{"id":25987,"date":"2013-10-10T17:00:12","date_gmt":"2013-10-10T15:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=25987"},"modified":"2013-11-29T13:33:42","modified_gmt":"2013-11-29T12:33:42","slug":"sudan-widerstand-gegen-bashir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/10\/sudan-widerstand-gegen-bashir\/","title":{"rendered":"Sudan: Widerstand gegen Bashir"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_25988\" aria-describedby=\"caption-attachment-25988\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/600px-Sudan_on_the_globe_claimed_North_Africa_centered.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-25988\" alt=\"Bild: http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Sudan_on_the_globe_%28claimed%29_%28North_Africa_centered%29.svg CC BY-SA 3.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/600px-Sudan_on_the_globe_claimed_North_Africa_centered.svg_-e1381239151119-280x173.png\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/600px-Sudan_on_the_globe_claimed_North_Africa_centered.svg_-e1381239151119-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/600px-Sudan_on_the_globe_claimed_North_Africa_centered.svg_-e1381239151119-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/600px-Sudan_on_the_globe_claimed_North_Africa_centered.svg_-e1381239151119.png 507w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25988\" class=\"wp-caption-text\">Bild: http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Sudan_on_the_globe_%28claimed%29_%28North_Africa_centered%29.svg CC BY-SA 3.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst am 8. Oktober auf <a href=\"http:\/\/www.slp.at\">www.slp.at<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Im Sudan finden seit 23.9. die gr\u00f6\u00dften Proteste gegen die Diktatur von Omar al Bashir seit ihrem Bestehen statt. Nur ein gemeinsamer Kampf der ArbeiterInnenklasse kann f\u00fcr demokratische und soziale Rechte garantieren.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Lukas Kastner<\/em><\/p>\n<p>Am 22. September beschloss das Regime rund um Omar al Bashir eine K\u00fcrzung der Subventionen f\u00fcr \u00d6l. Dies wurde immer wieder vom Internationalen W\u00e4hrungsfond (IWF) gefordert. Der IWF arbeitet seit Mitte der 90er Jahre mit der Regierung zusammen und setzt sich stark f\u00fcr Privatisierungen und den Abbau von Subventionen ein, um f\u00fcr ausl\u00e4ndisches Kapital Investitionsm\u00f6glichkeiten zu verbessern. Zudem forciert er vor dem Hintergrund der hohen Staatsverschuldung eine K\u00fcrzungspolitik im Sudan. Die Verschuldung des Landes bel\u00e4uft sich 2013 auf 103 Prozent des BIP (welches rund 50 Mrd. $ betr\u00e4gt), die Auslandsschulden betragen 88, 3 Prozent des BIP. Der Betrag der Subventionen belief sich insgesamt auf 75 Prozent aller Steuereinnahmen. Dabei k\u00e4mpft der Sudan besonders mit der Unabh\u00e4ngigkeit des S\u00fcdsudan, in dem sich der gr\u00f6\u00dfte Teil der massiven \u00d6lvorr\u00e4te befindet. Das \u00d6lgesch\u00e4ft bildete die wirtschaftliche Grundlage und Haupteinnahmequelle des Landes. Durch die Unabh\u00e4ngigkeit des S\u00fcdens verlor der Norden diese fast komplett.