{"id":27240,"date":"2014-05-14T14:34:22","date_gmt":"2014-05-14T12:34:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=27240"},"modified":"2014-05-14T14:34:22","modified_gmt":"2014-05-14T12:34:22","slug":"nigeria-die-entfuehrung-von-schuelerinnen-durch-boko-haram-erschuettert-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/05\/nigeria-die-entfuehrung-von-schuelerinnen-durch-boko-haram-erschuettert-die-welt\/","title":{"rendered":"Nigeria: Die Entf\u00fchrung von Sch\u00fclerinnen durch Boko Haram ersch\u00fcttert die Welt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_27241\" aria-describedby=\"caption-attachment-27241\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Nigeria-Pos.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-27241\" alt=\"Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Autor: Tzzzpfff, wikipedia.de\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Nigeria-Pos-190x173.png\" width=\"190\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Nigeria-Pos-190x173.png 190w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Nigeria-Pos.png 330w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-27241\" class=\"wp-caption-text\">Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Autor: Tzzzpfff, wikipedia.de<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Kann im Rahmen des Kapitalismus \u00fcberhaupt eine L\u00f6sung f\u00fcr die Situation gefunden werden?<\/strong><\/p>\n<p><em>von Hassan Taiwo Soweto, Democratic Socialist Movement (Sektion des CWI in Nigeria)<\/em><\/p>\n<p>Die Entf\u00fchrungen von mehr als 200 Sch\u00fclerinnen einer Mittelschule in Chibok, einer kleinen Stadt im Bundesstaat Borno am 14. April durch Boko Haram, hat einen internationalen Aufschrei ausgel\u00f6st. International wurde scharfe Kritik ge\u00e4u\u00dfert und nahezu die ganze Welt verfolgt die schreckliche Situation in Nigeria, auch, weil t\u00e4glich von internationalen Medien \u00fcber diese berichtet wird. Gemeinsam mit einer gro\u00dfen Kampagne welche in den sozialen Medien unter dem Hashtag #BringBackOurGirls viele Unterst\u00fctzerInnen fand, wurden und werden in einigen St\u00e4dten innerhalb und au\u00dferhalb Nigerias Proteste und Demonstrationen abgehalten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die prominenteste Forderung die R\u00fcckkehr der entf\u00fchrten M\u00e4dchen betrifft, kann es keinen Zweifel daran geben, dass viele Menschen voller Wut sind und ein sofortiges Ende von Boko Harams Aufstand, deren t\u00f6dliche Angriffe seit dem 14. April ohne Ende andauern, anstreben.<\/p>\n<p>Die \u201cDemokratisch Sozialistische Bewegung\u201d (Democratic Socialist Movement, CWI in Nigeria) unterst\u00fctzt die Forderung nach der R\u00fcckkehr der entf\u00fchrten M\u00e4dchen r\u00fcckhaltlos. Der Schmerz und die Angst der Eltern und Familien dieser M\u00e4dchen ist schwer auch nur vorstellbar, vor allem da diese nicht einmal Trost finden k\u00f6nnen in dem Versprechen dass die Regierung effektiv genug sei, um deren Rettung zu garantieren.<\/p>\n<h4>Die Urspr\u00fcnge Boko Harams<\/h4>\n<p>Diese Krise hat noch einmal das Versagen, die Schw\u00e4che und Ineffektivit\u00e4t von Pr\u00e4sident Jonathans Regierung gezeigt. Nichtsdestotrotz d\u00fcrfen die arbeitenden Massen und die Jugend nicht den Fehler machen zu glauben, dass alles, was es brauchen w\u00fcrde um Boko Harams Aufst\u00e4nde zu zerschlagen, ein starker Pr\u00e4sident w\u00e4re. Das Versagen und die Schw\u00e4che von Pr\u00e4sident Johnson spiegelt letztlich das Versagen und die Schw\u00e4che des neo-kolonialistischen Kapitalismus in Nigeria wieder. Das bedeutet auch, dass Boko Harams Aufstand eine Folge der vom Kapitalismus ausgel\u00f6sten Zust\u00e4nde, wie Massenelend, Hoffnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit und Armut inmitten des \u00dcberflusses, ist.