{"id":25476,"date":"2013-08-09T17:00:19","date_gmt":"2013-08-09T15:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=25476"},"modified":"2013-08-07T23:09:27","modified_gmt":"2013-08-07T21:09:27","slug":"charit-verhandelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/08\/charit-verhandelt\/","title":{"rendered":"Charit\u00e9 verhandelt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_23202\" aria-describedby=\"caption-attachment-23202\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/IMG_4817-e1355484251207.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-23202\" alt=\"Foto: Archiv\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/IMG_4817-e1355484251207-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/IMG_4817-e1355484251207-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/IMG_4817-e1355484251207-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/IMG_4817-e1355484251207-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/IMG_4817-e1355484251207.jpg 1146w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23202\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Archiv<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Nach langem Z\u00f6gern der Gesch\u00e4ftsleitung beginnen am Berliner Uniklinikum Tarifgespr\u00e4che \u00fcber personelle Mindeststandards. Warnstreikdrohung sorgte f\u00fcr Bewegung<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Artikel erschien zuerst am 30. Juli in der Tageszeitung <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/index.php\">\u201ejunge Welt\u201c<\/a><\/p>\n<p><em>von Daniel Behruzi<\/em><\/p>\n<p>Erstmals wird an einem deutschen Krankenhaus \u00fcber einen Tarifvertrag zur Personalbemessung verhandelt. Dabei kommen Vertreter des Vorstands und der Gewerkschaft ver.di im Berliner Uniklinikum Charit\u00e9 zusammen, um \u00fcber die Einf\u00fchrung personeller Mindestbesetzungen sowie \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung der Besch\u00e4ftigtengesundheit und der Ausbildungsqualit\u00e4t zu beraten. Schon daf\u00fcr war eine Menge Druck n\u00f6tig. Denn die Klinikleitung weigerte sich \u00fcber Monate beharrlich, das Thema zum Gegenstand von Tarifverhandlungen zu machen. Ihrer Ansicht nach greifen konkrete Vorgaben zur Personalausstattung der Stationen und Abteilungen in das unternehmerische Direktionsrecht ein. Die Belegschaftsvertreter sehen darin hingegen dringend notwendige Ma\u00dfnahmen gegen Arbeits\u00fcberlastung und \u00bbgef\u00e4hrliche Pflege\u00ab.<\/p>\n<p>Mit der Bereitschaft, nun doch Tarifverhandlungen aufzunehmen, hat die Charit\u00e9-Spitze einen drohenden Warnstreik zun\u00e4chst abgewendet. Ver.di-Betriebsgruppensprecher Carsten Becker hat keine Zweifel daran, dass die Arbeitsniederlegung au\u00dferordentlich erfolgreich geworden w\u00e4re: \u00bbDie Mobilisierung war schon in ihrem Anfangsstadium \u00fcberw\u00e4ltigend. Das hat best\u00e4tigt, wie gro\u00df das Interesse der Kolleginnen und Kollegen an einer Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ist.\u00ab<\/p>\n<p>In der Tat ist die Situation der \u00c4rzte, Pfleger und Servicekr\u00e4fte an Europas gr\u00f6\u00dftem Uniklinikum \u2013 ebenso wie in fast allen anderen deutschen Krankenh\u00e4usern \u2013 kaum noch ertr\u00e4glich. F\u00fcr bis zu 15 Patienten ist eine Krankenschwester zum Teil zust\u00e4ndig. Dabei werden die behandelten F\u00e4lle immer komplizierter und arbeitsaufwendiger. Denn heutzutage liegen viele Patienten auf der Normalstation, die fr\u00fcher eine Intensivpflege erhalten h\u00e4tten. Hintergrund ist unter anderem die Verk\u00fcrzung der Liegezeiten, die sich an der Charit\u00e9 seit 2006 nach eigenen Angaben von durchschnittlich 7,7 auf weniger als 6,4 Tage verringert haben. Die Zahl der station\u00e4ren F\u00e4lle stieg seither von 127500 auf \u00fcber 139000, die der ambulanten Behandlungen gar von gut 500000 auf weit mehr als 600000. Doch zugleich stehen immer weniger Pflegekr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung: Deren Zahl reduzierte sich zwischen 2006 und 2011 den Jahresberichten der Charit\u00e9 zufolge von 3752 auf 3565 Vollkr\u00e4fte (inklusive Funktionsdienste).<\/p>\n<p>Die ver.di-Tarifkommission hat errechnet, dass allein die am Uniklinikum geleisteten \u00dcberstunden, die Mehrarbeit und der Einsatz von Leasingkr\u00e4fte zusammen rund 300 fehlenden Vollzeitstellen entsprechen. Mittlerweile schiebt die Charit\u00e9-Belegschaft mehr als 130000 \u00dcberstunden vor sich her. Und dass die Besch\u00e4ftigten ihre \u00dcberforderung fast t\u00e4glich mit sogenannten \u00dcberlastungsanzeigen kundtun, ist ein weiterer Hinweis auf die unhaltbaren Zust\u00e4nde. Die Charit\u00e9-Spitze hielt all das jedoch nicht ab, k\u00fcrzlich in der Berliner Morgenpost mit Bezug auf die ver.di-Forderungen von einer \u00bbgewerkschaftspolitischen Inszenierung\u00ab zu sprechen. Angesichts solcher T\u00f6ne ist eine schnelle Einigung eher unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>\u00bbWir sind uns ganz sicher: Allein dem Druck unserer Mobilisierung ist es zu verdanken, da\u00df wir am Mittwoch am Verhandlungstisch sitzen\u00ab, ist Becker \u00fcberzeugt. Ver.di hatte gedroht, am Streiktag Betten und wom\u00f6glich ganze Stationen zu schlie\u00dfen. F\u00fcr einen Warnstreik in einem Krankenhaus ist das \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich. Allerdings haben die Pflegekr\u00e4fte an der Charit\u00e9 bereits gezeigt, dass sie in der Lage sind, die Wirtschaftspl\u00e4ne der Klinikleitung durcheinanderzuwirbeln: 2011 hatten sie bei einem einw\u00f6chigen Arbeitskampf bis zu 90 Prozent der Operationen und die Betreuung fast der H\u00e4lfte der rund 3200 Betten lahmgelegt. Das Ziel deutlicher Gehaltsverbesserungen wurde damit schnell erreicht.<\/p>\n<p>Dieses Mal k\u00f6nnte der Konflikt langwieriger werden. Denn f\u00fcr tarifliche Mindeststandards beim Personal gibt es im Krankenhauswesen \u2013 anders als beispielsweise in der Druckindustrie \u2013 bislang keine Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle. Es ist nicht zu erwarten, da\u00df die Charit\u00e9-Spitze einen solchen tarifpolitischen Fortschritt ohne gro\u00dfen Widerstand zul\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach langem Z\u00f6gern der Gesch\u00e4ftsleitung beginnen am Berliner Uniklinikum Tarifgespr\u00e4che \u00fcber personelle Mindeststandards. 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