{"id":26919,"date":"2014-04-02T14:51:42","date_gmt":"2014-04-02T12:51:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26919"},"modified":"2014-04-02T12:04:36","modified_gmt":"2014-04-02T10:04:36","slug":"bosnien-herzegowina-die-massenproteste-sind-die-ersten-blueten-des-fruehlings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/04\/bosnien-herzegowina-die-massenproteste-sind-die-ersten-blueten-des-fruehlings\/","title":{"rendered":"Bosnien-Herzegowina: Die Massenproteste sind die ersten Bl\u00fcten des Fr\u00fchlings"},"content":{"rendered":"<p><strong>Welches Programm sollte die Linke vorschlagen?<\/strong><\/p>\n<p><em>von Sonja Grusch<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcnf Wochen sind vergangen seit die k\u00e4mpferischen Proteste in Bosnien-Herzegowina ausgebrochen sind. Sonja Grusch berichtet von ihrem Besuch, den sie j\u00fcngst gemeinsam mit anderen CWI-Unterst\u00fctzern in diesem Land gemacht hat, wo sie mit TeilnehmerInnen der Proteste sowie mit linken AktivistInnen diskutiert hat.<\/p>\n<p>In Tuzla und auch in anderen Orten kann man die Regierungsgeb\u00e4ude noch sehen, die w\u00e4hrend der Demonstrationen angez\u00fcndet wurden als w\u00fctende ArbeiterInnen, Jugendlichen und all jene, die sich gegen die korrupte Elite zur wehr setzen wollen gemeinsam protestierten. Poster wurden aufgeh\u00e4ngt auf denen steht: \u201eTot dem Nationalismus\u201c und \u201eDiebe\u201c und \u201eRevolution\u201c. Ein Aktivist mit dem wir diskutieren meint \u201eDie Proteste waren wie wenn nach 20 Jahren eine Explosion ausbricht! <\/p>\n<p>In allen Diskussionen sind Frustration und Pessimismus zu sp\u00fcren. Die Arbeitslosenrate ist, je nach Quelle, unterschiedlich hoch. Offiziell liegt sie bei \u00fcber 40%, aber in Wirklichkeit ist sie viel h\u00f6her, in einigen Regionen sind es bis zu 70%. Als wir uns mit einer Gruppe Jugendlicher in einer Stadt an der serbischen Grenze treffen hat von den sieben anwesenden gerade mal einer einen Job. Zum Kaffee gibt es keine Milch, die ist zu teuer. Einer der M\u00e4nner meint \u2013 mehr oder weniger im Scherz \u2013 das Frauen sich in manchen Monaten entscheiden m\u00fcssen, ob sie Geld f\u00fcr Kosmetik oder f\u00fcr Hygieneartikel haben. F\u00fcr viele Jugendliche ist die einzige Perspektive f\u00fcr ein Zukunft das Land zu verlassen. Die Proteste, die die im Februar ausgebrochen sind k\u00f6nnen diese Sichtweise und v.a. die Perspektive ver\u00e4ndern. <\/p>\n<p>Anders als in manchen anderen Protesten die es in letzter Zeit international gegeben hat hat die ArbeiterInnenklasse in Bosnien-Herzegowina von Beginn an eine wichtige Rolle gespielt. Schon in den letzten Jahren gab es gegen die katastrophalen Auswirkungen der Privatisierung eine Reihe von K\u00e4mpfen von ArbeiterInnen. Was als \u201ekriminelle Privatisierung\u201c bezeichnet wird ist ein wichtiger Faktor in dieser Bewegung. Ein Stopp und eine R\u00fccknahme dieser Privatisierungen ist eine der zentralen Forderungen.<\/p>\n<h4>Alle Macht den Plenas?<\/h4>\n<p>In einer Reihe von St\u00e4dten haben sich seit Beginn der Proteste Plenas gebildet. Sie treffen sich um Forderungen zu diskutieren und zu formulieren. Sie k\u00f6nnen nicht mit jenen Plenas die wir aus Studierendenprotesten in West- und S\u00fcdeuropa kennen verglichen werden, bei denen Diskussionen manchmal ewig andauern und keine Entscheidungen gef\u00e4llt werden. Diese hier sind strukturiert, geplant, vorbereitet und haben eine Tagesordnung. JedeR kann sprechen, allerdings nur mit kurzer Redezeit. Im Plenum von Tuzla werden Entscheidungen nicht unmittelbar gef\u00e4llt; die Vorschl\u00e4ge von Arbeitsgruppen werden pr\u00e4sentiert, dann stehen andere Dinge auf der Tagesordnung und die Entscheidung wird erst im n\u00e4chsten Plenum gef\u00e4llt um f\u00fcr tiefer gehende Diskussionen zeit in den Arbeitsgruppen zu geben. Bis jetzt haben sich in \u00fcber 10 St\u00e4dten in den meisten Kantonen der F\u00f6deration solche Plenas gebildet. Die Plenas verschiedener St\u00e4dte koordinieren sich untereinander und treten nur nach R\u00fccksprache mit den anderen Plenas in Verhandlungen mit VertreterInnen des Staates.