{"id":25813,"date":"2013-09-15T17:00:11","date_gmt":"2013-09-15T15:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=25813"},"modified":"2013-09-11T11:48:31","modified_gmt":"2013-09-11T09:48:31","slug":"idee-kaempferischer-gewerkschaften-wieder-auf-der-tagesordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/09\/idee-kaempferischer-gewerkschaften-wieder-auf-der-tagesordnung\/","title":{"rendered":"Idee k\u00e4mpferischer Gewerkschaften \u2013 wieder auf der Tagesordnung"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/969573_10201789880211472_1433134940_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-25814\" alt=\"Sommerschulung\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/969573_10201789880211472_1433134940_n-e1378824684445-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/969573_10201789880211472_1433134940_n-e1378824684445-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/969573_10201789880211472_1433134940_n-e1378824684445-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/969573_10201789880211472_1433134940_n-e1378824684445-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/969573_10201789880211472_1433134940_n-e1378824684445.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Bericht vom Arbeitskreis mit dem Thema \u201eGewerkschaften\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>von Alistair Tice, \u201eSocialist Party&#8220; (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England &amp; Wales)<\/em><\/p>\n<p>Den Arbeitskreis zum dem Thema \u201eGewerkschaften\u201c leitete Rob Williams, Sprecher des britischen Vertrauensleute- und Betriebsr\u00e4te-Netzwerks \u201eNational Shop Stewards Network\u201c und Mitglied der Socialist Party ein. Er sagte, dass wir heute nicht davon ausgehen k\u00f6nnen, dass ArbeiterInnen und vor allem junge Leute die Rolle der Arbeiterklasse und Gewerkschaften voll und ganz begreifen, wenn es um die Frage geht, wie man die Gesellschaft ver\u00e4ndern kann. Eine systematische De-Industrialisierung, der R\u00fcckgang der Mitgliedschaft bei den Gewerkschaften und ihrer Aktivit\u00e4ten sowie die Politik der Sozialpartnerschaft, die in den letzten zwei Jahrzehnten von vielen Gewerkschaftsspitzen praktiziert wurde, bedeuten zusammengenommen, dass Gewerkschaften von vielen nicht mehr als Kraft angesehen werden, die f\u00fcr einen Wandel sorgen kann. In Gro\u00dfbritannien war es, abgesehen vom Streik der Feuerwehrleute im Jahr 2002, seit der Niederlage der BergarbeiterInnen im Jahr 1985 in Gro\u00dfbritannien zu keinem bedeutenden landesweiten Arbeitskampf mehr gekommen. Das \u00e4nderte sich erst 2011 mit dem Streik im \u00f6ffentlichen Dienst gegen die Verschlechterungen bei dem Renten. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich in Irland: 25 Jahre der \u201eSozialpartnerschaft\u201c haben zu einer historisch niedrigen Anzahl an betrieblichen Aktionen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Allerdings haben die Generalstreiks in Griechenland, Spanien und Portugal sowie der Bergarbeiterstreik in S\u00fcdafrika wie auch der Streik vom 30. November 2011 im \u00f6ffentlichen Dienst Gro\u00dfbritanniens Bedeutung von Gewerkschaften als eine Kraft wieder st\u00e4rker ins Bewusstsein gebracht.