{"id":26283,"date":"2013-12-15T14:18:45","date_gmt":"2013-12-15T13:18:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26283"},"modified":"2013-12-13T14:31:06","modified_gmt":"2013-12-13T13:31:06","slug":"die-ursachen-der-kapitalistischen-krise-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/12\/die-ursachen-der-kapitalistischen-krise-2\/","title":{"rendered":"Die Ursachen der kapitalistischen Krise"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_23223\" aria-describedby=\"caption-attachment-23223\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1355502585416.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-23223\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/rostock-hartig\/ CC BY-NC 2.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1355502585416-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1355502585416-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1355502585416-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1355502585416-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1355502585416.jpg 983w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23223\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/rostock-hartig\/ CC BY-NC 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Eine Antwort auf Andrew Kliman, Teil 1<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Dokument besch\u00e4ftigt sich mit den Ursachen f\u00fcr die kapitalistische Krise und ist eine Antwort auf Andrew Kliman. Es wurde von Peter Taaffe und Lynn Walsh geschrieben und vom EK der Socialist Party (England und Wales) unterst\u00fctzt. Heute ver\u00f6ffentlichen wir den 1. Teil. Morgen erscheint Teil 2.<\/p>\n<p><em>von Peter Taaffe und Lynn Walsh, \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England und Wales)<\/em><\/p>\n<p>1. Einige GenossInnen in Schottland, England und Wales haben eine Debatte \u00fcber die \u00f6konomischen Ideen von Marx und deren Relevanz f\u00fcr heute angestrengt. Dabei geht es vor allem um das \u201eGesetz des tendenziellen Falls der Profitrate\u201c. Die GenossInnen haben sich dabei stark auf das letzte Buch von Andrew Kliman bezogen: \u201eThe Failure of Capitalist Production\u201c (\u201eDas Scheitern der kapitalistischen Produktion\u201c). Sie wollen damit die These untermauern, dass das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate der Schl\u00fcssel sei, um die derzeitige verheerende kapitalistische Weltwirtschaftskrise zu erkl\u00e4ren. Dabei haben sie die \u00f6konomische Analyse der Sektionen in Gro\u00dfbritannien und des CWI weltweit heftig kritisiert. In diesem Papier werden wir nun darlegen, warum wir meinen, dass sie dabei v\u00f6llig falsch liegen.<\/p>\n<p>2. Gleich zu Beginn weisen wir darauf hin, dass eine Diskussion zu diesem Thema nicht blo\u00df auf blanke \u201eWirtschaftsfragen\u201c beschr\u00e4nkt sein kann, sondern sich auch mit der \u201epolitischen \u00d6konomie\u201c befassen muss, wie Marx und Engels bei vielen Gelegenheiten erkl\u00e4rt haben. Die Fragen, die in dieser Debatte aufgeworfen wurden, betreffen das Herzst\u00fcck einer korrekten marxistischen Methode und deren Ansatz der \u00f6konomischen Analyse. Es geht aber auch um programmatische Aspekte, die sich daraus ergeben. Wir analysieren nicht als Selbstzweck, sondern wegen der politischen Schlussfolgerungen, die wir daraus f\u00fcr die Arbeiterklasse und unsere Organisationen ziehen. Theorie ist eine Anleitung zum Handeln.<\/p>\n<p>3. Gleichzeitig mangelt es Kliman und vor allem Bruce Wallace an jedem Sinn f\u00fcr Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, wenn Letzterer sich sogar zu der Behauptung versteigt, dass es f\u00fcr die \u201eSocialist Party\u201c und das CWI hierbei um eine Frage von \u201eLeben und Tod\u201c gehe. Wie wir sp\u00e4ter erkl\u00e4ren werden, stimmte Rosa Luxemburg in dieser Frage nicht mit der Position von Marx \u00fcberein. Das hinderte sie jedoch nicht daran, als konsequente und mutige revolution\u00e4re Marxistin aufzutreten, die in der Deutschen Revolution von 1918-19 ihr Leben opferte. Es handelt sich dabei dennoch um einen wichtigen Punkt, und eine falsche Theorie kann zu falschen, mitunter sogar zu absurden politischen Schlussfolgerungen f\u00fchren. Im Falle von Kliman und Bruce Wallace ist dies definitiv so.<\/p>\n<p>4. Weil diese GenossInnen \u2013 und unter ihnen vor allem Bruce Wallace, der fast t\u00e4glich die \u201eSocialist Party\u201c, ihre F\u00fchrung und das CWI attackiert und dies nicht innerhalb der Strukturen des CWI sondern auf \u00f6ffentlicher B\u00fchne tut \u2013 dabei die zentralen Ans\u00e4tze von Kliman wiedergeben, ist es n\u00f6tig, dass sich ein Gro\u00dfteil dieses Papiers mit den Ideen von Kliman wie auch von Wallace und anderen befassen wird, die ersteren als \u201eunbesungenen Helden\u201c preisen.<\/p>\n<h4>Klimans politische Methode<\/h4>\n<p>5. Bevor wir uns Klimans \u00f6konomischen Ideen zuwenden, ist es notwendig, die politischen Folgerungen dessen aufzuzeigen, was er schreibt. Er teilt vorbehaltlos die \u201estaatskapitalistische\u201c Analyse der \u201eSocialist Workers Party\u201c (SWP) in Gro\u00dfbritannien, obwohl er kein Mitglied ihrer \u201eInternationalen\u201c, der \u201eInternational Socialist Tendency\u201c (IST) ist (ihre Organisation in Deutschland hie\u00df fr\u00fcher \u201eLinksruck\u201c, heute \u201eMarx21\u201c; Anm. d. \u00dcbers.). Tats\u00e4chlich widmet er sein Buch einem der TheoretikerInnen der SWP, dem verstorbenen Chris Harman, der seine Herangehensweise an das Problem von der Profitrate teilte. Bruce Wallace mag so tun, als ob dies keinen Einfluss auf seine \u00f6konomische Analyse h\u00e4tte. Und doch ist es unsere Erfahrung, und die von vielen ArbeiterInnen in Gro\u00dfbritannien, dass die SWP und andere, die hinsichtlich der ehemaligen Sowjetunion der Staatskapitalismus-Theorie anh\u00e4ngen (demnach sei diese ein staatskapitalistisches Regime gewesen und kein degenerierter Arbeiterstaat), letztlich zu einer irrigen Herangehensweise kommen, die praktisch alle politischen Fragen tangiert \u2013 sowohl, was die historischen Ereignisse als auch die aktuellen Entwicklungen angeht (s. unser Buch \u201eSocialism and Left Unity\u201c). In seinem Buch macht Kliman immer dann, wenn es um politische Fragen geht (aber auch in seiner \u00f6konomischen Analyse, die wir sp\u00e4ter aufgreifen werden) einen Schnitzer nach dem anderen. Vor allem gilt dies f\u00fcr die Schlusskapitel.<\/p>\n<p>6. Es gibt einen sehr simplen Aphorismus, den man bem\u00fcht, wenn Einzelpersonen oder politische Gruppierungen bewertet werden sollen: \u201eSag\u00b4 mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist\u201c. Dass Bruce Wallace sich die Ans\u00e4tze von Kliman, jemandem, der die trotzkistische Methode und ihr Programm ablehnt, so widerspruchslos zu Eigen macht, spricht B\u00e4nde \u00fcber seine derzeitige Haltung.