{"id":24969,"date":"2013-06-11T11:44:10","date_gmt":"2013-06-11T09:44:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=24969"},"modified":"2013-06-19T10:55:12","modified_gmt":"2013-06-19T08:55:12","slug":"die-ausmasse-der-flutkatastrophe-sind-dramatisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/06\/die-ausmasse-der-flutkatastrophe-sind-dramatisch\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Ausma\u00dfe der Flutkatastrophe sind dramatisch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Steve K\u00fchne von der SAV Dresden<\/strong><\/p>\n<h4>Was sind die Ausma\u00dfe der Hochwasserkatastrophe in Dresden und umliegenden Orten\/in Sachsen? Wie schlimm sind die Menschen betroffen?<\/h4>\n<p>Die Ausma\u00dfe der Flutkatastrophe sind dramatisch, vor allem deshalb, weil erst vor elf Jahren ein &#8211; in seiner Gr\u00f6\u00dfe ganz \u00e4hnliches &#8211; Hochwasser den S\u00fcdosten Deutschlands heimgesucht hat. In Mei\u00dfen, n\u00f6rdlich von Dresden, steht linkselbisch beinahe die gesamte Altstadt unter Wasser. Beispielsweise auch das Theater, das erst vor wenigen Jahren dutch eine aufwendige Sanierung von den Flutsch\u00e4den von 2002 befreit worden war. Je nach Lage der H\u00e4user stehen Keller Erdgeschoss oder das erste Obergeschoss unter Wasser. Mei\u00dfen ist zudem faktisch zweigeteilt, da trotz der aufopferungsvollen Bem\u00fchungen der freiwilligen Helfer, des THW und der Feuerwehr sowohl die Altstadt-, als auch die Neustadtbr\u00fccke flutbedingt geschlossen werden mussten.<\/p>\n<p>In Dresden sind 8000 Haushalte ohne Strom, mehrere Stadteile stehen unter Wasser. Tausende Menschen mussten evakuiert werden und wohnen in Notunterk\u00fcnften. Viele Menschen haben mitansehen m\u00fcssen wie ihr Hab und Gut oder ihr Gesch\u00e4ft in den Fluten versanken. Man konnte in den letzten Tagen quasi zusehen wie der Pegel anstieg und man konnte fast nichts tun. Das und die Tatsache, dass viele Betroffene noch ihre Kredite, mit denen sie die Sch\u00e4den der letzten \u00dcberschwemmung beseitigten, abzahlen, l\u00e4sst so manchen verzweifeln.<\/p>\n<h4>Wie wird aktuell Hilfe organisiert und von wem?<\/h4>\n<p>Die Hilfen werden unterschiedlich organisiert, zuerst nat\u00fcrlich von den Krisenst\u00e4ben. Die setzen Kr\u00e4fte der Bundeswehr, der Feuerwehr, des THW und der Polizei ein. Aber die Menschen helfen sich auch selbstorganisert, \u00fcber Facebook und manchmal auch \u00fcber Mundpropaganda. Viele Leute laufen einfach nach der Arbeit durch die Stra\u00dfen und fragen gezielt nach, ob sie helfen k\u00f6nnen. Im Grunde wird jede Hand gebraucht, ob zum Leerr\u00e4umen von Gesch\u00e4ften, zum F\u00fcllen von Sands\u00e4cken oder zum Bau von Behelfsd\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Da ist auch irgendwie der Knackpunkt. Mancher hat telefonisch bei der Stadt nachgefragt und die Auskunft erhalten, Hilfe sei nicht oder nicht mehr n\u00f6tig. Wenn man aber los l\u00e4uft findet man dann oft vieler Orten Menschen, die dringend Unterst\u00fctzung brauchen. Jeder der helfen will sollte also, wenn er eine Absage von \u00f6ffentlichen Stellen erhalten hat, \u00fcber Facebook Informationen einholen oder nachfragen gehen.<\/p>\n<p>Insgesamt ist die Welle der Solidarit\u00e4t untereinander, wie auch schon 2002, beeindruckend. Im Grunde fassen alle mit an. Das ist auch ein Hoffnungsschimmer f\u00fcr diejenigen, die in elf Jahren zum zweiten oder gar dritten Mal im Wasser versinken. Selbst wenn es an vielen Orten, trotz allen Kampfes &#8211; so muss man es wirklich nennen &#8211; , nicht gelang die Fluten zum Stehen zu bringen, ist allein die Hilfbereitschaft f\u00fcr Viele schon eine gro\u00dfe Ermutigung.<\/p>\n<h4>Viele sagen, die Lehren aus der Flutkatastrophe 2002 wurden nicht gezogen. Welche Fehler wurden gemacht? H\u00e4tte die Zerst\u00f6rung verhindert werden k\u00f6nnen?<\/h4>\n<p>Im Einzelnen l\u00e4sst sich das zum jetzigen Zeitpunkt schwer sagen. Viele haben auch im Moment nicht das Bed\u00fcrfnis \u00fcber Fehler und Vers\u00e4umnisse zu sprechen. Es \u00fcberwiegen zurzeit die elementaren Dinge. Deshalb nur ganz verk\u00fcrzt: Ja, es wurden Lehren gezogen. An vielen Orten haben sich Menschen f\u00fcr eine Verbesserung des Hochwasserschutzes eingesetzt und das oft auch mit Erfolg. THW und Feherwehr sind besser ausger\u00fcstet als 2002. In Dresden gibt es Fluttore und Deiche wurden neu gebaut und erh\u00f6ht. Aber es ist auch deutlich zu sehen, dass insgesamt zu wenig passiert ist. Von den 350 angedachten Projekten sind nur etwa 80 verwirklicht worden. Einige umgesetzte Projekte sind falsch konzipiert. Die Pumpwerke, die gegen einbrechendes Wasser und Grundwasser helfen sollten scheinen oft zu schwach konzipiert zu sein. Mancher Deich erscheint bei Fluth\u00f6hen von 8,74 in Dresden und \u00fcber 10 Meter in Mei\u00dfen l\u00e4cherlich niedrig.