<\/p>\n<p>Dennoch unterscheiden sie sich von den R\u00e4ten (Sowjets) die sich in den Russischen Revolutionen von 1905 und 1917 entwickelten. Jene waren demokratische Massenversammlungen von ArbeiterInnen und den Unterdr\u00fcckten die sich im Regelfall aus Delegierten zusammensetzten und sie waren die Basis auf der die ArbeiterInnenklasse, unter der F\u00fchrung der Bolschewistischen Partei in der Lage war, die Macht zu ergreifen.<\/p>\n<p>Trotzdem hat die Bewegung in Bosnien-Herzegowina eine enorme Macht \u2013 lokal und Kantonalregierungen sind bereits zur\u00fcckgetreten wie die Kantonalregierungenenenen von Tuzla, Una-Sarajevovojewo und Zenica-Doboj. Die Macht liegt \u2013 oder besser lag f\u00fcr einige Tage \u2013 sprichw\u00f6rtlich auf der Stra\u00dfe bzw. bei den Plenas. Es entwickelten sich Elemente von Doppelmacht, wo die die ehemaligen staatlichen und regionalen MachthaberInnen nicht mehr in vollem Umfang die Kontrolle hatten und die Bewegung auf der Stra\u00dfe sowie auch die Plenas das Potential hatten sich zu entwickeln und um die Macht zu k\u00e4mpfen. Aber weil keine weiteren Schritte von der Bewegung gesetzt wurden hat das Pendel wieder in die andere Richtung, zur\u00fcck zur herrschenden Klasse, umgeschlagen. Einer der Organisatoren hinter den Plenas erkl\u00e4rt uns, dass sie nicht die Schmutzarbeit der Regierungen machen wollen und daher keine Leute aus den Plenas in die Regierungen entsenden um die Pl\u00e4ne der Regierung umzusetzen. Ein korrekter Punkt bez\u00fcglich der Teilnahme in pro-kapitalistischen Regierungen, aber es wurde auch keine alternative Strategie pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Im Moment diskutieren die Plenas eine Reihe von Dingen und stimmen \u00fcber Forderungen ab \u2013 v.a. gegen Korruption und f\u00fcr eine R\u00fccknahme der Privatisierungen. Neue KandidatInnen f\u00fcr Regierungspositionen kommen zu den Plenas um sich selbst zu pr\u00e4sentieren, doch diese sind von der alten politischen Elite ausgew\u00e4hlt. Bahrija Umihanic, Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Wirtschaft, Kleinunternehmer und Kandidat f\u00fcr den Regierungschef des Kantons von Tuzla musste zum Plenum von Tuzla kommen. Er pr\u00e4sentierte sein Programm und die Menschen konnten Anmerkungen machen und Fragen stellen, die er beantworten musste. Einige waren froh dar\u00fcber eine Alternative zu den PolitikerInnen zu sehen, die sie kennen und von denen sie wissen, dass sie korrupt sind. Aber viele hatten das Gef\u00fchl dass er nur ein weiterer vom selben Typ ist, der ihre Interessen nicht vertritt.<\/p>\n<p>Manche versuchen auch f\u00fcr ihre FreundInnen oder f\u00fcr sich selbst zu werben, um als KandidatIn aufgestellt zu werden. Wir treffen einen davon, einen Professor der Technischen Universit\u00e4t der gerne Minister f\u00fcr Energie werden w\u00fcrde und uns stolz seine akademischen Titel aufz\u00e4hlt. Es scheint als ob die Entwicklung auch eine Schicht von Individuen nach oben bringt, die schlicht ihr St\u00fcck vom Kuchen bekommen wollen (Der Dayton Prozess am Ende des B\u00fcrgerkrieges hat dazu gef\u00fchrt, dass es 13 Regionalregierungen und \u00fcber 100 MinisterInnen gibt, also jede Menge gut bezahlter Positionen). Das macht auch deutlich dass die Plenas und viele ihrer TeilnehmerInnen noch innerhalb des Rahmens nicht nur der kapitalistischen Logik sondern auch von formaler b\u00fcrgerlicher Demokratie agieren. Sie schlagen kein Konzept f\u00fcr ein alternatives System von Herrschaft vor, sondern wollen bestenfalls die existierenden Strukturen und Regierungsk\u00f6rperschaften mit \u201ebesseren Leuten\u201c besetzen. So k\u00f6nnten sie mit einer \u201eStaatsreform\u201c enden, die die Anzahl der Verwaltungsk\u00f6rperschaften, Ministerposten und anderer Funktionen reduziert aber das System an sich nicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n<h4>Es gibt keine Strategie f\u00fcr die n\u00e4chste Phase des Kampfes<\/h4>\n<p>Die Plenas haben St\u00e4rken und Schw\u00e4chen. Ihr gr\u00f6\u00dftes Problem ist, dass sie keine Strategie haben, was als n\u00e4chstes zu tun ist. Solange die Bewegung stark ist und es Mobilisierungen auf der Stra\u00dfe oder in den Betrieben gibt muss die herrschende Klasse reagieren und Konzessionen machen. Aber wenn sich die Bewegung darauf beschr\u00e4nkt zu diskutieren und Forderungen zu formulieren ohne die M\u00f6glichkeit zu haben, Druck auf die herrschende Elite auszu\u00fcben damit diese die Forderungen auch erf\u00fcllt, dann k\u00f6nnen die Plenas zu einem Hindernis werden. Die soziale Zusammensetzung hat sich schon ver\u00e4ndert. Die Plenas sind keine Struktur von gew\u00e4hlten VertreterInnen aus Betrieben, Arbeitspl\u00e4tzen und Stadtteilen, sie sind offen f\u00fcr jedeN der\/die teilnehmen will. Sie werden dominiert von Menschen die 35 oder \u00e4lter sind und es nehmen kaum Jugendliche teil. Und obwohl ArbeiterInnen und GewerkschafterInnen teilnehmen scheint die gr\u00f6\u00dfte Gruppe jene der AkademikerInnen zu sein. Sie haben zwar eine bewusste Orientierung auf die ArbeiterInnenklasse und kommen aus der Linken, aber die ArbeiterInnenklasse selbst ist nicht die dominante Kraft. <\/p>\n<p>Linke sind anwesend, aber nicht offen. Politische Organisationen sind kein offizieller Teil der Plenas; die Idee dahinter ist, die VertreterInnen der \u201eetablierten\u201c Parteien raus zu halten. Doch diese sind trotzdem da, allerdings versteckt. Und viele der TeilnehmerInnen sind Mitglieder oder AktivistInnen verschiedener linker Gruppen. Als wir sprachen um die Gr\u00fc\u00dfe des CWI zu \u00fcberbringen und unsere Flugbl\u00e4tter verteilen bef\u00fcrchten wir, dass die \u201eanti-Organisationen\u201c Stimmung ein Problem sein k\u00f6nnte. Aber nichts derartiges geschieht. Wir wurden freundlichst begr\u00fc\u00dft, so gut wie jedeR hat unser Material genommen und unsere Rede hat eine Reihe positiver Reaktionen zur Folge gehabt. Es gibt eine starke Anti-Parteien-Stimmung aber diese Offenheit zeigt auch den Wunsch nach internationaler Solidarit\u00e4t und sozialistischen Ideen und auch das Verst\u00e4ndnis, dass nicht alle Parteien und Organisationen gleich sind. Es besteht die Gefahr das die Tatsache, dass die Linke nicht offen interveniert dazu f\u00fchrt, dass sie keine organisierte Kraft aufbauen kann die in der n\u00e4chsten Welle des Kampfes notwendig sind.