{"id":26258,"date":"2013-12-16T14:23:09","date_gmt":"2013-12-16T13:23:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26258"},"modified":"2013-12-13T14:32:43","modified_gmt":"2013-12-13T13:32:43","slug":"die-ursachen-der-kapitalistischen-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/12\/die-ursachen-der-kapitalistischen-krise\/","title":{"rendered":"Die Ursachen der kapitalistischen Krise"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24317\" aria-describedby=\"caption-attachment-24317\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1365150695534.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-24317\" alt=\"Foto: flickr.com\/rostock-hartig \" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1365150695534-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1365150695534-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1365150695534-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1365150695534-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Fotoflickrcomrostock-hartig-CC-BY-NC-20-e1365150695534.jpg 711w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24317\" class=\"wp-caption-text\">Foto: flickr.com\/rostock-hartig<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Eine Antwort auf Andrew Kliman, Teil 2<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Dokument besch\u00e4ftigt sich mit den Ursachen f\u00fcr die kapitalistische Krise und ist eine Antwort auf Andrew Kliman. Es wurde von Peter Taaffe und Lynn Walsh geschrieben und vom EK der Socialist Party (England und Wales) unterst\u00fctzt. Dies ist der 2. und letzte Teil. Teil 1 wurde gestern ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><em>von Peter Taaffe und Lynn Walsh, \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England und Wales)<\/em><\/p>\n<h4>Gr\u00fcnde f\u00fcr die derzeitige Krise<\/h4>\n<p>47. Die Frage des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate ist wichtig, aber keine volle Erkl\u00e4rung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Weltwirtschaftskrise. Es erkl\u00e4rt f\u00fcr sich genommen selbst die Hauptmerkmale dieser Krise nicht. MarxistInnen tanzen nicht nur auf einer Hochzeit. Es kann eine ganze Reihe von Hauptfaktoren geben \u2013 jenseits des tendenziellen Falls der Profitrate \u2013 die die unmittelbare Ursache f\u00fcr eine Krise sind. Kliman best\u00e4tigt, was wir gesagt haben, dass n\u00e4mlich \u201eder Fall der Profitrate nur indirekt und mit Verz\u00f6gerungen zu Krisen f\u00fchrt\u201c. Auch f\u00fcgt er korrekter Weise an, dass das \u201eGesetz des tendenziellen Falls der Profitrate von daher nicht vorhersagt und nicht vorhersagen kann, dass die Profitrate im Verlauf der Geschichte des Kapitalismus tats\u00e4chlich eine abw\u00e4rts weisende Tendenz aufweisen wird\u201c! Danach bezieht er sich im Besonderen auf die \u201ewirksamen gegenwirkenden Einfl\u00fcsse, die den Effekt des allgemein g\u00fcltigen Gesetzes kontrollieren und aufheben\u201c.<\/p>\n<p>48. Allerdings scheint Bruce Wallace \u2013 und Kliman definitiv \u2013 den Aspekt der \u201emangelnden Nachfrage\u201c als unwichtigen Faktor abzutun f\u00fcr die Frage, was zur derzeitigen Krise gef\u00fchrt hat und wodurch sich diese weiter fortsetzt. Dabei handelte es sich um einen Faktor, der schon \u00fcber eine ziemlich lange Zeitdauer wirksam war, von der Kreditblase jedoch \u00fcberdeckt wurde. Wir haben zugestimmt, dass diese ihre Ursachen in der beispiellosen Ausweitung der Kreditvergabe hatte und \u2013 als Folge \u2013 in gleichfalls beispiellosen Blasen, die 2007-08 platzten. Dies hinterlie\u00df einen massiven Schulden\u00fcberhang, der die Krise nun schon f\u00fcr f\u00fcnf Jahre und wahrscheinlich noch l\u00e4nger anhalten l\u00e4sst. In seinem Buch versucht Kliman, dies zu widerlegen. Dabei muss er sich denselben Vorwurf der \u201eRosinenpickerei\u201c bei Marx-Zitaten gefallen lassen, den er sonst anderen macht: Er bringt solche, die seinem Zweck dienen, aber tut andere Marx-Zitate ab, wenn sie das nicht tun. Wenn er sich zum Beispiel die Argumente der \u201eUnterkonsumtionistInnen\u201c vornimmt \u2013 was er sehr unzul\u00e4nglich macht \u2013, greift er sie daf\u00fcr an, dass sie das folgende ber\u00fchmte Marx-Zitat verwenden: \u201eDer letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschr\u00e4nkung der Massen gegen\u00fcber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkr\u00e4fte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsf\u00e4higkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.\u201c [\u201eDas Kapital\u201c, Band III, 30. Kapitel, Marx Engels Werke Band 25, S. 501]. Marx rechtfertigt an dieser Stelle nicht die Argumente der \u201eUnterkonsumtionistInnen\u201c. Er h\u00e4lt einfach nur die Tatsache fest, dass der \u201eletzte Grund\u201c in der eingeschr\u00e4nkten Kaufkraft der Massen besteht, weil diese nicht in der Lage sind, das komplette Produkt ihrer Arbeit zur\u00fcckzukaufen. Die Maschinerie des Kapitalismus bleibt jedoch in Gang, weil ein Teil des Mehrwerts wieder in die Produktion reinvestiert wird. Doch das schafft ab einem bestimmten Stadium und in Verbindung mit weiteren Faktoren wiederum die Grundlage einer zuk\u00fcnftigen \u201e\u00dcberf\u00fclle\u201c, von \u00dcberproduktion etc.