{"id":26631,"date":"2014-02-21T10:00:18","date_gmt":"2014-02-21T09:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26631"},"modified":"2014-02-21T14:04:46","modified_gmt":"2014-02-21T13:04:46","slug":"autonome-nationalisten-entstehung-auftreten-und-gegenstrategien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/02\/autonome-nationalisten-entstehung-auftreten-und-gegenstrategien\/","title":{"rendered":"Autonome Nationalisten: Entstehung, Auftreten und Gegenstrategien"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_26633\" aria-describedby=\"caption-attachment-26633\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-26633\" alt=\"Foto: Antifaschistische Koordination K\u00f6ln &amp; Umland\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten-280x173.png\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten-560x345.png 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten-600x369.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten-900x554.png 900w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/AutonomeNationalisten.png 1285w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26633\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Antifaschistische Koordination K\u00f6ln &amp; Umland<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u201eAnything goes\u201c ?<\/strong><\/p>\n<p><em>von Steve K\u00fchne, Dresden<\/em><\/p>\n<p>Die Kette von rassistischen \u00dcberf\u00e4llen ist lang, die Todeszahlen &#8211; seit 1990 152 \u2013 ist erschreckend. Und leider beinahe \u00fcblich sind die tr\u00e4gen Ermittlungen von Staat und Justiz. Im August 2007 zeigte sich die Dresdner Polizei durch eine f\u00fcr sie qualitativ neue Erscheinung sichtlich \u00fcberfordert. Nachdem ein senegalesischer Student von einer Gruppe angegriffen, rassistisch beschimpft und misshandelt worden war, ermittelte die Polizei gegen Linke! Der einzige Grund hierf\u00fcr: Die T\u00e4ter waren schwarz gekleidet, ihr Auftreten erinnerte die Polizei an linke Autonome. Irgendwann war es selbst den verwirrten BeamtInnen eing\u00e4ngig, dass da irgendetwas wohl nicht stimmen konnte. Irgendwann wurde auch den staatlichen Organen klar, dass rassistische \u00dcberf\u00e4lle auf MigrantInnen so gar nicht zum Repertoire der radikalen Linken passen wollte. Nach dieser Feststellung wurden die Ermittlungen eingestellt!<\/p>\n<p>Im selben Jahr protzten \u201eautonome Nationalisten\u201c in einem Interview mit der NPD-Parteizeitung \u201eDeutsche Stimme\u201c, dass sie sich w\u00e4hrend der Auseinandersetzungen zwischen linken GipfelgegnerInnen und der Polizei unter die Autonomen gemischt h\u00e4tten, um deren militantes Vorgehen gegen staatliche Organe besser kennenzulernen und letzten Endes zu kopieren. Sie zeigten sich beeindruckt vom arbeitsteiligen Vorgehen der Autonomen, davon, dass \u2013 ohne zentral organisiert zu sein \u2013 die einen Steine mit Schraubenziehern aus dem Pflaster l\u00f6sten, andere dieselben zu jenen brachten, die dann die Polizei bewarfen, als diese die G8-Proteste mit roher Gewalt attackierte.<\/p>\n<p>Am ersten Mai 2009 stiegen 400 schwarz angezogener Neonazis auf ihrer Fahrt zu einer Demonstration nach Siegen auf dem Dortmunder Hauptbahnhof um \u2013 so glaubte die Polizei und lie\u00df sie gew\u00e4hren. Stattdessen aber durchbrachen die Nazis alle noch so schwachen Polizeisicherungen und rannten in Richtung Innenstadt, wo sie mit Holzlatten und Pflastersteinen \u00fcber die TeilnehmerInnen einer DGB-Kundgebung herfielen. Die Polizei reagierte viel zu sp\u00e4t und schaffte es erst nach Ende der Attacke etwa 200 autonome Nationalisten einzukesseln.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst nicht nur auf der Linken sorgten die Neonazis mit schwarzen Windbreakern f\u00fcr Kopfsch\u00fctteln. Auch Teile der Rechten waren und sind von dem Konzept nicht \u00fcberzeugt. In Foren und auf Treffen werden die Streitereien um die Sinnhaftigkeit der Kopie linken Lifestyles ausgetragen. In den ersten Jahren nach dem Auftauchen der autonomen Nationalisten waren selbst Pr\u00fcgeleien zwischen eher traditionellen Neonazis und autonomen Nationalisten auf rechten Aufm\u00e4rschen nichts vollkommen Au\u00dfergew\u00f6hnliches.<\/p>\n<p>Es schien auch zu grotesk: Nazis, die D\u00f6ner essen; statt den \u201edeutschen Magen\u201c zu verteidigen, an deren schwarzen Basecaps reihenweise Buttons pranken; die Hip Hop und linken Punk h\u00f6ren; die wie Hardcorefans \u201estraight egde\u201c T-Shirts tragen und diese Kleidungsst\u00fccke dann auch noch so und nicht \u201eT-Hemden\u201c nennen. Ihre Transparente voller poppig wirkender Graffiti, und englischsprachiger Slogans (\u201eFight the system, fuck the law!\u201c), die selbst die Provokation der rechten F\u00fchrungspartei NPD immer wieder aufs Neue zelebrieren (\u201eNPD was ist das schon \u2013 jeder zweite ein Spion!\u201c) Ihre Fahnen schwarz oder rot, ihre Symbole linken Gruppierungen und Strukturen nachempfunden oder glatt weg geklaut, siehe zum Beispiel das Symbol der \u201eAntifaschistischen Aktion\u201c.<\/p>\n<p>Sollen das etwa Kameraden sein? Ja, das sind \u201eKameraden\u201c. Rechte Schl\u00e4ger, gewaltbereite Neonazis aber eben in schwarz. Mit einer Selbstinszenierung mit immer den gleichen Eckpunkten: Schwungvolle Dynamik, Jugendlichkeit, Kraft, Gewaltaffinit\u00e4t, M\u00e4nnlichkeit, Provokation des politischen Gegners und selbst der eigenen Reihen und Abenteuererlebnis.<\/p>\n<p>Vieles \u2013 insbesondere die theoretische Schw\u00e4che \u2013 sind nicht neu, sondern geh\u00f6ren seit jeher zum rechten \u201eRadikalismus\u201c, der anders als Marx f\u00fcr einen linken Radikalismus formulierte, eben nicht bis an die Wurzeln des Systems geht. Anderes ist wenigstens in seinen aktuellen Auspr\u00e4gungen, die wir bei den autonomen Nationalisten finden, neu.<\/p>\n<h4>Entstehung<\/h4>\n<p>Nazis sind nicht cool, w\u00e4ren sie aber gern! Im Grunde liegt in dieser simplen Aussage bereits der \u201etiefere\u201c Grund f\u00fcr das Entstehen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c, die sich alle M\u00fche geben eine \u201eSzene\u201c darzustellen, in der Politik und Freizeit derart verschwimmen, dass man als Au\u00dfenstehender quasi gezwungen ist von Lebenseinstellung, von einem \u201eway of life\u201c zu sprechen. Dass davon schwerlich gesprochen werden kann, zumindest insofern, als die Motive der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c wenig Neues zu bieten haben, sondern entweder neonazistische Kontinuit\u00e4ten darstellen oder aber schlechte Kopien subkultureller Jugendbewegungen sind, wird ebenso zu zeigen sein, wie die Tatsache, dass cool und damit f\u00fcr Jugendliche attraktiv zu sein beileibe nicht der einzige Grund zur Schaffung der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c gewesen ist.<\/p>\n<p>Die Wurzeln der autonomen Nationalisten liegen in einer ver\u00e4nderten Strategie der militanten Rechten. Erste Ans\u00e4tze zu diesem Transformationsprozess fanden sich schon in den 80er Jahren in rechten Kleinzeitungen und Fanzines. Titelbilder der Nazi-Zeitung \u201eNeue Front\u201c zeigten Vermummte, die in Vielem eher an autonome Linke, als an Rechtsradikale erinnerten. \u201eEin Gespenst geht um im Westen und bringt den Staatsschutz um den Verstand \u2013 die autonomen Nationalen Sozialisten\u201c, hie\u00df es dort unter anderem.<\/p>\n<p>Der Startschuss f\u00fcr die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c sollte jedoch viel sp\u00e4ter kommen. Zun\u00e4chst schlug die Stunde von militanten, aber doch noch partei\u00e4hnlichen Strukturen wie der \u201eAktionsfront Nationaler Sozialisten\u201c (ANS) unter Michael K\u00fchnen. Man m\u00fcsse erst bekannt sein, dann k\u00f6nne man beliebt werden, war K\u00fchnens Credo, der dann mit Aktionen wie dem Tragen von Eselk\u00f6pfen und den dazu passenden Transparenten, auf den \u201eich Esel glaube noch, dass in Auschwitz Menschen vergast wurden\u201c, in der \u00d6ffentlichkeit die von ihm erdachte Strategie Tatsache werden lie\u00df.<\/p>\n<p>Immerhin die Kompromisslosigkeit und Militanz seines Vorgehens, der unverhohlene, wiederkehrende Aufruf zur Gewaltanwendung und die st\u00e4ndige Bereitschaft zum Rechtsbruch nahmen das Vorgehen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c in Teilen vorweg. Nur, K\u00fchnens Organisation war auf ihn als f\u00fchrende Person zugeschnitten. Er gab den Ton an. Neben ihm stand niemand, was sich w\u00e4hrend seines Gef\u00e4ngnisaufenthalts r\u00e4chte. Seine Gruppe zerfiel, der Aktivit\u00e4tsgrad sank und viele stiegen aus.<\/p>\n<p>Nach K\u00fchnens Haftentlassung ging er mit seinen engsten Getreuen \u2013 beispielsweise einem gewissen Christian Worch \u2013 an die Reorganisation der ANS, die 1983 jedoch verboten wurde. Nun vollzog K\u00fchnen einen \u2013 gerade im Hinblick auf das Entstehen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c \u2013 interessanten Schwenk. Er organisierte die ANS als lose organisierte, nationale \u201eLesekreise\u201c, die er sp\u00e4ter in der \u201eGesinnungsgemeinschaft der neuen Front\u201c (GdNF) zusammenfasste. Zumindest zeitweise entschied sich K\u00fchnen damit von einer Abkehr des in rechten Kreisen in Organisationsfragen unverzichtbaren F\u00fchrerprinzips. Dass diese Abkehr eher \u00e4u\u00dferlich war und das Ziel hatte sich gegen drohende staatliche Verfolgungsma\u00dfnahmen zu immunisieren hatte K\u00fchnens Vorgehen mit dem der Freien Kameradschaften in den 90er Jahren durchaus gemein.<\/p>\n<p>Die GdNF durchdrang in der Folgezeit zahlreiche rechtsradikale Gruppen und Organisationen und versuchte diese zu kontrollieren. So auch die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP), die mit einer wirklichen Arbeiterpartei bestenfalls den Namen teilte!<\/p>\n<p>Mit dem November 1989 konzentrierte sich die militante Rechte auf den Aufbau von Gruppen in der DDR bzw. ab dem 3.10.1990 in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Gerade K\u00fchnen spielte dabei eine Schl\u00fcsselrolle. Die revolution\u00e4re Erhebung der DDR-B\u00fcrgerInnen gegen das stalinistische Regime m\u00fcndete mangels einer klaren Alternative in die kapitalistische Restauration. Die verursachte Massenverarmung, die \u00f6ffentliche Zurschaustellung von Fl\u00fcchtlingen und MigrantInnen als \u201eProblem\u201c und als Ursache der sozialen Katastrophe in der (ehemaligen) DDR, die S\u00fcndenbock Politik von CDU\/CSU, FDP und SPD lie\u00df den Nazis leichtes Spiel.<\/p>\n<p>Der Zorn der Bev\u00f6lkerung in den neuen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber ihre Situation, von den herrschenden Eliten in Wirtschaft und Politik gezielt auf die Schw\u00e4chsten, die MigrantInnen, gelenkt, wurde zum Aufbauhelfer der militanter Neonazi-Strukturen. Doch mit den rassistischen \u00dcbergriffen und Pogromen (Rostock-Liechtenhagen, Hoyerswerda\u2026) wuchs auch der Widerstand der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit gegen Nazis und ihre Organisationen. Zehntausende gingen in Deutschland und in Europa gegen Rassismus und Neofaschismus auf die Stra\u00dfe. Die von der SAV initierte Kampagne \u201eJugend gegen Rassismus in Europa\u201c (JRE) spielte eine bedeutende Rolle dabei.<\/p>\n<p>Der Staat geriet unter Druck. Selbst die CDU bezeichnete sich- in v\u00f6lliger Verkennung ihrer Rolle als geistiger Brandstifter &#8211; nun \u00f6ffentlich als \u201eantifaschistische\u201c Kraft. Der Staat reagierte, Verbote waren die unmittelbare Folge. Und w\u00e4hrend man so der vom anwachsenden Rassismus angewiderten Bev\u00f6lkerung vorgaugelte, man tue etwas gegen Nazis, nahmen die rassistischen Gesetzesvorlagen im Bundestag kein Ende. Selbst das im Grundgesetz zugesicherte Recht auf politisches Asyl wurde faktisch ausgehebelt. Dennoch, Nazi-Gruppen wurden verboten so die nie formal als Partei anerkannte Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei, die Nationale Front und die Deutsche Alternative.