{"id":25870,"date":"2013-09-19T17:08:10","date_gmt":"2013-09-19T15:08:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=25870"},"modified":"2013-09-24T12:01:46","modified_gmt":"2013-09-24T10:01:46","slug":"griechenland-nazis-ermorden-pavlos-fyssas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/09\/griechenland-nazis-ermorden-pavlos-fyssas\/","title":{"rendered":"Griechenland: Nazis ermorden Pavlos Fyssas"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/17923617743345684421541.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-25871\" alt=\"Paylos Fyssas\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/17923617743345684421541-e1379603244586-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/17923617743345684421541-e1379603244586-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/17923617743345684421541-e1379603244586-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/17923617743345684421541-e1379603244586-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/17923617743345684421541-e1379603244586.jpg 698w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Dieser Artikel erschien zuerst am 19. September in englischer Sprache auf socialistworld.net AntifaschistInnen in Aachen rufen f\u00fcr heute, Donnerstag 19. September 20 Uhr zu einer Kundgebung am Elisenbrunnen auf. Die griechische Gemeinde in Berlin ruft f\u00fcr Samstag 21. September 13 Uhr zu einer Kundgebung auf Eberstr. \/ Hannah-Arendt-Stra\u00dfe.<br \/><\/em><\/p>\n<p><strong>Die Linke und die organisierte Arbeiterklasse m\u00fcssen zu einer m\u00e4chtigen antifaschistischen Front zusammenkommen<\/strong><\/p>\n<p><em>von Andros Payiatsos, \u201eXekinima\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Griechenland)<\/em><\/p>\n<p>Letzte Nacht (18. September) platzte die Vorstadt Keratsini aus allen N\u00e4hten. Sie geh\u00f6rt zum Bezirk von Pir\u00e4us, der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt Griechenlands mit dem gr\u00f6\u00dften Hafen des Landes. Zehntausende AntifaschistInnen aus Pir\u00e4us und Athen waren in die Stadt gekommen. Die Stadt, die sich in der N\u00e4he von Athen befindet, hat eine starke Arbeiter-Tradition und eine lange Geschichte sozialer K\u00e4mpfe. Die AntifaschistInnen brachten ihre Wut \u00fcber den kaltbl\u00fctigen Morde an Pavlos Fyssas, eine Rap-Musiker und antifaschistischen Aktivisten zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Pavlos Fyssas war sehr bekannt wegen seiner mutigen antifaschistischen Lieder und linken Ideen. Er ist von Schl\u00e4gertrupps der faschistischen Partei \u201eGoldener Morgen\u201c vor den Augen einer Vielzahl von ZeugInnen und vier bewaffneten Polizisten angegriffen worden, die nicht einschritten, um den Mord zu verhindern.<\/p>\n<p>Ein Anh\u00e4nger von \u201eGoldener Morgenr\u00f6te\u201c wurde gestern von der Polizei verhaftet, der Berichten zufolge den Mord gestanden haben soll. Er wurde noch am Ort des Geschehens festgenommen. Trotz seiner schweren Verletzungen war Pavlos noch in der Lage, gegen\u00fcber der Polizei seinen Angreifer zu identifizieren. Viele Menschen waren AugenzeugInnen der Messerstecherei, da der Angriff auf einem zentral gelegenen Platz stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Nachdem er zugab, Pavlos Fyssas ermordet zu haben, gab der Tatverd\u00e4chtige an, Mitglied von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c zu sein und dass er die B\u00fcros dieser faschistischen Partei regelm\u00e4\u00dfig aufsuchen w\u00fcrde: \u201ef\u00fcnf bis zehn Mal im Monat\u201c.<\/p>\n<p>Nach dem Mord durchsuchte die Polizei das Haus des Tatverd\u00e4chtigen und fand Literatur von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c sowie weiteres Parteimaterial. In den Medien wird berichtet, seine Frau habe der Polizei gesagt, dass unmittelbar vor der Verhaftung des Tatverd\u00e4chtigen dieser mit ihr telefoniert und sie gebeten habe, s\u00e4mtliches Material, das auf \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c zur\u00fcckgeht, aus dem Haus zu schaffen und es in die Wohnung eines Verwandten zu bringen, bei dem es sich um einen f\u00fchrenden Vertreter von \u201eGoldene Morgenr\u00e4te\u201c in der Region handelt.<\/p>\n<p>Die griechischen Medien berichteten in gro\u00dfem Umfang, dass der verd\u00e4chtigte M\u00f6rder daf\u00fcr bezahlt worden sei, dass er f\u00fcr Angriffe auf EinwanderInnen \u201ezur Verf\u00fcgung\u201c stehe und zur Teilnahme an Stra\u00dfenschlachten mit linken AktivistInnen bereit sei. Das ist die \u00fcbliche Methode von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c: Sie bezahlen Menschen daf\u00fcr, dass an Attacken der Partei teilnehmen, wann immer ihnen dies n\u00f6tig erscheint.