeld, sondern \u00fcber Konto und Kreditkarten laufen, dieses Geld also gar nicht in Scheinen und M\u00fcnzen zuhause gehortet werden kann. So betrug z.B. laut EZB der Bargeldumlauf in der Eurozone im November 2012 gerade mal 8,8% der Geldmenge M3 (reales Geld inklusive Buchgeld).<\/p>\n<p>Eine weitere Grundannahme, die auch von einem der wichtigsten aktuellen TheoretikerInnen der Freiwirtschaft, Helmut Creutz, vertreten wird, besagt, dass sich jedes Angebot seine Nachfrage schaffen w\u00fcrde (\u201eSaysches Gesetz\u201c). Arbeitslosigkeit und Millionen Autos, die weltweit unverkauft herumstehen, beweisen, wie falsch das in der Praxis ist.<\/p>\n<p>Ein Grund\u00fcbel ist laut Gesell und seinen Anh\u00e4ngerInnen die Goldbindung von Geld, doch auch hier zeigt sich, dass die Analyse zu kurz greift. Ende des 19. Jahrhunderts bis in den 1. Weltkrieg hatten viele Staaten eine Goldbindung, die kriegsbedingt abgeschafft und in den 1920er Jahren von Vielen wieder eingef\u00fchrt wurde, um dann in den 1930er Jahren wieder auszuscheren. Nach 1945 wurde die Bindung wieder eingef\u00fchrt und im Zuge der Weltwirtschaftskrise der 1970er Jahre wieder abgeschafft. Weder die Goldbindung noch ihre Aufhebung haben Krisen also verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Viele der Ideen spiegeln einen wirtschaftsliberalen Geist wieder, der popul\u00e4rer mit \u201eJeder ist seines Gl\u00fcckes eigener Schmied\u201c wiedergegeben werden kann. Die Idee, dass Vorrechte im \u00f6konomischen Bereich (Privilegien, Monopole oder Vorherrschaft des Kapitals) beseitigt werden m\u00fcssen und Chancengleichheit aller WirtschaftsteilnehmerInnen hergestellt werden muss, findet sich bei verschiedenen VertreterInnen eines Wirtschaftsliberalismus. Erst wenn z.B. die Vererbung von Verm\u00f6gen oder Grundbesitz abgeschafft w\u00e4re, k\u00f6nnten sich die \u201ekl\u00fcgsten\u201c und \u201eflei\u00dfigsten\u201c K\u00f6pfe beweisen.<\/p>\n<p>Gesell kritisiert nicht nur den \u201eparasit\u00e4ren\u201c Geldbesitzer, sondern auch \u201eArbeitsscheue\u201c und \u201eBummelanten\u201c. Als Wirtschaftsliberaler lehnt er Gewerkschaften, den Sozialstaat und nat\u00fcrlich den \u201eKommunismus\u201c ab. Auch wenn viele TeilnehmerInnen in aktuellen Tauschkreis- und Regionalw\u00e4hrungsprojekten dies vielleicht aus sozialen Gr\u00fcnden tun, so sind die theoretischen K\u00f6pfe der Bewegung ganz auf der sozialdarwinistischen Linie von Gesell. Margrit Kennedy, eine prominente Vertreterin aktueller Freigeld- und Tauschkreisprojekte, meint, dass der Sozialstaat durch \u201eSelbsthilfe\u201c ersetzt werden soll, so werde der Staat entlastet und die l\u00e4stige B\u00fcrokratie abgebaut. \u201eMehr privat, weniger Staat\u201c ist die Devise von Wirtschaftsliberalen, der Staat muss \u201eabgespeckt\u201c oder eben \u201eentlastet\u201c werden. Das kennen wir als Argumentationsmuster diverser (neo)liberaler Angriffe auf den Sozialstaat, das \u00f6ffentliche Bildungs- und Gesundheitswesen sowie auf Umwelt- und Arbeitsschutzma\u00dfnahmen. Wir pl\u00e4dieren nicht f\u00fcr einen \u201eallm\u00e4chtigen Staat\u201c, der die Menschen aus der Verantwortung nimmt. Es ist nichts falsch daran, sich Selbsthilfe zu organisieren, sich zu organisieren und gemeinsam zu versuchen, Verbesserungen zu erreichen. Doch darum geht es bei diesen Konzepten nicht. Vielmehr geht es darum, den Sozialstaat abzubauen (also \u00f6ffentliches Gesundheitswesen, \u00f6ffentliche Schulen und Kinderg\u00e4rten, Arbeitslosengeld etc.) und durch solche \u201eSelbsthilfe\u201c zu ersetzen, die f\u00fcr viele dann schlicht nicht erreichbar ist, weil sie nicht gesund oder fit genug sind oder nicht die Zeit daf\u00fcr haben.<\/p>\n<p>\u00d6konomisch vertritt Gesell die Interessen seiner sozialen Schicht. Er vertritt ein kleinb\u00fcrgerliches Spektrum, das unter dem Druck des Gro\u00dfkapitals (egal ob produzierend oder spekulierend) einerseits und der ArbeiterInnenbewegung und ihrer Organisationen andererseits steht und ums \u00dcberleben k\u00e4mpft. Gesell und die meisten anderen TheoretikerInnen und Anh\u00e4ngerInnen von Freigeldideen kommen aus diesem Lager: KleinunternehmerInnen und Kleinb\u00fcrgerInnen die Angst haben, in einem sich entwickelnden Kapitalismus unter die R\u00e4der zu kommen.<\/p>\n<p>Von Vielen \u2013 u.a. auch aus dem anarchistisch\/libert\u00e4ren Lager (hier ist v.a. der \u00f6sterreichische Theoretiker Gerhard Senft zu nennen) \u2013 wird Gesells Ansatz als Versuch eines \u201eDritten Wegs\u201c zwischen Kapitalismus und Kommunismus dargestellt.<\/p>\n<p>Doch tats\u00e4chlich ist es nur ein weiterer Versuch, eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus zu zeichnen, eine Trennung in \u201eproduzierendes\u201c und \u201espekulierendes\u201c Kapital zu konstruieren, die in der Praxis seit \u00fcber 100\u00a0Jahren nicht mehr existiert. Anfang des 20.\u00a0Jahrhunderts analysierten Hilferding und Lenin, dass der Kapitalismus in ein neues Stadium, den \u201eImperialismus\u201c eingetreten war. Dieser zeichnet sich u.a. durch Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital aus. Auch heute sind Finanzunternehmen an Produktionsunternehmen beteiligt und haben Firmen des produzierenden Sektors sowie zus\u00e4tzliche Sparten im Versicherungs- und Spekulationsbereich.<\/p>\n<p>Gesell geht ganz bewusst zu Analysen von Marx und Engels auf Distanz und verwendet v\u00f6llig andere Arbeits- und \u201eMehrwert\u201c-Begriffe als diese. ArbeiterInnen sind alle die \u201earbeiten\u201c &#8211; UnternehmerInnen genauso wie B\u00e4uerInnen und Lohnabh\u00e4ngige, Mehrwert wird nach Gesell nicht im Produktionsprozess, sondern nur im Finanzsektor geschaffen, er sieht daher auch keine Ausbeutung im Produktionsprozess und keine Ursache f\u00fcr Wirtschaftskrisen.<\/p>\n<p>Gesell und seine Anh\u00e4ngerInnen stellen die Krisenursachen auf den Kopf, weil sie die Ursachen auf das Finanzkapital reduzieren. Angesichts von \u201eCasinokapitalismus\u201c und scheinbar v\u00f6llig enthemmt und unkontrolliert agierenden Finanzm\u00e4rkten, angesichts einer \u201eFinanzkrise\u201c und einer scheinbaren Dominanz der Finanzm\u00e4rkte, sind Erkl\u00e4rungen, die die Ursache von wirtschaftlichen Missst\u00e4nden und insbesondere Krisen allein im Finanzsektor suchen \u2013 und zu finden glauben \u2013 attraktiv. Eine \u00e4hnlich verk\u00fcrzte Krisenanalyse finden wir bei Attac, wo dann auch die \u201eTobin-Tax\u201c auf Finanztransaktionen als Heilmittel pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<p>Durch die Verlagerung des Problems weg von der Produktionssph\u00e4re kann diese unangetastet bleiben \u2013 und mit ihr das zugrundeliegende kapitalistische (oder in Worten der GesellianerInnen \u201emarktwirtschaftliche\u201c) Wirtschaftssystem.