{"id":26432,"date":"2014-01-21T09:00:29","date_gmt":"2014-01-21T08:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26432"},"modified":"2014-01-17T13:19:46","modified_gmt":"2014-01-17T12:19:46","slug":"lenins-90ster-todestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/01\/lenins-90ster-todestag\/","title":{"rendered":"Lenins 90ster Todestag"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/fe779a664145e5ddbefb7ee30f041972v1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26433\" alt=\"Trotzki Lenin Kamenew\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/fe779a664145e5ddbefb7ee30f041972v1-e1389961134398-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/fe779a664145e5ddbefb7ee30f041972v1-e1389961134398-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/fe779a664145e5ddbefb7ee30f041972v1-e1389961134398-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/fe779a664145e5ddbefb7ee30f041972v1-e1389961134398.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Heute vor 90. Jahren starb Wladimir Iljitsch Uljanov genannt Lenin. Aus diesem Anlass ver\u00f6ffentlichen wir einen Artikel zu Lenins Kampf gegen den Stalinismus aus unserer Zeitung aus dem Februar 1999. Heute Abend wird es in Dortmund zum Thema eine Veranstaltung geben. Die Details sind hier zu finden.<\/em><\/p>\n<h2>Leninismus contra Stalinismus<\/h2>\n<p><em>von Ianka Pigors<\/em><\/p>\n<p>Vor 75 Jahren, am 21. Januar 1924 starb Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin. Er ist eine der bedeutendsten und umstrittensten Figuren dieses Jahrhunderts. In einem Punkt sind sich Anh\u00e4nger wie Gegner einig: Ohne Lenin w\u00e4re die Oktoberrevolution, der Sturz des Kapitalismus in Russland, wahrscheinlich unm\u00f6glich gewesen. Die heute herrschende Geschichtsauffassung beschreibt Lenin als Vorl\u00e4ufer Stalins. Angeblich h\u00e4tte das totalit\u00e4re Regime des Stalinismus seine Wurzel in den politischen Ideen und der politischen Praxis Lenins und der Bolschewiki. Musste der erste Versuch, den Kapitalismus durch ein anderes Gesellschaftssystem zu ersetzen unweigerlich zum dem Typ stalinistischer Staaten f\u00fchren, wie er bis 1989\/90 in Osteuropa herrschte? Oder wieso konnte Stalin nach Lenins Tod uneingeschr\u00e4nkte Macht entwickeln?<\/p>\n<p>Russland 1917: Der Zar war im Februar vom Volk gest\u00fcrzt worden. Die Arbeiter und Bauern forderten \u201eFrieden, Land, Brot\u201c. Doch die probkapitalistische Regierung, die auf die Zarenherrschaft gefolgt war, zeigte sich unf\u00e4hig auch nur eine dieser Forderungen zu erf\u00fcllen. Unter F\u00fchrung der Bolschewiki gelang es, auch diese Regierung durch die Revolution im Oktober 1917 zu st\u00fcrzen. Die Macht lag in den H\u00e4nden der demokratisch gew\u00e4hlten Arbeiter und Soldatenr\u00e4te. Wie die Bolschewiki versprochen hatten, wurde sofort ein Waffenstillstand mit Deutschland erkl\u00e4rt. Die Gro\u00dfgrundbesitzer wurden enteignet, das Land unter den Bauern verteilt, bereits erfolgte Landbesetzungen wurden legalisiert. Die Menschen bildeten Komitees, die die verschiedensten Lebensbereiche organisierten. Frauen erhielten das Wahlrecht. Fast noch wichtiger waren die Versuche, die gesellschaftliche Benachteiligung der Frauen zu beenden. Um die Frauen von der Hausarbeit zu befreien, wurde mit der Planung von Kinderg\u00e4rten, Speiseh\u00e4usern, \u00f6ffentlichen Waschanstalten etc. begonnen. Der alte undemokratische Staatsapparat wurde zerschlagen. Richter wurden