{"id":26646,"date":"2014-02-28T10:53:54","date_gmt":"2014-02-28T09:53:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26646"},"modified":"2014-02-21T10:59:24","modified_gmt":"2014-02-21T09:59:24","slug":"revolution-und-frauenbefreiung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/02\/revolution-und-frauenbefreiung\/","title":{"rendered":"Revolution und Frauenbefreiung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/trotzki_frauen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-26647\" alt=\"trotzki_frauen\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/trotzki_frauen-246x347.jpg\" width=\"246\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/trotzki_frauen-246x347.jpg 246w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/trotzki_frauen-122x173.jpg 122w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/trotzki_frauen-600x845.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/trotzki_frauen-900x1268.jpg 900w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/trotzki_frauen.jpg 1759w\" sizes=\"(max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/a>Die Sozialistische Alternative \u2013 SAV gibt Texte von Leo Trotzki zur Situation von Frauen nach der Russischen Revolution neu heraus, die seit vielen Jahrzehnten nicht mehr ver\u00f6ffentlicht worden sind. Wir ver\u00f6ffentlichen auf rosareloaded.de die Einleitung der Brosch\u00fcre. Die Brosch\u00fcre selbst kann <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_806\/Revolution-und-Frauenbefreiung.html\">hier<\/a> bestellt werden.<\/p>\n<h4>Einleitung<\/h4>\n<p>Der franz\u00f6sische Fr\u00fchsozialist Charles Fourier sagte zu Beginn des 19. Jahrhunderts einmal, dass sich der Fortschritt einer Gesellschaft nach der Stellung der Frau in ihr bemessen lie\u00dfe. Welches Zeugnis dies der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft gibt, dar\u00fcber brauchen wir wohl keine weiteren Worte zu verlieren. In Deutschland 2014, also in einem der reichsten L\u00e4nder der Welt, verdienen Frauen durchschnittlich 22 Prozent weniger als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Die Russische Revolution und die sie politisch anf\u00fchrende Partei der Bolschewiki haben dem Kampf um die Befreiung der Frau einen bedeutenden Platz gewidmet. Die Revolution von 1917 hat mit der Beseitigung des Privateigentums an Produktionsmitteln und mit der \u00dcberwindung der religi\u00f6sen Vorurteile Errungenschaften den Weg geebnet, die selbst heute keine Selbstverst\u00e4ndlichkeiten sind.<\/p>\n<p>Frauen hatten in den revolution\u00e4ren Bewegungen, besonders in der sozialistischen Bewegung eine bedeutende Rolle gespielt. Denken wir nur an die K\u00e4mpferinnen der Commune oder daran, dass die Textilarbeiterinnen von Petrograd am 8. M\u00e4rz 1917 dem Sturz des Zaren den Weg bereiteten, woran der Weltfrauentag erinnert.<\/p>\n<p>Die folgenden Texte stellen eine Sammlung von Schriften und Reden Leo Trotzkis zur Frage der Befreiung der Frau und der Rolle der Familie in der nachrevolution\u00e4ren Gesellschaft dar. Manche sind Ausz\u00fcge aus bekannteren Schriften, manche sind eher unbekannt. Sie geben einen Eindruck davon, welche befreienden Ver\u00e4nderungen die Revolution brachte, aber eben auch mit welchen Widerspr\u00fcchen und Hindernissen damals zu k\u00e4mpfen war.<\/p>\n<p>Trotzkis Kritik am Stalinismus, der sich seit Mitte der 1920er Jahre entwickelte und in 19030er Jahren zur Zerst\u00f6rung vieler Errungenschaften f\u00fchrte, schlie\u00dft diese Brosch\u00fcre ab. Im Kapitel \u201eFamilie, Jugend, Kultur. Der Thermidor in der Familie\u201c aus dem Werk \u201eVerratene Revolution\u201c beschreibt Trotzki, welche R\u00fcckschritte der Stalinismus f\u00fcr die Situation von Frauen hatte. Denn die Wiederherstellung von Privilegien und Hierarchien gingen mit der Entdemokratisierung von Gesellschaft und Staat einher. Das schlug sich auch in den Familien- und Geschlechterverh\u00e4ltnissen nieder.