<\/p>\n<p>Doch auch die 2007 begonnene Krise ist nicht nur eine \u201eFinanzkrise\u201c. Ihre Ursachen liegen weiter zur\u00fcck und sind systemimmanent. Denn seit seinen Anf\u00e4ngen kommt es im Kapitalismus immer wieder zu Krisen. Diese sind aber keine \u201eBetriebsfehler\u201c, sind nicht das Ergebnis einer \u201efalschen\u201c Wirtschaftspolitik oder einer blo\u00dfen Dominanz des Finanzsektors. Im Kapitalismus entstehen Krisen nicht aus einem Mangel, sondern aus einem \u00dcberfluss an G\u00fctern. Krisen entstehen, weil sich Menschen die von ihnen produzieren Waren nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Weil es im Kapitalismus um Profite und nicht um die Bed\u00fcrfnisse der Menschen geht, gibt es eine Reihe von systemimmanenten Widerspr\u00fcchen. Diese inneren Widerspr\u00fcche f\u00fchren immer wieder zu Krisen. Das haben Marx und Engels schon im 19. Jahrhundert erkannt und diese Widerspr\u00fcche aufgezeigt:<\/p>\n<p>1)Die Unternehmer bereichern sich an den Besch\u00e4ftigten und bezahlen nicht die von den Besch\u00e4ftigten geschaffenen Werte. Sie streifen den von Marx definierten Mehrwert ein.<\/p>\n<p>2) Eine kleine Schicht profitiert von den Reicht\u00fcmern der Gesellschaft, der von allen geschaffen wird. Damit steht der gesellschaftlichen Produktion die private Aneignung gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>3) Weil Technologien ohne Menschen keine neuen Werte schaffen k\u00f6nnen, aber immer weniger Menschen immer \u201emehr\u201c an Technologie gegen\u00fcber stehen, rechnen sich Investitionen f\u00fcr Unternehmen immer weniger und sie suchen neue Anlagem\u00f6glichkeiten. Marx und Engels sprechen vom \u201eTendenziellen Fall der Profitrate\u201c (wir k\u00f6nnen hier nur eine sehr kurze Zusammenfassung dieser Widerspr\u00fcche geben, mehr in unserer Brosch\u00fcre \u201eBasiswissen Marxismus Teil 3 \u2013 Politische \u00d6konomie\u201c, auch auf www.slp.at).<\/p>\n<p>In den 1950er und 1960er Jahren konnten diese Widerspr\u00fcche scheinbar \u00fcberwunden werden und die Wirtschaft florierte \u2013 die Grundlage daf\u00fcr waren allerdings die enormen Zerst\u00f6rungen des 2. Weltkrieges. Ab den 1970er Jahren traten aber die Widerspr\u00fcche wieder offen zutage. Mitte der 1970er Jahre kam es zur ersten Nachkriegskrise. Die Politik versuchte mit neoliberalen (damals hie\u00df das \u201emonetaristischen\u201c) Konzepten entgegenzuwirken. Die Ursache f\u00fcr die \u201eneuen\u201c Konzepte der Wirtschaftspolitik lagen aber nicht in pl\u00f6tzlich besonders gierig gewordenen KapitalistInnen. Die Ursache lag darin, dass es f\u00fcr das Kapital immer weniger profitabel geworden war, in die \u201eklassischen\u201c Bereiche (Industrieproduktion) zu investieren und daher neue Investitionsfelder gesucht werden mussten. Schon Marx wies darauf hin, dass es im Kapitalismus aufgrund seiner inneren Widerspr\u00fcche immer wieder zu einer \u00dcberakkumulation (\u00fcberm\u00e4\u00dfigen Anh\u00e4ufung) von Kapital kommt. Um f\u00fcr dieses Kapital neue Anlagem\u00f6glichkeiten zu finden, wurden bisher staatliche Bereiche wie Pensionen, Gesundheit, Infrastruktur und Bildung privatisiert. Die Finanzm\u00e4rkte wurden dereguliert, um das Kapital, das im produktiven Bereich keine ausreichende Gewinnm\u00f6glichkeit mehr sah, im spekulativen Bereich gewinnbringend \u201earbeiten\u201c zu lassen. Dadurch werden aber keine neuen (Mehr-)Werte geschaffen; es findet nur eine Umverteilung zwischen verschiedenen Kapitalgruppen statt. Es folgten immer absurdere Finanzkonstrukte, die sich zu immer gr\u00f6\u00dferen Blasen aufbl\u00e4hten. Die immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung der Finanzm\u00e4rkte ist also nicht das Ergebnis einer \u201eVerschw\u00f6rung\u201c oder wild gewordener unvern\u00fcnftiger geldgieriger SpekulantInnen. Sie war eine logische Folge und Notwendigkeit der sich ausweitenden Krise des Kapitalismus \u2013 die ihre Ursache in den kapitalistischen Grundwiderspr\u00fcchen hat, die auch im \u201eproduzierenden\u201c Bereich existieren.<\/p>\n<p>Die Ideen, die Probleme des Kapitalismus durch Beschneidung, Kontrolle oder eben Abschaffung des Finanzsektors zu l\u00f6sen, sind nicht neu und weitverbreitet. Doch sie gehen an den wahren Ursachen der Krisen vorbei.<\/p>\n<h4>\u201eAber es hat ja funktioniert\u201c &#8211; Das \u201eWunder von W\u00f6rgl\u201c<\/h4>\n<p>In den 1920er und 1930er Jahren gab es eine Reihe von Versuchen mit \u201eSchwundgeld\u201c. Diese waren die Reaktion auf die dramatische wirtschaftliche Situation nach 1918 (Hyperinflation am Beginn der 1920er Jahre, dann W\u00e4hrungsstabilisierung und steigende Arbeitslosigkeit und ab 1929 die Weltwirtschaftskrise). Die Krisensituation und die damit verbundene Attraktivit\u00e4t \u201ealternativer\u201c Projekte stellen auch eine Parallele zu heutigen Situation dar. Es gab in einer Reihe deutscher St\u00e4dte die \u201eW\u00e4ra\u201c; auch in Frankreich, Spanien, der Schweiz, den USA und in \u00d6sterreich gab es derartige Versuche.<\/p>\n<p>Das Experiment in der Tiroler Gemeinde W\u00f6rgl von 1932\/33 gilt als das weltweit bekannteste Freigeldexperiment. Die Freigeldaktion in W\u00f6rgl (von manchen auch als \u201eWunder von W\u00f6rgl\u201c bezeichnet) wurde vom sozialdemokratischen B\u00fcrgermeister Michael Unterguggenberger initiiert, der so versuchte, der dramatischen sozialen Auswirkungen der Wirtschaftskrise Herr zu werden. Alle Mitglieder des Gemeinderates waren f\u00fcr das finanzielle Nothilfeprogramm, das am 5.7.1932 einstimmig beschlossen wurde. Es wurden \u201eArbeitswertscheine\u201c ausgegeben (die \u00d6ffentlich Bediensteten wurden damit bezahlt und wer wollte, konnte sie auch am Gemeindeamt kaufen). Indem monatlich 1% des Nennwertes als Abgabe zu entrichten waren, sollte das Horten des Zahlungsmittels verhindert werden. Das Projekt schien zu funktionieren: Die lokale Wirtschaft wurde belebt, die Arbeitslosenrate sank um 25\u00a0%, weil die Gemeinde die Einnahmen aus dem Klebemarkenverkauf in ein Arbeitsbeschaffungsprogramm investierte. Andere Gemeinden wollten ab 1933 dem Beispiel folgen. Am 15.9.1933, ein halbes Jahr nach der Ausschaltung des Parlaments durch die Christlich Sozialen unter Dollfu\u00df, wurde das Experiment verboten.