{"id":23518,"date":"2002-08-30T20:00:29","date_gmt":"2002-08-30T18:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=23518"},"modified":"2013-01-03T18:38:29","modified_gmt":"2013-01-03T17:38:29","slug":"che-guevara-4-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/che-guevara-4-teil\/","title":{"rendered":"Che Guevara (4. Teil)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/?p=23514\">Zur\u00fcck zum 3. Teil<\/a><\/p>\n<h4>Ein neues Kuba, aber von wem regiert?<\/h4>\n<p>Nach der Russischen Revolution 1917 wurde durch die Wahl von Sowjets (R\u00e4ten) ein System der ArbeiterInnendemokratie errichtet. Sie bestanden aus Delegierten, die aus den Fabriken, Arbeitsst\u00e4tten und Milit\u00e4reinheiten gew\u00e4hlt wurden. \u00c4hnliche Organisationsformen wurden von der ArbeiterInnenklasse in anderen Revolutionen errichtet, einschlie\u00dflich der Pariser Kommune von 1871. Nach der Russischen Revolution w\u00e4hlten die \u00f6rtlichen Sowjets regionale und nationale R\u00e4te, aus denen die Regierung gebildet wurde. Alle diese gew\u00e4hlten Delegierten konnten zu jeder Zeit von denen, die sie gew\u00e4hlt hatten, ersetzt werden. Regierungsbeamte erhielten nicht mehr Bezahlung als den Durchschnittslohn von FacharbeiterInnen. Lenin trat daf\u00fcr ein, dass der maximale Lohnunterschied vier zu eins sein solle. Durch dieses System der ArbeiterInnendemokratie \u00fcbte die ArbeiterInnenklasse mit der Unterst\u00fctzung der armen B\u00e4uerInnenschaft und anderer ausgebeuteter Schichten demokratische Kontrolle und Verwaltung \u00fcber die Leitung und Planung der Gesellschaft aus. Als ein Ergebnis hatte die Russische Revolution eine enorme internationale Auswirkungen. Der Titel von John Reeds lebendigem Bericht \u00fcber die Revolution stimmte: &#8222;Zehn Tage, die die Welt ersch\u00fctterten&#8220;.<\/p>\n<p>ArbeiterInnen weltweit unterst\u00fctzten nicht nur die Revolution, sondern k\u00e4mpften, um ein \u00e4hnliches System von ArbeiterInnendemokratie in ihren eigenen L\u00e4ndern nachzuahmen. Ihre Auswirkungen waren international noch gr\u00f6\u00dfer und konkreter als die Sympathie, die durch die Kubanische Revolution geweckt wurde. Das System der ArbeiterInnendemokratie, das w\u00e4hrend der Russischen Revolution errichtet wurde, war darauf aufgebaut, dass die ArbeiterInnenklasse bewusst die Leitung der Gesellschaft \u00fcbernimmt. Mit der ArbeiterInnenklasse an der Spitze des revolution\u00e4ren Prozesses wurde ein ArbeiterInnenstaat errichtet, der den Klassencharakter der Revolution widerspiegelte. Eben das war es, was so eine Auswirkung auf ArbeiterInnen auf der ganzen Welt hatte. Die ArbeiterInnenklasse verlor schlie\u00dflich die politische Macht an eine b\u00fcrokratische Elite wegen dem Scheitern der internationalen Revolution und der Milit\u00e4rintervention durch 21 Armeen des Imperialismus, die die konterrevolution\u00e4ren Kr\u00e4fte in Ru\u00dfland st\u00e4rkten. Der B\u00fcrgerkrieg, der von 1918 bis 1921 in Ru\u00dfland w\u00fctete, f\u00fchrte zu einer schrecklichen wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe. Wegen dem Elend, das sich in l\u00e4ndlichen Gebieten entwickelte, kam es sogar zu Kannibalismus. Diese Ereignisse und das Scheitern der Revolution international ersch\u00f6pften schlie\u00dflich die ArbeiterInnenklasse, besonders die politisch aktivsten und erfahrensten ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>Eine privilegierte und b\u00fcrokratische Kaste entwickelte sich, die die politische Macht \u00fcbernahm. Bis 1989\/91 herrschte ein b\u00fcrokratisches Unterdr\u00fcckungsregime im Namen des &#8222;Sozialismus&#8220;. Auf Kuba war das neue Regime, das 1959 an die Macht kam, ungeheuer popul\u00e4r und genoss Massenunterst\u00fctzung. Aber der Charakter des Staates, der errichtet wurde, spiegelte die \u00fcberwiegend l\u00e4ndliche und b\u00e4uerliche Grundlage der Revolution wieder. Als Ergebnis wurde keine ArbeiterInnendemokratie \u00e4hnlich jener die in Russland 1917 die Macht \u00fcbernahm, errichtet. Trotz der Unterst\u00fctzung und Popularit\u00e4t des kubanischen Regimes war es von Anfang an keine ArbeiterInnendemokratie, sondern das, was das CWI als &#8222;deformierten ArbeiterInnenstaat&#8220; charakterisieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>D.h. ein Staat, in dem Kapitalismus und Gro\u00dfgrundbesitz gest\u00fcrzt und durch eine verstaatlichte geplante Wirtschaft ersetzt wurden, die aber von einer b\u00fcrokratischen Kaste kontrolliert und geleitet wird. Es gab kein System von Sowjets oder ArbeiterInnenr\u00e4ten, durch das das Proletariat die Gesellschaft regieren konnte. Die Regierung herrschte haupts\u00e4chlich durch die Kommunistische Partei und die Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDRs), die das neue Regime im September 1960 bildete. Sie waren keine gew\u00e4hlten Gremien auf Betriebsebene, durch die die ArbeiterInnenklasse Vorschl\u00e4ge machen oder die Vorschl\u00e4ge auf regionaler und nationaler Ebene \u00e4ndern und erg\u00e4nzen konnte. Gerade das ist aber wesentlich, damit eine zentral geplante Wirtschaft sich am effektivsten entwickeln und b\u00fcrokratische Tendenzen kontrollieren kann.<\/p>\n<p>Jede Stra\u00dfe hatte ein CDR, bei denen anf\u00e4nglich alle mitmachen konnten weshalb sie drei Millionen Mitglieder hatten. Sie dienten als Transmissionsriemen f\u00fcr die Entscheidungen der Regierung, die ihnen haupts\u00e4chlich durch Mitglieder der Kommunistischen Partei mitgeteilt wurden. Sie dienten als Mechanismus, durch den die Parteif\u00fchrung \u00f6rtliche Volksabstimmungen durchf\u00fchrte, um ihre Entscheidungen absegnen zu lassen. Sie waren kein effektives Instrument, durch das die ArbeiterInnen und die Bev\u00f6lkerung debattieren und die oben getroffenen Entscheidungen \u00e4ndern konnten. Castro nutzte diese Herrschaftsmethode h\u00e4ufig. Massenkundgebungen wurden einberufen und den Anwesenden Vorschl\u00e4ge unterbreitet, die sie mit &#8222;si&#8220; oder &#8222;no&#8220; abstimmen konnten. Es gab keine Debatte oder Diskussion oder Kontrolle. In der Begeisterung der fr\u00fchen Tage der Revolution wurde durch die CDRs ein Element von Kontrolle vor allem in tagt\u00e4glichen Fragen ausge\u00fcbt. Aber sie haben nie als Mechanismus funktioniert, durch den die ArbeiterInnenklasse die demokratische Planung und Kontrolle \u00fcber die Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt aus\u00fcben konnte. Sie waren zwar in der fr\u00fchen Periode der Revolution bei vielen ArbeiterInnen popul\u00e4r, spielten aber zunehmend die Rolle der Bespitzelung der Aktivit\u00e4ten der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften wurden durch den CTC schnell zu wenig mehr als \u00dcberwachungsagenturen f\u00fcr die jeweiligen Ministerien. Es gab auch fast 300 Gemeinder\u00e4tInnen, aber sie hatten wenig Macht. KandidatInnen mussten alle die von der Partei festgelegten Kriterien erf\u00fcllen, die auch die Pr\u00e4sidentInnen bestimmte. Die Kubanische Kommunistische Partei ist das Hauptinstrument, mit der die B\u00fcrokratie ihre Herrschaft aus\u00fcbt. Die Partei selbst wird auf der Grundlage von Ernennungen von oben nach unten auf jeder Ebene gef\u00fchrt. Formell wurde sie 1965 auf kontrollierter Basis durch die ORI (Integrierte Revolution\u00e4re Organisationen) gebildet, nach einer S\u00e4uberung aller PSP-Mitglieder, die an Batistas gef\u00e4lschten Wahlen von 1958 teilgenommen hatten. Mit 70.000 Mitgliedern 1969 war sie pro Kopf der Bev\u00f6lkerung verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig die kleinste der &#8222;kommunistischen Parteien&#8220; in den sogenannten &#8222;kommunistischen&#8220; L\u00e4ndern. Ihre Mitglieder wurden durch Kommissionen ausgew\u00e4hlt, die vom Zentralkomitee ernannt waren, und Fraktionen waren verboten. Diese Kommissionen w\u00e4hlten &#8222;beispielhafte&#8220; ArbeiterInnen und besonders TechnikerInnen aus den Betrieben aus. Obwohl die Kommunistische Partei 1965 gebildet wurde, hielt sie ihren ersten Parteitag 1975 ab &#8211; ein Jahrzehnt sp\u00e4ter. Andere Parteien wurden verboten.<\/p>\n<p>In Russland hielt die bolschewistische Partei selbst unter den Bedingungen des B\u00fcrgerkriegs jedes Jahr einen Kongress ab. Unter Lenin und Trotzki wurden Fraktionen innerhalb der Partei verboten (Lenin wollte dies nur vor\u00fcbergehend), als die Revolution durch den B\u00fcrgerkrieg und die imperialistische Intervention aus 21 L\u00e4ndern bedroht war. Andere Parteien wurden nur verboten, wenn sie gegen die Revolution zu den Waffen griffen und mit der imperialistischen Intervention zusammenarbeiteten.<\/p>\n<h4>B\u00fcrokratische Planung<\/h4>\n<p>Ein zentraler Planungsmechanismus wurde erst durch die INRA und dann JUCEPLAN errichtet, die eine Imitation der b\u00fcrokratischen Planungsmechanismen, die es in der UdSSR gab, waren. Che spielte in beiden eine f\u00fchrende Rolle und war Chef der verstaatlichten Kubanischen Nationalbank. &#8222;BeraterInnen&#8220; von jenseits des &#8222;eisernen Vorhangs&#8220; kamen und beeinflussten zunehmend die zentralisierten Planungsmechanismen. 1961 gab es mehr als 100 osteurop\u00e4ische &#8222;BeraterInnen&#8220; in Havanna &#8211; es waren nicht die Massen, die die zentrale oder \u00f6rtliche Planung der Wirtschaft kontrollierten. Die b\u00fcrokratische Planung der Wirtschaft f\u00fchrte zu einer Reihe von Zickzacks und nicht erreichbare Ziele wurden festgelegt, weil das Regime versuchte, Engp\u00e4sse und Probleme zu \u00fcberwinden. 