{"id":24014,"date":"2013-03-26T15:24:13","date_gmt":"2013-03-26T14:24:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=24014"},"modified":"2013-03-25T10:40:29","modified_gmt":"2013-03-25T09:40:29","slug":"fuer-ein-menschenwuerdiges-auskommen-im-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/03\/fuer-ein-menschenwuerdiges-auskommen-im-alter\/","title":{"rendered":"F\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Auskommen im Alter"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24063\" aria-describedby=\"caption-attachment-24063\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/4551652007_fb9ee1d97f_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-24063\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/w-tommerdich\/ CC BY-NC-SA 2.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/4551652007_fb9ee1d97f_o-e1362071747514-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/4551652007_fb9ee1d97f_o-e1362071747514-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/4551652007_fb9ee1d97f_o-e1362071747514-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/4551652007_fb9ee1d97f_o-e1362071747514-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/4551652007_fb9ee1d97f_o-e1362071747514.jpg 1121w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24063\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/w-tommerdich\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Durch eine Vielzahl gesetzlicher Eingriffe in den vergangenen zehn Jahren wird die gesetzliche Rente bis zum Jahr 2030 um insgesamt bis zu 30 Prozent zusammengek\u00fcrzt. Wer 35 oder 40 Jahre ohne Unterbrechung einen Durchschnittslohn verdient hat, bekommt dann gerade mal eine Rente von 660 Euro im Monat.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Holger Dr\u00f6ge, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Aber Probleme gibt es auch jetzt schon: So m\u00fcssen zum Beispiel 120.000 Menschen \u00fcber 75 Jahre zus\u00e4tzlich zu ihrer Rente einen Mini-Job aus\u00fcben, um leben zu k\u00f6nnen. Fast 800.000 Menschen beziehen Grundsicherung im Alter oder aufgrund von Erwerbsminderung. Das wird genutzt, um die Privatisierung der Rentenvorsorge voranzutreiben, die die L\u00f6sung sein soll.<\/p>\n<p>Doch dabei kann es ganz einfach sein: Wer nur acht Jahre im Deutschen Bundestag verbracht hat, sichert sich bereits eine Rente von 1.682 Euro pro Monat, leitende BeamtInnen der Europ\u00e4ischen Union kommen ohne Weiteres auf einen Anspruch von mehr als 4.000 Euro pro Monat.<\/p>\n<h4>Ursachen f\u00fcr die Krise der Rentenkassen<\/h4>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Krise der Rentenkassen liegen nicht am \u201edemografischen Faktor\u201c. Alle Sch\u00e4tzungen der Vergangenheit haben daneben gelegen: Wer das 1950 f\u00fcr das Jahr 2000 getan h\u00e4tte, h\u00e4tte daneben gelegen. Denn Wiedervereinigung, Pillenknick und vermehrte Single-Haushalte h\u00e4tte er nie vorhersagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber vor allem m\u00fcssten wir alle verhungern, wenn die Kopfzahl-Theorie stimmen w\u00fcrde: Heute versorgt ein Bauer in Deutschland etwa 80 Menschen, w\u00e4hrend es 1900 nur drei waren. Solange die Arbeitsproduktivit\u00e4t steigt, ist die Zunahme \u00e4lterer Menschen ohne Weiteres finanzierbar. Der j\u00e4hrlich erwirtschaftete Reichtum, das Bruttosozialprodukt, hat sich seit 1950 versiebenfacht, obwohl 20 Prozent weniger Arbeitsstunden geleistet werden.<\/p>\n<p>Die Arbeitgeber verbreiten ihre L\u00fcgen nur, um die Finanzierung der sogenannten Lohnnebenkosten (die in Wirklichkeit nichts anderes sind als Lohnkosten, die zur Aufrechterhaltung der Arbeitskraft dienen) zu Lasten der Besch\u00e4ftigten zu verschieben.