w\u00e4hl und abw\u00e4hlbar. Die geheimen Vertr\u00e4ge der ehemaligen Regierung mit anderen L\u00e4ndern wurden ver\u00f6ffentlicht. Die Gesellschaft sollte von jetzt an von den Massen durch ihre demokratischen Organisationen \u2013 die Sowjets (R\u00e4te) \u2013 gelenkt werden. Das revolution\u00e4re Russland besa\u00df gro\u00dfe Anziehungskraft auf die Arbeiter und die kriegsm\u00fcden Soldaten in den anderen L\u00e4ndern. In dieser Zeit besa\u00df das Land das demokratischste Regierungssystem, das je existiert hatte. Die einzige Partei, die verboten wurde, waren die \u201eSchwarzen Hundert\u201c, eine faschistische Partei.<\/p>\n<h4>Der B\u00fcrgerkrieg<\/h4>\n<p>Die Sowjetregierung sollte nicht viel Zeit f\u00fcr \u201esozialistische Experimente\u201c bekommen. Im Fr\u00fchjahr 1918 organisierte sich die erste \u201ewei\u00dfe\u201c konterrevolution\u00e4re Armee unter General Kornilow. Im Juli organisierten die rechten Sozialrevolution\u00e4re einen Aufstand. Ihr Ziel war die Wiederaufnahme des Krieges und der Sturz der Arbeiterregierung. Dieser Aufstand wurde von Revolutionstruppen niedergeschlagen. Mitte 1918 wurden die Partei der Menschewiki und die der rechten Sozialrevolution\u00e4re wegen ihrer Teilnahme am B\u00fcrgerkrieg gegen die Sowjets auf Seiten der Wei\u00dfen Armeen verboten. Die Partei der linken Sozialrevolution\u00e4re wurde kurz darauf verboten, nachdem sie den deutschen Botschafter ermordet und einen Mordversuch gegen Lenin unternommen hatten. Aber Lenin verwies darauf, dass es sich dabei um eine vor\u00fcbergehende Notma\u00dfnahme handele. Eine Ma\u00dfnahme, die den russischen Arbeitern helfen w\u00fcrde, die Stellung solange zu halten bis auch die Arbeiter in Deutschland und anderen L\u00e4ndern selbst eine Revolution machen w\u00fcrden. Lenin hatte nie die Idee, dass ein Ein-Parteien-Regime die Regel eines Arbeiterstaates darstelle \u2013 eine F\u00e4lschung, die sp\u00e4ter von Stalin aufgebracht wurde und heute auch bei uns offizielle Geschichtsschreibung ist. Im Juli begann die Intervention der Alliierten. Die gr\u00f6\u00dfte Rolle spielten England, Frankreich, die USA und Japan. Deutschland hatte nach dem Frieden von Brest Litowsk gro\u00dfe Teile der Ukraine besetzt. Alle ausl\u00e4ndischen M\u00e4chte unterst\u00fctzten antisowjetische Regierungen und Armeen mit Truppen, Waffen und Geld. Die Arbeiterregierung mussten eine Armee aus dem Boden stampfen, um sich zu verteidigen. Die Ausgangslage hierf\u00fcr war alles andere als rosig. Der Friede von Brest-Litowsk hatte das Land wichtige Landwirtschafts- und Rohstoffgebiete gekostet. Die Aufteilung der gro\u00dfen G\u00fcter in kleine Bauernh\u00f6fe f\u00fchrte zu einem Produktivit\u00e4tsverlust in der Landwirtschaft. Der Weltkrieg hatte die normale Industrieproduktion bereits gesch\u00e4digt. Der B\u00fcrgerkrieg f\u00fchrte zum Zusammenbruch der Produktion. Die Bauern, die so keine Industrieprodukte als Gegenleistung f\u00fcr ihre Nahrungsmittel mehr bekommen konnten, wollten nicht umsonst arbeiten. Sie versuchten, die Waren bis zur Verbesserung der Lage zu horten.<\/p>\n<h4>Hunger<\/h4>\n<p>Die Arbeiterregierung, die sowohl die Armee, als auch die hungernden St\u00e4dte ern\u00e4hren musste, reagierten darauf mit gewaltsamen Beschlagnahmungen. Die Bauern produzierten daraufhin nur noch f\u00fcr den eigenen Gebrauch. Das \u00e4nderte nichts am Bedarf. Die st\u00e4dtischen Sowjets schickten bewaffnete Trupps, die nach Getreide suchen sollten. Die Bauern wehrten sich, es kam zu blutigen Auseinandersetzungen. Hunger wurde \u00fcberall zu einem ernsten Problem. Die Unzufriedenheit wuchs. 