<\/p>\n<p>Die K\u00fcrzung der Subventionen f\u00fchrte zu einem Anstieg des \u00d6lpreises um 100 Prozent. Eine Gallone Petroleum kostet nun 24 Sudanesische Pfund (4,77$) anstatt 12,5 (2,84$). Gaszylinder zum Kochen stiegen im Preis von 15 Sudanesischen Pfund (3,40$) auf 25 (5,68$). Dabei ist der Sudan eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt. 2010 hatten nur 58 Prozent der Bev\u00f6lkerung Zugang zu Wasser und nur 26 Prozent Zugang zu Sanit\u00e4ranlagen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite unterdr\u00fcckt die Bashir Diktatur die Bev\u00f6lkerung und die ArbeiterInnenklasse \u2013 besonders Frauen \u2013 seit 1989 mit brutaler Gewalt. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die Rechtsprechung nach der Sharia, sowie ethnische Massaker im Kampf gegen den S\u00fcdsudan und in Darfur.<\/p>\n<p>Die K\u00fcrzung der Subventionen war nun der Tropfen, der das Fass zum \u00fcberlaufen brachte.<\/p>\n<p>Die Protestierenden stellten nicht nur die Forderung nach einer R\u00fccknahme der Subventionsk\u00fcrzungen, sondern verlangten den Sturz der Armeeregierung. Am Freitag, den 28.09.2013, gingen tausende DemonstrantInnen in Karthoum und rund zweitausend in der Nachbarstadt Umdurman auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Am selben Tag wurden die B\u00fcros der arabischen Fernsehsender Al Arabiya und Sky News Arabica geschlossen und die Zeitungen angewiesen, von den Protesten lediglich auf Grundlage der Polizeiberichte zu berichten.<\/p>\n<p>Laut Sudanesischem Innenministerium wurden seit Beginn der Demonstrationen 600 Personen festgenommen. Ihnen soll in den n\u00e4chsten Tagen der Prozess wegen Vandalismus gemacht werden. Laut Amnesty International wurden insgesamt \u00fcber 200 Personen ermordet.<\/p>\n<p>Das brutale Vorgehen des Regimes brachte die Bev\u00f6lkerung nur noch mehr gegen sie auf. So gingen am 28.09. 2013 erneut 2000 Menschen in Karthoum auf die Stra\u00dfe. Dies war bereits der sechste Tag infolge, an dem es zu Protesten kam.<\/p>\n<p>Am Sonntag kam es zu einem Streik der JournalistInnen gegen die Zensur. Dieser wurde vom Sudanese Journalists Network (SJN), einer inoffiziellen Gewerkschaft, organisiert.<\/p>\n<p>Am selben Tag kam in Burri, einem Vorort von Khartoum, nach dem Begr\u00e4bnis des Apothekers Salah Sanhoori, der bei Protesten am Freitag ermordet wurde, zu Massendemonstrationen mit mehreren tausend TeilnehmerInnen. In Khartoum selbst kam es zu Studierendenprotesten und auch in Port Sudan gingen hunderte auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Im Zuge des Protestes sahen sich nun sogar 31 hochrangige Vertreter und Unterst\u00fctzer von Bashirs National Congress Party (NCP) gezwungen eine Mitteilung an den Pr\u00e4sidenten zu schicken. In dieser forderten sie die R\u00fccknahme der K\u00fcrzungen, den Stopp des brutalen Vorgehens gegen die DemonstrantInnen, eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr diese, zu demonstrieren und ein Ende der Medienzensur.<\/p>\n<p>Ebenso forderten 30 Mitglieder der Democratic Unionist Party (DUP) ihre Partei auf, aus der Regierung mit der NCP auszutreten, in der sie sich seit 2011 befindet.