{"id":23867,"date":"2013-02-12T17:10:00","date_gmt":"2013-02-12T16:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=23867"},"modified":"2013-02-13T10:50:36","modified_gmt":"2013-02-13T09:50:36","slug":"interview-mit-einem-streikfuehrer-der-subunternehmen-von-ford-in-genk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/02\/interview-mit-einem-streikfuehrer-der-subunternehmen-von-ford-in-genk\/","title":{"rendered":"Interview mit einem Streikf\u00fchrer der Subunternehmen von FORD in Genk"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/17ford7-e1358860672270.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-23601\" alt=\"Ford Genk\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/17ford7-e1358860672270-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/17ford7-e1358860672270-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/17ford7-e1358860672270-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/17ford7-e1358860672270.jpg 544w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Dieser Artikel erschien am 30. Januar auf fl\u00e4mischer Sprache auf socialisme.be<\/em><\/p>\n<p><strong>Nachdem FORD die Schlie\u00dfung des Werks in Genk angek\u00fcndigt hatte, setzte der Konzern noch alles daran, um dort einige weitere tausend Autos produziert zu bekommen. In erster Linie wurde dies wegen des konsequenten und best\u00e4ndigen Widerstands der Besch\u00e4ftigten bei den Subunternehmen offenbar. Diese f\u00fcrchten, vollends hinten \u00fcber zu fallen, wenn es um die Umsetzung eines sogenannten Sozialplans gehen wird, weshalb sie f\u00fcr den Erhalt ihrer Arbeitspl\u00e4tze aktiv wurden. Wir sprachen mit Salvatore, einem Kollegen, der federf\u00fchrend an diesem Streik teilnimmt.<\/strong><\/p>\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Els Deschoemacker, \u201eLinkse Socialistische Partij\u201c\/\u201eParti Socialiste de Lutte\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Belgien)<\/em><\/p>\n<p><strong>Ihr seid seit Montag, dem 21. Januar auf Druck einer einstweiligen Verf\u00fcgung wieder zur\u00fcck am Arbeitsplatz. Wie ist die Stimmung im Betrieb?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEs gibt viele Diskussionen. Viele fragen sich, was wir nun erreicht haben. Dabei haben wir durchaus was erreicht. Wir haben erzwingen k\u00f6nnen, dass wir ausbezahlt werden. Andernfalls w\u00e4ren wir nicht wieder an die Arbeit zur\u00fcckgekehrt. Wir kriegen die Streiktage als zus\u00e4tzliche Arbeitstage bezahlt, m\u00fcssen aber zwei Ausfalltage in Kauf nehmen. Wir haben alle ein sehr zwiegespaltenes Gef\u00fchl. Eigentlich wollten wir ja den ganzen ausstehenden Lohn, womit wir Ford keine Schmerzen zugef\u00fcgt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ein anderes Ergebnis ist, dass die Verhandlungen endlich angelaufen sind, mit denen sie eigentlich erst in sechs Monaten beginnen wollten. Mitte Februar muss ein Sozialplan auf dem Tisch liegen. Wenn das nicht der Fall ist, stoppen wir den Betrieb. Dies ist nicht nur unsere Entscheidung [des Aktionskomitees], sondern von allen Leuten im Betrieb. Dabei wei\u00df jede und jeder, dass wir dieselben Bedingungen wollen wie die Ford-ArbeiterInnen. Wir arbeiten genauso gut f\u00fcr Ford. F\u00fcr alle das Gleiche!\u201c<\/p>\n<p><strong>Wie denkt ihr, eure Forderung nach dem \u201eErhalt der Arbeitspl\u00e4tze oder Lohn bis 2020\u201c durchsetzen zu k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>\u201e2011 machte Ford einen Nettogewinn von neun Milliarden Euro. Um alle Angestellten und ArbeiterInnen bei Ford und den Zulieferbetrieben zu bezahlen \u2013 Urlaubsgeld usw. inbegriffen, musste man 1,2 Milliarden Euro aufwenden. Drei Wochen vor der Ank\u00fcndigung, dass das Werk geschlossen werden soll, wurde uns noch gesagt, dass Genk bestehen bleiben wird. Der Begriff \u201eAusnahme\u201c, von dem dabei auch die Rede war, und wonach diese Garantie nicht gelten soll, wenn es wirtschaftlich schlecht l\u00e4uft \u2013 war zu vage. Was hat sich in den letzten drei Wochen denn so Weltbewegendes ver\u00e4ndert? Sie haben uns immer wieder irgendwelche Dinge erz\u00e4hlt, um Zeit zu gewinnen. Wir fordern jetzt, dass den Worten Taten folgen.<\/p>\n<p><strong>Welche weiteren Pl\u00e4ne hat das Aktionskomitee?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir h\u00e4ngen alle von dieser Fabrik ab. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr besteht darin, dass das Aktionskomitee verw\u00e4ssert, dass die einzelnen Delegierten und AktivistInnen den Druck von Seiten der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und aus dem Betrieb f\u00fcr sich individuell tragen m\u00fcssen. Wir haben nicht mehr dieselbe Gespr\u00e4chsebene. Der Sozialplan wird in jedem einzelnen Betrieb einzeln diskutiert. Wir m\u00fcssen uns sehr genau angucken, was m\u00f6glich ist und unsere Forderungen gemeinsam auf den Tisch legen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kann das Aktionskomitee die Forderung nach Verstaatlichung, die die Gewerkschaften im Falle von ArcelorMittal aufstellen, nicht aufgreifen, um sie auch bei Ford nach vorn zu bringen?