{"id":27110,"date":"2014-05-01T17:01:22","date_gmt":"2014-05-01T15:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=27110"},"modified":"2014-04-25T14:09:43","modified_gmt":"2014-04-25T12:09:43","slug":"watteballwerfer-und-plueschumschlagverschicker-erkaempfen-keine-verbesserung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/05\/watteballwerfer-und-plueschumschlagverschicker-erkaempfen-keine-verbesserung\/","title":{"rendered":"\u201e Watteballwerfer und Pl\u00fcschumschlagverschicker erk\u00e4mpfen keine Verbesserung\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Maik1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-27111\" alt=\"Maik(1)\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Maik1-e1398427646600-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Maik1-e1398427646600-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Maik1-e1398427646600-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Maik1-e1398427646600.jpg 434w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Vor den Betriebsratswahlen beim Charit\u00e9 Facility Management (CFM) in Berlin. Interview mit Maik Sosnowsky.<\/strong><\/p>\n<p><em>Im Jahr 2011 streikten Besch\u00e4ftigte der teilprivatisierten und ausgegliederten Dienstleistungstochter des Universit\u00e4tsklinikums Charit\u00e9 \u2013 Charit\u00e9 Facility Management (CFM) \u2013 drei Monate f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines Tarifvertrags. Damals erreichten sie einen Mindestlohn von 8,50 Euro im Betrieb, aber keinen Tarifvertrag. Nach Wiederaufnahme der Arbeit wurden viele StreikteilnehmerInnen schikaniert und unter Druck gesetzt und die Arbeit des Betriebsrats immer wieder behindert. Gleichzeitig weisen Recherchen von ver.di und einem Redaktionsteam des RBB daraufhin, dass die Gesch\u00e4ftsleitung sowohl unrechtm\u00e4\u00dfigen Einfluss auf die letzten Betriebsratswahlen genommen hatte, als auch eine Betriebsr\u00e4tin, die zum Streikbruch aufgerufen hatte mit einer 50-prozentigen Lohnerh\u00f6hung belohnt hatte. Im Mai stehen wieder Betriebsratswahlen bei der CFM an. Ver.di will zusammen mit der in diesem Betrieb k\u00e4mpferisch ausgerichteten Gewerkschaft gkl eine Mehrheit erreichen, die sich konsequent f\u00fcr die Interessen der Besch\u00e4ftigten einsetzt. F\u00fcr sozialismus.info sprach Sascha Stanicic mit dem ver.di-Aktiven und Betriebsrat Maik Sosnowsky.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Bei der CFM stehen Betriebsratswahlen an. In den Medien waren gegen die Gesch\u00e4ftsleitung Vorw\u00fcrfe erhoben worden, diese habe bei den letzten Betriebsratswahlen unrechtm\u00e4\u00dfigen Einfluss genommen und sie behindere die T\u00e4tigkeit von Betriebsr\u00e4ten. Gibt es derzeit Probleme bei der Durchf\u00fchrung der Wahl?<\/h4>\n<p>\u00a0Wer sagt, eine Betriebsratswahl k\u00f6nne generell ohne Probleme durchgef\u00fchrt werden, der hat noch nie eine organisiert und durchgef\u00fchrt. Aber in der CFM sind die Probleme immer ein wenig spezieller. So teilte der Arbeitgeber dem Wahlvorstand mit, dass er sich vorbehalten wird das Entgelt bei einzelnen seiner Mitglieder wegen deren Arbeit im Wahlvorstand zu k\u00fcrzen. Der Hintergrund, so teilte es der Arbeitgeber mit ist, dass im Wahlvorstand auch drei schon f\u00fcr die Schwerbehindertenvertretung und f\u00fcr den Betriebsrat freigestellte Kollegen sind, die aus Sicht des Arbeitgebers die Arbeit im Wahlvorstand vorrangig erledigen sollen. F\u00fcr die Schwerbehindertenvertretung w\u00fcrde das z.B. bedeuten, dass die Betreuung der schwerbehinderten Menschen unm\u00f6glich werden w\u00fcrde, da ja das B\u00fcro des Wahlvorstands st\u00e4ndig besetzt sein muss und viel formeller Schreibkram es unm\u00f6glich macht sich noch mit anderen Dingen zu besch\u00e4ftigen. Aus diesem Grund hatte der Wahlvorstand auch beschlossen, gerade