<\/p>\n<p>Pavlos Fyssas ist der erste griechische Aktivist, der von Anh\u00e4ngern von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c ermordet wurde. Bis jetzt konzentrierten sich ihre Angriffe auf EinwanderInnen, was ein Reihe von Toten zur Folge hatte. Seit vergangenem Jahr haben sie damit begonnen, ihre Angriffe und \u00dcberf\u00e4lle vermehrt gegen linke, antifaschistische AktivistInnen zu richten. Am 17. September hatte die griechische Linke und die antifaschistische Bewegung ihr erstes Todesopfer zu beklagen.<\/p>\n<p align=\"center\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/fxPmDsY84k4\" height=\"315\" width=\"420\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>Pavlos Fyssas war Rapper und Musiker, der gegen Faschismus schrieb und sang. Er ist in Keratsini, einem traditionellen Arbeiter-Viertel im Stadtbezirk von Pir\u00e4us, geboren, wuchs dort auf und lebte hier. In einer Cafeteria im Ortszentrum verfolgte er gerade ein Fu\u00dfballspiel, als einige Schl\u00e4ger von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c ihn erkannten. Sie hatten ihn wegen seiner Lieder im Visier und fingen umgehend damit an, Textnachrichten \u00fcber ihre Handys zu verschicken. Sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass damit die m\u00f6rderische Bande herbeigerufen wurde, die Pavlos dann auflauerte, als er aus der Cafeteria kam.<\/p>\n<p>Pavlos und seine Freunde, die mitbekommen hatten, dass die Situation \u201egef\u00e4hrlich\u201c wurde, entschieden sich daf\u00fcr, das Caf\u00e9 zu verlassen.; nur, um feststellen zu m\u00fcssen, dass um die 30 bis 40 Schl\u00e4gertypen drau\u00dfen auf sie warteten. Ihm wurde direkt ins Herz gestochen, was die \u00c4rzte dazu veranlasste, von einem \u201eprofessionellen\u201c Angriff zu sprechen.<\/p>\n<p>Zwei Abende zuvor hatten Anh\u00e4nger von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c ebenfalls in einem Arbeiterviertel von Pir\u00e4us eine Gruppe von rund 30 Mitgliedern der \u201eKommunistischen Partei\u201c angegriffen, die gerade dabei waren, Plakate zu kleben. Man geht davon aus, dass rund 50 Schl\u00e4ger die KKE-Mitglieder mit St\u00f6cken, die mit N\u00e4gel versehen waren, angegriffen haben und neun Personen krankenhausreif geschlagen wurden. Unter den Verletzten ist der Vorsitzende der Metallarbeitergewerkschaft, der in der Gegend wohnt.<\/p>\n<p>Es war nur eine Frage der Zeit, dass Mitglieder und Anh\u00e4nger von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c mit dem Mord an einer\/m linken AktivistIn in Verbindung stehen w\u00fcrden. Auch war es nur eine Frage der Zeit, dass sie mit \u00dcbergriffen dieser Art beginnen w\u00fcrden um zu versuchen, die Handlungshoheit zur\u00fcckzugewinnen, nachdem sie in der letzten Zeit einige Niederlagen haben einstecken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nach dem Aufstieg von \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c bei den Wahlen im Mai und Juni 2012 sind in etlichen St\u00e4dten antifaschistische Komitees ins Leben gerufen worden, Mitglieder wurden aus den Wohnvierteln vertrieben und ihre Demonstrationen mussten aufgrund von antifaschistischen Gegendemonstrationen abgesagt werden. In einem Fall kam es dazu, dass EinwanderInnen Schl\u00e4ger der \u201eGoldenen Morgenr\u00f6te\u201c verjagen konnten. In Chania, auf Kreta, ist der Vorsitzende der \u00f6rtlichen Nazis von AntifaschistInnen ins Meer geworfen worden.<\/p>\n<h4>\u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c versucht die Handlungshoheit zur\u00fcckzugewinnen<\/h4>\n<p>Der j\u00fcngste \u00dcberfall auf die Mitglieder der \u201eKommunistischen Partei\u201c kann nur als Versuch gewertet werden, die Handlungshoheit zur\u00fcckgewinnen zu wollen. Wenn sie 30 Mitglieder von KKE angreifen und neun davon krankenhausreif schlagen k\u00f6nnen, obwohl die KKE allgemein als die bestorganisierte Kraft auf der Linken anerkannt wird, die etliche entschlossene und aufopferungsvolle K\u00e4mpferInnen in ihren Reihen hat, dann werden die Faschisten als diejenigen betrachtet, die \u201edie Stra\u00dfe beherrschen\u201c.