<\/p>\n<h4>Das Gesch\u00e4ft mit dem Alter<\/h4>\n<p>Aber die Demografie-L\u00fcge lohnt sich f\u00fcr die private Versicherungswirtschaft, Banken und Finanzdienstleister. Denn die Horrorszenarien sollen die Leute in die private Altersvorsorge treiben und gleichzeitig den Kern der Rentenfrage verbergen. N\u00e4mlich: Wie soll der erwirtschaftete Reichtum in Deutschland zwischen Lohnabh\u00e4ngigen und Kapital verteilt werden? Seit 1950 stiegen die Einkommen aus Unternehmen und Verm\u00f6gen um das 11,5-fache, w\u00e4hrend sich die L\u00f6hne der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten nur verdreifachten. Das macht deutlich, dass eine grundlegende Alternative zur heutigen Rentenpolitik notwendig ist.<\/p>\n<h4>Ein sozialistisches Rentenprogramm<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1.) Lebensstandard im Alter sichern<\/strong><\/p>\n<p>Die SAV ist der Meinung, dass die Rente f\u00fcr ein vern\u00fcnftiges und menschenw\u00fcrdiges Leben reichen muss. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, soll im Alter nicht auf Almosen angewiesen sein.<\/p>\n<ul>\n<li>Monatliche Mindestrente von 750 Euro plus Warmmiete<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Sofortige Erh\u00f6hung des allgemeinen gesetzlichen Rentenniveaus auf 57 Prozent (OECD-Durchschnitt) als erster Schritt hin zu 75 Prozent<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Versorgungsniveau, das die gesetzliche Rentenversicherung Besch\u00e4ftigten mit durchschnittlichem oder niedrigem Einkommen bietet, liegt in Deutschland deutlich unter dem Niveau anderer OECD-L\u00e4nder. So betr\u00e4gt die Brutto-Ersatzrate, die von der \u201eOrganisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung\u201c (OECD) f\u00fcr internationale Vergleiche berechnet wird, bei deutschen Durchschnittsverdienern derzeit lediglich 42 Prozent, gemessen am durchschnittlichen Einkommen. Im OECD-Durchschnitt erreichen vergleichbare Versicherte hingegen eine Ersatzrate von gut 57 Prozent. Beim Alterssicherungsniveau von GeringverdienerInnen rangiert Deutschland unter den 34 OECD-Mitgliedern sogar an letzter Stelle.<\/p>\n<p>Nach den bisherigen Beschl\u00fcssen zur Rentenpolitik soll das Rentenniveau weiter deutlich sinken, brutto wie netto. So lag das Brutto-Rentenniveau 2003 bei 48 Prozent. Nach Berechnungen des \u201eSachverst\u00e4ndigenrates\u201c wird es bis 2030 selbst f\u00fcr einen Standardrentner mit 45 Versicherungsjahren auf nur noch rund 40 Prozent sinken. Das Netto-Rentenniveau \u2013 nach Abzug der Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge, vor Steuern \u2013 betr\u00e4gt derzeit 50,4 Prozent. Nach amtlichen Sch\u00e4tzungen sinkt es bis zum Jahr 2025 auf 46,2 Prozent (Report vom \u201eInstitut f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung\u201c Nr. 73, September 2012).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2.) Nein zur Rente mit 67 \u2013 stattdessen Senkung des Renteneinstiegsalters auf 60 Jahre<\/strong><\/p>\n<p>Die Rente mit 67 Jahren wird nicht das Ende der Rentenk\u00fcrzungen sein. Schon jetzt wird vereinzelt \u00fcber die Rente mit 70 Jahren diskutiert. Die Erh\u00f6hung des Rentenalters dient nur dazu, die Renten weiter abzusenken. Wer zum Beispiel mit 60 Jahren in Rente geht, weil er eh arbeitslos war, erh\u00e4lt dann Abz\u00fcge (0,3 Prozent weniger Rente pro Monat, den man fr\u00fcher in Rente geht) f\u00fcr sieben statt f\u00fcr f\u00fcnf Jahre.<\/p>\n<p>Aber vor allem hat der Arbeitsdruck in den Betrieben enorm zugenommen. Durch Arbeitszeitverl\u00e4ngerung auf 40 oder mehr Stunden wird der Druck weiter erh\u00f6ht. Schon heute stirbt ein Drittel aller ArbeiterInnen vor Erreichen des Rentenalters. Die Antwort darauf ist nicht l\u00e4nger arbeiten, sondern k\u00fcrzer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3.) Erwerbsminderungsrente erh\u00f6hen<\/strong><\/p>\n<p>Wer aufgrund gesundheitlicher Einschr\u00e4nkungen dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr oder h\u00f6chstens noch teilweise zur Verf\u00fcgung steht, kann eine Erwerbsminderungsrente beziehen. Doch die reicht nicht zum Leben. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente lag im Rentenzugang 2010 bei gerade einmal 600 Euro. Hier ist eine Erh\u00f6hung auf das Ma\u00df der Mindestrente und der Zurechnungszeiten dringend notwendig, vor allem damit auf die Erwerbsminderungsrente nicht die Armutsrente ab 67 Jahre folgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4.) Frauenrenten verbessern<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem Frauen sind von niedrigen Renten und Armut im Alter betroffen. Zwei Drittel der BezieherInnen von Grundsicherung sind Frauen, denn sie haben deutlich niedrigere Renten als M\u00e4nner. Die monatliche Durchschnittsrente von Frauen liegt im Westen bei kl\u00e4glichen 477 Euro und damit um fast 500 Euro unter der der M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Frauen erreichen die Standardrente so gut wie gar nicht \u2013 weil sie meist unter dem Durchschnitt verdienen und wegen Kindererziehungszeiten \u2013 auch wegen fehlender Betreuungseinrichtungen \u2013 h\u00e4ufig unterbrochene Erwerbsbiografien mit k\u00fcrzeren Beitragszeiten als M\u00e4nner haben, also nicht auf 45 Beitragsjahre kommen. Zum anderen \u00fcbernehmen Frauen meistens die famili\u00e4re Pflege von Angeh\u00f6rigen, was sich wiederum in mangelnden Rentenanspr\u00fcchen bemerkbar macht. Gleichzeitig verdienen Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger als M\u00e4nner. Frauen sind besonders h\u00e4ufig prek\u00e4r besch\u00e4ftigt. Bei den Mini-Jobs, in denen kaum Rentenanspr\u00fcche erworben werden, stellen sie knapp zwei Drittel der Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Alterssicherung von Frauen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eigenst\u00e4ndige Rentenanspr\u00fcche von Frauen m\u00fcssen Vorrang haben vor abgeleiteten Anspr\u00fcchen (zum Beispiel Witwenrente), die an die Ehe oder die eingetragene Partnerschaft gebunden sind. Dass Frauen heute nicht mehrheitlich auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, liegt daran, dass viele von der Rente des Partners leben oder \u00fcber die Hinterbliebenenversorgung Anspr\u00fcche auf Witwenrente haben. Diese Abh\u00e4ngigkeit von der Rente des Partners \u2013 aus Gr\u00fcnden der Eigenst\u00e4ndigkeit eh abzulehnen \u2013 wird zunehmend zum Problem, da durch die Rentenreformen der letzten Jahre die Hinterbliebenenversorgung stark gek\u00fcrzt worden ist und auch die Renten der M\u00e4nner sinken.<\/p>\n<ul>\n<li>Gleicher Lohn f\u00fcr gleichwertige Arbeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr Ma\u00dfnahmen zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Deutliche Lohnerh\u00f6hungen in frauendominierten Branchen. H\u00f6here L\u00f6hne bedeuten h\u00f6here Renten. Darum ist die Umwandlung von prek\u00e4ren Jobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverh\u00e4ltnisse erforderlich.<\/p>\n<ul>\n<li>H\u00f6herwertung niedriger Einkommen bei der Rentenberechnung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus Einkommen unter dem Durchschnittslohn sollen sich h\u00f6here Rentenanspr\u00fcche pro 100 Euro Einkommen pro Jahr ergeben, um zumindest die Rente in Richtung der Durchschnittsrente zu erh\u00f6hen. Dies nutzt vor allem Frauen und leistet damit einen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung von Frauenarmut.