nicht die schon freigestellten Betriebsrats- und Schwerbehindertenvertretungs-Mitglieder mit dieser Arbeit zu betrauen, sondern die weiteren zwei Kollegen, die nicht in weiteren Funktionen t\u00e4tig sind. Die Androhung von Entgeltabzug f\u00fchrte dann auch dazu, dass sich Mitglieder des Wahlvorstands eingesch\u00fcchtert f\u00fchlten und Angst hatten am Ende des Monats ohne Lohn dazustehen. Der Wahlvorstand wandte sich mit diesem Problem dann auch umgehend an die Belegschaft und an die im Betrieb vertretenen Gewerkschaften. Nur einen Tag sp\u00e4ter wurde dem Wahlvorstand dann mitgeteilt, dass wohl alles ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis ist und die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung keine Absicht habe den Wahlvorstand einzusch\u00fcchtern oder die Wahl zu behindern. Solche Missverst\u00e4ndnisse kennen wir ja in der CFM nur zu Hauf. Missverst\u00e4ndnisse die zu Entgeltabzug bei Betriebsr\u00e4ten oder gar zu dessen K\u00fcndigung f\u00fchren, haben wir in de letzten Jahren in der CFM mehr als genug gehabt.<\/p>\n<h4>Wo dr\u00fcckt denn den Besch\u00e4ftigten bei der CFM besonders der Schuh?<\/h4>\n<p>Pauschal l\u00e4sst sich das kaum sagen. Die Probleme sind so vielf\u00e4ltig, wie das Aufgabenspektrum der CFM selbst. Das gr\u00f6\u00dfte Problem ist und bleibt der tariflose Zustand. Klare Regelungen die das Miteinander von Arbeitnehmer und Arbeitgeber regeln. Einklagbare Rechtsanspr\u00fcche, die die Situation f\u00fcr den einzelnen Besch\u00e4ftigten verbessern. F\u00fcr uns als ver.di in der CFM wird es weiterhin das wichtigste Ziel sein, die Einkommens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Wir haben 2011 den Kampf um ein Einkommen zum Auskommen begonnen und dieser ist noch lange nicht zu Ende. Es kann nur als Etappenziel verstanden werden, dass nun eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro existiert. Die Kolleginnen und Kollegen in der CFM haben eine wichtige Arbeit. Sie sorgen daf\u00fcr, dass es \u00fcberhaupt eine Krankenversorgung, sowie Forschung und Lehre an der Charit\u00e9 geben kann. Ohne uns l\u00e4uft keine OP, ohne uns w\u00e4ren keine Medikamente auf den Stationen, ohne uns g\u00e4be es kein Essen und die Heizung w\u00e4re schon lange kalt. Wie diese wichtigen Arbeiten aber honoriert werden, ist ein Armutszeugnis. Hier spart sich die Charit\u00e9 aber auch der Berliner Senat an den einfachen Menschen gesund. Ohne Zusch\u00fcsse vom Jobcenter k\u00f6nnte zum Beispiel ich von dem was die CFM zahlt meine Familie nicht durchbringen. Aber neben den Fragen von z.B. Lohn, Urlaub und Zuschl\u00e4gen, sind es die Arbeitsbelastungen f\u00fcr die einzelnen Kolleginnen und Kollegen, die auf Dauer krank machen und nicht weiter hingenommen werden k\u00f6nnen. Gerade im Reinigungsbereich muss \u00e4hnlich, wie es in der Pflege gerade diskutiert und gefordert wird der Schutz der Gesundheit wieder in den Vordergrund gestellt werden. Die t\u00e4gliche \u00dcberlastung der Kolleginnen und Kollegen in der Reinigung muss gestoppt werden. Hier kann ich mir eine Deckelung der Quadratmeter pro Stunde bezogen auf die jeweilige Fl\u00e4chenkategorie (z.B. B\u00fcro, Station, OP usw.) gut vorstellen. Eine solche Deckelung w\u00fcrde die Kolleginnen und Kollegen entlasten und gleichzeitig f\u00fcr mehr Qualit\u00e4t und damit weniger Problemen in der Krankenhaushygiene f\u00fchren. Gerade dies sollte auch im Interesse aller Menschen liegen und somit umgesetzt werden.<\/p>\n<h4>\u00a0Der derzeitige Betriebsratsvorsitzende geh\u00f6rt zur Liste &#8222;Frischer Wind&#8220;, der eine Arbeitgebern\u00e4he nachgesagt wird. F\u00fcr welche Inhalte stehen die Kandidatinnen und Kandidaten von ver.di?