{"id":27253,"date":"2014-05-16T01:45:10","date_gmt":"2014-05-15T23:45:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=27253"},"modified":"2014-05-14T17:11:02","modified_gmt":"2014-05-14T15:11:02","slug":"die-zeit-wird-knapp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/05\/die-zeit-wird-knapp\/","title":{"rendered":"Die Zeit wird knapp"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24831\" aria-describedby=\"caption-attachment-24831\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/hochwasser.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-24831\" alt=\"Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic: Christopher Sonnleitner, Ars Electronica Center\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/hochwasser-259x173.jpg\" width=\"259\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/hochwasser-259x173.jpg 259w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/hochwasser.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24831\" class=\"wp-caption-text\">Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic: Christopher Sonnleitner, Ars Electronica Center<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zum Weltklimabericht der UNO<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUNO sieht Fortschritte im Kampf gegen globale Erw\u00e4rmung\u201c, titelte Spiegel Online am 31. M\u00e4rz. Die Schlagzeile bezog sich auf den zweiten Teil des neuen Klimareports. Wenige Wochen sp\u00e4ter kam der dritte und letzte Teil heraus, hierzu sah die Schlagzeile anders aus: \u201eEs hilft nur der Abschied von \u00d6l, Gas und Kohle\u201c.<\/p>\n<p><em>von Pascal Backes und Christian Walter, Aachen<\/em> <\/p>\n<p>Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change; deutsch: Weltklimarat) gibt seit 1990 Berichte \u00fcber die globalen Klimaver\u00e4nderungen heraus. Sie bilden die Grundlage beispielsweise f\u00fcr die Klimaziele der EU. Am 13. April wurde in Berlin der dritte Teilbericht vorgelegt. Darin wird eindringlich vor weiteren Verz\u00f6gerungen, effektiv den CO2-Aussto\u00df zu reduzieren, gewarnt. Das Klima ver\u00e4ndert sich dramatisch, die Temperatur steigt, extreme Wetterbedingungen nehmen zu. Mit beherzten Ma\u00dfnahmen w\u00e4re dieser Trend aber zu stoppen.<\/p>\n<h4>Alle Jahre wieder &#8230;<\/h4>\n<p>Diese Aussagen sind nichts Neues. Sp\u00e4testens seit der Kyoto-Konferenz gibt es alle paar Jahre Konferenzen, auf denen Ziele zur Minderung des CO2-Aussto\u00dfes und andere Klimaschutzprogramme verhandelt werden. Im Kyoto-Protokoll wurden die Industriel\u00e4nder verpflichtet, ihren j\u00e4hrlichen Treibhausgasaussto\u00df im Vergleich zu 1990 um 5,2% zu reduzieren. W\u00e4hrend nur wenige L\u00e4nder dieses Ziel erreichten, stieg der Aussto\u00df in einigen sogar.<\/p>\n<p>Schon seit langem warnen WissenschaftlerInnen vor den immer dramatischeren Folgen. Konzernchefs und deren Lobby drohen dann mit Produktionsverlagerung und Arbeitsplatzverlust. Wo mit Klimaschutz Profit gemacht werden kann, geht es ganz schnell. Wenn er die Profite schm\u00e4lert, wird er m\u00f6glichst vermieden.<\/p>\n<h4>Was sagt der Klimareport?<\/h4>\n<p>Im ersten Teilbericht (September 2013) werden die Fakten pr\u00e4sentiert: Die Erde erw\u00e4rmt sich, der Meeresspiegel steigt an. Gletscher werden kleiner und verschwinden, ebenso die polaren Eisschilde. Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse werden zunehmen. Die Ursache ist \u00fcberall dieselbe: Der enorme Aussto\u00df an Treibhausgasen durch den Menschen.