{"id":26238,"date":"2013-12-04T17:00:53","date_gmt":"2013-12-04T16:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=26238"},"modified":"2013-11-29T14:43:04","modified_gmt":"2013-11-29T13:43:04","slug":"1973-erschien-die-erste-ausgabe-der-marxistischen-zeitung-voran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/12\/1973-erschien-die-erste-ausgabe-der-marxistischen-zeitung-voran\/","title":{"rendered":"1973 erschien die erste Ausgabe der marxistischen Zeitung \u201eVORAN\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-26239\" alt=\"VORAN 1973\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran-280x173.png\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran-560x347.png 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran-600x370.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran-900x556.png 900w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/voran.png 1194w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>40 Jahre aktiv f\u00fcr sozialistische Demokratie<\/strong><\/p>\n<p>Vor vierzig Jahren, im Dezember 1973 \u2013 erschien die erste Ausgabe der marxistischen Zeitung \u201eVORAN\u201c in der Bundesrepublik. Das war der Beginn des Aufbaus einer neuen marxistischen Organisation, aus der 1994 die SAV wurde. \u201eVORAN\u201c wurde 2002 in \u201eSolidarit\u00e4t \u2013 Sozialistische Zeitung\u201c umbenannt. Die Namen m\u00f6gen sich ge\u00e4ndert haben, die politischen Prinzipien und Ziele nicht.<\/p>\n<p><em>von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher<\/em><\/p>\n<p>Aber die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert und einiges, was 1973 galt, gilt heute nicht mehr. Es waren Mitglieder der SPD-Jugendorganisation \u201eJusos\u201c, die die Initiative zur Gr\u00fcndung der VORAN-Gruppe ergriffen. Bis zur Gr\u00fcndung der SAV arbeiteten wir in Jusos und SPD und vertraten dort revolution\u00e4re und marxistische Ideen. Warum? Weil wir nicht am Rande der Arbeiterbewegung stehen wollten, sondern unsere Ideen im direkten Wettstreit mit anderen Str\u00f6mungen in den Massenorganisationen der Arbeiterklasse vertreten wollten. Neben den Gewerkschaften waren das Anfang der 1970er Jahre SPD und Jusos. W\u00e4hrend die F\u00fchrung der SPD schon lange ihren Frieden mit dem Kapitalismus gemacht hatte, wurde sie von Millionen Lohnabh\u00e4ngigen als ihre politische und parlamentarische Vertretung betrachtet und hatte eine aktive Mitgliederbasis unter ArbeiterInnen. Die Jusos hatten hunderttausende Mitglieder und ein sozialistisches Selbstverst\u00e4ndnis. VORAN agierte als marxistischer Fl\u00fcgel ohne sich programmatisch an die Sozialdemokratie anzupassen.<\/p>\n<p>Inspiriert waren die Gr\u00fcnderInnen von der britischen Militant-Gruppe, die in der Labour Party und den dortigen Jusos einen zunehmenden Einfluss aus\u00fcben konnten. Die politischen Eckpfeiler dieser Gruppe, die dann im Jahr 1974 zusammen mit marxistischen Gruppen aus anderen L\u00e4ndern, das Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale gr\u00fcndete, waren: Opposition gegen Kapitalismus und Stalinismus; Orientierung auf die Klasse der Lohnabh\u00e4ngigen als der gesellschaftlichen Kraft, die grundlegende Ver\u00e4nderungen erk\u00e4mpfen kann; revolution\u00e4re Perspektive statt der Idee \u00fcber (parlamentarische) Reformen schrittweise zum Sozialismus zu gelangen; Kampf f\u00fcr Demokratie in der Arbeiterbewegung; Orientierung und Mitarbeit in den Massenorganisationen der Arbeiterklasse und von Jugendlichen, um dort marxistische Ideen zu vertreten; Aufbau einer eigenst\u00e4ndigen und politisch unabh\u00e4ngigen revolution\u00e4ren Organisation auf internationaler Ebene.