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der NigerianerInnen wurde wahrscheinlich das erste Mal im Jahr 2009 auf Boko Haram aufmerksam, nachdem deren F\u00fchrer Jusuf Mohammed, vom Milit\u00e4r gefangen genommen worden und der Polizei \u00fcbergeben worden war. Nachdem man ihn im Fernsehen vorgef\u00fchrt hatte wurde er ohne Prozess von der Polizei hingerichtet. Vor diesem Zeitpunkt existierte die Gruppe als seine fundamentalistische religi\u00f6se Sekte, welche von der restlichen muslimischen Gemeinschaft und den Menschen Gro\u00dfteils toleriert wurde. Der offizielle Name der Gruppe lautet \u201cJama\u2019atu Ahlis Sunna Lidda\u2019awati wal-Jihad\u201d was Arabisch f\u00fcr \u201cMenschen die sich zur Verbreitung der Lehren des Propheten und des Dschihad verpflichten\u201d ist. Doch wie in der Geschichte der meisten fundamentalistischen religi\u00f6sen Gruppen bot Boko Haram mehr als nur religi\u00f6ser Hasstiraden. Die Gruppe verurteilte auch soziale und \u00f6konomische Ungerechtigkeit und die Korruption, vor allem der nord-nigerianischen herrschenden Oligarchie, welche Boko Haram als \u201cUngl\u00e4ubige\u201d anprangert.<\/p>\n<p>Hinter der korrupten kapitalistischen Elite Nigerias stehen oft westliche imperialistische Staaten wie die USA oder europ\u00e4ische M\u00e4chte. Und deren internationale Finanzinstitutionen wie der IWF und die Weltbank unterst\u00fctzen zum Ziel ihrer eigenen strategischen und \u00f6konomischen Interessen korrupte Regimes in Nigeria, Afrika, Lateinamerika sowie dem Nahen und Mittleren Osten. Nun n\u00fctzen die westlichen M\u00e4chte &#8211; weil sie bef\u00fcrchten, dass die Kombination von sozialer Krise und einer korrupten, unf\u00e4higen Regierung ganz Westafrika destabilisieren k\u00f6nnte &#8211; Chibok als Vorwand, um zu intervenieren. Es gibt bereits Berichte \u00fcber kleinere Einheiten von US-Truppen in Abuja und in Borno. Sie werden von manchen begr\u00fc\u00dft werden in der Hoffnung, dass sie effizienter sind als die nigerianischen Streitkr\u00e4fte. Doch, im Gegensatz zu ihrer Propaganda, sind sie nicht auf einer humanit\u00e4ren Mission hier. Die humanit\u00e4ren Sorgen des Westens sind stets eng verbunden mit ihren strategischen Interessen. Als die westlichen M\u00e4chte in der Vergangenheit das Regime von Obasanjo unterst\u00fctzt haben, haben sie sich nicht \u00fcber das Massaker in Odi\/Bayelsa beschwert (im November 1999 hatte das nigerianische Milit\u00e4r ein Massaker an der Zivilbev\u00f6lkerung eines kleinen Ortes als Vergeltungsma\u00dfnahme im Konflikt um \u00d6l und Umweltschutz im Nigerdelta durchgef\u00fchrt, bei dem hunderte, nach manchen Quellen bis zu 2500, Menschen ermordet wurden, Anm.\u00dcbersetzung). Aber heute sehen sie, dass Nigeria in einem sehr prek\u00e4ren Zustand ist.<\/p>\n<p>Jahrelang hat sich die US-Regierung Sorgen um Nigeria gemacht und geglaubt \u201cdas die nigerianischen Regierungen an sich instabil sind wegen der wirtschaftlichen und religi\u00f6sen Spaltungen des Landes. 2008 hat das Army War College in Pennsylvania ein Kriegsspiel durchgef\u00fchrt in dem die nigerianische Regierung am Rande des Zusammenbruches steht und die USA interveniert um das \u00d6l-Angebot zu sch\u00fctzen.