<\/p>\n<p>W\u00f6rgl und einige andere Versuche hatten die \u201eGnade des fr\u00fchen Todes\u201c, da viele der Projekte von den jeweiligen Zentralbanken verboten und somit von au\u00dfen beendet wurden. Diese Freigeldprojekte hatten nie die M\u00f6glichkeit, in der Praxis \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum ausgetestet zu werden. Sie konnten daher kaum an ihren eigenen Widerspr\u00fcchen scheitern. Sie wurden nicht auf \u00fcberregionaler Ebene getestet, sondern nur regional, wo meist keine gr\u00f6\u00dferen Kapitalmengen in die Hand genommen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dennoch gilt W\u00f6rgl als \u201eBeweis\u201c f\u00fcr das Funktionieren des Schwundgeld-Konzeptes. Doch das \u201eWunder von W\u00f6rgl\u201c kann bei n\u00e4herer Untersuchung leicht entzaubert werden: Der Gegenwert der \u201eArbeitsbest\u00e4tigungsscheine\u201c (also das W\u00f6rgler Schwundgeld) wurde von der Gemeinde zur Sicherung bei der Raiffeisenkasse mit 6\u00a0% Zinsen angelegt, die in die Gemeindekasse flossen. Das ist nat\u00fcrlich nur m\u00f6glich, wenn \u201eau\u00dferhalb\u201c so eines Projektes angelegt werden kann \u2013 bei einer Weltw\u00e4hrung wie Gesell sie sich vorstellt, ist das logischerweise unm\u00f6glich. Die Gemeinde bezahlte mit den \u201eArbeitsbest\u00e4tigungsscheinen\u201c die \u00d6ffentlich Bediensteten. Die \u201eArbeitsbest\u00e4tigungsscheine\u201c konnten jederzeit unter 2\u00a0% Verlust in die Landesw\u00e4hrung konvertiert werden, was auch geschah. Diese 2\u00a0%ige Geb\u00fchr sowie die monatlich zu klebenden Schwundmarken, um die Entwertung von 1\u00a0% darzustellen, waren letztlich nichts anderes als eine spezielle Gemeindesteuer \u2013 noch dazu eine nicht-progressive, also eine, die Menschen mit niedrigeren Einkommen st\u00e4rker betraf. Zus\u00e4tzliche Einnahmen hatte die Gemeinde dadurch, dass die Steuereinnahmen wieder sprudelten, weil die lokalen Unternehmen das Schwundgeld, das sie bei Eink\u00e4ufen von \u00d6ffentlich Bediensteten erhielten, zur Bezahlung l\u00e4ngst ausstehender und auch k\u00fcnftiger Steuern zu verwendeten. Das stellte aber kein zus\u00e4tzliches Geld dar, sondern nur welches, das ohnehin zu bezahlen war (jetzt allerdings zur Verf\u00fcgung stand). Weiters wurde rund ein Drittel der Arbeitsscheine von Schwundgeldfans als Sammelobjekte und Souvenirs gehortet \u2013 was zwar ganz im Gegensatz zu Gesells Konzept bestand, die Gemeinde aber davon enthob, diese wieder in \u201eechtes\u201c Geld zur\u00fcckzuwandeln. Also eigentlich eine externe Spende.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich lukrierte die Gemeinde in dieser Zeit noch einen Notstandskredit des Bundes \u00fcber 12.000 Schilling und es gab Gelder f\u00fcr die Arbeitslosenf\u00fcrsorge. Zus\u00e4tzliche Einnahmen gab es auch noch durch die Schwundgeldfans und -forscherInnen, die den regionalen Tourismus belebten. Die Geldmenge wurde kurzfristig also nicht nur durch die Erh\u00f6hung der Umlaufgeschwindigkeit, sondern auch durch externe Zahlungen erh\u00f6ht. Unklar ist, ob die Einnahmen auch zur R\u00fcckzahlung der Schulden der stark verschuldeten Gemeinde verwendet wurden, oder ob durch zus\u00e4tzliche Kredite die Verschuldung sogar gestiegen ist.<\/p>\n<p>Hervorzuheben ist, wie dieses Geld eingesetzt wurde. N\u00e4mlich in eigentlich klassisch keynesianischer Manier, indem lokale Bauprojekte finanziert wurden. Die zus\u00e4tzlichen Steuereinnahmen flossen in den Armenfonds bzw. in das Arbeitsbeschaffungsprogramm, das zugelich mit dem Schwundgeld beschlossen worden war.<\/p>\n<p>Das Schwundgeld von W\u00f6rgl ist also kein Beleg f\u00fcr die Richtigkeit der Gesellschen Utopie, sondern ein lokal begrenztes Doppelw\u00e4hrungssystem, das keinesfalls die gesamte \u00f6rtliche Wirtschaft umfasste, sondern im Gegenteil nur eine Minderheit (weniger als 10\u00a0%). Das W\u00f6rgler Experiment stand in einigen Aspekten durchaus im Widerspruch zu den klassisch (neo)liberalen Ans\u00e4tzen von Gesell und vielen seiner Anh\u00e4ngerInnen, da Geld in den Sozialbereich (Armenfonds) gesteckt wurde. In einem \u201eechten\u201c Schwundgeld\u00adexperiment w\u00e4ren daher auch die sozialen Konsequenzen drastischer: Das Schwundgeld bestraft letztlich jene Menschen, die ohnehin wenig Geld haben. Sie k\u00f6nnen keine finanziellen Reserven anlegen, was insbesondere beim Fehlen sozialstaatlicher Einrichtungen (z.B. Kranken- und Pensionsversicherung) \u2013 wie sie von den wirtschaftsliberalen VordenkerInnen der Regiow\u00e4hrungs\u00adkonzepte vorgesehen waren \u2013 verheerende Auswirkungen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Eine Regionalw\u00e4hrung, die auch zur Bezahlung von Arbeitsleistung eingesetzt wird, kann immer auch als Disziplinierungsinstrument eingesetzt werden (wer \u201ebrav\u201c ist, bekommt \u201eechtes\u201c Geld, das auch in eventuell billigeren Gesch\u00e4ften ben\u00fctzt werden kann, wer nicht \u201ebrav\u201c ist, wird in der Regionalw\u00e4hrung bezahlt und hat in Folge eingeschr\u00e4nkte Konsumm\u00f6glichkeiten).<\/p>\n<p>Auch bei den aktuellen Beispielen f\u00fcr Regio-W\u00e4hrungen oder auch der direkten Kreditgew\u00e4hrung wie um den Waldviertler Schuhproduzenten Heini Staudinger handelt es sich v.a. um Projekte, die regionale Klein- und Mittelunternehmen gegen\u00fcber gro\u00dfen Konkurrenten st\u00e4rken sollen. Das Geld soll \u201ein der Region\u201c bleiben. Die Unterst\u00fctzerInnenliste der Demonstration \u201eB\u00fcrgerrecht statt Bankenrecht\u201c gegen das Verbot der direkten Kreditgew\u00e4hrung durch die Bankenaufsicht im Dezember 2012 liest sich dann auch wie das Branchenverzeichnis \u2013 es sind v.a. Klein- und Mittelbetriebe bzw. deren BesitzerInnen.<\/p>\n<p>Neben diversen Regio-W\u00e4hrungsprojekten gibt es auch einen Boom bei sogenannten Tauschkreisen. Das Prinzip ist \u00e4hnlich: Abseits kapitalistischer Produktions- und Handelsbeziehungen tauschen Menschen mehr oder weniger direkt untereinander Arbeitsleistungen aus. Ich schneide dir die Haare, daf\u00fcr bekomme ich eine bestimmte Anzahl von Einheiten gutgeschrieben. Die kann ich dann wieder in Arbeit von Dritten tauschen (der z.B. meine Wohnung putzt). In vielen Tauschkreisen gilt auch das Schwundgeldprinzip, d.h. die gutgeschriebenen Einheiten verlieren rasch an Wert. Das Konzept ist keineswegs auf Mitteleuropa beschr\u00e4nkt. In Folge der Wirtschaftskrise in Argentinien lebten im Sommer 2002 gesch\u00e4tzte zehn von 35 Millionen Menschen v\u00f6llig oder teilweise vom Tauschring-System. Doch es war bestenfalls eine Verwaltung der Armut, schuf keine neuen Arbeitspl\u00e4tze, sondern hatte mehr den Charakter eines riesigen Flohmarktes, der dem Staat auch noch die M\u00f6glichkeit zum weiteren R\u00fcckzug aus dem Sozialwesen gab, ohne dass er Auf- oder Widerst\u00e4nde bef\u00fcrchten musste. Rasch wurde das System von Einzelnen zu ihrem Vorteil benutzt und brach rasch wieder in sich zusammen.