1921 kam es zu einer Serie von Bauernaufst\u00e4nden und einer damit verbundenen Revolte neu eingezogener b\u00e4uerlicher Matrosen in Kronstadt. Dies st\u00e4rkte den Einfluss von Anh\u00e4ngern der Sozialrevolution\u00e4re, der Menschewiki und anarchistischer Str\u00f6mungen Die Bolschewiki konnten dem politisch wenig entgegensetzen ihre besten Leute k\u00e4mpften an der Front oder waren gefallen. Armee und St\u00e4dte konnten nicht auf Nahrungsmittel warten. Verzweifelt griffen sie zu Zwangsma\u00dfnahmen. Es kam zur gewaltsamen Unterdr\u00fcckung von Hungerprotesten und Streiks. Parallel zu diesem Prozess fand ein Absterben der Sowjets statt. Im Interesse einer effektiven Kriegf\u00fchrung wurden die Kompetenzen der lokalen Sowjets immer mehr von zentralistischen milit\u00e4rischen Organisationen beschnitten. Gleichzeitig sank die Bev\u00f6lkerung der St\u00e4dte. Die Leute versuchten vor dem Hunger aufs Land zu fliehen. Der Zusammenbruch der Produktion zerst\u00f6rte den Zusammenhalt der Arbeiterviertel. Die politisch bewusstesten Arbeiter hielten an den B\u00fcrgerkriegsfronten die gef\u00e4hrlichsten Abschnitte und fielen massenhaft. Auch dadurch bluteten die Sowjets aus. Nicht zuletzt wurden gefangene Sowjetmitglieder, egal ob Bolschewiki oder nicht, von den Wei\u00dfen Truppen niedergemetzelt. Bei der R\u00fcckeroberung der Gebiete durch die Rote Armee lebten die Sowjets selten wieder auf. Statt begeisterter Aufbaustimmung herrschte in Russland jetzt ein verzweifelter \u00dcberlebenskampf. Gab es eine Alternative? Es ist klar, dass eine Kapitulation vor den monarchistischen und diktatorischen B\u00fcrgerkriegsgener\u00e4len Selbstmord gewesen w\u00e4re. Es h\u00e4tte die Errichtung einer Milit\u00e4rdiktatur wie unter Suharto in Indonesien oder unter Pinochet in Chile bedeutet.<\/p>\n<h4>B\u00fcrokratisierung <\/h4>\n<p>Die junge Sowjetunion gewann den Krieg. Aber die Folgen des Krieges waren verheerend: etwa 6 Mio. Tote, weite Teile des Landes verw\u00fcstet, die Industrie zerst\u00f6rt, die Arbeiterklasse verstreut und ausged\u00fcnnt, unz\u00e4hlige der begeistertsten Leute gefallen, das R\u00e4tesystem lag am Boden. Mangel an allem war das wichtigste Kennzeichen dieser Zeit. Mangel zwingt die Menschen zu Verteilungsk\u00e4mpfen. Der Staat musste eingreifen, damit nicht das Recht des St\u00e4rkeren herrschte. Die Staatsbediensteten waren aber ebenfalls in die Verteilungsk\u00e4mpfe verwickelt. Das allgemeine Elend bot ihnen die Chance, ihre Position auszunutzen. Das beg\u00fcnstigte b\u00fcrokratische Entwicklungen. Im Krieg war die Regierung gezwungen gewesen, zaristische Funktion\u00e4re mit Privilegien in ihrem Dienst zu halten, um das fehlende Wissen vor allem in milit\u00e4rischen Fragen auszugleichen. Auch viele Bolschewiki fanden im Kampf gegen das Chaos und den allgegenw\u00e4rtigen Mangel die \u201emilit\u00e4rische Methode\u201c angenehm effektiv. Auch dadurch wurde die Entstehung einer unpolitischen, auf ihr eigenes Wohl bedachten Funktion\u00e4rsschicht gef\u00f6rdert.