<\/p>\n<p>Heute ist die CO2-Konzentration in der Atmosph\u00e4re so hoch wie in den letzten 800.000 Jahren nicht. Dabei wurde etwa ein Drittel des ausgesto\u00dfenen CO2 von den Meeren aufgenommen und f\u00fchrt zur Versauerung der Ozeane. W\u00fcrde weiter soviel CO2 in die Luft geschleudert wie aktuell, so w\u00fcrde bis 2050 die Jahresmitteltemperatur um 2\u00b0C gegen\u00fcber der vorindustriellen Zeit steigen. Das ist die \u201emagische Grenze\u201c, w\u00fcrde sie \u00fcberschritten w\u00fcrde sich der Klimawandel deutlich beschleunigen. <\/p>\n<h4>Wie \u00e4u\u00dfert sich die Erw\u00e4rmung?<\/h4>\n<p>Die Ozeane werden w\u00e4rmer. Sie nehmen bis zu 90% der Energie durch Sonneneinstrahlung auf und speichern sie (erw\u00e4rmen sich weiter).<\/p>\n<p>Der Meeresspiegel steigt: Gletscher schmelzen und verschwinden, die polaren Eisschilde schrumpfen. Seit 1901 ist der Meeresspiegel um etwa 19 cm angestiegen (das entspricht einem durchschnittlichen Anstieg von 1,7mm\/Jahr). Doch auch hier macht sich die Beschleunigung bemerkbar: In den letzten 20 Jahren betrug der j\u00e4hrliche Anstieg bereits 3,2mm. W\u00e4hrend Wasser bis zu 90% der Sonneneinstrahlung aufnimmt, reflektiert Eis 70-90%. Je kleiner die Fl\u00e4che, die mit Eis bedeckt ist, desto mehr Sonnenenergie wird aufgenommen.<\/p>\n<p>Die Ozeane versauern: Etwa 1\/3 des durch den Menschen freigesetzten CO2 wird von den Ozeanen aufgenommen. In der Folge sterben Tier- und Pflanzenarten aus.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt statistisch weniger Schnee und er bleibt weniger lange liegen. Die Permafrostb\u00f6den erw\u00e4rmen sich.<\/p>\n<p>Wetterextreme nehmen zu: Trockene Regionen werden tendenziell trockener, Trocken- und Regenzeiten heftiger. Auch nehmen Extremwetterereignisse wie Wirbelst\u00fcrme, Fluten, Hitzewellen etc. zu.<\/p>\n<h4>Was kommt auf uns zu?<\/h4>\n<p>Der IPCC hat verschiedene m\u00f6gliche Szenarien beschrieben. Bei \u201eambitionierter Klimapolitik\u201c mit deutlichem R\u00fcckgang des Treibhausgasaussto\u00dfes w\u00e4re ein Temperaturanstieg von weniger als 2\u00b0C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zum Ende des Jahrhunderts m\u00f6glich. Bei einem \u201eWeiter so\u201c wird mit +5,4\u00b0C oder mehr gerechnet. In diesem Fall w\u00e4re die Arktis schon im Jahre 2050 eisfrei.<\/p>\n<p>In allen Szenarien wird der Temperaturanstieg auch nach 2100 weitergehen, zu gro\u00df ist der bereits angerichtete Schaden. Es geht also um Schadensbegrenzung. Insbesondere die Erw\u00e4rmung der Ozeane birgt gro\u00dfe Gefahren. Sie w\u00fcrde einerseits eine deutliche Reduzierung des Plankton zur Folge haben (einer der gr\u00f6\u00dften CO2-Speicher), anderseits wird die Meeresstr\u00f6mung beeinflusst. Eine m\u00f6gliche Folge w\u00e4re eine Abschw\u00e4chung (und langfristig das Versiegen) des Golfstroms, wodurch sich die Nordhalbkugel deutlich abk\u00fchlen und die s\u00fcdliche Halbkugel st\u00e4rker erhitzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bei deutlichen Anstrengungen w\u00fcrde der Meeresspiegel bis 2100 um 26-55cm ansteigen.<\/p>\n<h4>Was hei\u00dft das?<\/h4>\n<p>Der \u201ePoint of no return\u201c oder \u201eKipppunkt\u201c, also der Moment an dem die Klimaver\u00e4nderungen zum Selbstl\u00e4ufer werden, r\u00fcckt in greifbare N\u00e4he. Neben einem Artensterben in der Pflanzen- und Tierwelt w\u00fcrden auch immer gr\u00f6\u00dfere Teile der Erde f\u00fcr den Menschen unbewohnbar: Weil sie \u00fcberflutet werden, weil W\u00fcsten sich ausdehnen, weil Trinkwasser in einigen Regionen zur Luxusware oder Extremwetterereignisse zur Regel werden.