<\/p>\n<p>49. Nichts davon bei Kliman, der versucht, die obigen Worte abzutun, wenn er erkl\u00e4rt, dass die \u201eUnterkonsumtionistInnen sehr gerne einen Satz aus dem Kontext rei\u00dfen, in dem Marx schreibt: \u201aDer letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschr\u00e4nkung der Massen\u2019\u201c. [TFoCP, S. 166]. Aber er stellt sie nie in einen \u201eKontext\u201c, der Marx in dieser Frage widerlegt. Stattdessen n\u00e4hert er sich sehr den Argumenten an, die gegen die \u00f6konomische Argumente von Marx vom rechten Guru der \u201e\u00d6sterreichischen Schule\u201c, Hayek, ins Feld gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>50. Kliman, so scheint es, erkl\u00e4rt explizit, dass der Kapitalismus immer einen Ausweg finden kann, indem er den Mehrwert in die Produktionsmittel investiert. Wir akzeptieren auch, dass der Kapitalismus das kurzfristig kann, aber es gibt daf\u00fcr Grenzen, wie oben erkl\u00e4rt wurde. Zitieren wir den Teil, in dem Kliman sich mit diesen Argumenten besch\u00e4ftigt: \u201eUnterkonsumtionistInnen behaupten jedoch, dass die Investitionsnachfrage auf lange Sicht nicht schneller wachsen kann als die pers\u00f6nliche Konsumnachfrage. Warum nicht? Nun, sagen sie, wenn die Unternehmen in neue Fabriken, Maschinen etc. investieren und sie dazu benutzen, mehr Waren zu produzieren, dann m\u00fcssen sie diese auch verkaufen. Das ist offensichtlich richtig, aber dann kommt die Unterkonsumtions-Intuition: Letztlich m\u00fcssen die Unternehmen die Waren an Menschen verkaufen\u201c. Er entgegnet dem wie folgt: \u201eWeshalb k\u00f6nnen die Unternehmen am Ende nicht einander verkaufen statt den Menschen?\u201c<\/p>\n<p>51. Hayek und nun, wie es scheint, auch Kliman argumentieren, dass dies f\u00fcr immer ohne Grenze so weitergehen kann. Lediglich der Anteil der Konsumg\u00fcter an der Produktion wird immer geringer. Kliman sagt: \u201eTrotz eines relativen R\u00fcckgangs bei der Konsumnachfrage kann Wachstum unbegrenzt stattfinden, wenn es eine gesteigerte Nachfrage nach Maschinen gibt, mit denen neue Maschinen hergestellt werden, und damit eine relative Ausweitung der Produktion von Maschinen. Sie lassen einfach die Reproduktionsschemata au\u00dfer Acht zugunsten dessen, was sie f\u00fcr die Realit\u00e4t halten, insbesondere des Dogmas, dass alle Produktion, selbst unter dem Kapitalismus, Produktion zum Zwecke des Konsums sei\u201c [ebd., S. 164]. Die Arbeiterklasse wird niemals in der Lage sein, die Konsumg\u00fcter kaufen zu k\u00f6nnen, die die vermehrten Produktionsmittel erzeugen, aber das System wird mit erh\u00f6hten Produktionsmitteln fortgef\u00fchrt, was sich endlos fortsetzt, begleitet von der permanenten Verarmung der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>52. Diese Schlussfolgerungen von Hayek sind verr\u00fcckt \u2013 eine reductio ad absurdum (Zur\u00fcckf\u00fchrung aufs Absurde) des Kapitalismus. Zeitgen\u00f6ssische marxistische \u00d6konomInnen haben es als das erkannt und auf ihn geantwortet. Hayek sagt implizit, dass der Kapitalismus sich auf ein System reduziert, das die Produktionsmittel endlos erweitern muss, das aber niemals gesteigerte Produktion \u2013 Konsumg\u00fcter \u2013 die von VerbraucherInnen gekauft werden, umfassen kann, wenn es eine Krise vermeiden soll. Wie kann die Arbeiterklasse \u2013 und die Menschheit als Ganzes, was das angeht \u2013 ein solches System unterst\u00fctzen? In der Tat, wenn es je auf dieser Basis aufgebaut w\u00e4re, w\u00fcrde es eine viel heftigere Wirtschaftskrise erzeugen, als wir sie jetzt haben. Sie w\u00fcrde eine weltweite Revolution hervorrufen. Ist nicht die Produktion von Konsumg\u00fctern vern\u00fcnftiger Weise das Ziel der Produktion, auch wenn das aus einem kapitalistischen Blickwinkel nicht der Fall ist? Daher kommen die unl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcche des Systems; der Kapitalismus ist ein System, das auf der Produktion f\u00fcr den Profit beruht und nicht f\u00fcr gesellschaftliche Bed\u00fcrfnissen. Und deswegen betont Marx: \u201eDie kapitalistische Produktion strebt best\u00e4ndig, diese ihr immanenten Schranken zu \u00fcberwinden, aber sie \u00fcberwindet sie nur durch Mittel, die ihr diese Schranken aufs neue und auf gewaltigerm Ma\u00dfstab entgegenstellen.\u201c [\u201eDas Kapital\u201c, Band III, 15. Kapitel, a.a.O., S. 260].<\/p>\n<p>53. Auf diesen Punkt, den wir in der Debatte machten, entgegnet Bruce Wallace unglaublicher Weise: \u201eNein, ich denke nicht, dass im Kapitalismus die Produktion von Konsumg\u00fctern jemals das rationale Ziel ist, sondern dass es sich dabei lediglich um ein reines Zufallsprodukt des Systems handelt\u201c!! Marx selbst antwortet darauf wie folgt: \u201e[&#8230;] indem die Produktion von konstantem Kapital nie seiner selbst wegen stattfindet, sondern nur, weil mehr davon gebraucht wird in den Produktionssph\u00e4ren, deren Produkte in die individuelle Konsumtion eingehn.\u201c [ebd., Band III, 18. Kapitel, a.a.O., S. 316f.].<\/p>\n<p>54. Kliman geht an die Dinge auf vollkommen undialektische Art und Weise heran und klammert sich an eine einzige Erkl\u00e4rung \u2013 die Wirkungen des Falls der Profitrate \u2013 was sehr wichtig ist, damit stimmen wir \u00fcberein. Es gibt aber andere Faktoren, die in unsere Analyse einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>55. Wer diesen Umstand anerkennt, unterst\u00fctzt damit noch lange nicht die UnterkonsumtionistInnen, weder die keynesianische noch die \u201esozialistische\u201c Spielart. Denn wenn es einen Versuch g\u00e4be, dieses Problem zu l\u00f6sen, indem die L\u00f6hne angehoben werden, dann bekommt man eine Krise, die durch sinkende Profite und die daraus folgende Einstellung der Produktion verursacht ist. Wie wir im Zusammenhang mit den Argumenten des Keynesianismus ausgef\u00fchrt haben, m\u00fcssen h\u00f6here L\u00f6hne dadurch gegenfinanziert werden, dass die Profite der Kapitalisten beschnitten, der Arbeiterklasse h\u00f6here Steuern aufgeb\u00fcrdet oder die Staatsausgaben erh\u00f6ht werden \u2013 ohne dass das durch zus\u00e4tzliche Warenproduktion gedeckt w\u00e4re \u2013 was wiederum mit der Zeit zu steigender Inflation f\u00fchren w\u00fcrde. Dar\u00fcber hinaus ist einer der ersten Hinweise auf eine Krise, ein Vorbote am Ende der Boomperiode, dass der Preis der Arbeitskraft, die L\u00f6hne, in die H\u00f6he getrieben wird. Das verringert die allgemeine Profitabilit\u00e4t, indem es die Mehrwertrate verringert, und wird selbst zu einem weiteren Faktor, der zur Krise f\u00fchrt.