{"id":26338,"date":"2013-12-22T14:00:28","date_gmt":"2013-12-22T13:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26338"},"modified":"2013-12-21T19:06:47","modified_gmt":"2013-12-21T18:06:47","slug":"diskussionsbeitrag-die-linke-und-die-prostitution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/12\/diskussionsbeitrag-die-linke-und-die-prostitution\/","title":{"rendered":"Diskussionsbeitrag: Die Linke und die Prostitution"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/DieLinke_RGB1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-15812\" alt=\"LINKE\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/DieLinke_RGB1-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/DieLinke_RGB1-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/DieLinke_RGB1-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/DieLinke_RGB1-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/DieLinke_RGB1-325x200.jpg 325w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/DieLinke_RGB1.jpg 635w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Zw\u00f6lf Jahre nach der Legalisierung der Prostitution gibt es eine neue Debatte \u00fcber den Umgang mit Prostitution. Die neue Regierung plant \u00c4nderungen am Gesetz, die EMMA hat eine &#8218;Appell gegen Prostitution&#8216; gestartet. Und es gibt auch einen von &#8218;Appell F\u00dcR Prostitution&#8216; vom \u201eBerufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen\u201c.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Georg K\u00fcmmel, K\u00f6ln<\/em><\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr diesen Diskussionsbeitrag ist, dass einige Bundestagsabgeordnete und weitere Funktionstr\u00e4gerInnen der LINKEN, den \u201eAppell F\u00dcR Prostitution\u201c unterschrieben haben. <a href=\"http:\/\/sexwork-deutschland.de\/?page_id=85\">(Appell und Liste der UnterzeichnerInnen<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dielinke-nrw.de\/partei\/arbeitskreise\/frauen_lisa\/prostitutionsdebatte\/\">Ein Papier von der &#8218;LINKE Sozialistische AG Frauen (LISA)-NRW&#8216;, das die \u201egesellschaftliche \u00c4chtung des Systems Prostitution\u201c fordert, liefert viele gute Argumente zu dem Thema.<\/a> Zu empfehlen ist insbesondere auch <a href=\"http:\/\/www.rosareloaded.de\/eine-sozialistische-perspektive-auf-die-sexindustrie-und-prostitution\/\">dieser Artikel aus der sozialismus.info, Nr. 19, 4-2013<\/a>,<\/p>\n<p>In der Debatte kommt aber nach wie vor ein entscheidender Punkt zu kurz. Das Hauptargument derjenigen, die den \u201eAppell F\u00dcR Prostitution\u201c initiiert haben, bzw. ihn unterst\u00fctzen lautet: &#8218;Prostitution ist eine Dienstleistung oder Arbeit wie andere auch.&#8216;<\/p>\n<p>Zwangsprostitution wird in dem Appell als Vergewaltigung verurteilt. Prostitution als \u201esexuelle Dienstleistung\u201c beruhe hingegen auf Freiwilligkeit. Nicht nur deutsche Frauen, sondern auch Migrantinnen seien \u00fcberwiegend freiwillig und selbstbestimmt in der Sexarbeit t\u00e4tig. Deshalb d\u00fcrften sie nicht als Opfer betrachtet werden. Prostitution m\u00fcsse im Gegenteil endlich gesellschaftlich als normaler Beruf anerkannt werden, so die zentrale Forderung des Appells.