{"id":24546,"date":"2013-04-27T17:00:25","date_gmt":"2013-04-27T15:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=24546"},"modified":"2013-04-29T09:00:24","modified_gmt":"2013-04-29T07:00:24","slug":"zypern-ein-internationalistisches-und-revolutionaeres-programm-ist-noetig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/04\/zypern-ein-internationalistisches-und-revolutionaeres-programm-ist-noetig\/","title":{"rendered":"Zypern: \u201eEin internationalistisches und revolution\u00e4res Programm ist n\u00f6tig\u201c"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24547\" aria-describedby=\"caption-attachment-24547\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/196762_5097721213_2343_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-24547\" alt=\"Athina Kariati\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/196762_5097721213_2343_n-e1366734075539-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/196762_5097721213_2343_n-e1366734075539-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/196762_5097721213_2343_n-e1366734075539-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/196762_5097721213_2343_n-e1366734075539-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/196762_5097721213_2343_n-e1366734075539.jpg 603w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24547\" class=\"wp-caption-text\">Athina Kariati<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Interview mit Athina Kariati von der \u201eNeuen Internationalistischen Linken\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Was bedeutet die Einigung zwischen Troika und zyprischer Regierung f\u00fcr die Zukunft des Landes?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Zypern wird all dies zu umfassenden Kreditbeschr\u00e4nkungen und umfangreichen K\u00fcrzungen sowie Privatisierungen f\u00fchren. Es wird mit der Tilgung eines Viertels des zyprischen Nationaleinkommens gerechnet. \u201eEinfache\u201c ZyprerInnen werden den Preis zu zahlen haben und nicht die super-reichen russischen Oligarchen oder die zyprische Elite. Vor uns liegen Jahre der wirtschaftlichen Depression ganz wie in Griechenland. Viele ZyprerInnen sagen, dies sei die schlimmste Katastrophe, die die Menschen seit dem Krieg mit der T\u00fcrkei im Jahre 1974 erleben.<\/p>\n<p>Die Troika sagt, sie wolle nun das zyprische \u201eFinanzmodell\u201c beenden, das auf das Geld russischer und anderer Oligarchen aufgrund der niedrigen Unternehmenssteuern von zehn Prozent wie ein Magnet gewirkt habe. Die zyprischen Regierungen, darunter auch die letzte unter der F\u00fchrung der AKEL (zyprische kommunistische Partei), die Anfang dieses Jahres abgew\u00e4hlt wurde, fanden es ganz klasse, dass das Land zum Zielhafen f\u00fcr \u201ehei\u00dfes\u201c Geld wurde. Doch die EU-Elite, die in Br\u00fcssel und Berlin sitzt, war \u2013 als das Land 2008 der Eurozone beitrat \u2013 durchaus in Sorge, dass die Rolle Zypern als \u201eOffshore\u201c-Bankenstandort heikel werden k\u00f6nnte. Die Regierungen Zyperns lie\u00dfen ohnehin zu, dass die EZB das zyprische Bankensystem kontrollierte, um angebliche Geldw\u00e4sche zu verhindern. Doch die EU-B\u00fcrokratInnen waren nicht in der Lage, echte Beweise f\u00fcr derlei kriminelle Machenschaften vorzulegen. Der Hauptgrund f\u00fcr den derzeitigen Aufruhr besteht darin, dass offenbar wurde, wie sehr die zyprischen Banken mit dem \u00f6konomisch ruinierten Griechenland verbunden sind.