<\/p>\n<p>56. Das hei\u00dft nicht, in die Falle zu tappen, theoretische Argumente gegen eine Lohnerh\u00f6hung zu liefern. Wir w\u00fcrden weiterhin Lohnerh\u00f6hungen fordern, aber gleichzeitig auf die inneren Widerspr\u00fcche hinweisen, die dadurch auf Grundlage des Kapitalismus geschaffen werden. Dies wiederum w\u00fcrde die Grundlage liefern f\u00fcr die Argumente f\u00fcr eine neue, sozialistische Gesellschaft etc., nicht Gr\u00fcnde zur Rechtfertigung der Ablehnung von Lohnerh\u00f6hungen oder gar f\u00fcr Lohnk\u00fcrzungen.<\/p>\n<h4>Sind die L\u00f6hne der ArbeiterInnen gestiegen?<\/h4>\n<p>Ein weiterer Fehler besteht in seiner Einsch\u00e4tzung der Wirkungen des Neoliberalismus. Zweifellos gab es eine Umverteilung des Mehrwerts \u2013 des Reichtums \u2013 innerhalb der Reihen der Kapitalisten, bei der Manager und Vorstandsmitglieder die Sahne abgesch\u00f6pft haben. Aber es gab auch eine Zunahme des Anteils der Kapitalistenklasse insgesamt. Es ist undenkbar, dass der Neoliberalismus nicht zu einer Umverteilung der Einkommen \u2013 des Anteils am nationalen Reichtum \u2013 von den 99% in der Arbeiterklasse und den Mittelschichten zu dem 1%, jetzt eher 0,1%, der Kapitalisten, gef\u00fchrt hat. Die j\u00fcngsten Statistiken deuten darauf hin, dass die heutigen L\u00f6hne der Arbeiterklasse in den USA auf das Niveau der 1950er Jahre zur\u00fcckgeworfen sind.<\/p>\n<p>58. Die US-Arbeiterl\u00f6hne stagnieren seit mehr als 30 Jahren. Die inflationsbereinigten durchschnittlichen Stundenl\u00f6hne in der Privatwirtschaft lagen 1979 bei 16 US-Dollar und stiegen bis 2012 auf 17 US-Dollar [St.-Louis-Zweigstelle der Federal Reserve Bank]. Inflationsbereinigt lag der Median der Haushaltseinkommen 1979 bei 47,527 US-Dollar und stieg bis 2011 auf 50,054 Dollar (US Census Bureau). Zu dieser Stagnation ist es gekommen, obwohl der Anteil weiblicher Arbeitskr\u00e4fte zugenommen hat und die Arbeitszeiten verl\u00e4ngert wurden. Um ihren Lebensstandard zu halten, haben die ArbeiterInnen zunehmend Schulden gemacht.<\/p>\n<p>59. Wir haben nie argumentiert, dass der Neoliberalismus eine grundlegend andere Phase des Kapitalismus sei. Kliman baut Popanze auf, um sie zu bek\u00e4mpfen. Aber er war einzigartig darin, in welchem Ausma\u00df beispiellose Summen an Krediten ausgesch\u00fcttet wurden. In Verbindung mit den politischen Folgen des Zusammenbruchs des Stalinismus erlaubte der Neoliberalismus dem Kapitalismus eine Konterrevolution gegen die Rechte und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterklasse durchzuf\u00fchren, praktisch ohne die fr\u00fcheren Kontrollen, Beschr\u00e4nkungen oder den Druck der Arbeiterklasse durch die Organisationen der Arbeiterbewegung. Dies half, durch die massive Einspeisung fiktiven Kapitals eine nie dagewesene Kreditschwemme in Gang zu setzen. Dadurch flossen der Kapitalistenklasse unglaublich angenehme Vorteile zu. Kliman deutet ernsthaft an, dass diese Periode nicht die Wirkung hatte, den Anteil der Arbeiterklasse zu senken und die Profitabilit\u00e4t zumindest zeitweilig hochzutreiben? Der Staat ist, wie sowohl Marx als auch Engels ausf\u00fchrten, eine wirtschaftliche Macht. Die Bourgeoisie nutzte diese, um das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zu ihren Gunsten zu \u00e4ndern und gro\u00dfe wirtschaftliche Vorteile einzuheimsen.<\/p>\n<p>60. Kliman bestreitet das und trachtet danach, Statistiken aufzustellen, um seine Behauptungen zu beweisen. Wir akzeptieren seine Zahlen nicht. (Wir sollten hinzuf\u00fcgen, dass es sehr schwierig ist, eine wirklich tragf\u00e4hige Profitrate auch nur f\u00fcr die USA zu berechnen, wie wir unten erkl\u00e4ren werden.) Es ist absurd anzunehmen, dass die Vorteile, die als Folge der neoliberalen Ma\u00dfnahmen an die Kapitalisten gingen, nicht erheblich gewesen w\u00e4ren. Dies war keine grundlegend neue Phase des Kapitalismus. Aber es war auch nicht nur eine \u201enormale\u201c Form der Kredit-Ausweitung. Es war eine enorme Einspeisung von Krediten mit monumentalen Dimensionen. Am Ende dieser Phase stand ein immenser Schulden\u00fcberhang, der den Kapitalismus gegenw\u00e4rtig l\u00e4hmt. Wie wir erkl\u00e4rt haben, f\u00fchrte es nicht zu massivem Wachstum in der produktiven Seite des Kapitalismus. Wachstumsraten waren niedrig, in Europa, Japan und den USA kam es zu einer realen wirtschaftlichen Stagnation \u2013 China und einige andere asiatische Volkswirtschaften waren die internationalen Ausnahmen \u2013 und es gab niedrige Akkumulationsraten etc. Dies lag an der enormen Ausweitung des fiktiven Kapitals durch die \u201eFinanzialisierung\u201c (gemeint ist der betr\u00e4chtliche Bedeutungs- und Machtgewinn der Finanzm\u00e4rkte \u2013 d. \u00dcbers).<\/p>\n<p>61. Kliman argumentiert, dass der reale Anteil am Gesamteinkommen, der an die Arbeiterklasse geht, nicht gefallen sei, weil der \u201eSoziallohn\u201c \u2013 Gesundheits-, Renten- und anderen Sozialleistungen, die im Nachkriegsaufschwung in den USA von einzelnen Unternehmen statt vom Staat zugestanden wurden \u2013 in den Anteil der ArbeiterInnen einbezogen werden muss. Manche Monopole in den USA gehen so weit, dass sie komplett schlie\u00dfen \u2013 Firmen und ganze Industrien bankrott gehen lassen \u2013 um sich der Sozialleistungen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten (z.B. Betriebsrenten, Betriebskrankenkassen) zu entledigen. Danach \u00f6ffnen sie als neue Firmen wieder, aber ohne die Last der \u201esozialen Wohltaten\u201c f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>62. Kliman und diejenigen, die seine Behauptung unterst\u00fctzen, wonach die \u201eKompensation\u201c oder der Anteil der Arbeiterklasse tats\u00e4chlich zugenommen habe, berufen sich auf \u00e4u\u00dferst dubiose Quellen. Um zu belegen, dass der Anteil der Arbeiterklasse nicht gesunken ist \u2013 im Gegensatz zu dem, was die meisten ArbeiterInnen instinktiv glauben und f\u00fchlen \u2013 , f\u00fchrt Kliman die Beweisf\u00fchrung von Martin Feldstein, des damaligen Pr\u00e4sidenten des (privaten Wirtschaftsforschungsinstituts \u2013 d. \u00dcbers.) \u201eNational Bureau of Economic Research\u201c, an. Er schrieb, dass es ein \u201eMessfehler\u201c sei, \u201eauf die L\u00f6hne statt auf die gesamte Kompensation zu schauen\u201c und dass es \u201ezu einer falsche Sicht f\u00fchrt, wie sich die Anteile am Volkseinkommen entwickelt haben\u201c.