<\/p>\n<p>Der alte Gefolgsmann des zwischenzeitlich verstorbenen Michael K\u00fchnen, Christian Worch, war l\u00e4ngst nicht der Einzige, der eine strategische Neuausrichtung der militanten Rechten forderte. Man m\u00fcsse sich unangreifbar machen f\u00fcr staatliche Repressionsma\u00dfnahmen, so seine in knappen Worten zusammengefasste Einsicht. Bei diesen \u00dcberlegungen schaute er nicht zuf\u00e4llig auf seine Erfahrungen mit der ANS und der GdNF unter K\u00fchnen zur\u00fcck. Ob es nun er oder der Nazi-Kader Thomas Wulff waren \u2013 beide nehmen es f\u00fcr sich in Anspruch \u2013 irgendwer wagte den Blick nach links und siehe da, man fand die Anleihe, die man gesucht hatte. Von den Linken zu lernen erschien also h\u00f6chst sinnvoll\u201c, erinnerte sich Christian Worch Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen aus den alten und verkrusteten Strukturen der Szene eine Art Volksfront (\u00e4hnlich APO: alle machen mit, keiner ist verantwortlich) bilden. Wo keine erkennbaren Organisationen vorhanden ist, kann man diese auch nicht zerschlagen!\u201c Posaunte 1994 die Zeitung der \u201eHilfsorganisation Nationaler Gefangener\u201c (HNG) unter Anspielung auf die linke \u201eau\u00dferparlamentarische Opposition\u201c (APO) der 60er und 70er Jahreheraus. Immer h\u00e4ufiger waren Statements wie dieses in rechten Postillen zu lesen. Der \u201ef\u00fchrerlose Widerstand\u201c, das \u201eOrganisieren ohne Organisation\u201c wurden zu den entscheidenden Parolen.<\/p>\n<p>Ab 1996 wurde dann das Prinzip der \u201eFreien Kameradschaften\u201c offen propagiert. Lose Gruppen, von der Justiz kaum mehr juristisch angreifbar, extrem brutal und aktivistisch vernetzten sich zum \u201enationalen Widerstand\u201c. Mit diesem Wandel ging auch eine weitgehende Ver\u00e4nderung des politischen Vorgehens der Nazis und ihrer Anwerbestrategien einher. Demonstrationen und Kundgebungen wurden h\u00e4ufiger, Feste und Konzerte nahmen zu. Ab sofort sollte es nicht mehr notwendig sein beim Einstieg in rechtsradikale Strukturen Vorwissen mitzubringen.<\/p>\n<p>Der Alt-Nazi-Kader Thomas Wulff hielt das in einem Interview ganz offen fest: \u201eAlso heute kommen die Leute wesentlich unpolitischer rein [\u2026]. Sie haben zwar \u2013 so sage ich mal \u2013 ein gewisses Grundgef\u00fchl, warum sie sich in der Nationalen Opposition bewegen, aber wir hatten schon ein viel gr\u00f6\u00dferes Vorwissen gehabt und bestimmte politische Ansichten.\u201c In der Tat haben sich mit dem Auftauchen der \u201eFreien Kameradschaften\u201c die Einstiegsm\u00f6glichkeiten in rechte Strukturen erheblich pluralisiert. Freizeitgestaltung steht im Vordergrund, Politisierung kommt erst hinterher. Damit erh\u00f6ht sich zwar auch die Fluktuation, doch die Zahl der angesprochenen Interessenten an \u201erechtem Leben\u201c w\u00e4chst ebenso und damit auch die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr militante Nazis Gruppen aufzubauen und quantitativ und qualitativ zu wachsen. Dar\u00fcber wird an sp\u00e4terer Stelle noch genauer zu sprechen sein.<\/p>\n<p>Damit begannen die \u201efreien Kameradschaften\u201c Mitte der 90er Jahre augenblicklich eine Schl\u00fcsselstellung f\u00fcr den Neo-Nazismus einzunehmen. F\u00fcr die NPD brachen neue Zeiten an. Einerseits war sie nicht mehr quasi automatisch die F\u00fchrungsmacht der radikalen Rechten, andererseits standen mit den \u201eFreien Kameradschaften\u201c Kr\u00e4fte an ihrer Seite, die Dinge tun konnten, an die f\u00fcr die NPD nicht zu denken war, wollte sie nicht W\u00e4hlerInnenstimmen und ihren Rechtsstatus als legale Partei aufs Spiel setzen.<\/p>\n<p>Gewaltt\u00e4tige Angriffe auf MigrantInnen, AntifaschistInnen oder \u2013 wie w\u00e4hrend der Montagsdemonstrationen 2004\/05 in Dresden gegen Hartz IV \u2013 auf die OrganisatorInnen sozialer Proteste waren und sind Aufgaben, denen sich die \u201eFreien Kameradschaften\u201c gern stellen. Auf der anderen Seite erwarten sie von der NPD im Gegenzug politische Flankendeckung, finanzielle Mittel (h\u00e4ufig \u00fcber formale Posten als Fraktionsmitarbeiter usw.) und ein radikales Auftreten im politischen Raum. Dass die NPD nach Ansicht der \u201eFreien Kameradschaften\u201c dies nur oft genug vermissen l\u00e4sst, erkl\u00e4rt das zwischen beiden Seiten teils angespannte Verh\u00e4ltnis. Den Spagat zwischen der angepassten \u201eBiedermannpartei\u201c, die auch f\u00fcr Nationalkonservative und vom Sozialabbau der letzten Jahre Betroffene durchaus w\u00e4hlbar erscheinen will und den militanten Schl\u00e4gertrupps kann die NPD immer h\u00e4ufiger nicht leisten. Holger Apfel versucht sich mehr und mehr von den \u201eFreien Kameradschaften\u201c loszul\u00f6sen, was schon deshalb unm\u00f6glich ist, weil sie nach wie vor f\u00fcr die NPD unverzichtbare Wahlhilfe stellen.<\/p>\n<p>Ein Ausdruck dieses wechselvollen Verh\u00e4ltnisses ist, dass die NPD ihr \u201eDrei-S\u00e4ulen-Konzept\u201c einer Modifikation unterzog. Dem \u201eKampf um die K\u00f6pfe\u201c, \u201eum die Stra\u00dfe\u201c und schlie\u00dflich um \u201edie Parlamente\u201c wurde noch die vierte S\u00e4ule, der \u201eKampf um den organisierten Willen\u201c hinzugesellt. Als, der Kampf um die politische Beeinflussung der \u201eFreien Kameradschaften\u201c.<\/p>\n<p>Einer dieser \u201eFreien Kameradschaften\u201c ging um das Jahr 2000 herum sehr eigent\u00fcmliche Wege. Statt sich mit Transparenten, auf denen in altdeutscher Schrift die ewig alten Parolen mal in Wei\u00df und mal in Schwarz wiederholt wurden, besuchten die im Plattenbaubezirk Lichtenberg lebenden sehr jungen Neonazis gern den Bezirk Friedrichshain. Dort gab es Hausbesetzungen, linke Bands en masse und alle nur erdenklichen politischen und kulturellen Projekte. Die Mitglieder dieser \u201eKameradschaft Frankfurter Tor\u201c (kurz: KS Tor) schielten eher nach da, als nach den altbekannten Mustern ihrer politischen Heimat. Irgendwann trugen sie selbst Nieteng\u00fcrtel, Kapuzenpullover, lie\u00dfen sich D\u00f6ner schmecken und h\u00f6rten von Hip Hop bis Hardcore alles, was das alternative Musikgenre so hergab. Als sie sich 2002 mit anderen Berliner Kameradschaften zusammenschlossen, war der neue Name schon ausgemacht \u201eAutonome Nationalisten Berlin\u201c, denn autonom sein und ein alternatives \u201eSzeneleben\u201c das waren in ihrem Weltbild unbedingt untrennbar miteinander verbundene Erscheinungen.<\/p>\n<p>Die \u201eAutonomen Nationalisten Berlin\u201c besetzten symbolisch H\u00e4user und forderten ein nationales Jugendzentrum \u2013 wieder eine schlechte Kopie des linken Vorbilds. Sie attackierte linke Veranstaltungen und arbeiteten schon fr\u00fchzeitig mit Neonazis aus dem Ruhrgebiet zusammen. Dort tauchten vermehrt rechte Spr\u00fchereien auf. Nazis aus dem Pott bastelten Spr\u00fchschablonen und versuchten sich in Streetart.<\/p>\n<p>Am ersten Mai traten sie in Berlin erstmals zusammen auf: Hinter einem Transparent mit der Aufschrift \u201eAutonomen Widerstand organisieren!\u201c reckten Nazis im Rhythmus zum Sprechchor ihre F\u00e4uste. Immer h\u00e4ufiger traf man nun Nazis im Ch\u00e9-Guievara-T-Shirt und Kapuzenpulli. Als 2004 der S\u00e4nger der Nazi-Band \u201eLandser\u201c endlich verurteilt wurde, formierte die Kameradschaft Tor den bundesweit ersten Block auf einer Neonazi-Demo. Am ersten Mai desselben Jahres riefen sie sogar \u00f6ffentlich dazu auf.<\/p>\n<p>Jetzt machte das Beispiel seine Runde wie ein Lauffeuer. Aus 30 \u201eAutonomen Nationalisten\u201c wurden 300, aus Gerangel mit der Polizei wurden Durchbr\u00fcche durch Polizeisperren \u2013 die erdichteten Heldentaten wuchsen schneller als die Reihen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c. Aber immerhin, die KS Tor hatte einen Nerv getroffen. Selbst als sie 2005 verboten wurde, war der von ihr gesetzte Trend nicht mehr zu stoppen.<\/p>\n<p>Mancher Aussteiger schildert, dass diese \u201eneue\u201c oder eher kopierte Art zu leben und \u201epolitisch\u201c aufzutreten nicht nur als Propagandakr\u00fccke gedacht war, sondern, dass der Style den Mitgliedern solcher Kameradschaften einfach Spa\u00df gemacht hat. Einerseits Hitler zu verehren und andererseits Hip Hop zu h\u00f6ren und chinesisches Essen zu kaufen \u2013 Widerspr\u00fcche, die nicht zu kitten sind und dennoch von einer gr\u00f6\u00dfer werdenden Szene gelebt werden. Der \u201eNS black block\u201c schien so manchem jugendlichem Neonazi wie ein Erweckungserlebnis: \u201eAls ich den \u201aschwarzen Block\u201c in Berlin sah, dachte ich nur: Geil, das mache ich auch.\u201c Kein Wunder \u2013 empfinden doch gerade sehr junge Nazis die Auflagen f\u00fcr Verhalten und propagierter Meinung in Nazi-Strukturen als zu streng. Da wirkt die Doppelmoral der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c einfach anziehender. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die gesamte Rechte durch Doppelmoral gekennzeichnet ist, scheint dieser Umstand vielfach kein Hinderungsgrund f\u00fcr Einstieg und Verbleib in den Reihen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c.<\/p>\n<h4>Selektive \u00dcbernahme \u2013 eine alte, rechte Taktik<\/h4>\n<p>Die \u00dcbernahme linker Slogans, von Versatzst\u00fccken aus Programmen, von Mode und Auftreten durch die radikale Rechte ist nicht neu \u2013 ganz im Gegenteil. Die Gr\u00fcndung der NSDAP im Jahre 1919 als \u201eDeutscher Arbeiterpartei\u201c geht im Grunde auf die Initiative der \u201eThule-Gesellschaft\u201c zur\u00fcck. In ihr waren die Spitzen der M\u00fcnchener Gesellschaft organisiert. Diese Unternehmer, Milit\u00e4rs und Spitzenbeamten wollten eine Organisation schaffen, die ArbeiterInnen der organisierten proletarischen Bewegung entrei\u00dfen und einem konservativen, nationalen und vor allem konterrevolution\u00e4ren Projekt zuf\u00fchren sollte. Um dies zu bewerkstelligen sollte die Deutsche Arbeiterpartei selektiv aus der Linken herausl\u00f6sen, was immer diesem Unterfangen dienlich sein konnte: Die rote Fahne, der Begriff Sozialismus, die Selbstbezeichnung Arbeiterpartei.<\/p>\n<p>Die \u00dcbernahme dieser Begriffe und Sinntr\u00e4ger erfolgte unter Abl\u00f6sung von der urspr\u00fcnglichen Bedeutung. Antikapitalismus und Revolution, Sozialismus und Kampf verkamen zu blo\u00dfen Schlagworten, die mit beliebigen und nicht selten wechselnden und in sich widerspr\u00fcchlichen Inhalten gef\u00fcllt wurden. Mit marxistischen Positionen hatte dies nur noch dem Namen nach zu tun. Und genau darin lag auch der Sinn. Indem man versuchte der organisierten Arbeiterbewegung den Monopolanspruch auf sozialistische Ideen streitig zu machen, versuchte man die konterrevolution\u00e4re Rechte wenigstens f\u00fcr das Kleinb\u00fcrgertum interessant zu machen und sei es auch mit lediglich pseudo-sozialistischen Versprechungen.<\/p>\n<p>Das eigentlich Abscheuliche daran war, dass Begriffe wie Sozialismus und Revolution mit ihrem Sinn vollkommen zuwiderlaufenden Theorien gef\u00fcllt wurden, die nicht den Sturz des Kapitalismus, sondern im Gegenteil dessen Stabilisierung zum Ziel hatten: Revolution richtete sich pl\u00f6tzlich nicht mehr gegen die \u00f6konomische und damit auch politische Machtstellung der Gro\u00dfunternehmer, sondern gegen \u201eden Juden\u201c, gegen \u201edie Roten\u201c\u2026 Sozialismus war nicht mehr eine Gesellschaft, ohne Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung, sondern sollte \u2013 so Hitlers Diktion \u2013 die Verantwortung des Einzelnen gegen\u00fcber einer rassistisch definierten Gemeinschaft bezeichnen. \u201eDie Freiheit des Einzelnen, als Voraussetzung der Freiheit aller\u201c, war nie das Ziel der angeblich \u201esozialistischen Revolution\u201c von rechts, die doch nur eine pro-kapitalistische Konterrevolution war.