<\/p>\n<h4>Spielwiese f\u00fcr allerlei rechtes Gesindel<\/h4>\n<p>Abschlie\u00dfend sei noch auf die engen Verflechtungen der Anh\u00e4ngerInnen Gesells bzw. der Regio-Geld und Tauschkreise und dem rechtsextremen und faschistischen Lager hingewiesen. Gesell selbst hatte keine Ber\u00fchrung\u00e4ngste zum nationalen Lager. Er arbeitete aber auch mit anarchistischen und linken Str\u00f6mungen zusammen, war f\u00fcr wenige Tage Mitglied der M\u00fcnchner R\u00e4teregierung und versuchte seine Konzepte in der Praxis zu testen. Seine Ablehnung von Demokratie zeigte sich schon damals. Er arbeitete nicht mit dem Revolution\u00e4ren Bank-Rat, der aus linken Angestellten bestand, zusammen, sondern versuchte quasi als \u201eMinister\u201c mit Verordnungen zu regieren. Viel st\u00e4rker war allerdings seine Kooperation mit rechtsextremen, v\u00f6lkischen und faschistischen Personen und Strukturen. In der Obstbaugenossenschaft Oranienburg-Eden, in der Gesell viele Jahre lebte, tummelten sich diverse v\u00f6lkische Gr\u00f6\u00dfen, 1917 geh\u00f6rte \u201edeutsches Ariertum\u201c zu den Aufnahmebedingungen und Gesell ver\u00f6ffentlichte auch Schriften in diesem Umfeld. Es finden sich bei Gesell zwar Stellen, wo er sich gegen die \u201eJudenhetzerei\u201c ausspricht, andererseits bedient er aber das Klischee vom \u201eraffenden (j\u00fcdischen) Kapital\u201c.<\/p>\n<p>In der Linken gibt es immer Debatten dazu, wie weit die Kritik am \u201eFinanzkapital\u201c gehen darf und ob diese nicht an sich schon \u201estrukturell Antisemitisch\u201c ist. Tats\u00e4chlich ist es so, dass Viele, die sich in ihrer Kritik auf das Finanzkapital beschr\u00e4nken, auch antisemitische Vorurteile und Hetze betrieben haben und noch betreiben. Doch einen Automatismus gibt es hier nicht. Im Gegenteil f\u00fchrt der Vorwurf des \u201estrukturellen Antisemitismus\u201c und damit letztlich der Verteidigung von Banken, Versicherungen und Ratingagenturen in seiner Logik zur Unterst\u00fctzung der schlimmsten Ausw\u00fcchse des Kapitalismus. Eine Beschr\u00e4nkung der Kritik auf das \u201eFinanzkapital\u201c ist zwar nicht zwangsl\u00e4ufig antisemitisch, aber sie ist zwangsl\u00e4ufig verk\u00fcrzt und dadurch falsch. Indem sie den Kampf nur auf ein Segment, n\u00e4mlich das Finanzkapital beschr\u00e4nkt, lenkt sie vom wesentlichen ab und stellt damit letztlich ein Hindernis f\u00fcr den Kampf gegen die wirtschaftlichen Probleme und Krisen und v.a. ihre Ursachen dar.<\/p>\n<p>Eindeutiger tritt Gesells reaktion\u00e4re Haltung \u2013 die in der aktuellen NWO-Bewegung ignoriert, besch\u00f6nigt oder sogar \u00fcbernommen wird \u2013 bei seinem Konzept der Menschenzucht zu Tage. Frauen sollen sich die besten und kl\u00fcgsten M\u00e4nner zur Vermehrung aussuchen. Ziel davon ist es, dass die Menschheit von \u201eall dem Minderwertigen erl\u00f6st werde.\u201c Er vertritt auch die \u201eklassische\u201c Arbeitsteilung: M\u00e4nner schaffen die Werte, Frauen die Kinder. Seine Ideen einer \u201eMutterrente\u201c finden sich auch bei diversen rechtsextremen und religi\u00f6s-fundamentalistischen Str\u00f6mungen. Daraus spricht ein stark sozialdarwinistischer Ansatz, aber es finden sich auch rassistische Formulierungen bei Gesell. Mit der Ablehnung z.B. auch eines modernen Gesundheitswesens finden sich neben den sozialdarwinistischen Ans\u00e4tzen auch eugenische. Hier findet sich auch ein Schulterschluss zur Anthroposophie (Lehre von Rudolf Steiner, Waldorfschulen). Diese basiert auf unwissenschaftlichem Hokus-Pokus und Rassentheorien, die von der \u00dcberlegenheit der wei\u00dfen \u201eRasse\u201c ausgehen. Die Ablehnung eines modernen Gesundheitswesens, z.B. von Impfungen, ist in letzter Konsequenz ebenfalls ein eugenischer Ansatz. Alte und Kranke gibt es in Gesells Welt nicht. Die sterben, bzw. werden sterben gelassen, weil sie keine vollwertige Leistung erbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch ganz unabh\u00e4ngig von seinen pers\u00f6nlichen Ansichten stellt die Lehre von Gesell ein wichtiges Standbein der extremen Rechten und eine Br\u00fccke zwischen dieser und anderen \u2013 meist kleinb\u00fcrgerlichen \u2013 Str\u00f6mungen dar. Sie ist daher auch im Kontext diverser pseudo-antikapitalistischer bzw. kapitalismuskritischer Konzepte der extremen Rechten zu sehen. Historisch gab es zahlreiche Verbindungen der NWO\/Freiwirtschaftlichen Bewegung, dem nationalen\/v\u00f6lkischen\/faschistischen Lager und der NSDAP \u2013 u.a. eine Br\u00fccke zwischen dem vermeintlich proletarischen Fl\u00fcgel der faschistischen Bewegung in der SA. Die Ablehnung von Industrie und Gro\u00dfst\u00e4dten bietet ebenfalls Ansatzpunkte f\u00fcr das v\u00f6lkische Lager. Nat\u00fcrlich gab es im Deutschen Reich modernste Gro\u00dfindustrie, aber ideologisch wurde das Bild der d\u00f6rflichen Idylle, des ehrlichen hart arbeitenden Mitglieds der d\u00f6rflichen Gemeinschaft, hochgehalten. In dieser d\u00f6rflichen \u201eVolksgemeinschaft\u201c gibt es \u2013 sowohl in der Ansicht von FaschistInnen als auch von FreigeldtheoretikerInnen \u2013 auch keine Klasseninteressen, sondern nur das \u201egemeinsame\u201c regionale Volk. Klassenk\u00e4mpfe und Klassenorganisationen (also Gewerkschaften) werden logischerweise abgelehnt bzw. bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Auch in der politischen Debatte angesichts der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise gibt es in diversen Projekten zu Regionalw\u00e4hrungen und Tauschkreisen starke \u00dcberschneidungen zwischen Gesell-Anh\u00e4ngerInnen, AnthroposophInnen (z.B. wurde die Regionalw\u00e4hrung Chiemgauer aus der Waldorfschule heraus initiiert) und dem rechtsextremistischen Lager.<\/p>\n<p>Im Umfeld der deutschen NPD gibt es Debatten zu Gesell, die faschistische Deutsche Volksunion beantragte 2007 im brandenburgischen Landtag die Unterst\u00fctzung von Regionalgeld-Gruppen im Land. Ende der 1990er Jahre gab es Berichte \u00fcber braune Aktivit\u00e4ten in der nieders\u00e4chsischen Tauschkreisbewegung. Gr\u00f6\u00dfen der NWO-Bewegung beziehen sich z.B. auf den Japaner Yoshito Otani, der Verschw\u00f6rungstheorien pr\u00e4sentiert und sich auf die antisemitischen (L\u00fcgen-)\u201cProtokolle der Weisen von Zion\u201c st\u00fctzt. Johannes Heinrichts, auch einer der NWO-TheoretikerInnen, bedauert die \u201eSelbstaufgabe der deutschen Kultur\u201c und spricht sich gegen die \u201eKulturvermischung\u201c aus. In \u00d6sterreich gilt der zur Zeit suspendierte Universit\u00e4tsprofessor Franz H\u00f6rmann als einer der prominentesten Kritiker des Geldsystems. Er wurde von der in \u00d6sterreich v.a. aus dem rechten Eck gestellten Occupy-Bewegung als zentraler Theoretiker zum Thema pr\u00e4sentiert. Er wurde von der Wiener Wirtschaftsuniversit\u00e4t suspendiert, weil er \u2013 wie viele Rechte \u2013 bez\u00fcglich Holocaust und Gaskammern nicht bereit war, klare Worte zu finden (der Holocaust sei &#8222;nicht endg\u00fcltig gekl\u00e4rt&#8220;und er k\u00f6nne nicht sagen, ob es Gaskammern gab). In der von ihm mitgegr\u00fcndeten \u201eHuman Way Partei\u201c h\u00e4tten alle, auch Nazis, Platz.