{"id":26664,"date":"2014-02-23T16:25:47","date_gmt":"2014-02-23T15:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26664"},"modified":"2014-02-23T16:25:47","modified_gmt":"2014-02-23T15:25:47","slug":"das-regime-wuerde-mich-mit-gewalt-zum-schweigen-bringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/02\/das-regime-wuerde-mich-mit-gewalt-zum-schweigen-bringen\/","title":{"rendered":"\u201eDas Regime w\u00fcrde mich mit Gewalt zum Schweigen bringen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/aziz2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26665\" alt=\"aziz2\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/aziz2-e1393169091730-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/aziz2-e1393169091730-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/aziz2-e1393169091730-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/aziz2-e1393169091730.jpg 484w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Der iranische Dichter Aziz Miri hat Asyl in Deutschland beantragt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen hier Gedichte von Aziz Miri, einem 29-j\u00e4hrigen regimekritischen Dichter aus dem Iran, der in Deutschland Asyl beantragt hat. Sascha Stanicic sprach mit ihm \u00fcber seine Arbeit und die Verh\u00e4ltnisse im Iran.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Aziz, Du bist ein iranischer Dichter und hast in Deutschland Asyl beantragt. Was willst Du mit Deinen Gedichten zum Ausdruck bringen?<\/h4>\n<p>\u00a0Ich wurde 1984 in Kuwait geboren und bin w\u00e4hrend des Einmarsches durch den Irak im Jahr 1990 in das Land meiner Mutter gezogen. Aus der Situation des Kriegs kam ich in ein Land, das Revolution und Krieg gerade hinter sich hatte. Ich habe die schrecklichen Lebensbedingungen der Menschen gesehen. Ich versuche diese Geschichte meines Landes und der Menschen zu verarbeiten. Ich f\u00fchle, was ich sehe und verarbeite das in meiner Arbeit. Meine gro\u00dfe Sorge ist, dass sich die Geschichte wiederholen wird.<\/p>\n<h4>\u00a0Warum ist es nicht m\u00f6glich, solche Gedichte im Iran zu ver\u00f6ffentlichen?<\/h4>\n<p>\u00a0Die iranische Regierung herrscht \u00fcber das Mediensystem und versucht selbst das Denken der Menschen zu kontrollieren. Sie k\u00f6nnen mit den Menschen machen, was sie wollen: in den Krieg schicken oder ins Gef\u00e4ngnis stecken. Gedichte, wie meine werden von der Regierung als Teufelszeug betrachtet.<\/p>\n<h4>\u00a0Was w\u00fcrde jemandem passieren, der solche Gedichte ver\u00f6ffentlichen w\u00fcrde?<\/h4>\n<p>\u00a0Es gibt im Iran nicht die M\u00f6glichkeit, frei zu publizieren. Das Mediensystem ist von der Regierung kontrolliert. Wenn jemand zum Beispiel schreiben w\u00fcrde, dass es in unserem Land gar keine Republik, sondern in Wirklichkeit ein K\u00f6nigreich gibt, w\u00fcrde das ganz sicher nicht ver\u00f6ffentlicht. Diese Republik ist nur f\u00fcr den Teil des Volks, der die herrschende Ideologie unterst\u00fctzt \u2013 die anderen geh\u00f6ren gar nicht zum Volk. Das ist wie in einem faschistischen System. Der Faschismus hat verschiedene Gesichter. Und es wird nur das ver\u00f6ffentlicht, was systemkonform ist.<\/p>\n<h4>\u00a0Dein Asylantrag wurde bisher nicht akzeptiert. Was w\u00fcrde Dich erwarten, wenn der Antrag abgelehnt und Du abgeschoben w\u00fcrdest?