<\/p>\n<p>7. Kliman f\u00e4llt ein vernichtendes Urteil \u00fcber die Idee, dass die ArbeiterInnen eines k\u00e4mpferischen \u00dcbergangsprogramms bed\u00fcrfen, was im letzten Kapitel seines Buchs, das mit \u201eWas unterlassen werden sollte\u201c \u00fcberschrieben ist, ganz klar so formuliert wird. Er schreibt: \u201eDie Annahme, dass der Sozialismus durch eine Partei erreicht wird, die die staatliche Macht erlangt und die Produktionsmittel verstaatlicht, ist grundlegend fehlgeleitet\u201c [siehe: \u201eThe Failure of Capitalist Production\u201c (TFoCP), S. 204]. Aktuell ist Bruce Wallace Mitglied einer Partei und einer internationalen Organisation, die die Ansicht verteidigt, dass die Arbeiterklasse mit ihrer eigenen Partei wird f\u00fcr die Idee k\u00e4mpfen m\u00fcssen, \u00fcber die Verstaatlichung der gro\u00dfen Monopole (der Produktionsmittel) auf nationaler wie internationaler Ebene die Macht zu erlangen. Dies ist eine Voraussetzung daf\u00fcr, die \u00f6konomische wie auch die politische Macht dem Kapitalismus aus der Hand zu nehmen und sie in die H\u00e4nde der der Arbeiterklasse zu \u00fcbergeben. Dadurch wird die Grundlage geschaffen f\u00fcr die demokratische und sozialistische Planung der Gesellschaft.<\/p>\n<p>8. Wie sieht Klimans Alternative dazu aus? Wir zitieren: \u201eWir k\u00f6nnen eine moderne Gesellschaft haben, die funktioniert, ohne dass die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der kapitalistischen Produktion in Kraft sind\u201c [TFoCP, S. 206]. Aber wie dies erreicht werden kann, bleibt jedoch ein Mysterium. Kliman schl\u00e4gt diesbez\u00fcglich lediglich vor: \u201eEs muss ein neues Verh\u00e4ltnis zwischen Theorie und Praxis geschaffen werden, damit der Durchschnittsmensch nicht nur die treibende Kraft ist, mit der die alte Macht zu Fall gebracht wird, sondern das volle R\u00fcstzeug bekommt \u2013 theoretisch wie intellektuell \u2013, um selbst die Regierung \u00fcber die Gesellschaft \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen\u201c. \u201eNichts weniger als dies kann verhindern, dass die Macht in die H\u00e4nde einer Elite \u00fcbergeht\u201c. Es folgt der Satz: \u201eDies scheint sehr utopisch zu sein\u201c [TFoCP, S. 206]. \u2013 Das kann man laut sagen! Das sind nicht ein k\u00e4mpferisches Aktionsprogramm und Perspektiven im marxistischen Sinne, sondern \u00e4hnelt der Astronomie, bei der die Ereignisse geradezu automatisch abgespult werden. \u201eLehre\u201c die Arbeiterklasse die \u201eGrundlagen\u201c, und der Kapitalismus wird wie eine faule Frucht von selbst in sich zusammenfallen, und der Sozialismus wird das Licht der Welt erblicken!<\/p>\n<p>9. Sofern das irgendetwas bedeutet, dann dass die Arbeiterklasse \u201etheoretisch\u201c geschult werden muss \u2013 vermutlich von Kliman und Bruce Wallace selbst \u2013, um sie auf den Sozialismus vorzubereiten. Das kommt doch recht bekannt vor. Es ist ein Widerhall der Argumente der \u201eSocialist Party of Great Britain\u201c (SPGB) \u2013 nicht unserer Partei, der \u201eSocialist Party of England and Wales\u201c, sondern der winzigen Organisation. Sie sucht den Weg zum Sozialismus, der per definitionem lang und m\u00fchselig verlaufen wird, durch die abstrakte \u201eSchulung\u201c der arbeitenden Menschen \u00fcber die wirklichen Rolle des Geldes und die Forderung nach seiner sofortigen Abschaffung. Entsprechendes gilt f\u00fcr die Klassen, das Wertgesetz etc.<\/p>\n<p>10. Damit nicht der Eindruck entsteht, wir w\u00fcrden die Argumente von Kliman entstellen und somit behaupten, er habe keine Antwort auf die brennenden Fragen der Arbeiterklasse von heute, bem\u00fchen wir seine eigenen Ausf\u00fchrungen: \u201eMir ist schmerzlich bewusst, dass diese Reflektionen noch keine Antwort geben auf die Frage: \u201aWie genau?\u2019 [\u2026]. Ich meine, dass wir vor allem deshalb noch keine zuverl\u00e4ssigen Antworten haben, weil die Menschen an der falschen Stelle nach diesen Antworten gesucht haben. Ich denke aber, dass die obigen \u00dcberlegungen uns dabei helfen werden, an der richtigen Stelle nach Antworten zu suchen\u201c [TFoCP, S. 206]. Dieser Quatsch wird von den ApologetInnen Klimans \u2013 wie z.B. von Bruce Wallace \u2013 als glaubw\u00fcrdige Alternative verkauft!<\/p>\n<p>11. Wie schon viele isoliert agierende radikale Intellektuelle vor ihm (und zweifellos auch in der Zukunft), versucht Kliman das Rad neu zu erfinden. Die historischen Erfahrungen der Arbeiterklasse \u2013 wie etwa die russischen Revolutionen, die Pariser Commune, die m\u00e4chtigen Generalstreiks wie in Frankreich 1968, die spanische Revolution, die chinesische Revolution usw. usf. \u2013 sind f\u00fcr Kliman wie ein verschlossenes Buch mit sieben Siegeln. Statt auf den Erfolgen der Arbeiterklasse aufzubauen und auch aus den Niederlagen Schlussfolgerungen zu ziehen und ganz klar zu untersuchen, warum sie jeweils stattgefunden haben, m\u00fcssen wir auf die Gr\u00fcbeleien von Kliman warten \u2013 und sein neues (!) Buch \u2013, mit denen die Arbeiterbewegung auf den rechten Weg gebracht werden soll. Lohnen w\u00fcrde sich diese Anstrengung, wenn es dabei wirklich etwas Neues und Konkretes zu entdecken g\u00e4be, mit dem f\u00fcr den Kampf gegen den Kapitalismus ein klarer Weg aufgezeigt und die Grundlage f\u00fcr Sozialismus geschaffen werden w\u00fcrde. Voraussichtlich wird es jedoch nur dieselben leeren Abstraktionen zu entdecken geben, die den Rahmen seiner derzeitigen politischen Perspektiven abstecken. Und diese \u2013 das m\u00f6chten wir noch einmal betonen \u2013 sind \u201eorganisch\u201c verwoben mit seiner \u00f6konomischen Analyse, wie wir zeigen werden.<\/p>\n<h4>Das Bewusstsein wurde zur\u00fcckgeworfen<\/h4>\n<p>12. Allein die Tatsache, dass jemand wie Kliman ein Publikum f\u00fcr seine politischen Ansichten findet (zu seiner \u00f6konomischen Analyse werden wir sp\u00e4ter noch kommen), widerspiegelt an sich schon das Ausma\u00df, in dem das Bewusstsein nach dem Zusammenbruch des Stalinismus zur\u00fcckgeworfen worden ist. Seinen besonders heftigen Ausdruck findet dies in linken und \u201emarxistischen\u201c Intellektuellen wie Kliman und \u2013 bedauerlicher Weise \u2013 nun auch in Bruce Wallace. Bei vielen Gelegenheiten haben wir erkl\u00e4rt, dass der Zusammenbruch des Stalinismus nicht nur das Ende einer monstr\u00f6sen B\u00fcrokratie bedeutet hat, von der die entsprechenden Gesellschaften beherrscht worden sind. Er f\u00fchrte dar\u00fcber hinaus auch zum Zusammenbruch der Planwirtschaft, die in der Vergangenheit im Vergleich zum Kapitalismus einen Fortschritt dargestellt hat. Allerdings hat die B\u00fcrokratie in den Jahrzehnten vor ihrem Zusammenbruch die meisten Vorz\u00fcge eines Wirtschaftsplans praktisch wieder zunichte gemacht, was sich in den \u201eJahren der Stagnation\u201c unter dem Breschnew-Regime zusammenfasste.