<\/p>\n<p>Dies zeigt eine Spaltung innerhalb der herrschenden Klasse des Sudans. Auf der einen Seite gibt es innerhalb der Regierung die Fraktion rund um Diktator Omar al Bashir, die jede Form des Protestes brutal unterdr\u00fccken will. Auf der anderen Seite stehen Vertreter des \u201egem\u00e4\u00dfigteren\u201c Fl\u00fcgels der NCP und der DUP. Darunter befinden sich unter anderem der ehemalige Chef des parlamentarischen Ausschusses der NCP und Berater Bashirs, Ghazi Salah A-Deen Al-Attabani, das Mitglied des F\u00fchrungsb\u00fcros der NCP, Hassan Osman Rizk, das ehemalige Mitglied des Revolutionsrats (nach der Macht\u00fcbernahme Bashirs 1989 gegr\u00fcndet), der ehemalige Botschafter in Bahrain Salah Karrar, oder der ehemalige General Mohamed Ibrahim Abdel-Jalil. Dieser Teil des Regimes versucht, durch Zugest\u00e4ndnisse der Protestbewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zudem findet hier auch ein Machtkampf zwischen beiden Seiten statt. Dies wird deutlich, wenn mensch sich vor Augen f\u00fchrt, dass General Jalil noch vor einem Jahr einen Putsch gegen Bashir plante. Auch der Umstand, dass Al-Attabani demn\u00e4chst aus der NCP ausgeschlossen werden soll, zeigt, dass Bashir seine Macht zu festigen versucht.<\/p>\n<p>Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass sowohl Teile der NCP, als auch der DUP versuchen werden, die Proteste f\u00fcr ihre Zwecke zu missbrauchen. Es kann gut m\u00f6glich sein, dass sie versuchen werden, sich als Opposition zu Bashir darzustellen, um im Endeffekt ihren eigenen Einfluss vergr\u00f6\u00dfern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen erh\u00f6hte das Regime den gesetzlichen Mindestlohn von 165 sudanesischen Pfund auf 425. Dies zeigt, dass Bashir durch die Proteste unter einem gewissen Druck steht.<\/p>\n<h4>Das Bashir Regime<\/h4>\n<p>Das Bashir Regime kam 1989 durch einen unblutigen Putsch an die Macht und regiert das Land seitdem mit brutaler Hand. Dabei legte Bashir eine strikte Auslegung der Sharia und eine kompromisslose Haltung gegen\u00fcber dem christlich, animistischen S\u00fcden des Landes, der bereits vor der Unabh\u00e4ngigkeit des Sudans von Gro\u00dfbritannien (und offiziell auch \u00c4gypten) vom Norden unabh\u00e4ngig sein wollte, zu Tage. Er f\u00fchrte den zweiten sudanesischen B\u00fcrgerkrieg, der 1983 von Numeiri begonnen wurde, mit aller Gewalt weiter. Der Krieg kostete rund zwei Millionen Menschen das Leben. Im Zuge dessen gingen sowohl Bashir als auch die Rebellen durch ethnische S\u00e4uberung und Massaker gegen die jeweils andere Bev\u00f6lkerungsgruppe vor. Hierbei wurde von beiden Parteien die Taktik des Aushungerns durch das Kappen von Versorgungswegen angewandt. In dieser Auseinandersetzung ging es vor allem um die gro\u00dfen \u00d6lvorr\u00e4te im S\u00fcden des Sudan.<\/p>\n<p>Unter Omar al Bashir wurde der Sudan w\u00e4hrend der 90er Jahre zum Treffpunkt von TerroristInnen des rechten Politischen Islam, darunter Al Quaida und Osama bin Laden. In dieser Zeit wurden vom Sudan aus mehrere Terroranschl\u00e4ge geplant.<\/p>\n<p>Weitere Massaker ver\u00fcbte das Regime im Zuge von Vertreibungen der (meist s\u00fcdlichen) Bev\u00f6lkerung von den \u00d6lfeldern, worunter unter anderem Firmen wie Talisman oder die OMV profitierten.<\/p>\n<p>Im Zuge des 2003 ausgebrochenen Darfur Konflikts waren das Regime und die mit ihm Verb\u00fcndeten arabischen Janjaweed Milizen verantwortlich f\u00fcr erneute Massaker, denen von 2003 bis 2007 rund 200.000 bis 400.000 Menschen zum Opfer fielen. Dazu z\u00e4hlten unter anderem Bombardements von Zivilisten, sowie das Niederbrennen und Ausrotten ganzer D\u00f6rfer. Des weiteren gingen die vom Regime unterst\u00fctzten Milizen mit brutaler Gewalt gegen \u201eDisplaced Persons\u201c und Fl\u00fcchtlinge vor. So wurden m\u00e4nnliche Fl\u00fcchtlinge erschossen, sobald sie das Fl\u00fcchtlingslager verlie\u00dfenn, um Feuerholz, Nahrung oder Wasser zu holen. Frauen sollten mittels Vergewaltigung davon abgehalten werden.