1960 versprach Castro, dass bis 1965 ein so hoher Lebensstandard wie in Schweden erreicht sein w\u00fcrde. Che erkl\u00e4rte, Kuba werde binnen zw\u00f6lf Monaten ein Industrieland sein. Im selben Jahr wurde die Rationierung von Lebensmitteln eingef\u00fchrt, die bis in die 70er Jahre erhalten blieb! \u00dcberzogene Ziele und Zickzacks existierten in wichtigen Sektoren der Landwirtschaft ebenso deutlich wie in der Industrie.<\/p>\n<p>In L\u00e4ndern wie Kuba ist eine harmonische Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie wesentlich. Ein hoher Grad an industrieller Entwicklung und Mechanisierung ist notwendig, um die landwirtschaftliche Produktion auf das Maximum zu steigern. Dies erfordert eine genau abgestimmte Beziehung zwischen Industrie und Landwirtschaft. Es ist nicht m\u00f6glich, dies durch ein System ohne ArbeiterInnendemokratie zu erreichen, wo die B\u00fcrokratie die Gesellschaft von oben beherrscht. So argumentierte Leo Trotzki in seiner Kritik an Stalins Agrarpolitik in den drei\u00dfiger Jahren. Castro erkl\u00e4rte Ende der 60er Jahre, dass die kubanische Zuckerproduktion 1970 10 Millionen Tonnen erreichen w\u00fcrde. Dies w\u00e4re nur mit der Entwicklung der Industrie und Mechanisierung der Landwirtschaft m\u00f6glich gewesen. 1970 wurden nur 8 Millionen Tonnen geerntet und 1975 5,4 Millionen Tonnen. In einer verzweifelten Anstrengung, das Ziel f\u00fcr 1970 zu erreichen, wurden 400.000 KubanerInnen aus den St\u00e4dten mobilisiert, um die Ernte einzubringen. Diese Politik der Massenmobilisierung von Freiwilligen und manchmal auch ArbeiterInnen unter Zwang war ein Versuch, einen Ersatz f\u00fcr die fehlende Mechanisierung zu schaffen. Sie f\u00fchrte wiederum zu einer St\u00f6rung der Produktion in den St\u00e4dten und steigerte die Probleme, die es in der Industrie gab. Che und Castro versuchten, ein paar der Wirtschaftsprobleme zu l\u00f6sen, die wegen der B\u00fcrokratie entstanden. Sie beklagten die Symptome, konnten aber keine Heilung finden.<\/p>\n<p>Schon 1963 musste sich Che mit den Problemen befassen, die aufgrund der b\u00fcrokratischen Herrschaft entstanden. Er hielt eine Geheimrede, die &#8222;f\u00fcr den Privatgebrauch der politischen und Wirtschaftsf\u00fchrerInnen war&#8220;, in der er ManagerInnen f\u00fcr die schlechte Qualit\u00e4t der Waren gei\u00dfelte. Aber zur Heilung der Krankheit der B\u00fcrokratie war ein System der ArbeiterInnendemokratie notwendig, das Kritik an Entscheidungstr\u00e4gerInnen und Diskussion und die Ab\u00e4nderung von Pl\u00e4nen erlaubte. Dies fehlte auf Kuba. In einem kleinen Land wie Kuba w\u00fcrden die Schwierigkeiten, vor denen selbst ein Regime der ArbeiterInnendemokratie stehen w\u00fcrde, in besonderem Masse den Sieg der sozialistischen Revolution international erfordern &#8211; besonders in ganz Lateinamerika &#8211; um durch die Integration und Planung der Wirtschaften die notwendigen Ressourcen und Technik zu erlangen. Deshalb ist der Kampf f\u00fcr eine Sozialistische F\u00f6deration Lateinamerikas von so entscheidender Bedeutung f\u00fcr die ArbeiterInnenklasse und ausgebeuteten V\u00f6lker des Kontinents.<\/p>\n<p>Che unterst\u00fctzte so eine internationale Revolution und k\u00e4mpfte f\u00fcr sie. Leider entsprachen die Ideen, die er zu ihrer Erreichung bef\u00fcrwortete, nicht den Bedingungen, die in anderen, st\u00e4rker urbanisierten L\u00e4ndern Lateinamerikas herrschten. Der b\u00fcrokratische Einfluss der UdSSR verschlechterte die Lage. Auf zentraler Ebene versuchte sie, ihr eigenes Rechnungsf\u00fchrungssystem einzuf\u00fchren. Diese wahnwitzige Politik bedeutete, dass jede Branche finanziell getrennt arbeitete, ohne R\u00fccksicht auf die nationale Bilanz. Ein Bereich der Wirtschaft konnte daher einen andere nicht subventionieren, selbst wenn das insgesamt gesehen wirtschaftlich erstrebenswert war. Che widersetzte sich Versuchen, dies Kuba aufzuzwingen. Andere Aspekte der russischen &#8222;Hilfe&#8220; w\u00e4ren fast komisch, wenn sie nicht so tragisch w\u00e4ren. H\u00e4user, die f\u00fcr die Bedingungen in Serbien mit Temperaturen unter Null entworfen waren, wurden im sonnigen Kuba gebaut! 1.000 russische Traktoren wurden 1963 geschickt, um Zuckerohr zu ernten. Als sie entladen waren, wurde entdeckt, dass sie f\u00fcr diese Aufgabe nicht verwendet werden konnten und besondere Maschinen gebraucht wurden. Es gab von Beginn des neuen Regimes an Lohndifferenzierung. K. S. Karol bemerkt in seinem Buch Guerillas in Power, dass er 1963 einen Ingenieur in einer Fabrik traf, der den siebzehnfachen Lohn eines\/r ArbeiterIn bekam. Das war weit weg von Lenins vorgeschlagenem maximalen Unterschied von 4 zu 1.<\/p>\n<p>Die kubanische B\u00fcrokratie nahm f\u00fcr sich Privilegien in Anspruch, obwohl sie wegen der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit Kubas geringer als jene der B\u00fcrokratInnen im Kreml schien. Ihr gesellschaftlicher Einfluss ist aber nicht weniger bedeutsam. 1975 beschloss der Kongress der Kommunistischen Partei, dass KubanerInnen Autos kaufen d\u00fcrfen. Bis dahin war das ein Vorrecht von Partei- und Staatsfunktion\u00e4rInnen gewesen. W\u00e4hrend der Lebensmittelrationierung 1961 bekamen RegierungsbeamtInnen h\u00f6here Rationen als ArbeiterInnen und B\u00e4uerInnen. Gleichzeitig wurden hochwertigere und teurere Restaurants wie &#8222;Torre&#8220; und &#8222;1830&#8220; von Partei- und Regierungsfunktion\u00e4rInnen besucht. F\u00fcr ArbeiterInnen blieben sie unerreichbar.<\/p>\n<h4>Nicht f\u00fcr Che<\/h4>\n<p>Manche der Privilegien wurden buchst\u00e4blich von dem genommen, was die Reichen zur\u00fcckgelassen hatten, als sie aus Kuba flohen. Che nahm nicht an solche Aktivit\u00e4ten teil und war von ihnen abgesto\u00dfen. Er wurde durch die b\u00fcrokratischen Merkmale, die sich im neuen Kuba herausbildeten, zunehmend irritiert. Orlando Borrego arbeitete mit Che in JUCEPLAN und erinnert sich an einen Vorfall. Er hatte in einer Zuckerfabrik &#8222;interveniert&#8220;, einen brandneuen Jaguar bekommen, den der fr\u00fchere Eigent\u00fcmer zur\u00fcckgelassen hatte und fuhr eine Woche lang mit ihm herum. Che entdeckte ihn in dem Auto und lief schreiend auf ihn zu: &#8222;Du bist ein Zuh\u00e4lter. Es ist ein Zuh\u00e4lterauto. Kein Verreter des Volks sollte es fahren, werde es los. Du hast zwei Stunden Zeit.&#8220; Borrego erinnert sich: &#8222;Che war superstreng \u2026 wie Jesus Christus&#8220;. Er lehnte Privilegien f\u00fcr sich ab und hatte einen kargen Lebensstil. Als Chef der Nationalbank verweigerte er das h\u00f6here Gehalt, auf das er Anspruch hatte und bestand auf dem Mindestlohn f\u00fcr einen &#8222;Commandante&#8220;. Als 1961 Lebensmittelrationierung eingef\u00fchrt wurde, war er abgesto\u00dfen, als er durch Zufall herausfand, dass seine Ration h\u00f6her war als die, die der Masse der Bev\u00f6lkerung gegeben wurde und k\u00fcrzte sie sofort entsprechend. Er lehnte sogar die Verwendung von f\u00fcr offizielle Aufgaben bestimmtem Regierungsbenzin ab, um seine Frau ins Krankenhaus zu bringen, und wollte, dass sein Vater und seine Familie die Flugtickets aus Argentinien selber zahlten, als sie ihn auf Kuba besuchten. Seine Hingabe an die Revolution und sein Lebensstil brachten ihm einen besonderen Platz in den Herzen der kubanischen und lateinamerikanischen Massen ein.<\/p>\n<p>Che reagierte zunehmend feindselig auf das, was er in der Sowjetunion sah. Bei einem Besuch war er im Apartment eines Regierungsbeamten zum Essen eingeladen und a\u00df von feinstem importierten franz\u00f6sischen Porzellan. W\u00e4hrend des Mahles wandte er sich zu seinem Gastgeber und witzelte sarkastisch: &#8222;So, das Proletariat hier isst von franz\u00f6sischem Porzellan, wie?&#8220; Zur\u00fcck auf Kuba war er frustriert \u00fcber die Qualit\u00e4t der Lieferungen aus Moskau, die er als &#8222;Pferdeschei\u00dfe&#8220; beschimpfte. In einem Fall, als er unter einem besonders schweren Asthmaanfall litt, wurde er von seinem Freund Padila besucht, der gerade aus der UdSSR zur\u00fcckkam und anprangerte, was er gesehen hatte. Che unterbrach ihn: &#8222;Ich muss dir sagen, dass ich dir nicht zuzuh\u00f6ren brauche, weil ich schon alles dar\u00fcber wei\u00df. ich wei\u00df, dass es ein Schweinestall ist; ich habe es selber gesehen.