<\/p>\n<p>Erreichte die selektive \u00dcbernahme linker Politik- und Lebensformen durch die radikale Rechte in den 20er und 30er Jahren auch groteske Ausw\u00fcchse, auch danach blieben sich die Nazis in diesem Vorgehen treu. Nicht zuletzt deshalb, weil es sich beim Aufbau einer Massenbewegung ab Ende der 20er Jahre als \u00e4u\u00dferst n\u00fctzlich erwiesen hatte.<\/p>\n<p>In den 80er Jahren begannen sich britische Nazis gezielt wie Skinheads zu kleiden, sie schoren sich die Haare kurz und trugen Springerstiefel. Rechte Bands kopierten den Oi!-Punk von Skinheadbands. Die Unterwanderung war so perfekt, dass sie nicht nur im Geburtsland der Skinheads, in England, praktiziert wurde, sondern auch in Deutschland, in Frankreich und nahezu allen anderen westeurop\u00e4ischen Staaten. Bald galten die Worte Neonazi und Skinhead als synonym \u2013 auch ganz unabh\u00e4ngig von der Haarl\u00e4nge!<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde aus denen heraus Nazis begannen den Stil der Skinheads zu kopieren, erinnern in vielerlei Hinsicht an die Gr\u00fcnde, die sie aktuell dazu bewegen den Stil der Autonomen nachzu\u00e4ffen. Skinheads hielten Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Stolz hoch. Und so gerieten sie schnell ins Visier rechter Gruppierungen. Dass zur Kameradschaft der Skinheads auch die Kameradschaft mit schwarzen \u201eRude Boys\u201c geh\u00f6rte; dass Skinheads vor allem stolz auf ihre Klasse waren (und sind) und eben nicht auf ihre Nationalit\u00e4t; dass sie mit Spr\u00fcchen wie \u201efight for your class, not for your country\u201c ihren politischen Standpunkt sehr deutlich erkl\u00e4rten; dass sie sich vielfach als unpolitisch, nicht selten aber als links verstanden (eine in den 90er Jahren von Klaus Farin in Skinheadkreisen durchgef\u00fchrte Befragung ergab, dass die mit weitem Abstand am h\u00e4ufigsten von Skins gew\u00e4hlte Partei die damalige PDS war); dass ihr Zusammenhalt sehr viel eher als proletarische Solidarit\u00e4t, als als ausgrenzende rassistische Gruppenbildung interpretiert werden musste \u2013 dass alles spielte f\u00fcr Nazis keine Rolle. Der Stil gefiel Jugendlichen, er zog sie an, also begannen Nazis als Skins aufzutreten.<\/p>\n<p>Gewiss die Szene wehrte sich. Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen linken, unpolitischen, antifaschistischen Skins auf der einen und der schlechten Nazi-Kopie derselben auf der anderen Seite h\u00e4uften sich. Bands wie \u201eThe Oppressed\u201c verbreiteten in Europa die aus den USA kommende Idee von SHARP (Skinheads against racial prejudice), die dem Trotzkismus nahe stehende Band Angelic Upstarts pr\u00fcgelte sich mit rechten Skins\u2026 Es half nichts! Die Medien griffen das Bild der gewaltt\u00e4tigen, betrunkenen Glatze begierig auf. Waren diese \u201eNazis\u201c f\u00fcr den Rassismus verantwortlich und nicht die Biederm\u00e4nner in den F\u00fchrungsriegen konservativer Parteien, dann konnte man sich getrost im Glauben an (b\u00fcrgerliche) Demokratie und Marktwirtschaft schlafen legen, denn der Feind war klar ausgemacht.<\/p>\n<p>Bis heute ist es Nazis nie wieder gelungen eine Subkultur im \u00f6ffentlichen Bewusstsein derart umzudeuten.<\/p>\n<p>Die Liste der selektiven \u00dcbernahme linker Politik und Kultur durch Nazis ist mit den Skinheads beileibe nicht zu Ende! In der Ostberliner Weitlingstra\u00dfe besetzten militante Nazis 1990 ein leer stehendes Haus. Damit griffen sie sehr bewusst linke Praxis im Kampf gegen Mietwucher und f\u00fcr alternative Freir\u00e4ume auf. Und auch hier wieder diese bezeichnende Selektivit\u00e4t! Unter der F\u00fchrung von Neonazis wie Oliver Schweigert, dem wenig sp\u00e4ter an AIDS verstorbenen Michael K\u00fchnen und dem sp\u00e4ter ausgestiegenen Ingo Hasselbach entwickelte sich aus der Weitlingstra\u00dfe nicht etwa \u2013 wie bei linken Hausprojekten \u00fcblich \u2013 ein politisches und kulturelles Zentrum, sondern ein St\u00fctzpunkt im Kampf um die Hegemonie in einem ganzen Stadtteil.<\/p>\n<p>Von Polizei und staatlichen Beh\u00f6rden gegen Angriffsversuche der Antifa gesch\u00fctzt, mauserte sich die Weitlingstra\u00dfe zum Treffpunkt gewaltbereiter Neonazis, wurde das Haus Ausgangspunkt von \u00dcberf\u00e4llen auf Linke und MigrantInnen, wurde es zum Waffenlager und zur Pressestelle der Nationalen Alternative, bis Peter-Michael Diestel, der letzte Innenminister der DDR, das Haus \u2013 nach erheblichem \u00f6ffentlichem Druck \u2013 doch noch st\u00fcrmen lie\u00df.<\/p>\n<p>In der Lausitz verteilten Neonazis in den 90er Jahren Buttons und Aufkleber mit Bildern von Rosa Luxemburg mit ihrem Zitat \u201eFreiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.\u201c<\/p>\n<p>Der Versuch den Stil der Autonomen zu kopieren ist also an sich nicht neu. Nazis haben immer wieder zu solchen Mitteln gegriffen. Die Frage ist, wie in Zukunft mit derartigen rechten Vorst\u00f6\u00dfen umgegangen werden wird. Dass es Nazis gelingen k\u00f6nnte den autonomen Lifestyle und Politikbegriff derart zu besetzen, dass Autonome \u2013 \u00e4hnlich wie Skinheads \u2013 per se als rechtsradikal gelten, muss als unwahrscheinlich angesehen werden. Doch wie verh\u00e4lt es sich beispielweise bei der Hardcore-Szene? Hier versuchen Nazis schon seit Jahren Fu\u00df zu fassen. Autonome Nationalisten m\u00f6gen diesen Musikstil. Zahlreiche rechte Bands geben sich alle M\u00fche h\u00f6rbaren rechten Hardcore (NSHC, Hatecore) zu produzieren. Dass sie dabei nicht selten musikalischen Schiffbruch erleiden h\u00e4lt sie nicht davon ab es weiter zu versuchen und gezielt das Lebensgef\u00fchl der Hardcoreszene zu usurpieren.<\/p>\n<p>Die Gegenbewegung der Subkultur (\u201egood night white pride\u201c)sind zwar weithin h\u00f6rbar, das waren sie bei den Skinheads seinerzeit aber auch (SHARP, RASH,\u2026). Allerdings eigneten sich die Skinheads um einiges mehr als mediales rechtes Schreckgespenst allein schon wegen ihres Aussehens als Mitglieder der Hardcoreszene.<\/p>\n<p>Inwieweit es Nazis in Zukunft gelingt sich unwidersprochen subkulturell zu pr\u00e4sentieren bzw. Subkulturen zu unterwandern h\u00e4ngt auch und nicht zuletzt von der Aufkl\u00e4rung durch und innerhalb der organisierten Linken ab. Auch bez\u00fcglich dessen m\u00fcssen wir kritisch Bilanz ziehen. Nicht nur in den b\u00fcrgerlichen Medien werden Nazis bis heute in Bildern als Skinheads dargestellt, ganz unabh\u00e4ngig davon, dass kahlgeschorene Nazis bei rechten Aufm\u00e4rschen kaum noch eine Rolle spielen. Auch in linken Gruppen und Strukturen kommt es vor, dass noch immer von den \u201eStiefelnazis\u201c gesprochen wird, wenn man \u00fcber militante Rechte redet. Das ist schon deshalb falsch, weil die Hauptwaffen der Nazis \u2013 eben gerade auch der autonomen Nationalisten &#8211; beim \u00dcberfall auf GegnerInnen, Linke, Antifas und MigrantInnen inzwischen eher quarzsandgef\u00fcllte Handschuhe, Teleskopschlagst\u00f6cke und Schlagringe sind.<\/p>\n<h4>\u201eAnything goes\u201c &#8211; Musik, Style, \u201eLebensgef\u00fchl\u201c<\/h4>\n<p>Die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c sind ein \u201eDurchlauferhitzer\u201c: Viele gehen rein, viele kommen raus, verschwinden entweder ganz aus der radikalen Rechten oder gehen in andere Gruppen. Man darf jedoch dabei zwei Dinge nicht vergessen: Zum Einen sind sie durchaus ein Grund zum l\u00e4ngeren Verweilen in neonazistischen Kreisen. Aussteiger geben an, dass sie schon fast soweit waren rechte Cliquen zu verlassen, nicht zuletzt deshalb, weil so viel verboten und untersagt war, was Jugendliche gern tun. Vom Essen bis zur Musik, Vorschriften waren \u00fcberall. Hinzu kommt die Doppelmoral der ganzen Szene. Gerade regionale F\u00fchrer fordern die Einhaltung dieser Regeln ein, verletzen sie aber andauern selbst.<\/p>\n<p>Die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c geben ihren Mitgliedern die M\u00f6glichkeit rechtes Gedankengut mit einem bunten Leben zu verbinden. Man h\u00f6rt Hip Hop und Hardcore, tr\u00e4gt Klamotten, die gerade angesagt sind, am Abend raucht man schon mal Haschisch. Das tun zwar verdammt viele Nazis, aber die \u201eAutonomen Nationalisten geben das mehr oder weniger offen zu und lassen es in ihren Reihen auch geschehen. \u201eAnything goes\u201c lautet das Motto. Eben das macht sie f\u00fcr frustrierte und ausstiegswillige Nazis eben wieder attraktiv.<\/p>\n<p>Gleichzeitig produziert es derart viele Widerspr\u00fcche, dass auch Zweifel entstehen m\u00fcssen. Die bei \u201eAutonomen Nationalisten\u201c angesagte Hardcore- bzw. NS-Hatecoreband \u201eEternal Bleeding\u201c gab in einem Interview zu verstehen, dass gerade das zu begr\u00fc\u00dfen sei. Die Szene w\u00fcrde sich wandeln, \u00f6ffnen, man brauche keinen F\u00fchrer mehr und die \u00c4chtung sogenannter \u201eentarteter Kunst\u201c k\u00f6nne man mit ihnen nicht machen! Das \u201eDritte Reich\u201c sei wohl eher nationaler Kapitalismus, als nationaler Sozialismus.<\/p>\n<p>Die erstaunlich offenen Nazis, die auch gern zum \u201eChina-Mann\u201c essen gehen, pr\u00e4sentieren sich gern als die neuen Neonazis, die h\u00f6chstens ungern mit traditionellen Neonazis zusammen auf der Stra\u00dfe agieren wollen. Wo sie politisch einzuordnen sind, wenn nicht gerade eine Kamera ihre Aussagen festh\u00e4lt, zeigt der Umstand, dass sie in Zwickau mit einem gewissen Daniel P. zusammenlebten, dem Kontakte zur rechten Terrorgruppe \u201eNational-\u201asozialistischer\u2018 Untergrund\u201c (NSU) nachgesagt werden.<\/p>\n<p>Dass gerade solche Bands versuchen sich an den Hardcore zu h\u00e4ngen macht die Subkultur zusehends w\u00fctend. Doch offenbaren die meisten Hatecorebands nicht nur einen Mangel an musikalischem K\u00f6nnen (damit waren die Fans von Nazi-Bands meistens gestraft), sondern scheinen noch dazu aus der Retorte zu stammen. Als in den 80er und 90er Jahren die Skinheads vor der Herausforderung standen, dass Nazis sich ihren Stil zeigen machen wollten, tauchten auf einmal eilig zusammengeschusterte \u201eOi!-Bands\u201c auf, die den Namen nicht verdienten. So ist es inzwischen beim NSHC. In Rostock misshandelte bald schon die Gruppe \u201ePath of Resistance\u201c ihre Instrumente, die aus zwei ebenso schlechten \u201eOi!-Bands\u201c geklont wurde.<\/p>\n<p>Auch wenn der Versuch den Hardcore zu usurpieren politisch und sozusagen philosophisch nicht gerechtfertigt ist, bot die Szene dennoch Ankn\u00fcpfungspunkte. Bei den Autonomen ist es die nach au\u00dfen gekehrte Darstellung von Unberechenbarkeit, Entschlossenheit, St\u00e4rke und die damit automatisch einhergehende Kultivierung von M\u00e4nnlichkeit, womit ein ungewolltes und doch un\u00fcbersehbares Abgleiten in sexistische Rollenklischees einhergeht. Genau darauf k\u00f6nnen sich Nazis bei ihren selektiven \u00dcbernahmen berufen \u2013 sie picken sich einfach das heraus, was zu ihnen zu passen scheint.<\/p>\n<p>Eines zeigt dieses Beispiel allemal: Antifaschistische, antisexistische und antirassistische Grunds\u00e4tze, offenes Auftreten gegen Homophobie und Antisemitismus m\u00fcssen daher Grundbestandteile jeder Jugendsubkultur sein und wo sie es nicht sind, da m\u00fcssen sie es werden. Denn dort, wo das nicht, oder in nicht ausreichendem Ma\u00dfe der Fall ist, versuchen Nazis anzudocken. Die Aufgabe von MarxistInnen in solchen Szenen muss eben auch der Kampf um eine solche Ausrichtung sein, was eine Herausforderung an sich darstellt.<\/p>\n<p>Wie bedeutend dieser Punkt ist, zeigt auch das Beispiel Hip Hop. Die Musikrichtung, die in sich zahlreiche Stilelemente von Reggae \u00fcber Jazz bis zu Soul vereint hat ihre Wurzel unter anderem bei afro-amerikanischen Musikern. Erst beginnend mit den 90er Jahren, als diese Musik mehr und mehr von der Protestkultur zum Konsum verkam und mit Goldketten beh\u00e4ngte Machos nackte Frauen neben sich tanzen lie\u00dfen, konnte sexistische Labels Fu\u00df fassen. Und nun wurde die Musik, die sich lange Zeit den Angriffen der radikalen Rechten ausgesetzt sah, f\u00fcr Nazis interessant.