\u201c (Guardian, London, 9. Mai 2014). Diese Krise hat wieder einmal sowohl die Schw\u00e4che der Peoples Democratic Party (PDP) auf Bundesebene als auch der vom All Progressives Congress gef\u00fchrten Regierung Bornos gezeigt. Vor diesem Hintergrund wollen die westlichen M\u00e4chte ihre Pr\u00e4senz in Nigeria st\u00e4rken. Das ist der Grund, warum es bereits Berichte dar\u00fcber gibt das \u201ees erwartet wird dass die Amerikaner und andere ausl\u00e4ndische Truppen bis nach den Wahlen 2015 im Land bleiben\u201d (Punch, Lagos, 10, Mai 2014).<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung von Boko Haram war die Einf\u00fchrung der Sharia. Solange keine alternative ideologische Antwort der ArbeiterInnenklasse angeboten wird, kann diese Art von religi\u00f6s-fundamentalistischen Lehren eingef\u00e4rbt mit etwas Radikalismus, Unterst\u00fctzung bekommen unter der breiten Schicht von Armen und meistens ungebildeten Jugendlichen im Norden die das Gef\u00fchl haben, dass ihnen der Reichtum des Landes vorenthalten wird. Dar\u00fcber hinaus bietet die Sekte auch Unterk\u00fcnfte, Essen und Versorgung f\u00fcr die Armen und die vertriebenen Jugendlichen die ihnen zustr\u00f6men. Sie wuchs rasch und wurde zu einer gro\u00dfen Sekte mit einer gro\u00dfen jugendlichen Anh\u00e4ngerInnenschaft so dass die PolitikerInnen im Bundesstaat Borno ihren Drang nach politischer Macht nicht ignorieren konnten.<\/p>\n<p>Es wird berichtet, dass 2002 der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Borno, Ali Modu Sheriff, Boko Haram um Wahlunterst\u00fctzung gebeten h\u00e4tte im Abtausch f\u00fcr die Einf\u00fchrung der islamischen Sharia Gesetzgebung im Bundesstaat. Auch wenn diese Geschichte heftig bestritten wird ist es Realit\u00e4t, dass es der Staat war, der buchst\u00e4blich das Feuer f\u00fcr den Aufstand von Boko Haram gelegt hat. 2009 begannen die staatlichen Truppen mit einem harten Vorgehen gegen die Sekte um ihr die Fl\u00fcgel zu stutzen. Die Ermordung von Jusuf Muhammed ohne Gerichtsurteil und die Verhaftung und Inhaftierung der Frauen und Angeh\u00f6rigen von Mitgliedern von Boko Haram die der Verhaftung durch die Polizei entkommen waren wurde zum Ruf zum Dschihad. Rasch fiel die Gruppe unter die F\u00fchrung von noch extremeren Fundamentalisten wie Shekau und hat sich im Anschluss in Ansaru und andere Gruppen aufgesplittert die eine gewisse Unabh\u00e4ngigkeit besitzen.<\/p>\n<h4>Misere f\u00fcr die Massen dank Kapitalismus<\/h4>\n<p>Boko Haram ist ein Zeugnis daf\u00fcr, das der Kapitalismus nicht in der Lage war, Nigeria aufzubauen und weiter zu entwickeln sowie der Jugend Nigerias eine Zukunft zu geben. Die herrschenden Eliten des Nordens regierte Nigeria mehr als die H\u00e4lfte der Zeit, seit das Land die Unabh\u00e4ngigkeit von Gro\u00dfbritannien errungen hatte. W\u00e4hrend schon insgesamt sehr wenig daf\u00fcr getan wurde, um Bildungseinrichtungen, ein Gesundheitssystem oder Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen, wurde im Norden noch weniger unternommen. Vor diesem Hintergrund entstand eine Bewegung aus dem Norden, die die Legitimit\u00e4t westlicher Bildung anzweifelt, sowohl von einem religi\u00f6sen Standpunkt aus als auch weil die korrupte, herrschende Elite selbst auch zum Gro\u00dfteil im Westen ausgebildet wurde. Dieses Paradox ist nur m\u00f6glich aufgrund der Jahrzehnte langen Pl\u00fcnderung des Reichtums Nigerias durch die regional herrschenden, kapitalistischen Eliten aus verschiedenen ethnischen und religi\u00f6sen Gruppen, die in Verbindung mit ihren imperialistischen Meistern stehen.