<\/p>\n<p>Diese Argumentation blendet aus, welche gesellschaftlichen Auswirkungen es hat, wenn Prostitution als \u201enormal\u201c betrachtet wird. Die Anerkennung von Prostitution als \u201enormale Arbeit\u201c hat Folgen f\u00fcr alle Frauen und f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen M\u00e4nnern und Frauen allgemein. Und das hat Konsequenzen f\u00fcr die Bedingungen unter denen der Kampf f\u00fcr bessere Lebensverh\u00e4ltnisse gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Dass es Prostituierte gibt, die sich aus ihrer pers\u00f6nlichen Sicht freiwillig prostituieren, braucht nicht bestritten werden. Das ist aber kein Grund, Prostitution als normale Dienstleistung oder Arbeit zu betrachten und gesetzlich als solche anzuerkennen.<\/p>\n<p>Die Frage, welche Gesetzes\u00e4nderungen im Zusammenhang mit der Prostitution zur\u00fcckgenommen oder neu formuliert werden sollten, ist nicht einfach zu beantworten. Weder die R\u00fcckkehr zur alten Gesetzeslage vor Einf\u00fchrung Prostitutionsgesetz im Jahr 2002, noch der status quo, noch ein Nachtraben hinter irgendwelchen Ma\u00dfnahmen der Regierung sind hier die beste L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Nimmt man die Berichte zusammen, wie sich Situation der Prostituierten seit der Legalisierung der Prostitution in Deutschland ver\u00e4ndert hat, dann kommt man ganz klar zu dem Schluss, dass sich die Prostitution stark ausgeweitet hat. F\u00fcr einige Prostituierte mag sich die pers\u00f6nliche Situation verbessert haben, die Mehrzahl hatte entweder nichts davon oder ihre Situation hat sich verschlechtert. Und \u201everschlechtert\u201c ist eine sehr zur\u00fcckhaltende Formulierung. Es gibt auch gen\u00fcgend Berichte, die belegen, dass im Zuge ihrer Legalisierung die Prostitution nicht nur stark ausgeweitet, sondern auch in ihrer Form vielfach noch schlimmer geworden ist. Beides ist nat\u00fcrlich untrennbar verbunden mit der Zunahme von Armut und Perspektivlosigkeit insbesondere in vielen L\u00e4ndern Ost- und mittlerweile auch S\u00fcdeuropas.<\/p>\n<p>Das Gesetz hat jedenfalls definitiv nicht die positive Wirkung f\u00fcr die Lage der Prostituierten gehabt, die damit angeblich beabsichtigt war. Das geben mittlerweile auch dessen Initiatoren mehr oder weniger unumwunden zu.<\/p>\n<h4>Gesellschaftliche Wirkung<\/h4>\n<p>Das an sich ist schon schlecht genug. Das Hauptproblem ist aber die gesellschaftliche Wirkung, die die Gesetzgebung und insbesondere die damit verbundene Argumentation gehabt haben.<\/p>\n<p>Das zentrale Problem ist, dass sich dadurch die gesellschaftspolitische Situation f\u00fcr alle Frauen generell verschlechtert hat. Das Bild der Frau als Ware, deren K\u00f6rper man kaufen und dar\u00fcber verf\u00fcgen kann, ist durch die Gesetzgebung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen im Alltag, massiv verst\u00e4rkt worden.<\/p>\n<p>Das Bild, wie Frauen von M\u00e4nnern gesehen werden, ist wieder in die uralte Richtung \u201eDie Frau sei dem Manne untertan\u201c ger\u00fcckt worden, diese Haltung wird nur nicht mehr religi\u00f6s begr\u00fcndet sondern, als normales Geldgesch\u00e4ft, gesetzlich verankert. Wenn es normal ist, dass Frauen sich prostituieren, dann ist es auch \u201enormal\u201c zu einer Prostituierten zu gehen, sich die sexuelle Verf\u00fcgung \u00fcber eine Frau zu kaufen. Formal ist \u201egrob anst\u00f6\u00dfige\u201c oder \u201ebel\u00e4stigende\u201c Werbung f\u00fcr Prostitution weiter verboten. Aber es z\u00e4hlt zu den Auswirkungen der Legalisierung von Prostitution, dass auf Gro\u00dffl\u00e4chenplakaten ziemlich unverhohlen f\u00fcr Flatrate-Bordelle geworben werden kann. Wenn schon Grundschulkinder