<\/p>\n<p>Jugendliche f\u00fchlen sich von Hip Hop angesprochen, was ihn f\u00fcr die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c auf ihrer Suche nach Anh\u00e4ngern interessant werden lie\u00df. Also versuchten Rechtsrockbands in Nebenprojekten rechten Hip Hop zu produzieren. Das klappte selbstverst\u00e4ndlich hinten und vorne nicht. Erst in den letzten Jahren hat die Szene mit \u201eMakss Damage\u201c Zulauf bekommen, einem Musiker, der nach einem kurzen Stelldichein in der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) zu den Ultra-Stalinisten der Kommunistischen Initiative wechselte und dann zu den Nazis ging. Auf Konzerte in linken Clubs wurde er st\u00e4ndig wegen seiner sexistischen und machohaften Texten kritisiert, bekam keine Einladungen mehr und stellte fest, dass die rechte Seite des politischen Spektrums doch besser zu ihm passt. \u201eAutonome Nationalisten\u201c spielen seine Musik inzwischen sehr gern. Mit seinen Tracks unterlegen sie auch gern im Internet kursierende Videos ihrer Aktionen.<\/p>\n<p>Auch die in antideutschen Kreisen beliebte Band \u201eEgotronic\u201c wird von den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c gern geh\u00f6rt. Ber\u00fchrungs\u00e4ngste haben \u201eAutonome Nationalisten\u201c da nicht. Das von den Antideutschen gern geh\u00f6rte Lied \u201eRaven gegen Deutschland\u201c wird rasch umgedeutet, man k\u00f6nne es ja auch als Statement gegen den dummen Deutschen, der sich noch immer gegen die \u201eL\u00f6sungen\u201c der nationalen Bewegung stelle interpretieren. Und ja, der fehlende Klassenbezug der gesamten antideutschen Bewegung, ihr vereinfachtes Gut-B\u00f6se-Schema (Israel gut, Pal\u00e4stina b\u00f6se) bietet Nazis Ankn\u00fcpfungspunkte, die die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c gern f\u00fcr sich nutzen. Kann ein solches Politikverst\u00e4ndnis doch h\u00f6llisch leicht rassistisch ausgelegt werden.<\/p>\n<p>All das bietet ihnen bei der Rekrutierung unverzichtbare Vorteile! Man kann bei ihnen h\u00f6ren, anziehen und essen was man will und wird nicht eigenartig angeschaut. Die dabei entsehenden Widerspr\u00fcche machen ein Abwandern in andere Teile des neonazistischen Lagers nach einiger Zeit sehr wahrscheinlich. Aber wo gehen die Aussteiger hin? Steigen sie vielleicht nur um? In Parteien oder festere Strukturen? Oder steigen sie tats\u00e4chlich aus? Beide Wege sind absolut m\u00f6glich. Fakt ist, mit ihrem nach au\u00dfen getragenen \u201eanything goes\u201c machen die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c neonazistisches Gedankengut f\u00fcr einen weitaus gr\u00f6\u00dferen Kreis von Jugendlichen interessant, indem sie gezielt Ankn\u00fcpfungspunkte zu Subkulturen suchen.<\/p>\n<h4>Ideologie?<\/h4>\n<p>Dass eine Ideologie, wie die der Nazis, die statt auf rationale \u00dcberzeugung, konsequent auf emotionale Gewissheiten setzt, nicht gerade inhaltsschwanger daherkommt, verwundert nicht gerade. Dennoch besticht die scheinbar sehr geringe Bereitschaft sich mit politischen Positionen auseinanderzusetzen. Schlagworte ersetzen Thesenpapiere, laut gerufene Sprechch\u00f6re \u00fcbert\u00f6nen jeden Versuch der Argumentation. Style ist alles, Argumentationsketten nichts! Doch dieses Urteil wird der gesamten Szene der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c nicht gerecht. Gerade in Nordrhein-Westfalen und besonders in Dortmund sind Debatten um Inhalte und Strategie und Taktik Teil des Selbstverst\u00e4ndnisses der dort ans\u00e4ssigen ANs. Wir werden darauf noch n\u00e4her eingehen.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen Bundesgebiet zeichnen sich die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c hingegen durch ein scheinbar weitaus geringeres Interesse an ideologischen Diskussionen und Kontroversen aus.<\/p>\n<p>In Bezug auf Positionierungen zu aktuellen-politischen oder grunds\u00e4tzlichen-weltanschaulichen Fragen stellen die Verlautbarungen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c mit Sicherheit einen Negativrekord im National-\u201eSozialismus\u201c dar. W\u00e4hrend sich Nazis historisch immer wieder darum bem\u00fchten ihre Weltanschauung irgendwie theoretisch zu begr\u00fcnden und zauberhaft-einf\u00e4ltige B\u00fccher wie den \u201eMythus des 21.Jahrhunderts\u201c produzierten, haben die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c, was diese Frage angeht, scheinbar kapituliert. Hinter der platten Aussage \u201eanything goes\u201c verbirgt sich die schlichte Einsicht, dass die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c von theoretischen Debatten rein gar nichts halten, was es den AN\u2019s in Nordrhein-Westfalen erleichtert bundesweit nach wie vor gerade in inhaltlichen Fragen ihren F\u00fchrungsanspruch zu untermauern.<\/p>\n<p>\u201eDer Autonome Nationalismus bezeichnet eine Agitationsform, welche sich die letzten Jahre innerhalb der nationalen Bewegung entwickelt hat. Eine eigene Weltanschauung o.\u00c4. ist mit AN nicht gemeint\u201c, geben die \u201eAutonomen Nationalisten Weimar\u201c auf ihrer Homepage unumwunden zu. Und da sie keine \u201eeigene Weltanschauung\u201c haben, brauchen sie auch keine Positionen zu beziehen! Au\u00dfer Terminen erf\u00e4hrt man auf der Seite nicht viel. Der Link \u201eMaterial\u201c f\u00fchrt zu einem rechten Versand, politische Debatten oder Statements irgendeiner Art sucht man vergebens. Daf\u00fcr wird einem versichert: \u201eDer Grundgedanke [der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c \u2013 der Verf.] ist eine Art \u201aDo it yourself\u2018-Aktivist, also jemand, welcher aktiv und vor allem kreativ politische Arbeit betreibt, ohne sich an feste Organisationen binden zu m\u00fcssen. Dies hat zum einen den Vorteil, dass Strukturen, die offiziell \u00fcberhaupt nicht existieren, nicht verfolgt oder gar verboten werden k\u00f6nnen, und zum anderen gibt es dem Aktivisten mehr Freiheit und darauf aufbauend die M\u00f6glichkeit, seine eigene Kreativit\u00e4t in seine Aktivit\u00e4ten einflie\u00dfen zu lassen.\u201c<\/p>\n<p>Wie weit es mit der Kreativit\u00e4t her ist offenbart gleich die Startseite, der vermummte Aktivist, der dort mit einer Steinschleuder in der Hand gezeigt wird, ist glatt weg von den Autonomen (den echten) geklaut!<\/p>\n<p>Zum Thema Autonomie liefern die \u201eAutonomen Nationalisten Wetzlar\u201c genau denselben Text wie ihre schwarz gekleideten Kameraden aus Weimar. Aber immerhin geben sie unter \u201e\u00dcber uns\u201c wenigstens ein paar ihrer Ziele bekannt. In 11 Punkten \u2013 selbst die NSDAP brauchte damals 25 \u2013 erkl\u00e4ren sie ihr Weltbild, das im Grunde auf plumpen, naiven Rassismus hinausl\u00e4uft! So sind sie f\u00fcr einen \u201esofortigen Einwanderungsstopp\u201c und gleichzeitig eine strengere Pr\u00fcfung von Asylantr\u00e4gen. Dass es ein Widerspruch in sich ist, niemanden mehr ins Land zu lassen und trotzdem Asylantr\u00e4ge strenger zu pr\u00fcfen, sollte den \u201eAutonomen Nationalisten Wetzlar\u201c vielleicht mal irgendwer erkl\u00e4ren! Sie wollen \u2013 so einer ihrer Punkte \u2013 einen \u201enationalen Sozialismus durchsetzen\u201c. Was das aber bitte sein soll behalten sie f\u00fcr sich! Sollen Produktionsmittel verstaatlicht werden? Wer soll diese nach der Verstaatlichung verwalten? Wie und durch wen werden gesellschaftliche Reicht\u00fcmer zu welchen Zwecken verteilt? Nun, \u201eanything goes\u201c! Au\u00dferdem wollen sie die \u201ekapitalistische Wirtschaftsreform (!) abschaffen\u201c. Ohne ein \u201eWie\u201c und ein \u201eWas-daf\u00fcr-dann-kommen-soll\u201c ist das reichlich wenig und bewegt sich auf der Ebene schlichter Plattit\u00fcden.<\/p>\n<p>Die \u201eAutonomen Nationalisten Dresden\u201c \u2013 als deren Seite noch online war \u2013 bedankten sich daf\u00fcr, dass sie die S\u00e4tze zu \u201eihrem\u201c Selbstverst\u00e4ndnis von einer Seite von \u201eAutonomen Nationalisten\u201c aus dem Ruhrgebiet hatten \u00fcbernehmen d\u00fcrfen. Die \u00c4hnlichkeiten in den Selbstdarstellungen und den Definitionen von Worten wie \u201eautonom\u201c und \u201eAutonomie\u201c sind augenscheinlich und stehen im krassen Widerspruch zum linken Original. Die Autonomen f\u00fchren untereinander teils erm\u00fcdende und langwierige inhaltliche Debatten, deren Ergebnis nicht selten Spaltungen und das Entstehen neuer Gruppen sind. In fast allen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten gibt es gleich mehrere Gruppen linker Autonomer, die sich an Fragen wie dem Umgang mit dem Staate Israel mehr oder weniger stark voneinander abgrenzen.<\/p>\n<p>Bei den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c sieht das anders aus: Eine Stadt \u2013 eine Gruppe. Und deckungsgleiche Aussagen zwischen denselben. Wie wenig die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c \u201eautonom\u201c sind, ist auch daran sehr gut zu erkennen.<\/p>\n<p>Was genau die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c oder wenigstens einige Gruppen von ihnen wollen, offenbaren sie uns nicht! Allenfalls werden Begriffe wiederkehrend gebraucht, die an Gef\u00fchle appellieren sollen: Vom \u201eKapitalismus\u201c als Feindbild ist ebenso die Rede wie vom \u201enationalen Sozialismus\u201c als erstrebenswertem Ziel. Von \u201eKampf\u201c und \u201eFreiheit\u201c wird gesprochen. Und w\u00e4hrend man als Besucher ihrer Seiten sich schon sehr genau ausmalen kann, was \u201eAutonome Nationalisten\u201c als \u201eKampf\u201c verstehen, bleibt selbst der Begriff \u201eFreiheit\u201c \u00fcberraschend unausgef\u00fcllt. So mancher R\u00fcckgriff nach links ist scheinbar nicht zuletzt in dem totalen Fehlen eigener Politikvorstellungen zu suchen.<\/p>\n<p>Eine politisch-theoretische Auseinandersetzung mit den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c f\u00e4llt also schon deshalb sehr schwer, weil man sich mit ihnen, ob ihrer \u00fcberraschend unpolitischen Haltung, kaum auf dieser Ebene auseinandersetzen kann.<\/p>\n<p>Allerdings muss man an dieser Stelle Abstriche machen. Sowohl ihr zur Schau gestellter Habitus, als auch ihre Parolen sind sehr wohl analysier- und pr\u00fcfbar. Allerdings kann man keinerlei \u201eprogrammatische\u201c Ausrichtung erkennen. \u201eSo wird bei den AN jenseits des neonazistischen Konsensus die kollektive Aktion zum Inhalt, zu Propaganda der Tat. Die Theorie der Propaganda der Tat setzt in anarchistischer Tradition darauf, dass sich Ziele und Inhalte einer politischen Aktion unmittelbar \u00fcber Tat selbst vermitteln und keiner weiteren politischen Erkl\u00e4rung bed\u00fcrfen\u201c, h\u00e4lt David Begrich in seinem Beitrag \u201eKopie oder Entwendung\u201c f\u00fcr den sehr empfehlenswerten kleinen Sammelband \u201eAutonome Nationalisten\u201c des \u201eUnrast-Verlags\u201c fest. Und zitiert dann weiter Benito Mussolini, den italienischen Faschistenf\u00fchrer der 20er, 30er und fr\u00fchen 40er Jahre, mit dem bezeichnenden Satz: \u201eWir Faschisten haben keine vorgefasste Doktrin, unsere Doktrin ist die Tat.\u201c Womit Mussolini zweifelsfrei nicht nur den Charakter der Faschisten erkl\u00e4rte, sondern auch den der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c einige Jahrzehnte sp\u00e4ter vorwegnahm.<\/p>\n<p>Somit bleibt das \u201eAnalysieren\u201c von Schlagworten und Slogans als eine der wenigen M\u00f6glichkeiten zur inhaltlichen Betrachtung der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c. Und dort besticht, dass sie im Grunde wie ein Schwamm alles in sich aufsaugen, was sie f\u00fcr verwendbar halten. Sie erkl\u00e4ren \u201erevolution\u00e4r\u201c zu sein. Doch davon ausgehend, dass \u201erevolution\u00e4r\u201c sein hei\u00dft, die Eigentumsformen der kapitalistischen Gesellschaft in Frage zu stellen, kann diese Selbstzuschreibung kaum ernst genommen werden. Denn Forderungen nach umfangreichen Verstaatlichungen \u2013 und seien es nur Verstaatlichungen in Teilbereichen der kapitalistischen Wirtschaft \u2013 sucht man bei den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c erwartungsgem\u00e4\u00df umsonst. Hier verhalten sie sich nicht anders als die von ihnen h\u00e4ufig kritisierten \u201ekonservativen\u201c, \u201ereaktion\u00e4ren\u201c Neonazis.