<\/p>\n<p>Die zyprische Regierung wird nicht f\u00e4hig sein, die massiven Schulden zur\u00fcckzuzahlen, da die Wirtschaft deutlich zur\u00fcckgeht. Wie im Falle Griechenlands wird die Regierung gezwungen sein, neue Kreditverhandlungen mit der Troika aufzunehmen. Jedes neuerliche Rettungspaket wird abermals zu schwerwiegenden Forderungen nach weiterer Austerit\u00e4t f\u00fchren. Das ist nicht haltbar und wird die M\u00f6glichkeit auf, dass Zypern zu einem bestimmten Zeitpunkt die Eurozone verl\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Wie haben die arbeitenden Menschen auf die Ereignisse reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stimmung und den arbeitenden Menschen hat im Verlauf der Krise dramatisch gewandelt. Die Versuche der Troika, die zyprische Regierung zu zwingen, Abgaben auf kleine und gro\u00dfe Spareinlagen einzuf\u00fchren, f\u00fchrten unter den arbeitenden Menschen und kleinen Gewerbetreibenden zu Wutausbr\u00fcchen. Vor dem Parlamentsgeb\u00e4ude kam es zu gro\u00dfen Protestkundgebungen, an denen Tausende teilnahmen.<\/p>\n<p>Nach der Ablehnung dieses Vorschlags durch das parlament, hatten viele die Hoffnung, dass ein vorteilhafterer Deal mit Russland h\u00e4tte zustande kommen k\u00f6nnen, um zu einer L\u00f6sung f\u00fcr die Finanzprobleme zu kommen. Russische Oligarchen haben enorme Summen bei zyprischen Banken angelegt, bei denen sie H\u00f6chstzinsen bekamen. Doch die russische Regierung hat sich geh\u00fctet, mit dem Interessenbereich der EU und vor allem Deutschlands zu kollidieren. Schlie\u00dflich hegt man gerade zu Deutschland bedeutende Handelsbeziehungen. Aus diesem Grund scheiterte der Versuch, Hilfe von Russland zu bekommen.<\/p>\n<p>Deshalb stimmte das zyprische Parlament daf\u00fcr, die Banken zu reformieren, Kapitalkontrollen einzuf\u00fchren und einen \u201eBanken-Solidarit\u00e4tsfonds\u201c einzurichten. Die entsprechenden Gesetzestexte waren derart kompliziert, dass viele Abgeordnete sagten, sie h\u00e4tten nicht verstanden, wor\u00fcber sie abstimmen sollten. Die Medien unterst\u00fctzten die Regierung und berichteten nicht dar\u00fcber, was diese Gesetzesvorlagen f\u00fcr die arbeitenden Menschen wirklich bedeuteten. Nur eine Sache wurde klar gemacht: die \u201eLaiki Bank\u201c w\u00fcrde danach nicht mehr so aussehen wie vorher, viele Angestellte w\u00fcrden ihren Job verlieren und die Wertpapieranlagen w\u00e4ren verloren. Das f\u00fchrte zu tagelangen Protesten \u2013 allerdings nur der Besch\u00e4ftigten der \u201eLaiki Bank\u201c. Es war das erste Mal in der Geschichte Zyperns, dass es zu einer Demonstration von 7.000 Bankangestellten kam!<\/p>\n<p>Die Banken in Zypern blieben geschlossen und die Menschen konnten nur begrenzte Geldbetr\u00e4ge abheben. Sorge bis hin zu echter Panik machte sich breit. Die Leute begannen damit, Lebensmittel zu hamstern, weil sie Angst bekamen, dass die Vorr\u00e4te m\u00f6glicherweise versiegen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Als dann aber das ganze Ausma\u00df des Deals ans Tageslicht kam, drehte sich die Stimmung wieder in Richtung Angst und Wut. Viele ArbeiterInnen und junge Leute waren geschockt und fassungslos, als sie begriffen, dass den zyprischen ArbeiterInnen extrem harte Zeiten bevorstehen w\u00fcrden. Die Privatisierungen und Vernichtung von Arbeitspl\u00e4tzen sowie der zu erwartende schnelle Niedergang des Bankensektors w\u00fcrde die Wirtschaft des Landes abschmieren lassen. Viele Kleingewerbe und Dienstleistungsbetriebe, die von der Finanzwirtschaft abh\u00e4ngen, w\u00fcrden mit in den Sog gerissen und abgewickelt werden m\u00fcssen. Auch k\u00f6nnte Zypern als ehedem beliebtes Touristenziel an Attraktion verlieren. Der Sprecher der Finanzausschusses im zyprischen Parlament, Nikolas Papadopolous, gestand ein, dass Zypern \u201eauf eine tiefe Rezession, hohe Arbeitslosigkeit\u201c zugehe.