<\/p>\n<p>63. Kliman sagt nicht, wer genau Feldstein ist. Er ist in der Tat ein extrem reaktion\u00e4rer \u00d6konom, der sein Leben der Verteidigung und dem Sch\u00f6nf\u00e4rben des US-Kapitalismus gewidmet hat. Er unterscheidet sich nicht vom Vertreter der \u201eBritish Chamber of Commerce\u201c (BCC; brit. Handelskammer), der in einer Debatte mit Peter Taaffe an der Oxford Union argumentierte, dass die Lebensstandards der Arbeiterklasse nicht gesunken seien \u2013 sie seien gestiegen! Die relativ privilegierte Zuh\u00f6rerschaft war damit jedoch nicht einverstanden und votierte f\u00fcr die Aussage: \u201eder Kapitalismus hat die Armen im Stich gelassen\u201c. Kliman und Bruce Wallace vertreten im Prinzip dieselbe Meinung wie die britische Handelskammer!<\/p>\n<p>64. Es ist wahr, dass MarxistInnen oft b\u00fcrgerliche \u00d6konomInnen zitieren, wenn deren Forschungsergebnisse Wahrheiten \u00fcber den Kapitalismus und die Ausbeutung der ArbeiterInnen enth\u00fcllen! Etwas v\u00f6llig anderes ist es aber, wenn ein Marxist reaktion\u00e4re \u00d6konomInnen zitiert, die Statistiken auf eine Art und Weise nutzen, die ihre Verteidigung des Kapitalismus st\u00e4rkt. Klimans Schlussfolgerung stimmt stark mit der nat\u00fcrlichen ideologischen Ausrichtung von Feldstein \u00fcberein. [Dieser und eine Reihe anderer vielsagender Punkte werden von Sam Williams auf seinem Blog http:\/\/critiqueofcrisistheory.wordpress.com\/ gemacht.]*<\/p>\n<p>65. Selbst wenn es wahr w\u00e4re, dass die \u201eLohnersatzleistungen\u201c (wie beispielsweise die Gesundheitsversicherung) seit 1972 so stark zugenommen h\u00e4tten, dass das Realeinkommen (Stundenl\u00f6hne plus \u201eLohnersatzleistungen\u201c) f\u00fcr jede abgeleistete Arbeitsstunde, die von den US-amerikanischen ArbeiterInnen an die Kapitalisten verkauft wurde, zwischen 1972 und 2006 gestiegen w\u00e4re, so bedeutet dies nicht, dass die ArbeiterInnen in den USA pro Stunde auch einen h\u00f6heren Wert f\u00fcr ihre geleistete Arbeit erhalten h\u00e4tten. So lange die Arbeitsproduktivit\u00e4t steigt ist es durchaus m\u00f6glich, dass der Lebensstandard der ArbeiterInnen steigt, obwohl sie st\u00e4rker ausgebeutet werden als je. Das ist Marx\u00b4 Konzept vom relativen Mehrwert.<\/p>\n<p>66. Klimans Behauptung, wonach die aus den US-amerikanischen ArbeiterInnen herausgepresste Mehrwertrate in den Jahrzehnten vor der Gro\u00dfen Rezession nicht gestiegen sei, wird von der Tatsache untergraben, dass es in den letzten 40 Jahren eine enormen Schw\u00e4chung der US-Gewerkschaftsbewegung gegeben hat. 2010 sank die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder im Bereich der Privatwirtschaft auf unter sieben Prozent. So ein niedriges Niveau gab es seit 1932 unter Pr\u00e4sident Herbert Hoover nicht mehr, als w\u00e4hrend der \u201eSuper-Krisen\u201c-Phase der Gro\u00dfen Depression die Gewerkschaftsmitgliedschaft sehr niedrig war.<\/p>\n<p>67. Es w\u00e4re in der Tat bemerkenswert, wenn die Mehrwertrate, die aus den amerikanischen ArbeiterInnen herausgeholt wird, trotz dieser immensen Schw\u00e4chung der Gewerkschaftsbewegung tats\u00e4chlich zur\u00fcckgegangen w\u00e4re. Hinzu kommt der Anstieg der realen Erwerbslosigkeit seit dem Ende der wirtschaftlichen Nachkriegsprosperit\u00e4t vor 40 Jahren, die sich in den offiziellen Erwerbslosenzahlen nur zum Teil widerspiegelt.<\/p>\n<p>68. Kliman l\u00e4sst die Wirkungen der Verlagerung der kapitalistischen Produktion von den Vereinigten Staaten und anderen imperialistischen L\u00e4ndern, wo die L\u00f6hne vergleichsweise hoch sind, in L\u00e4nder wie China, Indien, Bangladesch usw. weg, wo die L\u00f6hne dramatisch niedriger sind. Das r\u00e4umt er selbst ein und begr\u00fcndet dies mit dem Mangel an seri\u00f6sen Statistiken. Anders als 1972 wird die Masse der Profite von Unternehmen, die ihren Standort in den USA haben, in zunehmendem Ma\u00dfe von extrem schlecht bezahlten ArbeiterInnen produziert \u2013 vor allem in Asien aber auch in Lateinamerika, der Karibik und Afrika.<\/p>\n<p>69. Die von Kliman erstellten Schaubilder zur Untermauerung der Idee, dass der Anteil der ArbeiterInnen am Bruttoinlandsprodukt zugenommen habe, untersch\u00e4tzen, dass die Zahlen so ermittelt werden, dass sie die Geh\u00e4lter, Spesen etc. von \u201eNicht-ArbeiterInnen\u201c enthalten \u2013 von Firmendirektoren usw. Zu den Zahlen \u00fcber L\u00f6hne und Geh\u00e4lter geh\u00f6ren auch die Geh\u00e4lter der Vorst\u00e4nde, die einen wachsenden Anteil an den Gesamteinkommen kassieren. Den Gro\u00dfteil der Geh\u00e4lter dieser Schicht (viele unter ihnen z\u00e4hlen zum obersten 1%), sollte man nicht wirklich als Lohn sondern als Teil des Profits betrachten.<\/p>\n<p>70. Gewerkschaftsf\u00fchrer quer durch den TUC (brit. Gewerkschaftsbund \u2013 d. \u00dcbers.) haben in v\u00f6lligem Gegensatz zu den Behauptungen von Bruce Wallace und Kliman darauf hingewiesen, dass die britischen ArbeiterInnen die gr\u00f6\u00dfte Lohnk\u00fcrzung der Neuzeit hinnehmen mussten; seit Beginn der Finanzkrise sind die Jahreseinkommen um 52 Milliarden brit. Pfund gesunken. W\u00fcrden wir die Argumente von Kliman und Wallace akzeptieren, w\u00e4ren wir in der absurden Lage, zu behaupten, dass die Bosse nicht gewonnen sondern verloren h\u00e4tten, und dass die Arbeiterklasse in der vergangenen Periode tats\u00e4chlich dazu gewonnen h\u00e4tte.<\/p>\n<h4>Ein Mangel an Profiten?