{"id":26427,"date":"2014-01-16T14:33:32","date_gmt":"2014-01-16T13:33:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26427"},"modified":"2014-01-16T14:33:32","modified_gmt":"2014-01-16T13:33:32","slug":"leserbrief-zum-artikel-debatte-ueber-inflationsgefahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/01\/leserbrief-zum-artikel-debatte-ueber-inflationsgefahren\/","title":{"rendered":"Leserbrief zum Artikel \u201eDebatte \u00fcber Inflationsgefahren\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>von Heino Berg, G\u00f6ttingen<\/em><\/p>\n<p><a title=\"Artikel\" href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2012\/09\/debatte-um-inflationsgefahren\/\">Der Artikel von Wolfram Klein<\/a> untersch\u00e4tzt aus meiner Sicht die Gefahren, die eine Erh\u00f6hung der Geldmenge \u00fcber unbegrenzte staatliche Anleihenk\u00e4ufe mittelfristig auch f\u00fcr die Stabilit\u00e4t einer W\u00e4hrung (hier: des Euro) hervorrufen kann. Die (noch moderate) Abwertung des Euro gegen\u00fcber dem Dollar ist als Folge der EZB-Entscheidung bereits ein Hinweis darauf.<\/p>\n<p>Der Tauschwert von Waren wird zwar durch die gesellschaftlich daf\u00fcr notwendige Arbeitszeit bestimmt, ihr Ausdruck in Marktpreisen bzw. die \u201eStabilit\u00e4t\u201c der jeweiligen Geldeinheit h\u00e4ngt aber nat\u00fcrlich auch vom Verh\u00e4ltnis zwischen G\u00fcter- und Geldvolumen ab. Andernfalls k\u00f6nnten Staat und Zentralbanken unbegrenzt \u201eGeld drucken\u201c, ohne damit Inflationsgefahren hervorzurufen.<\/p>\n<p>Richtig ist, da\u00df der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB keine unmittelbare Geldentwertung ausl\u00f6st. Die gigantische \u201eAusdehnung der Finanzm\u00e4rkte und der Geldmenge zur Abwicklung dieser Gesch\u00e4fte\u201c (Wolfram) beschr\u00e4nkt sich ja zun\u00e4chst auf die Zirkulationssph\u00e4re und \u00fcbt dadurch keinen unmittelbaren (Nachfrage)Druck auf die Preise von G\u00fctern des t\u00e4glichen Bedarfs aus, die im Warenkorb f\u00fcr die Inflationsrate gemessen werden. Die \u00dcberproduktionskrise, die den Mangel an kaufkr\u00e4ftiger Nachfrage wegen der niedrigen L\u00f6hne ausdr\u00fcckt, bremst und \u00fcberlagert die Tendenz zu allgemeiner Geldentwertung zus\u00e4tzlich. In bestimmten Bereichen beginnt aber die st\u00e4ndige Erh\u00f6hung der Geldmenge im spekulativen Sektor auf die Preisentwicklung in der \u201eRealwirtschaft\u201c zur\u00fcckzuwirken. Das gilt z.B. f\u00fcr Rohstoffe, Nahrungsmittel und Immobilien auf den Weltm\u00e4rkten. Sobald das Vertrauen in die Geldstabilit\u00e4t auch beim Kapital zu schwinden droht, sucht es nach \u201esicheren\u201c H\u00e4fen in Sachwerten und treibt dort die Preise. Um den inflation\u00e4ren Effekt zu begrenzen, mu\u00df das Kapital den Druck auf die L\u00f6hne in den Zentren der Weltwirtschaft verst\u00e4rken bzw. die Produktion noch st\u00e4rker in Billiglohnl\u00e4nder verlagern. Wenn die inflation\u00e4ren Folgen eines (durch Staats- und Privatkredite) aufgebl\u00e4hten Geldvolumens noch nicht sp\u00fcrbar werden, hei\u00dft das nicht, da\u00df sie unter der Oberfl\u00e4che keine Rolle spielen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zu den Schranken f\u00fcr die keynsianischen Mittel, mit denen das Kapital auf den drohenden Zusammenbruch des Finanzsystems nach der Lehman-Pleite 2008 reagiert hat, n\u00e4mlich die Flutung der Finanzm\u00e4rkte mit billigem Geld der Zentralbanken, geh\u00f6ren jedenfalls auch die Gefahren f\u00fcr die Geldwertstabilit\u00e4t. Die Austerit\u00e4tspolitik, mit der vor allem in Europa die Kosten der Bankenrettung auf die Arbeiterklasse abgew\u00e4lzt werden, ist ja nicht nur ein \u201eFehler\u201c verbohrter Neoliberaler, sondern der unvermeidliche Preis, der f\u00fcr keynsianische Anfangsphase kapitalistischer Krisenverz\u00f6gerung f\u00e4llig wurde. Als Sozialisten sollten wir die EZB-Anleihek\u00e4ufe nicht nur wegen der damit verbunden Austerit\u00e4tsauflagen ablehnen, sondern auch als weiteren Schritt in Richtung auf den Zusammenbruch der Euro-Zone verstehen.<\/p>\n<p>Heino Berg, 23.9.12<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EZB Anleihek\u00e4ufe sind ein Schritt in Richtung Zusammenbruch der Euro-Zone<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24655,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[123],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26427"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26427"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26427\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}