<\/p>\n<p>Obwohl Nigeria \u00fcber zahlreiche Bodensch\u00e4tze und Arbeitskr\u00e4fte verf\u00fcgt, stellt das profitgierige System des Kapitalismus sicher, dass \u00fcber 80% des \u00d6l-Reichtums in die Taschen einiger Weniger flie\u00dft, w\u00e4hrend der restliche Teil der Bev\u00f6lkerung darum k\u00e4mpfen muss, an die \u00fcbrigen 20% zu kommen. Neuesten Statistiken zufolge ist Nigeria im Moment die gr\u00f6\u00dfte Wirtschaft in Afrika. Noch dazu ist die reichste Person in Afrika ein Nigerianer. In Nigeria gibt es hunderte privater Jets um den exotischen Lebensstil der Reichen zu erm\u00f6glichen, doch \u00fcber 100 Millionen NigerianerInnen (ungef\u00e4hr 70%) leben in Armut. \u00dcber 50 Millionen Jugendliche sind arbeitslos und die Zahlen jener, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, sind nicht bekannt. Am 15. M\u00e4rz 2014 kamen \u00fcber eine halbe Million HochschulabsolventInnen auf \u00c4mter im ganzen Land um sich f\u00fcr weniger als 5.000 ausgeschriebene Stellen im Nigeria Immigration Service (NIS) zu bewerben. Dabei wurden tragischerweise mehr als 20 Menschen nieder getrampelt und fanden den Tod.<\/p>\n<p>Entfremdung und Massenelend kamen zusammen um die Bedingungen zu schaffen, unter denen Boko Haram und andere gewaltsame Aufstandsgruppen gedeihen. Aufst\u00e4nde und Gewalt, wie wir sie bei Boko Haram beobachten k\u00f6nnen, werden nicht aufh\u00f6ren bis die Wurzel dieses \u00dcbels, das System des Kapitalismus das auf Ausbeutung basiert und Massenelend und Hoffnungslosigkeit erzeugt, die aus der Armut und der Arbeitslosigkeit der gro\u00dfen Mehrheit entstehen, beseitigt ist.<\/p>\n<h4>Im Kapitalismus gibt es keine L\u00f6sung<\/h4>\n<p>Gerade vor diesem Hintergrund sind die Antworten auf diese Krise von so genannten \u201cOppositionsparteien\u201d, aber auch von den Organisationen der ArbeiterInnenbewegung in Nigeria, erb\u00e4rmlich. Sie machen deutlich, dass die Bedrohung durch Boko Haram sich sogar noch verschlimmern kann, wenn es keine Alternativen gibt, weder aus der b\u00fcrgerlichen Opposition noch aus der ArbeiterInnenbewegung. Als zum Beispiel in Nyanya erneut eine Bombe explodierte, ver\u00f6ffentlichte der NLC, der Nigeria Labour Congress, nur eine belanglose Stellungnahme mit der fatalistischen Position \u201cGemeinsam werden wir das \u00fcberwinden\u201d die die Regierung aufforderte, f\u00fcr Sicherheit zu sorgen. Weil die F\u00fchrung des NLC nicht in der Lage ist, eine Alternative und F\u00fchrung aus der ArbeiterInnenklasse anzubieten, wirkt der NLC genauso ratlos wie die herrschende Elite. Zum Zeitpunkt als diese Stellungnahme verfasst wird, hat der NLC die imperialistische Milit\u00e4rintervention nicht abgelehnt sondern hat, wie schon in der Vergangenheit, ein st\u00e4rkeres milit\u00e4risches Vorgehen im Nordosten von Nigeria bef\u00fcrwortet.<\/p>\n<p>Es ist verst\u00e4ndlich, das sich viele NigerianerInnen und Menschen auf der ganzen Welt hoffen, dass eine milit\u00e4rische Intervention die sichere R\u00fcckkehr der Sch\u00fclerinnen der Chibok Schule und ein Ende der Gewalt mit sich bringen wird. Aber weder wird eine zunehmende Militarisierung das Problem l\u00f6sen, noch das Einmischen durch SicherheitsexpertInnen und Truppen aus den westlichen, imperialistischen L\u00e4ndern USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich.<\/p>\n<p>Zuerst muss einmal festgestellt werden, dass trotz des Ausnahmezustandes, der in drei Staaten im Nordosten ausgerufen wurde und trotz der Milliarden von Naira die bereits f\u00fcr Milit\u00e4rausr\u00fcstung, Training und Eins\u00e4tze ausgegeben wurden, der Aufruhr von Boko Haram nur an Kraft gewonnen hat. Nicht nur, dass die Attacken und T\u00f6tungen durch die Sekte zum Gro\u00dfteil ungebrochen fortgesetzt wurden, ist es Boku Haram auch gelungen, Angriffe au\u00dferhalb ihres Territoriums, im Nordosten, durchzuf\u00fchren. Stra\u00dfenkontrollen, Patrouillen und \u00dcberwachungsteams innerhalb der Stadt Abuja konnten Boko Haram nicht daran hindern, Angriffe in der Hauptstadt des Bundesstaates durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Das liegt daran, dass Milit\u00e4raktionen ohne aktive Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung nicht in der Lage sind einen Aufstand dieses Ausma\u00dfes auszumerzen. Wegen der typischen Brutalit\u00e4t und den Gr\u00e4ueltaten des Milit\u00e4rs in den nord\u00f6stlichen Bundesstaaten, wo sie positioniert wurden, kann sich die Regierung nicht auf die Sympathie der Bev\u00f6lkerung st\u00fctzen um die notwendigen Informationen zu erhalten, um die Aufst\u00e4ndischen von Boko Haram aufzusp\u00fcren und zu bek\u00e4mpfen. Grund daf\u00fcr ist, dass viele Menschen im Nordosten das Gef\u00fchl haben, zwischen zwei Fronten geraten zu sein, wobei sie f\u00fcr keine der beiden Parteien auch nur ein Qu\u00e4ntchen Sympathie haben. Amnesty Internation gibt an, dass an einem einzigen Tag im M\u00e4rz sechshundert unbewaffnete H\u00e4ftlinge von der Armee ohne Gerichtsverfahren erschossen wurden. Aber selbst in Situationen, wo es Opfern m\u00f6glich war, Armee und Sicherheitskr\u00e4fte \u00fcber geplante oder gerade stattfindende \u00dcberf\u00e4llen durch Boko Haram zu alarmieren, wurden diese ZeugInnen der mangelnden Effektivit\u00e4t des Milit\u00e4rs \u2013 was in starkem Kontrast zur \u00fcberheblichen Selbstdarstellung von Pr\u00e4sident Jonathan in den Medien stand.<\/p>\n<p>Bis jetzt hat die Militarisierung nur zu einer St\u00e4rkung der repressiven M\u00f6glichkeiten des Staates gef\u00fchrt und zu Angriffen auf die demokratischen Rechte der arbeitenden Massen. Unter dem Deckmantel der Terrorismusbek\u00e4mpfung verbietet die Regionalregierung regelm\u00e4\u00dfig Proteste und zerschl\u00e4gt sogenannte \u201cunbewilligte Zusammenk\u00fcnfte\u201d. Eine weitere Militarisierung zu bef\u00fcrworten, wie es die B\u00fcrokratInnen der ArbeiterInnenorganisationen tun, k\u00f6nnte fatale Folgen f\u00fcr die ArbeiterInnenbewegung und die arbeitenden Massen nach sich ziehen.<\/p>\n<h4>Imperialistische Intervention<\/h4>\n<p>Die USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und andere imperialistische, kapitalistische Staaten sind ebenfalls verantwortlich f\u00fcr den Wachstum und die Verbreitung des islamisch-fundamentalistischen Terrors auf der ganzen Welt. Dies ist das Ergebnis von brutalen Kriegen die instrumentalisiert wurden f\u00fcr die Kontrolle \u00fcber Erd\u00f6l und Mineralstoffreserven der L\u00e4nder des Nahen Ostens sowie um andere, imperialistische, geo-politische Ziele zu verfolgen. In Folge der Angriffe vom September 2001 auf das Pentagon und das World Trade Center, kam es zu einer Invasion des US-Milit\u00e4rs in Afghanistan um den \u201cTerrorismus\u201d besiegen zu k\u00f6nnen und dann, unter dem Vorwand nach Massenvernichtungswaffen zu suchen, in Irak. Diese imperialistische Aggression war der endg\u00fcltige Ausl\u00f6ser f\u00fcr ein Gef\u00fchl von Unterdr\u00fcckung unter Moslems und Muslimas auf der ganzen Erde. Das wiederum st\u00e4rkte Al Kaida und f\u00fchrte zum Erstarken des islamischen Fundamentalismus und von Al Kaida Ablegern im Nahen Osten bis nach Afrika. Das T\u00f6ten von Osama bin Laden durch die Obama Administration im Jahr 2012 hat die Kettenreaktion, die die imperialistische, milit\u00e4rische Aggression in Afghanistan und Irak ausgel\u00f6st hatte, nicht stoppen k\u00f6nnen. Wenn aber die imperialistischen Staaten USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich Teil des Problems, des Aufstiegs des islamischen Terrorismus sind, kann man nicht erwarten das sie Teil der L\u00f6sung sein werden.