mit dieser Werbung gro\u00df werden, dann beeinflusst das doch wohl das Bild, das M\u00e4nner von Frauen und Frauen von sich selber haben \u2013 und bestimmt nicht in einer Weise, die Linke sich w\u00fcnschen sollten. Die \u201eNormalisierung\u201c von Prostitution wirkt sich negativ aus, und zwar sowohl auf das direkte Verh\u00e4ltnis zwischen M\u00e4nnern und Frauen als auch auf die Bedingungen, unter denen M\u00e4nner und Frauen f\u00fcr bessere Lebensverh\u00e4ltnisse k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Prostitution und der Umgang mit ihr, ist, wie alles in einer Klassengesellschaft, eine Klassenfrage. Wir, die wir als Linke mit allen abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, mit den Erwerbslosen und den Armen f\u00fcr bessere Lebensbedingungen k\u00e4mpfen wollen, m\u00fcssen uns doch fragen, welche Auswirkungen es auf die Bedingungen dieses Kampfes hat, wenn M\u00e4nner und am Ende sogar die Frauen, denken, dass man sich die sexuelle Verf\u00fcgung \u00fcber eine Frau kaufen k\u00f6nne, wie einen Haarschnitt oder einen Imbiss.<\/p>\n<h4>Wirtschaftsliberale Ansichten<\/h4>\n<p>Wenn von Organisationen der Prostituierten der Eindruck erweckt wird, der Gro\u00dfteil der Prostituierten arbeite freiwillig, dann ist das, beabsichtigt oder nicht, eine wirtschaftsliberale, b\u00fcrgerliche Sichtweise. Die b\u00fcrgerliche Idee dahinter ist simpel: Wenn man selbst der traurigen Realit\u00e4t, dass junge Frauen ihre Heimatl\u00e4nder verlassen, um hier mit Prostitution ihr Geld zu verdienen, den ideologischen Anschein der \u201eFreiwilligkeit\u201c verpassen kann, wenn sich selbst dar\u00fcber niemand mehr emp\u00f6rt, dann gibt es wenig Grund sich \u00fcber die L\u00f6hne und Arbeitsverh\u00e4ltnisse derer zu emp\u00f6ren, die in Deutschland f\u00fcr ein paar Euro in Gro\u00dfschlachtereien schuften und in Baracken wohnen. Und dieser Gedanke gilt in allgemeiner Form: Wenn angeblich selbst die Frauen, die die Benutzung ihres K\u00f6rpers verkaufen, dass vollkommen \u201efreiwillig\u201c tun, dann gehen wir ja alle freiwillig arbeiten und leben in einer freien Gesellschaft. Tun wir aber nicht, Freiheit gibt es nur f\u00fcr die besitzende Klasse. Der Kapitalist kann seine Besch\u00e4ftigten rausschmei\u00dfen, aber nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Als sozialistische Linke wollen wir au\u00dferdem nicht nur ein bisschen mehr Lohn, nicht nur ein bisschen mehr an Sozialleistungen (die im Kapitalismus nie gesichert sind). Wir wollen eine ganz andere Gesellschaft, eine Gesellschaft in der es keine Ausbeutung, keine Unterdr\u00fcckung des Menschen durch den Menschen gibt. Wenn aber gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse zunehmend als normal angesehen werden, in denen man gegen Geld sogar den K\u00f6rper einer Frau kaufen kann, dann werden auch die existierenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse noch viel weniger in Frage gestellt. Verh\u00e4ltnisse in denen es ja auch normal ist, dass der Kapitalbesitzer \u00fcber die Arbeitskraft der ArbeiterIn verf\u00fcgen kann, f\u00fcr die Dauer, f\u00fcr die er ihre Arbeitskraft gekauft hat, den Besch\u00e4ftigten sagen kann, was sie zu tun haben und sie in die Arbeitslosigkeit schicken kann, wenn es ihm beliebt.<\/p>\n<h4>Unver\u00e4nderlich?<\/h4>\n<p>Als sozialistische Linke haben wir kein Interesse daran, und die ArbeiterInnenklasse insgesamt hat objektiv kein Interesse daran, dass Verh\u00e4ltnisse als normal angesehen werden, in denen Menschen \u00fcber andere Menschen bestimmen.