<\/p>\n<ul>\n<li>H\u00f6here Rentenanspr\u00fcche f\u00fcr Kindererziehung und Pflege und eine Ausweitung der Anrechnung von Erziehungszeiten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kindererziehung ist nach wie vor \u00fcberwiegend Frauensache. Das muss sich \u00e4ndern. Unmittelbar gilt es jedoch die \u00f6konomische Benachteiligung auszugleichen. Neben dem Ausbau der Kinderbetreuung geh\u00f6rt dazu auch, dass f\u00fcr vor dem 1. Januar 1992 geborene Kinder der Mutter (oder dem Vater) f\u00fcr die ersten drei Lebensjahre eines Kindes pro Jahr Erziehungszeiten in H\u00f6he des Durchschnittseinkommens aller Versicherten gutgeschrieben werden. Sind beide Eltern erwerbst\u00e4tig und betreuen Kinder, werden die Anspr\u00fcche auf beide aufgeteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5.) Sicherung der Rehabilitationsleistungen der Rentenversicherung<\/strong><\/p>\n<p>Fast zwei Millionen Menschen stellen j\u00e4hrlich Antr\u00e4ge auf Leistungen zur Wiederherstellung oder Erhaltung ihrer Gesundheit. Seit 1997 sind die finanziellen Mittel, die von der Deutschen Rentenversicherung in einem Jahr f\u00fcr Rehabilitationsleistungen ausgegeben werden k\u00f6nnen, durch ein Budget begrenzt. Doch seit mehreren Jahren wird dieses Reha-Budget ausgesch\u00f6pft und inzwischen droht gar eine \u00dcberschreitung. Es zeigt sich, dass eine Dynamisierung des Reha-Budgets allein auf der Basis der Lohnentwicklung bei sinkenden L\u00f6hnen nicht ausreicht, da sonst vielen Menschen notwendige Leistungen verwehrt bleiben. Daher ist ein zus\u00e4tzlicher Steuerzuschuss und die Aufhebung der gesetzlichen Begrenzung notwendig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>6.) Nein zur Privatrente \u2013 Altersvorsorge geh\u00f6rt nicht in Konzernhand<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Riester-Rente wurde die Teilprivatisierung der Rente eingef\u00fchrt. Die private Altersvorsorge soll herhalten, das Rentenniveau zu sichern. Doch nur einem Teil der Besch\u00e4ftigten gelingt dies auch. So schafft es etwa im untersten Einkommensbereich derzeit gerade einmal ein Viertel, durch einen Riester-Vertrag zus\u00e4tzlich f\u00fcr das Alter vorzusorgen. Und selbst wer immer vier Prozent seines Einkommens f\u00fcr eine gef\u00f6rderte Privatvorsorge aufwendet, kann zusammen mit der gesetzlichen Rente kein Rentenniveau mehr erreichen, wie dies bislang allein aus der gesetzlichen Rente m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Gleichzeitig war die Einf\u00fchrung der Riester-Rente ein Programm zur Steigerung der Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten. Denn wer \u201eriestert\u201c, erh\u00e4lt zwar einen kleinen staatlichen Zuschuss, aber anders als im gesetzlichen Alterssicherungssystem leisten die Arbeitgeber keinen Beitrag. So m\u00fcssen Besch\u00e4ftigte l\u00e4ngerfristig 15 Prozent ihres Bruttoeinkommens f\u00fcr ihre Altersvorsorge aufwenden: elf Prozent als h\u00e4lftigen Beitragssatz zur Gesetzlichen Rentenversicherung und vier Prozent f\u00fcr die private Vorsorge. Ohne Riester-Reform w\u00e4re der Rentenbeitragssatz bis 2030 auf rund 26 Prozent gestiegen. Die \u2013 h\u00e4lftige \u2013 Belastung f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten l\u00e4ge also nur bei 13 Prozent. Damit werden vor allem j\u00fcngere ArbeitnehmerInnen zur Kasse gebeten. Sie m\u00fcssen f\u00fcr die erg\u00e4nzende private Vorsorge mindestens doppelt so viel selbst ansparen, wie sie durch die Rentenreformen bei den Beitr\u00e4gen entlastet werden.<\/p>\n<p>Die private Altersvorsorge ist weder Alternative noch Erg\u00e4nzung zur gesetzlichen Rente. Sie hat vor allem die Gewinne von Banken und Versicherungen erh\u00f6ht. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) gelangte zu dem Ergebnis, dass bei im Jahr 2011 neu abgeschlossenen Vertr\u00e4gen die Versicherten mindestens 87 Jahre alt werden m\u00fcssten, um wenigstens ihre eigenen Einzahlungen und die staatlichen Zulagen wieder ausgezahlt zu bekommen \u2013 ohne jegliche Rendite.<\/p>\n<p>Gleichzeitig zeigt die Erfahrung mit privater Altersvorsorge: Sie ist gef\u00e4hrlich, brandgef\u00e4hrlich: Auf dem H\u00f6hepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 betrugen die Verluste kapitalgedeckter Rentenversicherungen im Durchschnitt der OECD-L\u00e4nder 23 Prozent. Auch Versicherungen in Deutschland verzeichneten, trotz vergleichsweise strenger Regulierung, ein Minus von \u00fcber acht Prozent. Doch mit der Euro-Krise kann es rasch d\u00fcster werden. Pleiten von Versicherungskonzernen sind m\u00f6glich. Enron und AIG sind Beispiele in den USA, wo Millionen bereits ihre Altersvorsorge verloren haben.