<\/p>\n<p>Bereits 2009 wurde vom Internationalen Strafgerichtshof ein Haftbefehl gegen Bashir erlassen, der ihn in 7 F\u00e4llen f\u00fcr Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit anklagte. 2010 wurde ein zweiter Erlassen, in dem dem Diktator der Genozid an den Fur, Masalit und Zaghawa (Volksgruppen in Darfur) vorgeworfen wird.<\/p>\n<h4>Die Opposition<\/h4>\n<p>Am Samstag, den 28.09.2013 bildeten die oppositionellen Kr\u00e4fte eine Allianz gegen das Regime. Darunter befanden sich Studenten, zivile Organisationen, die Gewerkschaften der \u00c4rzte, Lehrer und Anw\u00e4lte. Diese Allianz sprach sich nicht nur gegen die Milit\u00e4rdiktatur, sondern auch f\u00fcr eine Beendigung der ethnischen Konflikte und der Spaltung unter den einzelnen Volksgruppen aus. Zudem spricht sich ein gro\u00dfer Teil dieses B\u00fcndnisses f\u00fcr eine Trennung von Religion und Staat aus. Jedoch befinden sich in diesem B\u00fcndnis auch die beiden Oppositionsparteien. Eine davon ist die National Umma Party (NUP) unter Al-Sadiq al-Mahdi, die zweite die Popular Congres Party (PCP) unter dessen Schwager Hassan al Turabi.<\/p>\n<p>Dieser Umstand ist f\u00fcr die Protestbewegung fatal. Besonders fatal ist, dass diese Parteien unter einem gewissen Teil der Bev\u00f6lkerung Unterst\u00fctzung genie\u00dfen. W\u00e4hrend Protesten in der Folge des Arabischen Fr\u00fchlings 2011 zeigten einige der TeilnehmerInnen Sympathien f\u00fcr Turabi.<\/p>\n<p>Die NUP ist neben der DUP eine der zwei alten islamischen Parteien, die zwischen der britischen Besatzung und den einzelnen Milit\u00e4rdiktaturen in 60er, 70er und Ende der 80er Jahren f\u00fcr brutales Vorgehen (besonders) gegen den S\u00fcden des Landes, das Aufhetzen einzelner Volksgruppen gegeneinander (u.a. in Darfur) und eine korrupte Vetternwirtschaft verantwortlich waren. Al Mahdi selbst war 1965 auf Anraten seines Schwagers f\u00fcr das Verbot der Sudanese Communist Party (SCP) verantwortlich. Er war von der Idee al Turabis, eine islamische Verfassung zu installieren, \u00fcberzeugt. Nach dem Sturz Numeiris 1985 wurde er zum zweiten Mal Premierminister und f\u00fchrte den Krieg gegen den S\u00fcden weiter. Um sich finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr seinen Wahlkampf zu sichern, ging er mit Gadaffi einen Pakt ein. Er stellte Gadaffi Darfur als Kampfgebiet gegen den Tschad zur Verf\u00fcgung. Dadurch wurde die Region zum einen vom Krieg zwischen Lybien und dem Tschad heimgesucht, zum anderen wurden Differenzen und rassistische Ressentiments zwischen der arabischen und der afrikanischen Bev\u00f6lkerung immer gr\u00f6\u00dfer, beide Kriegsparteien rekrutierten unter den Darfuris.<\/p>\n<p>Hassan al Turabi ist der Gr\u00fcnder des sudanesischen Ablegers der Muslimbruderschaft. Seit dessen Gr\u00fcndung 1964 versucht er andauernd auf die sudanesische Politik Einfluss zu nehmen. Dabei nahm er in jeder der folgenden Diktaturen und Regierungen eine wichtige Rolle ein und zog viele F\u00e4den im Hintergrund. Dazu baute er sich mithilfe der Muslimbruderschaft und seiner FreundInnen, die stark im Bankenwesen aktiv waren und Einfluss auf die Kreditvergabe hatten, in den 70ern ein Wirtschaftsministerium auf. Zu seinen Gesch\u00e4ften z\u00e4hlte unter anderem die Spekulation mit Getreide. Ab 1977 war Turabi Generalstaatsanwalt unter Numeiri. Sein Einfluss war ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer Gesetzesgrundlage, die auf der strikten Auslegung der Sharia basierte. Nach dem Sturz Numeiris gr\u00fcndete er die National Islamic Front (NIF). 