<\/p>\n<p>Als sozialistische Linke k\u00f6nnen wir uns n\u00e4mlich durchaus Verh\u00e4ltnisse vorstellen, in denen alle Menschen frei und gleichberechtigt sind. (Und damit meinen wir nat\u00fcrlich nicht die angeblich \u201esozialistischen\u201c L\u00e4nder des ehemaligen Ostblock, sondern eine demokratische Gesellschaft, die erst noch erk\u00e4mpft werden muss, um das an dieser Stelle sicherheitshalber klarzustellen.)<\/p>\n<p>Deshalb sollten Linke auch die Phrase vom angeblich \u201e\u00e4ltesten Gewerbe der Welt\u201c ablehnen. Diese Formulierung ist nicht nur besch\u00f6nigend, sondern vermittelt auch den Eindruck, Prostitution habe es schon immer gegeben und werde es folglich immer geben, sie sei also \u201enormal\u201c. Es gab aber historisch Gesellschaften, urspr\u00fcngliche klassenlose Gesellschaften, die ohne Prostitution ausgekommen sind. Das war vor der Entwicklung von Privateigentum, Erbrecht und Ehe. Wir d\u00fcrfen annehmen, dass in einer Gesellschaft, in denen Frauen und M\u00e4nner wirklich gleichberechtigt sind, in der es keine materielle Not gibt, in der es keine ungleichen Besitzverh\u00e4ltnisse gibt, in der kein Mensch Macht \u00fcber andere Menschen aus\u00fcben kann, dass es in solch einer Gesellschaft undenkbar ist, dass ein Mann sich die Verf\u00fcgung \u00fcber den K\u00f6rper einer Frau kaufen kann.<\/p>\n<h4>W\u00fcrde?<\/h4>\n<p>Einige Prostituiertenverb\u00e4nde und ihre \u201eliberalen\u201c Unterst\u00fctzer argumentieren, wer gegen die Legalisierung von Prostitution sei, wer Prostituierte als Opfer darstelle, verletzt deren W\u00fcrde und verweigere ihnen den Respekt.<\/p>\n<p>Niemand hat das Recht auf Prostituierte von oben herab zu blicken. Aber menschenunw\u00fcrdige, unterdr\u00fcckerische Verh\u00e4ltnisse werden nicht dadurch besser, indem man sich weigert, sie als solche zu benennen. Sie werden durch Besch\u00f6nigen nicht besser, sondern nur verewigt. Prostitution ist keine normale Arbeit. Aber es gibt eine Parallele zwischen der Unterdr\u00fcckung als Prostituierte und als ArbeiterIn. Es gibt schlechte und weniger schlechte Arbeitsverh\u00e4ltnisse, aber wer abh\u00e4ngig-besch\u00e4ftigt ist, ist nicht frei. Die Arbeiterklasse ist eine unterdr\u00fcckte Klasse. W\u00fcrde und Respekt gibt es nicht von oben per Gesetz, sondern dadurch, dass die Unterdr\u00fcckten aufstehen und sich wehren \u2013 das gilt ganz allgemein.<\/p>\n<h4>Verbieten?<\/h4>\n<p>Gegen die Legalisierung und damit Normalisierung der Prostitution zu sein, bedeutet noch lange nicht f\u00fcr ein Verbot, bzw. f\u00fcr sch\u00e4rfere Gesetze zu sein. Weder Legalisierung noch Kriminalisierung sollte das allgemeine Prinzip sein, das Linke in dieser Frage einnehmen sollten.<\/p>\n<p>Um konkrete Positionen zu konkreten gesetzlichen Regelungen zu entwickeln, sollte die Linke eine breit angelegte Diskussion f\u00fchren, unter Einbeziehung von Prostituierten und mit deren Problemen vertrauten Initiativen &#8211; aber nicht nur mit diesen. Keine Frau wird etwas dagegen haben, die konkrete Situation von Prostituierten zu verbessern, aber wenn es um die gesetzliche Anerkennung der Prostitution als Beruf geht oder beispielsweise um die Frage, ob f\u00fcr Prostitution geworben werden darf, dann betrifft das alle Frauen und dann m\u00fcssen sie auch in die Diskussion einbezogen werden.<\/p>\n<h4>Was tun?!