<\/p>\n<p><strong>Sollte Zypern aus dem Euro aussteigen und zum Pfund zur\u00fcckkehren?<\/strong><\/p>\n<p>Viele ZyprerInnen unterst\u00fctzen die Idee, die Eurozone zu verlassen und die Schikanen einer nie gew\u00e4hlten Troika zur\u00fcckzuweisen, um damit zum zyprischen Pfund zur\u00fcckzukehren. Ende M\u00e4rz sagten 67 Prozent in einer Umfrage, dass sie aus dem Euro aussteigen wollen (43,7 Prozent waren dabei \u201eabsolut sicher\u201c und 23,6 Prozent \u201esicher\u201c). Hilfe solle man sich demnach woanders holen, z.B. von Russland. Zypern hat sich erst Anfang 2008 der Eurozone angeschlossen, weshalb die ZyprerInnen diese W\u00e4hrung ausschlie\u00dflich mit einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise in Verbindung bringen. Viele ZyprerInnen betrachten das zyprische Pfund auch als eine W\u00e4hrung, die f\u00fcr bessere Zeiten steht. Sie sehen in der Verbindung zur EU und der Eurozone nur einen Teil der Auslandsbeziehungen des Landes. Schlie\u00dflich gibt es historische, kulturelle und wirtschaftliche Verkn\u00fcpfungen auch zu Gro\u00dfbritannien, dem Nahen Osten und beispielsweise zu Russland.<\/p>\n<p>Ist eine R\u00fcckkehr zum Pfund f\u00fcr die arbeitenden Menschen aber wirklich eine L\u00f6sung? Sicherlich ist es sinnvoll, die Kontrolle \u00fcber die eigene W\u00e4hrung zu haben. Damit ist sichergestellt, dass die eigene Regierung Geld drucken kann, den akuten Bedarf der eigenen Volkswirtschaft zu decken, Haushaltsdefizite zu \u00fcberbr\u00fccken und liquide Mittel in die Wirtschaft zu pumpen, all die Dinge zu tun, gegen die sich die EZB best\u00e4ndig wehrt. W\u00e4hrungsabwertungen verbilligen auch Exporte. Aber f\u00fcr all solche Ma\u00dfnahmen zahlt man auch einen Preis: teurere Importe, Inflationsanstieg und Fall der Lebensstandards. Wenn das kleine Zypern mit einer geschw\u00e4chten Volkswirtschaft die Eurozone verlassen w\u00fcrde, gesch\u00e4he dies in einem Europa am rande der wirtschaftlichen Depression mit schrumpfenden M\u00e4rkten.<\/p>\n<p>Die \u201eNeue Internationalistische Linke\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Zypern) sympathisiert mit dem allgemeinen Gef\u00fchl der Masse der Bev\u00f6lkerung, dass der Euro das Land ins Desaster gef\u00fchrt hat und deshalb verlassen werden sollte. SozialistInnen wollen den Euro der Bosse und die Austerit\u00e4t ebenfalls loswerden. Aber wir erkl\u00e4ren auch, dass ein Austritt aus dem Euro alleine, auf der Basis des Kapitalismus, keine L\u00f6sung f\u00fcr die arbeitenden Menschen darstellen wird. Ein Austritt aus dem Euro w\u00e4re f\u00fcr Zypern nur eine Hilfe zum wirtschaftlichen Wiederaufbau, wenn gleichzeitig ein sozialistisches Programm zur Umgestaltung der ruinierten Wirtschaft umgesetzt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das bedeutet, die Kontrolle, das Eigentum und die Verwaltung der Banken durch eine Verstaatlichung unter Arbeiterkontrolle und -verwaltung in die H\u00e4nde der Gesellschaft zu geben, sowie ein Ende der Schuldenzahlungen. Das ist der einzige Weg, den Boden f\u00fcr Wirtschaftswachstum zu bereiten.