<\/p>\n<p>GesellianerInnen wollen den in der Natur herrschenden Wettbewerb, die \u201enat\u00fcrliche\u201c Auslese, den Sieg des St\u00e4rkeren, auf die menschliche Gesellschaft umlegen. Sie negieren damit die technischen M\u00f6glichkeiten \u2013 oder wollen auf diese bewusst verzichten \u2013 die es schon l\u00e4ngst erm\u00f6glichen, die Menschheit vom t\u00e4glichen \u00dcberlebenskampf und der Konkurrenz zu befreien. Friedrich Engels hat im Gegensatz dazu darauf hingewiesen, dass erst mit der Abschaffung der kapitalistischen Profitwirtschaft (auch wenn diese besch\u00f6nigend als Marktwirtschaft verkauft wird) der Mensch wirklich menschlich werden kann. Dann kann die Wirtschaft zum Wohle aller eingesetzt werden, es kann genug produziert werden, um allen Menschen ein menschenw\u00fcrdiges Leben in einer sicheren Umgebung zu garantieren. Erst dann gibt es keinen Mangel mehr und Menschen m\u00fcssen nicht auf Kosten anderer agieren, um sich und die ihren zu ern\u00e4hren und abzusichern. F\u00fcr Gesell und Co. gilt \u201eDer Mensch ist des Menschen Wolf\u201c als Naturgesetz. F\u00fcr SozialistInnen das Ergebnis eines heute k\u00fcnstlich erzeugten Mangels, der aufgrund des technischen Fortschritts l\u00e4ngst beseitigt sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<h4>Die systemstabilisierende Wirkung von Tauschkreisen und Regio-Geld<\/h4>\n<p>Mit der Vertiefung der Wirtschaftskrise kommt es zu einem Revival solcher Ideen und Konzepte. Doch sind auch sie letztlich \u2013 wie viele andere \u2013 der Versuch, einen Ausweg aus der Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu finden und einen \u201efunktionierenden\u201c Kapitalismus zu schaffen, der das Kleinb\u00fcrgertum nicht zerreibt sondern zur zentralen Kraft machen soll.<\/p>\n<p>Bei all diesen Projekten geht es \u2013 im Gegensatz zu verschiedenen aus der ArbeiterInnenbewegung kommenden revolution\u00e4ren Konzepten, die die Notwendigkeit erkannt haben, den Kapitalismus an sich zu st\u00fcrzen \u2013 nicht um das Abschaffen des Kapitalismus, sondern darum, Inseln im finanzkapitalistischen Meer zu schaffen. Das Prinzip \u201eAnders Leben \u2013 Anders Arbeiten\u201c konkreter freiwirtschaftlicher Projekte zeigt, dass keine Systemalternative gesucht wurde. Hier gab und gibt es auch \u00dcberschneidungen zu anderen idealistischen Konzepten diverser Kommunen, BodenbesetzerInnen, wilden SiedlerInnen etc. Gemeinsam es Ziel der verschiedenen Projekte war und ist es, einen Kapitalismus ohne \u201eparasit\u00e4re\u201c Finanzwirtschaft zu schaffen.<\/p>\n<p>Auch wenn nicht alle, die Tauschkreis- und Regio-Geld-Konzepte unterst\u00fctzen Rechte sind, so sind doch die reaktion\u00e4ren Ideen, die viele der NWO-Anh\u00e4ngerInnen hatten und haben, nicht nur \u201ezeitbedingt\u201c oder zuf\u00e4llige pers\u00f6nliche Meinungen, sondern sie ergeben sich notwendigerweise aus den Ans\u00e4tzen dieser Theorien. Eben weil der Kapitalismus an sich nicht in Frage gestellt, sondern gefordert und gef\u00f6rdert wird, haben sie auch alle damit zusammenh\u00e4ngenden Probleme. Nach ihren Konzepten soll in klassisch kapitalistischer Manier privat produziert werden, eine gesellschaftliche Planung ist nicht vorgesehen. Eine \u201eVergesellschaftung\u201c findet erst \u00fcber den Markt statt. Das ist die Grundlage von Konkurrenz \u2013 Konkurrenz unter ProduzentInnen ebenso wie unter KonsumentInnen. Diese Konkurrenz ist im manchasterliberalen Modell sogar ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht, da sie ja zum Aussieben der weniger \u201efitten\u201c f\u00fchrt. Dieses kapitalistische Produktionschaos f\u00fchrt dazu, dass am Bedarf vorbei produziert wird, dass selbst grundlegende Bed\u00fcrfnisse von Menschen nicht befriedigt werden k\u00f6nnen, wenn sie nicht das Geld haben, um die ben\u00f6tigten Waren zu kaufen. Es bedeutet auch, dass k\u00fcnstlich Bed\u00fcrfnisse geschaffen bzw. umweltsch\u00e4dliche Wegwerfprodukte erzeugt werden. Der Mythos, dass sich der Markt selbst regelt und ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herstellt, ist genau das: ein Mythos. Der Arbeitsmarkt z.B. zeigt, dass es dieses Gleichgewicht nicht gibt. Auch hier wird deutlich, dass \u201enicht jeder einen Job bekommt, der nur will und sich bem\u00fcht\u201c. Nicht einmal Gesell &amp; Co. k\u00f6nnen ernsthaft meinen, dass 50\u00a0% der spanischen oder griechischen Jugendlichen einfach nicht arbeiten wollen.<\/p>\n<p>Die Frage des Charakters des Staates wird in den NWO-Texten ausgeklammert. Am ehesten wird &#8211; wie bei Wirtschaftsliberalen \u00fcblich (und andererseits ein Ansatzpunkt f\u00fcr AnarchistInnen) &#8211; ein R\u00fcckzug des Staates aus dem Privatleben und der Wirtschaft gefordert.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sungskonzepte sind stark individualistisch. Sie sind individuelle Versuche, mit existierenden Problemen zu Rande zu kommen. Es ist kein Zufall, dass diese Projekte gerade in Regionen boomen, wo die Infrastruktur ausged\u00fcnnt ist, Jobs vernichtet werden, wo es kaum Unternehmen gibt und auch die Gewerkschaftsbewegung kaum existiert. Doch auch wenn bei diesen Projekten eine Gruppe von Menschen zusammenkommt, sind die L\u00f6sungen an sich individuelle \u2013 wir organisieren uns nicht gemeinsam f\u00fcr ein gemeinsames Ziel, sondern ich n\u00fctze individuell die M\u00f6glichkeiten, die mir Tauschkreis bzw. Regio-Geld bieten.