<\/p>\n<p>In dieser Kombination waren diese Ideen auf der politischen Linken eine Seltenheit. Man darf nicht vergessen, dass damals Sowjetunion, DDR und andere Staaten als sozialistische Gesellschaften propagiert wurden. In vielen L\u00e4ndern der Welt waren kommunistische Parteien stark, f\u00fcr die diese Staaten ihr Sozialismusmodell repr\u00e4sentierten. In Deutschland dominierte wiederum die reformistische Sozialdemokratie, die zwar von \u201edemokratischem Sozialismus\u201c sprach, aber doch nur auf begrenzte Reformen im Rahmen des Kapitalismus setzte \u2013 vor dem Hintergrund des wachsenden Lebensstandards im Nachkriegsaufschwung aber eine hohe Autorit\u00e4t in der Arbeiterklasse genoss. Und am Rande der Arbeiterbewegung gab es, viele aus den 68er-Protesten hervorgegangene, revolution\u00e4re Gruppen, die ihre jeweilige reine Lehre verk\u00fcndeten und keinen Zugang zu den wirklichen Bewegungen und K\u00e4mpfen der einfachen Menschen fanden. <\/p>\n<p>Es gelang der VORAN-Gruppe jedoch erst in den 1980er Jahren von einem Kreis einiger Dutzend Mitglieder auf einige Hundert AktivistInnen anzuwachsen. Eine Solidarit\u00e4tskampagne mit dem britischen Bergarbeiterstreik 1983\/84 und ein erfolgreiches Eingreifen in die Streiks f\u00fcr die 35-Stunden-Woche waren dabei genauso entscheidend, wie dynamische Jugendkampagnen, vor allem die Organisierung von Sch\u00fclerstreiks gegen Verschlechterungen im Bildungssystem 1987. Mit dem Jahr 1989 begannen wir in der DDR einzugreifen und im Zuge der antistalinistischen revolution\u00e4ren Bewegung konnten erste Gruppen in Ostdeutschland gebildet werden. Als der Aufstand gegen die SED in eine Bewegung f\u00fcr eine Vereinigung mit der BRD umschlug trat VORAN f\u00fcr eine Verteidigung der verstaatlichten Industrie und geplanten Wirtschaft und gegen eine deutsche Einheit auf kapitalistischer Grundlage ein. Der Zusammenbruch der stalinistischen Staaten und die Vereinigung von BRD und DDR markierten dann jedoch eine Niederlage f\u00fcr die Arbeiterbewegung international und erleichterten den Vormarsch des Neoliberalismus. Sozialistische Ideen gerieten in die Defensive, die SPD verlor weitgehend ihre Arbeiterbasis und wurde von einer Arbeiterpartei mit b\u00fcrgerlicher F\u00fchrung zu einer durch und durch b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Partei. VORAN zog sich aber nicht ins Studierzimmer zur\u00fcck, sondern beteiligte sich engagiert an den trotzdem existierenden Bewegungen und K\u00e4mpfen. Vor allem die antirassistische Massenbewegung von 1992 bis 1994 ist hier zu nennen. Zusammen mit unseren europ\u00e4ischen Schwesterorganisationen riefen wir die internationale Kampagne \u201eJugend gegen Rassismus in Europa (JRE)\u201c ins Leben, die Tausende Jugendliche organisierte und im Oktober 1992 die erste und gr\u00f6\u00dfte europaweite Antirassismus-Demonstration in Br\u00fcssel organisierte. Mitte der 1990er Jahre zogen wir die notwendige Schlussfolgerung aus der Verb\u00fcrgerlichung der Sozialdemokratie und l\u00f6sten uns von dieser. Als \u201eoffene\u201c revolution\u00e4r-sozialistische Organisation wurde die SAV gegr\u00fcndet und gleichzeitig die Idee entwickelt, dass die Zeit f\u00fcr die Bildung einer neuen breiten Arbeiterpartei (die verschiedene Str\u00f6mungen der Linken und vor allem AktivistInnen aus Gewerkschaften und sozialen Bewegungen zusammen bringen m\u00fcsste) gekommen war. Wir waren die erste Gruppe, die diese Idee propagierte. Gleichzeitig verst\u00e4rkten wir unser Engagement in den Gewerkschaften, 1996 zum Beispiel durch unsere Beteiligung an der Gr\u00fcndung des Netzwerks f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und demokratische \u00d6TV (heute ver.di). Im Jahr 2003 ergriffen SAV-Mitglieder die Initiative f\u00fcr die gro\u00dfen Sch\u00fclerstreiks gegen den Irak-Krieg und die von 100.000 Menschen besuchte Demonstration gegen Hartz IV und Agenda 2010 am 1. November 2003.