{"id":26465,"date":"2014-01-26T10:00:17","date_gmt":"2014-01-26T09:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26465"},"modified":"2014-01-30T16:27:12","modified_gmt":"2014-01-30T15:27:12","slug":"filmkritik-12-years-a-slave","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/01\/filmkritik-12-years-a-slave\/","title":{"rendered":"Filmkritik: \u201e12 Years a Slave\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gallery5.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26468\" alt=\"gallery5\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gallery5-e1390552395558-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gallery5-e1390552395558-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gallery5-e1390552395558-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gallery5-e1390552395558-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gallery5-e1390552395558.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><\/strong><em>Dieser Artikel erschien zuerst am 15. Januar in englischer Sprache auf socialistparty.org.uk<br \/><\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eEs mag so viele menschliche Herren geben wie es unmenschliche gibt. Es mag auch Sklaven geben, die gut gekleidet, satt und zufrieden sind; vielleicht genau so viele wie es in Lumpen gekleidete, halb verhungerte und verelendete gibt. Bei der Institution, die derlei Unrecht und Unmenschlichkeit akzeptiert, von der ich Zeuge wurde, handelt es sich in jedem Fall um eine grausame, ungerechte und barbarische.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>von Eljeer Hawkins, \u201eSocialist Alternative\u201c (US-amerikanische Unterst\u00fctzerInnen des \u201eCommittee for a Workers\u00b4 International\u201c \/ \u201eKomitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale\u201c, dessen Sektion in Deutschland die SAV ist), Harlem, New York<\/em><\/p>\n<p>Das sind die Worte, mit denen Solomon Northup in seinem Buch \u201e12 Years a Slave\u201c, seiner Autobiografie, die Sklaverei beschreibt. Und in dem Film von Steve McQueen, der auf der Geschichte des Gefangenen Solomon basiert, tritt die Barbarei deutlich zutage.<\/p>\n<p>Solomon ist ein freier Schwarzer Mann, der mit Frau und Kindern in Saratoga, New York, einen viktorianischen Lebensstil pflegte, ein bekannter Geiger und von Beruf Zimmermann war. Chiwetel Ejiofor verk\u00f6rpert die Rolle des Solomon brilliant. Wir erleben ihn vollgedr\u00f6hnt und wie er sich, nachdem er wieder zu sich kommt, gefesselt wiederfindet, um kurz darauf f\u00fcr eine Sklavenauktion nach Louisiana verschifft zu werden. Die Odyssee von Solomon Northup dauerte von 1841 bis zu seiner Befreiung im Jahr 1853.<\/p>\n<p>McQueen liefert eine deutliche und anschauliche Auseinandersetzung mit dem Thema der Sklaverei. So wird unter anderem auch er\u00f6rtert, wie auf biblische Inhalte zur\u00fcckgegriffen wurde, um die Sklaverei zu rechtfertigen und welche Macht der menschliche Verstand hat. Und dennoch haben wir es mit einer \u00fcblichen Hollywood-Produktion von Brad Pitt zu tun. Dabei ist McQueen ein hoch versierter Erz\u00e4hler und K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Die vielen Landschaftsaufnahmen aus dem S\u00fcden der USA sowie die langen Nah-Einstellungen f\u00fchren die Zuschauerin und den Zuschauer zur Thematik des Films: Verzweiflung und der Kampf eines Einzelnen.<\/p>\n<p>Der Film ist daf\u00fcr kritisiert worden, dass er von einer Orgie der Gewalt durchzogen ist. In insgesamt sechs Szenen werden Auspeitschungen und Vergewaltigungen dargestellt, was dazu beitr\u00e4gt, dass die Geschichte in ihrem ganzen Ausma\u00df gezeigt wird. McQueen bleibt sehr nah an der Biografie von Solomon.