<\/p>\n<p>Sie nehmen f\u00fcr sich in Anspruch \u201esozialistisch\u201c zu sein. Was wohl kaum als Bekenntnis zu einem anderen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem gesehen werden darf. Wohl eher geht es um ein rein moralisches Konstrukt, um eine reine Wertegemeinschaft so nach dem Motto: Bei uns sind alle nett zueinander und jeder ist f\u00fcr den anderen verantwortlich. Dass das f\u00fcr den Entwurf einer gesellschaftlichen Alternative bedeutend zu wenig ist, beweist allein schon die Tatsache, dass au\u00dferhalb von Kleingruppen, die diese Regelungen f\u00fcr sich als bindend entdeckt haben, das Profitstreben und die herausgehobene gesellschaftliche Stellung einiger weniger Gro\u00dfunternehmer nicht nur unser aller Gleichberechtigung verhindert, sondern zudem gemessen am Umgang mit Mensch und Natur \u00e4u\u00dferst verantwortungslos ist.<\/p>\n<p>Wie wenig die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c eine Wertegemeinschaft sind, beweisen die Darstellung der wenigen sich \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dfernden Aussteiger aus den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c. Von sehr hierachisierten Gruppenstrukturen ist da ebenso die Rede wie von Druck auf Leute, die Zweifel an Vorgehen und \u201ePolitik\u201c der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c entwickelt haben. Gerade Frauen wird h\u00e4ufig unmissverst\u00e4ndlich gesagt wo ihr Platz ist, bei welchen Aktionen sie dabei sein d\u00fcrfen und bei welchen nicht und sogar, wann sie dann endlich mal Kinder zu kriegen haben.<\/p>\n<p>Hingegen kann die Festlegung der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c auf nationales Denken und Handeln durchaus ernst genommen werden.<\/p>\n<p>Interessant ist zudem, dass die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c sich selbst als \u201enationalrevolution\u00e4r\u201c beschreiben und nicht f\u00fcr National-\u201eSozialismus\u201c, sondern f\u00fcr nationalen \u201eSozialismus\u201c auf die Stra\u00dfe gehen. Was zun\u00e4chst wie eine \u00dcbernahme nationalrevolution\u00e4rer oder nationalbolschewistischer Positionen aus den 20er und 30er Jahren wirkt, hat einen ganz anderen Hintergrund. Damals versuchten Leute wie Otto und teilweise auch Gregor Strasser, besonders aber Ernst Niekisch und Karl-Otto Paetel eine andere Art von nationalem \u201eSozialismus\u201c zu kreieren. Niekisch tr\u00e4umte von einer antikapitalistischen Front von Proletariern und den Resten des Feudaladels. Schlie\u00dflich habe Bismarck mit seiner Sozialgesetzgebung der 1880er Jahre dieses vorweggenommen. Dabei \u00fcbersah Niekisch zwar, dass Bismarck entschieden gegen die Arbeiterbewegung gek\u00e4mpft und SozialistInnen verfolgt, die SPD verboten hatte und seine Sozialgesetzgebung derselben lediglich den Wind aus den Segeln nehmen sollte. Dennoch beeinflusste Niekischs \u201epreu\u00dfischer Sozialismus\u201c eine ganze Schicht nationaler Aktivisten.<\/p>\n<p>Paetel glaubte an die proletarische Nation, die durch den Klassenkampf erreicht werden sollte, der durch eine aus links und rechts verschmolzene Front zu f\u00fchren sei. Eine Nation, die die F\u00fchrung des Proletariats anerkannte. Er glaubte an die Unterschiedlichkeit der V\u00f6lker und Nationen, aber auch an ihre Gleichberechtigung und an ein B\u00fcndnis mit der Sowjetunion gegen den Westen. Sie alle wollten den Befreiungskampf der deutschen Nation gegen andere Nationen \u2013 im Grunde also Krieg. Daf\u00fcr galt es Unterst\u00fctzung in der Arbeiterklasse zu mobilisieren. Doch ihre Bereitschaft zu (Teil-)Verstaatlichungen verbaute ihnen den Weg in die NSDAP. Zudem war wenigstens Paetel kein Antisemit. Rassistisch und nationalistisch blieben sie dennoch alle.<\/p>\n<p>Die Rufe der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c nach nationalem \u201eSozialismus\u201c und nach \u201enationalrevolution\u00e4ren\u201c schwarzen Bl\u00f6cken haben damit allerdings wenig zu tun. Allenfalls das Pathos der genannten Autoren sind sie bereit zu \u00fcbernehmen. Zudem dienen Worte wie die genannten dazu sich von den bekannten Formen des Neonazismus abzugrenzen und \u2013 das scheint den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c wenigstens teilweise wichtig zu sein \u2013 Alt-Neonazi-Kader zu provozieren. Direkte Bez\u00fcge zu Niekisch und Paetel findet man auf Seiten der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c wenig bis gar nicht.<\/p>\n<p>Doch Ausnahmen best\u00e4tigen auch hier die Regel: Auf einer Seite zur Vernetzung von Aktionsgruppen in Schleswig-Holstein, findet man unter dem entsprechenden Link Zitate zu verschiedenen Themen. Zum Thema Revolution finden sich dort Zitate von Albert Camus, Ernst R\u00f6hm, Rosa Luxemburg und Ch\u00e9 Guevara!<\/p>\n<p>Allerdings darf man nicht \u00fcbersehen, dass gerade in den ersten Jahren nach Auftreten der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c Diskussionen um die genaue politische Ausrichtung dieses Projekts keine Seltenheit waren. Um die Zeitschrift \u201eDer Fahnentr\u00e4ger\u201c fanden sich Gruppen zusammen, die \u00fcber nationalen \u201eSozialismus\u201c, durchaus in Abgrenzung vom National-\u201eSozialismus\u201c philosophierten, \u00fcber National-\u201eAnarchismus\u201c und nationalen \u201eSyndikalismus\u201c faselten. Auf Transparenten verlangten sie die dritte Front und zitierten den bei National-\u201eBolschewisten\u201c stets beliebten Ernst J\u00fcnger. Lange nicht alle dieser Gruppen waren \u201eAutonome Nationalisten\u201c, aber Teile dieser nahmen Bezug auf den \u201eFahnentr\u00e4ger\u201c<\/p>\n<p>Die groteskeste Stilbl\u00fcte dieser Jahre war wohl die Gruppe \u201eAutonomer Nationalisten\u201c, die sich den wenig klangvollen Namen NaSofI, was f\u00fcr \u201eNationale Sozialisten f\u00fcr Israel\u201c stand, zulegte. In ganz antideutscher Attit\u00fcde zogen sie mit Israel-Fahnen auf Nazi-Demos wetterten gegen die Pal\u00e4stinenser und k\u00e4mpften f\u00fcr das Existenzrecht Israels- Kein Witz! Und selbst den Antideutschen ging dabei kein Licht auf! Sie erkannten nicht, dass ihnen ein Spiegel vorgehalten wurde, dass man das st\u00e4ndige Geratter gegen \u201edie\u201c Pal\u00e4stinenser eben auch als rassistisches stakkato und die grotesk positiven Bez\u00fcge auf die israelischen Herrschenden auch als Juden ab nach Israel \u2013 und damit eben ohne weitere Probleme antisemitisch \u2013interpretieren kann.<\/p>\n<p>Lange hielten diese Debatten nicht an. Die aktuelle Ausrichtung der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c ist nicht zuletzt der Verlinkung mit rechten Verlagen zu entnehmen, in denen T-Shirts mit Motiven zu sehen sind, die die Wehrmacht verherrlichen oder mit dem Schriftzug \u201eI love 1933\u201c versehen sind. Dennoch gibt es hin und wieder Versuche eine Querfront mit linken Gruppen herzustellen. Beispielsweise das Antikapitalistische Netzwerk (AKN\/ACN). Unter klar national-\u201ebolschewistischer\u201c Symbolik, vor dem Hintergrund eines schwarzen Sterns kreuzen sich Hammer und Schwert, wird dort mit vielen Fotos und wenig Text f\u00fcr die Herstellung eines antikapitalistischen Netzwerks geworben. Dabei pr\u00e4sentieren sich AktivistInnen im \u201eAN-Style\u201c auf verschiedenen, vor allem linken Demos und Aktionen, mit ihren Flugbl\u00e4ttern in verschiedenen Sprachen. Inhalte sucht man wenig und findet daf\u00fcr zahlreiche wiederum selektive \u00dcbernahmen wie \u201etous ensemble\u201c, einem Spruch der antikapitalistischen Proteste in Frankreich. Der \u201eAufruf zur B\u00fcndelung der antikapitalistischen Kr\u00e4fte in Europa\u201c nimmt sich denn auch sehr knapp aus. Festgehalten wird aber: \u201eEs gibt auch keine absolut festgelegten Standpunkte oder Unvereinbarkeitsbeschl\u00fcsse.\u201c Die Idee ist klar, man m\u00f6chte gern als Teil der antikapitalistischen Bewegung anerkannt werden, am besten rasch Einfluss gewinnen. Wer sich wirklich hinter dem Projekt verbirgt wird nicht genannt. Der Aufruf ist so formuliert, dass er wenig bis nichts sagt. Man lehne eben Kapitalismus und Imperialismus und Globalisierung ab. Unter welchen Motiven oder welche L\u00f6sungen man anbietet wird selbstverst\u00e4ndlich verschwiegen, denn genau dort m\u00fcssten die Nazis Farbe bekennen.<\/p>\n<p>Ein Teil der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c, beispielsweise die \u201eAutonomen Nationalisten Ostfriesland\u201c nahm Bezug auf das \u201eAKN\/ACN\u201c, obwohl es kein rein \u201eautonom-nationalistisches\u201c Projekt war. Da seit gut einem Jahr die Seite nicht mehr aktualisiert wurde, scheint das Projekt wieder ad acta gelegt zu sein. Bedeutend war es nie. Aber derartige Versuche wird es auch in Zukunft geben. Inwieweit \u201eAutonome Nationalisten\u201c dabei eine Rolle spielen ist nicht ausgemacht. Im Moment ist ihre Energie voll auf den Kampf gegen Antifa, Linke und MigrantInnen ausgerichtet, f\u00fcr Querfront-Ideen bleibt da kein Platz.<\/p>\n<p>Die ideologischen Grundlagen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c sind demnach die alten: Hitler statt Strasser, Niekisch, Paetel; Rassismus und Antisemitismus, und Pseudo-Antikapitalismus, der diese Gesellschaft nicht im Geringsten in Frage stellt.<\/p>\n<h4>AN\u2019s und NPD<\/h4>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c und der NPD ist nach wie vor gespannt. Schlie\u00dflich gingen die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c aus dem \u201eWorch-Fl\u00fcgel\u201c der \u201eFreien Kameradschaften\u201c hervor, der der NPD, ihrem auf Legalit\u00e4t und Wahlen ausgerichteten Kurs eher kritisch gegen\u00fcbersteht. Damit haben sie auch wiederkehrende Schwierigkeiten nicht nur mit der NPD, sondern auch mit dem \u201eWulff-Fl\u00fcgel\u201c der \u201efreien Kameradschaften\u201c, der ein engeres Verh\u00e4ltnis zu NPD hat.<\/p>\n<p>Die NPD sah vor allem in den ersten Jahren nach Auftreten der schwarzen Bl\u00f6cke auf Nazi-Aufm\u00e4rschen die Gefahr, dass W\u00e4hlerInnen vom militanten Auftreten der schwarz angezogenen Neonazis abgeschreckt sein k\u00f6nnten. Doch schien die NPD-F\u00fchrung damals noch nicht genau ausmachen zu k\u00f6nnen wo sie die neuen Neonazis einzuordnen habe. Zum \u00f6ffentlichen Schlagabtausch kam es in den ersten Jahren noch nicht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die NPD f\u00fcrchtete zu viele Aktivisten zu verprellen.<\/p>\n<p>Wenn auch der \u00f6ffentliche Schlagabtausch noch nicht stattfand, zum offenen Schlagabtausch kam es sehr wohl. Pr\u00fcgeleien zwischen altbackenen Nazis und den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c waren vielleicht nicht die Regel, aber doch auch nicht unbedingt selten. NPD-Kader gaben sich alle M\u00fche besonders auff\u00e4llige \u201eAutonome Nationalisten\u201c von ihren Aufm\u00e4rschen fernzuhalten oder von denselben zu verweisen. So geschehen 2008 in Stolberg. NPD-Kader versuchten Redner der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c auf Kundgebungen zu verhindern. Die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c provozierten mit Sprechch\u00f6ren wie \u201eNPD was ist das schon \u2013 jeder zweite ein Spion!\u201c<\/p>\n<p>Der Streit spitzte sich zu. Und dennoch halfen \u201eAutonome Nationalisten\u201c an NPD-Infost\u00e4nden aus, verteilten bei Wahlen Flugbl\u00e4tter und begannen gerade Mitglieder der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) im \u201eAN-Style\u201c rumzulaufen.