<\/p>\n<p>Nur zwei junge M\u00e4nner kritisieren unsere Flugbl\u00e4tter die demokratischen Sozialismus fordern. Doch sie sind offensichtlich aus einem rechtsextremen\/nationalistischen Hintergrund und beziehen sich positiv auf die nationalistischen und neofaschistischen Kr\u00e4fte in der Ukraine. Aber einige ihrer Punkte treffen den wunden Punkt und sie sind mit ihrer Kritik an der Entwicklung der Bewegung nicht alleine. Die Plenas und die politischen Kr\u00e4fte die sie f\u00fchren (auch wenn es offiziell keine F\u00fchrung gibt) haben, geschockt \u00fcber die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen einen Schwerpunkt auf die Plenas gelegt statt auf die Mobilisierungen auf der Stra\u00dfe. Es scheint als h\u00e4tten sie keine Idee oder Strategie f\u00fcr eine Eskalation des politischen Kampfes, f\u00fcr die n\u00e4chsten Schritte die n\u00f6tig werden wenn die herrschende Klasse und ihre politischen VertreterInnen die Forderungen der Plenas nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Wir haben auch keine der \u00fcblichen Zeichen einer massiven politischen Kampagne gesehen; wir haben keine Flugbl\u00e4tter, Einladungen zu Veranstaltungen und keine Zeitungen von politischen Organisationen gesehen. Die einzigen Plakate die wir in Tuzla sehen sind von ultrarrechten Nationalisten. Der Geldmangel kann nur ein Grund f\u00fcr diesen Mangel an Material sein. Die VertreterInnen der linken Organisationen die wir treffen haben alle in der Bewegung teilgenommen, aber ohne ihre Organisationen als Werkzeug anzubieten, die Bewegung auszubreiten und f\u00fcr weitere Diskussionen. Das spiegelt eine vorsichtige Art wieder, zu intervenieren die sich dem Druck der Anti-Parteien-Stimmung beugt und der es an Selbstbewusstseinn fehlt zu erkl\u00e4ren, warum eine sozialistische Organisation notwendig ist um den Kapitalismus zu besiegen \u2013 etwas was den Mangel an Tradition der sozialistischen Kampagnenarbeit der letzten Jahrzehntewiderspiegelt.. Die Erfahrungen mit politischen Organisationen und ihren Methoden im ehemaligen Jugoslawien und dann im neuen kapitalistischen Bosnien-Herzegowina hat nicht dabei geholfen, diese Traditionen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Die negative Folge davon ist, dass keine organisierte Kraft in die Bewegung interveniert. Es gibt keine wirklich Planung der n\u00e4chsten Schritte und die die Frage des Kampfes um die Macht zu gewinnen ist nicht wirklich diskutiert. Das gibt der herrschenden Klasse die M\u00f6glichkeit sich zur\u00fcckzulehnen und abzuwarten was geschieht und darauf zu hoffen, dass sich die Bewegung tot l\u00e4uft. Das wird in der n\u00e4heren Zukunft nicht geschehen weil die sozialen Probleme und die Wut \u00fcber die korrupten Elite zu gro\u00df sind.<\/p>\n<p>Wenn es zu keinen Ergebnissen kommt, keine Zugest\u00e4ndnisse die \u00fcber einige formale \u00c4nderungen hinausgehen dann dann kann es zu einer neuen Welle von Protesten kommen. Die extreme Rechte und nationalistische Kr\u00e4fte scharren in den Startl\u00f6chern. Sie versuchen ganz bewusst in die Plenas zu intervenieren und sie werden Unterst\u00fctzung, gerade unter Jugendlichen aufbauen k\u00f6nnen, wenn diese keine Ergebnisse sehen und es keine glaubw\u00fcrdige linke Alternative gibt.<\/p>\n<h4>Das n\u00e4chste Kapitel?<\/h4>\n<p>Es ist klar dass die Bewegung nicht vorbei ist. Sie ist zur\u00fcckgegangen, kann aber jeden Augenblick wieder explodieren weil die Ursachen f\u00fcr ihren urspr\u00fcnglichen Ausbruch nicht verschwunden sind. Aber die linken Kr\u00e4fte und AktivistInnen der ArbeiterInnenbewegung m\u00fcssen in organisierter Form intervenieren, mit Vorschl\u00e4gen, die nicht nur Forderungen sind. Sie m\u00fcssen mit den Hoffnungen \u2013 oder eher Illusionen \u2013 in die EU umgehen. Bosnien-Herzegowina will EU-Mitglied werden \u2013 und hat bereits ein Freihandelsabkommen unterzeichnet \u2013 und will auch der Welthandelsorganisation beitreten. Die Menschen hoffen auf Investitionen aus der EU und in Folge dessen auf einen steigenden Lebensstandard. Aber die letzten 20 Jahre der EU-Intervention