{"id":25899,"date":"2013-09-24T10:20:12","date_gmt":"2013-09-24T08:20:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=25899"},"modified":"2013-10-26T18:32:25","modified_gmt":"2013-10-26T16:32:25","slug":"wilder-streik-bei-opel-bochum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/09\/wilder-streik-bei-opel-bochum\/","title":{"rendered":"Wilder Streik bei Opel Bochum"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24194\" aria-describedby=\"caption-attachment-24194\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/8528197930_a79a4a987b_b-e1363872048946.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-24194\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/igm-bochum-herne\/ CC BY-SA 2.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/8528197930_a79a4a987b_b-e1363872048946-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/8528197930_a79a4a987b_b-e1363872048946-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/8528197930_a79a4a987b_b-e1363872048946-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/8528197930_a79a4a987b_b-e1363872048946-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/8528197930_a79a4a987b_b-e1363872048946.jpg 1006w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24194\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/igm-bochum-herne\/ CC BY-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ist das Werk noch zu retten?<\/strong><\/p>\n<p>In der Nachtschicht vom 9. auf den 10. September kam es bei Opel Bochum zu einer spontanen Arbeitsniederlegung von KollegInnen der Nachtschicht. Der Ausstand fand im Anschluss an die mit 17 Stunden bisher l\u00e4ngste Betriebsversammlung \u00fcberhaupt statt, bei der es eine intensive Debatte unter den KollegInnen gegeben hatte. Laut Betriebsrats-Chef Einenkel hatten sich 51 KollegInnen mit Beitr\u00e4gen zu Wort gemeldet. Der Opel-Vorstand hatte es nicht f\u00fcr notwendig erachtet, sich den Fragen von KollegInnen zu stellen, was viele als Respektlosigkeit werteten. Es ist offensichtlich, dass die Leitung von General Motors keinerlei Interesse am Erhalt der Arbeitspl\u00e4tze und dem Werk hat. Nach ihrem Kalk\u00fcl ist die Zerst\u00f6rung dieser Produktionskapazit\u00e4ten n\u00f6tig, um auf einem weltweiten Automarkt mit angeh\u00e4uften \u00dcberkapazit\u00e4ten konkurrenzf\u00e4hig zu bleiben. Wegen der Krise in Europa ist es f\u00fcr die GM Leitung nicht mehr profitabel, das Bochumer Werk aufrecht zu erhalten. Diesem marktwirtschaftlichen Kalk\u00fcl sollen nun 3200 Arbeitspl\u00e4tze bei Opel Bochum und vielen tausend weitere in der Region, die vom Opel-Werk abh\u00e4ngig sind, geopfert werden. Das darf nicht akzeptiert werden.<\/p>\n<p>\u00a0<em>von Angelika Teweleit, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Die spontane Arbeitsniederlegung ist Ausdruck der berechtigten Wut der KollegInnen. Auch KollegInnen der Fr\u00fchschicht wurden angesprochen, jedoch gab es wohl massive Einsch\u00fcchterung der Gesch\u00e4ftsleitung, so dass die Produktion um 7 Uhr (anstatt wie sonst 6 Uhr) wieder voll lief.<\/p>\n<p>Die regionale Tageszeitung WAZ zitierte Betriebsrats-Chef Rainer Einenkel mit den Worten \u201eDas war eine demokratische Entscheidung. Aber ich glaube wir m\u00fcssen den Weg von Verhandlungen gehen.\u201c Auch ein Sprecher der IG Metall NRW wird zitiert, das es \u201eweder vom Betriebsrat noch von der Gewerkschaftsseite einen Aufruf gegeben\u201c habe.<\/p>\n<p>Welche Strategie verfolgt der Betriebsratsvorsitzende Einenkel? Noch vor einigen Wochen hatte er davon gesprochen, dass es um den Erhalt des Werkes geht und sich gegen die Linie der Gesamtbetriebsratsspitze unter dem Vorsitz von Wolfgang Sch\u00e4fer-Klug gestellt, welche bereit war, die Schlie\u00dfung der Bochumer Werkes hinzunehmen.<\/p>\n<p>Leider hat auch der Bochumer Betriebsrat und die \u00f6rtliche IG Metall bisher keine wirkliche Kampfstrategie aufgezeigt. Es wurde eine Klage gegen General Motors eingereicht, um so den Erhalt der Arbeitspl\u00e4tze zu erreichen und damit zun\u00e4chst die Entscheidung in die H\u00e4nde von Juristen gelegt. Darauf ist keinerlei Verlass. Doch jetzt wird alles auf Verhandlungen gesetzt. So fordern der Bochumer Betriebsrat und IG Metall einen Sozialtarifvertrag und Ersatzarbeitspl\u00e4tze, zum Beispiel durch Transfergesellschaften. Um die Verhandlungen nicht zu gef\u00e4hrden, wollen sie das Management nicht mit Arbeitskampf \u201everschrecken\u201c. Ohne Kampf l\u00e4sst sich aber wahrscheinlich nur wenig erreichen. Transfergesellschaften sind zudem keine L\u00f6sung, die den betroffenen KollegInnen mitsamt ihren Familien eine Perspektive bieten. Viele Erfahrungen zeigen , dass dies h\u00e4ufig nur Arbeitslosigkeit auf Raten oder unsichere Jobs in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen bedeutet. So ist es auch vielen der Nokia-Besch\u00e4ftigten nach der Schlie\u00dfung des Bochumer Nokia-Werkes 2008 ergangen.