<\/h4>\n<p>Die Frage w\u00fcrde ich gern mit einem Wort beantworten: \u201eSolidarit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t ist das, was uns als Kolleginnen und Kollegen in der CFM die sich in Gewerkschaften zusammengeschlossen haben verbindet. Dabei wird es auch egal sein, ob die Kolleginnen und Kollegen eher hinter ver.di oder der gkl berlin stehen, denn uns verbindet in der CFM das gleiche Ziel und eine intensive Partnerschaft. In einem Betrieb wie der CFM, dessen Zweck es ja haupts\u00e4chlich ist Geld f\u00fcr die Charit\u00e9 einzusparen, ist ein starker Betriebsrat \u00fcberlebenswichtig. Watteballwerfer und Pl\u00fcschumschlagverschicker werden die Situation der Besch\u00e4ftigten nicht verbessern. Die Durchsetzung der Rechte der Kolleginnen und Kollegen braucht Menschen, die sich auch nicht davor scheuen ggf. auch die Gerichte anzurufen. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung agiert bei uns ja nicht wie in einem Streichelzoo. Deswegen werden wir uns, wie auch in der Vergangenheit schon durch uns gelebt, gezielt f\u00fcr die Umsetzung und Durchsetzung der Rechte jeder einzelnen Kollegin und jedes einzelnen Kollegen einsetzen. Es gibt viele Baustellen, die nicht mit netten Worten zu l\u00f6sen sind. Das Thema Dienstplanung ist da nur eines der Themen, die gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen. Vieles konnten wir in den letzten vier Jahren aufgrund fehlender Mehrheiten nicht durchsetzen, wir hatten ja nur 3 von 21 Sitzen im Betriebsrat. Aber die Konkurrenz schl\u00e4ft auch diesmal wieder nicht. Wie sich zeigt, wird es wieder Listen geben, die diese Ziele so nicht mit uns teilen.<\/p>\n<p>Schon jetzt ist klar, dass sieben Listen zur Wahl antreten. Hierunter auch wieder der \u201eFrische Wind\u201c und weitere gewerkschaftsferne Listen, die von uns sehr skeptisch betrachtet werden. Als ver.di in der CFM treten wir mit drei Listen an. Dies hat aus unserer Sicht Sinn gemacht, da sich f\u00fcr ver.di mehr als 70 Kandidaten aufstellen lassen wollten. So wird es bei dieser Wahl je eine Liste von ver.di f\u00fcr den Standort Mitte, Benjamin Franklin und Virchowklinikum geben die aber gemeinsam antreten und nicht gegeneinander. Alle unsere Listen treten unter dem Motto \u201ejetzt mal ehrlich!\u201c an und stehen f\u00fcr unsere Mitglieder und Vertrauensleute vor Ort. Denn Ehrlichkeit im Umgang mit den Menschen in der CFM ist l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig.<\/p>\n<h4>\u00a0Wird der Ausgang der Betriebsratswahl auch Einfluss auf die Beendigung des immer noch tariflosen Zustands bei der CFM nehmen k\u00f6nnen?<\/h4>\n<p>Wir sehen die Betriebsratswahl als Gradmesser f\u00fcr unsere weiteren Bem\u00fchungen. Die Mitarbeiter haben mit Ihrer Stimme die Wahl, ob sie durch eine starke Organisation mehrheitlich im Betriebsrat vertreten werden wollen oder weiterhin mit sch\u00f6nen Worten vertr\u00f6stet werden. Die Wahl des Betriebsrats hat zwar erst mal nichts mit der Tarifsituation zu tun, aber in Betrieben mit guter Tarifbindung sind es ebben die Gewerkschaftslisten, die normalerweise mehrheitlich den Betriebsrat stellen. Wir sind schon 2011 ein hohes Risiko eingegangen, in dem wir einen Streik gefahren haben, ohne die entsprechenden Mehrheiten im Betriebsrat. Der Betriebsrat muss sich zwar aus dem Arbeitskampf raus halten und darf keine Tarifvertr\u00e4ge abschlie\u00dfen, da er neutral ist. Dennoch ist ein guter Betriebsrat nach einem Streik die R\u00fcckversicherung, dass Kolleginnen und Kollegen nicht Spie\u00dfrutenlaufen m\u00fcssen. Ein gutes Ergebnis bei der Betriebsratswahl f\u00fcr die Gewerkschaften ist der R\u00fcckenwind f\u00fcr eine Tarifbewegung, die dann endlich einen guten Tarifvertrag f\u00fcr die CFM zu Abschluss bringt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor den Betriebsratswahlen beim Charit\u00e9 Facility Management (CFM) in Berlin. 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