haben gezeigt, dass die europ\u00e4ischen KapitalistInnen Bosnien-Herzegowina nur als Ort sehen um ihre Waren zu verkaufen und, in einigen F\u00e4llen, wegen ihrer billigen Arbeitskraft als verl\u00e4ngerte Werkbank. In die meisten der privatisierten Betriebe wurde nicht investiert, im Gegenteil wurden sie geschlossen um sich der Konkurrenz zu entledigen. Bis zu 90% des Bankensektors sind in der Hand von ausl\u00e4ndischen Banken was diesen die M\u00f6glichkeit gibt, ihr Kapital zu investieren. Warum sollte sich das mit einer formalen Integration in die EU \u00e4ndern, insbesondere vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der sich die EU L\u00e4nder befinden?<\/p>\n<p>Linke Kr\u00e4fte die in diese Massenbewegung investieren m\u00fcssen diese Fragen aufgreifen und die Politik der EU im restlichen Europa, insbesondere in Griechenland, Spanien und Portugal erkl\u00e4ren. Sie m\u00fcssen aufzeigen, dass der Kapitalismus keine Zukunft f\u00fcr die Menschen in Bosnien-Herzegowina zu bieten hat. Linke Kr\u00e4fte m\u00fcssen ein Aktionsprogramm aufstellen das in der Lage ist, die Forderungen der Bewegung und der Plenas zu erk\u00e4mpfen. Das beinhaltet auch ein Programm und eine Strategie die in der Lage sind die ArbeiterInnen und Jugendlichee in der Republika Srpska (RS) zu gewinnen. Obwohl die soziale Situation in der RS sogar noch schlimmer ist hat es dort keine gr\u00f6\u00dferen Proteste gegeben. AktivistInnen, die versucht haben, Proteste rund um \u00e4hnliche Forderungen wie in der F\u00f6deration zu organisieren waren mit massiver Einsch\u00fcchterung konfrontiert.<\/p>\n<p>Ein n\u00e4chster Schritt k\u00f6nnte ein Aktionstag in der gesamten F\u00f6deration sein der auch einen Aufruf, eine Einladung an die Menschen in der RS beinhaltet sich daran zu beteiligen. Streiks in den Betrieben, Schulen und Universit\u00e4ten kann Teil einer solchen Mobilisierung sein, doch dabei muss die hohe Arbeitslosenrate als verkomplizierender Faktor ber\u00fccksichtigt werden. Ein solcher Streik m\u00fcsste sich auf Gro\u00dfbetriebe konzentrieren und m\u00fcsste mit dem Aufstellen von fliegenden Streikposten verbunden sein. Ein solcher Aktionstag k\u00f6nnte international durch Kundgebungen und Protesten in jenen St\u00e4dten unterst\u00fctzt werden, wo Menschen aus der bosnisch-herzegowinischen Diaspora leben (die die Ereignisse mit gro\u00dfem Enthusiasmus verfolgen) aber auch durch Proteste und Kundgebungen bei jenen Betrieben und Banken die f\u00fcr die Pl\u00fcnderung des Landes verantwortlich sind. Als erster Schritt k\u00f6nnten Betriebe die ihre Besch\u00e4ftigten seit Monaten nicht bezahlt haben durch die Besch\u00e4ftigten \u00fcbernommen werden, k\u00f6nnten sich mit \u00e4hnlichen Betrieben in anderen L\u00e4ndern verlinken, insbesondere in anderen Staaten des Balkans.<\/p>\n<h4>Internationalismus <\/h4>\n<p>Angesichts der Kleinheit von Bosnien-Herzegowina ist eine internationale Perspektive von gro\u00dfer Bedeutung. Die Notwendigkeit, sich mit den K\u00e4mpfen von ArbeiterInnen in ganz Europa und international zu verbinden ist \u00fcberlebensnotwendig. Die bosnisch-herzegowinische Diaspora verfolgt die Ereignisse mit gro\u00dfem Interesse und ist bereits Teil dieser Internationalisierung. Es ist notwendig das die Solidarit\u00e4t einen klaren Klassenstandpunkt einnimmt, mit Gewerkschaften, Betriebsr\u00e4tInnen und AktivistInnen der ArbeiterInnenklasse zusammenarbeitet. Doch das ist nicht nur eine Frage von internationaler Solidarit\u00e4t. Die Probleme, mit denen die ArbeiterInnenklasse auf der ganzen Welt konfrontiert sind haben ihre Wurzeln im Kapitalismus und seinen Krisen und die Diskussionen \u00fcber Alternativen und \u00fcber den Kampf f\u00fcr ebendiese findet ebenfalls international statt. Eine Lehre der Vergangenheit ist, dass zwar der Sturz des Kapitalismus \u2013 der Ursache von Korruption, Ausbeutung und Armut \u2013 auf nationaler Ebene m\u00f6glich ist. Doch um eine fundamentale und dauerhafte Ver\u00e4nderung der Gesellschaft zu erm\u00f6glichen ist eine sozialistische Transformation auf internationaler Ebene n\u00f6tig die damit beginnt die kapitalistische Umklammerung der Weltwirtschaft zu zerbrechen.