<\/p>\n<ul>\n<li>Schluss mit der Subventionierung der Riester-Renten, stattdessen eine St\u00e4rkung der gesetzlichen Rentenversicherung.<\/li>\n<li>Entfernung des Riester-Faktors aus der Rentenformel.<\/li>\n<li>Aufl\u00f6sung aller bestehenden Riester-Vertr\u00e4ge bei Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Versicherten<\/li>\n<li>\u00dcberf\u00fchrung der Versicherungskonzerne in \u00f6ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>7.) Einnahmen der Rentenversicherung erh\u00f6hen<\/strong><\/p>\n<p>Um dieses Programm zu finanzieren, m\u00fcssen die Einnahmen der Rentenversicherung steigen. Einnahmesteigerungen zu Lasten der Versicherten (wie sie zum Beispiel der DGB vorschl\u00e4gt, weil er die \u201eDemografie-Frage\u201c akzeptiert) sind aber der falsche Weg. Stattdessen m\u00fcssen die erwirtschafteten Gewinne im Interesse der Sicherung des Lebensstandards der Mehrheit eingesetzt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Erhebung von Rentenbeitr\u00e4gen auf alle Einkommen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch wer Miete kassiert, von Honoraren lebt oder Kapitaleink\u00fcnfte bezieht, soll einen Beitrag zur Sozialversicherung leisten. Aber nicht nur die Einnahmen, die mit Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen belegt werden, m\u00fcssen erweitert werden, sondern auch die Abschaffung von Beitragsbemessungs- und Versichertenpflichtgrenzen ist notwendig. Wobei oberhalb der bisherigen Bemessungsgrenze zus\u00e4tzliche Rentenanspr\u00fcche nur noch unterproportional erworben werden sollten.<\/p>\n<p>Das bedeutet: Alle zahlen entsprechend ihrer Einkommen ein. Alle Einkommen werden verbeitragt. Alle sind versichert. Alle bekommen eine gute Absicherung im Alter. Sollten diese Einnahmen nicht reichen, sollte der bereits bestehende allgemeine Bundeszuschuss an die Rentenversicherung ausgebaut werden \u2013 finanziert durch eine st\u00e4rkere Besteuerung von Banken und Konzernen sowie der gro\u00dfen Verm\u00f6gen. Es darf keine Erh\u00f6hung \u00fcber eine indirekte Besteuerung (wie Mehrwert- und \u00d6kosteuer) geben.<\/p>\n<ul>\n<li>Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde als erster Schritt zu einem Mindestlohn von zw\u00f6lf Euro.<\/li>\n<li>Radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung zur Schaffung von sinnvollen Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr alle: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die L\u00f6hne m\u00fcssen steigen und die Arbeitslosigkeit bek\u00e4mpft werden. Stattdessen w\u00e4chst aber der Niedriglohnsektor, gibt es mehr Leiharbeit, Werkvertr\u00e4ge und Mini-Jobs und werden damit die Einnahmen der gesetzlichen Sozialversicherung untergraben. Notwendig ist die Umwandlung von Mini-Jobs in voll-sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Wie funktioniert das gesetzliche Rentensystem?<\/h4>\n<p>Das gegenw\u00e4rtige staatliche Rentensystem basiert auf dem Umlageverfahren. Das bedeutet: Die jetzt Erwerbst\u00e4tigen zahlen mit ihren Beitr\u00e4gen an die Deutsche Rentenversicherung die heutigen Renten.<\/p>\n<p>Die Rentenh\u00f6he ist vor allem an die im Laufe des Lebens eingezahlten Beitr\u00e4ge gebunden. Daf\u00fcr erhalten die BeitragszahlerInnen Entgeltpunkte gutgeschrieben. Wer genau so viel wie der Durchschnitt aller EinzahlerInnen (das Durchschnittsentgelt ist getrennt nach neuen und alten Bundesl\u00e4ndern) einzahlt, bekommt j\u00e4hrlich einen Entgeltpunkt. Zeiten der Kindererziehung werden (f\u00fcr Kinder, die vor und nach 1992 geboren wurden, unterschiedlich lang) wie Beitr\u00e4ge eines Durchschnittsverdieners angerechnet. Bei Arbeitslosigkeit wird ein Betrag durch die Arbeitsagentur eingezahlt.