{"id":25692,"date":"2013-08-31T17:00:52","date_gmt":"2013-08-31T15:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=25692"},"modified":"2013-08-31T15:59:54","modified_gmt":"2013-08-31T13:59:54","slug":"einzelhandelsprotest-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/08\/einzelhandelsprotest-in-berlin\/","title":{"rendered":"Einzelhandelsprotest in Berlin"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_25693\" aria-describedby=\"caption-attachment-25693\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/streik-symbolbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-25693\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/abuaiman\/ CC BY-NC-SA 2.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/streik-symbolbild-e1377957553305-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/streik-symbolbild-e1377957553305-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/streik-symbolbild-e1377957553305-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/streik-symbolbild-e1377957553305-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/streik-symbolbild-e1377957553305.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25693\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/abuaiman\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Inspirierender Streiktag bei H&amp;M Friedrichstra\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Am Donnerstag, den 29.8. streikten H&amp;M Besch\u00e4ftigte der Filiale Friedrichstra\u00dfe in Berlin. Mit Flugbl\u00e4ttern und Buttons forderten sie gemeinsam mit uns Unterst\u00fctzerInnen die PassantInnen auf, sich mit dem Arbeitskampf solidarisch zu zeigen. Mit einem k\u00e4mpferischen Betriebsrat und einem hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad ist die Stimmung bei den Besch\u00e4ftigten der Filiale von Selbstbewusstsein gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><em>von Angelika Teweleit, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Etwa zwanzig Personen standen mit gelben ver.di-Streikwesten, einem Transparent und Plakaten \u201eDieser Betrieb wird bestreikt\u201c vor dem Haupteingang. Mit Megaphon sprach der Betriebsratsvorsitzende die vorbei laufenden PassantInnen an und beschrieb die Situation bei H&amp;M: W\u00e4hrend der Eigent\u00fcmer der 8. reichste Mann weltweit ist, sollen die L\u00f6hne durch die Einf\u00fchrung einer Niedriglohngruppe weiter gesenkt werden. Nach diesen Pl\u00e4nen sollen in Zukunft diejenigen, deren T\u00e4tigkeit \u201evorwiegend\u201c aus Warenbearbeitung und Warenauff\u00fcllung besteht (und wenn man von sechs Stunden \u201enur\u201c zwei Stunden an der Kasse steht, soll das der Fall sein) niedriger eingruppiert werden. Der Stundenlohn soll dann f\u00fcr Besch\u00e4ftigte in Ostberlin \u20ac 8,24 und in Westberlin \u20ac 8, 50 betragen. (Heute liegt der Stundenlohn zwischen 11,08 \u20ac und 13,84 \u20ac je nach Berufsjahr.) Mit der K\u00fcndigung der Manteltarifvertr\u00e4ge stehen planbare Arbeitszeiten, Schichtzulagen und Urlaubsregelungen auf dem Spiel.<\/p>\n<p>Zur Frage der L\u00f6hne sagte eine Kollegin: \u201eWir haben mehr verdient, als was wir kriegen. Schlie\u00dflich sind wir diejenigen, die die Waren auspacken, die Gespr\u00e4che mit den Kunden f\u00fchren, an der Kasse stehen. Ohne uns g\u00e4be es keinen Umsatz.\u201c In Gespr\u00e4chen beschrieben die streikenden Kolleginnen und Kollegen die Arbeitssituation als sehr belastend, was auch eine Folge davon sei, dass am Personal gespart wird: \u201e Oft wird die Arbeit von drei KollegInnen gemacht, die eigentlich f\u00fcr vier vorgesehen ist.\u201c Am Ende eines Arbeitstages sei man so ersch\u00f6pft, dass einem die Kraft f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung mit den Kindern fehle \u201eIch finde es schade, dass ich es einfach nicht mehr schaffe, nach der Arbeit noch eine Weile auf dem Spielplatz zu verbringen oder etwas anderes sch\u00f6nes mit meinem Kind zu unternehmen.\u201c so eine Kollegin. Wenn die Arbeit an Wochenenden nicht mehr freiwillig sondern verpflichtend w\u00fcrde, dann w\u00fcrde das die Situation noch verschlimmern. Einer anderer Kollege bef\u00fcrchtet, dass das Sozialleben stark eingeschr\u00e4nkt wird. Wenn man abends einen Anruf bekommt, dass man am n\u00e4chsten Tag anstatt von acht bis 16 Uhr dann doch von zw\u00f6lf bis 22 Uhr zu erscheinen habe, w\u00fcrde es extrem schwierig, sich \u00fcberhaupt noch mit Freunden zu verabreden.