{"id":26764,"date":"2014-03-12T12:44:23","date_gmt":"2014-03-12T11:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26764"},"modified":"2014-03-18T16:53:21","modified_gmt":"2014-03-18T15:53:21","slug":"deutliche-warnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/03\/deutliche-warnung\/","title":{"rendered":"Deutliche Warnung"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-24054\" alt=\"Carsten Becker\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Besch\u00e4ftigte der Charit\u00e9 planen Warnstreik f\u00fcr personelle Mindeststandards per Tarifvertrag<\/strong><\/p>\n<p>Warnstreiks in Krankenh\u00e4usern sind normalerweise eine recht harmlose Angelegenheit. Zumeist beteiligt sich eine \u00fcberschaubare Zahl von Besch\u00e4ftigten f\u00fcr wenige Stunden an einer Protest\u00adaktion oder einer Demo. Die Patientenversorgung wird per Notbesetzung aufrechterhalten, was wegen der ohnehin ausged\u00fcnnten Personaldecke kaum einen Unterschied macht.<\/p>\n<p>Am Berliner Uniklinikum Charit\u00e9 soll das am 17. M\u00e4rz aber ganz anders sein. F\u00fcr diesen Tag ruft ver.di zu Arbeitsniederlegungen auf, um der Forderung nach personellen Mindeststandards Nachdruck zu verleihen. Bereits jetzt hat die Gewerkschaft angek\u00fcndigt, dass zehn Stationen und etliche Betten wegen der Aktion nicht belegt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die seit Monaten laufende Tarifauseinandersetzung an der Charit\u00e9 ist in verschiedener Hinsicht au\u00dfergew\u00f6hnlich. Das betrifft auch den Gegenstand des Konflikts: Die Gewerkschaft k\u00e4mpft nicht wie sonst \u00fcblich f\u00fcr mehr Lohn und Gehalt, sondern f\u00fcr mehr Personal. ver.di fordert, per Tarifvertrag festzuschreiben, wieviel Personal in welchem Bereich mindestens vorhanden sein muss. Auf einer &#8222;Normalstation&#8220; soll eine Pflegekraft k\u00fcnftig f\u00fcr h\u00f6chstens f\u00fcnf Patienten zust\u00e4ndig sein. Auf Intensivstationen soll das Verh\u00e4ltnis eins zu zwei, in besonders schweren F\u00e4llen eins zu eins betragen. Zudem wollen die Gewerkschafter durchsetzen, dass in den Nachtschichten keine Krankenschwester mehr allein auf ihrer Station Dienst tun muss.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber wird an Europas gr\u00f6\u00dftem Uniklinikum nun seit geraumer Zeit verhandelt. Zu Beginn bestritt die Gesch\u00e4ftsleitung, dass es \u00fcberhaupt Tarifverhandlungen zu personellen Mindeststandards geben darf, da dies ein &#8222;Eingriff in die unternehmerische Freiheit&#8220; sei. Davon sind die Klinikmanager mittlerweile abger\u00fcckt. In den Gespr\u00e4chen haben sie auch immer wieder den Eindruck erweckt, zu einem Kompromiss bereit zu sein. Doch ein konkretes Angebot blieben die Vertreter des dem Land Berlin geh\u00f6renden Krankenhauses bislang schuldig, zuletzt bei Verhandlungen am 26. Februar. ver.di sprach daraufhin von einem &#8222;Affront&#8220; und k\u00fcndigte Aktionen an.<\/p>\n<p>Am Dienstag hat die Gewerkschaft dies konkretisiert: F\u00fcr kommenden Montag ruft sie die Besch\u00e4ftigten zur ganzt\u00e4gigen Arbeitsniederlegung auf. Zugleich \u00fcberreichte ver.di der Charit\u00e9-Spitze eine Liste von Bereichen, in denen die Streikbereitschaft so gro\u00df ist, dass Teile oder die gesamte Station geschlossen werden m\u00fcssen. &#8222;Wir sind durch die Bereiche gegangen und haben die Kolleginnen und Kollegen konkret gefragt, in welchem Umfang sie sich am Warnstreik beteiligen m\u00f6chten&#8220;, berichtete ver.di-Betriebsgruppensprecher Carsten Becker am Dienstag. &#8222;Das Ergebnis ist \u00fcberw\u00e4ltigend.