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie gewerkschaftliche Antwort auf die Situation bei Arcelor spricht in der Tat daf\u00fcr, dass wir sie aufgreifen. Unsere Gewerkschaftsf\u00fchrung war hingegen schon dazu bereit, eine vertr\u00e4gliche Abwicklung und einen Sozialplan zu akzeptieren. Danach wurde aber weiter \u00fcber die eigentliche Absicht, ob das Werk \u00fcberhaupt geschlossen werden muss, gesprochen. Der Kampf f\u00fcr den Erhalt der Arbeitspl\u00e4tze stand hingegen niemals auf der Tagesordnung. Bei uns fand sich keiner, der nur mit einer vertr\u00e4glichen Schlie\u00dfung zufrieden gewesen w\u00e4re. Dieser Ansatz kam nicht von uns. Unsere Ideen dazu m\u00fcssen erst noch entwickelt werden. Der Gewerkschaftsf\u00fchrung haben wir jedenfalls schon viel zu lange alles \u00fcberlassen. Aber jetzt wird die Frage der Verstaatlichung in Frankreich und in der Wallonie vorgebracht.<\/p>\n<p>Um eine gro\u00dfe Demonstration in Br\u00fcssel hinzubekommen, w\u00e4re es gut, wenn nicht nur wir, sondern auch die KollegInnen von ArcelorMittal und alle, deren Arbeitspl\u00e4tze in Gefahr sind, mit dabei w\u00e4ren. Auch bei Volvo rechne ich mit allem M\u00f6glichen. Wenn sie damit anfangen, mit verordnetem Zwangsurlaub zu arbeiten, dann kann man sich schon mal gefasst machen, was noch alles kommt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Entlassungen beim Stahlwerk ArcelorMittal werden unter anderem auch damit begr\u00fcndet, dass umliegende Produktionsst\u00e4tten wie das Ford-Werk in Genk geschlossen werden. Die Schlie\u00dfung hier betrifft auch die Subunternehmen, Einzelh\u00e4ndler, die gesamte Region und so weiter. Es kommt zum Domino-Effekt des Niedergangs. Eine Verwaltung, die im Interesse der Bev\u00f6lkerung handelt, sollte solche Betriebe doch wohl verstaatlichen k\u00f6nnen, um sie f\u00fcr das Gemeinwesen zu erhalten. Es existiert eine Fabrik, es gibt den Grund und Boden, die ArbeiterInnen sind vorhanden, eine Universit\u00e4t &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>\u201e &#8230; unsere Universit\u00e4t in Hasselt besch\u00e4ftigt sich \u00fcbrigens schon mit der Herstellung von Wasserstoff &#8230;\u201c<\/p>\n<p><strong>&#8230; sogar Stahlwerke w\u00e4ren vorhanden. Durch die Produktion von Wasserstoff-betriebenen Bussen k\u00f6nnte das Schadstoffproblem verringert werden &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBei uns kann all das hergestellt werden! Wir haben den Medien immer gesagt, dass sie nicht korrekt berichten w\u00fcrden. Wir sind diejenigen, die arbeiten wollen, die f\u00fcr den Erhalt unserer Arbeitspl\u00e4tze k\u00e4mpfen \u2013 mit allen m\u00f6glichen Mitteln!\u201c<\/p>\n<p><strong>Ist es nicht m\u00f6glich, dass ihr aus einem Nachteil einen Vorteil f\u00fcr euch macht? Jetzt, da ihr wieder im Betrieb seid und arbeitet, w\u00e4ren doch regelm\u00e4\u00dfige allgemeine Betriebsversammlungen m\u00f6glich, oder? K\u00f6nnte dar\u00fcber nicht der Kontakt zu allen Betroffenen aufrecht erhalten werden?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eGenau das ist die Idee. Wir wollen ab jetzt jede Woche Informationen dar\u00fcber, wie die Verhandlungen verlaufen. Wir vertrauen nicht mehr jedem. Wir vertrauen nur noch dem Aktionskomitee. Es wird auch nicht begr\u00fcndet, weshalb das Aktionskomitee an den Verhandlungen nicht teilnehmen soll. Sie werden schon noch von uns h\u00f6ren!\u201c<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir tun, um euren Kampf zu unterst\u00fctzen? Was h\u00e4ltst du zum Beispiel von einer Petition, mit der eure Forderungen unterst\u00fctzt werden (wie etwa die Anerkennung eures Aktionskomitees) durch Gewerkschaftsgliederungen aus anderen Betrieben, auf der Stra\u00dfe usw. Auch, was das Finanzielle angeht: Der Kampf ist schlie\u00dflich noch nicht zu Ende und der Streikfonds wird sicher noch gebraucht werden.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSehr gute Idee, das werde ich sicher genauso weitergeben!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Produktion kann weitergef\u00fchrt werden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23601,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,46],"tags":[306],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23867"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23867"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23867\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23867"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23867"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23867"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}