<\/p>\n<p>13. Was folgte, war eine weltweite Orgie des b\u00fcrgerlichen Triumphgeschreis, die durch das Anwachsen der antikapitalistischen Bewegung um die Jahrtausendwende und seither durch das Einsetzen der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2007\/-08 nur teilweise wettgemacht wurde. F\u00fcr Kliman (wie auch seine Vettern in der SWP) bedeutete der Kollaps des Stalinismus keine historische Niederlage f\u00fcr die weltweite Arbeiterklasse. Ihm zufolge handelte es sich bei den stalinistischen L\u00e4ndern blo\u00df um \u201edespotische\u201c staatskapitalistische Regime. Ihr Zusammenbruch war \u2013 laut dem wichtigsten Theoretiker der SWP, dem verstorbenen Tony Cliff \u2013 nichts anderes als ein \u201eSchritt zur Seite\u201c, der Austausch eines Kapitalismus durch einen anderen! Kliman teilt diesen Standpunkt ohne Zweifel.<\/p>\n<p>14. Die Tatsache, dass die weltweite Arbeiterbewegung dabei in hohem Ma\u00dfe von einem sp\u00fcrbaren Rechtsruck getroffen wurde \u2013 was sich im Zusammenbruch der sozialdemokratischen und der meisten kommunistischen Parteien ge\u00e4u\u00dfert hat \u2013 ist f\u00fcr die Schule des Staatskapitalismus unerheblich. Tats\u00e4chlich schienen ihre VertreterInnen eine Zeit lang sogar den politischen Gravitationskr\u00e4ften zu trotzen und auf der Basis frenetischer Aktivit\u00e4t und v\u00f6llig utopischer Perspektiven f\u00fcr eine Weile Zugewinne zu verzeichnen. Schlie\u00dflich wurden sie \u2013 wie wir prophezeit hatten \u2013 Ende der 1990er Jahre und danach von der Realit\u00e4t eines Besseren belehrt (vgl.: \u201eSocialism and Left Unity\u201c). Es folgte eine Phase des Zerfalls, die zu bedeutenden Spaltungen und einer Schw\u00e4chung der SWP sowie ihrer internationalen Organisation, der IST, f\u00fchrte \u2013 auch wenn diese Struktur nicht ganz verschwunden ist.<\/p>\n<h4>\u00dcber den \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus<\/h4>\n<p>15. Die theoretische Verwirrung dieser Str\u00f6mung kommt auch im Falle Klimans voll und ganz zum Tragen, wenn er sich eingehender mit der Geschichte befasst. Dies gilt vor allem, wenn er die angeblichen Ideen von Karl Marx \u00fcber den \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus kommentiert. Im Vorbeigehen kritisiert er die \u00dcbergangsmethode und das \u00dcbergangsprogramm, das von den Bolschewiki ausgearbeitet und von Trotzki entwickelt wurde. Im US-amerikanischen Online-Magazin marxisthumanistinitiative.org attackiert er verschiedene politische WidersacherInnen, die \u201edie Tatsache ignorieren, dass die \u201aKritik des Gothaer Programms\u2019 [von Marx] \u2013 zweimal \u2013 darlegt, dass die erste Phase der kommunistischen Gesellschaft sich aus der kapitalistischen Gesellschaft herausbildet: Eine Gesellschaft geht direkt in die andere \u00fcber. [\u2026] Es gibt nichts dazwischen, nicht in der Darstellung von Marx. Die Basis f\u00fcr den Mythos besteht also in den Aussagen von Marx [&#8230;] wonach \u201azwischen der kapitalistischen und der kommunistischen Gesellschaft [\u2026] die Periode der revolution\u00e4ren Umwandlung der einen in die andere [steht]. Der entspricht auch eine politische \u00dcbergangsperiode, deren Staat nichts andres sein kann als die revolution\u00e4re Diktatur des Proletariats\u2019\u201c.<\/p>\n<p>16. Kliman f\u00e4hrt fort: \u201eVon einer \u00dcbergangsgesellschaft ist hier keine Rede. Es geht um die revolution\u00e4re Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft in die kommunistische, und um eine damit korrespondierende politische Periode des \u00dcbergangs. [\u2026] Wenn man aber \u201aUmwandlung\u2019 und \u201a\u00dcbergang\u2019 miteinander gleichsetzt, dann macht man Marx zu einem Bef\u00fcrworter der \u00dcbergangsgesellschaft. Diese Lesart der \u201aKritik des Gothaer Programms\u2019 geht zur\u00fcck auf Lenin, der in Staat und Revolution die Umwandlung mit dem \u00dcbergang verschmelzen l\u00e4sst, indem er schreibt, dass \u201ader \u00dcbergang von der kapitalistischen Gesellschaft zur kommunistischen Gesellschaft [\u2026] unm\u00f6glich [ist] ohne eine &gt;politische \u00dcbergangsperiode&lt; [&#8230;.]\u2019\u201c. \u201eVerwirrung, die sich \u00e4rger noch verwirrt\u201c, wie John Milton sagen w\u00fcrde (der englische Dichter des 17. Jahrhunderts, in \u201eDas verlorene Paradies\u201c, 2. Gesang; Anm. d. \u00dcbers.). Fragen, die bereits gel\u00f6st waren und bereits vor langer Zeit schon als erledigt schienen, werden in dieser Phase der politischen Reaktion \u2013 die sich allerdings unter einigen \u201emarxistischen\u201c Intellektuellen breit gemacht hat \u2013 wieder ausgegraben, aufgew\u00e4rmt und als neue Wahrheiten verkauft.<\/p>\n<p>17. In den Zeilen, die Kliman zitiert, nahm Marx an, dass die Revolution zuerst in den fortgeschrittenen Industriel\u00e4ndern stattfinden werde. Frankreich hatte dies bereits mit der Pariser Kommune angek\u00fcndigt, die in Umrissen zeigte, wie ein Arbeiterstaat aussehen k\u00f6nnte. Wenn Frankreich die Revolution begonnen h\u00e4tte und Deutschland und Gro\u00dfbritannien gefolgt w\u00e4ren, so w\u00fcrde der Rest der Welt diesem Beispiel folgen und die sozialistische Weltrevolution w\u00fcrde stattfinden und w\u00e4re in trockenen T\u00fcchern. Das war die Annahme von Marx. Marx schrieb: \u201e[&#8230;] diese Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte [\u2026] (ist) eine absolut notwendige praktische Voraussetzung (f\u00fcr den Kommunismus), weil ohne sie nur der Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und die ganze alte Schei\u00dfe sich herstellen m\u00fcsste [\u2026].\u201c (vgl.: \u201eDie Deutsche Ideologie\u201c; Marx Engels Werke Band 3, S. 34f.). Der Startpunkt f\u00fcr den Sozialismus w\u00e4re ein h\u00f6heres Niveau der Produktion und der Technik als selbst das fortgeschrittenste Industrieland, Gro\u00dfbritannien damals oder die USA heute. Wenn der Sozialismus, die niedrigste Stufe des Kommunismus, fest verwurzelt gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte eine massive Produktionssteigerung stattgefunden. Dies wiederum w\u00fcrde zur Abl\u00f6sung aller Elemente des Kapitalismus f\u00fchren, die aus der Vergangenheit geerbt sind, einschlie\u00dflich des Staats, des \u201eWert\u201c usw., bis die Gesellschaft den Kommunismus und die Errichtung einer sich selbst regierenden Welt-Kommune erreicht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>18. Die Revolution brach aber nicht in einem der entwickelten Industriel\u00e4nder aus oder konsolidierte sich dort. Sondern sie fand zum ersten Mal im unterentwickelten Russland statt, was von den ArbeiterInnen in Europa, den USA usw. am Anfang frenetisch unterst\u00fctzt wurde. Mit anderen Worten: Die Revolution brach nicht aus in einem Land mit dem h\u00f6chsten Niveau der Technik und Produktion, eine h\u00f6heren Arbeitsproduktivit\u00e4t etc. Unausweichlich gab es in der ersten Phase nach der Russischen Revolution sogar unter den Bolschewiki manche Illusionen, dass es sich als m\u00f6glich erweisen w\u00fcrde, rasch zum Beginn des Sozialismus zu kommen \u2013 vor allem dann, wenn sich die Revolution erfolgreich ausbreiten w\u00fcrde. Aber sobald klar wurde, dass die Dinge sich nicht in diese Richtung entwickelten, schlussfolgerten die gro\u00dfen TheoretikerInnen der Arbeiterklasse, darunter Trotzki, die Bolschewiki und Lenin \u2013 die Kliman klar herabsetzt \u2013, dass daher eine ziemlich lange Phase des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus erforderlich sei, um weltweit die Grundlage f\u00fcr den Sozialismus zu etablieren und dann zum Kommunismus zu kommen. Selbst, wenn nur eine Reihe von entwickelten Staaten mit dem Kapitalismus brechen w\u00fcrden und es dann zu einer Pause kommen w\u00fcrde, so w\u00e4re dies nicht der Anfang vom Sozialismus. Nur wenn sich die Revolution auf der ganzen Welt ausbreitet, w\u00e4re es m\u00f6glich, mit dem Aufbau des Sozialismus zu beginnen. Diese Staaten bef\u00e4nden sich im \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus.<\/p>\n<p>19. Lenin und Trotzki betonten immer wieder, dass der Beginn des Sozialismus ein h\u00f6heres Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung voraussetze, als selbst die h\u00f6chst entwickelten kapitalistischen L\u00e4nder vorweisen konnten. Dieses Niveau m\u00fcsste demzufolge noch \u00fcber dem der heutigen USA liegen. In diesem Kontext schrieb Lenin das Buch \u201eStaat und Revolution\u201c, in dem er sich auf alle Schriften von Marx st\u00fctzte wie auch auf die Erfahrung der Pariser Kommune und die Revolutionen in Russland. Er sprach vom \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus. Die Forderungen nach Arbeiterdemokratie, die aufgestellt wurden, werfen ein helles Licht auf das, was die Arbeiterklasse begeistert annehmen wird, nachdem sie den Kapitalismus beseitigt hat.<\/p>\n<p>20. Kliman ist vollkommen verwirrt, wenn er sich dem politischen wie auch dem \u00f6konomischen Ph\u00e4nomen mit einem Schwarz-Wei\u00df-Ansatz \u2013 undialektisch \u2013 n\u00e4hert. Es scheint seine Vorstellung zu sein, dass man die Arbeiterklasse aufbaut \u2013 wobei Kliman offen l\u00e4sst, wie dies geschehen soll \u2013, um dann der \u201eFrau Geschichte\u201c einfach das Thermometer unter die Zuge zu halten. Sobald die richtige Temperatur erreicht ist, kann man dann laut \u201eBingo!\u201c rufen! Wir sind bereit f\u00fcr de Sozialismus! Er selbst schreibt: \u201eIch bin zu der Annahme gekommen, dass die ganze Idee von der \u201a\u00dcbergangsgesellschaft\u2019 zusammenhanglos ist und dabei im Weg steht, die Dinge klar zu durchdenken\u201c. Die Idee von der \u00dcbergangsgesellschaft aber auch das Aufstellen von \u00dcbergangsforderungen gegen den Kapitalismus liegt jenseits seiner Vorstellungskraft. Sp\u00e4ter werden wir sehen, dass ihn seine \u00f6konomische Analyse bei konkreten dr\u00e4ngenden Tagesfragen in Gegensatz zur Arbeiterbewegung bringt.<\/p>\n<h4>Klimans Wirtschaftsanalyse<\/h4>\n<p>21. Insofern man davon sprechen kann, dass er \u00fcberhaupt eine umfassende Wirtschaftsperspektive hat, so besteht sie darin, dass wir eine Wiederholung der Geschichte erleben k\u00f6nnen, wenn die B\u00fcrgerlichen keynesianische Ideen \u00fcbernehmen. Dies haben sie in einem gewissen Ausma\u00df bereits getan, als sie unmittelbar auf die derzeitige Krise reagierten. Klimans Argumentation geht so: Keynesianische Politik wurde von Roosevelt vor dem Zweiten Weltkrieg in den USA und generell in der Phase des Nachkriegsaufschwungs nach 1945 umgesetzt. Dies war r\u00fcckschrittlich wegen seiner Auswirkungen, besonders auf die F\u00fchrungsfiguren der Arbeiterbewegung und sozialistische Intellektuellen wie Paul Sweezy und Leo Huberman in den USA, die eine Art linken Keynesianismus annahmen. (Das hei\u00dft nicht, dass sie nicht ein paar aufschlussreiche Punkte zur Natur des modernen Kapitalismus geliefert h\u00e4tten.) Mit dem Scheitern der keynesianischen Politik in den 1970er Jahren wendeten sich die B\u00fcrgerlichen dem Monetarismus und neoliberaler Politik zu, was im Triumph von Thatcher und Reagan seinen Ausdruck fand. W\u00fcrde man heute derartige keynesianische Praktiken anwenden, dann w\u00e4re die Reaktion darauf wesentlich schlimmer, so schlussfolgert Kliman. Das w\u00fcrde zu einer \u00e4hnlich rechtslastigen Wirtschaftspolitik wie in den 1980er Jahren f\u00fchren. Das wiederum w\u00fcrde den Weg f\u00fcr eine noch extremere politische Reaktion in Form des Faschismus bereiten.<\/p>\n<p>22. Dies ist eine v\u00f6llig einseitige Schlussfolgerung, die Kliman hinsichtlich der M\u00f6glichkeit zieht, ob der Faschismus an die Macht kommen kann, besonders in dieser Phase. Das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis der Klassen l\u00e4sst eine solch pessimistische Schlussfolgerung nicht zu. Auf lange Sicht betrachtet k\u00f6nnte durchaus politische Reaktion in Form eines extrem rechten Bonapartismus auf der Tagsordnung stehen, wenn die Arbeiterklasse die Gesellschaft nicht zu ver\u00e4ndern vermag. Allerdings wird die Arbeiterklasse vermutlich nicht nur eine, sondern mehrere Gelegenheiten haben, die Macht zu \u00fcbernehmen, bevor dies eine reale M\u00f6glichkeit wird. Obendrein werden die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte nach der Katastrophe, die sie im Anschluss an den Sturz von Mussolini, Hitler etc. erleben mussten und die eine Phase der Revolution einl\u00e4utete, sehr skeptisch sein, erneut dem Faschismus die politische Macht \u00fcberlassen. Aus diesem Grund werden die rechtsextremen Parteien \u2013 selbst jene wie die \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c in Griechenland, mit offen faschistischen Merkmalen \u2013 voraussichtlich eher als Gehilfen einer Diktatur von Gener\u00e4len agieren, die gew\u00f6hnlich selbst aus der herrschenden Klasse kommen. Aber der Sieg des Faschismus oder auch \u201enur\u201c eines extrem rechten bonapartistischen Regimes steht unmittelbar nicht auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p>23. Hinzu kommt, dass die Arbeiterklasse wie auch die Arbeiterbewegung im Allgemeinen kein echtes unmittelbares Mitspracherecht haben, wenn es darum geht, welchen politischen Kurs die B\u00fcrgerlichen einschlagen. In den 1930er Jahren war der \u201eNew Deal\u201c in den USA eine Reaktion der B\u00fcrgerlichen auf die Tiefe der Krise und die Gefahren, die aus Sicht der herrschende Klasse von der Arbeiterklasse ausgingen, wenn sie nicht eine gewisse T\u00e4tigkeit im Wirtschaftsbereich entfaltet h\u00e4tten. Nur die USA mit ihren \u201eprallen Ersparnissen\u201c aus der Vergangenheit waren in der Lage, derlei Ma\u00dfnahmen wie den \u201eNew Deal\u201c zu ergreifen, deren Wirkung eher fiktionalen als realen Charakter hatte, wie Trotzki ausf\u00fchrte. Und dennoch hingen \u2013 selbst in der Arbeiterbewegung \u2013 einige den falschen Illusionen nach, wie effektiv eine derartige Politik doch