&#8220; Che war zwar durch das abgesto\u00dfen, was er in der UdSSR sah, und frustriert \u00fcber die entstehenden b\u00fcrokratischen Methoden und Fehler auf Kuba, hatte aber keine klare Alternative. Seine zentrale Schw\u00e4che, sein fehlendes Verst\u00e4ndnis der Rolle der ArbeiterInnenklasse bei der Revolution und in der bewussten Planung und Leitung der Gesellschaft, hinderte ihn jetzt daran, eine gangbare politische Alternative zu entwickeln. Dem muss sein Fehlen einer ausgearbeiteten Erkl\u00e4rung der stalinistischen Staaten in der UdSSR und Osteuropa hinzugef\u00fcgt werden. Von einem marxistischem Standpunkt aus betrachtet wandten sich diese beiden M\u00e4ngel in seinen Ideen gegen ihn. Er strebte zwar richtigerrweise die Ausdehnung der Revolution \u00fcber Kubas Grenzen hinaus an, erfasste aber nicht, wie das getan werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<h4>Internationale Politik<\/h4>\n<p>Alles was er bieten konnte, war ein Appell, die Revolution und ihre Methoden der &#8222;Guerillataktik&#8220; zu wiederholen. Aufgrund der Autorit\u00e4t der kubanischen Revolution hatte dies eine gro\u00dfe Wirkung auf Schichten von Jugendlichen und Intellektuellen in ganz Lateinamerika und Europa. Aber trotz der Sympathie der m\u00e4chtigen und heranwachsenden ArbeiterInnenklasse in Chile, Argentinien, Brasilien, Bolivien und anderen L\u00e4ndern f\u00fcr die kubanische Revolution und Che, schien ihnen diese Kampfmethode nicht angebracht. Che schaffte es nicht, sich dieser m\u00e4chtigen und potenziell revolution\u00e4ren Klasse zuzuwenden und ihr ein revolution\u00e4r-sozialistisches Programm als Alternative zu Klassenkollaboration, Reformismus und Volksfrontpolitik anzubieten, die ihnen von den sozialistischen und Kommunistischen Parteien der Region offeriert wurden. Ches Ideen zum Internationalismus hatten auf Kuba Massenunterst\u00fctzung und das neue Regime war bereit, sie als Gegengewicht gegen die bedrohliche Blockade durch den Imperialismus zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Unter Ches Einfluss unterst\u00fctzte und gr\u00fcndete das Regime Guerillaorganisationen in zahlreichen L\u00e4ndern. Dies wurde von der B\u00fcrokratie in der UdSSR f\u00fcr kurze Zeit toleriert, obwohl es ihr ein paar Probleme beim Umgang mit \u00f6rtlichen Kommunistischen Parteien schaffte, die diese Methoden zur\u00fcckwiesen. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten gab es auch zwischen Havanna und Moskau. Aus dem Blickwinkel des Kreml war es wie die Wirtschaftshilfe, die Moskau an Kuba gab, ein Preis, der sich zu zahlen lohnte, weil er ihr internationales Prestige besonders in den kolonialen und halbkolonialen L\u00e4ndern hob. Die Unterst\u00fctzung des Castro-Regimes f\u00fcr zahlreiche Guerillakr\u00e4fte in Lateinamerika irritierte die Moskauer B\u00fcrokratie zwar, bedrohte sie aber nicht. Sie konnten sie eine Weile lang dulden und sogar zu ihrem eigenen Vorteil gegen den US-Imperialismus nutzen.<\/p>\n<p>Die unterschiedliche Haltung, die Chruschtschow gegen\u00fcber den Ereignissen in Ungarn 1956 und dem, was sich auf Kuba entwickelte, zeigte, veranschaulicht den Charakter des Regimes in Havanna. Im Ungarnaufstand wurden ArbeiterInnenr\u00e4te gebildet. Die Macht war in der Hand der ArbeiterInnenklasse und der Massen, was eine t\u00f6dliche Bedrohung f\u00fcr die B\u00fcrokratie darstellte. Eine siegreiche Revolution in Ungarn h\u00e4tte gedroht, sich in einer Reihe von Aufst\u00e4nden in Osteuropa und der UdSSR auszudehnen. Mit dieser Bedrohung war die B\u00fcrokratie nicht bereit, einen Kompromiss zu schlie\u00dfen. Chruschtschow ertr\u00e4nkte die ungarische Revolution in Blut. Aber in Havanna streckten sie die Hand der Freundschaft in der Form von Handelsabkommen und Hilfe aus, weil der Charakter des Castro-Regimes die Herrschaft der B\u00fcrokraten im Kreml nicht bedrohte.<\/p>\n<p>Die internationale Politik spiegelt die Innenpolitik wieder. 1968, nach Ches Tod, versuchte Havanna, die Beziehungen zum US-Imperialismus und seinen Handlangern in Lateinamerika zu entspannen. Dies spiegelte die Festigung der Macht der B\u00fcrokratie und eine vor\u00fcbergehende Lockerung des Handelsboykotts durch die USA wieder. Die kubanische Unterst\u00fctzung f\u00fcr revolution\u00e4re Bewegungen international verringerte sich. Die Interessen des nationalen Regimes hatten Vorrang vor der internationalen revolution\u00e4ren Bewegung. Die mexikanische Regierung war der einzige kapitalistische Staat, der die diplomatischen Beziehungen zu Kuba aufrecht erhielt. Sie wirkte als Kurier zwischen Havanna und Washington, wie sie es heute macht. In Mexiko massakrierte das Milit\u00e4r im Oktober 1968 bis zu Tausend StudentInnen. Kein Wort des Protests kam von der Kubanischen Kommunistischen Partei oder der Regierung. Obendrein gab es einen deutlichen Widerspruch zwischen der Politik, die Kuba gegen\u00fcber den Guerillabewegungen und den K\u00e4mpfen der ArbeiterInnenklasse betrieb. Als im st\u00fcrmischen Jahrzehnt der 60er Jahre ArbeiterInnenbewegungen begannen, waren Castro und das kubanische Regime auff\u00e4llig still. Als der europ\u00e4ische Kapitalismus durch den Generalstreik von 10 Millionen ArbeiterInnen in Frankreich im Mai 1968 ersch\u00fcttert wurde, schwieg Havanna. Im selben Jahr unterst\u00fctzte Castro die Milit\u00e4rintervention der russischen B\u00fcrokratie in der Tschechoslowakei.<\/p>\n<h4>Vom Kongo bis Bolivien<\/h4>\n<p>Der internationalistische Geist von Che hatte eine gro\u00dfe Wirkung auf junge KubanerInnen. Delegationen von Jugendlichen kamen, ihn zu sehen und schickten ihm Briefe, in denen sie baten, nach Nicaragua, Guatemala, der Dominikanischen Republik, Venezuela und anderen L\u00e4ndern gehen und dort k\u00e4mpfen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Eine besondere Regierungsstelle, Liberaci\u00f3n, wurde eingerichtet, die f\u00fcr die &#8222;lateinamerikanische Revolution&#8220; verantwortlich war. Wie die CDRs hatte die internationale Abteilung der kubanischen Regierung zwei Seiten. Am Anfang waren die Beteiligten gew\u00f6hnlich von der Sehnsucht motiviert, die Revolution auszubreiten und K\u00e4mpferInnen in anderen L\u00e4ndern zu unterst\u00fctzen. Den Verfolgten aus der ganzen Region, die nirgendwo anders hingehen konnten, wurde Zuflucht gew\u00e4hrt. Aber die Unterst\u00fctzung, die Liberaci\u00f3n gew\u00e4hrte, ging fast ganz an Guerillaorganisationen und nicht an die ArbeiterInnenklasse. Guerillagruppen wurden ausgebildet und ihnen wurden Ressourcen zugeleitet. Che war an der Unterst\u00fctzung von Gruppen aus Guatemala, Peru, Venezuela und Nicaragua beteiligt.<\/p>\n<p>Viele Anf\u00fchrerInnen der nicaraguanischen FSLN, wie Tom\u00e1s Borge und Rodolfo Romero, die Mitglieder der sandinistischen F\u00fchrung waren, die 1979 die Macht \u00fcbernahm, bekamen Schulungen auf Kuba. Diese fr\u00fche Unterst\u00fctzung, die die Rolle des CastroRegimes widerspiegelte, wurde sp\u00e4ter das Instrument zur Aus\u00fcbung von Kontrolle und zum Aufzwingen der von Havanna gew\u00fcnschten Politik gegen\u00fcber verschiedenen Guerilla- und linken Gruppen. Dies geschah zunehmend mit dem Ziel, die Bed\u00fcrfnisse der B\u00fcrokratie in Moskau zu befriedigen.<\/p>\n<p>Das wurde deutlich, als die Sandinistas in einem \u00e4hnlichen Prozess wie dem, der sich auf Kuba abgespielt hatte, die Macht \u00fcbernahmen. Sie gingen aber nicht zur Verstaatlichung der entscheidenden Sektoren der Wirtschaft und zum Sturz des Kapitalismus weiter. 1985 flirteten die sandinistischen F\u00fchrer angesichts der Drohung der von den USA unterst\u00fctzten Konterrevolution mit der Idee, &#8222;Kuba zu spielen&#8220;. Im April besuchte Sandinista- F\u00fchrer Daniel Ortega Moskau, um die Unterst\u00fctzung der Sowjetb\u00fcrokratie zu diskutieren. Die Moskauer B\u00fcrokratie gab aber keine Unterst\u00fctzung, weil sie nicht in einen Krieg in Mittelamerika verwickelt werden wollte und ihre Interessen und die internationale Lage anders waren als 1959\/60.<\/p>\n<p>Castro unterst\u00fctzte seine Zahlherren pflichtgetreu und setzte die FSLN-F\u00fchrung unter Druck. Eine kleine Zahl von sowjetischen MIG-Kampfflugzeugen, die f\u00fcr Nicaragua bestimmt waren, wurden in Havanna unter Verschluss genommen. Zuvor hatte er im Januar 1985 Managua besucht und die FSLN gedr\u00e4ngt, die gemischte Wirtschaft zu unterst\u00fctzen, indem er ihnen sagte: &#8222;Ihr k\u00f6nnt eine kapitalistische Wirtschaft haben&#8220; und Ortega f\u00fcr seinen &#8222;ernsten und verantwortlichen Ansatz&#8220; pries.<\/p>\n<p>Che wollte Anfang der 60er Jahre die Revolution durch die Anwendung seiner Guerillamethoden im ganzen s\u00fcdamerikanischen Kontinent ausdehnen. Besonders hoffte er auf einen revolution\u00e4ren Ausbruch in seinem Heimatland Argentinien. Castro wollte sein Regime st\u00e4rken und die Unterst\u00fctzung von Chruschtschow gewinnen. Nachdem er 1963 mit gro\u00dfer Wirtschaftshilfe aus Moskau zur\u00fcckkam, k\u00fcmmerte er sich weniger um die Ausdehnung der Revolution \u00fcber Kubas K\u00fcsten hinaus und erkl\u00e4rte, dass er &#8222;bereit ist, alles Notwendige zu tun, um gutnachbarschaftliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika auf der Grundlage der Prinzipien der Koexistenz zu schaffen.&#8220;<\/p>\n<p>1962 wurde von der Ej\u00e9rcito Guerillero del Pueblo (Volksguerillaarmee) eine Guerillaoperation in Argentinien gestartet. Mit seiner riesigen ArbeiterInnenklasse in den St\u00e4dten war es jenes Land, in dem der Beginn eines Guerillakrieges am wenigsten m\u00f6glich war. Die Offensive sollte mit dem zweiten Jahrestag der milit\u00e4rischen Macht\u00fcbernahme zusammenfallen. Es war eine Katastrophe und die Gruppe wurde niedergemetzelt, einschlie\u00dflich zwei seiner engsten Mitarbeiter, Hermes und Masetti. Der Vorfall hatte eine verheerende Wirkung auf Che. Als jemand in fragte, warum er deprimiert aussehe, antwortete er: &#8222;Hier siehst du mich hinter einem Tisch, angepisst, w\u00e4hrend meine Leute auf Missionen sterben, in die ich sie geschickt habe.