<\/p>\n<p>\u201eDieses Mal machen die Arbeitgeber einen Frontalangriff. Sie scheinen zu keinen Kompromissen bereit zu sein. Doch unsere Streikbereitschaft ist auch gewachsen.\u201c so ein Kollege. Um den Arbeitskampf zum Erfolg zu bringen, w\u00fcnschen sich die KollegInnen eine gr\u00f6\u00dfere Beteiligung. Der hohe Anteil von Besch\u00e4ftigten mit befristeten Vertr\u00e4gen in den Filialen sei dabei allerdings auch ein Problem. \u201eEs ist klar, dass viele Angst haben, dass ihre Befristung nicht verl\u00e4ngert wird, wenn sie sich am Streik beteiligen.\u201c Dass sich aber aus dieser Filiale auch Besch\u00e4ftigte mit Befristung beteiligten, liegt an der starken Interessenvertretung vor Ort. \u201eDas ist in Filialen ohne Betriebsrat eine andere Sache.\u201c wurde erkl\u00e4rt. Eine Kollegin sagte: \u201eMir geht es auch darum, unserem Betriebsrat den R\u00fccken zu st\u00e4rken. Er hat soviel f\u00fcr mich erreichen k\u00f6nnen: meine \u00dcbernahme mit unbefristetem Arbeitsvertrag h\u00e4tte ich ohne ihn nicht bekommen. Er setzt sich enorm f\u00fcr uns ein. Zum Beispiel hat er erreicht, dass erst bestehende Arbeitsvertr\u00e4ge aufgestockt werden, bevor neues Personal eingestellt wird. Das gibt uns allen mehr Sicherheit. Ohne diese Erfahrung w\u00fcrden wir heute nicht so geeint hier stehen.\u201c<\/p>\n<p>Als Lehre kann man ziehen: mit starker gewerkschaftlicher Organisierung und einem k\u00e4mpferischen Betriebsrat hat die Belegschaft bessere Arbeits- und Kampfbedingungen in ihrem Betrieb. Um dahin zu kommen, sollten sich so viele wie m\u00f6glich an diesem Arbeitskampf beteiligen.<\/p>\n<p>In der ver.di Strategie spielt richtigerweise eine wichtige Rolle, dass Streiks keine lange Vorank\u00fcndigung haben, damit die Arbeitgeber wenig Zeit haben, Streikbrecher zu organisieren. Es sollte aber auch versucht werden, m\u00f6glichst viele zeitgleich aufzurufen, damit die gemeinsame St\u00e4rke sp\u00fcrbar wird.<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Faktoren f\u00fcr einen Erfolg ist \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Mein Eindruck war, dass viele Menschen noch immer nichts von diesem Generalangriff der Arbeitgeber im Einzelhandel geh\u00f6rt haben. Da gibt es noch einiges zu tun.<\/p>\n<p>Bundesweite Streiktage k\u00f6nnten helfen, mehr \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Solidarit\u00e4t aus anderen ver.di-Fachbereichen und den anderen Gewerkschaften muss ebenfalls bewusst gesteigert werden. Gemeinsame Kundgebungen mit anderen, die sich im Arbeitskampf befinden, k\u00f6nnten auch das Gef\u00fchl von gemeinsamer St\u00e4rke f\u00f6rdern. (Am selben Tag streikten z.B. auch ZustellerInnen der PIN Mail AG; die angestellten LehrerInnen in Berlin stehen im Arbeitskampf; bald k\u00f6nnte es zum Streik an der Charit\u00e9 kommen.) F\u00fcr ein st\u00e4rkere Wahrnehmung des Arbeitskampfs im Einzelhandel k\u00f6nnen auch andere wie die Partei DIE LINKE eine wichtige Rolle spielen.<\/p>\n<p>Ziel muss nat\u00fcrlich sein, den Angriff der Arbeitgeber auf die Manteltarifvertr\u00e4ge abzuwehren und die berechtigte Lohnforderung durchzusetzen. Aber nicht nur das. Im Zuge des Arbeitskampfes ergeben sich auch M\u00f6glichkeiten, weitere Betriebe gewerkschaftlich zu organisieren und so die Belegschaften insgesamt zu st\u00e4rken. Die H&amp;M Filiale Friedrichstra\u00dfe ist ein Beleg daf\u00fcr, dass das m\u00f6glich ist. Die solidarische Unterst\u00fctzung von au\u00dfen wurde mit Dank aufgenommen. Ich muss sagen, es war eine inspirierende Erfahrung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inspirierender Streiktag bei H&#038;M Friedrichstra\u00dfe<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25693,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[262],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25692"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25692"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25692\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}