<\/p>\n<p>Als CWI heben wir die Rolle der Arbeiterklasse nicht aus einer romantischen oder sentimentalen Vorstellung hervor, sondern aufgrund unseres marxistischen Verst\u00e4ndnisses von der Stellung der ArbeiterInnen als Klasse in der kapitalistischen Gesellschaft. Die abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten haben nur Macht zur Einflussnahme, wenn sie sich kollektiv organisieren. Der \u00fcbliche Weg der Organisierung geht \u00fcber Gewerkschaften. Dar\u00fcber ist es m\u00f6glich, an die Profite der Kapitalisten heranzukommen. In gemeinsamen K\u00e4mpfen kann sich sozialistisches Bewusstsein entwickeln.<\/p>\n<p>Deshalb ist es wichtig, dass so viele CWI-Mitglieder wie m\u00f6glich in einer Gewerkschaft aktiv sind beziehungsweise sich auf die Gewerkschaften und die K\u00e4mpfe der ArbeiterInnen orientieren. Das beginnt am eigenen Arbeitsplatz, im Gespr\u00e4ch mit KollegInnen, der Gr\u00fcndung von gewerkschaftlichen Betriebsgruppe, der Wahl als VertreterIn oder auch der Kandidatur bei Wahlen zum Betriebsgruppenvorstand.<\/p>\n<h4>F\u00fcr demokratische Gewerkschaften<\/h4>\n<p>Auf diese Weise kann man Teil einer breiteren Bewegung werden und am Kampf f\u00fcr den Aufbau k\u00e4mpfender und demokratischer Gewerkschaftsorganisationen mitarbeiten. Weil die Gewerkschaftsf\u00fchrungen unter Druck von Seiten der Unternehmer und des Staates gelangen, und weil ihre Einkommen und sonstige Leistungen oft um ein Vielfaches h\u00f6her ausfallen als das, was die Besch\u00e4ftigen verdienen, werden Gewerkschaftsb\u00fcrokratInnen immer wieder Kompromisse eingehen bis hin zum Verrat an der eigenen Mitgliedschaft. Allzu oft agieren Gewerkschaftsb\u00fcrokratInnen abgehoben von den realen Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder. In Belgien sind 70 Prozent der Lohnabh\u00e4ngigen gewerkschaftlich organisiert und stellen eine potentielle Macht dar. Dieses gesellschaftliche Gewicht st\u00e4rkt aber gleichzeitig auch die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie.<\/p>\n<p>Sascha Stanicic von der SAV in Deutschland warf die Frage auf, welches Verh\u00e4ltnis MarxistInnen zur Gewerkschaftsb\u00fcrokratie und vor allem zu den Funktion\u00e4rInnen und VertreterInnen der \u201elinkeren\u201c Gewerkschaften haben. Er brachte ein Beispiel, mit dem die Grenzen dieser Funktion\u00e4re aufgezeigt wurden, sagte aber auch, dass das CWI wo es m\u00f6glich ist, mit ihnen nach dem \u201eEinheitsfront\u201c-Prinzip zusammenarbeiten m\u00fcsse. Dabei m\u00fcsser immer unsere politische Unabh\u00e4ngigkeit gewahrt bleiben und das Recht, Kritik zu \u00fcben. Gleichzeitig sei es n\u00f6tig, sich an den ArbeiterInnen und \u201eeinfachen\u201c Gewerkschaftsmitgliedern zu orientieren.<\/p>\n<p>Selbst rechtslastige Gewerkschaften k\u00f6nnen gezwungen sein, Streiks zu unterst\u00fctzen, indem sie von unten unter Druck geraten. So war in Gro\u00dfbritannien die \u201eUnison\u201c (Gewerkschaft f\u00fcr gro\u00dfe Teile des \u00f6ffentlichen Dienstes; Anm. d. \u00dcbers.), die den Kampf um die Renten verraten und auf einige Mitglieder der \u201eSocialist Party\u201c (SP) gar eine Hexenjagd veranstaltet hat, gezwungen, in Mid-Yorkshire einen von SP Mitgliedern angef\u00fchrten Streik in Krankenh\u00e4userner offiziell zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>In Schweden, beschrieb es eine junge Genossin der \u201eR\u00e4ttvisepartiet Socialisterna\u201c (dortige SAV-Schwesterorganisation und CWI-Sektion), die als lokale Gewerkschaftsvertreterin im Gesundheits- und Sozialdienst der Stadt Stockholm besch\u00e4ftigt ist, den Erfolg einer lang angelegte Kampagne von ihr und drei anderen CWI-GenossInnen innerhalb der dortigen rechen Gewerkschaft. Es gelang somit, eine Kampagne der \u201eR\u00e4ttvisepartiet Socialisterna\u201c (Schwersterorganisation der SAV in Schweden,RS) gegen die Privatisierung zu st\u00e4rken und den Stadtrat der RS zu unterst\u00fctzen. Das zwang die Kommunalverwaltung dazu, die entsprechenden Vertr\u00e4ge mit privaten Unternehmen wieder aufzul\u00f6sen und f\u00fcr die Zukunft immer erst gemeinsame Verhandlungen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>In Griechenland, Spanien und Portugal waren Gewerkschaftsb\u00fcnde gezwungen, eine Reihe von Generalstreiks auszurufen. Das geschah aber eher, um \u201eDruck abzulassen\u201c anstatt daraus eine Strategie zu entwickeln, mit der die Regierungen, die K\u00fcrzungen und Austerit\u00e4t betreiben, h\u00e4tten zu Fall gebracht werden k\u00f6nnen. Auch wird nicht das strategische Ziel verfolgt, dass die ArbeiterInnen die Macht erlangen.<\/p>\n<h4>Die Gewerkschaften ver\u00e4ndern<\/h4>\n<p>Grunds\u00e4tzlich besteht unsere Herangehensweise darin, Kampagnen f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung der bestehenden Gewerkschaften zu f\u00fchren, wie im Falle der britischen Gewerkschaft der Staatsbediensteten, PCS, und der Bahn- und Transportarbeitergewerkschaft, RMT, geschehen. Beide Organisationen standen zuvor unter einer rechten F\u00fchrung. Im vergangenen Jahr haben unsere GenossInnen der \u201eSocialist Party\u201c in Nordirland die Linke dabei angef\u00fchrt, die F\u00fchrung \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte Gewerkschaft des Landes, die NIPSA (Gewerkschaft \u00f6ffentlicher Dienst; Anm. d. \u00dcbers.), zu \u00fcbernehmen. Das erfordert ausdauernde und sehr sorgf\u00e4ltige Arbeit, die manchmal jahrelang dauern kann, um B\u00fcndnisse mit anderen linken Kr\u00e4ften aufzubauen. CWI-Mitglieder sind bei Konferenzen und Gewerkschaftstagen gemeinsam aufgetreten, um eine klare sozialistische Perspektive und Strategie aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Raheem, ein Genosse aus Nigeria, bezog sich auf unsere Haltung hinsichtlich der Orientierung auf die Basis. Er erkl\u00e4rte, dass in Nigeria viele ArbeiterInnen ohne Unterst\u00fctzung durch die offizielle Gewerkschaftsf\u00fchrung sind. Letztes Jahr kam es im Zuge eine Streiks von Angestellten des \u00f6ffentlichen Dienstes im Bundesstaat Oyo zur Wahl neuer F\u00fchrungsgremien beim Gewerkschaftstag. Somit wollten sie die Kontrolle \u00fcber ihre K\u00e4mpfe bekommen und der offiziellen F\u00fchrung entrei\u00dfen. Die seit langem bestehende \u201eCampaign for Democratic and Workers Rights\u201c (CDWR; dt.: \u201eKampagne f\u00fcr demokratische und Arbeitnehmerrechte\u201c), die von unseren dortigen CWI-GenossInnen noch w\u00e4hrend der Milit\u00e4rdiktatur ins Leben gerufen wurde, erh\u00e4lt heute h\u00e4ufig Anfragen von ArbeiterInnen, die um Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre derzeit stattfindenden K\u00e4mpfe bitten, weil sie von den meisten der offiziellen Gewerkschaftsf\u00fchrungen nicht viel erwarten.