{"id":24724,"date":"2013-05-25T17:00:04","date_gmt":"2013-05-25T15:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=24724"},"modified":"2013-05-27T12:11:12","modified_gmt":"2013-05-27T10:11:12","slug":"syrien-stellvertreterkrieg-in-nahost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/05\/syrien-stellvertreterkrieg-in-nahost\/","title":{"rendered":"Syrien: Stellvertreterkrieg in Nahost"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24725\" aria-describedby=\"caption-attachment-24725\" style=\"width: 274px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/syrien.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-24725\" alt=\"Foto:http:\/\/www.flickr.com\/photos\/syriafreedom\/ CC BY 2.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/syrien-e1369225753182-274x173.jpg\" width=\"274\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/syrien-e1369225753182-274x173.jpg 274w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/syrien-e1369225753182-550x347.jpg 550w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/syrien-e1369225753182.jpg 755w\" sizes=\"(max-width: 274px) 100vw, 274px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24725\" class=\"wp-caption-text\">Foto:http:\/\/www.flickr.com\/photos\/syriafreedom\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Syrien ist zum Kampffeld internationaler M\u00e4chte geworden<\/strong><\/p>\n<p>Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht neue Schreckensmeldungen aus dem B\u00fcrgerkriegsland Syrien vernehmen m\u00fcssen. Laut UN-Angaben vom M\u00e4rz hat die Zahl der Fl\u00fcchtlinge inzwischen die Marke von einer Million \u00fcberschritten. Etwa vier Millionen sind innerhalb des Landes (das insgesamt 20 Millionen Menschen z\u00e4hlt) heimatlos geworden. Die UN-offizielle Zahl der Toten lag im Mai schon bei 80.000.<\/p>\n<p><em>von Marcus Hesse, Aachen<\/em><\/p>\n<p>Massaker, \u00dcbergriffe auf die Zivilbev\u00f6lkerung und Vergewaltigungen geh\u00f6ren zu den Methoden beider Seiten \u0096 der Armee des Regimes von Baschar al-Assad und seiner verb\u00fcndeten Milizen wie der bewaffneten Kr\u00e4fte der Opposition, organisiert vor allem in der &#8222;Freien Syrischen Armee&#8220; (FSA).<\/p>\n<h4>\u00a0Von der Revolution zum B\u00fcrgerkrieg<\/h4>\n<p>\u00a02011 begann alles mit einer Revolution, die sich gegen Armut, Korruption, Massenarbeitslosigkeit und Unterdr\u00fcckung richtete. Sie war von den revolution\u00e4ren Bewegungen in Tunesien, \u00c4gypten und anderen L\u00e4ndern beeinflusst. Sie richtete sich gegen ein repressives Regime, welches seit fast zwei Jahrzehnten seine vorwiegend von Staatseigentum gepr\u00e4gte Wirtschaft an die Diktate von Internationalem W\u00e4hrungsfonds (IWF) und Weltbank anpasste und deshalb im Westen als &#8222;gelungenes Modell marktwirtschaftlicher Transformation&#8220; gelobt wurde.<\/p>\n<p>Doch der revolution\u00e4re Prozess nahm, \u00e4hnlich wie in Libyen 2011, einen anderen Verlauf als in \u00c4gypten und Tunesien. Die Bewegung ver\u00e4nderte ihren politischen Charakter. Die Regime-GegnerInnen formierten sich in einer buntscheckigen &#8222;Nationalen Koalition&#8220; aus &#8222;Syrischem Nationalrat&#8220;, Islamisten, b\u00fcrgerlichen Demokraten und einigen (Ex-)Linken, mitsamt einer eigenen Armee, der FSA. Diese Kr\u00e4fte werden von der NATO und den konservativsten Regimen der Region unterst\u00fctzt. Im Laufe der Zeit haben sich diesen Kr\u00e4ften auch sunnitische Fundamentalisten angeschlossen, wie die ber\u00fcchtigten al-Quaida-nahen Milizen &#8222;Fatah al-Islam&#8220; und &#8222;al-Nusra-Front&#8220;.