<\/p>\n<p>Das steht auch stark im Gegensatz zu kollektiveren Ans\u00e4tzen (die allerdings auch im Rahmen des Kapitalismus bleiben), wie die Landbesetzungen z.B. in Spanien und die Gr\u00fcndung von Genossenschaften. Die St\u00e4rke dieser Konzepte hat ihre Ursache v.a. in der Schw\u00e4che und dem Versagen der Organisationen der ArbeiterInnenbewegung. Wo Gewerkschaften keinen Widerstand gegen Stellenk\u00fcrzungen, Lohnraub und Sozialabbau organisieren, dort suchen Menschen nach anderen Antworten. Doch Tauschkreise, Regionalw\u00e4hrungen und \u00e4hnliche Konzepte k\u00f6nnen bestenfalls f\u00fcr eine kleine Gruppe und auch das nur zeitlich begrenzt eine Verbesserung des Gesamtzustands bzw. der Gesamtkatastrophe bringen. Aber sie \u00e4ndern nichts an den Grundwiderspr\u00fcchen des Kapitalismus, der immer wieder zu Krisen f\u00fchrt. Und eine lokale \u201eheile Welt\u201c ist vor dem Hintergrund einer international produzierenden, verlagernden und verschmutzenden kapitalistischen Weltwirtschaft nicht m\u00f6glich. Selbst wenn wir in Tauschkreisen Hilfe finden, um die Waschmaschine reparieren zu k\u00f6nnen, brauchen wir Job und Sozialversicherung, um im Krankheitsfall eine Operation bezahlen zu k\u00f6nnen. Selbst wenn wir mit Regiogeld die Kartoffeln vom Bauern aus dem Nachbarort erstehen, wird das Feld durch die Umweltverschmutzung der Gro\u00dfindustrie vergiftet. In der Praxis ist allerdings eines der gro\u00dfen Probleme der Tauschkreise, dass der \u00fcberwiegende Teil der angebotenen Leistungen \u201eAllerweltsarbeiten\u201c sind (viel Handarbeit etc.). Qualifiziertere Leistungen werden kaum angeboten, diese m\u00fcssen erst recht \u201eextern\u201c mit richtigem Geld zugekauft werden. Und beim Gro\u00dfteil der Produkte, die wir ben\u00f6tigen, w\u00e4re es auch nicht sinnvoll, diese regional zu produzieren (Stahl, Eisenbahnen, Handy-Netze, Baumwolle etc.).<\/p>\n<p>Indem sie die Energie von Menschen auf sich konzentrieren, haben Tauschkreise und Regio-Geldprojekte auch eine systemstabilisierende Wirkung. Sie lenken die Energie von Menschen in Bahnen, die der St\u00e4rkung der regionalen Wirtschaft dienen und dem Kapitalismus (und auch dem Finanzsektor) nicht gef\u00e4hrlich werden. Sie verhindern, dass eben jene Menschen, die eigentlich eine \u201ebessere Welt\u201c wollen, gemeinsam mit KollegInnen in ihren Betrieben, mit anderen Arbeitslosen, mit Mitsch\u00fclerInnen etc. die Sparpakete der Regierungen bek\u00e4mpfen, f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne k\u00e4mpfen und auch streiken und die Repression des Staates gegen die Schw\u00e4chsten in der Gesellschaft bek\u00e4mpfen. Und sie suggerieren, dass nur das einfache Leben das Wahre ist. Als Wachstumsfanatismus abgekanzelt wird der Wunsch nach einem h\u00f6heren Lebensstandard zurechtgewiesen. Wir sind auch nicht der Meinung, dass jedeR drei Autos braucht, aber Fernreisen z.B. sind f\u00fcr viele Menschen etwas Positives, das wir ihnen nicht f\u00fcr Regionalismus absprechen wollen. Es ist auch nicht unanst\u00e4ndig, Bananen zu essen oder Unterw\u00e4sche aus Baumwolle zu tragen (beides w\u00e4chst bei uns nicht). Der absolut \u00fcberwiegende Teil der Umweltzerst\u00f6rung kommt nicht dadurch zustanden, dass die KonsumentInnen so \u201egierig\u201c w\u00e4ren. Auch wenn wir uns alle umweltschonend verhalten und (wenn wir es uns leisten k\u00f6nnen) fair gehandelte Produkte kaufen, \u00e4ndert das nichts daran, dass kapitalistische Unternehmen aus Profitinteressen die Umwelt zerst\u00f6ren und in den neokolonialen L\u00e4ndern Menschen unter schrecklichen Arbeitsbedingungen und f\u00fcr Hungerl\u00f6hne ausbeuten, weil ihnen z.B. Filteranlagen zu teuer sind und sie mit billigeren Arbeitskr\u00e4ften mehr Profit machen. Die \u201eMacht des Konsumenten\u201c endet bei unseren beschr\u00e4nkten Geldmitteln. Die Ablehnung von Fortschritt und das Zur\u00fcckweisen eines steigenden Lebensstandards bedeutet nur, dass wir die Umwelt schonen sollen, damit die KapitalistInnen weiter Geld scheffeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besonders perfide ist, dass viele Unternehmen sich die Ideen von Regiogeld zu eigen machen, um die KundInnen noch weiter auszunehmen. Schon zu Beginn der Industrialisierung gab es Unternehmen, die ihre Besch\u00e4ftigten in einer eigenen W\u00e4hrung bzw. Gutscheinen bezahlten, die nur in firmeneigenen Gesch\u00e4ften ben\u00fctzt werden konnten. Ein fetter Extraprofit. Und heute gibt es bei verschiedenen Gro\u00dfdiscotheken und Sportveranstaltungen \u201eLokal\u201cW\u00e4hrungen, die am Anfang mit echtem Geld gekauft werden m\u00fcssen. W\u00e4hrend des Events k\u00f6nnen nur in dieser W\u00e4hrung die \u00fcberteuerten Preise bezahlt werden, ein R\u00fccktausch ist oft nicht m\u00f6glich. Abzocke pur!<\/p>\n<p>Auch wenn das wohl dem Anliegen der meisten TeilnehmerInnen widerspricht \u2013 indem sie sich in diese Projekte einbringen, anstatt lokale und landesweite Proteste gegen die K\u00fcrzungspakete zu organisieren, helfen sie mit, das Profitsystem am Leben zu erhalten.<\/p>\n<h4>Bei den positive Aspekten der Initiativen ansetzen<\/h4>\n<p>Viele, die das erste Mal mit Tauschkreisen und Regio-Gelprojekten in Kontakt kommen, haben zuerst ein positives \u201eBauchgef\u00fchl\u201c. Es wirkt demokratisch, \u00f6kologisch und steht so deutlich im Widerspruch zu den gro\u00dfen, unkontrollierbaren Konzernen. Viele hoffen, so einen \u201eKapitalismus mit menschlichem Antlitz\u201c, in dem Verteilungsgerechtigkeit m\u00f6glich ist, zu schaffen und glauben, in Tauschkreisen oder Regio-W\u00e4hrung sei so etwas zu finden. Diese Hoffnung hat ihre Wurzel in der Schw\u00e4che der Linken in den letzten 50 Jahren: Die typischen TeilnehmerInnen dieser Projekte sind Menschen, die im Nachkriegsaufschwung aufgewachsen und nun schockiert von den scheinbaren \u201eAusw\u00fcchsen\u201c des Kapitalismus sind. Die Gewerkschaftsbewegung und die damals noch-ArbeiterInnenpartei SP\u00d6 haben die Illusion aufrecht erhalten, der Nachkriegskapitalismus mit der langen Periode von wachsendem Lebensstandard und kontinuierlichem Ausbau des Sozialstaates w\u00e4re die Normalform des Kapitalismus. Tats\u00e4chlich ist es die Ausnahme: Seit den 1980er\/90er Jahren ist der Kapitalismus aber zu seiner Normalform zur\u00fcckgekehrt: Krisen, Ausbeutung, Abbau von Sozialstaat und Senkung der Reall\u00f6hne.<\/p>\n<p>Auch ist es berechtigt und nachvollziehbar, wenn Leute \u201ein Verbundenheit mit der Natur\u201c leben wollen, wenn es Spa\u00df macht, eigenes Gem\u00fcse anzubauen. Nur hilft das eben nicht bei Armut. Es ist verst\u00e4ndlich und berechtigt, wenn Leute was dagegen tun wollen, dass die industrielle Lebensmittelproduktion Gem\u00fcse unn\u00f6tigerweise um den Erdball fliegt, die Umwelt verpestet, Menschen unter sklavenartigen Bedingungen ausbeutet, tonnenweise Lebensmittel vernichtet, ungesunde Produkte erzeugt und es zu Unf\u00e4llen wie Vergiftungen oder Verseuchungen (Bsp. EHEC) kommt. Die frische Milch vom Bauern, das frische Brot vom B\u00e4cker nebenan schmecken auch besser als der industrielle Fra\u00df. Aber die Tauschkreis- und Regio-Geldprojekte sprechen die Ursache (die kapitalistische Produktionsweise) nicht an, verschieben die Verantwortung auf ein Segment, n\u00e4mlich das Finanzkapital, und ziehen daher auch die falschen Schlussfolgerungen. In einer Welt nach den Vorstellungen von Gesell &amp; Co. w\u00fcrde Industrieproduktion (z.B. f\u00fcr Textilien), Computer, \u00d6ffentliche Verkehrsmittel und Krankenh\u00e4user nicht existieren, wir w\u00fcrden alle auf unseren Bauernh\u00f6fen leben und im Ort g\u00e4be es bestenfalls kleine Handwerker.