{"id":26514,"date":"2014-02-04T16:00:54","date_gmt":"2014-02-04T15:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26514"},"modified":"2014-11-03T13:42:11","modified_gmt":"2014-11-03T12:42:11","slug":"gdl-streiks-gewerkschaft-verhandelt-weiter-mit-der-bahn-ueber-demografie-tarifvertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/02\/gdl-streiks-gewerkschaft-verhandelt-weiter-mit-der-bahn-ueber-demografie-tarifvertrag\/","title":{"rendered":"GDL-Streiks: Gewerkschaft verhandelt weiter mit der Bahn \u00fcber Demografie-Tarifvertrag"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_26515\" aria-describedby=\"caption-attachment-26515\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/568175470_a783a24ce5_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-26515\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/568175470_a783a24ce5_b-e1391175150370-280x173.jpg\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/iroas\/ CC BY 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26515\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/iroas\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Lokf\u00fchrer-Alltag: Schichtbetrieb, \u00dcberstunden und psychische Belastungen<\/strong><\/p>\n<p>Die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf\u00fchrer) will eine Regelung erk\u00e4mpfen, die Lokf\u00fchrerInnen, die ihre Berufst\u00e4tigkeit nicht weiter aus\u00fcben k\u00f6nnen, eine finanzielle Absicherung auf dem vorherigen Gehaltsniveau garantiert. Die GDL fordert konkret eine Lizenzverlust-Versicherung, die vom Unternehmen bezahlt werden soll und im Falle einer Berufsunf\u00e4higkeit \u2013 zum Beispiel aufgrund von Traumata nach einem Suizid auf den Gleisen \u2013 greift.<\/p>\n<p><em>von Fabian Thiel, Hamburg<\/em><\/p>\n<p>Das Einkommen soll w\u00e4hrend einer notwendigen Umorientierungsphase gesichert und falls erforderlich bis zum Renteneintrittsalter garantiert werden. Dar\u00fcber hinaus verlangt die GDL bei Versetzungen wohnortnahe Angebote. Um dies durchsetzen zu k\u00f6nnen, wurden Streiks im Januar vorbereitet, die wegen neuer Verhandlungen bis Ende Januar aufgeschoben sind.<\/p>\n<h4>Aus dem Leben eines Lokf\u00fchrers<\/h4>\n<p>Das Durchschnittsalter der Lokomotivf\u00fchrer bei der Deutschen Bahn (DB) liegt bei 48 Jahren, die Wechselschichten, auch am Wochenende, und der Einzeldienst im F\u00fchrerhaus sind Gesundheitsrisiken, die sich nach jahrelanger Arbeit bemerkbar machen. Aber auch die j\u00e4hrlich 850 Personenunf\u00e4lle im Bahnverkehr sind eine besondere Belastung f\u00fcr die etwa 20.000 Lokomotivf\u00fchrerInnen. Traumata durch Schienensuizid geh\u00f6ren leider zum Job dazu.<\/p>\n<p>Die Lokf\u00fchrerInnen haben bei der Deutschen Bahn drei Millionen \u00dcberstunden angesammelt, die Personaldecke ist teilweise sehr d\u00fcnn (was sich an dem Chaos am Stellwerk Mainz im letzten August exemplarisch gezeigt hatte). 2013 mussten laut DB 150 Lokf\u00fchrerInnen aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden ihren Job aufgeben, das sind etwas unter einem Prozent aller Lokf\u00fchrerInnen bei der DB.<\/p>\n<h4>Das Problem der Versetzungen<\/h4>\n<p>Der Bahn-Vorstand lehnt es bislang ab, eine Lizenzverlust-Versicherung zu bezahlen. Gleiches gilt f\u00fcr die Forderung nach wohnortnahen Angeboten bei Versetzungen. Hier bietet die Bahn f\u00fcr gew\u00f6hnlich eine Versetzung auf eine andere Stelle irgendwo bundesweit im Konzern an, bei der in diesem Fall das vorherige Einkommen erhalten bleiben soll. Diese Stelle soll von der Qualifikation her zumutbar sein. Sollte eine andere Stelle im Konzern nicht angenommen werden, will die Bahn 80 Prozent von drei Jahresgeh\u00e4ltern als Abfindung bezahlen. Diese Regelung soll auch gelten, wenn durch Streckenneuauschreibungen an Konkurrenten der Deutschen Bahn DB-Lokf\u00fchrerInnen ihre Strecke verlieren.<\/p>\n<p>Zwei Drittel aller Lokf\u00fchrerInnen der Bahn sind auf Regionalstrecken unterwegs, die meist alle zehn Jahre neu ausgeschrieben werden. Die GDL hat mit den gr\u00f6\u00dferen Bahnkonzernen einen Betreiberwechsel-Tarifvertrag ausgehandelt, der es m\u00f6glich macht, dass bei Neuauschreibungen der neue Betreiber das Personal, das vorher auf der Strecke gearbeitet hat, \u00fcbernehmen muss. Laut der GDL hat die DB zwar diesen Vertrag auch unterschrieben, aber sie wendet ihn nicht an.<\/p>\n<h4>Stand der Verhandlungen<\/h4>\n<p>Insgesamt z\u00e4hlt die GDL 34.000 Mitglieder. Im November hatte sie die sich seit zwei Jahren hinziehenden Verhandlungen f\u00fcr den Demografie-Tarifvertrag zur Besch\u00e4ftigungssicherung f\u00fcr gescheitert erkl\u00e4rt. F\u00fcr die GDL ist es nicht akzeptabel, dass Besch\u00e4ftigte weiterhin bundesweit versetzt werden k\u00f6nnen. Diese Regelungen stammen aus den \u201eSanierungs\u201c-Tarifvertr\u00e4gen aus den sp\u00e4ten Neunzigern und den ersten Jahren im vergangenen Jahrzehnt. Die GDL argumentiert, dass mit den Milliardengewinnen des Konzerns und dem Fakt, dass sich die Wertsch\u00f6pfung pro Mitarbeiter in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat, es nicht einsehbar sei, die bundesweite Versetzbarkeit weiter zu akzeptieren. Au\u00dferdem besteht die GDL auf den besagten Lizenzverlust-Versicherung f\u00fcr alle Lokf\u00fchrerInnen, die unverschuldet dienstunf\u00e4hig werden.<\/p>\n<h4>\u201eMachtpolitik\u201c<\/h4>\n<p>Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die auch Mitglied im DGB ist, hat den Demografie-Tarifvertrag bereits unterschrieben. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner wirft in der \u201eNeuen Osnabr\u00fccker Zeitung\u201c der GDL vor, dass sie \u201eMachtpolitik betreibt, statt vern\u00fcnftige Tarifvertr\u00e4ge f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten zu vereinbaren\u201c. Die GDL hat aber im Gegenteil unter anderem beim Lokf\u00fchrerInnen-Streik 2007 eindrucksvoll bewiesen, dass es f\u00fcr vern\u00fcnftige Tarifvertr\u00e4ge f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten notwendig ist, \u201eMachtpolitik\u201c zu betreiben. Denn nur durch unsere gemeinsame Macht, mit Streiks die Unternehmen lahm zu legen, lassen sich diese in Verhandlungen zu Zugest\u00e4ndnissen zwingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lokf\u00fchrer-Alltag: Schichtbetrieb, \u00dcberstunden und psychische Belastungen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26515,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,20],"tags":[648,357],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26514"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26514"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26514\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26515"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}