<\/h4>\n<p>71. Was die Profite angeht, so hat es in letzter Zeit eine Schwemme an Berichten in der b\u00fcrgerlichen Presse gegeben, nach denen es die \u201egro\u00dfen Unternehmen [\u2026] noch nie so gut\u201c hatten. Sie ersticken f\u00f6rmlich an ihren Profiten, die sie nicht in Form profitabler Investitionen unterbringen k\u00f6nnen. Alexander Friedman schreibt in der \u201eFinancial Times\u201c [2. Mai 2013]: \u201eDas Ver\u00f6ffentlichung der Gewinne des ersten Quartals ist noch nicht zu Ende, da haben die Unternehmen im S&amp;P 500 schon neue Rekordwerte erreicht. Die US-Konzerne verdienen an jedem umgesetzten Dollar mehr als je zuvor in der Geschichte, und die Gesamtheit der Unternehmensprofite belaufen sich auf rund 13 Prozent des BIP, der h\u00f6chste aufgezeichnete Wert\u201c. Nachdem es zun\u00e4chst ausf\u00fchrte, dass die US-amerikanischen Firmen \u201eexzellente Profite\u201c machen, berichtete das \u201eWall Street Journal\u201c: \u201eUS-Konzerne (ohne Finanzh\u00e4user) sitzen auf mehr als 1,8 Billionen US-Dollar an Kassenbest\u00e4nden und fl\u00fcssigen Mitteln, 30% mehr als 2008 laut Sch\u00e4tzungen der US-Notenbank\u201c [28. Juni 2013]. Und wieder die \u201eFinancial Times\u201c schrieb in einer Kolumne vom 16. Juli 2013 mit dem Titel: \u201eWall Street ringt mit dem Problem zu gro\u00dfer Profite\u201c, dass die gr\u00f6\u00dften US-Banken \u201ekurz davor stehen, zu hohe Gewinne zu machen. JPMorgan Chase erwartet dieses Jahr Profite in H\u00f6he von 25 Milliarden US-Dollar und mehr (das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Paraguay), mit mindestens 17% Ertrag auf das Buchkapital, was die Bank auf den berauschenden Stand von 2007 zur\u00fcckbringt\u201c. Was die Investitionen der Unternehmen angeht, so stellt die \u201eFinancial Times\u201c fest: \u201eDie Profite befinden sich in den USA auf einem Allzeithoch, aber perverser Weise stagnieren die Investitionen\u201c [25. Juli 2013].<\/p>\n<h4>Finanzialisierung<\/h4>\n<p>72. In Bezug auf den Neoliberalismus erkl\u00e4rt Kliman: \u201eDie politischen Folgerungen aus dieser Kontroverse sind tiefgreifend. Wenn die langfristigen Gr\u00fcnde der Krise und der Rezession finanziell sind, ohne dass mehr dahinter steckt, dann k\u00f6nnen wir die Wiederkehr solcher Krisen verhindern, indem wir mit dem Neoliberalismus und der &gt;Finanzialisierung des Kapitalismus&lt; Schluss machen\u201c. Alles, was notwendig sei, argumentiert er, sei, dass der kapitalistische Staat die Banken verstaatlicht. Apropos: das ist f\u00fcr ihn nicht immer leicht. Man denke nur an das Z\u00f6gern der konservativ-liberalen britischen Regierung heute bei der vollen Verstaatlichung der \u201eRoyal Bank of Scotland\u201c trotz deren offensichtlichen Misserfolgen. Diese Frage behandeln wir in der \u201eSocialism Today\u201c.<\/p>\n<p>73. Diese R\u00fcckschl\u00fcsse resultieren keineswegs aus dem Anerkennen der Phase der \u201eFinanzialisierung\u201c. Die Krise ist sowohl finanziell als auch in der \u201eRealwirtschaft\u201c, was zu der Frage f\u00fchrt, die Kommandoh\u00f6hen der Wirtschaft zu verstaatlichen.<\/p>\n<p>74. Kliman behauptet, wenn man Aspekte wie die Finanzialisierung in den Vordergrund stelle, bedeute dies in gewisser Weise, dass man nicht das System als Ganzes herausfordere, sondern nur f\u00fcr begrenzte Ma\u00dfnahmen eintrete, die das System tats\u00e4chlich durch \u201eStaatskapitalismus\u201c erhalten k\u00f6nnen. Das ist ein v\u00f6llig unfruchtbarer Ansatz. Er zeigt hier wie in seinem ganzen Buch, dass er von der \u00dcbergangsmethode wenig verstanden hat.<\/p>\n<h4>Die \u201eKritik\u201c an unserer Analyse<\/h4>\n<p>75. Bruce Wallace stellt auch unsere generelle Herangehensweise in Frage, die wir in der Vergangenheit verfolgt haben. So kritisiert er einen Artikel aus der ersten Ausgabe der \u201eSocialism Today\u201c vom September 1995. Er zitiert nur einen Satz aus dem Artikel, der das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate nicht erw\u00e4hnte, der folgenderma\u00dfen lautet: \u201eDie Profite der Gro\u00dfkonzerne und vor allem die der gro\u00dfen kapitalistischen Spekulanten sind wieder auf die hohen Werte der Nachkriegs-Aufschwungsperiode (1950-73) gestiegen\u201c. Er vers\u00e4umt jedoch, anzuf\u00fcgen, was im Text folgt. Der geht weiter:<\/p>\n<p>\u201eErreicht wurde dies allerdings in erster Linie durch eine intensivierte Ausbeutung der Arbeiterklasse: Absenkung der L\u00f6hne, geringere Sozialausgaben und ein h\u00e4rteres Management-Regime in den Betrieben. Au\u00dferhalb der entwickelten High-Tech-Sektoren der Wirtschaft (Mikroelektronik, Kommunikationstechnologie, Biotechnologie, Pharmaindustrie etc.) war das Produktions- und Produktivit\u00e4tswachstum niedriger als in der Aufschwungsperiode. In den f\u00fchrenden industrialisierten Volkswirtschaften, besonders den USA und Japan, ist es zu einer \u201aAush\u00f6hlung\u2019 der Industrie gekommen. Die produzierenden Industrien sind immer schneller durch den Dienstleistungssektor verdr\u00e4ngt worden.<\/p>\n<p>Weit von einer Phase der Wiederbelebung entfernt, ist der Kapitalismus in eine Phase der chronischen Depression eingetreten. Der Konjunkturzyklus wird sich zwar fortsetzen (wie wir seit 1990 bereits gesehen haben), aufeinander folgende Erholungsphasen werden jedoch nicht die zugrunde liegenden Ursachen des langfristigen Niedergangs ausmerzen. Im Gegenteil werden diese immer mehr zu voller Geltung kommen. Der Boom der 1980er Jahre in den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern, die Welle an spekulativen Investitionen in bestimmten L\u00e4ndern der Dritten Welt und die eher schwache Wiederbelebung der f\u00fchrenden Volkswirtschaften in den letzten zwei oder drei Jahren haben nicht im geringsten die Erosion der Bedingungen f\u00fcr ein langfristiges Wachstum aufgehalten, die in der Nachkriegsperiode bestanden.<\/p>\n<p>In den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern haben die Kapitalisten die Profitabilit\u00e4t wiederhergestellt, indem sie die Zugest\u00e4ndnisse wieder zur\u00fcckgenommen haben, die sie w\u00e4hrend des Nachkriegsaufschwungs der Arbeiterklasse machen mussten: Vollbesch\u00e4ftigung, relativ hohe L\u00f6hne, Sozialstaat etc. Angesichts einer zur\u00fcckgehenden Profitabilit\u00e4t nach den sp\u00e4ten 1960er Jahre zog die Kapitalistenklasse allm\u00e4hlich die Schlussfolgerung, dass sie sich die allgemeinen Kosten des \u201aSozialstaats\u2019 nicht l\u00e4nger leisten k\u00f6nne. In den 1980er Jahren wurden dann \u201aThatcherismus\u2019 oder \u201aReaganomics\u2019 zur Losung des Tages mit der Privatisierung der staatlichen Industriebetriebe, K\u00fcrzungen bei den Sozialausgaben und einem Angriff auf die bis dahin ausgebaute St\u00e4rke der Gewerkschaften. Das Ergebnis war allerdings eine drastische Schw\u00e4chung des Marktes, der die hohen Investitionen und die nachhaltige Profitabilit\u00e4t der Aufschwungsperiode gest\u00fctzt hatte. Die Kapitalisten stecken in der Zwickm\u00fchle\u201c.