<\/p>\n<p>Es ist auch notwendig, eine Debatte zu er\u00f6ffnen \u00fcber eine alternative Art die Wirtschaft zu organisieren \u2013 eine sozialistische Alternative. Diese Debatte muss die Erfahrungen mit Jugoslawien und der Tito-\u00c4ra, aber auch was seither geschehen ist, aufgreifen. Die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Tito ist enorm. \u00dcberall h\u00e4ngen seine Bilder und in der Bewegung gibt es eine Menge positiver Bezugnahmen auf seine Herrschaft. Es braucht eine ehrliche Diskussion \u00fcber die Ursachen f\u00fcr das Scheitern des jugoslawischen Modells, und dazu geh\u00f6rt das b\u00fcrokratische, von oben nach unten Regieren das die Wirtschaft erstickt hat. Dazu geh\u00f6rt der Weg zur Restauration des Kapitalismus und die Entwicklung nationalistischer Spannungen die von den unterschiedlichen Teilen der herrschenden Elite, den neuen KapitalistInnen und ausl\u00e4ndischen kapitalistischen M\u00e4chten genutzt wurden. Und es ist wichtig zu Erkennen, dass dieser Prozess nicht erst nach Titos Tod begonnen hat. Es hatte seine Wurzel im Jugoslawischen Modell des \u201eSozialismus\u201c dem echte ArbeiterInnen-Demokratie gefehlt hat ebenso wie in den Osteurop\u00e4ischen Staaten. Ein zentraler Faktor f\u00fcr den Zusammenbruch des \u201eJugoslawischen Modells\u201c war, in Folge des Versuches einen \u201eSozialismus in einem Land\u201c zu kreieren, die \u00d6ffnung in Richtung Kapitalismus. Das hatte die Wirtschaftskrise der fr\u00fchen 1980er Jahre zur Folge als die Reall\u00f6hne um ein Viertel sanken und es Massenarbeitslosigkeit gab. Das alles muss Teil jenes Diskussionsprozesses sein, der gerade begonnen hat.<\/p>\n<p>Die antifaschistischen und antikapitalistischen Traditionen sind in Bosnien-Herzegowina noch immer recht stark. Die Erfahrungen mit den katastrophalen B\u00fcrgerkriegen in den 1990er Jahren hat dazu gef\u00fchrt dass den Menschen der ArbeiterInnenklasse die Gefahren des reaktion\u00e4ren Nationalismus und von ethnischen und religi\u00f6sen Spaltungen bewusst sind. Das bedeutet nicht, dass Nationalismus und gef\u00e4hrliche nationalistische Spaltungen nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnten wenn die Bewegung ergebnislos bleibt und rechte Kr\u00e4fte diese Situation ausn\u00fctzen k\u00f6nnen. Aber es gibt eben auch diese Traditionen und Erfahrungen auf die neue linke Kr\u00e4fte aufbauen k\u00f6nnen in ihrem Kampf f\u00fcr eine demokratische sozialistische Zukunft f\u00fcr Bosnien-Herzegowina, wie auch des gesamten Balkans, einem Kampf der die Basis ist f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und f\u00fcr die Schaffung einer demokratischen sozialistischen F\u00f6deration auf gleichberechtigter und freiwilliger Basis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welches Programm sollte die Linke vorschlagen?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26920,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[365],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26919"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26919\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}