<\/h4>\n<p>Eine L\u00f6sung kann nicht von oben, vom b\u00fcrgerlichen Staat erwartet werden. Sie kann nur aus der politischen Arbeiterbewegung entstehen. Sie muss auf zwei Wegen k\u00e4mpfen: \u00f6konomisch und ideologisch. Der gr\u00f6\u00dfte materielle F\u00f6rderer der Prostitution ist die Armut. Ihre materielle Ursache und ideologische St\u00fctze findet die Unterdr\u00fcckung der Frau &#8211; die Prostitution ist eine Form dieser Unterdr\u00fcckung &#8211; in den kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen.<\/p>\n<p>Nach Jahrtausenden Klassenkampf im allgemeinen und ungef\u00e4hr zweihundert Jahren kapitalistischem Klassenkampf im besonderen, sollte sich doch zumindest in der Linken langsam die Erkenntnis durchsetzen, dass es im Kampf gegen die Unterdr\u00fcckung am D\u00fcmmsten ist, wenn sich die Unterdr\u00fcckten auch noch untereinander unterdr\u00fccken statt sich als gleichberechtigt zu betrachten und zu behandeln.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re schon ein gro\u00dfer Schritt getan, wenn das Thema in den Gewerkschaften und der Linken auf die Tagesordnung gesetzt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Man stelle sich vor, Frauen w\u00fcrden in den Publikationen von LINKE und Gewerkschaften mal ihre Sicht der Dinge darstellen k\u00f6nnen. Man stelle sich vor, eine Gewerkschaft w\u00fcrde in ihrer Mitgliederzeitschrift eine Debatte beginnen, warum M\u00e4nner nicht als Freier agieren sollen, eine Diskussion dar\u00fcber beginnen, dass die Einstellung, den K\u00f6rper einer Frau gegen Geld benutzen zu d\u00fcrfen, total r\u00fcckst\u00e4ndig ist, weil solcherlei Ansicht ebenso hinderlich f\u00fcr den gemeinsamen Kampf ist, wie sexistische oder rassistische Ideen.<\/p>\n<p>Verbote und Kriminalisierung der Freier, die dann der b\u00fcrgerliche Staat mit seinen eigenen Methoden und Zielen verfolgen w\u00fcrde, helfen nicht weiter. Die Arbeiterbewegung muss politische Aufkl\u00e4rung in der Gesellschaft betreiben und damit in ihren eigenen Reihen anfangen. Und dann wird es hoffentlich einen einhelligen Sturm der Entr\u00fcstung geben, wenn einige LINKE-PolitikerInnen nochmal auf die Idee kommen sollten, einen \u201eAppell F\u00dcR Prostitution\u201c zu unterzeichnen.<\/p>\n<h4>Sexuelle Freiheit<\/h4>\n<p>Oftmals werden diejenigen, die sich weigern, Prostitution als normale Sache anzusehen, als pr\u00fcde und r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt dargestellt. Pr\u00fcderie ist sicher das Hauptmotiv konservativer Kr\u00e4fte in dieser Debatte. Deren Doppelmoral lehnen wir ab. Wie Menschen ihre sexuellen Beziehungen auf gleichberechtigter Grundlage gestalten, ist ihre Sache. Die Linke sollte den Vorwurf der Pr\u00fcderie aus einer vermeintlich \u201elinks-liberalen\u201c Ecke nicht nur zur\u00fcckweisen, sie sollte offensiv die Lustfeindlichkeit der kapitalistischen Gesellschaft kritisieren. Das f\u00e4ngt n\u00e4mlich ganz konkret bei den Arbeitsverh\u00e4ltnissen an. Sexuelle Freiheit ist gewiss mehr als freie Zeit. Aber wenn der Partner\/ die Partnerin fr\u00fch, sp\u00e4t, nachts, am Wochenende arbeiten muss, also genau dann wenn der andere gerade Zeit h\u00e4tte, gibt es ein praktisches Problem. Und wer arbeiten muss bis zum Umfallen, der hat oft auch keine Lust mehr. Diese ganz einfachen Wahrheiten sollte man insbesondere auch den M\u00f6chtegern-K\u00e4mpfern f\u00fcr die sexuelle Freiheit in SPD und Gr\u00fcnen bei jeder Gelegenheit \u00f6ffentlich unter die Nase reiben.