<\/p>\n<p>Wenn Gewerkschaftsb\u00fcrokratien zum kompletten Hindernis f\u00fcr den Kampf werden oder gar reaktion\u00e4r auftreten wie im Falle der s\u00fcdafrikanischen Bergarbeitergewerkschaft NUM, dann ist eine flexiblere Taktik vonn\u00f6ten. Sebei vom \u201eDemocratic Socialist Movement\u201c (SAV-Schwesterorganisation und CWI-Sektion in S\u00fcdafrika) erkl\u00e4rte, wie tausende von Bergleuten der NUM den R\u00fccken kehrten, nachdem es zum Blutbad von Marikana gekommen war. Das DSM half dabei, Zusammenk\u00fcnfte der Streikkomitees aus den verschiedenen Minen zu organisieren und ein landesweites Streikkomitee ins Leben zu rufen. An diesen Basis-Strukturen beteiligen sich sowohl ArbeiterInnen mit und ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft. In Gro\u00dfbritannien brachte das Basiskomitee der \u201eSparks\u201c (ElektrikerInnen) AktivistInnen zusammen, die gegen die Pl\u00e4ne der Arbeitgeber k\u00e4mpfen. Das \u00fcbte gleichzeitig auch Druck auf die offizielle Gewerkschaft \u201eUnite\u201c aus, sie mit einem k\u00e4mpferischen Ansatz zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h4>Doppelstrategie<\/h4>\n<p>Wir haben eine Doppelstrategie, die darin besteht, den Kampf f\u00fcr Ver\u00e4nderung in den bestehenden Gewerkschaften zu f\u00fchren und gleichzeitig an der Basis anzusetzen. Dazu geh\u00f6rt die Arbeit in Basisstrukturen und die Beteiligung an Aktionen der KollegInnen, auch wenn sie nicht von der offiziellen Gewerkschaftsf\u00fchrung ausgegangen sind. All das kann umgekehrt aber Auswirkungen auf die offiziellen Strukturen haben. Rob Williams f\u00fchrte das \u201eNational Shop Stewards Network\u201c (NSSN) als Beispiel daf\u00fcr an, wie man erfolgreich die Arbeit mit einer solchen Basisstruktur damit verbinden kann, den Druck auf Gewerkschaftsb\u00fcnde wie den britischen \u201eTrades Union Congress\u201c (TUC) zu erh\u00f6hen, damit dieser endlich einen 24-st\u00fcndigen Generalstreik ausruft.<\/p>\n<p>Die GenossInnen sollten nicht nur Anstrengungen unternehmen, die Gewerkschaften nach links zu bewegen, sondern immer auch versuchen, den Einfluss ihrer Sektionen in den Gewerkschaften aufzubauen und neue Mitglieder f\u00fcr das CWI zu gewinnen. Dazu wurden etliche Beispiele angef\u00fchrt wie etwa die Gewinnung von BergarbeiterInnen in S\u00fcdafrika, MetallarbeiterInnen in Brasilien, Krankenhausbesch\u00e4ftigten an der Charit\u00e9 in Berlin, TransportarbeiterInnen in Italien und Bahnbesch\u00e4ftigten in Belgien.<\/p>\n<p>Im Falle Belgiens beschrieb ein Genosse, der als Zugf\u00fchrer arbeitet, wie wir in drei Jahren die F\u00fchrung im Kampf gegen die Privatisierung von \u201eRail Cargo\u201c \u00fcbernahmen. Im Rahmen dieser Kampagne fand eine Mitgliederkonferenz mit 480 Zugf\u00fchrerInnen teilnahmen, es kam zu offiziellen aber auch wilden Streikaktionen und es fand eine internationalen Konferenz von Bahnbesch\u00e4ftigten statt. Am Ende wurde ein Sieg eingefahren: Arbeitsbedingungen und Lohnh\u00f6hen der Zugf\u00fchrerInnen blieben unangetastet und eine Auslagerung wurde verhindert. Wegen unserer f\u00fchrenden Stellung in dieser Auseinandersetzung und weil wir unsere belgische Sektion \u00fcber Flugbl\u00e4tter und eine Webseite bewerben konnten, hat die \u201eLinkse Socialistische Partij \/ Parti Socialiste de Lutte\u201c (LSP\/PSL) jetzt f\u00fcnf BahnerInnen als Mitglieder.