<\/p>\n<p>Und auch wenn Tauschkreise und Regio-Geldprojekte Anziehungspunkt von und manchmal auch direkt Projekte von Rechten sind, so ist die Mehrheit der TeilnehmerInnen nicht aus diesem Lager. Viele Gr\u00fcnbewegte, Linke, aus B\u00fcrgerinitiativen stammende Menschen sind in diesen Projekten aktiv, weil sie \u2013 auch angewidert von den undemokratischen Erfahrungen in manchen Gro\u00dforganisationen \u2013 hoffen, damit vor Ort, in ihrem direkten Umfeld, etwas ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Freiwillige stecken viel Zeit (und manchmal wohl auch Geld) in solche Projekte. Das zeigt, dass Menschen, wenn ihnen etwas wichtig ist, bereit sind, viel daf\u00fcr zu tun. Auch die Tatsache, dass hier Menschen zusammenkommen, um \u00fcber wirtschaftliche und soziale Fragen diskutieren, herrschende Zu- und Missst\u00e4nde in Frage stellen, ist grunds\u00e4tzlich positiv. Die einzelnen Projekte sind unterschiedlich demokratisch bzw. hierarchisch, doch bieten Viele die M\u00f6glichkeit zur Mitentscheidung.<\/p>\n<p>Die Motivation, sich in solche Projekte einzubringen, ist oft eine positive. Menschen wollen selbst \u201ewas tun\u201c, helfen und sich f\u00fcr die Umwelt einsetzen. Erreichen werden sie das mit diesen Projekten allerdings nicht \u2013 daf\u00fcr braucht es wirkliche Alternativen zum Kapitalismus.<\/p>\n<h4>Wirkliche Alternativen zum Kapitalismus<\/h4>\n<p>Als SozialistInnen haben wir uns nicht erst seit Beginn der Wirtschaftskrise intensiv mit der Frage von Alternativen besch\u00e4ftigt. Unser Ansatz ist die Analyse ihrer Ursachen \u2013 n\u00e4mlich das kapitalistische Profitsystem. Daraus ergeben sich dann auch die L\u00f6sungskonzepte, die eben jenes in Frage stellen, angreifen und \u00fcberwinden!<\/p>\n<p>Das beginnt bei ganz grundlegenden Fragen wie Arbeitspl\u00e4tzen und L\u00f6hnen, Bildung und Gesundheit. Schon l\u00e4ngst ist es aufgrund des technischen Fortschritts m\u00f6glich, dass ALLE Menschen weltweit ein Leben ohne Hunger und Armut leben k\u00f6nnten. In \u00d6sterreich, einem der reichsten L\u00e4nder des Planeten, sowieso. Trotzdem sind Einkommen und Verm\u00f6gen so ungleich verteilt, dass rund eine Million Menschen hierzulande von Armut bedroht oder betroffen sind. Die SLP fordert eine Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit, damit alle Menschen, die einen Job suchen, auch einen bekommen. Weiters ist ein Mindestlohn von 1.200.- netto notwendig, um Ph\u00e4nomenen wie \u201eWorking Poor\u201c, also Menschen, die trotz Job so wenig verdienen, dass sie arm sind, zu verhindern. Arbeitszeitverk\u00fcrzung und Mindestlohn scheitern nicht an der Finanzierbarkeit. Aber der Reichtum in unserer kapitalistischen Gesellschaft ist so ungleich verteilt, weil eben einige Wenige den Zugriff und die Macht \u00fcber \u201eProduktionsmittel\u201c \u2013 also Unternehmen, Maschinen, Firmen \u2013 haben, w\u00e4hrend die Mehrheit gezwungen ist, \u201eihre Arbeitskraft zu verkaufen\u201c. Wer keinen gro\u00dfen Grund- oder Immobilienbesitz und kein Erbe hat, dem steht die Wahl nicht frei, einen der mies bezahlten Jobs anzunehmen oder nicht. Wer nicht die finanzielle M\u00f6glichkeit hat, eine \u201eAuszeit\u201c zu nehmen, muss t\u00e4glich in eine oft stressige Arbeit gehen. Das kann nur ge\u00e4ndert werden, wenn die kapitalistische Logik durchbrochen wird. Doch das wird nicht durch \u201egute Argumente\u201c gelingen. Wir sehen aktuell in der Wirtschaftskrise \u2013 die sich ja nicht auf den Finanzsektor beschr\u00e4nkt, sondern z.B. in der Autoindustrie zu massiven Problemen f\u00fchrt \u2013, dass die Herrschenden keine L\u00f6sungen anzubieten haben. Korrekturen im Finanzsektor w\u00fcrden manche der \u00e4rgsten Ausw\u00fcchse des \u201eCasino-\u201c Kapitalismus beseitigen. Aber am Grundproblem, dass es dort die KapitalbesitzerInnen und hier die ArbeiterInnenklasse gibt, w\u00fcrde das nichts \u00e4ndern. \u201eKeynesianerInnen\u201c (und auch viele aus der Gewerkschaftsbewegung) bieten als L\u00f6sung die Stimulierung der Nachfrage an. Sie appellieren an Unternehmen, h\u00f6here L\u00f6hne zu bezahlen, damit die Besch\u00e4ftigten dann die Waren nachfragen k\u00f6nnen. Das findet jedes Unternehmen gut \u2013 solange es die anderen machen. Doch selbst k\u00f6nne man leider nicht die L\u00f6hne erh\u00f6hen, weil man ja konkurrenzf\u00e4hig bleiben muss. Aus der Sicht des einzelnen Unternehmens stimmt diese Herangehensweise auch. Und sie zeigt, dass der Kapitalismus immer wieder aufgrund seiner Grundwiederspr\u00fcche zu Krisen f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Die Bed\u00fcrfnisse der Menschen nach einem Leben in Frieden, einer sicheren Umwelt und einer gesunden Natur werden vom Kapitalismus zugunsten der Profite Weniger ignoriert. Das gilt f\u00fcr Klein- wie Gro\u00dfunternehmen gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfen Bewegungen, mit Klassenk\u00e4mpfen, k\u00f6nnen auch im Hier und Jetzt des Kapitalismus Verbesserungen erreicht werden. Doch zeigt sich gerade in der Krise, dass diese nicht von Dauer sind. Um schon Erreichtes zu sichern bzw. notwendige Verbesserungen zu erreichen, braucht es mehr, braucht es einen Sturz des Kapitalismus und den Aufbau einer demokratisch geplanten sozialistischen Wirtschaft.