<\/p>\n<p>Das Assad-Regime ging von Beginn an mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t gegen die Zivilbev\u00f6lkerung vor. Die FSA ist nicht homogen, es gibt weiter Bestrebungen von Teilen der normalen Bev\u00f6lkerung nach Selbstorganisation. Aber die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte haben in der FSA l\u00e4ngst die Oberhand gewonnen. Diese und die fundamentalistischen Milizen stehen dem Vorgehen des Assad-Regimes in nichts nach. Es kam zu regelrechten Pogromen gegen Schiiten, Alawiten und Christen. Bei diesen Minderheiten stellen sich deshalb viele aus Angst hinter das Regime. Dies ist ein Grund, warum sich die Diktatur bis heute, nach gut zwei Jahren, hat halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>\u00a0M\u00e4chtekonstellationen und Interventionen<\/h4>\n<p>\u00a02012 kam es zu Grenzgefechten zwischen Syrien und der T\u00fcrkei. In Frankreich (der ehemaligen Kolonialmacht Syriens) forderte Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande als Erster offensiv ein Eingreifen zu Gunsten der &#8222;Rebellen&#8220;. Anfang Mai dieses Jahres flog Israels Armee erstmalig vereinzelte Luftangriffe gegen syrische Ziele \u0096 vorgeblich, um die mit Assad verb\u00fcndete libanesische Hisbollah zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Schon fr\u00fchzeitig hat die NATO die FSA unterst\u00fctzt. Vereinzelt wurden K\u00e4mpfer im Kosova, in den letzten Jahren ein NATO-Protektorat, ausgebildet. Hauptausr\u00fcster und F\u00f6rderer der FSA sind aber die reaktion\u00e4ren Golfmonarchien, allen voran Saudi-Arabien und Katar. Diese st\u00fctzen die radikal-sunnitischen Kr\u00e4fte gegen das s\u00e4kulare Assad-Regime und seine schiitischen Verb\u00fcndeten Iran und die libanesische Hisbollah.<\/p>\n<p>Zwischen den schiitischen und sunnitischen M\u00e4chten ist Syrien zum Schauplatz eines Machtkampfes im Nahen Osten geworden, der in \u00e4hnlicher Weise auch im Irak oder Bahrain beobachtet werden kann.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei ihrerseits setzt unter Recep Tayyip Erdogan verst\u00e4rkt auf Einflussgewinn in der Region, die vor dem Ersten Weltkrieg mal Teil des Osmanischen Reiches war. Hinzu kommt (trotz Waffenstillstand mit der PKK) die Furcht, dass das zerfallende Syrien zum R\u00fcckzugsgebiet f\u00fcr kurdische Rebellen werden k\u00f6nnte. Zumal die syrischen KurdInnen \u00fcber ihr Gebiet die Kontrolle erlangen konnten (nachdem es auch schon im Nordirak eine kurdische Regierung gibt).<\/p>\n<p>Auf Assads Seite steht die Regionalmacht Iran und das Wohlwollen Russlands und Chinas.<\/p>\n<h4>\u00a0Aufgaben der Linken<\/h4>\n<p>\u00a0SozialistInnen k\u00f6nnen keine der Kriegsparteien unterst\u00fctzen! Weder das brutale und verkommene Regime von Assad noch die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte in der FSA. Leider ist diese Haltung in der internationalen Linken nicht selbstverst\u00e4ndlich. Manche feiern die &#8222;syrische Revolution&#8220; unter dem Banner der FSA und manche schlagen sich gar aus angeblich &#8222;antiimperialistischen&#8220; Motiven auf die Seite des Assad-Regimes.<\/p>\n<p>Jede Intervention imperialistischer M\u00e4chte ist abzulehnen. Aber das bedeutet noch lange keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr das syrische Regime. Die Diktatur Assads und seiner Baath-Partei muss gest\u00fcrzt werden. Entscheidend ist eine unabh\u00e4ngige Organisation der ArbeiterInnen, armen B\u00e4uerInnen und Jugendlichen f\u00fcr demokratische und soziale Forderungen. Das ist auch keine abstrakte Neutralit\u00e4t! Denn angesichts der Bedrohung durch den Terror des Regimes und der &#8222;Rebellen&#8220; ist unmittelbarer be-waffneter Selbstschutz der Viertel und Betriebe n\u00f6tig. Nur so und \u00fcber den gemeinsamen Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Armut kann es gelingen, die heutigen Gr\u00e4ben zwischen den Nationalit\u00e4ten und Religionen zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Wie Tunesien und \u00c4gypten heute zeigen, reicht der Sturz eines Diktators indes nicht aus \u0096 vielmehr ist es n\u00f6tig, den Kampf f\u00fcr soziale und demokratische Rechte mit dem Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zu verbinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Syrien ist zum Kampffeld internationaler M\u00e4chte geworden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24725,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,64],"tags":[333],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24724"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24724\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}