{"id":26584,"date":"2014-02-12T15:51:53","date_gmt":"2014-02-12T14:51:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26584"},"modified":"2014-02-12T15:49:47","modified_gmt":"2014-02-12T14:49:47","slug":"hamburg-trauermarsch-fuer-die-opfer-von-brandstiftung-im-asylbewerberheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/02\/hamburg-trauermarsch-fuer-die-opfer-von-brandstiftung-im-asylbewerberheim\/","title":{"rendered":"Hamburg: Trauermarsch f\u00fcr die Opfer von Brandstiftung im Asylbewerberheim"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Trauermarsch.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26585\" alt=\"Trauermarsch Hamburg\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Trauermarsch-e1392216211628-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Trauermarsch-e1392216211628-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Trauermarsch-e1392216211628-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Trauermarsch-e1392216211628-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Trauermarsch-e1392216211628.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Anschlag muss aufgekl\u00e4rt werden<\/strong><\/p>\n<p><em>von Katharina Doll, Hamburg<\/em><\/p>\n<p>1000 Menschen nahmen am Samstag an einem von der DIDF organisierten Trauermarsch f\u00fcr die drei Opfer des Brandanschlags im vom Unternehmen \u201eF\u00f6rdern und Wohnen\u201c betriebenen Asylbewerberheim in der Eimsb\u00fcttler Stra\u00dfe teil. Schon am Freitag hatten sich 150 AnwohnerInnen in Trauer um die Toten und Verletzten am Haus versammelt, auf das am Mittwochabend zuvor ein Brandanschlag ver\u00fcbt wurde. Diesmal traf man sich am Bahnhof Sternschanze, wo unter anderen ein Sprecher von \u201eLampedusa in Hamburg\u201c und ein \u00dcberlebender des Anschlags in M\u00f6lln sprachen. Danach zog man in einem ruhigen Marsch zur Eimsb\u00fcttler Stra\u00dfe 75. Die Stimmung war gedr\u00fcckt. Viele Menschen waren absolut fassungslos und weinten. Doch vor allem in den Reden und Gespr\u00e4chen war auch die Wut von vielen zu sp\u00fcren, die den bisherigen Aussagen der Polizei nicht glauben und eine l\u00fcckenlose Aufkl\u00e4rung \u00fcber das Verbrechen fordern.<\/p>\n<p>Die Brandstiftung in der Eimsb\u00fcttler Stra\u00dfe 75 hatte einen der schlimmsten Br\u00e4nde in den letzten Jahren in Hamburg zur Folge, 3 Menschen starben, die meisten der 30 BewohnerInnen des Hauses wurden verletzt, 5 von ihnen schwer. Gleich nach den Ereignissen schickten sich Polizei und verschiedene b\u00fcrgerliche Bl\u00e4tter an, einen rechtsradikalen oder rassistischen Hintergrund auszuschlie\u00dfen. Nicht von einem Asylbewerberheim, sondern von einem \u201eWohnhaus\u201c (welt.de) oder \u201eMehrfamilienhaus\u201c (bild.de; zeit.de) ist die Rede. Auch an Brandstiftung glaubte die Polizei zuerst nicht, es h\u00e4tte ja auch ein defekter Stromkasten einfach in Flammen aufgehen k\u00f6nnen. Mittlerweile ist man sich allerdings dar\u00fcber einig, dass das Feuer von einem Kinderwagen ausging, der im Treppenhaus stand. Nach dem Stromkasten pr\u00e4sentierten Bild, Welt, Stern und Co. heute schon einen weiteren schuldigen: Ein verwirrter 13-J\u00e4hriger Jungfeuerwehrmann soll den Brand gelegt haben \u2013 ganz aus Eigeninitiative, ohne rassistischen Hintergrund.<\/p>\n<p>Zu Recht wird dieser Erkl\u00e4rung, die Bild und Co. schon fast zu bereitwillig pr\u00e4sentieren, von vielen AktivistInnen nicht geglaubt. Warum soll ein verwirrter 13-J\u00e4hriger Feuerwehrmann, der noch dazu erst seit 2 Monaten der freiwilligen Feuerwehr in Altona angeh\u00f6rt, sich ohne rassistische oder rechtsradikale Beweggr\u00fcnde genau eine Asylbewerberunterkunft aussuchen, um ohne jedes Motiv einen Brand zu legen? Und warum genau jetzt, nach Monaten des Kampfes einer aktiven und starken Fl\u00fcchtlingsbewegung in Hamburg?