<\/p>\n<h4>\u201eSekund\u00e4re Aspekte\u201c<\/h4>\n<p>Selbst wenn wir keine CWI-Mitglieder in einem Betrieb oder bei stattfindenden Streiks haben, so k\u00f6nnen unsere Ortsgruppen bei aufkommenden Auseinandersetzungen dennoch eine erfolgreiche Rolle spielen. Sebei erkl\u00e4rte, wie die wenigen Kr\u00e4fte des \u201eDemocratic Socialist Movement\u201c (s\u00fcdafrikanische Sektion des CWI, DSM) in S\u00fcdafrika den Fokus auf die Region Rustenburg legten, weil sie von Streiks im Bergbaug\u00fcrtel ausgingen. Um erste Kontakte zu kn\u00fcpfen, so Sebei, \u201emusst du dir aber die H\u00e4nde schmutzig machen, um das Recht zu bekommen, \u00fcberhaupt geh\u00f6rt zu werden\u201c. Das bedeutet, dass man sich mit Dingen befassen muss, die als sekund\u00e4r erscheinen, f\u00fcr die ArbeiterInnen aber alles bedeuten.<\/p>\n<p>Johan von unserer Sektion in Venezuela beschrieb einen kleinen Streik von ArbeiterInnen in einem Gasunternehmen, die er gefragt habe: \u201eWas ist der Grund f\u00fcr euren Streik? Wie k\u00f6nnen wir euch unterst\u00fctzen?\u201c. In der Diskussion, brachte er die Idee von der Kontrolle der Besch\u00e4ftigten \u00fcber ihre Betriebe ein. Die ArbeiterInnen organisierten eine Versammlung und erreichten einige Zugest\u00e4ndnisse. So wurde ihnen mehr Mitbestimmung zugesichert. Johan erkl\u00e4rte, dass MarxistInnen aufmerksam zuh\u00f6ren und nicht belehrende auftreten.<\/p>\n<p>Ein entsprechendes Beispiel lieferte Alistair Tice von der \u201eSocialist Party\u201c in England &amp; Wales. Er beschrieb den Streik der LKW-FahrerInnen bei der Lebensmittelkette \u201eTesco\u201c, bei dem Mitglieder der SP jeden Tag die Streikposten unterst\u00fctzt hatten und auf diese Weise das Vertrauen der Streikenden und Betriebsr\u00e4tInnen erlangten und einen Beitrag zu gr\u00f6\u00dferem Selbstvertrauen leisteten. Das erm\u00f6glichte es uns, f\u00fcr energischere Aktionen einzutreten, und es kam zur Blockade von LKWs. Beispielhafte Vorgehensweisen f\u00fchrten dazu, dass die KollegInnen mehr Selbstvertrauen bekamen und selber noch aktiver wurden. Dieses k\u00e4mpferische Vorgehen f\u00fchrte zu einer 50-prozentigen Verbesserung bei den Aufhebungsvertr\u00e4gen und enormem Respekt f\u00fcr die SP.<\/p>\n<p>Ein junger Genosse von \u201eSocialist Action\u201c in Hong Kong, berichtete vom Eingreifen unserer noch recht jungen Sektion dort beim 40 Tage andauernden Streik der HafenarbeiterInnen (dem l\u00e4ngsten Streik seit 1922). Das CWI leistete praktische Solidarit\u00e4tsarbeit und nahm t\u00e4glich an den Streikposten teil. Dabei konnten 36.000 Hong Kong-Dollar f\u00fcr den Streikfonds gesammelt werden. Wir organisierten internationale Solidarit\u00e4t durch das CWI und vor allem \u00fcber unsere Sektion in Schweden und produzierten acht verschiedene Flugbl\u00e4tter. Allerdings gab es einige Gewerkschaftsfunktion\u00e4rInnen, NGOs und andere Linke, die uns angriffen. Diese Erfahrung trug dazu bei, die GenossInnen zu st\u00e4rken, die sehr viel aus der aktiven Arbeit im Klassenkampf mitnehmen konnten, statt diesen nur von au\u00dfen zu kommentieren.