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Interventionen durch westliche, imperialistische L\u00e4ndern in die Innenpolitik anderer L\u00e4nder, ist vor allem f\u00fcr Nigeria sehr aufschlussreich. Von Irak bis Afghanistan, von Somalia bis Libyen, hat der Imperialismus nationale Probleme nur noch verst\u00e4rkt. Keines der zuvor genannten L\u00e4nder hat sich wieder stabilisiert, seit westliche imperialistische Truppen unter dem Vorwand \u201eRuhe und Ordnung\u201c herzustellen, intervenierten. Das liegt daran, dass imperialistische Staaten nur darauf aus sind, ihre eigenen \u00f6konomischen Interessen und die Profite ihrer multinationalen Betriebe zu wahren. Wie ein Kolumnist des britischen Guardian es treffend formuliert hat \u201cEin westlicher Eingriff wird Nigeria in ein afrikanisches Afghanistan verwandeln\u201d.<\/p>\n<p>Die einzige Unterst\u00fctzung, die die ArbeiterInnen Nigerias in ihrem Kampf gegen Boko Haram akzeptieren sollten, ist die internationale Solidarit\u00e4t der ArbeiterInnenklasse und der Jugend anderer Staaten. Aber das Annehmen jeglichen so genannten \u201cBeistandes\u201d durch ausl\u00e4ndische kapitalistische Regierungen wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zur Festigung der Krise beitragen.<\/p>\n<h4>F\u00fcr eine sozialistische L\u00f6sung<\/h4>\n<p>Diejenigen, die auf eine milit\u00e4rische L\u00f6sung oder eine Intervention von au\u00dfen hoffen, haben nicht verstanden: selbst wenn Boko Haram schw\u00e4cher wird, oder in den Untergrund gedr\u00e4ngt oder zerschlagen wird, werden immer wieder t\u00f6dliche Formen von religi\u00f6sem Fanatismus und Barbarei aus dem Boden sprie\u00dfen, solange die schrecklichen Zust\u00e4nde von Massenverelendung und Hoffnungslosigkeit &#8211; verursacht durch den Kapitalismus &#8211; bestehen bleiben. Mit der Versch\u00e4rfung von Ausbeutung und Armut und solange die ArbeiterInnenbewegung keine klare sozialistische Alternative pr\u00e4sentiert, werden alle Formen der Barbarei zunehmen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen jetzt schon klare Anzeichen daf\u00fcr beobachten. In den vergangenen Wochen wurden die Bundesstaaten Plateau und die Zamfara Region von sogenannten \u201eStammeskonflikten\u201c heimgesucht, was zu hunderten Toten f\u00fchrte. Im S\u00fcdwesten Nigerias ist eine alte Plage wieder zu Tage getreten \u2013 das Entf\u00fchren und \u201erituelle T\u00f6ten\u201c <\/p>\n<p>In Ibadan, im Bundesstaat Oyo, wurde das Lager einer Bande von Menschen, die entf\u00fchren und \u201erituell\u201c morden, aufgedeckt. Es wurden nicht nur verrottete und verst\u00fcmmelte Leichen entdeckt, sondern einige Opfer in unterschiedlichen Stadien des Verhungerns konnten noch lebend gerettet werden. Die Medien werden fast t\u00e4glich mit blutigen Berichten von Lynchmorden an mutma\u00dflichen KidnapperInnen und Anh\u00e4ngern ritueller Morde \u00fcberflutet.