{"id":25663,"date":"2013-08-26T17:00:57","date_gmt":"2013-08-26T15:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=25663"},"modified":"2013-09-04T10:57:16","modified_gmt":"2013-09-04T08:57:16","slug":"bandstopp-in-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/08\/bandstopp-in-bremen\/","title":{"rendered":"Bandstopp in Bremen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_22766\" aria-describedby=\"caption-attachment-22766\" style=\"width: 277px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-22766\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pansonaut\/ CC BY-NC-SA 2.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859-277x173.jpg\" width=\"277\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859-277x173.jpg 277w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859.jpg 492w\" sizes=\"(max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22766\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pansonaut\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Erstmals sollen Produktionsarbeiten im Daimler-Werk der Hansestadt fremdvergeben werden. Aus Protest legten 3000 Besch\u00e4ftigte die Arbeit nieder.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Daniel Behruzi<\/em><\/p>\n<p>Im Bremer Daimler-Werk standen am Freitag die B\u00e4nder 75 Minuten lang still. Anlass der Protestaktion, zu der der IG-Metall-Vertrauensk\u00f6rper aufgerufen hatte, war die geplante Fremdvergabe von Teilen des Karosseriebaus. Damit w\u00fcrden Werkvertragsunternehmen in der Bremer Fabrik erstmals direkt in der Produktion zum Zuge kommen. Bislang sind Fremdfirmen auf dem Werksgel\u00e4nde lediglich als Dienstleister t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Vor einigen Tagen hatte sich zun\u00e4chst das Ger\u00fccht verbreitet, dann wurde es best\u00e4tigt: Daimler will in seinem Bremer Pkw-Werk Teile des Rohbaus an Fremdfirmen auslagern. Bis zu 90 Arbeitspl\u00e4tze w\u00fcrden dann nicht mehr zu den Konditionen des Autoherstellers, sondern mit vermutlich deutlich schlechter bezahlten Besch\u00e4ftigten bei Werkvertragsunternehmen besetzt. \u00bbWir bef\u00fcrchten einen Dammbruch\u00ab, erkl\u00e4rte Gerhard Kupfer, Betriebsrat und Mitglied der IG-Metall-Vertrauensk\u00f6rperleitung im Bremer Daimler-Werk, am Wochenende. \u00bbDas wird sicherlich nur der Anfang sein, dass Werkvertr\u00e4ge nun auch in der direkten Produktion Stammarbeitspl\u00e4tze verdr\u00e4ngen.\u00ab<\/p>\n<p>Laut Betriebsrat ist geplant, die betroffenen T\u00e4tigkeiten mit der im kommenden Jahr anlaufenden n\u00e4chsten Modellgeneration an externe Firmen zu vergeben. Das Unternehmen erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Radio Bremen zwar, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Man spreche aber dar\u00fcber, Teile f\u00fcr neue Baureihen \u00bbnicht mehr selbst im Werk zu fertigen, sondern bei Zulieferern\u00ab.<\/p>\n<p>Der Vorsto\u00df ist Teil der Unternehmensstrategie \u00bbMercedes-Benz 2020\u00ab, mit der Daimler seine Rivalen BMW und Audi bis Ende des Jahrzehnts beim Absatz \u00fcberfl\u00fcgeln will. Zugleich sollen die Profitraten mit dem Programm \u00bbFit for Leadership\u00ab gesteigert werden. Die Konzernspitze sehe die Fabrik im ungarischen Kesckem\u00e9t als Vorbild, erl\u00e4uterte Kupfer. Dort werde fast nur noch die Fahrzeugmontage von Daimler-Arbeitern ausgef\u00fchrt &#8211; die Vorarbeiten seien gr\u00f6\u00dftenteils an Zulieferer ausgelagert worden.