<\/p>\n<p>Diese Demonstration war wie eine Initialz\u00fcndung f\u00fcr gewerkschaftliche Proteste, die Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV und auf der politischen Ebene f\u00fcr die Gr\u00fcndung der WASG als neuer linker Partei. Die SAV beteiligte sich von Beginn an am Aufbau der WASG. Diese Entwicklung war eine Best\u00e4tigung unserer Analyse der Sozialdemokratie und unseres Programms f\u00fcr eine neue Arbeiterpartei. In den Jahren zuvor hatten wir auf kommunaler Ebene Wahlb\u00fcndnisse mit anderen linken Kr\u00e4ften ins Leben gerufen bzw. eigenst\u00e4ndig als SAV bei Kommunalwahlen kandidiert. In Aachen, K\u00f6ln und Rostock waren erste SAV-Mitglieder zu Stadtr\u00e4ten gew\u00e4hlt worden. In der WASG traten wir f\u00fcr eine k\u00e4mpferische Orientierung auf gewerkschaftliche K\u00e4mpfe und soziale Bewegungen, demokratische Strukturen und ein sozialistisches Programm ein. Und wir kritisierten die Politik der Regierungskoalitionen mit pro-kapitalistischen Parteien wie SPD und Gr\u00fcnen, wie sie die PDS seit einigen Jahren betrieb. In Berlin forderte der Landesverband der WASG die dortige rot-rote Koalition im Jahr 2006 mit einer eigenst\u00e4ndigen Kandidatur f\u00fcr die Abgeordnetenhauswahlen heraus, nachdem diese Privatisierungen, Lohnk\u00fcrzungen im \u00f6ffentlichen Dienst und Sozialabbau zu verantworten hatte. SAV-Mitglied Lucy Redler wurde zur Spitzenkandidatin der WASG Berlin gew\u00e4hlt und erlangte bundesweite Bekanntheit. Dies auch weil der Bundesvorstand der WASG mit allen Mitteln versuchte die Kandidatur der WASG Berlin zu verhindern, weil diese angeblich die Fusion von WASG und PDS bedrohen w\u00fcrde. Die Berliner WASG war nicht grunds\u00e4tzlich gegen eine Fusion, verlangte aber eine politische Basis, die eine Beteiligung an Sozialabbau, wie in Berlin geschehen, f\u00fcr die neue Partei ausschloss. Eine Minderheit in der Berliner WASG, unterst\u00fctzt von Oskar Lafontaine und eigentlich auf dem linken Fl\u00fcgel der WASG stehenden Kr\u00e4ften wie den Unterst\u00fctzern der heutigen Marx21-Gruppe, rief zur Wahl der PDS auf und fiel dem Kampf gegen die unsoziale und arbeitnehmerfeindliche Politik des Senats so in den R\u00fccken. Mit 2,9 Prozent erzielte die WASG Berlin einen Erfolg, scheiterte aber an der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde und konnte den Verlauf der Fusion von WASG und PDS nicht mehr beeinflussen.<\/p>\n<p>Heute sind SAV-Mitglieder in der LINKEN, Linksjugend[solid], sozialen Bewegungen, Betrieben und Gewerkschaften aktiv und treten dort f\u00fcr eine Verbindung unterschiedlicher K\u00e4mpfe und Bewegungen und f\u00fcr ein sozialistisches Programm ein. Wir beteiligen uns an der Antikapitalistischen Linken (AKL) in der Partei. SAV-Mitglieder haben bei wichtigen Streiks an der Berliner Charit\u00e9 eine entscheidende Rolle gespielt und unterst\u00fctzen den Aufbau der oppositionellen \u201eAlternative\u201c-Gruppen in der IG Metall bei Daimler. In K\u00f6ln, Rostock, Kassel und Oberbayern sind SAV-Mitglieder Kommunalparlamentarier. Im Juli 2013 trat die damalige LINKE-Bundestagsabgeordnete Heidrun Dittrich in die SAV ein.<\/p>\n<p>Angesichts der seit 2008 sich vollziehenden tiefen Krise des Weltkapitalismus, neuer revolution\u00e4rer Bewegungen in vielen L\u00e4ndern der Welt und der versch\u00e4rften sozialen Polarisierung auch in Deutschland ist der Aufbau einer sozialistischen Alternative wichtiger denn je. Wir laden jeden und jede ein, diese mit und in der SAV anzugehen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>40 Jahre aktiv f\u00fcr sozialistische Demokratie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26239,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104],"tags":[349],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26238"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26238"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26238\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26239"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26238"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26238"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26238"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}