<\/p>\n<h4>Neues Prekariat<\/h4>\n<p>Der R\u00fcckgang im Industrie-Sektor, das Anwachsen des Dienstleistungssektors, der Einzelhandels- und Finanzbranche sowie umfassende Privatisierungen bedeuten, dass selbst in den entwickelteren kapitalistischen Staaten breite Schichten von Besch\u00e4ftigten Gelegenheitsjobs machen, keine Arbeitsvertr\u00e4ge haben und prek\u00e4r besch\u00e4ftigt sind. Sie bilden das sogenannte \u201ePrekariat\u201c. In den \u201eEntwicklungsl\u00e4ndern\u201c macht der Bereich des \u201einformellen\u201c Sektors bisweilen die H\u00e4lfte der Erwerbst\u00e4tigen aus. Dieser Sektor, der traditionell nicht gewerkschaftlich organisiert ist und in hohem Ma\u00dfe ausgebeutet wird, stellt eine neue Herausforderung f\u00fcr die Arbeiterbewegung und das CWI dar. Neue und einfallsreiche Methoden bei der Organisierung und den Kampftaktiken sind n\u00f6tig.<\/p>\n<p>George von der \u201eSocialist Alternative\u201c in den USA beschrieb die Kampagne in der Fast-food-Branche und im Einzelhandel mit dem Ziel von \u201e15 Dollar die Stunde und eine Gewerkschaft\u201c. Obwohl sie anfangs keiner Gewerkschaft angeh\u00f6rten, hatten kleine Gruppen von in erster Linie jungen ArbeiterInnen mit der Unterst\u00fctzung durch organisierte Kampagnen der Gewerkschaften zum Mittel des Streiks gegriffen; so zum Beispiel bei \u201eBurger King\u201c, \u201eMcDonalds\u201c und \u201eWalmart\u201c. Auch wenn dies keine gr\u00f6\u00dferen wirtschaftlichen Auswirkungen hatte, zeigten diese Aktionen und die dadurch erzielte \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit, dass man etwas tun kann. Unter den KollegInnen stieg dadurch das Selbstvertrauen. Jetzt ist ein landesweiter Streiktag des Niedriglohnsektors f\u00fcr den 28. August geplant.<\/p>\n<p>Ann, eine junge medizinische Angestellte aus Moskau, sagte, dass ein niedriger Organisationsgrad in Russland (eine Folge der stalinistischen \u00c4ra mit ihren staatlichen Gewerkschaften) und neue Gesetze, die \u201enicht gebilligte Streiks und Proteste\u201c unter Strafe stellen, dazu f\u00fchren, dass ArbeiterInnen innovativ sein m\u00fcssen, um Gewerkschaften zu gr\u00fcnden und Aktionen durchzuf\u00fchren. Sie beschrieb einen \u201eitalienischen\u201c Sitzstreik der \u00c4rztInnen gegen Lohnk\u00fcrzungen und einen Fototermin mit Protestplakaten vor einem Krankenhaus.<\/p>\n<p>DiDi sagte, dass die Gewerkschaften in Brasilien den informellen Sektor organisieren mussten, darunter auch die Landlosen-Bewegung und die Kampagne \u201eReclaim the City\u201c der st\u00e4dtischen verarmten Schichten.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien plant die \u201eInitiative f\u00fcr die Gemeinden\u201c in der Gewerkschaft \u201eUnite\u201c, die Erwerbslosen wie auch die Studierenden, Menschen mit Behinderungen und RentnerInnen zu organisieren. Einige Mitglieder der \u201eSocialist Party\u201c helfen dabei mit, Basisgruppen aufzubauen.