<\/p>\n<p>Tragisch ist, dass die \u201eKommunistische Partei\u201c (KKE) keine echte antifaschistische Kampagne vorzuweisen hat und dass der Angriff auf ihre Mitglieder deshalb auch keine ernsthafte antifaschistische Initiative der Partei nach sich zog. Von daher hatte der \u00dcberfall auf die Bewegung im Allgemeinen und auf die KKE-Mitglieder im Speziellen genau die Wirkung, die die Faschisten erzielen wollten: Angst und Demoralisierung.<\/p>\n<p>Es ist eine Tatsache, dass f\u00fcr \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c diese Machtprobe nur m\u00f6glich ist, weil sich die Massenparteien der Linken angesichts der Gefahr des Faschismus \u201eim Tiefschlaf\u201c befinden. Sowohl die KKE als auch das linksradikale Parteienb\u00fcndnis SYRIZA untersch\u00e4tzen die Gefahr, die vom Faschismus ausgeht; ganz so, als habe es die Ereignisse der 1930er Jahre nie gegeben. SYRIZA hat einige Schritte unternommen, um dieses Problem besser zu verstehen und einige antifaschistische Kampagnen entwickelt. Diese sind aber alles andere als ausreichend und im Grunde h\u00e4ngt es haupts\u00e4chlich von lokalen AktivistInnen ab zu entscheiden, ob antifaschistische Aktionen durchgef\u00fchrt werden. Es ist weniger das Ergebnis einer klaren Richtungsvorgabe von Seiten der SYRIZA-F\u00fchrung.<\/p>\n<p>In der Linken herrscht zur Frage des Faschismus keine Einigkeit. Nicht nur die \u201eKommunistische Partei\u201c sondern sogar das antikapitalistische linke B\u00fcndnis ANTARSYA lehnen es ab, in der Frage des Faschismus mit anderen Kr\u00e4ften zusammenzuarbeiten, vor allem mit SYRIZA. Was nicht verstanden wird, ist, dass in der ganzen Linken und der organisierten Arbeiterklasse eine antifaschistische Front und Kampagne entwickelt werden muss. Auch werden keine bedeutenden praktischen Ma\u00dfnahmen ergriffen (wie z.B. die Errichtung von Verteidigungskomitees), obwohl die Faschisten unter Anleitung \u201eprivater Unternehmen\u201c den Gebrauch scharfer Waffen trainieren. Und es gibt auch keine Antwort auf die Bedrohung des Faschismus, sofern die Linke nicht entscheidet, nicht nur gegen die Politik der Troika und die griechische Regierung zu k\u00e4mpfen, sondern gegen das kapitalistische System an sich, das f\u00fcr das erneute Aufkommen der faschistischen Gefahr verantwortlich ist. Angesichts dieser Bedrohungslage sind die linken Parteien wieder einmal meilenweit entfernt von dem, was die Situation derzeit erfordert.<\/p>\n<p>Trotz dieser Schw\u00e4chen der \u201eoffiziellen\u201c linken Parteien in dieser Frage, organisieren tausende von AntifaschistInnen Kampagnen und Komitees. Von Stadt zu Stadt entwickeln sich m\u00e4chtige Kampagnen. Nach dem Mord an Pavlos wird ihr Kampf noch entschlossener gef\u00fchrt werden. Es gibt gute Gr\u00fcnde anzunehmen, dass Pavlos\u2019 Tod viele wachr\u00fctteln wird, die noch nicht verstanden haben, wie t\u00f6dlich die Gefahr ist, die von der allgemein herrschenden Situation in Griechenland ausgeht. Das w\u00e4re die beste Ehrung von Pavlos\u2019 viel zu fr\u00fchem Tod: gegen das zu k\u00e4mpfen, was auch er bek\u00e4mpft hat \u2013 die wachsende Gefahr des Faschismus \u2013 und f\u00fcr das zu k\u00e4mpfen, was auch er wollte \u2013 ein besseres Leben in einem alternativen System zum Kapitalismus, in einer sozialistischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Pavlos hat sein Leben gelassen, er hat gek\u00e4mpft und blieb aufrecht. Er knickte vor den Faschisten nicht ein \u2013 nicht eine Sekunde lang. Augenzeugenberichten zufolge waren die letzten Worte von Pavlos, die er seinen Gegnern entgegenbrachte: \u201eIhr wollt wie echte M\u00e4nner k\u00e4mpfen? &#8211; Dann kommt, einer nach dem anderen\u201c. Aber die Faschisten wollten keinen Zweikampf. Den Schneid haben sie nicht, feige wie sie sind.<\/p>\n<p>Pavlos Fyssas wird ein Teil unserer Bewegung bleiben. Er wird auf unseren Fahnen sein und in unseren Liedern vorkommen. Wir werden daf\u00fcr sorgen, dass er nicht umsonst gestorben ist!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Linke und die organisierte Arbeiterklasse m\u00fcssen zu einer m\u00e4chtigen antifaschistischen Front zusammenkommen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25871,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,44],"tags":[275,297],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25870"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25870"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25870\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25871"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}