<\/p>\n<p>Deswegen regt der Bericht neben Ma\u00dfnahmen zur Verlangsamung der Erderw\u00e4rmung auch Ma\u00dfnahmen zur Anpassung an die ver\u00e4nderte Lage an. Dabei ist klar, dass die Hauptlast sozial Benachteiligte tragen. Reiche k\u00f6nnen es sich leisten in einen anderen Erdteil zu siedeln. <\/p>\n<h4>Was fordert der Bericht?<\/h4>\n<p>Als Sofortma\u00dfnahme wird der komplette Verzicht auf die Energiegewinnung aus Kohle gefordert. Das w\u00fcrde die deutschen Energiekonzerne treffen, RWE beispielsweise investiert gerade dort wieder.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Treibhausgase wird f\u00fcr die Energiegewinnung freigesetzt. Deswegen wird eine Verringerung des Energieverbrauchs gefordert: Sowohl privat, als auch in der Industrie, der Vieh- und Landwirtschaft und im Verkehr.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird st\u00e4rkere internationale Zusammenarbeit eingefordert.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung hat in einer Pressemitteilung ihre Energiepolitik gefeiert. Bundesumweltministerin Hendricks tr\u00e4umte darin sogar von einer Vorbildrolle Deutschlands. Gleichzeitig wird die Energiewende, die durch eine Massenbewegung nach der Fukushima-Katastrophe erk\u00e4mpft wurde, st\u00fcckweise zur\u00fcckgenommen.<\/p>\n<h4>Der Klimakiller hei\u00dft Kapitalismus<\/h4>\n<p>Aber was hat nun das Klima mit dem Kapitalismus zu tun? Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den hohen CO2-Aussto\u00df und Umweltverschmutzung sind nicht schwer herauszubekommen:<\/p>\n<p>Wie schon vorher erw\u00e4hnt, entsteht ein gro\u00dfer Teil der klimasch\u00e4dlichen Emissionen bei der Stromproduktion. Verwendet werden heutzutage immer noch vorwiegend fossile Brennstoffe wie Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Erd\u00f6l. Dass sie weiterhin verwendet werden, liegt offenbar nicht an mangelnden alternativen Technologien, denn die sind da: Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik sind nur die Bekanntesten. Wenn das gesamte Potenzial allein der Windenergie weltweit ausgesch\u00f6pft werden w\u00fcrde, k\u00f6nnte man damit ein Vielfaches des heutigen Strombedarfs decken.<\/p>\n<p>Dass dieses nicht genutzt wird, hat vor allem zwei Gr\u00fcnde: Einerseits w\u00fcrden drastische Investitionen in erneuerbare Energien den Stromkonzernen den Gewinn schm\u00e4lern. Das ist offensichtlich auch nicht im Sinne der Bundesregierung, der auch an der Profiten von RWE und Co. gelegen ist. Andererseits soll der Strom f\u00fcr Unternehmen m\u00f6glichst g\u00fcnstig zu haben sein (zu Preisen, von denen \u201enormale\u201c VerbraucherInnen nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen). F\u00fcr diese Zwecke sind alternative Energien (weiterhin) nicht das Mittel der Wahl. Dagegen wird an der dreckigen Braunkohle festgehalten, die nicht nur kr\u00e4ftig CO2-, sondern auch Schwefeldioxid-Aussto\u00df verursacht. Ganz einfach deshalb, weil die Produktionskosten damit am billigsten sind \u2013 und die Profite am Gr\u00f6\u00dften. Aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden werden auch die riskanten und gesundheitssch\u00e4dlichen Kernkraftwerke weiterhin betrieben. <\/p>\n<h4>Energiewende?