<\/p>\n<h4>Gewerkschaften und soziale Bewegungen<\/h4>\n<p>Soziale Massenbewegungen und Gewerkschaften beeinflussen sich gegenseitig. \u201eOccupy Wall Street\u201c hat zweifellos die Streiks in der Fast-food-Branche inspiriert. Den \u201eIndignados\u201c (dt.: W\u00fctenden) in Spanien folgten sp\u00e4ter eine Reihe von Generalstreiks. Der \u201eArabische Fr\u00fchling\u201c in \u00c4gypten hat dazu gef\u00fchrt, dass Millionen von ArbeiterInnen neuen unabh\u00e4ngigen Gewerkschaften beigetreten sind. Die Bewegung f\u00fcr soziale Gerechtigkeit in Israel, zu der es vor zwei Jahren gekommen ist, f\u00fchrte dazu, dass die Gewerkschaften 20.000 neue Mitglieder bekommen haben. Auf die Massenproteste gegen die Fahrpreiserh\u00f6hungen und die Fu\u00dfballweltmeisterschaft in Brasilien folgte eine Welle an betrieblichen Streiks.<\/p>\n<p>Das CWI hat all dies bei der Ausarbeitung unseres politischen Programms mit ber\u00fccksichtigt. Vor allem in Griechenland, Spanien und Portugal hat das CWI dazu aufgerufen, gemeinsame \u201eVeranstaltungen von Gewerkschaften, linken Parteien und sozialen Bewegungen\u201c durchzuf\u00fchren, um Generalstreiks und Massenmobilisierungen zu organisieren, darunter auch Betriebsbesetzungen und Besetzungen \u00f6ffentlicher Pl\u00e4tze. Das kann die Grundlage daf\u00fcr schaffen, nicht nur die Austerit\u00e4tsregierungen zu Fall zu bringen sondern auch dazu zu kommen, dass Regierungen der \u201eArbeiterInnen und verarmten Schichten\u201c die Macht \u00fcbernehmen. Was das CWI stets hervorhebt, ist die Schl\u00fcsselrolle, die der Arbeiterklasse zukommt und dass diese unabh\u00e4ngig bleiben muss von den b\u00fcrgerlichen Parteien. Stattdessen m\u00fcssen B\u00fcndnisse mit sozialen und anderen Bewegungen der Unterdr\u00fcckten geschlossen werden.<\/p>\n<p>Dabei ist entscheidend, f\u00fcr die Einheit der ArbeiterInnen zu k\u00e4mpfen und gegen nationale, religi\u00f6se und sektiererische Spaltungen anzugehen. Suheir, ein Mitglied des CWI in Israel mit pal\u00e4stinensischem Hintergrund, sorgte f\u00fcr bewegende Momente, als sie erkl\u00e4rte, wie sie sich als Mitglied des Bundesvorstands der Gewerkschaft der SozialarbeiterInnen bei einer Protestkundgebung vor dem israelischen Parlament gegen Diskriminierung und f\u00fcr die Einheit der Besch\u00e4ftigten ausgesprochen hatte. Zur \u00dcberraschung der pal\u00e4stinensischen KollegInnen bekam sie von allen ArbeiterInnen ein positives Echo. Das weist auf das Potential hin, das es f\u00fcr den Klassenkampf gibt, um selbst die tiefsten Spaltungen zu kitten. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Nordirland, wo es aufgrund des Flaggenstreits zu zunehmenden Spannungen gekommen ist. Dort haben Mitglieder der \u201eSocialist Party\u201c mit Erfolg Antr\u00e4ge in die NIPSA und bei \u201eUnite\u201c eingebracht, mit denen die ArbeiterInnen unterst\u00fctzt werden, die betriebliche Aktionen gegen das drohende Sektierertum und sektiererische \u00dcbergriffe durchf\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom Arbeitskreis mit dem Thema \u201eGewerkschaften\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25814,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,103],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25813"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25813"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25813\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25814"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}