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen gilt: Sexuelle Freiheit kann man nicht kaufen. Die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse unter denen sie sich entfalten kann, muss man erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Forderungen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Armut bek\u00e4mpfen<\/li>\n<li>Weg mit Agenda 2010 und Hartz I bis IV<\/li>\n<li>Soziale Mindestsicherung und Mindestrente von 750 Euro plus Warmmiete \u2013 ohne Bed\u00fcrftigkeitspr\u00fcfung und Schikanen<\/li>\n<li>Mindestlohn von zw\u00f6lf Euro pro Stunde<\/li>\n<li>Gleicher Lohn f\u00fcr gleichwertige Arbeit \u2013 in Ost und West, f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner<\/li>\n<li>Radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung zur Schaffung von sinnvollen Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr alle: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich<\/li>\n<li>\u00d6ffentliche Investitionsprogramm in den Bereichen Soziales, Bildung, Gesundheit und Umwelt, finanziert durch die Profite der Banken und Konzerne<\/li>\n<li>F\u00fcr eine zehnprozentige Million\u00e4rssteuer und eine drastische Besteuerung von Unternehmensgewinnen<\/li>\n<li>Hilfsangebote f\u00fcr Prostituierte und alle Frauen in sozialer Not<\/li>\n<li>F\u00fcr ein ausreichendes Angebot an gut ausgebauten, \u00f6ffentlich finanzierten, selbstverwalteten Frauenh\u00e4usern<\/li>\n<li>Kampf gegen diskriminierende Frauenbilder in Werbung und Medien<\/li>\n<li>Breite Diskussion in Gewerkschaften und der LINKEN \u00fcber die gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4nge und Wirkungen von Sexismus, Pornografie und Prostitution<\/li>\n<li>Gegen Diskriminierung und Kriminalisierung von Prostituierten<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzung der Prostituierten bei der Durchsetzung von Forderungen die ihre Situation verbessern<\/li>\n<li>F\u00fcr gemeinsamen Kampf von Frauen und M\u00e4nnern gegen jede Form geschlechtsspezifischer Benachteiligung<\/li>\n<li>F\u00fcr eine kostenlose und ganzt\u00e4gige Kinderbetreuung vom ersten bis 13. Lebensjahr<\/li>\n<li>Weg mit den Abtreibungsparagraphen 218 und 219<\/li>\n<li>Wiederherstellung des Asylrechts und Bleiberecht f\u00fcr Alle<\/li>\n<li>Gleiche Rechte f\u00fcr Alle, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben \u2013 gegen jede Form von Diskriminierung auf Grund von Nationalit\u00e4t, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Behinderung oder sexueller Orientierung<\/li>\n<li>Statt Konkurrenz und Produktion f\u00fcr den Profit \u2013 demokratische Kooperation und nachhaltige Planung entsprechend der Bed\u00fcrfnisse von Mensch und Umwelt<\/li>\n<li>Nein zum Europa der Banken und Konzerne \u2013 f\u00fcr ein sozialistisches Europa der arbeitenden Bev\u00f6lkerung<\/li>\n<li>F\u00fcr sozialistische Demokratie weltweit<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zw\u00f6lf Jahre nach der Legalisierung der Prostitution gibt es eine neue Debatte \u00fcber den Umgang mit Prostitution.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15812,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26338"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26338"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26338\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15812"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}