<\/h4>\n<p>Dass der Staat \u00fcberhaupt zaghaft an der Energiewende arbeitet, liegt an seiner Rolle als \u201eideeller Gesamtkapitalist\u201c. Dieser hat den Zweck, dass auch morgen noch Mensch und Umwelt f\u00fcr das Kapital nutzbar bleiben. Nicht nur das \u2013 Technologien f\u00fcr erneuerbare Energien sind profitable Produkte von \u201eMorgen\u201c, die sich das deutsche Kapital nicht entgehen lassen soll. Das sollte man ihm aber nicht zugute halten.<\/p>\n<p>Stromproduktion im Kapitalismus ist also im doppelten Sinne Dienst am Kapital: An den Stromkonzernen selbst und an den Unternehmen, die viel billigen Strom f\u00fcr ihre Produktion haben wollen. F\u00fcr Mensch und Umwelt verursacht sie gewaltigen Schaden.<\/p>\n<p>Die andere Seite ist der Stromverbrauch \u2013 wer verbraucht denn den meisten Strom? Das sind nicht die privaten Haushalte (25,5%), sondern die Industrie (46,6%). An 3. Stelle ist Handel und Gewerbe mit 14,3% (Zahlen: Deutschland 2011). Es wird \u00f6fters behauptet, die Industrie bzw. das Industriekapital w\u00fcrde mit Strom effizient umgehen, da es die Stromkosten niedrig halten wolle. Das stimmt in der Praxis nicht: Nicht die Stromkosten f\u00fcr sich, sondern die Gesamtkosten sollen m\u00f6glichst niedrig sein. Stromsparende Technologien werden also nur dann eingesetzt, wenn sie sich rentieren &#8211; und wo nicht, da eben nicht! Aber noch viel grunds\u00e4tzlicher: Der Kapitalismus neigt wegen der unkoordinierten Wirtschaft und der Profitmaximierung, die die Unternehmen erzielen wollen, zur \u00dcberproduktion. Strom wird also auch f\u00fcr Waren \u201everbraucht\u201c, die nachher gar nicht verkauft werden. <\/p>\n<h4>Energieeffizienz und Mobilit\u00e4t f\u00fcr Alle!<\/h4>\n<p>Auch der von den Haushalten bezogene Strom k\u00f6nnte reduziert werden \u2013 und das nicht durch Verzicht, sondern durch effizientere elektrische Ger\u00e4te: A++-K\u00fchlschr\u00e4nke, neue Heizungspumpen, moderne Lampen usw. Das Problem: Viele Leute h\u00e4tten zwar auch aus Kostengr\u00fcnden ein Interesse daran, stromsparende Ger\u00e4te zu verwenden, k\u00f6nnen sie sich aber schlicht nicht leisten, weil sie entweder arbeitslos sind und Hartz IV beziehen oder weil sie so sehr von Unternehmen ausgebeutet werden und Niedrigl\u00f6hne bekommen, dass sie daf\u00fcr kein Geld haben.<\/p>\n<p>Neben der Stromproduktion wird auch viel CO2-Aussto\u00df durch Heizungen in den Haushalten verursacht. Dabei w\u00e4re es 1. durch verbesserte D\u00e4mmung m\u00f6glich, die n\u00f6tige Heizleistung zu senken und 2. z.B. durch W\u00e4rmepumpen m\u00f6glich, die Heizung CO2-frei zu realisieren, wenn der Strom daf\u00fcr nicht durch fossile Brennstoffe erzeugt wurde. Warum wird das nicht gemacht? Auch hier h\u00e4tte wohl jede und jeder ein Interesse daran, dass die Heizkosten sinken und dabei noch das Klima geschont w\u00fcrde. Aber auch das k\u00f6nnen sich aus genannten Gr\u00fcnden nur wenige leisten bzw. die Vermieter wollen daf\u00fcr kein Geld ausgeben. Zwar wird der Einbau staatlich gef\u00f6rdert, aber eben nicht so, dass er \u00fcberall gemacht wird.<\/p>\n<p>Die hohen CO2-Emissionen im Verkehr liegen auch daran, dass viele Verkehrsmittel CO2-Schleudern sind. Die meisten Menschen fahren immer noch mit dem Auto zum Einkaufen oder zur Arbeit usw., weil der \u00f6ffentliche Nahverkehr entweder \u00fcberlastet und unbequem oder gar nicht vorhanden ist. Viele G\u00fcter werden au\u00dferdem nicht auf der Schiene, sondern auf der Stra\u00dfe transportiert. Hier w\u00e4ren Investitionen gefragt. Aber der Staat gibt lieber sein Geld f\u00fcr Steuergeschenke, R\u00fcstung und Banken