<\/p>\n<p>Richtig ist, dass General Motors\/Opel daf\u00fcr zahlen soll, wenn sie die Existenz von tausenden von Familien gef\u00e4hrden. Gleichzeitig sollte die Schlie\u00dfung des Werks aber nicht akzeptiert werden! Die Bochumer Bundestagsabgeordnete der Linken Sevim Dagdelen formulierte: \u201eOpel muss perspektivisch in die \u00f6ffentlichen Hand und braucht eine \u00f6kologische Innovationsstrategie, um zukunftsf\u00e4hige Arbeitspl\u00e4tze durch einen \u00f6kologischen Umbau zu sichern und zu schaffen.\u201c (siehe http:\/\/www.dielinke-nrw.de Artikel zu Opel vom 13.Dezember 2012). Das ist der richtige Ansatz, um nachhaltig sichere Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. Die Forderung sollte lauten, wenn ein Unternehmen Massenentlassungen vornehmen oder ein Werk schlie\u00dfen will, sollte der Betrieb verstaatlicht werden. Das ist nach Artikel 27 der Landesverfassung in Nordrhein Westfalen durch die Landesregierung durchf\u00fchrbar. Auf der Basis von Gemeineigentum und unter Kontrolle und Verwaltung demokratisch gew\u00e4hlter VertreterInnen aus der Belegschaft, der IG Metall und des Landes NRW und unter Einbeziehung von Experten und Umweltschutzorganisationen k\u00f6nnte ein Plan f\u00fcr alternative Produktion entwickelt werden.<\/p>\n<p>Der spontane Ausstand zeigt, dass es viele KollegInnen gibt, die sich nicht mit der Schlie\u00dfung abfinden wollen und bereit sind, einen Kampf zu f\u00fchren. Angesichts der offiziell eingeschlagenen Strategie von Betriebsrats- und IG-Metallf\u00fchrung w\u00e4re es jetzt unmittelbar n\u00f6tig, durch Organisierung und Druck von unten einen alternativen Weg f\u00fcr die Verteidigung aller Arbeitspl\u00e4tze bei Opel Bochum zu diskutieren. Dabei w\u00fcrde die Formulierung der Forderung nach Verstaatlichung als einziger L\u00f6sung f\u00fcr den Erhalt des Werks eine wichtige Rolle in der Diskussion spielen. Eine erfolgreiche Strategie f\u00fcr den Arbeitskampf m\u00fcsste Streik und Besetzung des Betriebs sowie eine breite \u00f6ffentlichkeitswirksame Unterst\u00fctzungskampagne aus der Region beinhalten.<\/p>\n<p>Die vom Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Sch\u00e4fer-Klug ausgedr\u00fcckte Haltung, den KollegInnen in Bochum regelrecht in den R\u00fccken zu fallen, ist fatal. Gewerkschaften wurden gegr\u00fcndet, um die Konkurrenz unter den Besch\u00e4ftigten zu beenden und um kollektiv f\u00fcr die gemeinsamen Interessen zu k\u00e4mpfen. So muss auch die Konkurrenz unter den einzelnen Standorten und Werken aufgehoben werden. Die Logik, wenn die KollegInnen in den einzelnen Standorten den G\u00fcrtel enger schnallen, w\u00fcrden ihre Arbeitspl\u00e4tze gesichert, geht nicht auf. Stattdessen handelt es sich um ein Erpressungsman\u00f6ver der Arbeitgeber. Die KollegInnen bei Opel haben das seit Jahren am eigenen Leib erlebt. Auch im Bochumer Werk hat der Opel-Vorstand mit diesem Argument immer neue Zugest\u00e4ndnisse abgerungen.<\/p>\n<p>Die IG Metall und ihre Betriebsr\u00e4te m\u00fcssen dieser Standortlogik etwas entgegen setzen. Das hei\u00dft: gemeinsamer Kampf. Wenn KollegInnen in einzelnen Werken angegriffen werden, darf das nicht hingenommen werden. Ein Erfolg der Bosse gegen die KollegInnen eines Werks ist nur eine Ermutigung f\u00fcr sie, im n\u00e4chsten Werk die Bedingungen ebenfalls zu verschlechtern. Gemeinsame Forderungen wie Arbeitszeitverk\u00fcrzung ohne Lohnverlust statt Entlassungen und Arbeitsplatzabbau k\u00f6nnten einigend wirken. Auch Werks-\u00fcbergreifend muss die Diskussion gef\u00fchrt werden, dass \u00dcberf\u00fchrung in Gemeineigentum unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bev\u00f6lkerung die Alternative w\u00e4re, den Arbeitsplatzabbau und die zunehmende Arbeitshetze zu stoppen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist das Werk noch zu retten?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24194,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25899"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25899"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25899\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25899"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}