<\/p>\n<p>Teil des Programms ist auch eine weitreichende Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Das Management fordere \u00bbein ganzes Paket\u00ab von Ma\u00dfnahmen, um die Produktion an die Schwankungen des Marktes anzupassen, berichtete Kupfer. So sollen die Besch\u00e4ftigten bis zu 15 Samstagsschichten im Jahr ableisten. Das Unternehmen soll die M\u00f6glichkeit erhalten, die Schichten bei Bedarf um mehrere Stunden zu verl\u00e4ngern. Falls der Absatz hingegen stockt, will es Schichten zu Lasten der Besch\u00e4ftigten absagen k\u00f6nnen. \u00bbEs geht also um eine noch effektivere Ausnutzung der Arbeitskr\u00e4fte\u00ab, so Kupfer. \u00bbDabei ist der Druck schon jetzt enorm hoch.\u00ab<\/p>\n<p>Begr\u00fcndet werden die Forderungen von der Konzernspitze laut Kupfer mit \u00bbutopisch hohen St\u00fcckzahlen\u00ab, die mit den bestehenden Arbeitszeitregelungen nicht zu schaffen seien. \u00bbZum einen ist l\u00e4ngst nicht gesagt, dass diese Prognosen eintreffen. Zum anderen: Wenn das Unternehmen mehr Autos bauen will, muss es auch mehr Besch\u00e4ftigte einstellen \u2013 aber mit Festvertrag, zu Daimler-Konditionen\u00ab, betonte der Gewerkschafter. Die aktuellen Fremdvergabepl\u00e4ne rechtfertigt das Management mit angeblichen Platzproblemen auf dem Werksgel\u00e4nde. \u00bbDas ist absoluter Humbug und nichts als ein Vorwand, die Lohnkosten zu dr\u00fccken\u00ab, meinte Kupfer dazu. Seine Kollegen sehen das offenbar genauso. Rund 3.000 von ihnen versammelten sich am Freitag vor dem Geb\u00e4ude der Werkleitung zur \u00bbInfo-Veranstaltung\u00ab.<\/p>\n<p>Die Aktion kommt zu einer Zeit, in der das Thema Werkvertr\u00e4ge den Daimler-Konzern nicht zur Ruhe kommen l\u00e4sst. Seitdem der SWR im Mai mit einer Undercover-Recherche aufdeckte, dass Arbeiter einer Fremdfirma im Werk Untert\u00fcrkheim einen Stundenlohn von 8,19 Euro erhalten und mit Hartz IV aufstocken m\u00fcssen, rei\u00dfen die Skandale nicht ab. Zuletzt wurde durch Ermittlungen des Zolls bekannt, dass rum\u00e4nische Testfahrer, die unter anderem f\u00fcr Daimler t\u00e4tig sind, mit Stundenl\u00f6hnen von 3,80 Euro abgespeist werden.<\/p>\n<p>Dem Vernehmen nach f\u00fchrt der Daimler-Vorstand zur Zeit Sondierungsgespr\u00e4che mit Vertretern des Gesamtbetriebsrats (GBR), um die M\u00f6glichkeiten einer Einigung zum Thema Werkvertr\u00e4ge auszuloten. Dabei soll definiert werden, in welchen F\u00e4llen es sich um legale und wann es sich um illegale Werkvertr\u00e4ge handelt. Laut Gesetz d\u00fcrfen Besch\u00e4ftigte von Werkvertragsfirmen beispielsweise keine direkten Anweisungen von Mitarbeitern des Stammbetriebs erhalten. Die Nichteinhaltung dieser Regel hatte zuletzt dazu gef\u00fchrt, dass zwei IT-Angestellte einer im Werk Sindelfingen t\u00e4tigen Fremdfirma ihre Festanstellung per Gerichtsbeschluss durchsetzen konnten.<\/p>\n<p>Der Bremer Betriebsrat Kupfer sieht die Verhandlungen des GBR allerdings skeptisch. Er f\u00fcrchtet, dass sich der Konzern damit gegen eventuelle Klagen absichern und die Praxis des Lohndumpings durch Werkvertr\u00e4ge noch ausweiten k\u00f6nnte. \u00bbMeiner Ansicht nach gibt es bei Werkvertr\u00e4gen \u2013 ebenso wie bei der Leiharbeit \u2013 nichts zu regeln. Statt dessen sollte man diese Formen prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln bek\u00e4mpfen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst am 26. August in der Tageszeitung \u201e<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/\">junge Welt<\/a>\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstmals sollen Produktionsarbeiten im Daimler-Werk der Hansestadt fremdvergeben werden. 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