<\/h4>\n<p>\u00a0Nat\u00fcrlich wei\u00df ich nicht, was genau mit mir geschehen w\u00fcrde. Aber der Iran ist ein Land, in dem sich die Gef\u00e4ngnisse schnell leeren, weil die Insassen hingerichtet werden und sich genauso schnell wieder f\u00fcllen, weil andere Menschen inhaftiert werden. Das geschieht unabh\u00e4ngig davon, ob der Pr\u00e4sident Achmadinedschad oder Rohani hei\u00dft. Ich bin sicher, dass mich das Regime mit Gewalt zum Schweigen bringen w\u00fcrde \u2013 auf welche Art auch immer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>\u00a0Drei Gedichte von Aziz Miri<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: medium;\">Die Kuh und der kleine Hassan<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der kleine Hassan stimmt so mit einem Schl\u00fcssel<\/p>\n<p>Sein Instrument<\/p>\n<p>Grinsend<\/p>\n<p>Dreht er den Schl\u00fcssel, mal in die eine, mal in die andere Richtung.<\/p>\n<p>Der kleine Hassan macht die T\u00fcren auf und zu.<\/p>\n<p>Der kleine Hassan h\u00f6rt auf seinen Vater!<\/p>\n<p>Er wei\u00df genau, dass die Gef\u00e4ngnisse keine T\u00fcren<\/p>\n<p>Und die Schl\u00f6sser keinen Schl\u00fcssel haben.<\/p>\n<p>Er nimmt gerne<\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung von seinem Papa an,<\/p>\n<p>den er heldenhaft toleriert.<\/p>\n<p>Der kleine Hassan<\/p>\n<p>Hebt seine Arme mit gro\u00dfem Gel\u00e4chter<\/p>\n<p>Und tobt vor Freude<\/p>\n<p>\u00dcber seine Taten.<\/p>\n<p>Er hat den Schl\u00fcssel<\/p>\n<p>zum Thron des K\u00f6nigs, streichelt die Tiger und verzaubert die Menschen.<\/p>\n<p>Sitzt hinter verschlossenen T\u00fcren in Gesellschaft von D\u00e4monen und spricht<\/p>\n<p>\u00dcber den einzigen F\u00fchrer der Religion.<\/p>\n<p>Sei nicht ersch\u00f6pft, kleiner Hassan!<\/p>\n<p>Die Kuh von Hassan ist vor vielen Jahren gestorben.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich die Kuh geworden.<\/p>\n<p>Den Acker werde ich pfl\u00fcgen,<\/p>\n<p>meine Milch wird Joghurt und K\u00e4se geben.<\/p>\n<p>Die M\u00fche verbrennt meine Kr\u00e4fte doch ich werde mich weiter m\u00fchen.<\/p>\n<p>Unter Sanktionen und Raub,<\/p>\n<p>Wird die Kuh lautlos sterben,<\/p>\n<p>mit messerscharfen Hieben<\/p>\n<p>von Hinten und von Vorn.<\/p>\n<p>Ich bin seine Kuh geworden und er ist am sterben.<\/p>\n<p>Wann kann Hassan sein Recht zur\u00fcck bekommen ?<\/p>\n<p>Hassan, du hast doch den Schl\u00fcssel zum Thron.<\/p>\n<p>Du kannst nachdenken.<\/p>\n<p>Du hast Macht und Milde.<\/p>\n<p>Du hebst deine Arme mit gro\u00dfem Gel\u00e4chter, du hast zig tausend Untertanen.<\/p>\n<p>Vater K\u00f6nig ist unermesslich reich, mit seinem Schl\u00fcssel kannst du<\/p>\n<p>alle T\u00fcren \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Deine Toleranz ist heldenhaft.<\/p>\n<p>H\u00f6rst was die Kuh sagt und vergisst doch Alles.<\/p>\n<p>Das reicht f\u00fcr Dich kleiner Hassan \u2026.. .<\/p>\n<p>Das reicht f\u00fcr Dich kleiner Hassan \u2026\u2026 Ach \u2026 es reicht Dir<\/p>\n<p>unendliche Jahre.<\/p>\n<p>Das R\u00e4tsel zwischen Uns und Euch ist l\u00f6sbar.<\/p>\n<p>Aber zwischen Euch und Uns unl\u00f6sbar.<\/p>\n<p>Was soll ich noch sagen, kleiner Hassan, ich bin so m\u00fcde.<\/p>\n<p>Hab mein Kinn auf die Erde gelegt. Du feierst in deiner Freude,<\/p>\n<p>weil die Kuh das schwere Joch<\/p>\n<p>Weiter tr\u00e4gt um deinen Boden zu bestellen.