1989 unterst\u00fctze er Sturz Bashirs und blieb unter diesem bis 1999 eine Bedeutende Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Was den Umgang mit der s\u00fcdlichen Bev\u00f6lkerung angeht, so tat sich Turabi durch \u00e4hnliche Grausamkeit und Unnachgiebigkeit wie Bashir hervor und ist vermutlich in \u00e4hnlichem Ausma\u00df wie dieser f\u00fcr die Massaker verantwortlich.<\/p>\n<p>Der Bruch mit Bashir basierte keineswegs auf ideologischer Basis, sondern hatte strategischen \u00dcberlegungen und mit machtpolitischen Interessen zu tun. 1998 spaltete sich die NIF in NCP unter Bashir und PCP unter Turabi. 1999 brachte Turabi in der Nationalversammlung ein Gesetz ein, das Bashirs Macht einschr\u00e4nken sollte. Dieser entmachtete daraufhin Turabi.<\/p>\n<p>Turabi schloss sich danach mit muslimischen Rebellengruppen afrikanischer Herkunft in Darfur zusammen (In Darfur dreht sich der Konflikt nicht um die Religion sondern ist ein Konflikt zwischen AraberInnen und AfrikanerInnen). Bei diesen Gruppen handelt es sich um das Justice and Equality Movement (JEM) und die Sudanese Peoples Liberation Army (SPLA). Beide unterst\u00fctzen die Protestbewegung in der Hoffnung auf eine Schw\u00e4chung des Regimes.<\/p>\n<p>Sollten diese Kr\u00e4fte die Oberhand gewinnen, werden sie versuchen mit aller Brutalit\u00e4t ihre Macht zu sichern. Sie w\u00fcrden die ethnischen Spannungen vertiefen und daf\u00fcr sorgen, dass der Protest in einen erneuten blutigen Konflikt ausartet. Dort, wo sie an die Macht k\u00e4men, w\u00fcrden sie die Bev\u00f6lkerung und die ArbeiterInnenklasse brutal unterdr\u00fccken.<\/p>\n<h4>Gemeinsamer Kampf gegen Kapitalismus notwendig<\/h4>\n<p>Um dies zu verhindern m\u00fcssen sich ArbeiterInnen, Studierende, Jugendliche etc. \u00fcber ethnische und religi\u00f6se Grenzen hinweg zusammenschlie\u00dfen und sowohl gegen die Diktatur, als auch gegen eine Spaltung Seitens religi\u00f6ser und rassistischer Fundamentalisten k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Dies muss einhergehen mit dem Kampf f\u00fcr soziale und demokratische Rechte. Dies kann nur durch eine ArbeiterInnenpartei, die die gesamte sudanesische ArbeiterInnenklasse vereint, geschehen. Ein erster Schritt in diese Richtung w\u00e4ren unabh\u00e4ngige ArbeiterInnen- und Nachbarschaftskommitees, sowie der Zusammenschluss von Unabh\u00e4ngigen Oppositionsgruppen. Erste Ans\u00e4tze gibt es in dieser Bewegung bereits. So stellt sich, wie bereits erw\u00e4hnt auch ein gro\u00dfer Teil der Bewegung gegen die ethnische und religi\u00f6se Spaltung. Unter ihnen sind GewerkschafterInnen, StudentInnen etc.