aus. Zudem gibt es Inlandsfl\u00fcge, damit z.B. Dienstreisende m\u00f6glichst schnell von \u201eA nach B\u201c kommen, anstatt mit dem Zug zu fahren. Insgesamt w\u00fcrde sich auch die Frage stellen, welcher Verkehr wegfallen w\u00fcrde, wenn der Weg zur Arbeit m\u00f6glichst kurz gehalten und unn\u00f6tige Dienst- und Gesch\u00e4ftsreisen wegfallen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Das sind nur einige Beispiele f\u00fcr unn\u00f6tigen CO2-Aussto\u00df. Und CO2 ist nicht der einzige Klima-Killer. Die Umwelt leidet auch unter anderen Auswirkungen der kapitalistischen Profitlogik: Verunreinigung von Gew\u00e4ssern durch Industrieabw\u00e4sser, Rodung von W\u00e4ldern f\u00fcr Vieh- und Landwirtschaft im riesigen Ma\u00dfstab, Krieg&#8230; das wollen wir nicht weiter ausf\u00fchren. Der Hintergrund ist aber \u00fcberall derselbe: Die Jagd nach dem maximalen Profit, auch wenn Mensch und Natur darunter leiden. Vor 150 Jahren schreib Karl Marx: \u201eNach mir die Sintflut ist der Wahlspruch jedes Kapitalisten\u201c. Bis heute ist die Kapitalistenklasse diesem Motto treu.<\/p>\n<h4>Fluchtursachen bek\u00e4mpfen statt Fl\u00fcchtlinge<\/h4>\n<p>In diesem Zusammenhang sollten auch die sogenannten \u201eKlimafl\u00fcchtlinge\u201c angesprochen werden. Der Klimawandel bedeutet nicht nur eine Vergr\u00f6\u00dferung der durchschnittlichen Temperatur, sondern auch extremere Wetterbedingungen: \u00dcberflutungen, Hitzewellen, Ausdehnung der W\u00fcsten, mehr Wirbelst\u00fcrme usw. Menschen, die im Elend leben, k\u00f6nnen sich auch vor diesen Einfl\u00fcssen nicht sch\u00fctzen und sehen die Flucht als die einzige M\u00f6glichkeit, dem zu entkommen. Diese Menschen leiden also doppelt unter den kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen: Sie werden durch Konzerne in miesen Arbeitsverh\u00e4ltnissen ausgebeutet und bekommen nur einen Hungerlohn &#8211; und das nur, wenn sie einen Arbeitsplatz bekommen. Andererseits werden sie durch den Klimawandel, der vorwiegend durch die Industriestaaten verursacht wird, in noch gr\u00f6\u00dferes Elend gest\u00fcrzt und sind dann noch der rassistischen Fl\u00fcchtlingspolitik der Industriestaaten schutzlos ausgesetzt.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel offenbart sich hier der Kapitalismus, in dem Unternehmen ohne R\u00fccksicht auf Mensch und Umwelt auf ihren Gewinn setzen, und der b\u00fcrgerliche Staat, der das Ganze sch\u00fctzt und f\u00f6rdert und daf\u00fcr Kriege f\u00fchrt, als Ursache f\u00fcr das Klima- und Umweltdesaster.<\/p>\n<h4>Die Umwelt retten: F\u00fcr eine sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>Umso wichtiger ist es, f\u00fcr eine Alternative zum Kapitalismus zu werben: Eine demokratische und sozialistische Planwirtschaft, mit nur einem Zweck: Arbeit und Ressourcen effizient und umweltschonend einzusetzen, um die Bed\u00fcrfnisse der Menschen zu befriedigen. Das Umweltdesaster in der DDR zeigt nicht, dass Sozialismus umweltsch\u00e4dlich ist, sondern vielmehr, dass dort keine solche Wirtschaft geherrscht hat, wie wir sie einfordern!<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Alternative werben wir in Gewerkschaften, der LINKEN und sozialen Bewegungen. Dort ist es wichtig, die Umweltfrage mit der sozialen Frage radikal zu verbinden und zu sagen: \u201eEs kann keinen Kapitalismus ohne Armut, Krieg und Umweltzerst\u00f6rung geben!