<\/p>\n<p>Das Entf\u00fchren f\u00fcr L\u00f6segeld ist das Werk von verzweifelten und barbarischen Menschen, um in einem ungerechten kapitalistischen System reich zu werden. Das \u00f6ffentliche in Brand stecken von mutma\u00dflichen KidnapperInnen ist ebenfalls ein barbarischer Akt, der von immer verzweifelteren Menschen ausgef\u00fchrt wird. Das muss als Warnung gesehen werden, dass noch mehr Brutalit\u00e4t und Barbarei ganz Nigeria oder gro\u00dfe Teile des Landes erfassen kann, wenn die katastrophale Lage der Massen in diesem enormen Umfang weitergeht.<\/p>\n<p>Diese Erfahrungen best\u00e4tigen, dass nur durch die Beendigung des Kapitalismus und sein Ersetzen durch ein demokratisches sozialistisches System, dass den \u00fcberw\u00e4ltigenden Reichtum Nigerias einsetzt um die Armut zu beseitigen und um Arbeitspl\u00e4tzen zu schaffen \u2013 dass nur ein so der N\u00e4hrboden f\u00fcr die Plage Boko Haram sowie allen anderen Formen der Barbarei beseitigt werden kann.<\/p>\n<p>Die einzig effektive Strategie, die die ArbeiterInnenbewegung anbieten kann ist zu beginnen, die ArbeiterInnen und die unterdr\u00fcckten Massen zu mobilisieren, damit diese ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Es gibt keine Armee oder Terroristengruppe, die m\u00e4chtiger ist als die mobilisierte und organisierte ArbeiterInnenklasse. Ein erster Schritt kann sein, dass die ArbeiterInnenbewegung zu einem eint\u00e4gigem Generalstreiks und Massenprotesten aufruft \u2013 dass ist eine deutliche Botschaft sowohl an die herrschende kapitalistische Elite sowie an Boko Haram, dass die Menschen bereit sind sich gegen die Angriffe beider zu wehren. Durch einen Generalstreik und Massenproteste kann die ArbeiterInnenbewegung zeigen, dass sie in der Lage ist, Armut, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit zu bek\u00e4mpfen, jene Probleme, die der N\u00e4hrboden daf\u00fcr sind, dass Jugendliche sich Boko Haram oder anderen reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften anschlie\u00dfen. Dieses Zeichen ist von zentraler Bedeutung um damit zu Beginnen, die Basis f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von Boko Haram und \u00e4hnlichen Kr\u00e4ften zu unterminieren. Die organisierte ArbeiterInnenklasse kann sowohl terroristischen Organisation das Wasser abgraben, als auch den Interessen der herrschenden Klasse entgegentreten. W\u00e4hrend des Generalstreiks im J\u00e4nner 2012 gegen die Abschaffung der Treibstoffsubventionen und die Erh\u00f6hung der Spritpreise explodierte keine einzige Bombe in Nigeria.<\/p>\n<p>In den nord\u00f6stlichen Bundesstaaten, sowie in allen anderen Regionen in denen die Gefahr von Angriffen durch Boko Haram und dergleichen herrscht, muss die ArbeiterInnenbewegung die F\u00fchrung in der Mobilisierung der ArbeiterInnen, der armen Massen und der Jugendlichen \u00fcbernehmen, damit diese die Verantwortung f\u00fcr den Schutz ihrer Gemeinden gegen m\u00f6gliche Angriffe in die eigenen H\u00e4nge nehmen. Dies wird nur m\u00f6glich sein durch den Aufbau von von demokratischen, stammes\u00fcbergreifenden und multi-religi\u00f6sen Selbstverteidigungskomitees. Diese Komitees, demokratisch legitimiert und kontrolliert durch die gesamte Bev\u00f6lkerung, w\u00e4ren verantwortlich f\u00fcr das Patrouillieren der Nachbarschaften, das Beschaffen von Informationen, sowie die Kooperation mit Sicherheitsfirmen, welche selbst unter demokratische Kontrolle gestellt werden m\u00fcssen. Um die l\u00e4ngerfristige Wirkung solcher Schritte zu garantieren, m\u00fcssten diese mit einem gemeinsamen Kampf der ArbeiterInnen, Mittellosen und Jugendlichen in ganz Nigeria verbunden werden &#8211; einem Kampf, der