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Widerstand gegen die Troika?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab Demonstrationen der Gewerkschaft der Bankangestellten vor dem Parlament. Aber die rechte F\u00fchrung der Gewerkschaft hat einen f\u00fcr den 26. M\u00e4rz geplanten Streik wieder abgesagt. Sie begr\u00fcndete dies mit \u201eZusicherungen\u201c der Regierung, dass jeglicher Arbeitsplatzabbau \u201efreiwillig\u201c sein wird und die Rentenanspr\u00fcche der Bankangestellten gesichert seien. Es ist unglaublich, dass die Gewerkschaftsf\u00fchrung Vertrauen in eine Regierung hat, die gerade erst dem Troika-Diktat zugestimmt hat!<\/p>\n<p>Die Neue Internationalistische Linke spricht sich gegen jeglichen Arbeitsplatzverlust f\u00fcr Bankangestellte und f\u00fcr die Sicherung alles Rentenanspr\u00fcche aus. Weder Bankangestellte noch andere ArbeiterInnen sollten f\u00fcr die Krise der Eurozone und das System der Superreichen zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u00dcber 2.000 Sch\u00fclerInnen haben gegen den Troika-Deal demonstriert und am 27. M\u00e4rz gab es einen Protest von 3.000 Menschen, der von der \u201eBewegung gegen Privatisierung und Austerit\u00e4t\u201c organisiert wurde. An dieser Bewegung sind Gruppen und Gewerkschaften der AKEL und andere linke Organisationen, einschlie\u00dflich der Neuen Internationalistischen Linken, beteiligt.<\/p>\n<p>Sehr viel kleinere Proteste wurden von den Nationalisten und Faschisten organisiert. Diese haben keine signifikante Unterst\u00fctzung, aber versuchen sich entlang des Beispiels der griechischen Goldenen Morgenr\u00f6te aufzubauen. Das ist eine Warnung f\u00fcr die zyprische Arbeiterklasse. Wenn die Linke das politische Vakuum nicht f\u00fcllen kann, werden die Faschisten auch in Zypern wachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bisher sind die Aktionen der Gewerkschaften nicht koordiniert und sehen keine Streikma\u00dfnahmen gegen die Angriffe der Troika vor. Die Gewerkscahften, Jugend- und Studierendenorganisationen, Anti-Austerit\u00e4tskampagnen und linke Parteien m\u00fcssen den Kampf aber koordinieren. Sie sollten Massenversammlungen auf lokaler und nationaler Ebene einberufen um einen massenhaften Kampf gegen die K\u00fcrzungen vorzubereiten und eine alternative Politik entsprechend der Interessen der arbeitenden Bev\u00f6lkerung zu diskutieren, Massendemonstrationen und anhaltende Streiks sind der einzige Weg, Widerstand zu organisieren.<\/p>\n<p><strong>Bis zum Februar war Dimitris Christofias von der AKEL Pr\u00e4sident Zyperns. Was macht die AKEL jetzt?<\/strong><\/p>\n<p>AKEL ist die wichtigste linke Partei, stellt aber keine F\u00fchrung f\u00fcr die Arbeiterklasse dar. Sie hat Proteste vor dem Parlament organisiert, aber pr\u00e4sentiert keine wirkliche Alternative. Sie sagt \u201eNein zur Troika!\u201c und \u201eNein zum Memorandum!\u201c, aber das reicht nicht um die Interessen der Arbeiterklasse zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<p>Abgeordnete der AKEL enthielten sich bei der Abstimmung am 22. M\u00e4rz zur Abgabe von Bankeinlagen, stimmten aber f\u00fcr Kapitalverkehrskontrollen und den sogenannten \u201eSolidarit\u00e4tsfonds\u201c. AKEL-F\u00fchrer sagen, sie \u201ewollen den Pr\u00e4sidenten in Zeiten der Krise nicht angreifen\u201c!