<\/p>\n<p>Nach der Oktoberrevolution wurden erste Schritte eingeleitet, die sozialer und politischer Gleichheit den Weg bereiteten: Frauen erhielten das Wahlrecht, Ehescheidungen wurden erleichtert. Zugleich begann die Sowjetmacht erste Schritte dahin, die Hausarbeit und Kindererziehung zu vergesellschaften. Sp\u00e4ter sollte auch die Legalisierung von Abtreibungen und die Entwicklung einer neuen, freieren Sexualmoral das Leben erleichtern.<\/p>\n<p>Die Bolschewiki setzen dabei nicht auf Stellvertreterpolitik. Kommunistische Frauen organisierten sich selbst in den Betrieben und Stadtvierteln, vertraten selbstbewusst ihre Interessen und mussten dabei nicht selten gegen sexistische Verhaltensweisen und Vorurteile ihrer m\u00e4nnlichen Kollegen, Genossen und Partner k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Frauen erk\u00e4mpften sich ihren Platz in der Revolution und im neuen Arbeiterstaat. Die F\u00fchrung um Lenin und Trotzki half ihnen dabei. Jedoch blieb die Bolschewistische Partei von M\u00e4nnern dominiert. Prominente Pers\u00f6nlichkeiten wie die Volkskommissarin Kollontai und Krupskaja waren da leider Ausnahmen. Wenngleich auch inspirierende Ausnahmen.<\/p>\n<p>Die Revolution der ArbeiterInnen und armen B\u00e4uerInnen war von Anfang an gezwungen, sich mit allen Mitteln zu verteidigen. Gest\u00fctzt von der Perspektive, dass die Russische Revolution nur der Auftakt sei zur Weltrevolution, konnte sich die Sowjetmacht behaupten. Gegen einheimische konterrevolution\u00e4re Armeen und Interventionsarmeen aus 14 Staaten war die russische Arbeiterklasse schlie\u00dflich nach fast drei Jahren siegreich. Auch Frauen k\u00e4mpften massenhaft in der Roten Armee oder dienten der Revolution als Partisaninnen und politische Kommissarinnen.<\/p>\n<p>Der Preis des Sieges war jedoch f\u00fcrchterlich: Fabriken und Transportwege waren zerst\u00f6rt, es herrschten Hunger und Seuchen wie Typhus, die fast zehn Millionen Menschen das Leben kosteten. St\u00e4dte wie Moskau und Petrograd verloren zeitweise mehr als die H\u00e4lfte ihrer Bev\u00f6lkerung. Der normale Austausch zwischen Stadt und Land fand nicht mehr statt, sodass die Lebensmittel oft mit Gewalt von den B\u00e4uerInnen eingetrieben werden mussten.<\/p>\n<p>Diese Phase tr\u00e4gt den Namen \u201eKriegskommunismus\u201c und war im Grunde kommen ein Wirtschaften in einer belagerten Festung. Der Privathandel wurde ausgeschaltet, das Geld verlor seine Bedeutung durch staatliche Zuteilung der rationierten G\u00fcter. Aber der Name \u201eKriegskommunismus\u201c war auch eine Art Selbstbetrug. Denn Sozialismus und erst recht Kommunismus (= h\u00f6her entwickelter Sozialismus) kann niemals auf Mangel basieren. Dennoch unternahm die Sowjetregierung getragen vom Enthusiasmus der ArbeiterInnen enorme Schritte, das Land zu ver\u00e4ndern: Millionen AnalphabetInnen lernten Lesen und Schreiben und einfache Menschen \u00fcbten politische Macht aus,, getreu Lenins Motto dass jede K\u00f6chin lernen m\u00fcsse, einen Staat zu f\u00fchren. Marxistische Feministinnen wie Alexandra Kollontai hielten Vortr\u00e4ge vor Arbeiterinnen und B\u00e4uerinnen, wo sie mit ihren Zuh\u00f6rerinnen \u00fcber freie Liebe, Befreiung von der Reduzierung auf Haushalt und Familie und eine neue Sexualmoral diskutierte.<\/p>\n<p>Doch die Kinderkrippen und Kantinen waren auf Grund von Armut und Mangel unzureichend. Seuchen machten sie sogar zu gef\u00e4hrlichen Pl\u00e4tzen. Die materielle Not, die 1917 die Massen zur Revolution trieb, war immer noch da. Die Menschen tummelten sich in Brotschlangen. Die Revolutionen in anderen L\u00e4ndern scheiterten. Russland blieb allein. Die Arbeitermacht konnte sich behaupten, litt aber unter einem Aderlass von Millionen Toten und ebenso vielen zu Waisen gewordenen Kindern, die in Banden hungernd durch das Land streiften und stahlen.