&#8220;<\/p>\n<p>In der Tat w\u00e4re ein Ausstand im angek\u00fcndigten Umfang sicher der gr\u00f6\u00dfte Warnstreik, den es in einem deutschen Krankenhaus jemals gab. Neben zehn Komplettschlie\u00dfungen soll es demnach in etlichen Stationen zur sogenannten Stilllegung von Betten kommen. Laut Becker haben noch mehr Bereiche ihre Beteiligung zugesagt als zu Beginn des Erzwingungsstreiks 2011. In dem damals einw\u00f6chigen Arbeitskampf hatte ver.di an der Charit\u00e9 bis zu 90 Prozent der Operationen und fast der H\u00e4lfte der 3.200 Betten verhindert. Der wirtschaftliche Schaden war betr\u00e4chtlich und veranlasste die Klinikleitung, den ver.di-Forderungen nach deutlichen Gehaltsverbesserungen nachzugeben.<\/p>\n<p>Damals wie heute muss die Gesch\u00e4ftsleitung im Streikfall daf\u00fcr Sorge tragen, dass die genannten Stationen ger\u00e4umt, die Patienten verlegt und die Betten nicht neu vergeben werden. Das schreibt eine zwischen ver.di und Charit\u00e9 geschlossene Notdienstvereinbarung fest. Demnach muss aber die Gewerkschaft die Stilllegung von Betten mindestens drei, die Schlie\u00dfung von Stationen wenigstens sechs Tage vorher ank\u00fcndigen. Der Klinikleitung bleibt noch eine M\u00f6glichkeit, den Arbeitskampf zumindest hinauszuschieben: Sie k\u00f6nnte die Schlichtung anrufen. Dadurch w\u00e4re es ver.di vor\u00fcbergehend untersagt, zu Arbeitsniederlegungen aufzurufen.<\/p>\n<p>&#8222;Unser Ziel ist die dringend n\u00f6tige Entlastung der Besch\u00e4ftigten durch die Einstellung zus\u00e4tzlicher Kr\u00e4fte&#8220;, erkl\u00e4rte Becker. &#8222;Die Kolleginnen und Kollegen haben schon jetzt deutlich gemacht, dass sie bereit sind, daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen. Ich kann der Charit\u00e9 nur raten, dem endlich nachzugeben.&#8220; Eine Verbesserung der Personalsituation sei schlie\u00dflich nicht nur im Interesse der Besch\u00e4ftigten, sondern auch einer qualitativ hochwertigen Krankenversorgung, so der Gewerkschafter.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist der Zusammenhang zwischen fehlenden Pflegekr\u00e4ften und schlechter Patientenversorgung vielfach nachgewiesen. So kommt beispielsweise eine aktuelle Untersuchung der University of Pennsylvania zu dem Schluss, dass \u00fcberm\u00e4\u00dfige Arbeitsbelastung die Todesraten im Krankenhaus deutlich nach oben treibt. Der im Fachmagazin The Lancet ver\u00f6ffentlichten Studie zufolge erh\u00f6ht jeder Patient, den eine Krankenschwester zus\u00e4tzlich versorgt, das Todesfallrisiko um sieben Prozent.<\/p>\n<p>Nicht nur an der Charit\u00e9, auch anderswo ist die Personalsituation in den Kliniken desastr\u00f6s. Nach ver.di-Berechnungen fehlen in den Krankenh\u00e4usern bundesweit 162.000 Besch\u00e4ftigte, allein 70.000 davon in der Pflege. Die Gewerkschaft fordert deshalb ein Gesetz, das den H\u00e4usern personelle Mindeststandards verbindlich vorschreibt. Der Konflikt an der Charit\u00e9 k\u00f6nnte diesem Anliegen noch einmal gro\u00dfe Aufmerksamkeit bescheren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besch\u00e4ftigte der Charit\u00e9 planen Warnstreik f\u00fcr personelle Mindeststandards per Tarifvertrag<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24054,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[368],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26764"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26764"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26764\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24054"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}