<\/p>\n<p>76. Was ist daran falsch? Es ist eine gute Erkl\u00e4rung unserer Position. Wahr ist allerdings, dass wir an dieser Stelle und auch sonst nicht immer das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate erw\u00e4hnt haben. Aber auch Lenin oder Trotzki taten dies nicht, in deren umfangreichen Werken dieser Aspekt nie oder kaum erw\u00e4hnt wird! Der Grund daf\u00fcr war nicht, dass sie das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate nicht akzeptiert h\u00e4tten. Es war eine \u201egegebene Tatsache\u201c. Es stimmt, dass Rosa Luxemburg diesen Aspekt in Marx\u00b4 \u00f6konomischen Schriften nicht akzeptierte. So wichtig das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate ist, so sollten wir es dennoch nicht auf Kosten von allem anderen in den Vordergrund stellen. Wir m\u00fcssen an jede einzelne Situation herangehen, indem wir \u2013 wenn n\u00f6tig \u2013 Grundlegendes wiederholen aber auch die spezifischen Merkmale jeder Krise \u2013 so weit wie m\u00f6glich \u2013 studieren und die n\u00f6tigen politischen Schlussfolgerungen ziehen. Schauen wir zur\u00fcck, was unsere Organisation vor allem in den letzten 20 Jahren ver\u00f6ffentlicht hat, so haben wir dies getan. Unsere Analyse war beachtlich darin, auf jeder Stufe des Konjunkturzyklus die wichtigen Fragen herauszuarbeiten und trotz gro\u00dfer Skepsis vor der Unabwendbarkeit eines Crashs zu warnen.<\/p>\n<p>77. Es gibt eine ganze Reihe von Gr\u00fcnden \u2013 in den Worten von Marx Schranken der weiteren Entwicklung \u2013 warum sich eine Krise entwickeln kann, nicht nur einen Fall der Profitrate, wie Kliman und Wallace endlos wiederholen. Obendrein kann es auch F\u00e4lle geben, wo der Fall der Profite aus der St\u00e4rke der Arbeiterklasse entspringen kann. Es kann kapitalistisch gesprochen zur \u201eVerknappung der Arbeitskraft\u201c kommen als Ergebnis der St\u00e4rke der Arbeiterorganisationen, wenn diese sich dem Drang zu Profitmaximierung widersetzen. Marx selbst erkl\u00e4rte in der Tat, dass die Arbeiterklasse am Ende eines Wachstumszyklus zeitweilig einen gr\u00f6\u00dferen Anteil herausziehen kann, was auf die Profitabilit\u00e4t der Kapitalisten dr\u00fcckt. Andrew Glyn lag darin theoretisch falsch, dass er Marx\u00b4 Erkl\u00e4rung der langfristig Tendenz der Profitrate zur\u00fcckwies. Im Gegensatz zu seinen uninformierten KritikerInnen damals wie heute hatte er aber Recht mit dem Argument, dass die Profite in den sp\u00e4ten 1970er Jahren durch den Mangel an neuer ausbeutbarer Arbeit \u201eeingeklemmt\u201c waren. Dies versch\u00e4rfte den langfristigen Fall der Profitrate, zu dem es w\u00e4hrend des Nachkriegsaufschwungs kam. Diese Lage \u00e4nderte sich dramatisch durch den Eintritt von hunderten Millionen Arbeitskr\u00e4ften aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa in den Weltmarkt nach dem Zusammenbruch des Stalinismus zusammen mit der \u00d6ffnung Chinas. Dies gab dem Weltkapitalismus und der Profitrate einen kolossalen wirtschaftlichen Schub, im Gegensatz zu dem, was Kliman argumentiert.<\/p>\n<h4>Unterkonsumtionismus<\/h4>\n<p>78. Der Vorwurf des \u201eUnterkonsumtionismus\u201c dient bei Kliman und Bruce Wallace als Vogelscheuche. Damit wollen sie davor abschrecken, diese Idee auch nur zu untersuchen. Wir haben zuvor schon erkl\u00e4rt, dass es \u00d6konomInnen gibt \u2013 einige links andere b\u00fcrgerlich \u2013, die die einfache Idee vorgebracht haben, dass Krisen \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen, indem die \u201eNachfrage\u201c durch erh\u00f6hte \u00f6ffentliche Ausgaben oder Lohnerh\u00f6hungen angeheizt wird. Es ist m\u00f6glich, dies zu tun, aber nur kurzfristig. Gleichzeitig werden damit Widerspr\u00fcche geschaffen, die wir bereits beschrieben haben. Es handelt sich nicht um eine langfristige L\u00f6sung der Krise des Kapitalismus.<\/p>\n<p>79. Marx hat uns unentbehrliche theoretische Instrumente an die Hand gegeben, mit denen wir den heutigen Kapitalismus analysieren k\u00f6nnen. Es w\u00e4re jedoch ein Fehler zu glauben, dass Marx\u00b4 Theorie vorgefertigte Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den Nachkriegsaufschwung oder die derzeitige Depressionsphase des internationalen Kapitalismus liefert. Marxistische Theorie kann nicht vor einer sorgf\u00e4ltigen Analyse der heutigen Trends mit Erl\u00e4uterungen dienen. Im \u201eKapital\u201c und anderen Schriften arbeitete Marx eine theoretische Analyse der inneren Logik und der Widerspr\u00fcche des kapitalistischen Systems aus, die er aus der realen Situation des Kapitalismus des 19. Jahrhunderts ableitete. Marx nahm jedoch selbst auf abstrakter, theoretischer Ebene nicht einen einzigen Weg der Kapital-Akkumulation an und vertrat ganz gewiss kein einfaches Modell der kapitalistischen Krise. Marx\u00b4 Schriften zeigten die Unausweichlichkeit von Krisen und weisen zugleich auf eine Reihe m\u00f6glicher Wege zur Krise.<\/p>\n<p>80. Marx zeigt, dass es durch ein \u00dcberma\u00df von Kapital zum kapitalistischen Einbruch kommen kann \u2013 entweder aufgrund des tendenziellen Falls der Profitrate oder einer \u00dcberakkumulation an Kapital im Verh\u00e4ltnis zur erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung. Ein \u00dcberma\u00df von Kapital (das zur \u00dcberproduktion f\u00fchren kann) zieht eine sinkende Profitabilit\u00e4t nach sich [Kapital Band 3, Kapitel 15, Marx-Engels-Werke Band 25, S. 252 und 261-70. Marx gibt zwar den Kapital\u00fcberma\u00df-Ursachen gr\u00f6\u00dferes Gewicht, zeigt aber auch, dass es unter bestimmten Bedingungen durch ein \u00dcberma\u00df an Waren zum Einbruch kommen kann. Das kann entweder an Ungleichgewichten zwischen den verschiedenen Produktionszweigen oder der beschr\u00e4nkten Kaufkraft der Mehrheit der Gesellschaft liegen. [Kapital Band 3, Kapitel 15, Marx-Engels-Werke Band 25, S. 254 und 501] Marx weist auch auf die M\u00f6glichkeit von externen Schocks hin, die das System in die Krise st\u00fcrzen k\u00f6nnen, bevor die internen Mechanismen selbst voll zur Geltung gekommen sind.