<\/p>\n<p>Diese ohne eine Rettung durch Revolution in anderen L\u00e4ndern aussichtslose Lage brachte die Sowjetmacht dazu, wirtschaftspolitisch einen taktischen R\u00fcckzug zu machen. Der Privathandel wurde legalisiert, wobei die gro\u00dfen Betriebe staatlich blieben und die ArbeiterInnen \u00fcber Gewerkschaften und Kommunistische Partei eine gewisse Kontrolle aus\u00fcben konnten. Die Bauern konnten wieder \u00fcber ihre Produkte frei verf\u00fcgen und diese auf den Markt bringen. Diese \u201eNeue \u00d6konomische Politik\u201c (russische Abk\u00fcrzung NEP) war eine zweischneidige Sache. Sie f\u00fchrte zu einer Erholung der Wirtschaft nach sieben Jahren Weltkrieg und B\u00fcrgerkrieg, aber schuf auch neue soziale Ungleichheit. In den L\u00e4den gab es wieder was zu kaufen, aber unrentable Betriebe wurden geschlossen. Es gab wieder Arbeitslosigkeit. Frauen waren besonders stark davon betroffen.<\/p>\n<p>Die NEP-Zeit war widerspr\u00fcchlich. Kulturell war sie eine Zeit des Aufbruchs. Neue, liberale Ehegesetze gaben Frauen eine nie dagewesene Freiheit. \u00dcber die Kommunistische Partei, die Kommunistische Jugend, Frauenverb\u00e4nde und Gewerkschaften drangen Kampagnen gegen h\u00e4usliche Gewalt und f\u00fcr Verh\u00fctung in die abgelegensten und r\u00fcckst\u00e4ndigsten D\u00f6rfer. Aber mit der wachsenden Bedeutung des Geldes und wachsenden Gegens\u00e4tzen zwischen Neureichen und der Masse gab es auch wieder Prostitution.<\/p>\n<p>Zugleich entstand eine neue Schicht von privilegierten B\u00fcrokraten. Diese reichte von Parteifunktion\u00e4ren und hohen Staatsbeamten bis hin zu Industriedirektoren. Diese erlangten materielle Privilegien und sonderten sich von der Masse ab. Nach dem B\u00fcrgerkrieg war die Kommunistische Partei die einzige legale Partei gewesen, da die anderen Parteien die Gegenrevolution unterst\u00fctzt hatten. So str\u00f6mten auch Karrieristen in die KP. Die neue B\u00fcrokratie wurde zunehmend konservativer. In Stalin, dem neuen Generalsekret\u00e4r, fand die B\u00fcrokratie ihren Interessenvertreter. Stalin passte nach Lenins Tod auch die marxistische Theorie den Bed\u00fcrfnissen der B\u00fcrokratie an: So wurde ab 1924 behauptet, dass Sozialismus alleine in einem Land aufgebaut und verwirklicht werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Trotzki war in den fr\u00fchen 1920er Jahren der nach Lenin bedeutendste politische F\u00fchrer in der jungen Sowjetunion und stand bis 1925 noch an der Spitze der Roten Armee. Er nutze die friedlich<\/p>\n<p>Phase nach Ende des B\u00fcrgerkrieges, um sich eingehender mit kulturellen Fragen und Fragen des Alltagslebens zu besch\u00e4ftigen. Seine hier dokumentierten Reden und Artikel von 1923 und 1925 hielt er noch als Vertreter der Regierung. Sie konnten in den offiziellen staatlichen Zeitungen erscheinen und wurden vom Staatsverlag publiziert. Er schrieb \u00fcber alltagskulturelle Fragen und soziale Problemen wie denen des Alkoholismus, \u00fcber Familienverh\u00e4ltnisse, den Einfluss von Religion und Kirche auf den Alltag und Lesegewohnheiten der Arbeiterklasse und \u00e4hnliches. Dabei st\u00fctzten sich seine Beobachtungen auf Umfragen und reichhaltiges Faktenmaterial. Trotzki war sehr interessiert an Psychologie und dem Faktor des Unterbewussten. Er betonte, dass alte Gewohnheiten und Denkweisen weitaus hartn\u00e4ckiger seien als politische und \u00f6konomische Machtverh\u00e4ltnisse. Die Eigentumsverh\u00e4ltnisse und die Macht im Staat habe man im Jahr 1917 binnen Monaten umw\u00e4lzen k\u00f6nnen. Aber der Kampf um ein anderes Zusammenleben bed\u00fcrfe viel l\u00e4ngerer Zeit.<\/p>\n<p>Lenin und Trotzki f\u00fchrten einen erbitterten Kampf gegen die B\u00fcrokratisierung und f\u00fcr die Wiederbelebung der R\u00e4tedemokratie. Nach Lenins Tod wurde Trotzki, der ab 1923 eine oppositionelle Plattform bildete, nach und nach von allen politischen \u00c4mtern verdr\u00e4ngt. 1927 wurde er aus der Partei ausgeschlossen und nach Kasachstan verband. 1929 aus der UdSSR verbannt.