{"id":23490,"date":"2012-12-31T11:25:53","date_gmt":"2012-12-31T10:25:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=23490"},"modified":"2013-06-05T10:47:30","modified_gmt":"2013-06-05T08:47:30","slug":"grossbritannien-streiks-zu-weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/12\/grossbritannien-streiks-zu-weihnachten\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien: Streiks zu Weihnachten"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rmt-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-23491\" title=\"rmt-logo\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rmt-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"117\" height=\"72\" \/><\/a>Britische EisenbahmerInnen wehren sich &#8211; auch am zweiten Weihnachtsfeiertag<\/strong><\/p>\n<p>Weihnachtszeit ist in Gro\u00dfbritannien Streikzeit. Zumindest im Schienenverkehr. Sowohl bei der U-Bahn in London als auch bei den Eisenbahnen gab es eine Reihe von Arbeitsk\u00e4mpfen. Weitere sind bereits angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p><em>Von Christian Bunke, Manchester<\/em><\/p>\n<p>Am 26. Dezember bestreikte die Lokf\u00fchrergewerkschaft ASLEF die Londoner U-Bahn. Damit wurde das Einkaufsgesch\u00e4ft am sogenannten Boxing Day in der Hauptstadt empfindlich gest\u00f6rt. Auch das Fu\u00dfballspiel zwischen Arsenal und West Ham United wurde auf ein sp\u00e4teres Datum verschoben.<\/p>\n<p>ASLEF fordert bereits seit drei Jahren eine Reform des Schichtbetriebes an Feiertagen. Bislang k\u00f6nnen U-Bahnfahrer dazu gezwungen werden, an Feiertagen zu arbeiten. Die Gewerkschaft m\u00f6chte erreichen, dass dies nur noch auf freiwilliger Basis geschieht. Au\u00dferdem fordert sie f\u00fcr diese Arbeit eine Verdoppelung der Bezahlung.<\/p>\n<p>Seit 2010 stimmen jedes Jahr 90 Prozent aller ASLEF-Mitglieder f\u00fcr einen Ausstand am verkaufsoffenen zweiten Weihnachtsfeiertag. Die Londoner Transportbeh\u00f6rde hat sich davon allerdings bislang nicht beeindrucken lassen.<\/p>\n<p>\u00a0Auch im Norden Englands, in Newcastle, wurde am 26. Dezember die Arbeit niedergelegt. Dort fordern in der Transportarbeitergewerkschaft RMT organisierte Reinigungskr\u00e4fte eine Lohnerh\u00f6hung. Sie sind f\u00fcr die Firma Churchill\u2019s t\u00e4tig, die f\u00fcr die Reinigung der Metro-Nahverkehrsz\u00fcge in der Grafschaft Tyne and Wear verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Churchill\u2019s zahlt den Besch\u00e4ftigten nur den gesetzlichen Mindestlohn. Eine Erh\u00f6hung schloss der Konzern nach R\u00fccksprache mit seinem Auftraggeber aus. Die Tyne and Wear Metro wird vom Deutsche-Bahn-Konzern betrieben.<\/p>\n<p>Die RMT berichtet, dass Churchill\u2019s Streikbrecher angeheuert habe und diesen ein Vielfaches vom \u00fcblichen Lohn zahle. &#8222;Wenn es den Firmeninteressen dient, ist Geld durchaus vorhanden\u00ab, so der Kommentar der Gewerkschaft dazu. In den letzten f\u00fcnf Jahren haben sich die Profite von Churchill\u2019s auf sieben Millionen Pfund pro Jahr verdoppelt. Der Konzern zahlt den Reinigungskr\u00e4ften keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, es gibt keine Betriebsrenten und keine Reiseverg\u00fcnstigungen f\u00fcr Angestellte auf den Metroz\u00fcgen.<\/p>\n<p>\u00a0Auch Signalarbeiter streikten w\u00e4hrend der Weihnachtszeit. Sie legten im schottischen Stirling vom 23. bis zum 24. Dezember die Arbeit nieder. Die in der RMT organisierten Besch\u00e4ftigten wollen mit der Ma\u00dfnahme ein ertr\u00e4glicheres Schichtsystem erk\u00e4mpfen. Ihre Kollegen beim Londoner Bahnhof St. Pancras waren bereits vom 19. bis zum 21. Dezember in den Ausstand gegangen. Hier sollen 50 Prozent aller Stellen abgebaut werden.