<\/p>\n<p>Die H\u00f6chstrente, das hei\u00dft die h\u00f6chste denkbar zu erreichende Rente, ergibt sich rechnerisch aus dem gesetzlich festgeschriebenen Maximalwert der j\u00e4hrlich zu erwerbenden Entgeltpunkte und der maximal m\u00f6glichen Einzahlungsdauer. Derzeit liegt die H\u00f6chstrente bei etwa 2.200 Euro brutto. Da jedoch kaum jemand sein Arbeitsleben fr\u00fchestm\u00f6glich und gleichzeitig mit dem h\u00f6chstm\u00f6glichen Einzahlungsbetrag beginnt, ist diese H\u00f6chstrente als Wert nur von theoretischem Interesse.<\/p>\n<p>Relevanter als Orientierung f\u00fcr das allgemeine Rentenniveau ist der sogenannte \u201eEckrentner\u201c, eine fiktive Person, die 45 Jahre lang aus einem Durchschnittseinkommen Beitr\u00e4ge bezahlt und somit Anspruch auf den Erhalt einer Eckrente erworben hat. Nicht verwechselt werden darf die Eckrente mit der Durchschnittsrente, welche von der Eckrente abweichen kann.<\/p>\n<p>Im Durchschnitt bekommen M\u00e4nner in den alten Bundesl\u00e4ndern derzeit eine gesetzliche Altersrente von 985 Euro, in den neuen Bundesl\u00e4ndern sind es 1.060 Euro. Frauen in Westdeutschland bekommen derzeit im Durchschnitt eine Altersrente von 490 Euro, in Ostdeutschland sind es 705 Euro.<\/p>\n<p>Seit dem Alterseink\u00fcnftegesetz von 2005 gibt es eine Neuerung in Sachen Besteuerung der Renten: Beitr\u00e4ge zur Altersvorsorge sollen nach und nach steuerfrei gestellt werden, bis sie ab 2025 komplett steuerlich abzugsf\u00e4hig sein sollen. Im Jahr 2012 betrug der steuerfreie Anteil der Beitr\u00e4ge bereits 74 Prozent, dieser Anteil steigt j\u00e4hrlich um zwei Prozent. Bei den ausgezahlten Renten entwickelt sich die Besteuerung genau anders herum: Der zu versteuernde Anteil wird j\u00e4hrlich f\u00fcr jede nachr\u00fcckende Rentnergeneration um zwei Prozent angehoben, ab 2021 nur noch um ein Prozent. So m\u00fcssen also Rentner, die im Jahr 2040 in Rente gehen, erstmals 100 Prozent ihrer Rente mit ihrem pers\u00f6nlichen Steuersatz versteuern.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind alle Angestellten und ArbeiterInnen (mit wenigen Ausnahmen) in der Gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Dies gilt auch f\u00fcr Auszubildende, Behinderte in anerkannten Behindertenwerkst\u00e4tten sowie Zivil- und Wehrdienstleistende. Die Beitr\u00e4ge werden jeweils zur H\u00e4lfte vom Besch\u00e4ftigten und vom Arbeitgeber an die Deutsche Rentenversicherung gezahlt, freiwillig Versicherte zahlen den Beitrag allein. Beitr\u00e4ge m\u00fcssen aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze gezahlt werden (2013: 69.600 Euro im Westen, 58.800 Euro im Osten). Wer mehr verdient, muss also nicht mehr als einen Maximalbeitrag in die Rentenkasse einzahlen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den Beitr\u00e4gen gibt es verschiedene Bundeszusch\u00fcsse in H\u00f6he von rund 81 Milliarden Euro zur Rentenversicherung. Das sind mittlerweile ein Drittel aller Einnahmen der Rentenversicherung. Damit werden jene Renten(anteile) bezahlt, denen keine Beitr\u00e4ge gegen\u00fcberstanden. Solche versicherungsfremden Leistungen beziehen sich etwa auf Kriegsfolgelasten, Zeiten f\u00fcr Kindererziehung oder arbeitsmarktbedingte Leistungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Rentenprogramm der SAV<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24063,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[112],"tags":[270,308],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24014"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24014"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24014\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24063"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24014"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24014"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24014"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}