&#8220; Eine Verbindung aus dieser und anderer Niederlagen von Guerillakr\u00e4ften international, zusammen mit der Frustration \u00fcber die wachsende B\u00fcrokratisierung des kubanischen Regimes f\u00fchrten ihn zu dem Entschluss, auf den Kampfplatz zur\u00fcckzukehren. Schlie\u00dflich verlie\u00df er Kuba 1965 und ging nicht nach Lateinamerika, sondern nach Afrika und k\u00e4mpfte im Kongo. Seit dem Sturz der LumumbaRegierung und dessen Ermordung war der Kongo st\u00e4ndig im Zentrum eines wichtigen Konflikts mit dem Imperialismus gewesen.<\/p>\n<h4>Die Kongo-Katastrophe<\/h4>\n<p>Che lie\u00df einen Brief an Castro zur\u00fcck, in dem er seine F\u00e4higkeiten als &#8222;revolution\u00e4rer F\u00fchrer&#8220; pries und Kuba von der Verantwortung f\u00fcr seine k\u00fcnftigen Handlungen entband. Typischerweise schrieb er: &#8222;Ich hinterlasse meinen Kindern und meiner Frau nichts Materielles, aber das st\u00f6rt mich nicht; ich freue mich, dass es so ist. Ich erbitte nichts f\u00fcr sie, denn der Staat wird sie ausreichend versorgen.&#8220; [Ernesto Che Guevara. Ausgew\u00e4hlte Werke in Einzelausgaben. Band 4: Schriften zum Imperilaismus. K\u00f6ln 1989, S. 232-234, hier S. 233] Er beendete den Text mit dem ber\u00fchmten Ausspruch, der in den 70er und 80er Jahren der Kampfruf der Jugend in ganz Lateinamerika im Kampf gegen die Diktaturen wurde, die den Kontinent in ein Gef\u00e4ngnis verwandelten: &#8222;Hasta la victoria siempre!&#8220; (&#8222;Immer bis zum Sieg!&#8220;). Aber die Hoffnungen und Bestrebungen, mit denen er mit einer Einheit von KubanerInnen in den Kongo aufbrach, wurden schnell zerschlagen. Die Mission wurde zu einer Katastrophe und f\u00fchrte zu einer Niederlage. Sie war schlecht vorbereitet und wurde fast eine Verzweiflungstat. Obendrein war es eine von au\u00dfen aufgezwungene Mission. Wie Che sp\u00e4ter zugab, wussten die KongolesInnen wenig davon, bis er in ihrem Land ankam.<\/p>\n<p>Als seine Einheit in Dares-Salaam in Tansania ankam, wo die Basis der RebellInnenf\u00fchrerInnen lag, war keiner zu finden. Sie waren im Ausland in Kairo. Zu ihnen geh\u00f6rte Laurent Kabila, der mehr als drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter die Macht im Kongo \u00fcbernahm. Die kubanischen Kr\u00e4fte waren schockiert \u00fcber das, was sie in der RebellInnenarmee fanden. Sie hatte nicht nur keine zusammenh\u00e4ngende politische Leitung, sondern war in Ches Worten eine &#8222;Schmarotzerarmee&#8220;.<\/p>\n<p>Die \u00f6rtlichen B\u00e4uerInnen hatten Angst vor ihr. Soldaten bestahlen sie und bel\u00e4stigten die Frauen. In den Konflikten, deren Zeuge Che wurde, flohen die K\u00e4mpfer gew\u00f6hnlich. Offiziere stritten sich oft im Suff und gerieten dann in K\u00e4mpfe. Die KubanerInnen sahen, wie Kabila im Mercedes durch Dares-Salaam fuhr und nie da war, wenn K\u00e4mpfe bevorstanden. All dies stand in scharfem Gegensatz zu dem, was die kubanischen Kr\u00e4fte gewohnt waren und erwarteten. Schlie\u00dflich mussten sie sich nach einem Angriff der Regierungskr\u00e4fte auf die RebellInnen zur\u00fcckziehen und ihre Niederlage eingestehen. Che fand Zuflucht in der kubanischen Botschaft in Tansania und kehrte schlie\u00dflich heimlich \u00fcber Osteuropa nach Kuba zur\u00fcck. Aber nachdem er sich den Ruf geschaffen hatte, bis zum Ende zu k\u00e4mpfen, konnte er nicht &#8222;mit leeren H\u00e4nden&#8220; nach Havanna zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<h4>Nach Bolivien und in den Tod<\/h4>\n<p>Ches Ziel war die R\u00fcckkehr in sein Heimatland Argentinien und die Fortsetzung des Kampfes dort, aber dies erwies sich als unm\u00f6glich. 1967 tauchte er in Bolivien auf und wollte dort die revolution\u00e4re Bewegung mit einer Guerillakampagne entfachen. Er hoffte, von da aus in einer Reihe von revolution\u00e4ren K\u00e4mpfen auf die umliegenden L\u00e4nder einzuwirken. Es war eine heroische Geste, wie vieles in Ches politischem Kampf. Es erwies sich wie der Kongo als weiteres Abenteuer, diesmal mit t\u00f6dlichen Folgen f\u00fcr ihn. Auf tragische Weise wurde ein ehernes Gesetz der Geschichte veranschaulicht, dass Revolutionen nicht k\u00fcnstlich von au\u00dfen aufgezwungen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bolivien hatte zwar eine gr\u00f6\u00dfere l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung als Argentinien, aber auch eine starke ArbeiterInnenklasse, deren Speerspitze die BergarbeiterInnen mit ihren revolution\u00e4ren Traditionen waren. Che ignorierte das, obwohl er Zeuge der revolution\u00e4ren Massenerhebung von 1953 gewesen war. Obendrein wurde w\u00e4hrend der bolivianischen Revolution in den 50er Jahren eine umfangreiche Bodenreform durchgef\u00fchrt. Dies machte die B\u00e4uerInnenschaft weniger geneigt und empf\u00e4nglich, einen bewaffneten Kampf zu beginnen und eine Guerillaarmee zu unterst\u00fctzen. Als seine Pl\u00e4ne f\u00fcr diese Kampagne gemacht wurden, schaffte es Che nicht, die aktive Unterst\u00fctzung der bolivianischen Kommunistischen Partei (PCB) zu gewinnen, die anf\u00e4nglich zumindest formell eine neutrale Haltung einnahm und ein paar ihrer Mitglieder erlaubte, bei der Vorbereitung der Aktionen zu helfen. Teilweise sollte das ihrer F\u00fchrung erlauben, &#8222;revolution\u00e4rer&#8220; zu erscheinen, weil sie f\u00fcrchteten, links \u00fcberholt zu werden. Sie f\u00fcrchteten besonders die trotzkistische Partei POR (Revolution\u00e4re ArbeiterInnenpartei), die eine m\u00e4chtige Tradition von teilweise Masseneinfluss hatte, besonders unter den BergarbeiterInnen. In Wirklichkeit organisierte die PCB keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Guerillatruppe und ihre F\u00fchrerInnen waren skeptisch gegen\u00fcber der Unterst\u00fctzung solcher Methoden.<\/p>\n<p>Monje und die anderen F\u00fchrerInnen wollten einfach nicht, dass in ihrem eigenen Hinterhof ein Guerillakampf ausgetragen wird. Die Partei war immer noch in die Idee einer Koalition mit den &#8222;fortschrittlichen&#8220; Teilen der nationalen Bourgeoisie verliebt. Castro hatte mit Monje und anderen PCB-F\u00fchrerInnen vereinbart, dass sie das Monopol bei der politischen und materiellen Unterst\u00fctzung haben sollten. In Wirklichkeit gab die PCB Ches Truppe wenig Unterst\u00fctzung. Dies lag teilweise an der Lage in Bolivien. Es gab aber auch internationale Faktoren, die sich auf Monje und die PCB-F\u00fchrung auswirkten. Die Moskauer B\u00fcrokratie wollte die Guerillabewegungen unter Kontrolle bringen, die die Instabilit\u00e4t verst\u00e4rkten, die sich in Lateinamerika entwickelte. Sie meinten, dass das kubanische Regime sie ermutige, und seine Aktivit\u00e4ten mussten &#8222;kontrolliert&#8220; werden.<\/p>\n<p>Che wurde im Kreml als unverantwortlicher Abenteurer betrachtet. Er wurde von Kreisen im Kreml als &#8222;Trotzkist&#8220; und &#8222;Maoist&#8220; angeprangert. Dies wurde auf einer internationalen Konferenz im Januar 1966 deutlich, der sogenannten Trikontinentalen Konferenz. Dieses Ereignis fand in Havanna statt und wurde von Delegierten aus Asien, Afrika und Lateinamerika und auch aus China und Russland besucht. Abgesehen von RegierungsvertreterInnen waren Guerillagruppen anwesend, haupts\u00e4chlich aus Lateinamerika. Hier erregte Castro die Aufmerksamkeit der chinesischen B\u00fcrokratie, deren Interessen mit denen ihres Gegenst\u00fccks in der UdSSR im Konflikt lagen. Gleichzeitig dr\u00fcckte Castro eine Resolution durch, die zum gro\u00dfen Missfallen der Moskauer F\u00fchrerInnen Guerillabewegungen unterst\u00fctzte.<\/p>\n<p>Nach der Konferenz machte Monje rasch einen Besuch in Moskau. Aus den Diskussionen, die er mit KPdSU-Funktion\u00e4rInnen hatte, folgerte er, dass sie &#8211; wie er &#8211; Che als die Triebkraft hinter dieser Politik sahen &#8211; obwohl er auf der Konferenz nicht zugegen war. Laut Monje wurde er von KPdSU-Funktion\u00e4rInnen gedr\u00e4ngt, den KubanerInnen die Stirn zu bieten und sich nicht von ihnen herumschubsen zu lassen. Monje wurde sicher von der B\u00fcrokratie ermutigt, die bolivianische Kommunistische Partei nicht zur Unterst\u00fctzung von Ches Guerillaoperationen zu mobilisieren. Dies, und die Br\u00fcche zwischen den PCB-F\u00fchrerInnen und Che, war in Havanna bekannt, als Castro zustimmte, der bolivianischen Kommunistischen Partei das Monopol bei der politischen und praktischen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Che und seiner Guerilla zu geben.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich begann Che seinen Kreuzzug in einem der isoliertesten Gebiete Boliviens, im S\u00fcdosten des Landes, 250 Kilometer s\u00fcdlich von Santa Cruz. Seine Guerillaarmee wurde ELN (Nationales Befreiungsheer) genannt. Auf ihrem H\u00f6hepunkt z\u00e4hlte seine Einheit 29 BolivianerInnen und 18 KubanerInnen. Das zum Beginn der Offensive gew\u00e4hlte Gebiet war eines der am wenigsten bev\u00f6lkerten, in dem es keine Tradition des Kampfes unter den \u00f6rtlichen B\u00e4uerInnen gab. Es war nicht \u00fcberraschend, dass Ches Expedition keine Unterst\u00fctzung vor Ort erlangte. Das Scheitern von Ches Truppen, eine wirkliche Basis vor Ort zu gewinnen, spiegelte auch wieder, dass die B\u00e4uerInnen nach der w\u00e4hrend der Revolution von 1953 eingef\u00fchrten Bodenreform nicht bereit waren, den Weg des bewaffneten Kampfes zu beschreiten.