<\/p>\n<h4>Grenzen des Films<\/h4>\n<p>Die Figur der Patsey wird von einer \u00fcberragenden Lupita Nyong&#8217;o dargestellt. Sie mimt die heimliche Liebe des brutalen Sklaventreibers Edwin Epps, der auf unheimliche Weise von Michael Fassbender verk\u00f6rpert wird.<\/p>\n<p>Als Epps&#8216; Ehefrau erkennt, dass ihr Mann ein Auge auf Patsey geworfen hat, tut sie alles, um Patsey zu vernichten. Der Gro\u00dfteil des Films widmet sich jedoch der Geschichte Solomons und bleibt bei der Geschichte der Frauen an der Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem \u201eVoice\u201c-Magazin sagte McQueen: \u201eWir [die Schwarzen Menschen] m\u00fcssen unsere Geschichte verstehen, genauso wie andere ethnische Gruppen, zum Beispiel die j\u00fcdische Gemeinschaft, es tun. In Bezug auf den Holocaust folgen sie der Devise: &gt;Kein Vergessen!&lt;. Ich denke, wir sollten dasselbe tun, wenn es um die Sklaverei geht\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDas ist wichtig.\u201c, erkl\u00e4rt er und f\u00e4hrt fort: \u201eDie hohe Zahl Schwarzer Menschen, die im Gef\u00e4ngnis sitzen, die psychischen Probleme, von denen viele Dunkelh\u00e4utige betroffen sind, der Drogenmissbrauch und der hohe Anteil an Alleinerziehenden in der Community \u2013 das alles sind die Sp\u00e4tfolgen der Sklaverei und wir m\u00fcssen das anerkennen\u201c.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus und die Vorherrschaft der Wei\u00dfen haben unbeschreibliches Leid gebracht, womit sich die arbeitenden Menschen, die verarmten Schichten sowie People of Colour \u2013 vor allem AfroamerikanerInnen \u2013 befassen m\u00fcssen um erkennen zu k\u00f6nnen, wie wichtig es ist, sich im Kampf zur Beendigung dieses Systems aus Gewalt, L\u00fcgen und Rassismus zu engagieren. Steve McQueens \u201e12 years a Slave\u201c bietet einen guten Einstieg, um sich weitergehend mit dieser Materie zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Dabei bleibt der Beitrag, den dieser Film leistet, begrenzt. Er st\u00fctzt sich auf die Geschichte eines einzelnen Menschen, statt die unglaubliche Geschichte der Sklavenaufst\u00e4nde zu erz\u00e4hlen, die das Potential h\u00e4tte, Inspiration zu sein f\u00fcr die heutige Generation junger Schwarzer Menschen in ihrem Widerstand gegen Rassismus und Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p>Zu den Filmen, die nicht nur die Sklaverei sondern auch die Rebellion der Versklavten beleuchten, geh\u00f6rt beispielsweise der Independent-Klassiker \u201eSankofa\u201c von Haile Gerima aus dem Jahr 1993. \u201eDaughters of the Dust\u201c, der anmutige cineastische Erfolg von Juli Dash (1992), liefert ein umfassenderes Bild von der besonderen Situation afrikanisch-amerikanischer Frauen. Ein Muss zu diesem Thema ist dar\u00fcber hinaus das Buch \u201eDie schwarzen Jakobiner\u201c von C.L.R. James (\u00fcber die Sklaven-Revolution in Haiti; Anm. d. \u00dcbers).<\/p>\n<p>Der Kinofilm \u201e12 Years a Slave\u201c und die Autobiografie von Solomon Northup sto\u00dfen allerdings eine wichtige Auseinandersetzung an, die stattfinden muss, um die Urspr\u00fcnge des US-amerikanischen Kapitalismus und das Ph\u00e4nomen der Rasse sowie das der gesellschaftlichen Klassen in der westlichen Hemisph\u00e4re verstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinofilm st\u00f6\u00dft wichtige Auseinandersetzung an<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[68,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26465"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26465"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26465\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26465"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26465"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26465"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}