sei. Sie wurden von Trotzki und den TrotzkistInnen kritisiert \u2013 und w\u00fcrden heute genauso kritisiert werden. Einfach gesagt bedeutet der keynesianische Ansatz, dass die \u00f6ffentlichen Ausgaben gesteigert werden, um mit der Erwerbslosigkeit fertig zu werden, Nachfrage zu schaffen etc. Um die entsprechenden Ma\u00dfnahmen aber zu finanzieren, kann die Regierung ihre Eink\u00fcnfte aus zwei Quellen steigern: aus Steuern auf Kapitalisten oder auf die Arbeiterklasse. Wenn die Kapitalisten besteuert werden, so werden sie in einen Investitionsstreik treten, was zu weiterer Arbeitslosigkeit f\u00fchrt und die Auswirkungen der zus\u00e4tzlichen staatlichen Ausgaben wieder aufheben wird. Wenn die Arbeiterklasse besteuert wird, so wird das den Markt mit denselben Folgen zurechtstutzen: die Wirkung der Steigerung der \u201eNachfrage\u201c w\u00fcrde zunichte gemacht werden. Auf der anderen Seite w\u00fcrde es zu Inflation f\u00fchren, sollte die Regierung zur Notenpresse greifen und Geld drucken, das keinen Gegenwert in Form von zus\u00e4tzlichen Waren und Dienstleistungen hat. Das w\u00fcrde jegliche zus\u00e4tzliche Nachfrage zunichte machen. Dies haben wir schon oft durchargumentiert.<\/p>\n<p>24. Und dennoch meint Bruce Wallace uns mit ernster Miene warnen zu m\u00fcssen, dass wir \u2013 sofern wir ihre \u00f6konomische Analyse zur Profitrate nicht akzeptieren \u2013 verdammt seien, dem Keynesianismus zum Opfer zu fallen. Was wir diesbez\u00fcglich vorweisen k\u00f6nnen, ist leicht \u00fcberpr\u00fcfbar und widerlegt diese aberwitzige Behauptung. Wir lehnten sowohl die keynesianische Theorie ab als auch die rechte Reaktion gegen die Anwendung keynesianischer Ans\u00e4tze. Damals haben wir nicht nur vor den Gefahren gewarnt, die die Politik von Thatcher und Reagan mit sich brachte. Wir haben diese auch aktiv und recht erfolgreich bek\u00e4mpft, wie der Kampf gegen die Kopfsteuer in Gro\u00dfbritannien gezeigt hat. Diese Steuer ist verhindert worden \u2013 wobei unsere Partei eine f\u00fchrende Rolle gespielt hat \u2013 und Thatcher selbst landete auf dem M\u00fcllhaufen der Geschichte. Wenn die Arbeiterbewegung an diesem gro\u00dfen Erfolg angekn\u00fcpft h\u00e4tte, so w\u00e4re ein neues glorreiches Kapitel aufgeschlagen worden. Stattdessen hat (der damalige Vorsitzende der sozialdemokratischen britischen Labour Party \u2013 d. \u00dcbers.) Neil Kinnock all jene verfolgen lassen, die in dieser Bewegung eine f\u00fchrende Rolle gespielt haben. Er konnte nur deshalb erfolgreich sein, weil es in den sp\u00e4ten 1980er Jahren in der Arbeiterbewegung zu einem Rechtsschwenk kam, der sich aufgrund des Zusammenbruchs des Stalinismus verfestigte. Der Rest ist Geschichte: Die Labour Party wurde als origin\u00e4re Arbeiterpartei an der Basis zerst\u00f6rt, und das politische Bewusstsein wurde zur\u00fcckgeworfen.<\/p>\n<p>25. Es gibt eine ganze Bandbreite von Leuten, die h\u00e4ufig als \u201eUnterkonsumtionistInnen\u201c bezeichnet werden, weil sie meinen, die wirtschaftlichen Probleme einer Gesellschaft k\u00e4men dadurch zustande, dass die gesellschaftliche Kaufkraft insgesamt zu gering ist. Ihr Heilmittel besteht darin, \u2013 gerade in Krisenzeiten \u2013 die Nachfrage-Seite zu st\u00e4rken, indem der Staat mehr investiert und\/oder die L\u00f6hne gesteigert werden. Klimans fixe Idee, alles zur\u00fcckzuweisen, was mit \u201eUnterkonsumtion\u201c zu tun hat, ist ein Vorurteil und wird keiner seri\u00f6sen Untersuchung standhalten. Die Behauptung, dass die \u201eUnterkonsumtion\u201c in der marxistischen Krisenanalyse keine Rolle spielen darf, basiert sowohl auf einer Fehlinterpretation von Marx als auch der aktuellen Fakten. Er scheint zu meinen, dass \u201ekeynesianische Ideen\u201c \u2013 wie in der Vergangenheit \u2013 automatisch zu einer Reaktion f\u00fchren werden, wenn sie nur von den B\u00fcrgerlichen \u00fcbernommen werden. Die Tatsache, dass die Socialist Party in ihren Ver\u00f6ffentlichungen \u2013 fr\u00fcher in der Zeitung \u201eThe Militant\u201c und heute im \u201eThe Socialist\u201c bzw. unserem Magazin \u201eSocialism Today\u201c \u2013 konsequent gegen keynesianische Ideen argumentiert hat, wenn diese als langfristige L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme des Kapitalismus angenommen wurden bzw. werden, z\u00e4hlt nicht \u2013 soweit es um Kliman und Wallace geht. Vor allem Bruce Wallace \u201evermengt\u201c jede alternative Erkl\u00e4rung der Krise mit Keynesianismus als L\u00f6sung f\u00fcr die Krise des Kapitalismus. Wir sind gem\u00e4\u00df der \u00dcbergangsmethode f\u00fcr eine Erh\u00f6hung der Staatsausgaben zur Steigerung in den Bereichen Wohnen, Bildung, Erh\u00f6hung des Anteils der Besch\u00e4ftigten am Volkseinkommen eingetreten. Zudem haben wir die Verstaatlichung der Banken und des Finanzsektors gefordert. Kliman hingegen wendet sich gegen diese Vorschl\u00e4ge. Er schreibt: \u201eEinige linke \u00d6konomInnen forderten Staatskontrolle oder die Verstaatlichung des Finanzsystems, statt nur eine Regulierung des Finanzsystems [&#8230;] Es kann aber keinen Sozialismus in einem Land geben. Wenn man versucht, den Sozialismus in einem Land zu etablieren, dann f\u00fchrt das zu Staatskapitalismus, einem staatlich geleiteten System, das weiterhin in die globale kapitalistische Wirtschaft eingebettet und das immer noch im Wettbewerb mit dem weltweiten Kapital verhaftet ist. Eine staatlich geleitete Bank ist immer noch eine Bank\u201c [TFoCP, S. 194f.].<\/p>\n<p>26. Ja, schon, aber hat eine staatliche Bank nicht wenigstens das Potential, die Arbeiterklasse einen Schritt weiterzubringen? Wenn Kliman diese Frage negativ beantwortet \u2013 was er tut \u2013, dann geh\u00f6rt zu seiner Vorstellung, wie der Sozialismus erreicht werden kann (wie wir oben ausgef\u00fchrt haben), eine Transformation vom Kapitalismus zum Sozialismus \u00fcber Nacht. Was w\u00fcrden unsere GenossInnen in Griechenland zu so einer Idee sagen? Wenn der Ansatz von Kliman \u00fcbernommen w\u00fcrde, st\u00e4nden sie angesichts der heutigen Situation vollkommen entwaffnet da.<\/p>\n<p>27. Als Reaktion auf die Schuldenkrise und die Forderungen der Troika nach weiteren K\u00fcrzungen lautete unsere Antwort: Schuldenstreichung, Verstaatlichung der Banken unter Arbeiterkontrolle und -verwaltung und ein staatliches Au\u00dfenhandelsmonopol. Kliman glaubt ziemlich klar, dass solche \u00dcbergangsma\u00dfnahmen nicht m\u00f6glich seien und auf den erbitterten Widerstand des Kapitalismus sto\u00dfen w\u00fcrden. Wir sagen: ja, das w\u00fcrden sie. F\u00fcr sich genommen werden derlei Ma\u00dfnahmen nicht ausreichen. Und zu dieser Schlussfolgerung wird auch die Arbeiterklasse mit der Zeit kommen, wenn wir entsprechende Unterst\u00fctzung dazu leisten. Deshalb ist es notwendig, weiter zu gehen und die Kommandoh\u00f6hen der Wirtschaft zu \u00fcbernehmen. Davon, wie der Prozess des politischen Erkenntnisgewinns unter den Menschen der Arbeiterklasse ablaufen soll, hat Kliman keine Vorstellung.