<\/p>\n<p>Denn wenn nicht die Profite Weniger der Dreh- und Angelpunkt sind, dann k\u00f6nnen die Reicht\u00fcmer unserer Welt f\u00fcr Alle eingesetzt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Sichere Arbeitspl\u00e4tze, k\u00fcrzere Arbeitszeiten und ordentliche L\u00f6hne;<\/li>\n<li>ein Gesundheitssystem, dss nicht nur kaputtgemachte Menschen notverarztet sondern schon im Vorsorgebereich ansetzt;<\/li>\n<li>ein Bildungssystem, das die Neugier von Kindern (und Erwachsenen) f\u00f6rdert und in demokratischen Strukturen Wissen gemeinsam erarbeitet;<\/li>\n<li>ein Pensionssystem, bei dem Menschen gesund und ohne Existenz\u00e4ngste ihren Lebensabend sinnvoll verbringen k\u00f6nnen;<\/li>\n<li>eine Umwelt, die f\u00fcr uns und nachkommende Generationen erhalten wird, indem wir technische Neuerungen zum Wohle Aller einsetzen \u2013<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2013 all das und noch viel mehr ist dann m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Doch um so eine Welt zu erreichen, wird es nicht ausreichen, Petitionen zu schreiben oder \u201edas Geld\u201c abzuschaffen. Im Kapitalismus gibt es eine kleine Schicht, die von diesem System profitiert, und sie versucht es \u00fcber Medien, Regierung und mit Polizei und Milit\u00e4r auch zu erhalten. Doch viele Menschen sind nicht mehr bereit, eine Arbeitslosigkeit von in Teilen Europas bis zu 50\u00a0% zu akzeptieren. Sie k\u00e4mpfen mit Demonstrationen und Streiks gegen die aktuelle K\u00fcrzungspolitik. Dass gegen die Krise ein R\u00fcckzug auf Nationalstaaten keine L\u00f6sungen bringen wird, ist offensichtlich. Zu verwoben ist die Wirtschaft international \u2013 und Bereiche wie z.B. Umweltzerst\u00f6rung haben sich noch nie an Staatsgrenzen gehalten. Nationalstaatliche \u201eL\u00f6sungen\u201c bedeuten nur, dass Staaten und Unternehmen versuchen, durch immer niedrigere L\u00f6hne, Umweltstandards etc. konkurrenzf\u00e4higer zu sein als die Anderen. Nationalstaatliche L\u00f6sungen bedeuten also eine Vergr\u00f6\u00dferung der Armut. Denn das System Kapitalismus ist ein weltweites. Doch wenn die Unternehmen der Macht der KapitalistInnen entzogen werden, k\u00f6nnen sie im Sinne der Bed\u00fcrfnisse der Menschen agieren. Wenn Unternehmen nicht mehr einigen Wenigen geh\u00f6ren, sondern allen, m\u00fcssen sie nicht mehr f\u00fcr den Profit Weniger arbeiten, sondern k\u00f6nnen demokratisch danach ausgerichtet werden, was den Bed\u00fcrfnissen von Menschen dient. Die gesamte Technologie k\u00f6nnte dann statt f\u00fcr Profite f\u00fcr die Deckung von Bed\u00fcrfnissen eingesetzt werden, wissenschaftliche Errungenschaften k\u00e4men dann allen zugute, die sie brauchen. Nicht mehr die Profite Weniger, sondern die Produktion sinnvoller, haltbarer und \u00f6kologischer Produkte w\u00e4re m\u00f6glich, wenn die Besch\u00e4ftigten selbst und VertreterInnen der Mehrheit der Menschen (also der ArbeiterInnenklasse) die Verwaltung und Kontrolle der Betriebe \u00fcbernehmen. Die Unternehmen geh\u00f6ren aber doch den UnternehmerInnen? Doch wer schafft den Reichtum in diesen Betrieben \u2013 die Besch\u00e4ftigten! Ihnen m\u00fcsste der Betrieb eigentlich schon l\u00e4ngst geh\u00f6ren, nur wird er ihnen aufgrund eines \u201eBesitzrechtes\u201c vorenthalten, das ignoriert, wer eigentlich die Werte schafft. Die Besch\u00e4ftigten w\u00e4ren nicht in der Lage, die Betriebe gemeinsam und mit demokratisch gew\u00e4hlten Vertretungen zu f\u00fchren? Zwei Drittel aller Konkurse sind auf Unf\u00e4higkeit des Managements zur\u00fcckzuf\u00fchren, eine Vielzahl von Innovationen kommt aus der Belegschaft \u2013 hier gibt es ein enormes Wissen und F\u00e4higkeiten, die bisher ungenutzt bleiben.<\/p>\n<p>Wenn die Betriebe nicht mehr nach Profitinteressen, sondern nach den Bed\u00fcrfnissen der Menschen laufen, dann findet das in einem ge\u00e4nderten Wirtschafts- und Gesellschaftssystem statt. Die Schl\u00fcsselunternehmen sind in \u00f6ffentlichem Eigentum, demokratisch verwaltet und kontrolliert, ohne abgehobenes Management. Ein \u00f6ffentliches Investitionsprogramm in Bildung, Gesundheit, \u00d6ffentlichen Verkehr und Umwelt ist dann m\u00f6glich. Anhand der Bed\u00fcrfnisse kann die Produktion vorausgeplant werden, \u00dcberproduktion wird verhindert, ebenso \u00f6kologische Zerst\u00f6rungen. Wenn kein Mangel mehr herrscht (und der m\u00fcsste schon heute WELTWEIT nicht mehr herrschen, weil eigentlich genug f\u00fcr Alle da ist!), gibt es auch keine Grundlage mehr, auf deren Basis Menschen gegeneinander ausgespielt werden k\u00f6nnen, weil sie unterschiedliches Geschlecht, Hautfarbe, Religion etc. haben. Die Grundlagen f\u00fcr Sexismus, Rassismus und Nationalismus verschwinden in so einer Gesellschaft. Wir nennen eine solche Gesellschaft demokratischen Sozialismus. Der Sturz des Kapitalismus ist notwendig, um eine Zukunft ohne Krisen, Armut, Krieg und Umweltzerst\u00f6rung zu haben. Krisen und Ausbeutung sind Teil des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Und das Geld? Ignorieren SozialistInnen die Macht des Geldes in unserer Gesellschaft? Mitnichten. Nur sehen wir Geld und Finanzkapital als einen Bestandteil des Kapitalismus, der nur MIT diesem gemeinsam beseitigt werden kann. Es mag radikal klingen, das Finanzkapital anzugreifen und die \u201eAbschaffung des Geldes\u201c zu fordern. Doch solange es nicht mit der Abschaffung des Kapitalismus verbunden ist, ist es nur leeres Gerede. Der russische Revolution\u00e4r Leo Trotzki hat es 1936 so formuliert: \u201eDer staatliche wie der Geldzwang sind ein Erbteil der Klassengesellschaft, die die Beziehungen von Mensch zu Mensch nicht anders bestimmen kann als durch Fetische, kirchliche oder weltliche, und zu ihrem Schutz den f\u00fcrchterlichsten aller Fetische eingesetzt hat: den Staat, mit einem gro\u00dfen Messer zwischen den Z\u00e4hnen. In der kommunistischen Gesellschaft werden Staat und Geld verschwunden sein. Ihr allm\u00e4hliches Absterben muss also schon unter dem Sozialismus beginnen. Von einem tats\u00e4chlichen Sieg des Sozialismus wird man erst in dem geschichtlichen Augenblick sprechen k\u00f6nnen, wenn der Staat nur noch halb ein Staat ist und das Geld seine magische Kraft einzub\u00fc\u00dfen beginnt. Das wird bedeuten, dass mit dem Sozialismus, der sich der kapitalistischen Fetische entledigt, zwischen den Menschen durchsichtigere, freiere, w\u00fcrdigere Beziehungen zu walten beginnen.\u201c <\/p>\n<p>Wir sind der Meinung: Um ein solches Programm umsetzen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir uns organisieren \u2013 nicht nur lokal, sondern landesweit und auch \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg. Die SLP tritt f\u00fcr den Aufbau einer neuen und echten Partei f\u00fcr ArbeiterInnen und Jugendliche ein, die ein sozialistisches Programm und demokratische Strukturen hat und aktive und treibende Kraft in den aktuellen K\u00e4mpfen und Bewegungen ist. Die SLP ist Teil des Komitees f\u00fcr eine ArbeiterInnen-Internationale (CWI) \u2013 einer internationalen Organisation, die auf allen Kontinenten, in \u00fcber 40 L\u00e4ndern treibende Kraft f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gef\u00e4hrliche Irrwege der \u201eantikapitalistischen\u201c Bewegung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27307,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[94,85],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27306"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27306"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27306\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}