<\/p>\n<p>Tyrannen und Diktatoren sind gegangen, nun bist du an der Reihe.<\/p>\n<p>Der Eine geht, der Andere kommt.<\/p>\n<p>Doch was wird sich f\u00fcr uns \u00e4ndern ?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0Der Geistlichte, der wie ein K\u00f6nig aussiehst<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geistlicher, du hast den Turban wie eine Krone auf deinem<\/p>\n<p>Kopf gebunden.<\/p>\n<p>Gehst Hand in Hand mit K\u00f6nigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns wissende Menschen bist du nicht mehr als eine kleine Figur<\/p>\n<p>Du hast deine magischen Kr\u00e4fte versteckt.<\/p>\n<p>Kr\u00e4fte mit denen du die Menschen manipulierst.<\/p>\n<p>Deine magischen Kr\u00e4fte sind der Umhang, den du tr\u00e4gst.<\/p>\n<p>Das Brot vom Bauern, die Milch f\u00fcr die Kinder, den Trost f\u00fcr die<\/p>\n<p>utter und das von dir krank gewordene Volk hast du fallen lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach vielen Jahren Unterdr\u00fcckung werden die Schreie der<\/p>\n<p>Menschen lauter.<\/p>\n<p>Kein Geistlicher hat die Menschen so betrogen.<\/p>\n<p>Du hast die menschliche Grenze verlassen und die Menschen<\/p>\n<p>seelisch verhungern lassen.<\/p>\n<p>Du hast deine magischen Kr\u00e4fte versteckt.<\/p>\n<p>Das Volk blutet und du lachst und nimmt die trauernde Brust<\/p>\n<p>des Volkes als Zielscheibe.<\/p>\n<p>Und Alles in Gottes Namen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Warten von Hiob machst du l\u00e4nger als Noahs Leben.<\/p>\n<p>Der Vogel ist im K\u00e4fig gestorben und seine Hoffnung ist hinaus geflogen.<\/p>\n<p>Unsere Leben hast du nur mit Trauer und Elend ausgestattet.<\/p>\n<p>Sadi hat \u00fcber Menschenw\u00fcrde gesprochen.<\/p>\n<p>Aber du hast deinen Umhang als Ma\u00dfstab, f\u00fcr uns bestimmt.<\/p>\n<p>Ich bin so m\u00fcde von der Lyrik, von Balladen und Erz\u00e4hlungen.<\/p>\n<p>Wo hast du deine magischen Kr\u00e4fte versteckt ?<\/p>\n<p>Werfe deinen tr\u00fcgerischen Umhang, deine L\u00fcgen und deine Intrigen weg!<\/p>\n<p>Wir sind Menschen! Warum betrachtest du dich als \u00dcbermensch?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Planen wie Hy\u00e4nen<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hy\u00e4nen planen so :<\/p>\n<p>Die Alptr\u00e4ume der letzten Nacht bringen sie zur b\u00f6sen, alten Hexe<\/p>\n<p>Und fragen sie um Rat wie sie sich und die W\u00f6lfe und Geier<\/p>\n<p>bewahren k\u00f6nnen, von Rehen, Pferden, Kamelen und Zebras<\/p>\n<p>vernichtet zu werden.<\/p>\n<p>Sie fragen wie ihr Durst nach Blut nie ges\u00e4ttigt wird.<\/p>\n<p>Und die alte b\u00f6se, bucklige Hexe antwortet: ,,Ihr m\u00fcsst das Fell<\/p>\n<p>eurer Feinde tragen und Euch darin Verstecken und weiter Blut vergie\u00dfen und t\u00f6ten\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der iranische Dichter Aziz Miri hat Asyl in Deutschland beantragt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26665,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,70],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26664"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26664"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26664\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}