<\/p>\n<p>28. Die Verstaatlichung der Banken ist lediglich eine erste Ma\u00dfnahme. Sie wird bzw. sollte zur \u00dcberf\u00fchrung der Kommandoh\u00f6hen der Wirtschaft in \u00f6ffentliches Eigentum f\u00fchren. Es stimmt, dass eine Revolution in Griechenland, wenn sie sich nicht zun\u00e4chst auf Spanien, Portugal, Italien und andere L\u00e4nder ausweitet, nicht \u00fcberleben k\u00f6nnte. Deshalb werfen wir die Idee einer \u201eSozialistische Konf\u00f6deration Europas\u201c auf. Und auch das wird nicht reichen. Ein sozialistisches Europa w\u00fcrde umgehend auf Drohungen der kapitalistischen USA sto\u00dfen. Deshalb muss die Revolution gezwungenerma\u00dfen ein Weltereignis sein \u2013 eine sozialistische Welt \u2013 wenn der Erfolg gesichert sein soll. Dies zeigt an, dass Revolution ein Prozess vom Kapitalismus zum Sozialismus sein wird, es wird ein \u00dcbergang und nicht eine einmalige Handlung sein. Sie wird nicht \u2013 wie Kliman sich das anscheinend vorstellt \u2013 \u00fcber Nacht durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>29. Kliman schreibt: \u201eIch glaube, dass [die Theorie von der Unterkonsumtion] falsche Hoffnungen weckt, wonach der Kapitalismus auch fair und gerecht sowie relativ krisenfrei gestaltet werden kann\u201c. Was die Perspektiven f\u00fcr den Kapitalismus angeht, bef\u00f6rdert das CWI keine falschen Hoffnungen! Schon vor Beginn der derzeitigen Krise haben wir argumentiert, dass es zwangsl\u00e4ufig zum Crash kommen muss. Der Beleg daf\u00fcr findet sich in den best\u00e4ndigen Analysen von \u201eSocialism Today\u201c und \u201eSocialist\u201c. So schrieben wir beispielsweise in der \u201eSocialism Today\u201c (Ausgabe 161; September 2012): \u201e[keynesianische] Politik wird nur ein zeitweiliges Hilfsmittel sein. Es wird keine R\u00fcckkehr zur langfristigen und anhaltenden keynesianischen Politik des Nachkriegsaufschwungs geben, als der Staat verst\u00e4rkt in die Wirtschaft eingriff und eine ausgedehnte Sozialstaats-Infrastruktur entwickelte. Die herrschende Klasse mag mit keynesianischer Politik Zeit gewinnen, sie kann damit aber nicht die Krise des Kapitalismus l\u00f6sen. [\u2026] Ein Programm zum Ankurbeln von Wachstum und zur Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen erfordert die Mobilisierung der Arbeiterklasse. Dar\u00fcber hinaus wird eine Erh\u00f6hung der Steuern nicht reichen, um die Wirtschaft zu entwickeln. [\u2026] Die Banken und Finanzh\u00e4user m\u00fcssten verstaatlicht (nicht nur gerettet und mit Hilfe \u00f6ffentlicher Gelder saniert) werden, und sie m\u00fcssten unter demokratischer Arbeiterkontrolle und -verwaltung geleitet werden\u201c. Es w\u00e4re interessant, dies mit den Perspektiven zu vergleichen, die Kliman selbst vor Ausbruch der Krise von 2007-08 aufgestellt hat. Dar\u00fcber hinaus findet sich in seinem Buch aber rein gar nichts zu den Wirtschaftsperspektiven \u2013 ganz zu schweigen von den politischen Entwicklungen f\u00fcr die kommende Periode mit kurzfristigen oder langfristigen Perspektiven.<\/p>\n<h4>\u00dcbergangsmethode<\/h4>\n<p>30. Wir stimmen vollkommen darin \u00fcberein, dass es m\u00f6glich ist, Illusionen zu sch\u00fcren, dass solche Ma\u00dfnahmen das Leben der ArbeiterInnen ver\u00e4ndern werden, wenn man Teil-Ma\u00dfnahmen \u2013 Verstaatlichung einer bzw. mehrerer Branchen \u2013 oder Reformen fordert, die den Lebensstandard der Arbeiterklasse verbessern. Das Problem besteht jedoch darin, dass diese Illusionen unter der Masse der ArbeiterInnen (und sogar unter Teilen der fortschrittlicheren Schichten unter ihnen) bereits bestehen. Sie gehen bereits davon aus, dass begrenzte Ma\u00dfnahmen ausreichen k\u00f6nnen, um die allgemeine wirtschaftliche Lage und ihre Stellung zu verbessern. Das wird sich nicht allein durch Propaganda oder Beteuerungen \u00e4ndern, sondern nur durch die Erfahrungen der Arbeiterklasse und dadurch, dass SozialistInnen und MarxistInnen sich mit ihnen gemeinsam einbringen, wenn sie diese Erfahrungen machen. Wir sagen zu jedem Zeitpunkt der Entwicklung, dass eine umfassende sozialistische L\u00f6sung n\u00f6tig ist, die \u00fcber den Rahmen des Kapitalismus hinausgeht und die Grundlage schafft f\u00fcr eine sozialistische Planwirtschaft. Aber wir verstehen auch die Illusionen, die arbeitende Menschen immer noch in den Kapitalismus haben, und treten ihnen entgegen. Wir verstehen diese Illusion, teilen sie aber nicht und versuchen, ihnen durch unsere \u00dcbergangsforderungen und -programm zu begegnen.<\/p>\n<p>31. Wenn \u00dcbergangsforderungen aufgestellt werden und vor allem, wenn diese von einer Massenbewegung \u00fcbernommen werden (womit wir im Kampf gegen die Kopfsteuer sowie w\u00e4hrend der gewaltigen Auseinandersetzung in Liverpool zwischen 1983 und 1987 einige Erfahrungen hatten), so k\u00f6nnen sie wie eine Br\u00fccke wirken, die \u2013 hoffentlich \u2013 vom derzeitigen Stand des Bewusstseins zu einem sozialistischen Bewusstsein f\u00fchrt. Von dieser Herangehensweise hat Kliman (unterst\u00fctzt von Bruce Wallace) absolut keine Vorstellung. Er ist in seiner Studierstube von der Erfahrung der arbeitenden Menschen abgeschottet. Obwohl er scheinbar ein Anh\u00e4nger der Dialektik ist, zeigen sein Buch und die sich aus ihm ergebenden politischen Ideen, dass er in kantianischen fixen Begriffen denkt: Hier ist der Kapitalismus und dort ist der Sozialismus. Und abgesehen von abstrakten Vorstellungen hat er keine Idee, wie man vom einen zum anderen gelangt. Seine politischen Vorstellungen sind f\u00fcr Universit\u00e4tsseminare und nicht f\u00fcr die wirkliche Arbeiterbewegung.<\/p>\n<h4>Marx\u2019 Analysemethode<\/h4>\n<p>32. Marx\u2019 Haltung war vollkommen anders. Auch wenn Franz Mehring in seiner Marx-Biographie ein paar Fehler machte, so sagte er doch: \u201eDiese Umst\u00e4nde erkl\u00e4ren, da\u00df wir in den beiden letzten B\u00e4nden des Kapitals nicht etwa eine abgeschlossene fertige L\u00f6sung aller wichtigster Probleme der National\u00f6konomie zu suchen haben, sondern zum Teil nur die Aufstellung solcher Probleme, und dazu Fingerzeige, nach welcher Richtung die L\u00f6sung zu suchen w\u00e4re. Wie die ganze Weltanschauung Marxens ist sein Hauptwerk keine Bibel, mit fertigen, ein f\u00fcr allemal g\u00fcltigen Wahrheiten letzter Instanz, sondern ein unersch\u00f6pflicher Born [Quell] der Anregung zur weiteren geistigen Arbeit, zum weiteren Forschen und K\u00e4mpfen um die Wahrheit.\u201c [Franz Mehring: \u201eKarl Marx\u201c, 12. Kapitel, 3. Abschnitt, Gesammelte Schriften Band 3, S. 376 und Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke Band 4, S. 291].