<\/p>\n<p>Als sich auch aus dem Kameradschaftsspektrum heraus Erkl\u00e4rungen h\u00e4uften, die das Vorgehen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c kritisierten und dabei vorrangig deren Attacken auf die Polizei \u2013 nicht die Angriffe auf Fl\u00fcchtlinge und Linke &#8211; als fruchtlos ansahen, als im rechten St\u00f6rtebeker-Netz die \u201eAutonomen Nationalisten als \u201esch\u00e4dlich und kontraproduktiv\u201c dargestellt wurden, legte die NPD im August 2007 nach. \u201eUnsere Fahnen sind schwarz \u2013 unsere Bl\u00f6cke nicht\u201c lautete der Titel einer NPD-Erkl\u00e4rung. Der \u00f6ffentliche Schlagabtausch begann.<\/p>\n<p>\u201eIn zunehmendem Ma\u00dfe ist bei Aktionen des nationalen Widerstandes das bisher nur von linksradikalen\/antifaschistischen Demonstrationen bekannte Ph\u00e4nomen des \u201eSchwarzen Blocks\u201c zu beobachten. Als Unterzeichner dieses Aufrufs sprechen wir uns in aller Deutlichkeit gegen derartige anarchistische Erscheinungsformen aus, da aus diesem Verhalten keine Erneuerung sichtbar ist, sondern nur die Gefahr der Provokation als Selbstzweck [\u2026]\u201c, hie\u00df es dort. Ganz offen forderte man die \u201eAutonomen Nationalisten auf, sich von Demonstrationen der NPD k\u00fcnftig fernzuhalten: \u201eNach der Devise \u201aQualit\u00e4t statt Quantit\u00e4t\u2018 stellen wir fest, da\u00df wir \u2013 auch auf die Gefahr k\u00fcnftig geringerer Teilnehmerzahlen hin \u2013 nicht bereit sind, uns diesem politischen Zeitgeistph\u00e4nomen anzupassen.\u201c Voller Pathos schloss die zwei DIN A4 Seiten lange Erkl\u00e4rung mit dem Satz: \u201eHoch die schwarzen Fahnen der Wut, nieder die schwarzen Kappen der Vermummung!\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die NPD h\u00e4tten die Reaktionen kaum schlechter ausfallen k\u00f6nnen. Es hagelte in Internetforen Kritik. Selbst Kader der \u201eFreien Kameradschaften\u201c, die sich nicht den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c zugeh\u00f6rig f\u00fchlten stellten sich auf die Seite der Angegriffenen. Christian Worch konterte mit einem Schreiben, in dem er der NPD unn\u00f6tige Spalterei vorwarf. Und wie auf Stichwort lie\u00dfen die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c die NPD bei einigen Aufm\u00e4rschen und Aktionen im Regen stehen.<\/p>\n<p>Gerademal vier Wochen nach der ersten Erkl\u00e4rung ruderte das NPD-Pr\u00e4sidium in einer zweiten Erkl\u00e4rung nun r\u00fcckw\u00e4rts: \u201eDie NPD strebt unvermindert die enge Zusammenarbeit mit dem \u00fcberwiegenden Teil des freien nationalen Widerstandes an und wird diese auch weiterhin praktizieren.\u201c An anderer Stelle war dort zu lesen: \u201eAbgesehen von den \u00fcblichen Demo-Auflagen gibt es keine Kleidervorschrift bei Demos, sondern nur eine Abgrenzung zu einer bestimmten Erscheinungs\/ Aktionsform!\u201c Und dennoch beharrte man auf dem festgestellten Standpunkt: \u201eDie NPD schreibt niemand anderem vor, wie er auf seinen Versammlungen mit dem \u201eSchwarzen Block\u201c umgehen soll. Dies mu\u00df jeder Veranstalter f\u00fcr sich entscheiden. Die NPD stellt lediglich fest, da\u00df dies auf den von ihr organisierten Versammlungen unerw\u00fcnscht ist!\u201c<\/p>\n<p>So wie die Entscheidung eines Teils der \u201eFreien Kameradschaften\u201c sich wie Autonome anzuziehen und zu geben ein reiner Propaganda-Trick war, den Versuch darstellte und darstellt, Jugendliche f\u00fcr die Positionen der radikalen Rechten zu gewinnen, die man ansonsten schwerlich anziehen k\u00f6nnte, so war der Abgrenzungsversuch der NPD ebenso rein taktischer Natur. Weder der Terror gegen Antifas und andere Linke, noch die \u00dcberf\u00e4lle auf MigrantInnen sieht der NPD wirklich als Problem an. Regelm\u00e4\u00dfig wird militantes, gewaltt\u00e4tiges Vorgehen von NPD-Anh\u00e4ngern von den Funktion\u00e4ren der Partei \u00f6ffentlich relativiert und verteidigt und hinter verschlossenen T\u00fcren sogar eingefordert.<\/p>\n<p>Was die NPD als Teil der eher traditinellen Rechten an den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c st\u00f6rt ist eher deren unverkennbare Bereitschaft kulturelle und politische Versatzst\u00fccke aus der Linken zu \u00fcbernehmen, ihr pseudo-alternatives Aussehen, ihr Musikgeschmack, ihre englischsprachigen Parolen, ihre Provokation auch gegen die Partei selbst und ihre Zurschaustellung von Gewaltaffinit\u00e4t und M\u00e4nnlichkeit. Nicht, dass die NPD auf einmal antisexistisch und friedlich geworden w\u00e4re, aber all das im \u00f6ffentlichen Raum zu inszenieren schafft eben auch die Gefahr W\u00e4hlerInnen aus den kleinb\u00fcrgerlich-biederm\u00e4nnischen Schichten abzuschrecken. Welcher Kleinunternehmer, der zum Schutz seines Firmeneigentums ganz gern nach dem Staat ruft ist schon bereit Angriffe auf PolizistInnen auf Demonstrationen durch schwarz gekleidete Nazis einfach so hinzunehmen, selbst, wenn er deren Vorgehen gegen die antikapitalistische Bewegung grunds\u00e4tzlich gut hei\u00dft?<\/p>\n<p>Inzwischen scheint sich jedoch auch die NPD an die Anwesenheit der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c auf ihren Demos gew\u00f6hnt zu haben. Die JN versucht durch ein dem \u201eAN-Style\u201c angepasstes Auftreten teilweise gezielt in deren Gew\u00e4ssern zu fischen.<\/p>\n<p>Nach dem vom rechten Parteifl\u00fcgel der Nationaldemokraten und militanten Neonazi-Kr\u00e4ften au\u00dferhalb der Partei herbeigef\u00fchrten Sturz des ehemaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel und dessen Austritt aus der NPD steht mit gro\u00dfer Sicherheit eine neuerliche Ann\u00e4herung zwischen den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c und der NPD bevor. Schon schie\u00dft die Dortmunder AN-Internetseite \u201eDortmundecho\u201c gegen verbliebene Apfel-Gew\u00e4hrsm\u00e4nner in der NPD des Ruhrgebiets, beschimpft sie als Polizeispitzel und fordert nicht nur \u00c4mterverzicht, sondern sogar Parteiausschluss.<\/p>\n<h4>Beispiel Dortmund und Nordrhein-Westfalen<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend Berlin, wo das Konzept der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c urspr\u00fcnglich aus der Taufe gehoben wurde, sehr schnell seine bundesweite F\u00fchrungsrolle innerhalb der AN\u2019s einb\u00fc\u00dfte, mauserte sich Nordrhein-Westfalen und dort vor allem Dortmund zum Flaggschiff der Autonomen von rechts. Das Vorgehen, welches die Nazis dabei an den Tag legten, war \u00fcberraschend geplant. Von Anfang an wollte man Dortmund und Nordrhein-Westfalen als AN-Leuchtturm etablieren. Aktivisten wurden zum Umzug ins Ruhrgebiet aufgefordert. \u00d6rtliche Strukturen sorgten f\u00fcr Wohnungen und Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Schnell versammelten sich in Dortmund, insbesondere im Stadtteil Dorstfeld, vorrangig junge M\u00e4nner mit dem Ziel das Konzept der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c beispielhaft vorzuleben \u2013 Polizei und Regionalpolitik schauten weg. Aussteiger berichten immer wieder, dass die AN Dortmund selbst davon \u00fcberrascht waren wie frei man sie agieren lie\u00df. Im Ergebnis liefen die Dortmunder AN\u2019s bis 2004\/05 den \u201etraditionellen\u201c Nazi-Gruppen, so der \u201eKameradschaft Dortmund\u201c um Siegfried Borchardt, den Rang ab.<\/p>\n<p>Vom Staat nicht gest\u00f6rt, unter den misstrauischen Blicken der \u00e4lteren Nazi-Szene gedeihend traten die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c bald mit einer kaum \u00fcbersehbaren Arroganz nach au\u00dfen. Im Wochenrhythmus organisierten sie Aktionen, verteilten Flugbl\u00e4tter vor Schulen, hielten \u2013 wenn auch kleine \u2013 Kundgebungen ab, griffen mit brutaler H\u00e4rte politische Gegner an, klebten Plakate, sprayten Parolen, klebten Aufkleber \u2013 die AN\u2019s markierten ihr Revier. Schon bald stand eine funktionierende Infrastruktur, die Vernetzung und R\u00fcckzugsraum in einem waren: In einem \u201enationalen Jugendzentrum\u201c traf man sich zum gemeinschaftlichen Alkoholkonsum \u2013 der auch bei den AN einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Stellenwert einnimmt \u2013 aber auch zu \u201eBildungs\u201c- und Kameradschaftsabenden, in einem rechten Laden konnte man Kleidung, Musik und allerlei rechte Literatur erwerben. Die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c hatten sich eingerichtet!<\/p>\n<p>Und nun schaute der Staat nicht mehr nur zu, er half sogar beim Aufbau rechter Strukturen. F\u00fchrende Personen aus dem sogenannten \u201enationalen Widerstand\u201c Dortmund erhielten staatliche F\u00f6rdergelder, um sich mit einem Versandhandel selbstst\u00e4ndig zu machen. Dessen politische Ausrichtung war leicht an dem vertriebenen Propagandamaterial erkennbar.<\/p>\n<p>Mit dem Auftreten der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c in Dortmund fand das Konzept der Herstellung \u201enational befreiter Zonen\u201c, welches erstmals in einem Thesenpapier der \u201eJungen Nationaldemokraten\u201c von 1991 Erw\u00e4hnung findet, seine extrem militant auftretenden Vollstrecker. Dabei zielt dieses Konzept darauf ab Regionen zu schaffen, in denen Nazis die faktische Macht aus\u00fcben, in denen politische GegnerInnen auf der Linken, subkulturell gepr\u00e4gte Jugendliche, GewerkschafterInnen, MigrantInnen, Homosexuelle, Behinderte nicht mehr offen auftreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zwar st\u00f6rten die AN wiederholt Wahlkampf und Au\u00dfenaktivit\u00e4ten von Parteien, die wirklich (DIE LINKE) oder vermeintlich auf der politischen Linken agieren (SPD, Gr\u00fcne); sie \u00fcberfielen AntifaschistInnenn und MigrantInnen, die Herstellung einer Zone, in der sie de facto die herrschende Kraft darstellten, gelang ihnen jedoch zu keinem Zeitpunkt.<\/p>\n<p>Von Anfang an war das Verh\u00e4ltnis der AN zur NPD in Dortmund und Nordrhein-Westfalen von ernsthaften Differenzen gepr\u00e4gt. Das mag kaum \u00fcberraschen, immerhin erschien der traditionellen Rechten allein schon die Anwesenheit der AN in Dortmund als unannehmbaren Eingriff in ihre Deutungshoheit von neonazistischer Handlung und Theorie. So gerieten die Dortmunder \u201eAutonomen Nationalisten\u201c schnell in einen harten Konflikt mit einer ebenfalls in Dorstfeld agierenden rechten Skinhead- bzw. Boneheadgruppe (wie antifaschistische Skinheads ihr rechtes Doubel nennen).<\/p>\n<p>Die Konflikte zwischen der NPD und den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c in Dortmund zeigen jedoch interessante Spezifika. Sie werfen ein Licht auf die in Dortmund allgegenw\u00e4rtigen Theoriedebatten innerhalb der AN. Dabei bedingen sich diese und die inhaltlichen Linien der Streitereien mit der NPD gegenseitig. Die Bruchlinien zwischen NPD und den AN in Nordrhein-Westfalen sind mehr als nur das Ergebnis unterschiedlichen Auftretens bei \u00f6ffentlichen Aktionen.<\/p>\n<p>Als 2004 die NPD mit der Partei, die sie sp\u00e4ter in einer als Vereinigung getarnten \u00dcbernahme, schluckte, den sogenannten \u201eDeutschlandpakt\u201c einging, zog die NPD den Hass der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c auf sich. Der \u201eDeutschlandpakt\u201c sollte konkurrierende Wahlantritte der beiden Rechtsparteien zu Landtagswahlen ausschlie\u00dfen. Den propagandistisch von NPD und DVU f\u00fcr dieses Abkommen gew\u00e4hlten Namen aufgreifend, wetterten die AN\u2019s aus dem Ruhrgebiet auf Transparenten \u201ekeine Volksfront mit der Reaktion\u201c.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die Kritik lag im pseudo-antikapitalistischen Selbstverst\u00e4ndnis der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c in Dortmund. In der DVU erkannten sie eine pro-kapitalistische Partei, deren Ziel eher Systemerhalt denn Revolution sei. Dass diese Beschreibung auch auf die NPD zutrifft, mag den AN in Dortmund sogar bewusst sein, dennoch erkannten und erkennen sie in dieser Partei eher das Potential zu dem, was sie als \u201erevolution\u00e4ren Kampf\u201c begreifen.