{"id":26695,"date":"2014-03-02T14:54:58","date_gmt":"2014-03-02T13:54:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26695"},"modified":"2014-02-28T13:11:10","modified_gmt":"2014-02-28T12:11:10","slug":"deutschland-so-reich-und-so-arm-wie-noch-nie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/03\/deutschland-so-reich-und-so-arm-wie-noch-nie\/","title":{"rendered":"Deutschland so reich und so arm wie noch nie"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-25306\" alt=\"fische organize\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-280x171.jpg\" width=\"280\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-280x171.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-560x342.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395.jpg 581w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Neue Armuts- und Reichtumsstudie ver\u00f6ffentlicht<\/strong><\/p>\n<p>Voller Erstaunen titelte &#8222;BILD&#8220; vom 27. Februar: \u201eSo reich (und so arm) ist Deutschland\u201c \u2013 dabei ist es eine Binsenweisheit, dass Reichtum Armut schafft. Diesen Schluss unterstreicht nun von Neuem eine Studie des \u201eDeutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung\u201c (DIW) im Auftrag der gewerkschaftsnahen \u201eHans-B\u00f6ckler-Stiftung\u201c.<\/p>\n<p><em>von Steve K\u00fchne, Dresden<\/em><\/p>\n<p>Sozial ist Deutschland ein tief gespaltenes Land, so k\u00f6nnte man das Ergebnis der genannten Studie kurz zusammenfassen. Die \u00e4rmsten 28 Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung haben keinen Euro gespart oder sind sogar verschuldet. Hingegen besitzen die reichsten 10 Prozent durchschnittlich 217.000 Euro! Angeh\u00f6rige des reichsten Prozents der deutschen Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgten durchschnittlich \u00fcber 800.000 Euro. Dabei erfasste die Studie Milliard\u00e4re und Multimillon\u00e4re nur unzureichend.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Westdeutsche 2012 durchschnittlich 94.000 Euro besa\u00dfen, waren es in Ostdeutschland nur 41.000 Euro. Frauen hatten demnach nur 72 Prozent des Verm\u00f6gens von M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Besonders dramatisch ist jedoch die von der Studie festgestellte Entwicklungstendenz. W\u00e4hrend Erwerbslose 2002 durchschnittlich noch \u00fcber Eigentum im Wert von gut 30.000 Euro verf\u00fcgen konnten, sind es aktuell nur noch 18.000 Euro.<\/p>\n<p>Die Studie des DIW mag die gesellschaftlichen Ungleichheiten belegen, bekannt sind sie schon lange. So liegt das Nettoprivatverm\u00f6gen in Deutschland zurzeit bei 7,7 Billionen Euro. Davon besitzt das reichste Zehntel 63 Prozent, also \u00fcber 4,9 Billionen Euro. Die \u00e4rmsten 10 Prozent haben Schulden von mehr als 15 Milliarden Euro angeh\u00e4uft. Die gesamte deutsche Staatsverschuldung \u2013 deren Abbau ein gewichtiges Argument zur Legitimation des sozialen Kahlschlags der letzten 10 Jahre bildete \u2013 betr\u00e4gt etwas \u00fcber 2 Billionen Euro. Will man die \u00f6ffentliche Verschuldung los werden, so sollten also gerade die in den letzten Jahren immer wieder mit Steuergeschenken verw\u00f6hnten reichsten zehn Prozent der Adressat von Verm\u00f6genseingriffen sein \u2013 wer den Reichen nichts nimmt, kann den Armen nichts geben!<\/p>\n<p>Doch nicht \u201enur\u201c das in der sozialen Rangfolge des deutschen Kapitalismus am weitesten unten stehende Zehntel hat unter den sozialen Einschnitten und der generellen Ungleichheiten des Kapitalismus zu leiden. Die unteren 50 Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung besitzen gerade mal noch ein Prozent (!) des gesamten Nettoverm\u00f6gens! Sie sind die Verlierer des rot-gr\u00fcnen, schwarz-roten und schwarz-gelben Sozialabbaus, denn 1998 verf\u00fcgten sie noch \u00fcber vier Prozent des gesamten Nettoverm\u00f6gens.<\/p>\n<p>Die DIW-Studie stellt trocken fest, dass die Ungleichheiten in Deutschland so enorm sind wie in keinem anderen Land der Euro-Zone. Sie greift dabei auf den GINI-Koeffizienten zur\u00fcck, der, je n\u00e4her er an der Zahl eins liegt, die Existenz umso gr\u00f6\u00dferer gesellschaftlicher Ungleichheiten anzeigt. W\u00e4hrend dieser Koeffizient in Frankreich bei 0,68 und in Italien bei 0,61 liegt, betr\u00e4gt er in Deutschland 0,78!<\/p>\n<p>Deutschlands Entwicklung best\u00e4tigt nur die globalen Entwicklungen. In den Tagen vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos trat die Hilfsorganisation \u201eOxfam\u201c mit der erschreckenden Meldung an die \u00d6ffentlichkeit, wonach die reichsten 85 Menschen \u00fcber genauso viel Verm\u00f6gen verf\u00fcgten wie die \u00e4rmsten 3,5 Milliarden!<\/p>\n<p>Die soziale Schere \u00f6ffnet sich weltweit immer weiter. Als Marxist k\u00f6nnte man sich nun entspannt zur\u00fccklehnen, rechthaberisch die Arme verschr\u00e4nken und mit Spott darauf hinweisen, dass die Welt der b\u00fcrgerlichen Sozialwissenschaftler Tausende Ver\u00f6ffentlichungen darauf verwendete, zu beweisen, dass Marx\u2018 These von der relativen Verelendung der Arbeiterklasse (bei gleichzeitig wachsender Kapitalakkumulation) im &#8222;Kapital&#8220; ein Hirngespinst sei. In der Tat, unn\u00fctz beschriebenes Papier! Und dennoch Freude will im Angesicht dieser Zahlen, hinter denen Millionen menschlicher Schicksale und unsagbares Leid stecken nicht aufkommen. Viel mehr f\u00e4llt einem unweigerlich ein anderes Marx-Zitat ein: \u201eDie Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an sie zu ver\u00e4ndern!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Armuts- und Reichtumsstudie ver\u00f6ffentlicht<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25306,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26695"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26695"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26695\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26695"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26695"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26695"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}