\u201c Wir unterst\u00fctzen es, wenn in Bewegungen und der LINKEN die sozialen- und Umweltthemen miteinander verbunden werden. Denn wir lehnen es ab, eine \u201egr\u00fcne\u201c- und Energiewende zu organisieren, die die Masse mit ihren eh schon niedrigen Einkommen noch weiter ausblutet, w\u00e4hrend die Reichen noch reicher werden! Auch individuelle L\u00f6sungen wie Einkauf von Bio-Produkten und Verzicht auf Produkte, die viel CO2-Aussto\u00df mit sich bringen, zeigen zwar, dass sich viele Menschen \u00fcber die Umweltproblematik klar sind und etwas daran \u00e4ndern wollen. Aber damit \u00e4ndert sich nichts an den Grunds\u00e4tzen des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Also ist es notwendig, eine Arbeiterbewegung aufzubauen, die Umweltzerst\u00f6rung und ALLE \u00dcbel des Kapitalismus kritisiert und gegen sie Widerstand leistet \u2013 mit dem Ziel, dieses System endlich abzuschaffen!<\/p>\n<h4>Die SAV fordert:<\/h4>\n<p>Drastische sofortige Reduzierung der CO2-Emissionen; drastischer Ausbau regenerativer Energien.<\/p>\n<p>Sofortige Abschaltung aller AKW, schnellstm\u00f6gliche Abschaltung der Kohle- und Gaskraftwerke ohne R\u00fccksicht auf die Profite der Konzerne. Ersatzarbeitspl\u00e4tze und garantierte Umschulungen f\u00fcr Besch\u00e4ftigte aus den betroffenen Betrieben<\/p>\n<p>Massiver Ausbau des \u00f6ffentlichen Personennah- und Fernverkehrs, kostenlose Nutzung des \u00d6PNV.<\/p>\n<p>Die Renovierung der gro\u00dfen H\u00e4userblocks, der Verbesserung des Standards unter der Kontrolle der MieterInnen, mit dem Ziel Niedrigenergieh\u00e4user mit maximaler Energieeffizienz zu erreichen. Finanziert werden sollte dies durch die Profite der Banken und Konzerne und nicht zu Mieterh\u00f6hungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Verstaatlichung der gro\u00dfen Energie- und Industriekonzerne unter Kontrolle von Besch\u00e4ftigten und VerbraucherInnen, die Verwendung der enormen Profite f\u00fcr die Finanzierung von Forschung, Entwicklung und den Ausbau erneuerbarer Energie, Infrastruktur etc.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung f\u00fcr ArbeiterInnen, Kleinb\u00e4uerInnen und soziale Bewegungen in den Entwicklungsl\u00e4ndern und weltweit in ihrem Kampf um Energieeffizienz, erneuerbare Energiequellen und Schutz gegen die Folgen des Klimawandels (Massenarmut und Krankheiten, \u00dcberschwemmungen, Trockenheiten und W\u00fcstenbildung, die Zerst\u00f6rung von \u00d6kosystemen, Entwaldung usw.). Weltweit f\u00fcr nachhaltige und ausreichende Nahrungserzeugung, mehr \u00f6kologische Methoden in der Landwirtschaft, Wiederaufforstung von W\u00e4ldern.<\/p>\n<p>Kampf gegen die imperialistische Militarisierung der EU, der USA und anderer L\u00e4nder; gegen Kriege, Rassismus und Feindseligkeit gegen Fl\u00fcchtlinge; gegen die kapitalistische EU k\u00e4mpfen wir f\u00fcr ein demokratisches und sozialistisches Europa in einer sozialistischen Welt mit gleichen Rechten f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Das \u00dcbel an der Wurzel packen: F\u00fcr eine Gesellschaft, in der die Bed\u00fcrfnisse von Mensch und Natur gelten muss der Kapitalismus \u00fcberwunden werden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Weltklimabericht der UNO<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24831,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[117],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27253"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27253"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27253\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}