<\/p>\n<h4>Neue \u00f6konomische Politik<\/h4>\n<p>1921 waren die sozialistischen Revolutionen in den anderen L\u00e4ndern gescheitert. Die Bolschewiki mussten sich darauf einrichten, l\u00e4ngere Zeit ohne Hilfe von Au\u00dfen zu \u00fcberstehen. Die wichtigste Aufgabe war der Wiederaufbau der Wirtschaft. Nach dem Ende des Krieges konnten die Bolschewiki die Armee demobilisieren. Sie entschlossen sich, den Bauern kleinkapitalistischen Handel zu erlauben. Lenin war klar, dass ein solcher Schritt langfristig wieder zu Kapitalismus f\u00fchren w\u00fcrde. Die Isolation der Sowjetrepublik lie\u00df ihm jedoch keine Wahl als einen kontrollierten R\u00fcckzug. Er hoffte, durch eine Erholung der Landwirtschaft, Ressourcen f\u00fcr eine staatlich geplante Industrialisierung freizusetzen. Die sogenannte N\u00d6P \u2013 Neue \u00f6konomische Politik \u2013 verhinderte den wirtschaftlichen Kollaps \u2013 allerdings sehr zum Nachteil der St\u00e4dte gegen\u00fcber dem Land. Sie f\u00f6rderte gleichzeitig die Bildung einer Schicht von Zwischenh\u00e4ndlern und Gro\u00dfbauern. Diese begannen mit den Funktion\u00e4ren aus Staat und Partei zusammenzuarbeiten. Lenin war sich des Problems bewusst. Er setzte durch, dass die Mitgliedschaft der Partei auf Karrieristen und B\u00fcrokraten \u00fcberpr\u00fcft wurde. Eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Mitgliedern wurde ausgeschlossen. Das waren in der Regel Leute, die sich aus eigenn\u00fctzigen Motiven der Partei angeschlossen hatten, nachdem der B\u00fcrgerkrieg vor\u00fcber war und sie sich von einer Parteimitgliedschaft nicht Gefahren sondern pers\u00f6nliche Vorteile versprachen. Ende Mai 1922 erlitt Lenin seinen ersten Schlaganfall, der ihn bis zum Herbst von der politischen Arbeit fernhielt. W\u00e4hrend dessen nahm die B\u00fcrokratisierung immer mehr zu. Um sie zu bek\u00e4mpfen, trat Lenin f\u00fcr die Aufstellung einer \u201eArbeiter- und Bauerninspektion\u201c ein, einer Art Anti-Korruptions-Einheit.<\/p>\n<h4>Stalin<\/h4>\n<p>An ihre Spitze wurde ausgerechnet Stalin gestellt, den er wegen seinen organisatorischen F\u00e4higkeiten sch\u00e4tzte. Die Position in der \u201eArbeiter und Bauerninspektion\u201c gab ihm ideale M\u00f6glichkeiten, sich eine ergebene Hausmacht zuzulegen. So wurde die Inspektion selbst ein Teil des Problems. Stalin war f\u00fcr die sich entwickelnde B\u00fcrokratie der geeignete Anf\u00fchrer. Er hatte organisatorisches Talent, Machtbewusstsein, wenig Skrupel und ein beschr\u00e4nktes politisches Verst\u00e4ndnis. Das schien den B\u00fcrokraten ideal. Lenin war sich der Probleme in dem von Armut und Krieg gezeichneten, wirtschaftlich r\u00fcckst\u00e4ndigen Lande bewusst. Er meinte, die Sowjetunion sei ein Arbeiterstaat aber kein gesunder Arbeiterstaat. Aber es dauerte seine Zeit bis er erkannte, wie weit die B\u00fcrokratisierung in der Partei fortgeschritten war. 1922 fand er heraus, dass Stalin die besten F\u00fchrer der georgischen Bolschewiki ausgeschaltet hatte. Er hatte sie durch seine Anh\u00e4nger ersetzt, um den Anschluss Georgiens an Russland durchzusetzen. Lenin war alarmiert. Die Kaltschn\u00e4uzigkeit, mit der sich Stalin \u2013 gegen das Programm der Bolschewiki \u2013 \u00fcber die nationalen Interessen des kleinen Georgiens hinwegsetzte, erinnerte ihn stark an den gro\u00dfrussischen Chauvinismus der Zarenzeit. Einmal aufgeschreckt begann Lenin ein Programm f\u00fcr den Kampf gegen die B\u00fcrokratie zu entwickeln. Die erste Ma\u00dfnahme sollte die Erweiterung des Zentralkomitees um zahlreiche junge Arbeiter aus den unteren R\u00e4ngen der Partei werden. Trotzki wurde der Einzige, dem er bei diesem Kampf vertraute. Aber Lenin wurde nie wieder gesund. Am 9.3. 23 erlitt er seinen dritten Schlaganfall. Er konnte bis zu seinem Tod am 21. 