<\/p>\n<p>Eine solche Partei m\u00fcsste unverz\u00fcglich mit dem kapitalistischen System brechen. Sp\u00e4testens seit der Abspaltung des S\u00fcdens und dem Verlust des fast gesamten \u00d6ls und der Edelmetalle ist der Norden wirtschaftlich vollkommen am Ende. Unter kapitalistischen Bedingungen ist er kaum \u00fcberlebensf\u00e4hig. Er ist durch seine hohe Verschuldung von kapitalistischen Wirtschaftsm\u00e4chten und Institutionen, wie dem IWF und der Weltbank abh\u00e4ngig. Diese sind seit Jahrzehnten f\u00fcr eine Verschlechterung des Lebensstandards verantwortlich, indem sie Privatisierungen, K\u00fcrzungen und W\u00e4hrungsabwertungen forcieren und haben kein Interesse daran, dass im Sudan soziale Verbesserungen durchgef\u00fchrt werden. Eher werden sie mit den reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften der sudanesischen Elite zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Die kapitalistischen Kr\u00e4fte innerhalb des Sudans bestehen im Grunde aus den Nachfahren einer unter der britischen Herrschaft bevorzugten arabisch\/muslimischen Elite. Diese haben mit den imperialistischen Kr\u00e4ften mehr gemein, als mit der sudanesischen ArbeiterInnenklasse. Sie stehen, wenn auch in unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen, allesamt f\u00fcr brutale Unterdr\u00fcckung. Dies musste die KP nach dem Umsturz der Abboud Diktatur durch eine Gewerkschafts- und StudentInnenbewegung, der Left United National Front (LUNF), selbst miterleben. Damals verabs\u00e4umte sie es, einen Sturz des Kapitalismus herbeizuf\u00fchren. Dies hatte mit ihrer und Moskaus dogmatischen Verfolgung der Ettappentheorie zu tun. Die Folge war, dass sich die alten Eliten wieder etablieren konnten. Diese verboten die SCP schlie\u00dflich. Moskau begann in den darauf folgenden Jahren die Nordsudanesischen Eliten immer mehr zu unterst\u00fctzen. Als 1969 Numeiri putschte, ordnete sich die KP ihm komplett unter. Schlie\u00dflich versuchte dieser 1971, die KP immer mehr aus F\u00fchrungspositionen zu dr\u00e4ngen und vernichtete sie fast komplett nach ihrem missgl\u00fcckten Putschversuch.<\/p>\n<p>Die Alternative kann somit nur im Kampf f\u00fcr eine internationale Sozialistische Gesellschaft bestehen. In dieser Gesellschaft w\u00fcrden s\u00e4mtliche Produktionsmittel, Ressourcen demokratisch verwaltet und aufgeteilt beziehungsweise neu entwickelt und geschaffen werden. Nur so k\u00f6nnen in L\u00e4ndern, die wirtschaftlich und politisch im Grunde vollkommen am Ende sind, demokratische und soziale Rechte verwirklicht werden.<\/p>\n<p>&#8211; Nein zur Milit\u00e4rdiktatur Bashirs!<\/p>\n<p>&#8211; Sofortige R\u00fccknahme der K\u00fcrzungen!<\/p>\n<p>&#8211; Stopp der Gewalt gegen die DemonstrantInnen<\/p>\n<p>&#8211; Stopp dem Krieg in Darfur, sowie der Kampfhandlungen an der Grenze zum S\u00fcden!<\/p>\n<p>&#8211; Stopp s\u00e4mtlicher ethnischer Konflikte!<\/p>\n<p>&#8211; Gemeinsamer Kampf von ArbeiterInnen, Studierenden, Jugendlichen etc. f\u00fcr soziale und demokratische Rechte. Nein zu ethnischer und religi\u00f6ser Spaltung!<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr eine ArbeiterInnenpartei aller Nordsudanesischer ArbeiterInnen. F\u00fcr den Aufbau von unabh\u00e4ngigen ArbeiterInnen- und Nachbarschaftskomitees!<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr eine internationale Sozialistische Gesellschaft!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sudan finden seit 23.9. die gr\u00f6\u00dften Proteste gegen die Diktatur von Omar al Bashir seit ihrem Bestehen statt<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[350],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25987"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25987"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25987\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}