<\/p>\n<h4>\u00a0Verhandlungserfolge<\/h4>\n<p>\u00a0Eine Reihe weiterer geplanter Streiks wurde abgesagt, weil f\u00fcr die RMT-Gewerkschaft zufriedenstellende Verhandlungsergebnisse erzielt werden konnten. So gibt es f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten des verstaatlichten Schieneninstandhalters Network Rail eine Gehaltserh\u00f6hung von 3,5 Prozent. Hier wollte das Unternehmen urspr\u00fcnglich eine Nullrunde erzielen. RMT-Generalsekret\u00e4r Bob Crow freute sich \u00fcber den Abschluss: \u201eDas ist eines der besten Ergebnisse \u00fcberhaupt. Obwohl man uns immer erz\u00e4hlt, wir h\u00e4tten Gehaltsk\u00fcrzungen zu akzeptieren, zeigt es, dass die RMT nach wie vor Gehaltserh\u00f6hungen \u00fcber der Inflationsrate erk\u00e4mpfen kann.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0Auch die Bahnunternehmen First Scotrail und Cross Country h\u00e4tten am 26. Dezember bestreikt werden sollen. Bei ersterem ging es um die Entlassung eines Schaffners, die von der RMT bek\u00e4mpft wurde. Hier wurde kurz vor Streikbeginn eine akzeptable L\u00f6sung erzielt, so die Gewerkschaft. Bei Cross Country geht es um eine Reihe von Problemen, unter anderem systematisches Mobbing durch den Arbeitgeber. Auch hier habe die Streikdrohung Verhandlungsfortschritte gebracht. Allerdings weist die RMT darauf hin, dass dieser Streik nur ausgesetzt, nicht aufgehoben ist.<\/p>\n<p>\u00a0Die Welle an Arbeitsk\u00e4mpfen ist Ausdruck der sich immer weiter verschlechternden Situation bei Gro\u00dfbritanniens Eisenbahnen. 1993 wurde der gesamte Bahnsektor privatisiert. 2001 musste das Schienennetz r\u00fcckverstaatlicht werden, weil der private Betreiber Railtrack, nachdem er jahrelang astronomische Gewinne eingefahren hatte, notwendige Infrastrukturma\u00dfnahmen nicht schultern konnte und Insolvenz anmeldete. Seither ist nur noch der Eisenbahnbetrieb privat. Gut zwei Dutzend Gesellschaften betreiben heute jeweils eine oder mehrere Strecken zumeist als regionale Monopole. Doch auch mit diesen gibt es immer wieder Probleme. So muss der Betreiber der London-Midland-Linie 2013 Kompensationen im Wert von sieben Millionen Pfund an die Passagiere zahlen. Unter anderem soll es Gratisfahrten f\u00fcr Dauerkartenbesitzer geben. 2012 waren auf der Linie mehr als 1000 Z\u00fcge ausgefallen. Manchmal gab es \u00fcber 50 Ausf\u00e4lle pro Tag. Ein Grund daf\u00fcr sind die vergleichsweise niedrigen Geh\u00e4lter der Betriebsfirma. Sie fand schlicht nicht genug Lokf\u00fchrer, die f\u00fcr den angebotenen Lohn arbeiten wollten.<\/p>\n<p>\u00a0Das britische Transportministerium fordert f\u00fcr die London-Midland-Linie mehr Investitionen in die Instandhaltung der Infrastruktur. Doch die Realit\u00e4t sieht anders aus. Es drohen massive Einsparungen, die vor allem durch Stellenabbau erzielt werden sollen. 35 Prozent des derzeitigen Personals soll abgebaut werden. Zugbegleiter sollen bald der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Auch auf Lohnerh\u00f6hungen soll zuk\u00fcnftig verzichtet werden. Das zumindest wird im von der Regierung in Auftrag gegebenen Ergebnisbericht zu 18 Jahren privatisierter Bahn, dem sogenannten McNulty-Report, gefordert: &#8222;Die Erwartungshaltung, dass L\u00f6hne bei den Eisenbahnen \u00fcber die Inflationsrate hinaus anwachsen, muss enden&#8220;, hei\u00dft es darin. Selbst der Ausgleich der Inflationsrate m\u00fcsse in Frage gestellt werden. \u201eDer Trend, die Abeitszeiten immer weiter zu verk\u00fcrzen, sei nicht nachhaltig.\u201c F\u00fcr 2013 planen die Transportgewerkschaften Kampfma\u00dfnahmen gegen die Empfehlungen des McNulty-Berichtes.<\/p>\n<p><strong><em><span style=\"font-size: x-small;\">\u00a0Dieser Artikel erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt.<\/span><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Britische EisenbahmerInnen wehren sich &#8211; auch am zweiten Weihnachtsfeiertag<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23491,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,35,20,46],"tags":[315],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23490"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23490"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23490\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23491"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}