auch das Ende der \u00f6konomischen und sozialen Krise, die durch den Kapitalismus existiert, zum Ziel hat. Nur das k\u00f6nnte den Beginn daf\u00fcr setzen der Unterst\u00fctzung in Teilen der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Boko Haram die Grundlage zu entziehen und auch zu verhindern, dass ArbeiterInnen untereinander um Ressourcen wie Wasser und Land k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Leider ist die jetzige F\u00fchrung der ArbeiterInnenbewegung nicht bereit, diesen Weg zu gehen, da sie keine Vorstellung, kein Ziel einer besseren Gesellschaft au\u00dferhalb der Logik des Kapitalismus haben. Viele von ihnen orientieren aktuell auf Jonathan und unterst\u00fctzen seine erneute Wahl zum Pr\u00e4sidenten n\u00e4chstes Jahr. Das gilt z.B. f\u00fcr die F\u00fchrungsriege der (f\u00e4lschlicherweise so benannten) \u201eLabour Party\u201c. Diese B\u00fcrokratInnen genie\u00dfen ein privilegiertes Leben und schrecken davor zur\u00fcck, irgendwelche Schritte in Richtung Aktionen zu setzen die die herrschende korrupte Elite unterminieren k\u00f6nnte und die die Herrschaft des Kapitals gef\u00e4hrden k\u00f6nnten. Sie f\u00fcrchten, dass die Massen der ArbeiterInnenklasse und die Jugendlichen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen k\u00f6nnten und den Kapitalismus damit Zerst\u00f6ren k\u00f6nnten. Tats\u00e4chlich war die F\u00fchrung der ArbeiterInnenorganisationen ersch\u00fcttert \u00fcber den enormen Zuspruch, den die Massenproteste und der Generalstreik im J\u00e4nner 2012 fanden. Sie f\u00fcrchteten, dass ArbeiterInnen und Arme weitergehen k\u00f6nnten um dieses verrottete System hinweg zu fegen.<\/p>\n<p>Das Democratik Socialist Movement (DSM) hingegen strebt genau das an. Wir stehen f\u00fcr eine soziale Revolution und damit das Ende des korrupten kapitalistischen Systems in Nigeria. Denn es ist genau dieses System, das verantwortlich ist f\u00fcr die katastrophalen Missst\u00e4nde \u2013 und das obwohl Nigeria ein reiches Land ist \u2013 die die Basis sind, auf der der Aufstand von Boko Haram entstehen und bestehen kann. Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass nur eine neue Regierung gebildet aus der ArbeiterInnenklasse und bewaffnet mit sozialistischer Politik in der Lage ist, Nigeria wieder aufzubauen und sicherzustellen, dass der enorme Reichtum des Landes genutzt wird, um die Lage der Massen der Bev\u00f6lkerung zu verbessern.<\/p>\n<p>Um dies zu erreichen ruft das DSM seit langem f\u00fcr eine Massenpartei der ArbeiterInnenklasse mit einem sozialistischen Programm auf. Als einen Schritt in diese Richtung haben wir damit begonnen, die \u201eSocialist Party of Nigeria\u201c (SPN) zu registrieren (was in Nigeria mit enormen H\u00fcrden verbunden ist, Anm. \u00dcbersetzung). Dies w\u00fcrde den Massen der nigerianischen ArbeiterInnenklasse und Jugend eine Plattform geben um sich zu organisieren. Das gibt ihnen ein Werkzeug um den Kampf zu f\u00fchren um der korrupten kapitalistischen Elite die politische Macht zu entrei\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann im Rahmen des Kapitalismus \u00fcberhaupt eine L\u00f6sung f\u00fcr die Situation gefunden werden?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27241,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,110,32],"tags":[351],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27240"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27240"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27240\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}