<\/p>\n<p>Die Partei sagt, sie habe ein 15-Punkte-Programm, dass sie bisher aber nicht \u00f6ffentlich gemacht hat, sondern nur dem Pr\u00e4sidenten unterbreitet hat. Da sie aber w\u00e4hrend ihrer Pr\u00e4sidentschaft keine sozialistische Politik umgesetzt hat, ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieser 15-Punkte-Plan eine radikale Abkehr vom krisengesch\u00fcttelten Kapitalismus bedeutet. Die Parteif\u00fchrung unterst\u00fctzte den Eintritt in die Euro-Zone und verteidigt diese immer noch. Unter dem Druck der Bev\u00f6lkerung fordert die Partei aber eine Volksabstimmung zum Troika-Deal, ohne jedoch ernsthaft daf\u00fcr eine Kampagne durchzuf\u00fchren. Die AKEL-F\u00fchrung agiert aber wesentlich als \u201everantwortliche\u201c Opposition zur rechten, arbeiterfeindlichen Regierung. Andere, kleinere linke Kr\u00e4fte, wie ERAS, gehen weiter als AKEL und stellen Forderungen nach Verstaatlichung und h\u00f6herer Besteuerung der Reichen auf, ohne jedoch ein umfassendes sozialistisches Programm zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Was fordert die Neue Internationalistische Linke?<\/strong><\/p>\n<p>Wir fordern eine L\u00f6sung auf Basis der Bed\u00fcrfnisse der arbeitenden Bev\u00f6lkerung: Streichung der Schulden; Verstaatlichung der Banken und Arbeiterkontrolle und -verwaltung im Interesse der gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnisse. Wir fordern eine Garantie f\u00fcr die kleinen Bankeinlagen, Rentenanspr\u00fcche und eine Streichung der Privatschulden der arbeitenden Menschen, nicht aber der Konzerne.<\/p>\n<p>Ein solches Programm, das eine Zur\u00fcckweisung der Forderungen der Troika bedeutet, w\u00fcrde sofort die Frage der W\u00e4hrung aufwerfen. Eine Arbeiterregierung m\u00fcsste br\u00e4uchte einen Plan f\u00fcr einen Exit aus dem Euro und die Wiedereinf\u00fchrung einer nationalen W\u00e4hrung, ohne damit jedoch die Illusion zu verbreiten, dass dies alleine auf der Basis des Kapitalismus eine L\u00f6sung darstellen k\u00f6nnte, sondern dass eine solche Ma\u00dfnahme Teile eines sozialistischen und internationalistischen Programms sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Wir sagen auch: Nein zu Privatisierungen! Besteuert die Superreichen! Enteignet den enormen Reichtum der Gangster-Oligarchen und der superreichen zyprischen Elite! F\u00fcr die \u00dcberf\u00fchrung der wichtigen Industrien und Firmen in \u00f6ffentliches Eigentum, um die Wirtschaft demokratisch entsprechend der Bed\u00fcrfnisse der Mehrheit planen zu k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Wir treten f\u00fcr unmittelbare staatliche Ma\u00dfnahmen ein, wie f\u00fcr finanzielle Subventionen und billige Kredite f\u00fcr Kleinunternehmen und kleine Landwirte, um diesen wichtigen Sektor der zyprischen Wirtschaft und die dort vorhandenen Arbeitspl\u00e4tze zu retten. Von Schlie\u00dfung bedrohte Kleinunternehmen k\u00f6nnten in Form demokratischer Genossenschaften reorganisiert werden, bei Garantie gewerkschaftlicher rechte und eines Mindestlohns, der zum Leben reicht.