<\/p>\n<p>81. Will man die aktuelle kapitalistische Krise verstehen, d\u00fcrfen wir diese theoretischen Mittel nicht nur auf die unmittelbaren Krisenursachen anwenden, sondern auf den gesamte kapitalistischen Konjunkturzyklus: Stagnation, Erholung, Aufschwung, Crash, Depression usw. (die im Wesentlichen au\u00dferhalb des Themenbereichs des \u201eKapitals\u201c lagen). Die Analyse darf sich nicht auf den Konjunkturzyklus der produzierenden Industrie innerhalb einer Volkswirtschaft beschr\u00e4nken. Auch die Produktion, der Handel und das Geldwesen auf internationaler Ebene m\u00fcssen untersucht werden. Der heutige Kapitalismus ist ein viel komplexeres internationales System als zu Marx\u2019 Zeiten (als der britische Kapitalismus den Weltmarkt beherrschte). Und die marxistische Wirtschaftstheorie muss gekonnt und umfassend angewendet werden.<\/p>\n<h4>Wer ist ein Unterkonsumtionist?<\/h4>\n<p>82. Es ist behauptet worden, wir w\u00fcrden die \u201eklassische unterkonsumtionistische Sicht\u201c \u00fcbernehmen. Aber was bedeutet \u201eUnterkonsumtionistIn\u201c?<\/p>\n<p>83. Marx akzeptierte sicher nie die Argumente von Theoretikern wie Malthus, Sismondi, Chalmers und Rodbertus, die auf vereinfachende Weise die Schw\u00e4chen des Marktes als chronischen Widerspruch des Kapitalismus sahen. Diejenigen, die die Idee akzeptieren, dass die unzureichende Nachfrage aus der Arbeiterklasse nach Waren ein st\u00e4ndig un\u00fcberwindbares Problem f\u00fcr das System darstelle, haben Schwierigkeiten, Perioden von dynamischer Kapitalakkumulation zu erkl\u00e4ren (wie den Aufschwung 1950-73). Malthus und andere waren (unter anderem) nicht in der Lage zu verstehen, welche Rolle eine Ausweitung der Produktionsmittel spielt, indem sie die Nachfrage nach (Kapital-)G\u00fctern steigert. Ihre Herangehensweise kann man als \u201eunterkonsumtionistisch\u201c beschreiben, ebenso wie Rosa Luxemburg falsche Idee, dass in einem geschlossenen kapitalistischen System (das nur aus KapitalistInnen und ArbeiterInnen besteht) Akkumulation unm\u00f6glich sei und dass kapitalistisches Wachstum die kontinuierliche Ausweitung des kapitalistischen Marktes auf neue Gebiete (z.B. Kolonien) erfordere.<\/p>\n<p>84. W\u00e4hrend Marx die Ideen von Malthus ablehnte, so akzeptierte er dennoch nicht die ebenso falsche Vorstellung von Say (die Ricardo \u00fcbernahm), nach der das Angebot stets seine eigene Nachfrage schafft und so ein Gleichgewicht des Marktes aufrechterh\u00e4lt. Marx war weit davon entfernt, die Idee abzulehnen, wonach es zu einem bestimmten Zeitpunkt im kapitalistischen Konjunkturzyklus zu mangelnder Gesamtnachfrage nach Waren kommen wird, ein Mangel, bei dem die Schw\u00e4che der Nachfrage der ArbeiterInnen nach Waren ein wesentlicher Teil ist.<\/p>\n<p>85. So besch\u00e4ftigt sich Marx beispielsweise im 16. Kapitel des zweiten Bandes des \u201eKapital\u201c (\u201eDer Umschlag des variablen Kapitals\u201c) mit dem Zyklus von Erwerbslosigkeit und Vollbesch\u00e4ftigung, von niedrigen und steigenden L\u00f6hnen, schwacher und starker Nachfrage w\u00e4hrend dem kapitalistischen Konjunkturzyklus. In einer Phase rapiden Wachstums \u00fcben erfolgreiche Kapitalisten und vor allem Spekulanten eine verursachen \u201estarke konsumtive Nachfrage auf dem Markt, daneben steigen die Arbeitsl\u00f6hne\u201c. \u201eEin Teil der Arbeiterreservearmee wird absorbiert, deren Druck den Lohn niedriger hielt. Die L\u00f6hne steigen allgemein, selbst in den bisher gut besch\u00e4ftigten Teilen des Arbeitsmarkts. Dies dauert solange, bis der unvermeidliche Krach die Reservearmee von Arbeitern wieder freisetzt und die L\u00f6hne wieder auf ihr Minimum und darunter herabgedr\u00fcckt werden.\u201c [a.a.O., S. 317f.]<\/p>\n<p>86. Vielsagenderweise ist an dieser Stelle eine von Engels eingef\u00fcgt Fu\u00dfnote, eine kryptische Skizze aus dem Manuskript von Marx, die dieser sp\u00e4ter n\u00e4her ausf\u00fchren wollte:<\/p>\n<p>&#8222;Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise: Die Arbeiter als K\u00e4ufer von Ware sind wichtig f\u00fcr den Markt. Aber als Verk\u00e4ufer ihrer Ware &#8211; der Arbeitskraft \u2013 hat die kapitalistische Gesellschaft die Tendenz, sie auf das Minimum des Preises zu beschr\u00e4nken. [unserer Hervorhebung]<\/p>\n<p>Fernerer Widerspruch: Die Epochen, worin die kapitalistische Produktion alle ihre Potenzen anstrengt, erweisen sich regelm\u00e4\u00dfig als Epochen der \u00dcberproduktion; weil die Produktionspotenzen nie so weit angewandt werden k\u00f6nnen, da\u00df dadurch mehr Wert nicht nur produziert, sondern realisiert werden kann;\u201c [mit anderen Worten: Die Kapitalisten m\u00fcssen Waren an VerbraucherInnen verkaufen, bevor sie den darin enthaltenen Wert realisieren, die Lohn- und Herstellungskosten decken sowie den Mehrwert einstreichen k\u00f6nnen.]<\/p>\n<p>\u201eder Verkauf der Waren, die Realisation des Warenkapitals, also auch des Mehrwerts, ist aber begrenzt, nicht durch die konsumtiven Bed\u00fcrfnisse der Gesellschaft \u00fcberhaupt, sondern durch die konsumtiven Bed\u00fcrfnisse einer Gesellschaft, wovon die gro\u00dfe Mehrzahl stets arm ist und stets arm bleiben mu\u00df. [&#8230;]\u201c [\u201eDas Kapital\u201c, Band II, 16. Kapitel, 3. Abschnitt, Marx-Engels-Werke, Band 24, S. 318].