<\/p>\n<p>Doch bis zum endg\u00fcltigen Sieg der Stalin-Fraktion gelang es Trotzki, eine starke Opposition zu bilden. Diese Linke Opposition bek\u00e4mpfte die Idee, dass Sozialismus in einem Land alleine m\u00f6glich sei. Sie forderte eine R\u00fcckkehr zur Demokratie in den R\u00e4ten und der Partei, eine raschere Industrialisierung und Wirtschaftsplanung, trat gegen eine Bevorzugung der wohlhabenderen B\u00e4uerInnen auf und forderte ein Ende von Ungleichheit und Privilegien.<\/p>\n<p>Die Linke Opposition hatte kein spezifisches frauenpolitisches Programm. Sie verstand den Kampf um Demokratie und gr\u00f6\u00dfere soziale Gleichheit als Aufgabe f\u00fcr beide Geschlechter.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrokratie um Stalin konnte sich durchsetzen, weil nach vielen Jahren Krieg, B\u00fcrgerkrieg und Hunger die Menschen in der isolierten Sowjetunion m\u00fcde waren. Stalins Propagandamaschinerie konnte Trotzki als ultralinken Fanatiker diskreditieren, der \u00fcberall in der Welt nur Revolutionen anzetteln wolle und die Interessen der Bauernschaft ignoriere.<\/p>\n<p>Gegen Ende der 20er Jahre ging die B\u00fcrokratie um Stalin dazu \u00fcber, die Geschichte der Oktoberrevolution systematisch zu verf\u00e4lschen. Das Andenken an Trotzki sollte vernichtet werden. Er wurde aus Bildern entfernt, seine Schriften wurden verboten und die seine f\u00fchrende Rolle in der Revolution fortan verschwiegen. Zeitgleich entstand ein Kult um Stalin. Die Anh\u00e4ngerInnen der Opposition verschwanden in die Lager und Gef\u00e4ngnisse.<\/p>\n<p>Nach der Zerschlagung der Linken Opposition ging Stalin gegen die vormals mit ihm verb\u00fcndeten Rechten vor. Jetzt \u00fcbernahmen die Stalinisten die Industrialisierungspl\u00e4ne, aber setzte sie mit v\u00f6llig b\u00fcrokratischen Mitteln um. Ein F\u00fcnfjahresplan wurde geschaffen, der am Ende schon in vier Jahren erf\u00fcllt werden sollte. Damit einher ging die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Diese Ma\u00dfnahmen ver\u00e4nderten die soziale Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung radikal. Millionen B\u00e4uerinnen und Bauern wurden \u00fcber Nacht in Genossenschaften gezwungen. Die St\u00e4dte wuchsen und die Industrialisierung schritt voran. Doch dies auf dem R\u00fccken der ArbeiterInnen und verbunden mit staatlicher Repression. Die im Zuge der Revolution abgeschafften Inlandsp\u00e4sse wurden wieder eingef\u00fchrt, was die Freiz\u00fcgigkeit im Land einschr\u00e4nkte. Eine neue Arbeitsgesetzgebung brachte drakonische Strafen f\u00fcr Versp\u00e4tungen. Streiks wurden verboten. In den Betrieben wurden die Arbeitsnormen erh\u00f6ht. Die B\u00fcrokratie initiierte Kampagnen zur \u00dcbererf\u00fcllung des Plans. ArbeiterInnen, die die Normen \u00fcbererf\u00fcllten, bekamen materielle Privilegien. F\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit bedeutete das Mehrbelastung. Vor allem f\u00fcr Frauen, die nun neben der Kindererziehung und Hausarbeit in Fabriken Sto\u00dfarbeit leisten mussten. Die einseitige F\u00f6rderung der Schwerindustrie f\u00fchrte zu Warenknappheit. Soziale Ungleichheit und Privilegien nahmen zu. Stalin wandte sich gegen die Idee der \u201eGleichmacherei\u201c.<\/p>\n<p>In den 30er Jahren lie\u00df Stalin offiziell verk\u00fcnden, dass der Sozialismus in der UdSSR verwirklicht sei. Doch das Lebensniveau f\u00fcr die Mehrheit der ArbeiterInnen und Kolchos-B\u00e4uerInnen war niedrig. Eine ganze Familie teilte sich in vielen St\u00e4dten nur ein kleines Zimmer in einer Gemeinschaftswohnung. F\u00fcr hohe Funktion\u00e4re und ihre Familien gab es Sonderl\u00e4den mit Luxusg\u00fctern. Die Wirtschaft blieb zwar verstaatlicht und der Kapitalismus abgeschafft. Aber das Gef\u00e4lle zwischen den privilegierten Spitzen und der gro\u00dfen Masse nahm zu. Die offizielle Propaganda pflegte F\u00fchrerkult und pries das \u201egl\u00fcckliche Leben der Sowjetmenschen\u201c.