<\/p>\n<p>Nach monatelangen K\u00e4mpfen war die Guerillatruppe isoliert und erlitt einen R\u00fcckschlag nach dem anderen. Ches Gesundheit verschlechterte sich und er musste reiten, weil er wegen der Asthmaanf\u00e4llen nicht mehr gehen konnte. Es gab keine Unterst\u00fctzung aus Havanna und die Verbindung zur ELN zerbrach. Man kann sicher annehmen, dass die Moskauer B\u00fcrokratie Che &#8222;aus dem Weg&#8220; haben wollte. Castro blieb w\u00e4hrend der letzten Monate und Wochen eines der Hauptf\u00fchrerInnen der Kubanischen Revolution passiv.<\/p>\n<p>Regis Debray, der mit Che Guevara in Bolivien war, und sich seitdem politisch nach rechts bewegt hatte und Berater des ehemaligen franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Fran\u00e7ois Mitterand wurde, hat 1996 Castro und Havanna angegriffen und beschuldigt, Che und seine Truppe im Stich gelassen zu haben. Ches kleine Truppe k\u00e4mpfte gegen 1.500 Soldaten der bolivianischen Armee. In Zusammenarbeit mit der CIA jagten sie seine Truppe. Nach einem hoffnungslosen Gefecht am 8. Oktober wurden er und seine Guerillas in der N\u00e4he des Dorfes La Higuera \u00f6stlich von Sucre gefangengenommen. Am n\u00e4chsten Tag wurde er von Oberstleutnant Andere Selich f\u00fcnfundvierzig Minuten lang verh\u00f6rt, wonach seine Ermordung vom kubanischst\u00e4mmigen CIA-Agenten Felix Rodriguez angeordnet wurde. Er lag mit gebundenen H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen neben den Leichen von zwei Toten Guerillak\u00e4mpferInnen. Auf die Frage: &#8222;Sind sie Kubaner oder Argentinier?&#8220; antwortete Che: &#8222;Ich bin Kubaner, Argentinier, Bolivianer, Peruaner, Ecuadorianer und so weiter, verstehst du.&#8220;<\/p>\n<p>Er wurde mit 39 Jahren hingerichtet und in einem geheimen Grab beerdigt. Es wurde k\u00fcrzlich entdeckt und sein Leichnam wurde nach Kuba \u00fcberf\u00fchrt. Seine Henker schnitten nach seinem Tod seine H\u00e4nde an und schickten sie als Beweis f\u00fcr seinen Tot nach Havanna. Neben seinem Grab in Bolivien steht eine einfache Parole: &#8222;Che &#8211; so lebendig, wie sie ihn nie haben wollten&#8220;. Der Geist einer heroischen Verpflichtung zum Kampf gegen Unterdr\u00fcckung wurde an neue Generationen vermacht. Sein Vorbild begeistert immer noch viele zum Kampf f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und f\u00fcr eine sozialistische Alternative.<\/p>\n<p>Drei Jahrzehnte nach seinem Tod ehren MarxistInnen Che als ehrlichen und heroischen Revolution\u00e4r. Ches Trag\u00f6die war, dass sein Heroismus nicht mit einem voll ausgearbeiteten Programm und Ideen verbunden war, die das Ziel, das er erstrebte, herbeif\u00fchren konnten &#8211; eine internationale sozialistische Revolution. Die Notwendigkeit, sie zu erreichen, ist dringender denn je. Sie wird vollendet werden, wenn die Revolution\u00e4rInnen von heute von der Erfahrung des Kampfes von Che Guevara lernen und seiner K\u00fchnheit und Opferbereitschaft im Kampf zur Herbeif\u00fchrung einer sozialistischen Gesellschaft folgen.<\/p>\n<h4>Nachwort<\/h4>\n<p>Drei Jahrzehnte nach Ches Tod steht Kuba wieder an einer Weggabelung. Vor dem Hintergrund einer ver\u00e4nderten internationalen Lage drohen Konterrevolution und kapitalistische Restauration. Der US-Imperialismus hat den Schraubstock erneut enger gedreht und steht an der Spitze von Versuchen, Castro zu st\u00fcrzen und die Spielwiese f\u00fcr Wirtschaftsbosse zur\u00fcckzuerobern.<\/p>\n<p>Mit dem Verlust g\u00fcnstiger Handelsabkommen mit der fr\u00fcheren UdSSR 1990\/ 91 wurde Kuba in eine tiefe Wirtschaftskrise gest\u00fcrzt. Diese wurde durch den Versuch des US-Imperialismus verst\u00e4rkt, Kuba durch die Verh\u00e4ngung eines Handelsembargos zu isolieren, das die Wirtschaft erdrosseln soll. Jeder US-Pr\u00e4sident seit der Kubanischen Revolution 1959 hat Ma\u00dfnahmen gesetzt um den Sturz von Castros Regime und die Restauration des Kapitalismus herbei zu f\u00fchren. Neben Wirtschaftsblockaden und der Unterst\u00fctzung von S\u00f6ldnerarmeen gab es andere beachtenswerte Bem\u00fchungen der CIA wie die Verschickung explosiver Zigarren an &#8222;el jefe maximo&#8220; in Havanna. Castro hat zur Irritation der Amtsinhaber im Wei\u00dfen Haus neun US-Pr\u00e4sidenten \u00fcberlebt, von denen jeder die massive Unterst\u00fctzung untersch\u00e4tzte, die es auf Kuba f\u00fcr die Revolution gibt &#8211; trotz dem Fehlen einer wirklichen ArbeiterInnendemokratie.<\/p>\n<p>Aber die vergangenen Errungenschaften der kubanischen Revolution sind jetzt bedroht und die Aussicht auf kapitalistische Restauration wird drohender. Das Regime wurde durch den Verlust der Wirtschaftsunterst\u00fctzung durch die UdSSR und die Isolation zur Annahme einer neuen Wirtschaftspolitik getrieben. Diese hat Kuba f\u00fcr Auslandsinvestitionen und ausl\u00e4ndisches Eigentum an Teilen der Wirtschaft ge\u00f6ffnet, die Zirkulation von US-Dollars legalisiert und begonnen, die Existenz einer zentral geplanten Wirtschaft zu bedrohen. Vor 1990\/91 machte der Handel mit den fr\u00fcheren Regimen der UdSSR und Osteuropas 85 % der kubanischen Exporte aus. Die Zuckerexporte fielen in der Folge um 70 %. Der Verlust dieser M\u00e4rkte und Hilfen durch diese Regime f\u00fchrte zu einem Einbruch in der Wirtschaft.<\/p>\n<p>Das kubanische Bruttoinlandsprodukt st\u00fcrzte um mehr als 30 % 1991. Obwohl sich die Wirtschaft anscheinend w\u00e4hrend der letzten zwei Jahre stabilisierte und die Produktion zunahm, wurde der Zusammenbruch Anfang der 90er Jahre bisher nicht wettgemacht. Der Lebensstandard fiel dramatisch und die Rationierung von Brot und Reis wurde eingef\u00fchrt. Rationalisierung im Staatssektor f\u00fchrte zur Entlassung von bis zu 500.000 ArbeiterInnen. Das Regime hat Ma\u00dfnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass Gesundheitsversorgung und Bildung verteidigt werden, konnte aber die R\u00fcckkehr einiger der schlimmsten Aspekte des Lebens unter dem Kapitalismus nicht verhindern. Die Prostitution ist auf die Stra\u00dfen von Havanna zur\u00fcckgekehrt, wenn auch nicht in dem Ausma\u00df, in dem sie vor der Revolution bestand. In einem verzweifelten Versuch, den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu stoppen, musste das Regime Schritte ergreifen, um Auslandsinvestitionen anzuziehen und Zugang zu internationalen M\u00e4rkten zu erlangen. In manchen Branchen wurde jetzt 100 % Auslandseigentum legalisiert.<\/p>\n<h4>Gespaltener Imperialismus<\/h4>\n<p>Die \u00c4nderung in der Politik von Castros Regierung hat eine Spaltung unter den konkurrierenden imperialistischen M\u00e4chte hervorgerufen. Der europ\u00e4ische (besonders spanische), kanadische und japanische Imperialismus hat versucht, aus dieser Lage Nutzen zu ziehen. Sie haben Investitionen in der kubanischen Wirtschaft ermutigt. Kanada ist jetzt, gefolgt von Spanien, Kubas HauptHandels und Investitionspartner. 1996 gab es sch\u00e4tzungsweise 650 Auslandsfirmen mit Investitionen auf Kuba. Andere m\u00e4chtigere lateinamerikanische L\u00e4nder wie Mexiko und Brasilien sind schnell gefolgt, mit Blick auf die Steigerung ihres wirtschaftlichen und politischen Einfluss in der Region. Sie ziehen nicht nur wirtschaftlich Vorteile aus der \u00d6ffnung, sondern hoffen, durch diese Politik die B\u00fcrokratie zur Beendigung der Planwirtschaft und zur R\u00fcckkehr zum Kapitalismus zu zwingen. Sie setzen diese Politik um, um die B\u00fcrokratie, oder Teile von ihr, mit dem Kapitalismus zu verkuppeln und sie zusammen mit der exilkubanischen Bev\u00f6lkerung in Florida in eine KapitalistInnenklasse zu verwandeln.<\/p>\n<p>Diese Politik wurde durch die Haltung des US-Imperialismus enorm verkompliziert, der eine aggressivere und konfrontativere Herangehensweise eingenommen hat. Diese besteht darin, Castro &#8222;auszuhungern&#8220;, sein Regime zu st\u00fcrzen und ihre loyalen kubanischen Anh\u00e4ngerInnen aus Miami zu installieren. Es ist eine kurzsichtige Politik, spiegelt aber den verschiedenartigen Druck wieder, unter dem der US-Imperialismus steht. Sie wurde durch historische \u00dcberlegungen angeheizt, das besch\u00e4digte Prestige des US-Imperialismus zu r\u00e4chen, der 1959 seine Spielwiese an Castro verloren hat. Sie wurde auch durch die Notwendigkeit f\u00fcr die aufeinander folgenden US-Regierungen bestimmt, die Unterst\u00fctzung der 700.000 in Florida lebenden ExilkubanerInnen zu gewinnen.<\/p>\n<p>Die Cuban-American National Foundation, eine der m\u00e4chtigsten Lobbies in Washington, hatte entscheidenden Einfluss bei der Verabschiedung des Helms- Burton-Gesetzes, das das Embargo gegen\u00fcber Kuba versch\u00e4rfte und sogar ausl\u00e4ndische Firmen, die im Land investitieren, bestrafte. Andere reaktion\u00e4re, aber kleinere Gruppen wie Alpha 66 haben Terror- und bewaffnete Aktionen gegen das Castro-Regime unterst\u00fctzt. Es gibt zwar auch &#8222;gem\u00e4\u00dfigte&#8220; Ansichten, die einen Kompromiss mit dem Castro-Regime unterst\u00fctzen, aber ebenso eine m\u00e4chtige reaktion\u00e4re Kraft von fr\u00fcheren kubanischen KapitalistInnen und ihrem Anhang.<\/p>\n<p>Diese Kr\u00e4fte sind nicht in der Stimmung, mit der Castro-B\u00fcrokratie einen Kompromiss zu machen und fordern ihre Fabriken und ihr Land zur\u00fcck, das sie im Verlauf der Revolution verloren haben. Sollten sie nach Kuba zur\u00fcckkehren, h\u00e4tten viele die Absicht, Rache zu nehmen. Die Haltung des US-Imperialismus schafft zusammen mit der Bedrohung durch ExilkubanerInnen Hindernisse f\u00fcr die Teile der kubanischen B\u00fcrokratie, die eher begeistert \u00fcber die Idee w\u00e4ren, sich dem Kapitalismus in die Arme zu werfen und sich in eine KapitalistInnenklasse zu verwandeln. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu den Ereignissen, die sich in der fr\u00fcheren UdSSR und Osteuropa entwickelten. Die B\u00fcrokratie in diesen L\u00e4ndern hatte die Aussicht, selbst die herrschende Klasse zu werden. (Die Ausnahme war Ostdeutschland, wo die alte B\u00fcrokratie vom westdeutschen Imperialismus weitgehend in Pension geschickt wurde.)<\/p>\n<p>Die Begeisterung f\u00fcr die Revolution und der Hass auf den US-Imperialismus hat es dem kubanischen Regime, und besonders Castro, erm\u00f6glicht, trotz dem massiven wirtschaftlichen Zusammenbruch, der seit 1990 stattgefunden hat, massive Unterst\u00fctzung auf Kuba zu behalten. Die aggressive Arroganz des US-Imperialismus ist nach hinten losgegangen und hat geholfen, die kubanische F\u00fchrung an der Macht zu halten. Aber die kubanische Regierung war gezwungen, prokapitalistische Ma\u00dfnahmen zu ergreifen und sich Investitionen anderer imperialistischer M\u00e4chte als der USA zu sichern.<\/p>\n<p>Dies beschleunigte sich 1993 und 1994 und ausl\u00e4ndisches Eigentum wurde im Tourismus und anderen Bereichen zugelassen. Selbst die Landwirtschaft war betroffen. 1992 war 75 % des bebaubaren Landes Kubas unter der Kontrolle von Staatsfarmen, die massive Subventionen genossen. Bis 1995 war diese Zahl auf 27 % gefallen &#8211; der Rest wird von privaten Genossenschaften bebaut, die von der Regierung Land pachten und Maschinen kaufen. Eine feste Quote muss an den Staat verkauft werden und alles dar\u00fcber kann privat verkauft werden.<\/p>\n<p>Diese und andere Ma\u00dfnahmen haben in den letzten zwei Jahren ein gewissen Wachstum in der Wirtschaft erm\u00f6glicht, aber es konnte bei weitem die Verluste nach 1991 nicht ausgleichen. Dieselbe Politik hat auch zur Zunahme von Ungleichheiten gef\u00fchrt. In Joint Ventures, die teilweise oder ganz im Eigentum ausl\u00e4ndischer Firmen sind, besch\u00e4ftigte ArbeiterInnen bekommen h\u00f6here L\u00f6hne &#8211; in Dollars, deren Zirkulation 1993 legalisiert wurde. Unter diesen Bedingungen hat sich unausweichlich ein Schwarzmarkt entwickelt. Als Castro diese Ma\u00dfnahmen einf\u00fchrte hat er sie als vor\u00fcbergehende Schritte dargestellt, die dem Regime durch die Lage aufgezwungen wurden. Gleichzeitig hat er seine fortbestehende Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Sozialismus verk\u00fcndet.<\/p>\n<p>Als er der \u00d6ffnung der Wirtschaft f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen zustimmte, war diese Politik &#8222;weder durch den Neoliberalismus angeregt noch zielt sie auf den \u00dcbergang zum Kapitalismus ab. Es ist eine \u00d6ffnung, um den Sozialismus zu verteidigen und zu entwickeln und dies wird von unserer Regierung nicht verborgen.&#8220; Dass Castro angesichts der imperialistischen Aggression durch die USA die Revolution und den &#8222;Sozialismus&#8220; zu verteidigen scheint, hat die Unterst\u00fctzung vieler Jugendlicher und ArbeiterInnen international f\u00fcr Kuba w\u00e4hrend der letzten f\u00fcnf Jahre verst\u00e4rkt. Viele sehen Kuba jetzt als das einzige Regime, das den Sozialismus verteidigt und die Bedrohung der imperialistischen Aggression und kapitalistischen Restauration bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Die internationale ArbeiterInnenbewegung hat eine Verantwortung, jede Aggression des Imperialismus und all Versuche der Restauration des Kapitalismus auf Kuba abzulehnen. Gleichzeitig ist es notwendig zu sehen, was hinter der Verteidigung des &#8222;Sozialismus&#8220; durch Castro und die kubanische B\u00fcrokratie liegt. Ein Teil von ihnen widersetzt sich Versuchen, zur kapitalistischen Restauration zu schreiten. Teils liegt das daran, dass sie die von der Revolution erreichten sozialen Errungenschaften nicht aufgeben und \u00fcber Elend und Chaos regieren wollen, die eine R\u00fcckkehr zum Kapitalismus f\u00fcr Kuba bedeuten w\u00fcrde. Am wichtigsten ist aber, dass Teile der kubanischen B\u00fcrokratie gezwungen sind, die R\u00fcckkehr zum Kapitalismus zu vermeiden, um ihre eigenen Interessen und Privilegien zu sch\u00fctzen angesichts der Reaktion des US-Imperialismus und der Bedrohung, die eine R\u00fcckkehr der KapitalistInnenklasse im Exil f\u00fcr sie darstellen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrokratie war gezwungen, die Revolution in Worten zu verteidigen und den Imperialismus abzulehnen, um die Unterst\u00fctzung durch die Massen zu behalten und sich auf sie zu st\u00fctzen. Gleichzeitig ist sie entschlossen, ihre Herrschaft und Kontrolle \u00fcber die Gesellschaft zu behalten. Dies spiegelt sich in der Fortsetzung eines Einparteienstaats wieder. Die kubanische Kommunistische Partei ist das Werkzeug, mit dem die B\u00fcrokratie die Gesellschaft kontrolliert.<\/p>\n<h4>Freunde des Sozialismus?<\/h4>\n<p>Trotz Castros Verteidigung des &#8222;Sozialismus&#8220; ist die andere Seite seiner zweigeteilten Politik die Sicherung von Investitionen aus anderen imperialistischen L\u00e4ndern als den USA. Mit ihrem Geld sind kapitalistische Politiker und Ideen gekommen. Der verhasste thatcheristische ehemalige spanische Minister Solchaga wurde als Wirtschaftsberater nach Havanna eingeladen. Castro erkl\u00e4rte seine Sehnsucht, Thatcher pers\u00f6nlich zu treffen und traf schon den Papst als Teil einer klaren Anbiederung an die katholische Kirche. In einer ironischen Wiederholung der Geschichte blieb die kubanische Regierung und Kommunistische Partei wie 1968 (als das mexikanische Milit\u00e4r Hunderte von Studierenden abschlachtete) praktisch still gegen\u00fcber dem Aufstand der indigenen V\u00f6lker in Chiapas in Mexiko.<\/p>\n<p>Keine Unterst\u00fctzung wurde den mexikanischen Busund Erd\u00f6larbeiterinnen bei ihrem Kampf gegen Privatisierung angeboten. Die internationale Politik spiegelt immer noch die Innenpolitik und die Interessen des kubanischen Regimes wider. Es kann kein Zufall sein, dass Havanna zu den K\u00e4mpfen der mexikanischen Massen schweigt, wenn gleichzeitig der mexikanische Kapitalismus zu den gr\u00f6\u00dften Investoren auf Kuba geh\u00f6rt. Die mexikanische Grupo Domos hat 1,5 Millionen US-Dollar auf Kuba investiert. Ein gro\u00dfer Teil der kubanischen B\u00fcrokratie ist bereit, die kapitalistische Restauration zu unterst\u00fctzen, wenn sich ein \u00dcbereinkommen mit dem Imperialismus als m\u00f6glich erweist. Der Druck nach mehr prokapitalistischen Ma\u00dfnahmen muss zunehmen. Kuba kann nicht \u00fcber einen unbestimmten Zeitraum in internationaler Isolierung bestehen und wird gezwungen sein, mehr Auslandskapital und Au\u00dfenhandel anzuziehen. Castro und Teile der B\u00fcrokratie w\u00e4ren wahrscheinlich zufrieden, ein Zwitterregime beizubehalten, wenn das m\u00f6glich ist. Dies w\u00fcrde ein gro\u00dfes Element von privatem Markt mit etwas Staatseigentum und Planung und der Aufrechterhaltung seiner Staatsmaschine beinhalten. Die Teile der F\u00fchrung, die mehr zur kapitalistischen Restauration neigen, werden wahrscheinlich mit dem Tod von Castro, der 71 und bei schlechter Gesundheit ist, anma\u00dfender werden. Mit einer \u00c4nderung in der kubanischen F\u00fchrung nach Castros Tod k\u00f6nnte sogar der US-Imperialismus seine Politik \u00e4ndern und versuchen, eine neue und j\u00fcngere Genration der B\u00fcrokratie in die kubanische Exil-Kapitalistenklasse einzubauen. Manche Teile der herrschenden Klasse in den USA schauen schon auf diese M\u00f6glichkeit und haben sogar Investitionen auf Kuba durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das wurde im Vorfeld der letzten Pr\u00e4sidentschaftswahlen eingeschr\u00e4nkt, als Clinton das Embargo als Teil eines Versuchs, die kubanischen Stimmen in Florida zu gewinnen, versch\u00e4rfte. Solche Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen sich zwar als Hauptbestandteil der Politik herausbilden, selbst das m\u00fcsste aber den Hass und die Bitterkeit unter den kubanischen Massen gegen\u00fcber dem USImperialismus und ihren in Florida sitzenden reaktion\u00e4ren kubanischen Kapitalisten erst einmal \u00fcberwinden. Angesichts der bestehenden Interessengegens\u00e4tze wird das keine leichte Reise sein.<\/p>\n<h4>F\u00fcr eine sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>Das Fehlen einer sozialistischen Alternative und Kubas Isolierung wird eine weitere Beschleunigung des Prozesses der kapitalistischen Restauration erzwingen. Dies k\u00f6nnte nur durch die Errichtung eines Regimes der wirklichen ArbeiterInnendemokratie mit der Perspektive der Entwicklung der sozialistischen Revolution in ganz Lateinamerika und international vermieden werden. Die Errichtung von wirklichen ArbeiterInnenr\u00e4ten, regional und landesweit, die die Wirtschaft kontrollieren und lenken, ist entscheidend. Alle VertreterInnen und Funktion\u00e4rInnen m\u00fcssen von denen gew\u00e4hlt sein, die sie vertreten. Sie m\u00fcssen abgew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen und nur einen durchschnittlichen FacharbeiterInnenlohn erhalten. Das bestehende Einparteienregime muss beendet werden.