{"id":24021,"date":"2013-03-03T09:00:20","date_gmt":"2013-03-03T08:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=24021"},"modified":"2013-02-28T18:03:47","modified_gmt":"2013-02-28T17:03:47","slug":"ohne-streiks-waeren-wir-nicht-so-weit-gekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/03\/ohne-streiks-waeren-wir-nicht-so-weit-gekommen\/","title":{"rendered":"\u201eOhne Streiks w\u00e4ren wir nicht so weit gekommen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-24054\" alt=\"Carsten Becker\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/CarstenBecker.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Arbeitsk\u00e4mpfe an Berliner Charit\u00e9 haben Gewerkschaft gest\u00e4rkt. Nun steht ein neuer Konflikt an. Ein Gespr\u00e4ch mit Carsten Becker, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe am Uniklinikum Charit\u00e9*<\/p>\n<p><strong>Du sprichst auf der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ver.di Stuttgart organisierten Konferenz \u201eErneuerung durch Streik\u201c. Inwiefern ist die Charit\u00e9 ein Beispiel daf\u00fcr, dass sich die Gewerkschaften im Zuge von Arbeitsk\u00e4mpfen revitalisieren k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>An der Charit\u00e9 besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen erfolgreichen Arbeitsk\u00e4mpfen und der Entwicklung gewerkschaftlicher St\u00e4rke. Noch vor einigen Jahren sah es bei uns ziemlich \u00fcbel aus: Wegen der Tarifflucht des Landes Berlin galten die Tarifvertr\u00e4ge auch an der Charit\u00e9 nur noch in der Nachwirkung. Neue Arbeitsvertr\u00e4ge wurden zu deutlich schlechteren Konditionen abgeschlossen. Die gewerkschaftlichen Strukturen an dem aus der Fusion der Krankenh\u00e4user Charit\u00e9, Benjamin Franklin und Virchow hervorgegangenen Uniklinikum waren schwach und zerstritten, der Organisationsgrad niedrig.<\/p>\n<p>Heute ist die Situation v\u00f6llig anders: Wir haben die Tarifbindung erk\u00e4mpft und sind in Sachen tariflicher Gesundheitsschutz und Personalbemessung sogar Vorreiter. Die ver.di-Betriebsgruppe ist sehr lebendig und st\u00fctzt sich auf einen guten Kern von Aktivistinnen und Aktivisten. Ohne die Streiks von 2006 und 2011 w\u00e4ren wir sicherlich nicht so weit gekommen.<\/p>\n<p><strong>H\u00f6rt sich an, als h\u00e4tte man den Arbeitskampf 2006 angesichts der eigenen Schw\u00e4che eigentlich gar nicht beginnen d\u00fcrfen. Warum habt ihr es dennoch gewagt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir hatten gar keine andere Wahl. Um uns herum wurde ein Absenkungstarifvertrag nach dem anderen abgeschlossen: im Landesdienst, beim kommunalen Klinikkonzern Vivantes, selbst bei der hoch organisierten BVG. Uns war klar, dass auch wir ohne Streik Lohnk\u00fcrzungen hinnehmen m\u00fcssten. Um das zu verhindern, mussten wir in den Arbeitskampf gehen. Das, obwohl selbst bei den ver.di-Hauptamtlichen kaum einer Streikerfahrung hatte.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem war der Streik erfolgreich?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben rausgeholt, was unter den Bedingungen m\u00f6glich war. Insbesondere in einigen OP-Bereichen wurde der Streikaufruf gut befolgt, was die Klinikleitung \u00f6konomisch unter Druck setzte. Der Vorstand gestand uns schlie\u00dflich einen Tarifvertrag zu, der allerdings unter dem Niveau des Fl\u00e4chentarifs lag und au\u00dferdem eine sehr lange Laufzeit hatte.<\/p>\n<p><strong>Der Streik 2011 verlief deutlich erfolgreicher.<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Wir begannen sehr fr\u00fchzeitig mit den Vorbereitungen, gingen immer wieder in die Abteilungen und redeten mit den Kolleginnen und Kollegen. Dieses Mal beschr\u00e4nkten sich die Arbeitsniederlegungen nicht auf die OPs. Wir schafften es, auch die Stationspflege massiv einzubeziehen \u2013 das hatte es vorher so noch nicht gegeben. 90 Prozent der OPs mussten im Verlauf des einw\u00f6chigen Streiks abgesagt und fast die H\u00e4lfte der Betten geschlossen werden. Der Arbeitskampf entwickelte eine unglaubliche Dynamik.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Neben der Streikstrategie hatte das sicher auch mit unseren klaren und ambitionierten Forderungen zu tun. Unsere Parole war: \u201e300 Jahre, 300 Euro.\u201c Zum 300-j\u00e4hrigen Bestehen der Charit\u00e9 sollte es f\u00fcr alle 300 Euro mehr im Monat geben. Am Ende haben wir 200 Euro mehr in zwei Jahren und eine schrittweise Angleichung an das Niveau des Fl\u00e4chentarifvertrags erreicht. Wegen der Erh\u00f6hung von Zulagen erhielten viele Kollegen, insbesondere aus der Pflege, tats\u00e4chlich 300 Euro mehr. Ein gro\u00dfer Erfolg war auch, dass wir die tariflichen Unterschiede zwischen Ost und West endlich vollst\u00e4ndig beseitigen konnten.<\/p>\n<p>Das wichtigste aber war, dass sehr viele Kollegen im Streik ihre eigene Kraft erkannt haben und daraus Mut f\u00fcr die aktuellen Auseinandersetzungen sch\u00f6pfen. Unser Motto war das des irischen Gewerkschafters James Connolly: \u201eDie M\u00e4chtigen erscheinen nur gro\u00df, weil wir auf unseren Knien sind. Lasst uns aufstehen.\u201c Das haben wir getan.<\/p>\n<p><strong>Auch in diesem Jahr gibt es an der Charit\u00e9 eine Tarifauseinandersetzung. Worum geht es?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben uns vorgenommen, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erreichen. Konkret fordern wir Tarifvertr\u00e4ge zum Gesundheitsschutz, zur Sicherstellung der Ausbildungsqualit\u00e4t und zur Personalbemessung. Letzteres hei\u00dft, dass wir personelle Mindeststandards tariflich festschreiben wollen. Das w\u00e4re bundesweit ein Novum und ist wohl kaum ohne Streik zu erreichen \u2013 aber so kommen wir gar nicht erst aus der \u00dcbung.<\/p>\n<p><em>(*Angabe der Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gespr\u00e4ch mit Carsten Becker, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe am Uniklinikum Charit\u00e9*<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24054,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[291,308],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24021"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24021"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24021\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24054"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}