<\/p>\n<p>Trotzki musste ab 1929 diese Verh\u00e4ltnisse aus dem Exil analysieren und hielt \u00fcber die Internationale Linke Opposition und sp\u00e4ter die Vierte Internationale die Verbindungen zur weltweiten kommunistischen Opposition gegen den Stalinismus zusammen.<\/p>\n<p>Je mehr der Stalinismus die Demokratie in der Gesellschaft beseitigte, desto mehr ging er dazu \u00fcber, soziale Errungenschaften der Revolution einzuschr\u00e4nken und leitete einen Rollback ein. In der Familienpolitik bedeutete das eine St\u00e4rkung der traditionellen Familienform und eine Betonung der Ehe als einziger akzeptierter Form des Zusammenlebens.<\/p>\n<p>Zwar sollte im Stalinismus durch die v\u00f6llig normale Frauenerwerbst\u00e4tigkeit, die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und das Fehlen des reaktion\u00e4ren Einflusses der Kirche die Stellung der Frau bis zum Untergang 1989 bis 1991 besser bleiben als im Kapitalismus \u2013 doch ein Zur\u00fcck zu den Fortschritten der \u00c4ra Lenins und Trotzkis sollte es nie mehr geben.<\/p>\n<p>Dennoch wussten Frauen die verbliebenen Errungenschaften gegen imperialistische Angriffe zu verteidigen. Im Zweiten Weltkrieg k\u00e4mpften bis zu eine Millionen Frauen in der Roten Armee und halfen damit Europa vom Faschismus zu befreien.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das stalinistische System auf weite Teile Osteuropas ausgedehnt. F\u00fcr Frauen bedeutete das enorme Fortschritte gegen\u00fcber dem was davor war, aber die b\u00fcrokratischen Diktaturen blieben diese weit hinter der sowjetischen Fr\u00fchzeit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auch in der DDR, in der durch fl\u00e4chendeckende Kinderbetreuung und am Ende eine 92prozentige Frauenerwerbsarbeit die Stellung der Frau besser war als in der BRD, hielt im Grunde an einem traditionellen Frauenbild fest. Familie und Ehe waren gesellschaftliche Norm. Abtreibung blieb dort bis 1972 verboten.<\/p>\n<p>Andere L\u00e4nder, die sich \u201esozialistisch\u201c nannten, waren da repressiver. So verbot Rum\u00e4niens Diktator Ceaucescu ab 1966 Abtreibungen und sogar Verh\u00fctungsmittel bei schweren Strafen, um der Nation gen\u00fcgend Kinder f\u00fcr den \u201eAufbau des Sozialismus\u201c bereit zu stellen. Das zeigt, wie frauenfeindlich und reaktion\u00e4r der Stalinismus im schlimmsten Fall sein kann.<\/p>\n<p>Trotzdem war die Wiedereinf\u00fchrung des Kapitalismus 1989-1991 in Osteuropa eine soziale Katastrophe f\u00fcr Frauen, die nunmehr von Massenarbeitslosigkeit und fehlenden Zukunftsperspektiven betroffen sind.<\/p>\n<p>Der Stalinismus ist inzwischen Geschichte und eine neue Generation ist mit der tiefsten Krise des Kapitalismus seit 1929 konfrontiert. Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen. Die authentischen Ideen des Marxismus, vertreten und verteidigt durch Leo Trotzki, sind bei dieser Neuorientierung \u2013 die notwendig eine Analyse der Pervertierung des Sozialismus\/Kommunismus durch den Stalinismus einschlie\u00dft \u2013 besonders wertvoll.<\/p>\n<p>Die Revolution von 1917 hat Gro\u00dfes f\u00fcr die Befreiung der Frau geleistet und Dinge vorweggenommen, die heute noch nicht erreicht sind. Und das unter Bedingungen der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit, der Not, des Hungers und des verallgemeinerten Mangels! Trotzkis Schriften und Reden geben einen guten Eindruck davon.<\/p>\n<p><em>Die Brosch\u00fcre kann <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_806\/Revolution-und-Frauenbefreiung.html\">hier<\/a> bestellt werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die SAV gibt ausgew\u00e4hlte Texte von Leo Trotzki neu heraus.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26647,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,70,95],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26646"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26647"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}