<\/p>\n<p>Dieses Regime wird oft durch die Bedrohung der Revolution durch den Imperialismus und die Aussicht gerechtfertigt, dass ansonsten rechten und reaktion\u00e4ren Banden aus Miami erlaubt werden k\u00f6nnte, ihre Kr\u00e4fte zu organisieren. Diese Gefahr ist vorhanden, wird aber nicht dadurch vermieden, dass man nur der Partei der B\u00fcrokratie erlaubt, sich zu organisieren. Alle Parteien, die den Imperialismus ablehnen und die Idee einer sozialistischen Planwirtschaft verteidigen, sollten sich organisieren, Propaganda machen und bei Wahlen KandidatInnen aufstellen d\u00fcrfen. Unabh\u00e4ngige Gewerkschaften m\u00fcssen aufgebaut werden. Die Bedrohung, die der Imperialismus und die kapitalistische Restauration auf Kuba darstellen, k\u00f6nnen nur durch den Sieg der sozialistischen Revolution in ganz Lateinamerika und international vermieden werden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist es notwendig, die Unterst\u00fctzung der ArbeiterInnenklasse in Lateinamerika zu gewinnen und eine Sozialistische F\u00f6deration des Kontinents zu errichten. Dies war notwendig, als Che und die Revolution 1959 triumfierten. Che strebte danach, diesen Sieg zu erreichen. Aber trotz seinem Heroismus und revolution\u00e4rem Opfermut verstand er nicht, wie Sozialismus auf dem ganzen Kontinent zu erreichen war. Drei\u00dfig Jahre nach seinem Tod ist dieser Kampf notwendiger denn je. Wenn die Lehren von Ches Erbe von den Revolution\u00e4rInnen international aufgenommen werden, wird dieser Kampf gewonnen.<\/p>\n<p><em>Anhang:<\/em><\/p>\n<p>Kuba an einer Weggabelung<\/p>\n<p>von Peter Taaffe, aus: The Socialist, 20. April 2001<\/p>\n<p>Eine der Folgen der weltweiten Revolte gegen den globalen Kapitalismus ist die neue Popularit\u00e4t Kubas. TouristInnen, die in den 90er Jahren zu Millionen von Kuba angezogen wurden und f\u00fcr die kubanische Wirtschaft eine Rettungsleine darstellten, folgen jetzt westliche Rockgruppen wie die walisische Band Manic Street Preachers.<\/p>\n<p>Die Manics, die ein kubanische Flagge auf dem Cover ihrer j\u00fcngsten CD \u201cMasses against the Classes\u201d haben &#8211; bekamen bei ihrem k\u00fcrzlichen Besuch auf Kuba sowohl in Kuba als auch in Britannien gro\u00dfe Publicity. Das Band-Mitglied Nick Wire stellte Kuba ihrem heimischen S\u00fcdwales gegen\u00fcber und erkl\u00e4rte: &#8222;Wie steht es mit den Menschenrechten der 5.000 Leute, die letzte Woche in S\u00fcdwales ihre Arbeitspl\u00e4tze verloren haben und jetzt in Call Centern arbeiten m\u00fcssen? Niemand redet dar\u00fcber&#8230; [Kuba] ist vielleicht nicht vollkommen&#8220;, sagt er, &#8222;aber Kuba kommt von dem, was wir auf dem Planeten haben, einem sozialistischen Staat am n\u00e4chsten \u2026 Es hat einen h\u00f6heren Alphabetisierungsgrad als Gro\u00dfbritannien. Es gibt eine ausreichende Gesundheitsversorgung, die allen zur Verf\u00fcgung steht und die Lebenserwartung betr\u00e4gt 76, was h\u00f6her ist als in den USA.&#8220;<\/p>\n<p>Fidel Castro beteiligte sich k\u00fcrzlich an dieser Stimmung, als er bei der Enth\u00fcllung einer Statue von John Lennon in Havanna erkl\u00e4rte, er sei jetzt ein &#8222;Lennonist&#8220;. Der Chef des kubanischen Schriftstellerverbandes hat allerdings die Wahrheit etwas strapaziert, als er erkl\u00e4rte: &#8222;die Ziele der kubanischen Revolution entsprechen den \u00dcberzeugungen von John Lennon.&#8220; Trotzdem veranschaulicht die Haltung der Manic Street Preachers die wachsende Wut besonders von jungen Leuten gegen neoliberale Politik. Wie wir anderswo, besonders in dem Buch Castros \u201cKuba &#8211; Eine marxistische Kritik\u201d dokumentiert haben, gibt es auf Kuba viel, was sich positiv von der Lage in der kapitalistischen Welt abhebt.<\/p>\n<p>Vor der kubanischen Revolution 1959 war die durchschnittliche Lebenserwartung 48 f\u00fcr M\u00e4nner und 54 f\u00fcr Frauen. Jetzt ist die Lebenserwartung f\u00fcr M\u00e4nner 74 &#8211; die selbe wie in Britannien &#8211; und 76 f\u00fcr Frauen (79 in Britannien). Die Kindersterblichkeit betr\u00e4gt 7,1 auf 100.000 Geburten, was nicht viel h\u00f6her als in Britannien ist.<\/p>\n<h4>Belagerte Festung<\/h4>\n<p>Im Sozialbereich zeigen sich die Vorteile einer geplanten Wirtschaft, selbst in der armen belagerten Festung, die Kuba heute ist. K\u00fcrzlich besuchten Beamte aus dem britischen Gesundheitsministerium zusammen mit hundert praktischen \u00c4rzten Kuba und waren erstaunt \u00fcber das, was sie sahen. Die Gesundheitsausgaben betragen in Britannien 750\u00a3 pro Kopf, w\u00e4hrend sie auf Kuba 7\u00a3 betragen. Kuba hat 7.000 praktische \u00c4rzte, so viele wie Britannien, aber bei einem F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung. In Kuba gibt es einen Familienarzt auf 500 bis 700 Menschen, im Vergleich zu 1.800 bis 2.000 hier.<\/p>\n<p>Diese und \u00e4hnliche Errungenschaften im Wohnungs- und Bildungsbereich gibt es trotz des wirtschaftlichen Schraubstocks, in den der US-Imperialismus Kuba besonders in den bedrohlichen 90er Jahren geklemmt hat. Dies hat zusammen mit der sch\u00e4ndlichen Streichung der Hilfe aus der fr\u00fcheren UdSSR, die fr\u00fcher die kubanische Wirtschaft st\u00fctzte, der kubanischen Wirtschaft und dem Lebensstandard des Volks einen schweren Schlag versetzt. Anfang der 90er Jahre hing das Schicksal des Landes an einem seidenen Faden, 1993 fiel die Wirtschaft um 13,7 %. Kuba hat es seitdem geschafft, m\u00fchsam wieder aus dem Abgrund herauszukriechen und hat jetzt eine der am schnellsten wachenden Wirtschaften Lateinamerikas. 1999 wuchs es in Kuba um 6,2 %, 2000 um 5,5 %.<\/p>\n<h4>Auslandsinvestitionen<\/h4>\n<p>Eine Planwirtschaft zu haben, bietet immer noch gro\u00dfe Vorteile gegen\u00fcber der kapitalistischen sogenannten &#8222;freien Marktwirtschaft&#8220;. Das ist trotz der Hindernisse durch Kubas ineffektives b\u00fcrokratisches Einparteiensystem, bei dem die Macht in den H\u00e4nden einer Elite in der kubanischen &#8222;Kommunistischen&#8220; Partei konzentriert ist, der Fall. Die Wirtschaft wurde aber auch durch den Tourismus angetrieben, der in den letzten Jahren massiv gewachsen ist und der kubanischen Regierung \u00dcbersch\u00fcsse von 2,2 Milliarden Dollar bringt. Die sch\u00e4tzungsweise drei Milliarden Dollar j\u00e4hrliche Zuwendungen von ExilkubanerInnen, die etwa zwei Millionen der elf Millionen starken Bev\u00f6lkerung Kubas erhalten, haben auch der kubanischen Wirtschaft Auftrieb gegeben.<\/p>\n<p>Die Castro-Regierung war Anfang der 90er Jahre mit der Einf\u00fchrung einer teilweisen &#8222;Dollarisierung&#8220; und \u00d6ffnung zum Markt sowohl mit Auslandskapital als auch mit Kleinbetrieben zu einem R\u00fcckzug gezwungen. Dies hat manche Parallelen zu der Einf\u00fchrung der Neuen \u00d6konomischen Politik in Russland 1921-22. Seit 1995 Auslandskapital gr\u00fcnes Licht erhielt, wurden 370 &#8222;gemischte Unternehmen&#8220; &#8211; Partnerschaften zwischen Investoren aus dem Ausland und der kubanischen Regierung &#8211; gebildet. Der europ\u00e4ische Kapitalismus, besonders der spanische Kapitalismus war der Hauptinvestor. Dies entspricht Auslandsinvestitionen von ungef\u00e4hr vier Milliarden Dollar. Dies hat der kubanischen Wirtschaft allgemein genutzt und geholfen, die entt\u00e4uschende Zuckerernte von knapp unter vier Millionen Tonnen auszugleichen, die die niedrigste seit 50 Jahren war. Kuba h\u00e4ngt immer noch von ausl\u00e4ndischen \u00d6limporten ab und war wie der Gro\u00dfteil der neokolonialen Welt den Schwankungen des \u00d6lpreises auf den Weltm\u00e4rkten ausgesetzt. 1999 schuldete es mehr als 300 Millionen Dollar an \u00d6l&#8220;anbieter&#8220;.<\/p>\n<p>Als Ergebnis der Radikalisierung in Venezuela, die das Regime von Hugo Chavez an die Macht brachte, gab es aber eine teilweise \u201cRettung\u201d. Nach Castros Besuch in Venezuela im Oktober 2000 stimmte Chavez der Lieferung von Roh\u00f6l im Umfang von einem Drittel seiner Inlandsverbrauchs \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren zu einem Durchschnittspreis von 25 Dollar pro Barrel (Fass) zu. Obendrein wird die Bezahlung durch Kuba &#8211; anders als andere Abkommen, die Venezuela mit benachbarten L\u00e4ndern in Mittelamerika und der Karibik abgeschlossen hat &#8211; in Tauschwaren und Dienstleistungen erfolgen. Aber die wirtschaftlichen Zugest\u00e4ndnisse, die die kubanische Regierung gemacht hat, besonders durch die &#8222;Dollarisierung&#8220;, haben die Spalte ge\u00f6ffnet, durch die sich Elemente des Kapitalismus entwickelt haben.<\/p>\n<p>Die Zahl der Kleinbetriebe und legalen &#8222;Selbst\u00e4ndigen&#8220; ist emporgeschnellt. Es hat sich auch eine Parallelwirtschaft in Dollars entwickelt, gegen\u00fcber der die Regierung beide Augen zudr\u00fccken musste. Der durchschnittliche Monatslohn betr\u00e4gt 232 kubanische Pesos (11 Dollar). Das ist nicht genug, um die Grundbed\u00fcrfnisse des durchschnittlichen kubanischen Arbeiters\/in oder einer Familie zu befriedigen.<\/p>\n<p>Die Leute im &#8222;informellen Sektor&#8220;, die vom Tourismus abh\u00e4ngen oder Verbindung zu &#8222;gemischten Betrieben&#8220; haben, kommen nicht nur klar, sondern leben verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut. Laut der Chicago Tribune (28. Januar 2001) werden &#8222;Hotelpagen besser bezahlt als Chirurgen&#8220;. Das untergr\u00e4bt unausweichlich gerade die Unterst\u00fctzerInnen des Regimes, die die Mehrheit darstellen, weitgehend im \u00f6ffentlichen Sektor arbeiten und in Pesos bezahlt werden. Um \u00fcber die Runden zu kommen, sind sie unausweichlich gezwungen, &#8222;im Mondschein&#8220; in zwei oder mehr Jobs schwarz zu arbeiten.