1. 24 nicht mehr politisch arbeiten. Trotzki und die \u201eLinke Opposition\u201c f\u00fchrten den Kampf weiter. Aber Stalins Anh\u00e4nger setzten sich immer mehr durch. 1924 holten sie mit dem sogenannten \u201eLeninaufgebot\u201c ca. 250.000 neue Mitglieder in die Partei. Diese Leute waren nicht w\u00e4hrend der Revolution oder im B\u00fcrgerkrieg eingetreten, als es gef\u00e4hrlich war, das Parteibuch zu besitzen. Erst jetzt, in der N\u00d6P Zeit, dr\u00e4ngten sie in die Partei. Die meisten von ihnen waren offensichtlich keine Kommunisten. Der Zustrom von unpolitischen Kr\u00e4ften versetzte der Partei Lenins den Todessto\u00df. Sie war nicht l\u00e4nger die Partei der fortschrittlichsten und entschlossensten Arbeiter Russlands.<\/p>\n<h4>Sozialismus in einem Land?<\/h4>\n<p>Parallel zu dieser Entwicklung schuf sich die B\u00fcrokratie ihre eigene Ideologie. Ihre Ideen waren aber nicht dazu da, die Gesellschaft zu erkl\u00e4ren. Ihr Zweck war allein, die Unab\u00e4nderlichkeit der herrschenden Verh\u00e4ltnisse zu begr\u00fcnden. Ihr Dogma war Stalins Idee vom \u201eSozialismus in einem Land.\u201c Sie besagte, dass der Revolutionsprozess abgeschlossen sei, und man nun mit dem Aufbau des Sozialismus beginnen werde. Diese Idee entsprach der Stimmung weiter Teile der Bev\u00f6lkerung, die nach den Jahren von Krieg und B\u00fcrgerkrieg auch politisch ausgezehrt und m\u00fcde geworden war. Lenin hat zu keinem Zeitpunkt die Idee vertreten, man k\u00f6nne den Sozialismus in einem Land aufbauen. Er sah die russische Revolution als Beginn einer Kette von Revolutionen in den anderen L\u00e4ndern der Welt. Der fundamentale Unterschied zwischen Lenin und Stalin in dieser Frage widerspiegelt sich im Schicksal der Kommunistischen Internationale. Sie war 1919, mitten im B\u00fcrgerkrieg, in Moskau gegr\u00fcndet worden und wurde 1943 von Stalin aufgel\u00f6st.<\/p>\n<h4>Terrorherrschaft<\/h4>\n<p>Stalin installierte eine Terrorherrschaft, der auch viele Bolschewiki der Revolutionszeit zum Opfer fielen. Auch die F\u00fchrer der linken Opposition wurden erst aus der Partei ausgeschlossen, dann eingesperrt oder verbannt und schlie\u00dflich umgebracht. Stalin brauchte immerhin 12 Jahre, bis zum Ende der Moskauer Prozesse Mitte\/ Ende der 30er Jahre, bis er jede organisierte Opposition ausgemerzt hatte. Das allgemeine Elend durch den B\u00fcrgerkrieg und die Tatsache dass die Revolution auf das r\u00fcckst\u00e4ndige Russland beschr\u00e4nkt blieb, hat zum Aufstieg der B\u00fcrokratie unter Stalin gef\u00fchrt. Die Lehre daraus ist nicht, auf Sozialismus zu verzichten. Die Lehre daraus ist, heute in allen L\u00e4ndern revolution\u00e4re sozialistische Parteien aufzubauen und eine revolution\u00e4re Arbeiterinternationale. Der Kampf f\u00fcr Sozialismus beginnt in jedem einzelnen Land und ist erst zu Ende, wenn weltweit mit dem Kapitalismus auch Krieg, Armut und die Unterdr\u00fcckung des Menschen durch den Menschen abgeschafft sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leninismus contra Stalinismus<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26433,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[95],"tags":[356],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26432"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26432"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26432\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26433"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}