{"id":23646,"date":"2013-01-29T12:25:32","date_gmt":"2013-01-29T11:25:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=23646"},"modified":"2013-01-28T12:29:58","modified_gmt":"2013-01-28T11:29:58","slug":"23646","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2013\/01\/23646\/","title":{"rendered":"Armut ist eine Verteilungsfrage"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die reichsten einhundert Menschen k\u00f6nnten die weltweite Armut vier Mal beenden<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint, als w\u00fcrden Bob Geldoff, Bono und eine ganze Reihe von Hilfsorganisationen das Pferd von der falschen Seite aufz\u00e4umen. Um die Armut aus der Welt zu schaffen, braucht es gar nicht die Spendenbereitschaft von uns allen zusammen. Es reicht schon, nur das Verm\u00f6gen der reichsten einhundert Menschen der Welt ins Visier zu nehmen.<\/p>\n<p><em>von Terry Murphy, \u201eLinkse Socialistische Partij\u201c\/\u201eParti Socialiste de Lutte\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Belgien)<\/em><\/p>\n<p>Laut einem Bericht der internationalen Hilfs- und Entwicklungsorganisation \u201eOxfam\u201c reicht das Netto-Einkommen der einhundert reichsten Menschen aus dem Jahr 2012, das sich zusammen genommen auf mehr als 240 Milliarden US-Dollar bel\u00e4uft, um die weltweite Armut vier Mal zu beenden. Die einhundert reichsten Menschen verf\u00fcgen demnach \u00fcber insgesamt 1.900 Milliarden Dollar. Das ist nur geringf\u00fcgig weniger als der Wert aller produzierten Waren, die in einem Jahr in einem Land wie Gro\u00dfbritannien hergestellt werden.<\/p>\n<p>In dem Bericht macht \u201eOxfam\u201c den Eindruck, als w\u00fcrde man von der herk\u00f6mmlichen Haltung der Wohlt\u00e4tigkeitsorganisationen Abstand nehmen. Diese sind im Prinzip immer davon ausgegangen, dass man sich vor allem k\u00fcmmern muss um die \u201eeine H\u00e4lfte der Welt, die aufgrund der ungl\u00fccklichen Verteilungssituation unter extremer Armut leidet\u201c. Nun jedoch richtet sich die Organisation auch gegen das, was sie als die wichtigste Ursache f\u00fcr die Armut betrachtet: die enorm ungleiche Verteilung des Reichtums in der Welt.<\/p>\n<p>In diesem Bericht wendet sich \u201eOxfam\u201c aber auch gegen die alte Leier, wonach Wohlstand und Reichtum bis in die unteren Schichten der Gesellschaft f\u00f6rmlich durchsickern sollen. Hierbei handelte es sich um ein Argument, das in den letzten Jahrzehnten stets aufs Neue von den reichen und kapitalistischen Regierungen und auch durch die Wohlt\u00e4tigkeits- und Hilfsorganisationen wiederholt wurde. Bei der Idee, nach der der Reichtum von oben nach unten weitergegeben und es auf diese Weise schlie\u00dflich zu einem von allen gepriesenen Zusammenleben kommen wird, handelt es sich um kompletten Nonsens. Sp\u00e4testens dann wird diese Feststellung unumg\u00e4nglich, wenn man sieht, dass die Reichsten ihren Reichtum vermehren und sich weigern zu investieren. Der \u201eOxfam\u201c-Bericht f\u00fchrt in diesem Zusammenhang einige Beispiele ins Feld. So wird darauf hingewiesen, dass \u201eS\u00fcdafrika zwar ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum verzeichnet, im Jahr 2020 aber voraussichtlich eine Million Menschen mehr in die Armut gerutscht sein werden, wenn bis dahin nichts unternommen worden ist\u201c.<\/p>\n<p>Das Statement von \u201eOxfam\u201c wendet sich gegen die vielen Unwahrheiten, die kapitalistische Regierungen uns schon seit langem weiszumachen versuchen. Die Idee von einem \u201edemokratischen Mandat\u201c der nationalen Parlamente wird durch den Bericht angezweifelt, in dem \u201eOxfam\u201c feststellt, dass die regierende britische konservative Partei den L\u00f6wenanteil ihrer Einnahmen aus dem Finanzsektor bezieht. Der Ansatz, dass jedeR gleiche Chancen habe, wird in dem Bericht ebenfalls in Zweifel gezogen. Wer arm geboren wird, wird h\u00f6chstwahrscheinlich auch arm leben und arm sterben. Soziale Mobilit\u00e4t wird durch die extreme Ungleichheit nur noch weiter eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>In dem Bericht wird auch auf die Umweltproblematik eingegangen und diesbez\u00fcglich festgestellt, das jede Person, die in den USA zum dortigen reichsten einen Prozent der Bev\u00f6lkerung z\u00e4hlt, einen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck hinterl\u00e4sst, der 10.000 Mal so gro\u00df ist als der einer\/s \u201eDurchschnitts-Amerikanerin\/s\u201c. Diese Angabe allein ist schon ein Argument gegen alle, die behaupten, dass nur Umweltsteuern f\u00fcr die \u201enormale\u201c Bev\u00f6lkerung (f\u00fcr M\u00fcllentsorgung, Wasserversorgung, Energie, etc.) im Kampf gegen die \u00f6kologische Krise helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Bericht von \u201eOxfam\u201c muss begr\u00fc\u00dft werden, weil dieser sowohl die enorme Ungleichheit zwischen Arm und Reich offenlegt als auch die Korruption der nationalen Regierungen und die extreme Habsucht des reichsten einen Prozent der Bev\u00f6lkerung. Aber es werden keine korrekten Schlussfolgerungen daraus gezogen. Die zentrale These des Berichts, dass Armut die Folge von Ungleichheit ist, stimmt. Auf deren Ursache, den Kapitalismus, wird aber nicht hingewiesen.<\/p>\n<p>Die ungleiche Verteilung von Reichtum, die \u00f6konomische Dominanz einer Minderheit aus Superreichen und das Demokratiedefizit der parlamentarischen Regierungen sind zusammen genommen der Unterbau, der dieses System ausmacht. Indem der Bericht darauf anspielt, dass man in die vergangenen Tage des \u201eNew Deal\u201c von Roosevelt zur\u00fcckkehrt, negiert er die Realit\u00e4t der weltweiten wirtschaftlichen Lage und die Art dieses Systems. Keine Reichensteuer oder politische Reform kann ausreichen, um zu einer wirklichen Neuverteilung des Reichtums zu kommen, mit der die weltweite Armut, Ausbeutung und das \u00f6kologische Elend beendet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es reicht nicht, Druck auf die rechtslastigen politischen Entscheidungstr\u00e4ger und die Superreichen auszu\u00fcben, um ein gr\u00f6\u00dferes St\u00fcck vom Kuchen abzubekommen. Nur die Abschaffung des Kapitalismus und der \u00dcbergang zum demokratisch-sozialistischen System auf Grundlage \u00f6ffentlichen Eigentums und der Kontrolle des Reichtums sowie der Industrie k\u00f6nnen wir zu einem wirklich gerechten Zusammenleben ohne Armut kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die reichsten einhundert Menschen k\u00f6nnten die weltweite Armut vier Mal beenden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19968,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[113],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23646"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19968"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}