{"id":23730,"date":"2013-02-22T17:00:25","date_gmt":"2013-02-22T16:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=23730"},"modified":"2013-02-22T20:46:39","modified_gmt":"2013-02-22T19:46:39","slug":"inside-leiharbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/02\/inside-leiharbeit\/","title":{"rendered":"Inside Leiharbeit"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_23732\" aria-describedby=\"caption-attachment-23732\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/5470892267_1410f48f1a_b1-e1359473372193.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-23732\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/igmetall\/ CC BY-NC-SA 2.0\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/5470892267_1410f48f1a_b1-e1359473372193-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/5470892267_1410f48f1a_b1-e1359473372193-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/5470892267_1410f48f1a_b1-e1359473372193-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/5470892267_1410f48f1a_b1-e1359473372193-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/5470892267_1410f48f1a_b1-e1359473372193.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23732\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/igmetall\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ein Erfahrungsbericht<\/strong><\/p>\n<p>Dass es nicht leicht ist, einen guten Job zu finden, war mir bewusst. Dass es so schwer beziehungsweise komplett unm\u00f6glich ist, wurde mir relativ schnell klar, als ich zum ersten Mal auf der Jobb\u00f6rse der ARGE war.<\/p>\n<p><em>von Tony Reed, K\u00f6ln<\/em><\/p>\n<p>Neben Jobangeboten wie f\u00fcr sechs Euro pro Stunde in 9,5-Stunden-Schichten eine Spielh\u00f6lle zu beaufsichtigen, sind die Angebote der Leiharbeitsfirmen schnell die \u201ebeste\u201c Alternative. Nat\u00fcrlich nur weil die meisten Angebote so oder so \u00fcber Leiharbeit laufen.<\/p>\n<h4>8,19 Euro als beste Alternative<\/h4>\n<p>Ich bekam dann was f\u00fcr 1.040 Euro brutto bei einer 30-Stunden-Woche. Die Tatsache, dass 30 Stunden vertraglich festgelegt sind, hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass man auch tats\u00e4chlich 30 Stunden arbeitet. Die meiste Zeit arbeiten die, die einen 30-Stunden-Vertrag haben, 40 Stunden pro Woche. Bezahlt wird das erst mal nicht. Die \u00dcberstunden werden mit einem Zeitkonto verrechnet.<\/p>\n<p>Wer irgendwelche finanziellen Verpflichtungen hat, und sei es nur der Unterhalt eines Autos, der arbeitet nicht nur 40 Stunden in der Woche, sondern braucht noch einen Zweitjob. So musste sich beispielsweise eine Kollegin, die von 6 bis 14 Uhr ihre Fr\u00fchschicht ableistete, anschlie\u00dfend von 18 Uhr bis 24 Uhr im Supermarkt abrackern. Am n\u00e4chsten Tag geht es nat\u00fcrlich wieder um 6 Uhr von vorn los.<\/p>\n<h4>Von der Ausnahme zur Regel<\/h4>\n<p>Wie das bei der Leiharbeit so ist, wei\u00df man nicht, wo man dann tats\u00e4chlich landen wird. Ich bin in einem Subunternehmen der Post gelandet. Entgegen der Behauptung, dass die Leiharbeit mit zwei Prozent Anteil an der Gesamtbesch\u00e4ftigung ein Randph\u00e4nomen sei, kehrte sich dieses Verh\u00e4ltnis bei uns um. Unser Standort ist bis auf die oberste Standortleitung ausschlie\u00dflich mit LeiharbeiterInnen besetzt. Und obwohl die Auftr\u00e4ge f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre schon sicher waren, hat kein Arbeiter und keine Arbeiterin einen Vertrag \u00fcber mehr als sechs Monate Laufzeit erhalten. Ganz praktisch, wenn man verhindern will, dass die Leute anfangen sich beispielsweise gegen die \u00dcberstunden zu wehren.<\/p>\n<p>Auch der Widerstand gegen andere Dinge wurde bei uns dadurch erschwert, dass der Betriebsrat eben nicht zum Einsatzbetrieb geh\u00f6rte, sondern zur Verleihfirma. Konkret bedeutete das, dass nie ein Betriebsratmitglied den Betrieb betrat. Der einzige \u201eKontakt\u201c zum Betriebsrat bestand in der bundesweiten Betriebsratszeitung.<\/p>\n<h4>Bildung sch\u00fctzt vor Armut nicht<\/h4>\n<p>Was ich mir vorher nicht wirklich vorstellen konnte, war die Tatsache, dass auch massenhaft ArbeiterInnen mit abgeschlossener Berufsausbildung, ja sogar AkademikerInnen, keine besseren Jobs finden. So konnte ich jetzt gemeinsam mit Anw\u00e4ltinnen, Mechanikern und Maschinenbauingenieuren Heftklammern aus alten Akten ziehen und Kisten durch die Gegend tragen. \u2013 Wer wei\u00df, vielleicht kann ich mich ja nach meiner geplanten Ausbildung direkt wieder bei einer Leiharbeitsfirma melden. Einige meiner KollegInnen jedenfalls hatten die gleiche Ausbildung abgeschlossen, die mir noch bevorsteht.<\/p>\n<h4>Schluss damit!<\/h4>\n<p>Alles in allem k\u00f6nnte man jetzt sagen: \u201eWas jammert der eigentlich so herum? Denkt er, er sei der einzige, der keinen tollen Job hat?\u201c Nein, ganz sicher denke ich das nicht. Es wird auch nicht bei den zwei Prozent Leiharbeit bleiben. Viel zu gro\u00df ist die Verlockung f\u00fcr die Kapitalisten, die Vorz\u00fcge der Leiharbeit \u2013 wie die faktische Aushebelung des K\u00fcndigungsschutzes und des Betriebsrats \u2013 weiter zu nutzen. Darum soll mein \u201eJammern\u201c zum einen zeigen, was in Zukunft noch viel mehr ArbeiterInnen bevorsteht, wenn wir nicht schnell etwas \u00e4ndern; aber es soll auch andere dazu animieren, ebenfalls zu \u201ejammern\u201c. M\u00f6gen aus den Millionen, die allen Grund zum \u201eJammern\u201c haben, Millionen werden, die sich wehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Erfahrungsbericht<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23732,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[122],"tags":[301],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23730"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23730"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23730\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23732"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}