<\/p>\n<p>33. Kliman und Bruce Wallace haben anders als Marx eine monokausale Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Krise \u00fcbernommen: das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. In dieser Frage verteidigen wir Marx\u2019 Analyse, die er im dritten Band des \u201eKapital\u201c macht. In dem Buch \u201eMarxismus heute. Antworten auf Krieg, Kapitalismus und Umweltzerst\u00f6rung\u201c haben wir geschrieben: \u201eWir denken, dass Marx mit dem tendenziellen Fall der Profitrate Recht hatte. Geschichtlich hat es ein kolossales Wachstum des konstanten Kapitals gegeben, der toten Arbeit, wenn Du willst, gegen\u00fcber der lebendigen Arbeit, um Marx\u2019 Ausdr\u00fccke zu verwenden.\u201c (S. 30) Mit anderen Worten ist es zu einer Zunahme der \u201eorganischen Zusammensetzung\u201c des Kapitals gekommen, was sich auswirkt auf das Verh\u00e4ltnis zwischen konstantem Kapital (Investitionen in Produktionsmitteln, die im Produktionsprozess teilweise aufgebraucht werden) und variablem Kapital (Investitionen in L\u00f6hne oder die Arbeitskraft der ArbeiterInnen, die allein neuen Wert im Produktionsprozess schaffen). Ein Anstieg in der organischen Zusammensetzung (eine Zunahme des toten Kapitals im Verh\u00e4ltnis zur lebendigen Arbeit) f\u00fchrt zum tendenziellen Fall der Profitrate (auch wenn es entgegenwirkende Faktoren gibt).<\/p>\n<p>34. Selbst vor-marxistische \u00d6konomen haben im Allgemeinen die empirische Tatsache akzeptiert, dass die Profitrate fiel w\u00e4hrend sich der Kapitalismus entwickelte. Marx beschrieb dies als \u201eTendenz\u201c und analysierte dieses Ph\u00e4nomen ganz wunderbar im Detail im dritten Kapitel des dritten Bandes des \u201eKapital\u201c. In \u201eMarxismus heute\u201c fuhren wir fort:<\/p>\n<p>\u201eWas die Kapitalisten unmittelbar interessiert, ist nicht der tendenzielle Fall der Profitrate oder auch nur die Profitrate. Es ist die Profitmasse, die sie akkumulieren k\u00f6nnen. Die \u201aentgegenwirkenden Faktoren\u2019 sind Dinge wie das Herabdr\u00fccken der L\u00f6hne unter ihren Wert, was wir in gewissem Umfang in den 90er Jahren mit den neoliberalen Ma\u00dfnahmen gesehen haben. Die Profite f\u00fcr die Kapitalisten sind auf beispielloser H\u00f6he, im Falle der USA die h\u00f6chsten seit 70 Jahren. Das ist ein allgemeines Ph\u00e4nomen in allen fortgeschrittenen kapitalistischen L\u00e4ndern. Es gibt eine Reihe von anderen entgegenwirkenden Faktoren, die eine Wirkung haben k\u00f6nnen, aber wieder, um Marx\u2019 Ausdrucksweise zu verwenden, gibt es gewisse \u201aun\u00fcbersteigbare Grenzen\u2019, \u00fcber die der Kapitalismus nicht gehen kann.\u201c (a.a.O.)<\/p>\n<h4>Klimans Zahlen<\/h4>\n<p>35. Eine neue Diskussion \u00fcber den tendenziellen Fall der Profitrate muss zeigen, dass sie im Zusammenhang mit der derzeitigen Krise und deren Auswirkungen auf die Entwicklung der Arbeiterbewegung steht. Weder bei Klimans Ansatz noch bei dem von Bruce Wallace gibt es einen Beleg daf\u00fcr. Kliman selbst betont, dass sein Buch kein \u201etheoretisches\u201c ist, dass es nichts Neues zu den allgemeinen theoretischen Aspekten beisteuert, die Marx zu dieser Frage angef\u00fchrt hat. Es sei vielmehr \u201eempirisch\u201c (seine eigenen Worte) und konzentriere sich haupts\u00e4chlich auf den Versuch, einen st\u00e4ndigen Fall der Profitrate seit 1947 nachzuweisen! Wir werden daher mit Grafiken und Zahlen bombardiert \u2013 sie sind die \u201egraphische Tendenz\u201c \u2013, die, so die Behauptung, f\u00fcr sich allein ihre These belegen. Wir werden weiter unten zeigen, dass ihre \u201eschl\u00fcssigen\u201c Zahlen und Daten dem keineswegs gerecht werden, unterzieht man sie einer seri\u00f6sen Untersuchung.<\/p>\n<p>36. Klimans Schaubilder, die auf seinen Berechnungen zur Profitrate in den USA basieren, zeigen einen unaufhaltsamen, kontinuierlichen Abw\u00e4rtstrend von 1947 (dem Beginn des Nachkriegsaufschwungs) bis 2007 (dem Einsetzen der \u201eGro\u00dfen Rezession\u201c). [TFoCP, S. 84, Abb. 5.5.].<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26260\" alt=\"Nummer 1\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-1-175x173.jpg\" width=\"175\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-1-175x173.jpg 175w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-1-353x347.jpg 353w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-1-600x589.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-1-687x676.jpg 687w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-1.jpg 882w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a>Inflationsbereinigte Profitraten vor Steuern (gepunktete Linie: unbereinigt\/nominal, durchgezogene Linie: inflationsbereinigt, gestrichelte Linie MELT-bereinigt [MELT steht f\u00fcr Money expression of labor time, Geldausdruck der Arbeitszeit])<\/p>\n<p>37. Zwischen Klimans statistischem Trend und den tats\u00e4chlichen Trends des US- bzw. des Weltkapitalismus scheint kein Zusammenhang zu bestehen. So verzeichnet der Trend nicht den Konjunkturzyklus, der tats\u00e4chlich stattfand. Insbesondere zeigt er keine Erholung der Profitabilit\u00e4t nach der Hinwendung der Kapitalistenklasse zur neoliberalen Politik in den fr\u00fchen 1980er Jahren an, die mit Finanzialisierung, Globalisierung, einem Angriff auf die Einkommen und Rechte der Besch\u00e4ftigten etc. verbunden war.<\/p>\n<p>38. Andere \u00d6konomInnen zeichnen einen ganz anderen Verlauf der (US-amerikanischen) Profitrate. Zum Beispiel pr\u00e4sentiert Michel Husson in einem franz\u00f6sischsprachigen online-Artikel, \u201eLa hausse tendancielle du taux de profit\u201c (\u201eDer tendenzielle Anstieg der Profitrate\u201c, Januar 2010), eine Grafik, in der der Verlauf der Profitrate den tats\u00e4chlichen Verlauf der US-amerikanischen Wirtschaft wiedergibt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26261\" alt=\"Nummer 2\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-2-241x173.jpg\" width=\"241\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-2-241x173.jpg 241w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-2-483x347.jpg 483w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-2-600x430.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-2-900x645.jpg 900w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Nummer-2.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 241px) 100vw, 241px\" \/><\/a>(Profitrate in den Vereinigten Staaten 1950-2008)<\/p>\n<p>39. Das Schaubild zeigt einen H\u00f6hepunkt an Profitabilit\u00e4t 1966-67, auf dem H\u00f6hepunkt des Nachkriegsaufschwungs, und dann einem unregelm\u00e4\u00dfigen Niedergang (was den Konjunkturzyklus widerspiegelt) bis zum Erreichen der Talsohle im Jahre 1983 (im Gefolge des scharfen Anstiegs der US-Zinsen und der Wirtschaftskrise der Jahre 1980\/81). In den 1980er Jahren (der Periode neoliberaler Politik) ist es jedoch zu einer nur teilweisen, aber steilen Erholung der Profitabilit\u00e4t gekommen. Bei R\u00fcckg\u00e4ngen der Profitabilit\u00e4t rund um die Rezession 1990-92 und das Platzen der IT-Blase, nahm die Profitabilit\u00e4t weiter zu w\u00e4hrend des Anwachsens der Immobilienblase, die 2007 platzte.