<\/p>\n<p>87. Mit dem Anstieg des Lebensstandards der ArbeiterInnen w\u00e4hrend des Nachkriegsaufschwungs wurde Armut (in den entwickeltsten kapitalistischen L\u00e4ndern, aber nicht in der Mehrzahl der unterentwickelten L\u00e4nder) f\u00fcr eine Periode zu relativer Armut (auch wenn eine Minderheit der ArbeiterInnen weiterhin unter absoluter Armut litt). Aber in der aktuellen Phase der Weltdepression werden weite Teile der Arbeiterklasse durch chronische Massenarbeitslosigkeit, niedrige L\u00f6hne und K\u00fcrzungen bei den Sozialleistungen erneut in die absolute Armut getrieben.<\/p>\n<p>88. Im \u201eKapital\u201c und den \u201eTheorien \u00fcber den Mehrwert\u201c finden sich viele Passagen, in denen Marx die \u00dcberproduktion (\u00dcberma\u00df an Waren bzw. Mangel an Nachfrage) als Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise darstellt. Aber macht ihn das zum \u201eUnterkonsumtionisten\u201c?<\/p>\n<p>89. Im Unterschied zu primitiven \u201eUnterkonsumtionistInnen\u201c, die sich mit mangelnder Nachfrage als chronischem Problem besch\u00e4ftigten, ohne den gesamten Kreislauf von Produktion und Realisierung des Mehrwerts zu verstehen, treten laut Marx Krisen wegen Waren\u00fcberschuss in \u201ebestimmten Perioden\u201c auf. [\u201eTheorien \u00fcber den Mehrwert\u201c, 19. Kapitel, Abschnitt 12, Marx-Engels-Werke Band 26.3, S. 50] Die schwache Nachfrage stellt ein Glied in einer ganzen Kette von Ursachen und Wirkungen dar, eine Krisen-Tendenz, die in einem bestimmten Stadium des kapitalistischen Konjunkturzyklus in den Vordergrund treten und in dieser besonderen Konstellation entscheidende Wirkung haben kann.<\/p>\n<p>90. Krisen k\u00f6nnen von Ungleichgewichten zwischen verschiedenen Industriezweigen verursacht werden. Auch \u00e4u\u00dferst rasche technologische Ver\u00e4nderungen, angetrieben vom Zwang der Konkurrenz, gegen die sich die ArbeiterInnen wehren, k\u00f6nnen ein Faktor bei einer Krise sein.<\/p>\n<p>91. Der Kapitalismus ist eine Produktionsweise, die die h\u00f6chstm\u00f6glichen Profitraten anstrebt, aber auch ihre Waren verkaufen muss. Diese doppelte Anforderung f\u00fchrt zu einem st\u00e4ndigen Widerspruch, der in Krisen zum Ausdruck kommt. Einer der wesentlichsten Beitr\u00e4ge von Marx war seine Untersuchung der Bedingungen der Reproduktion des Kapitals. Es ist eine Schl\u00fcsselfrage, die so zusammengefasst werden kann: Wer kauft, was von den ausgebeuteten Besch\u00e4ftigten produziert wird? F\u00fcr einen Arbeitgeber ist es prima, die ArbeiterInnen auszubeuten, aber der Profit, den er mit ihnen macht, bleibt virtuell, wie er nicht \u00fcber den Verkauf der Waren realisiert werden kann. Diese Frage stellt sich w\u00e4hrend des Kapitalkreislaufs, aber langfristig auch strukturell. Die Aufw\u00e4rtstendenz der Ausbeutungsrate, die seit den fr\u00fchen 1980er Jahren festzustellen ist, stellt aus dem Blickwinkel der \u201eRealisierung\u201c ein Problem dar. Wenn der Anteil des Konsums der Besch\u00e4ftigten im Verh\u00e4ltnis zum neu hergestellten Reichtum sinkt, dann stellt sich die Frage, wer den Rest kaufen wird.<\/p>\n<p>92. Es kann Problemen der \u201eRealisierung\u201c, d.h. des Verkauf von Waren und Dienstleistungen, geben, ohne die Mehrwert und Profit nicht produziert werden. Bill Jefferies von der winzigen Gruppe namens \u201ePermanent Revolution\u201c (die heute nicht mehr existiert!) und ein marxistischer \u00d6konom, der der \u201eSchule des tendenziellen Falls der Profitrate\u201c anhing, vertrat in der Tat denselben \u201efundamentalistischen\u201c Ansatz wie Kliman und Wallace und lag schief, als es 2007-08 zum Ausbruch der Krise kam. Er sagte voraus, dass die Krise nicht stattfinden w\u00fcrde. Es w\u00e4re interessant zu sehen, welche Position Kliman vor dem Crash hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven vertrat. Zu jenem Zeitpunkt war Wallace noch nicht um den Weg! Im Gegensatz zu Kliman, verstand Jefferies, der eben nicht der Staatskapitalismus-Schule angeh\u00f6rte und seine eigene Theorie ernst nahm, dass das Eintreten von Millionen von Arbeitskr\u00e4ften aus den ehemals stalinistischen L\u00e4ndern in den Arbeitsmarkt ein bedeutender Faktor in Bezug auf die wirtschaftlichen Perspektiven war. Er folgerte daraus, dass dies eine tiefe Krise in den Jahren 2007-08 wegen neuer Ausbeutungsfelder f\u00fcr den Kapitalismus ausschlie\u00dfen w\u00fcrde. Zumindest gestand er seinen Fehler ein: \u201eIch habe eine etwas zu fundamentalistische, in der Tat einseitige Krisentheorie vertreten, die sich auf Profitraten st\u00fctzte\u201c. Das sollte Kliman und Wallace zu Denken geben.<\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>93. Deshalb akzeptiert die \u201eSocialist Party\u201c nicht die zentralen These, die in der dogmatischen Theorie von Kliman und Wallace enthalten ist, nach der der tendenzielle Fall der Profitrate die derzeitige Krise erkl\u00e4rt. In dieser Antwort auf die Kritik und Angriffe unserer Opponenten haben wir nur die wichtigsten Fragen ber\u00fchrt. Wenn n\u00f6tig, werden wir weitere Fragen in der Debatte ansprechen. Aber wir halten an unserer Analyse der Lage bis 2007-08 und danach fest. In der Debatte, die nun zu dieser Frage beginnen wird, werden wir weitere Argumente liefern, um unsere Analyse zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>[Es gibt zwei Versionen des Texts, die sich vor allem in der Absatzeinteilung und dem Vorhandensein bzw. Fehlen einer Absatznummerierung unterscheiden. Diese \u00dcbersetzung \u00fcbernimmt die Absatzeinteilung und -nummerierung des Mitgliederbulletins der Socialist Party in England &amp; Wales und die Kursivierungen und eine nachtr\u00e4gliche Korrektur der Fassung auf der Website der Socialist Party]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Antwort auf Andrew Kliman, Teil 2<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24317,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[94,85],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26258"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26258"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26258\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24317"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}