<\/p>\n<p>In Mei\u00dfen begann die Altstadt zuzulaufen, als der Pegel der Elbe 7.85 Meter \u00fcberschritt, weil die Mauer, die die Altstadt sch\u00fctzen sollte nur bis zu dieser H\u00f6he half &#8211; und das obwohl der Elbpegel bereits 2002 10,40 Meter betrug.<\/p>\n<p>Es wurden 600 Millionen Euro in den Hochwasserschutz gesteckt. F\u00fcr sich genommen klingt das viel, aber gemessen an der Fl\u00e4che, an der Vielzahl der geplanten und umgesetzten Projekte, ist es einfach nzu wenig gewesen. Besonders, wenn man wei\u00df, was bei R\u00fcstungsprojekten wie &#8222;Eurohawk&#8220; und &#8222;Eurofighter&#8220; oder bei der Bankenrettung so versenkt wurde. <\/p>\n<h4>Was kann die LINKE tun?<\/h4>\n<p>Naja, zum Einen sicherlich mehr druck machen f\u00fcr einen besseren Hochwasserschutz. Das hei\u00dft vor allem auch die Bev\u00f6lkerung in die Planung mit einzubeziehen. Die AnwohnerInnen wussten schon 2002 sehr genau wann und wo das Wasser kam, was zum Schutz gefehlt hat und was ausreichend vorhanden war.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kommen diese Katastrophen nicht irgend woher. Sowohl im Stalinismus und Kapitalismus sind mit Fl\u00fcssen wie der Elbe furchtbar umgegangen worden: Sie wurden begradigt, das Flussbett wurde eingeengt, Auen, die helfen, dass das Hochwasser versickert, wurden bebaut (was man in Dresden \u00fcbrigens gl\u00fccklicherweise unterlassen hat). Der Kapitalismus brachte uns den Klimawandel und mit ihm eben auch Wetteranomalien wie diesen v\u00f6llig verregneten Mai.<\/p>\n<p>Damit will ich nicht sagen, dass es im Sozialismus keine Naturkatastrophen geben w\u00fcrde \u2013 das w\u00e4re grotesk. Aber der Umgang mit der Natur w\u00e4re ein anderer und der Umgang mit Ereignissen wie der Flut w\u00e4re es ebenso.<\/p>\n<p>Wer in Hochwassergebieten lebt, h\u00e4tte eben, anders als viele Betroffene heute, eine entsprechende Versicherung, weil die verstaatlichten Versicherungen das Wohl der Menschen und nicht ihren Profit im Auge h\u00e4tten. Eine demokratische geplante Wirtschaft w\u00fcrde w\u00e4hrend eines solchen Ereignisses dringend ben\u00f6tigtes Ger\u00e4t \u2013 Bagger, Schaufeln, Sand, Pumpen \u2013 requirieren und nicht hilflos zusehen wie einige windige Gesch\u00e4ftsleute die Preise daf\u00fcr in die H\u00f6he treiben. Und sie w\u00fcrde die Grundlage daf\u00fcr legen, dass nach einer Flut die Wiederaufbau- und Aufr\u00e4umarbeiten in den Regionen von den Betroffenen und den Helfern gemeinsam geplant und z\u00fcgig umgesetzt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Im Augenblick muss DIE LINKE fordern die Menschen in den von Flutkatastrophen bedrohten Regionen in den Hochwasserschutz mit einzubeziehen. Das hei\u00dft, dass die Leute, die dort wohnen \u2013 am besten in Form gew\u00e4hlter VertreterInnen \u2013 die zu treffenden Ma\u00dfnahmen planen und mit Hilfe von Ingenieuren und Sachverst\u00e4ndigen umsetzen. Aktuell geht es auch um die Fluthilfe. Mei\u00dfen zahlt Familien als Sofortma\u00dfnahme 400,00 Euro pro Person, maximal 2.000 Euro pro Familie. F\u00fcr Leute, die alles verloren haben ist das zu wenig. Wie soll es mit denen weiter gehen? Sie d\u00fcrfen nicht schon wieder gezwungen sein Kredite aufzunehmen. Sie haben nichts falsch gemacht, sie sind an der Situation vollkommen schuldlos. Deshalb m\u00fcssen sie entsch\u00e4digt werden \u2013 in vollem Umfang. Daf\u00fcr muss sich DIE LINKE einsetzen.<\/p>\n<p>Insofern muss DIE LINKE beides sein: Eine Partei, die sich \u2013 anders als die Gr\u00fcnen \u2013 konsequent f\u00fcr Umweltschutz einsetzt und eine Partei, die f\u00fcr ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem eintritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Steve K\u00fchne von der SAV Dresden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24831,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[118],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24969"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24969"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24969\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}