<\/p>\n<p>Dennoch blieb das Verh\u00e4ltnis zwischen den schwarz gekleideten Nazi-Aktivisten und der Nazis der NPD auch in der Folgezeit gespannt. Insbesondere Holger Apfel mitsamt seiner als neue NPD-Taktik verk\u00fcndeten \u201eseri\u00f6sen Radikalit\u00e4t\u201c geriet schnell zur Zielscheibe der Fl\u00fcche und Verw\u00fcnschungen der AN. Bevor Holger Apfel 2011 den Sprung an die Spitze der Partei geschafft hatte, attackierten die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c \u2013 und beileibe nicht nur diese \u2013 die s\u00e4chsische NPD-Landtagsfraktion f\u00fcr ihre reformistische Ausrichtung. W\u00e4hrend es also auch mit Teilen des radikaler auftretenden Fl\u00fcgels der Nationaldemokraten, unter Leuten wie Udo Past\u00f6rs oder Udo Voigt, Auseinandersetzungen beispielsweise um die Form des Auftretens gibt, war der Apfel-Fl\u00fcgel den AN in Dortmund schon lange ein Dorn im Auge.<\/p>\n<p>Dabei spielten taktisch-strategische Fragen (Ver\u00e4nderungen durch Wahlen oder durch \u201eKampf\u201c auf der Stra\u00dfe) eine ebenso gro\u00dfe Rolle wie inhaltliche (was soll eigentlich nationaler \u201eSozialismus\u201c sein). Verst\u00e4rkt wurde diese Auseinandersetzung noch durch den Umstand, dass der Nazi-Aktivist Christian Worch sehr schnell Zugang zu den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c in Dortmund fand, sie mit seiner innerhalb der breiten Rechten unwiderlegbaren Autorit\u00e4t gegen Angriffe von NPD und Teilen der \u201eFreien Kameradschaften\u201c verteidigte und sich dadurch eine Art Hausmacht innerhalb des militanten Spektrums der Nazis schuf. Schnell folgten erste wechselseitige Verbote und Ausschlusserkl\u00e4rungen. Worch versuchte zu verhindern, dass Vertreter der NPD auf AN-Aktionen in Dortmund und Nordrhein-Westfalen sprechen konnten. Die Nationaldemokraten ihrerseits erteilten dem ewig lederbem\u00fctzten Worch-Weggef\u00e4hrten und AN-Sympathisanten Thomas Wulff Redeverbot auf NPD-Veranstaltungen. Besonders der Fl\u00fcgel um Holger Apfel tat sich hierbei mit Abgrenzungserkl\u00e4rungen und Unvereinbarkeitsbeschl\u00fcssen hervor. Das pseudo-revolution\u00e4re Pathos des angeblichen Antikapitalismus der AN wollte so gar nicht zu Apfels seri\u00f6ser Radikalit\u00e4t passen.<\/p>\n<p>Die Internetpr\u00e4senz der Dortmunder AN\u2019s, das \u201eDortmundecho\u201c \u2013 eine der bundesweit wenigen Versuche der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c ihre aktivistische Praxis mit einem programmatischen Unterbau zu versehen \u2013 spricht B\u00e4nde \u00fcber die Flankenk\u00e4mpfe zwischen Partei und rechten Autonomen.<\/p>\n<p>Da regt man sich lang und breit dar\u00fcber auf, dass \u2013 noch unter Apfels F\u00fchrung \u2013 der NPD-Bundesvorstand dem rechten Versand mit dem ekelhaften Namen \u201eantisem.it\u201c mit Strafanzeige droht, wenn er nicht den Verkauf von NPD- und JN-Material einstellt; es werden Fl\u00fcche gegen die ach so inkonsequenten Nationaldemokraten ausgesto\u00dfen, weil sie ihrem Bundesvorstandsmitglied Thorsten Heise einen \u201eMaulkorb\u201c verpasst h\u00e4tten. Heise z\u00e4hlt als Besitzer eines gut laufenden szenespezifischen Versandhandels zu jenen zahlreichen rechten Kleinunternehmern, die schon ob ihres un\u00fcbersehbaren Klasseninteresses (Erhalt des Privateigentums an Produktionsmitteln) das Gefasel vom nationalen \u201eSozialismus\u201c quasi durch ihre Person ad absurdum f\u00fchren. Den AN hat er es dennoch angetan. Er schl\u00e4gt gern mal radikalere T\u00f6ne an und verh\u00e4tschelt die billige Kopie des linken Originals durch AN-freundliches Auftreten. Auch das liegt in seinem ureigensten Klasseninteresse \u2013 schlie\u00dflich will Herr Heise Kunden f\u00fcr seinen \u00fcberteuerten Versandhandel werben.<\/p>\n<p>Als Heise 2013 anl\u00e4sslich einer von Dortmunder AN\u2019s organisierten Aktion zum ersten Mai sprechen sollte, pfiff ihn der Bundesvorstand seiner Partei zur\u00fcck \u2013 Holger Apfel lie\u00df gr\u00fc\u00dfen! Sofort hagelte es Proteste von Seiten der AN.<\/p>\n<p>Dennoch ist das Verh\u00e4ltnis der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c in Nordrhein-Westfalen zur NPD nicht so widerspruchslos zerr\u00fcttet wie es den Anschein haben mag. Zwischen beiden existieren neben Ablehnung und sogar Feindschaft auch enge pers\u00f6nliche Kontakte und selbst personelle \u00dcberschneidungen. Wahlhilfe f\u00fcr die NPD von Seiten der AN ist trotz aller inhaltlicher und strategischer Kritik keine Seltenheit. Bevor die DVU in der NPD aufging, gelang des den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c hin und wieder die Konkurrenz beider Parteien f\u00fcr sich auszunutzen. Der NPD-Kreisverband Hamm beispielsweise zahlte den AN in Dortmund gleich mehrere Tausend Euro, um sie vom Wahlkampf f\u00fcr die DVU abzuhalten.<\/p>\n<p>Nordrhein-westf\u00e4lische AN\u2019s trafen sich sogar mit Vertretern der NPD Sachsen zu Strategiedebatten und bereiteten gemeinsame Diskussionsrunden vor.<\/p>\n<p>Trotzdem reichen die inhaltlichen Differenzen dazu, dass die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c unter der F\u00fchrung ihres Schutzpatrons Christian Worch dazu \u00fcbergingen ein eigenes Parteiprojekt aus der Taufe zu heben. Dass das Vorzeige-Modell AN-Dortmund\/Nordrhein-Westfalen in eine Parteigr\u00fcndung einm\u00fcndet, mag zwar oberfl\u00e4chlich gesehen \u00fcberraschen, liegt jedoch im Endeffekt in der Natur der Sache. Bis etwa 2011 konnten die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c gerade in Dortmund de facto ungest\u00f6rt von Polizei und staatlichen Beh\u00f6rden agieren, GegnerInnen einsch\u00fcchtern, Propaganda verbreiten und Aktionen durchf\u00fchren. Der sich dagegen formierende Widerstand setzte die staatlichen Stellen jedoch irgendwann doch unter Druck sich dem Problem anzunehmen. Der Staat f\u00fchrte eine eigenartige Doppelstrategie auf, die die AN\u2019s zwar einerseits bremste, ihnen andererseits aber auch in die H\u00e4nde spielte. So verbot man verschiedene AN-Gruppen in Nordrhein-Westfalen und er\u00f6ffnete auch strafrechtliche Verfolgungen gegen die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c, die sich k\u00f6rperlichen Angriffen auf AntifaschistInnen hatten zuschulden kommen lassen. Die Schlie\u00dfung des weitgehend in einen Versandhandel umfunktionierten \u201enationalen Jugendzentrums\u201c erreichte man hingegen dadurch, dass die Stadt Dortmund es den AN abkaufte. Das sp\u00fclte Geld in deren Kassen und man muss sicherlich nicht lange raten, um herauszufinden, wof\u00fcr sie diese Mittel nun verwenden.<\/p>\n<p>Gerade aber der nach viel \u00f6ffentlichem Druck nun einsetzende Verfolgungsdruck lie\u00df die Gr\u00fcndung einer Partei f\u00fcr die AN \u2013 entgegen ihrer bisherigen Absagen an derartige Organisationsformen \u2013 anziehend erscheinen, sch\u00fctzt doch das sogar verfassungsrechtlich verbriefte Parteienprivileg wenigstens in Teilen vor staatlicher Verfolgung.<\/p>\n<p>Dabei steckt die Partei DIE RECHTE voller innerer Widerspr\u00fcche. An ihrer Gr\u00fcndungsveranstaltung nahmen nicht wenige ehemalige Mitglieder der inzwischen von der NPD verschluckten DVU teil. Das Personaltableau hat insgesamt das Zeug dazu arg verst\u00f6rend zu wirken. Mit dabei nat\u00fcrlich Dortmunds AN-Gr\u00f6\u00dfe Dennis Giemsch, der nicht nur Beisitzer im Bundesvorstand dieser Partei ist, sondern auch noch f\u00fcr die Kommunalwahlen auf Listenplatz 2 kandidiert. Giemsch, der inzwischen kr\u00e4ftig an der \u201eBewegung\u201c verdient, ist es sicherlich zu \u201edanken\u201c, dass selbst der Pseudo-Antikapitalismus der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c im \u201e25-Punkte-Programm\u201c (historische Parallelen zum 25-Punkte-Programm der NSDAP sind sicherlich alles andere als zuf\u00e4llig) nicht so recht angekommen ist. Neben den \u00fcblichen rassistischen (\u201eAsylanteneinwanderung stoppen\u201c) und populistischen Forderungen (\u201eSchluss mit der Korruption\u201c) muss man Forderungen, die den Interessen von Unternehmern zuwiderlaufen und jene der Klasse der Lohnabh\u00e4ngigen betonen mit der Lupe suchen. Stattdessen fordert DIE RECHTE in ihrem Kommunalwahlprogramm f\u00fcr Dortmund: \u201eGrund- und Gewerbesteuern senken.\u201c Die Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Forderung wird gleich \u2013 etwas wortkarg &#8211; mitgeliefert, man wolle den Wirtschaftsstandort Dortmund st\u00e4rken \u2013 also Unternehmerprofite sichern. So viel Unternehmerfreundlichkeit findet man auch bei der FDP!<\/p>\n<p>Dass Dennis Giemsch, zumindest inzwischen, wenig von hohen Gewerbesteuern h\u00e4lt liegt auf der Hand: Er ist inzwischen ein erfolgreicher Inhaber eines rechten Versandhandels (aufgebaut mit staatlichen F\u00f6rdermitteln!) und Betreiber des Nazi-Bloghosters \u201elogr.org\u201c, der ihm \u00fcber Werbeeinnahmen zus\u00e4tzlich Geld einbringt. Das gesellschaftliche Sein bestimmt eben das Bewusstsein!<\/p>\n<p>Vielleicht hilft jenes marxsche Theorem ja auch dabei zu verstehen, warum Dennis Giemsch f\u00fcr DIE RECHTE auf Listenplatz 2 antritt, w\u00e4hrend Siegfried Borchardt \u2013 eben der Siegfried Borchardt mit dessen \u201eSkinhead\u201cfront Dortmund sich die AN des Herrn Giemsch noch vor wenigen Jahren handfeste Auseinandersetzungen lieferten \u2013 auf Listenplatz 1 antritt. Pack schl\u00e4gt sich \u2013 Pack vertr\u00e4gt sich!<\/p>\n<p>Wohin die Entwicklung der Partei DIE RECHTE noch f\u00fchrt ist im Moment schwer vorherzusagen. Viel h\u00e4ngt auch vom Ausgang des neuerlich angestrengten NPD-Verbostverfahrens ab. Sollte dieses erfolgreich sein, k\u00f6nnte mit dieser Partei schon die Nachfolgeorganisation Gewehr bei Fu\u00df stehen und diesmal w\u00e4re selbst Christian Worch mit von der Partie, der eine Mitgliedschaft in der NPD abgelehnt hatte. Zumindest f\u00fcr die Kommunalwahl 2014 rechnet sich DIE RECHTE gro\u00dfe Chancen auf einen Sitz im Dortmunder Stadtrat aus.<\/p>\n<h3>Vorgehen der AN\u2019s<\/h3>\n<p>Das Auftreten der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c auf Demonstrationen unterscheidet sich deutlich von dem traditioneller Neonazis. Auf die Erlebnis- und Abenteuerorientiertheit ist bereits hinl\u00e4nglich hingewiesen worden.<\/p>\n<p>Aber auch zwischen den Aufm\u00e4rschen haben \u201eAutonome Nationalisten\u201c ihre im neonazistischen Lager durchaus spezifische Art vorzugehen. Dabei sind sie \u00e4hnlich wie auf Aufm\u00e4rschen vor allem auf eine gelungene Selbstinszenierung bedacht. Stadtteile, in denen \u201eAutonome Nationalisten t\u00e4tig sind, werden von einer wahren Welle von Aufklebern, rechten Graffitis und hin und wieder auch Plakatierungen \u00fcberschwemmt.<\/p>\n<p>\u201eAutonome Nationalisten\u201c wollen vorrangig ihr \u201eRevier\u201c markieren. St\u00e4ndige Aktivit\u00e4ten mit hoher Energie ausgef\u00fchrt sind die Folge. Dabei ist nicht jede ihrer Propagandadarbietungen auch auf den ersten Blick als solche erkennbar, da sie auf nazi-typische Darstellungsweisen weitgehend verzichten. In Berlin tauchten beispielsweise immer wieder Graffitis der sogenannten NSBA-Crew auf, die auf ihre streetart-Homepage verwiesen. Hinter dem K\u00fcrzel NSBA verbarg sich nichts Anderes als \u201eNationale Sozialisten \u2013 Bundesweite Aktion\u201c.<\/p>\n<p>Genau daher ist die wirkliche St\u00e4rke von \u201eAutonomen Nationalisten\u201c schwer auszumachen. Sie konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf bestimmte Stadtteile und ihre Marken scheinen zu suggerieren, dass sie eine hohe personelle St\u00e4rke erreicht haben. Dass kann und soll t\u00e4uschen. Wenige entschlossene \u201eAutonome Nationalisten\u201c mit viel Zeit k\u00f6nnen ein Viertel entsprechend aussehen lassen.