<\/p>\n<h4>Engp\u00e4sse<\/h4>\n<p>Trotz des eisernen Griffs, den der Staat auf die Informationen aus\u00fcbt, kommen genug Berichte aus Kuba, um die widerspr\u00fcchliche Stimmung der Bev\u00f6lkerung zu zeigen. Es gibt zweifellos immer noch Massenunterst\u00fctzung f\u00fcr die Errungenschaften der Revolution, aber wachsende Unzufriedenheit \u00fcber die Engp\u00e4sse ist auch deutlich. Die Krise im Transportwesen zum Beispiel hat zu einem Schwarzmarkt f\u00fcr Ersatzteile f\u00fcr staatliche Busse und Taxis gef\u00fchrt. Ein Taxifahrer erkl\u00e4rte: &#8222;Wenn wir die Teile nicht kaufen, k\u00f6nnen wir nicht arbeiten \u2026 meine Familie muss essen \u2026 Ich habe zwei Monate lang nicht gearbeitet, weil der Motor in meinem Fahrzeug ein Teil brauchte, das zehn Pesos kotet. Aber um das Problem zu l\u00f6sen, musste ich zehn Dollar zahlen.&#8220;<\/p>\n<p>Im Kontrast dazu gab es k\u00fcrzlich den Fall eines Provinzchefs im Innenministerium, der Gef\u00e4ngnisarbeit verwendete, um sich selbst ein Haus zu bauen. Prostitution, die in vorrevolution\u00e4ren Zeiten allgemein verbreitet war und durch die Revolution weitgehend beseitigt wurde, ist wieder aufgetaucht. Verbrechen nehmen zu und selbst im vielger\u00fchmten Bildungs- und Gesundheitswesen haben Engp\u00e4sse die Errungenschaften untergraben. Es machen weniger eine Ausbildung zu LehrerInnen, weil sich au\u00dferhalb des Bildungswesens mehr als die durchschnittlich 20 Dollar im Monat f\u00fcr LehrerInnen verdienen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Anders als die russische Revolution war der Bruch mit Gro\u00dfgrundbesitz und Kapitalismus, der von Fidel Castro, Che Guevara und ihren Leuten in der Bewegung des 26. Juli 1959-60 durchgef\u00fchrt wurde, nicht das Ergebnis einer bewussten sozialistischen ArbeiterInnenklasse mit klaren nationalen und internationalen Zielen. Sie kamen weitgehend an der Spitze einer b\u00e4uerlichen und l\u00e4ndlichen Bewegung an die Macht und wurden durch die Ereignisse &#8211; eine Verbindung des Drucks der bewaffneten und wachger\u00fcttelten Massenbewegung und der Drohungen und Handlungen der US-Regierung von Eisenhower und Nixon &#8211; zum Bruch mit Kapitalismus und Gro\u00dfgrundbesitz gezwungen. Das Regime, das sich entwickelte, war zwar ungeheuer popul\u00e4r und stie\u00df in ganz Lateinamerika und weltweit auf ein Echo, war aber nicht wie das Regime der russischen Oktoberevolution 1917 aufgebaut.<\/p>\n<p>In jener Revolution war die ArbeiterInnenklasse die vorherrschende Kraft, die durch demokratische ArbeiterInnen- und B\u00e4uerInnenr\u00e4te (Sowjets) herrschte und ihre Revolution bewusst als den Beginn der europ\u00e4ischen- und Weltrevolution sah. In dieser ersten Phase der Russischen Revolution gab es ArbeiterInnenkontrolle, ArbeiterInnenverwaltung und -leitung in den Betrieben. In Kuba gab es Elemente von ArbeiterInnenkontrolle und &#8222;Volksmacht&#8220;, aber die wirkliche Macht war in den H\u00e4nden der charismatischen F\u00fchrer Fidel Castro, Che Guevara und ihrer Gruppe. Es gab keine Wahl von Funktion\u00e4rInnen oder das Recht auf Abwahl, keine Sowjets und nicht die anderen Merkmale, die es in der Russischen Revolution gab. Was auf Kuba errichtet wurde, war eine Planwirtschaft, die aber durch ein b\u00fcrokratisches Regime gefesselt und sehr abh\u00e4ngig von der Unterst\u00fctzung, besonders der wirtschaftlichen, durch die stalinistisches Regime in Osteuropa und der fr\u00fcheren Sowjetunion war.<\/p>\n<p>Diese Unterst\u00fctzung st\u00fctzte die kubanische Wirtschaft, aber um den Preis eines immer b\u00fcrokratischeren Regimes. Die Macht war in den H\u00e4nden einer Elite konzentriert und wurde besonders von Fidel Castro und der Gruppe um ihn ausge\u00fcbt, die den Massen der organisierten ArbeiterInnenklasse und armen B\u00e4uerInnen nicht voll demokratisch rechenschaftspflichtig waren und bis heute nicht sind. Rockgruppen und andere ArbeiterInnen und jungen Menschen unterst\u00fctzen in ihrem Hass auf das, was der Kapitalismus den Menschen antut, manchmal das, was als der extremste Gegner des Systems erscheint. Wenn sie Kuba als &#8222;sozialistisch&#8220; beschreiben, ist das verst\u00e4ndlich, aber falsch. Sozialismus ist nicht m\u00f6glich ohne demokratische Kontrolle und Leitung. Selbst f\u00fcr ein \u00dcbergangsregime zwischen Kapitalismus und Sozialismus in wie Kuba muss es Demokratie geben, damit der Sozialismus beginnen kann. Auch muss die Revolution international ausgedehnt werden.<\/p>\n<h4>Schluss mit der Blockade<\/h4>\n<p>Wir lehnen die Blockade Kubas ab, arbeiten daran, sie zu brechen, und stellen uns nicht auf die Seite der kapitalistischen Feinde Kubas. Aber wir bef\u00fcrworten auch die Einf\u00fchrung von ArbeiterInnendemokratie, einschlie\u00dflich der oben angef\u00fchrten Forderungen zusammen mit der Unabh\u00e4ngigkeit der Gewerkschaften und dem Recht aller Parteien, die die Planwirtschaft akzeptieren, in offenen freien und fairen demokratischen Wahlen um die Unterst\u00fctzung durch die arbeitenden Menschen Kubas zu k\u00e4mpfen. Wir lehnen eine R\u00fcckkehr zum Kapitalismus unvers\u00f6hnlich ab, die jetzt das erkl\u00e4rte Ziel aller Spielarten der kapitalistischen \u00f6ffentlichen Meinung ist. Die \u00f6ffentliche Meinung in den USA ist mehrheitlich auch f\u00fcr die Aufhebung der Blockade Kubas.<\/p>\n<p>Ihre Aufrechterhaltung wird als v\u00f6llig kontraproduktiv f\u00fcr ihre Ziele betrachtet, eine Wiederholung dessen auf der Karibikinsel zu erleben, was sich in Osteuropa und der fr\u00fcheren Sowjetunion entwickelte. Dennoch erkl\u00e4rte US-Vizepr\u00e4sident Dick Cheney k\u00fcrzlich: &#8222;Ich denke nicht, dass es Aussicht auf die Aufhebung dieser Sanktionen gibt, so lange Fidel Castro da ist&#8220; (Meet the Press auf NBC). Aber der Chor, der Zugest\u00e4ndnisse an Kuba fordert, reicht vom Haushaltsausschu\u00df des US-Repr\u00e4sentantenhauses bis zu Wayne Smith, dem fr\u00fcheren US-Chefdiplomaten in Havanna und der Internationalen Handelskammer. Trotz der teilweisen Aufhebung des Verbots des Verkaufs von Nahrungsmitteln und Medikamenten an Kuba in Worten, wirken die restriktiven Bedingungen, die immer noch vorherrschen, diesen &#8222;Zugest\u00e4ndnisse&#8220; praktisch entgegen. Auch wird Bush zwischen dem zerrissen, was die Wall Street und die Wirtschaft wollen, und der Schuld, in der er bei den Gruppen in Miami steht, die ihm halfen, die US-Pr\u00e4sidentenwahlen zu bestreiten. Und er ist sich bewusst, dass sie auch das Schicksal seines Bruders Jeb bestimmen k\u00f6nnten, der ihn zwei Jahren als Gouverneur von Florida wiedergew\u00e4hlt werden will.<\/p>\n<h4>Neue Revolution<\/h4>\n<p>Castro sieht die Gefahr f\u00fcr sich und sein Regime und ist deshalb k\u00fcrzlich gegen Abweichler vorgegangen. Auch wurde er durch die internationale Lage ermutigt, besonders durch die wachsende Krise des Weltkapitalismus. Castro braucht die Bedrohung durch die Blockade, um seine Unterst\u00fctzung auf Kuba selbst zu festigen. Die weitsichtigeren US-Kapitalisten kalkulieren, dass die Aufhebung der Blockade die Schleusen der kapitalistischen Restauration auf Kuba \u00f6ffnen wird. Solch eine Entwicklung w\u00e4re nicht nur f\u00fcr das kubanische Volk, sondern f\u00fcr den Kampf der ArbeiterInnenklasse und armen B\u00e4uerInnen im Weltma\u00dfstab ein Schlag. Kuba steht an einer Weggablung. Die einzige sichere Garantie gegen die konterrevolution\u00e4ren Pl\u00e4ne der verschiedenen Kapitalistengruppen, die gierig nach ihrem &#8222;Anteil&#8220; auf Kuba schauen, ist die Einf\u00fchrung eines demokratisch- sozialistischen Regimes auf Kuba.<\/p>\n<p>Castro hat klar die Absicht, weiterzumachen wie bisher, aber dies birgt die Gefahr der Beseitigung der gro\u00dfen Errungenschaften der kubanischen Revolution. Im Falle seines Todes k\u00f6nnte sich die Lage grundlegend \u00e4ndern, weil die kubanische Elite jetzt gespalten ist, welchen Weg sie einschlagen soll. Teile der Bush-Regierung glauben, dass sie die Erfahrung von Reagan und<\/p>\n<p>Thatcher auf Kuba wiederholen k\u00f6nnen, die die UdSSR und Osteuropa angeblich in die Knie zwangen. Aber der internationale Hintergrund mit dem Beginn der kapitalistischen Weltkrise und gr\u00f6\u00dferem Man\u00f6vrierraum f\u00fcr das kubanische Regime ist v\u00f6llig anders. Letztlich kann nur ArbeiterInnendemokratie auf Kuba die Kubanische Revolution erneuern, alle ihre Errungenschaften und Ideale festigen und verbessern und ihrerseits eine erneute Welle von demokratischsozialistischen Revolutionen auf dem lateinamerikanischen Kontinent entflammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Revolution&#228;r und Internationalist: Weltweit gegen Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23518"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23518"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23518\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23518"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23518"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23518"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}