<\/p>\n<p>Es ist nicht das erste brennende Fl\u00fcchtlingsheim in Deutschland in den letzten Jahren. Diesen Januar erst wurde ein Asylbewerberheim in Germering (Bayern) angez\u00fcndet. Ein Asylbewerberheim in Volksdorf brannte gleich 2 Mal in den letzten 10 Jahren, letzten November und 2007, im August 2012 brannte ein Asylbewerberheim in Stuttgart, im Januar 2014 eines in Aichtal, &#8230; Es kann vermutlich nicht bei allen Br\u00e4nden von einer Brandstiftung ausgegangen werden, die Frage ist aber schon, warum die Stellungnahme der Polizei immer lautete \u201edie Brandursache ist unklar, aber Brandlegung mit rassistischem Hintergrund kann ausgeschlossen werden\u201c und warum immer noch AsylbewerberInnen in H\u00e4usern untergebracht werden, die scheinbar \u00fcber kein vern\u00fcnftiges System an Feueralarmanlagen, Fluchtwegen oder \u00e4hnlichem bestehen und anscheinend die Tendenz haben leicht entflammbar zu sein.<\/p>\n<p>Und anders als die Hamburger Polizei behauptet w\u00e4re es nicht das erste Mal, dass in Hamburg als Folge rechter Hetze ein Asylbewerberheim in Flammen aufgeht. In der Nacht zum 22. August 1980 griffen drei Mitglieder der rechten Terrorzelle \u201eDeutsche Aktionsgruppen\u201c ein Wohnheim f\u00fcr vietnamesische Fl\u00fcchtlinge im Industriegebiet Hamburg-Billbrook mit drei Molotow-Cocktails an und spr\u00fchten die Parole \u201eAusl\u00e4nder raus\u201c an die Hausfassade. Der 22-j\u00e4hrige Ngoc Nguyen und der 18-J\u00e4hrige Anh Lan Do verbrannten stark und starben kurz darauf an ihren Verletzungen. Die Stadt Hamburg lie\u00df das Heim daraufhin einfach weiter betreiben, \u201eda das Haus ja sonst kaum Schaden genommen hatte\u201c. Der Jurist Manfred Roeder , der der Terrorzelle angeh\u00f6rt hatte, erhielt als Anf\u00fchrer der Gruppe 13 Jahre Haft und stand schon kurz nach seiner Entlassung wieder vor Gericht in einem Prozess, den auch die sp\u00e4teren Attent\u00e4ter der Nazi-Gruppe NSU Uwe Mundlos, Uwe B\u00f6hnhardt, Ralf Wohlleben und Andre K. besuchten.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr gab es in Hamburg eine der gr\u00f6\u00dften Fl\u00fcchtlingsbewegungen in Deutschland seit langem. Zehntausende gingen aus Solidarit\u00e4t mit \u201eLampedusa in Hamburg\u201c und aus Wut \u00fcber die rassistische Politik des SPD-Senats auf die Stra\u00dfe. Ein Schulstreik, der von mehr als 100 Sch\u00fclerInnen organisiert wurde brachte letzten Dezember 5000 Sch\u00fclerInnen auf die Stra\u00dfe &#8211; ein sofortiger Abschiebungsstopp, ein Ende von Rassismus und Kriegen sowie die Absetzung von Innensenator Neumann wurden gefordert. Wir haben gezeigt, wie viel wir zusammen erreichen k\u00f6nnen und dass wir uns nicht von den herrschenden Parteien gegeneinander ausspielen lassen. Schon oft haben staatlicher Rassismus und Springer-Hetze die Flammen des faschistischen Terrors gen\u00e4hrt \u2013 dazu darf es nicht wieder kommen!<\/p>\n<p>Wir fordern die l\u00fcckenlose Aufkl\u00e4rung der Morde an den Fl\u00fcchtlingen in Eimsb\u00fcttel. Da der Staat schon in vielen F\u00e4llen bewiesen hat, dass er dahingehend kein Vertrauen verdient hat (siehe Oury Jalloh) sollte es eine unabh\u00e4ngige Untersuchungskommission aus Bev\u00f6lkerung, Fl\u00fcchtlingsgruppen und Gewerkschaften geben. Staatlicher und faschistischer Rassismus m\u00fcssen bek\u00e4mpft werden und mit ihnen die sozialen Umst\u00e4nde die sie hervorbringen. Wir m\u00fcssen gegen Fluchtursachen, die Deutschland z.B. mit Waffenexporten und Kriegen produziert, vorgehen \u2013 dazu brauchen wir eine starke, antikapitalistische Linke. Ein Angriff auf einen ist immer ein Angriff auf uns alle! Nur gemeinsam k\u00f6nnen wir im Kampf gegen Rassismus und Faschismus gewinnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anschlag muss aufgekl\u00e4rt werden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26585,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,6],"tags":[262],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26584"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26584"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26584\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26585"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}