<\/p>\n<p>Wir rufen die zyprischen ArbeiterInnen auf, sich mit den Arbeiterbewegungen in Griechenland und dem Rest Europas zu verbinden. Das sind unsere wirklichen Verb\u00fcndeten, nicht die herrschenden Klassen und Regierungen der EU. Es muss eine neue, starke Linke in Zypern aufgebaut werden, die das Ziel haben muss eine Regierung im Interesse der arbeitenden Menschen zu bilden. Die zyprische Gesellschaft steht vor einer verzweifelten Situation: nur eine mutiges, internationalistisches und revolution\u00e4res Programm kann die Krise im Interesse der Massen l\u00f6sen. Es wird zu gro\u00dfen Klassenk\u00e4mpfen in den n\u00e4chsten Monaten und Jahren kommen, die der Linken die M\u00f6glichkeit geben werden sich aufzubauen und auf der Basis eines sozialistischen Programms um die Macht zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4re eine Arbeiterregierung nicht isoliert?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Arbeiterregierung w\u00fcrde vom europ\u00e4ischen Kapitalismus mit Feindseligkeit begegnet und aus dem Euro und der EU geworfen werden. Sie m\u00fcsste sofort Kapitalverkehrskontrollen einf\u00fchren, um einen weiteren Kapitalabfluss zu verhindern. Auf der Basis einer demokratisch geplanten Wirtschaft und einem Au\u00dfenhandelsmonopol, k\u00f6nnte eine Arbeiterregierung ein Notprogramm starten, das auch massive Investitionen in das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen, das Bildungssystem und das Sozialwesen enthalten w\u00fcrde, um Vollbesch\u00e4ftigung zu erreichen.<\/p>\n<p>Wir denken aber nicht, dass das kleine Zypern dann ganz alleine gegen einen feindseligen europ\u00e4ischen Kapitalismus stehen w\u00fcrde. ArbeiterInnen in ganz Europa haben gejubelt, als das zyprische Parlament gezwungen war, das erste Paket der Troika abzulehnen. Man kann sich vorstellen, wie positiv die ArbeiterInnen in Europa auf einen Arbeiterstaat in Zypern reagieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ein sozialistisches Zypern h\u00e4tte eine gro\u00dfe Anziehungskraft f\u00fcr die Arbeiterklasse und die Armen in ganz Europa. In Griechenland und den anderen krisengesch\u00fcttelten L\u00e4ndern wie Spanien, Portugal, Italien und Irland w\u00fcrden ArbeiterInnen sofort reagieren. Das w\u00fcrde den Weg bereiten f\u00fcr gemeinsame K\u00e4mpfe der arbeitenden Bev\u00f6lkerung Europas gegen Austerit\u00e4t und die Herrschaft des Kapitals. Das k\u00f6nnte den Kampf auf eine h\u00f6here Ebene heben: f\u00fcr die Schaffung einer Konf\u00f6deration sozialistischer Staaten. Die demokratisch w\u00e4re und auf Gleichberechtigung basieren w\u00fcrde \u2013 anders als die wie eine Zwangsjacke wirkende Eurozone, die von den gro\u00dfen kapitalistischen Nationen dominiert wird.<\/p>\n<p><em>Athina Kariati lebt in Nikosia und ist Mitglied der Neuen Internationalistischen Linken, der zyprischen Sektion des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale. Das Interview erschien in einer l\u00e4ngeren Fassung am 31. M\u00e4rz 2013 auf www.socialistworld.net<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Athina Kariati von der \u201eNeuen Internationalistischen Linken\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24547,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[123,44],"tags":[327,279],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24546"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24546"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24546\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24547"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24546"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24546"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24546"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}