<\/p>\n<p>Typisch f\u00fcr \u201eAutonome Nationalisten\u201c ist ihre geringe Hemmschwelle beim Einsatz von Gewalt. Politische GegnerInnen und AussteigerInnen wird ein ernst gemeintes Bedrohungspotential vor die Nase gesetzt. Gewaltt\u00e4tige Angriffe werden vorbereitet und durchgespielt. Waffen wie Teleskopschlagst\u00f6cke spielen eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle. Insgesamt ist Anti-Antifa-Arbeit das entscheidende Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr \u201eAutonome Nationalisten\u201c. Aussteiger haben berichtet, dass aus \u201eAN-Gruppen\u201c heraus Frauen bei Mobilfunkanbietern pro forma Jobs angenommen haben, um die Adressen von AntifaschistInnen zu ermitteln!<\/p>\n<p>Neben dieser \u201eFeindaufkl\u00e4rung\u201c, die vor gewaltt\u00e4tigen Angriffen nicht nur nicht zur\u00fcckschreckt, sondern diese offensiv propagiert, scheint auch die Idee der \u201eNationalbefreiten Zone\u201c bei den \u201eAutonomen Nationalisten\u201c eine Renaissance zu erfahren. Veranstaltungen und antifaschistische Aktionen im Viertel m\u00fcssen mit Angriffen durch \u201eAutonome Nationalisten\u201c stets rechnen. So organisierte die \u201eAntifaschistische Koordination K\u00f6ln und Umland (AKKU) 2009 in Pulheim, einem Vorort von K\u00f6ln, eine Veranstaltung, die sich mit dem Auftreten von Autonomen Nationalisten in Pulheim befasste. \u201eAutonome Nationalisten\u201c versuchten ihrerseits diese Veranstaltung zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und der Tatsache zum Trotz, dass \u201eAutonome Nationalisten\u201c auch gern chinesisches und t\u00fcrkisches Essen genie\u00dfen, sind \u00dcberf\u00e4lle auf Imbisse die dasselbe anbieten Teil des Repertoires \u201eAutonomer Nationalisten\u201c.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte auch etwas verk\u00fcrzt sagen, die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c setzen statt auf Politik verst\u00e4rkt auf die gewaltt\u00e4tige Konfrontation. Feindbilder spielen f\u00fcr sie eine besondere Rolle. Dieser Herausforderung muss sich die organisierte Linke nicht erst seit dem Auftreten der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c stellen. Nazis waren schon immer gewaltt\u00e4tig. Die \u201eFreien Kameradschaften\u201c waren und sind es in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe. Die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c sind es umso mehr!<\/p>\n<p>In Dortmund Dorstfeld terrorisierten die dortigen AN eine Familie, die ihre Aufkleber entfernt hatte so lange, bis diese wegzog. Mal lauerte man dieser Familie auf, mal z\u00fcndete man ihr Auto an, mal warf man die Scheiben ihrer Wohnung ein \u2013 die Dortmunder \u201eAutonomen Nationalisten\u201c konnten ungehindert vom Staat der Familie unmissverst\u00e4ndlich zu verstehen geben, dass sie besser verschwinden solle. Man ging sogar zu einer \u201eOuting\u201c-Kampagne \u00fcber und verbreitete das Bild von Mutter und Sohn im ganzen Stadtviertel. Das ging solange weiter, bis die Familie wegzog.<\/p>\n<p>Dass diese Art der Einsch\u00fcchterung durchaus ernst zu nehmen ist, zeigte das Verhalten der Dortmunder AN nach dem Mord an einem Punk im Jahre 2005. Die Nazi-\u201eSkinfront\u201c prahlte, dass der T\u00e4ter aus ihren Reihen gekommen sei. Die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c traten in dieser Zeit mit Transparenten auf, auf denen zu lesen war: \u201eWer sich der Bewegung in den Weg stellt, muss mit den Konsequenzen leben!\u201c Damit bewiesen die AN ein weiteres Mal ihre Bereitschaft auch schwerste Gewalttaten zu rechtfertigen und f\u00fcr ihre eigene politische Praxis nicht auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Gerade die Infrastruktur des politischen Gegners ist immer wieder das Ziel von Angriffen der AN. Parteib\u00fcros der LINKEN und anderer Parteien, die die rechten Autonomen f\u00fcr links halten sind immer wieder Ziele ihrer Attacken. Das geben die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c nicht selten ganz offen zu. Die sich \u201eAktionsgruppe Weimarer Land\u201c nennenden \u201eAutonomen Nationalisten\u201c aus Th\u00fcringen geben das unumwunden zu, wenn sie auf ihrer Seite verk\u00fcnden: \u201eUnsere Aktionen sind gezielt gegen die Vertreter des kapitalistischen und anti-deutschen Systems, sowie gegen die Rotfront gerichtet \u2013 sie sind also keineswegs blindw\u00fctig. Unsere \u201eGewalt\u201c hat meist nur symbolischen Charakter (Farbanschl\u00e4ge, Sprayereien, Aufkleberaktionen, \u2026) und ist \u2013 au\u00dfer im Selbstverteidigungsfall \u2013 nur gegen Infrastrukturen des Kapitals und der Antifa gerichtet.\u201c<\/p>\n<p>Dass die AN den Begriff der \u201eSelbstverteidigung\u201c \u2013 freundlich ausgedr\u00fcckt &#8211; sehr weit auslegen zeigt nicht allein, aber doch sehr deutlich, der Angriff einer riesigen Horde von AN auf ein anarchistisches Wohnprojekt, die \u201ePraxis\u201c, in Dresden 2011. Damals waren Tausende Nazis nach Dresden gekommen, um an einem Aufmarsch anl\u00e4sslich der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg teilzunehmen. Als sie erkennen mussten, dass die Blockaden von mehr als 10.000 Menschen ihren Aufmarsch platzen lassen w\u00fcrden, suchten sie gerade die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c ein neues Ziel und griffen \u2013 unter den Augen der den Verkehr regelnden Polizei \u2013 die \u201ePraxis\u201c mit Steinen und Stahlstangen an. Einzig die Vorsicht der zahlenm\u00e4\u00dfig weit unterlegenen BewohnerInnen, die sich in Erwartung solcher \u00dcberf\u00e4lle verbarrikadiert hatten, verhinderte ein Eindringen der Nazis, was zu unabsehbaren Folgen f\u00fcr die in der \u201ePraxis\u201c lebenden Menschen gef\u00fchrt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Noch etwas anderes f\u00e4llt bei den AN auf. Man stellt zwar stets heraus, dass man die Polizei als einen Feind betrachte, aber das Verh\u00e4ltnis zwischen beiden muss doch als ambivalent betrachtet werden. \u201eNat\u00fcrlich nehmen wir uns aber das Recht unsere Aktionen und Freir\u00e4ume gegen Angriffe des Staates [\u2026] zu verteidigen\u201c, halten die oben genannten Th\u00fcringer AN fest. Dabei f\u00e4llt doch auf, dass die AN \u2013 wie in Dresden und jahrelang in Dortmund \u2013 sich meist nur dann polizeilichen Ma\u00dfnahmen ausgesetzt sehen, wenn es \u00f6ffentlichen Druck und wirksame Kampagnen gegen \u00f6rtliche AN-Gruppen gegeben hat. Nicht selten legen auch die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c \u2013 ganz anders als das linke Original \u2013 auch bei Demonstrationen ein eher entspanntes Vorgehen gegen\u00fcber der Polizei an den Tag. Aus den Anfangsjahren der AN sind F\u00e4lle aus Berlin bekannt, in denen die AN sich zwar vermummt hatten, dann jedoch der Aufforderung der Polizei dies zu unterlassen von sich aus nachkamen und wieder mit freiem Gesicht marschierten.<\/p>\n<p>Dass soll nicht hei\u00dfen, dass es nicht auch zwischen Polizei und AN zu Zusammenst\u00f6\u00dfen kommen kann, ganz im Gegenteil, derartige Vorf\u00e4lle gab es seit Auftreten der AN immer wieder. Aber, w\u00e4hrend sie sich gegen\u00fcber einem zahlen- und kr\u00e4ftem\u00e4\u00dfig weit unterlegenen Gegner kaum beherrschen k\u00f6nnen, ist ihr Auftreten gegen\u00fcber der Staatsmacht bei Weitem taktischer.<\/p>\n<p>Neben der immensen Affinit\u00e4t zur Gewalt, besticht bei den AN auch der Versuch, wo immer sie versuchen sich zu verankern, mehr als eine politische Gruppe zu sein. Sie wollen eine \u201eSzene\u201c sein. Eine Subkultur, in der Jugendlich zu Hause sind. Daher auch der Hang zur Organisation von Konzerten, die Proklamation \u201enationaler Jugendzentren\u201c, die explizit Jugendliche ansprechende Webpr\u00e4senz vieler Gruppen. In ihren politischen Aktionen beschr\u00e4nken sie sich \u2013 allem nach au\u00dfen gestellten pseudo-kapitalistischen Geschw\u00e4tz zum Trotz \u2013 auf blo\u00dfe Propagandaaktionen. \u201eDen\u201c Kapitalismus, oder auch nur einzelne Unternehmer fordern sie im Grunde nie heraus. Kampagnen f\u00fcr die (Re-)Verstaatlichung von Wohnungen oder die Verstaatlichung von Werken, die geschlossen werden sollen gab es aus den Reihen der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c bislang noch nicht. Was bei den inhaltlichen Unzul\u00e4nglichkeiten und dem viel zu geringen Bezug auf die objektiven Interessen der lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten auch nicht unbedingt \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>F\u00fcr politische aktive Linke, f\u00fcr MigrantInnen und AntifaschistInnen jedoch stellen die AN eine nicht zu untersch\u00e4tzende Bedrohung dar.<\/p>\n<h4>Gegenstrategien<\/h4>\n<p>Antifaschistische Organisationen sollten verst\u00e4rkt \u00fcber m\u00f6gliche Gegenstrategien gegen die AN&#8217;s diskutieren. Das beginnt bei einer Diskussion \u00fcber Selbstschutz von AntifaschistInnen. AN&#8217;s sind eine reale k\u00f6rperliche Bedrohung. In jeder Kampagne, vor jeder Aktion m\u00fcssen die notwendigen Schritte zum Schutz der AktivistInnen ergriffen werden. Propaganda \u201eAutonomer Nationalisten\u201c sollte nicht im Alleingang, sondern nur in Gruppen beseitigt werden. Veranstaltungen m\u00fcssen f\u00fcr den Fall des Angriffs durch AN gesch\u00fctzt werden, ebenso Info-St\u00e4nde, Demonstrationen und Kundgebungen. Das Erlernen von Grundbegriffen der Selbstverteidigung ist alles andere als verkehrt.<\/p>\n<p>So wie man versuchen muss die eigenen Aktivit\u00e4ten abzusichern, so m\u00fcssen die Aktionen der AN durch Massenmobilisierungen unterbunden werden. Die Aufm\u00e4rsche der \u201eAutonomen Nationalisten\u201c, ihr bundesweites Treffen, der \u201eTag der deutschen Zukunft\u201c, und ihre Kundgebungen m\u00fcssen verhindert werden. So macht man ihnen das streitig, was f\u00fcr die AN von immenser Bedeutung ist, die \u00f6ffentliche B\u00fchne. Gerade auch das doppeldeutige Verhalten der Polizei in Dortmund oder Dresden und die finanziellen Hilfen f\u00fcr Nazi-Klein-Unternehmer unter anderem aus dem Spektrum der AN durch \u00f6ffentliche Kassen, zeigen, dass der Staat dabei keine Hilfe sein wird. Stattdessen m\u00fcssen wir von unten gegen die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c mobilisieren.<\/p>\n<p>In dieser Diskussion m\u00fcssen wir die soziale Demagogie der Nazis aller Schattierungen einbeziehen und Antworten geben. Wir m\u00fcssen ihre rassistische Propaganda als das was sie ist entlarven, als Spaltungsversuch im Kampf gegen die Auswirkungen des Kapitalismus und nicht selten auch als Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben. Dass ist Rassismus immer dann, wenn die NPD beispielsweise Einsparungen bei MigrantInnen verlangt, aber gleichzeitig fordert deutsche Gro\u00dfunternehmen zu subventionieren.<\/p>\n<p>Aber gerade der Versuch der AN Jugendsubkulturen zu unterwandern stellt auch die Aufgabe in diesen politisch aktiv zu sein und dort f\u00fcr antifaschistische und letzten Endes auch antikapitalistische Positionen einzutreten. Gemeinsam m\u00fcssen wir diskutieren, wie eine wirksame Gegenstrategie in der Subkultur entwickelt werden kann.<\/p>\n<p>Die enormen Auswirkungen der kapitalistischen Krise st\u00fcrzen europa- ja weltweit Menschen in Armut und Elend. Das ist eine Situation, bei dem beim Fehlen ernst gemeinter linker Kampfangebote rechte Gruppen wachsen k\u00f6nnen. Um das zu verhindern m\u00fcssen SozialistInnen K\u00e4mpfe f\u00fcr soziale Verbesserungen organisieren, in die sie insbesondere MigrantInnen einbeziehen. Ernsthafte soziale K\u00e4mpfe sind das beste Mittel gegen rassistische Spaltung und pseudo-antikapitalistische, m\u00f6chte-gern-revolution\u00e4re Positionen von rechts. Das trifft auf die NPD ebenso zu wie auf DIE RECHTE oder eben die \u201eAutonomen Nationalisten\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAnything goes\u201c ?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26633,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26631"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26631\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}