<\/p>\n<p>40. Husson pr\u00e4sentiert Schaubilder (Schaubild Nr. 9 und Nr. 10), die Sch\u00e4tzungen eines halben Dutzend anderer WirtschaftswissenschaftlerInnen im Vergleich zu seinen eigenen angeben. Es gibt Variationen bei den Ausschl\u00e4gen und Zeitpunkten der Hoch- und Tiefpunkte, aber die Schaubilder folgen einem sehr \u00e4hnlichen Trend.<\/p>\n<p>41. Die H\u00f6hepunkte der Profitrate bei Husson von 1998 (26%) und 2006 (27%) liegen unter denen von 1950 (29%) und 1957 [gemeint 1967?] (29%). Davon ausgehend behaupteten einige, dass diese Zahlen einen s\u00e4kularen (langfristigen) Fall der Profitrate belegen. Allerdings zieht ein gegl\u00e4tteter Durchschnitt \u00fcber den Gesamtzeitraum nicht den Zyklus der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen (den Konjunkturverlauf) in Betracht, mit denen die Arbeiterklasse fertig werden muss. Eine Korrelation von Trends in der Profitrate und Trends in der Realwirtschaft verr\u00e4t an sich noch nichts \u00fcber die komplexen Prozess von Ursache und Wirkung von Profitabilit\u00e4t, Investitionen, Konsum etc. Aber MarxistInnen sollten von einer Analyse der Trends in der realen Welt und nicht von abstrakten statistischen Konstrukten ausgehen.<\/p>\n<p>42. Nicht einmal Michael Roberts, ein gro\u00dfer Bewunderer Klimans, stimmt ihm voll zu. Er ist ein fr\u00fcheres Mitglied unserer Organisation, der gemeinsam mit Ted Grant ernsthafte Fehler zur Zeit des B\u00f6rsenkrachs 1987. Damals sagte er, dass eine Krise im Stil von 1929 praktisch gewiss sei. Dem widersprachen wir und hatten Recht. Aber jetzt meinen er und andere, dass die Profitrate von 1982 bis 1997 in den USA einen starken Anstieg verzeichnete. Der Grund daf\u00fcr, erkl\u00e4rt Michael Roberts, besteht darin, dass \u201ewenn gegenl\u00e4ufige Faktoren ins Spiel kommen, die Profitrate entweder steigen kann, weil die organische Zusammensetzung f\u00e4llt oder die Mehrwert-Rate signifikant steigt oder beides der Fall ist\u201c. Das ist korrekt und ist genau das, was wir best\u00e4ndig vorgebracht haben. Er hebt zudem hervor, dass \u201esich die Profitabilit\u00e4t in den wichtigsten kapitalistischen Volkswirtschaften von dem Tief des Jahres 2009 erholt hat, jedoch unterhalb des letzten H\u00f6hepunkts von 2007 bleibt\u201c. Wir haben betont, dass dies ein Faktor bei der immensen Akkumulation der Profitmasse war, die nicht mehr profitabel investiert werden kann. Obendrein wird dies von den Zeitungen und Magazinen des Kapitalismus selbst immer wieder best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>43. Von Wallace und Kliman, die argumentiert haben, der Fall der Profitrate sei die einzige Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Krise, wird dem jedoch rundweg widersprochen. Bruce Wallace hat versucht zu argumentieren, dass es unter marxistischen \u00d6konomInnen einen \u201ezunehmenden Konsens\u201c gebe, der ihre Sichtweise unterst\u00fctze, eine eindimensionale Erkl\u00e4rung, dass der Fall der Profitrate der einzige Grund f\u00fcr die Krise sei. Sowohl in den USA als auch in den drei wichtigsten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern k\u00f6nnen wir klar zwei Perioden unterscheiden: einen Fall der Profitrate bis Anfang der 1980er Jahre, dann ein erneuter Anstieg. Es kann festgestellt werden, dass die Fluktuationen in den USA besonders auff\u00e4llig ist, wo die Profitrate seit 2007 f\u00e4llt.<\/p>\n<p>44. Wir stimmen grunds\u00e4tzlich \u00fcberein bez\u00fcglich der G\u00fcltigkeit der marxistischen Analyse des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate. Klimans Ansatz bleibt allerdings eindimensional, starr und h\u00f6lzern. Er konzentriert sich im Wesentlichen darauf, einen best\u00e4ndigen Fall der Profitrate seit 1947 belegen zu wollen!<\/p>\n<p>45. Die Zahlen des \u201eOffice for National Statistics\u201c f\u00fcr britische Unternehmen best\u00e4tigen unsere Argumentation und nicht die von Wallace. Demnach ist die Profitrate unstet und sinkt nicht linear. Der j\u00e4hrliche Brutto-Betriebs\u00fcberschuss (die Profitmasse) aller Privatunternehmen au\u00dferhalb der Finanzwirtschaft (ohne die britischen Konzerne auf dem Festlandssockel, die \u00d6l- und Gasvorkommen ausbeuten) stieg zwischen 1997 und 2011 von 163 Milliarden britischen Pfund auf 236 Milliarden. Diese Zahlen stellen eine von 12,7% auf 11,3% sinkende Brutto-Rendite dar. 2001, in dem Jahr, als die IT-Blase platzte, fiel dieser Wert auf 10,8%, bevor er bis zum Jahr 2007 wieder auf 13,3% anstieg, dem letzten vollen Jahr vor dem Crash im Finanzsystem. 2009 fiel sie bis auf 11%, und erholte sich 2011 nur auf 11,3%. Die Zahlen f\u00fcr die Verarbeitende Industrie in Gro\u00dfbritannien sehen d\u00fcster aus. In derselben Zeitspanne sanken die Brutto-Betriebs\u00fcbersch\u00fcsse von 45,6 Milliarden brit. Pfund auf 38 Milliarden, und die Brutto-Renditen nahmen fast st\u00e4ndig ab &#8230; In diesen Zahlen spiegelt sich wider, dass der Anteil der Verarbeitenden Industrie an der britischen Wirtschaft zur\u00fcckgeht. Der Betriebs\u00fcberschuss im Dienstleistungssektor (ohne Finanzsektor) stieg von 99 Milliarden brit. Pfund im Jahre 1997 auf 170 Milliarden Pfund im Jahr 2011, was lediglich eine Ver\u00e4nderung der Brutto-Renditen von 15,7% auf 15,4% bedeutet. Allerdings waren die Daten in dieser Zeitspanne viel unsteter. Die h\u00f6chste Rendite wurde mit 17,3% 1998 erreicht. Sie schwankte betr\u00e4chtlich und lag 2009 mit 14% am niedrigsten. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde das \u2013 selbst wenn es momentan Belege f\u00fcr eine sinkende Profitrate gibt \u2013 nicht einem Anstieg in den vorigen Perioden ausschlie\u00dfen, ebenso wenig einen entsprechenden Anstieg der Profitmassen. Daher sind die Ausf\u00fchrungen, die wir bez\u00fcglich der Anh\u00e4ufung liquider Mittel in den Tresorr\u00e4umen der Banken gemacht haben, stichhaltig.<\/p>\n<p>46. Auch im Internet hat eine Auseinandersetzung \u00fcber Klimans Zahlen getobt. Er selbst erkl\u00e4rt: \u201eObwohl diese Ergebnisse mit dem Marxschen Gesetz \u00fcbereinstimmen, w\u00fcrde ich nicht behaupten wollen, dass sie das Gesetz best\u00e4tigten. Ein einziges Land und nicht das gesamtgesellschaftlich vorhandene Kapital der ganzen Welt ist analysiert worden [&#8230;]\u201c. Allerdings meint Kliman, die Zahlen, die er liefert, seien \u201eVertreter\u201c f\u00fcr die Argumente von Marx zum Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Antwort auf Andrew Kliman, Teil 1<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23223,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[94,85],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26283"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26283"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26283\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23223"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}