{"id":23416,"date":"2012-12-29T14:17:06","date_gmt":"2012-12-29T13:17:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=23416"},"modified":"2012-12-29T14:17:06","modified_gmt":"2012-12-29T13:17:06","slug":"indien-aufstand-gegen-vergewaltigungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/12\/indien-aufstand-gegen-vergewaltigungen\/","title":{"rendered":"Indien: Aufstand gegen Vergewaltigungen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_23418\" aria-describedby=\"caption-attachment-23418\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/8297207274_4de8326e26_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-23418\" title=\"8297207274_4de8326e26_b\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/8297207274_4de8326e26_b-e1356786983443-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/8297207274_4de8326e26_b-e1356786983443-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/8297207274_4de8326e26_b-e1356786983443-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/8297207274_4de8326e26_b-e1356786983443-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/8297207274_4de8326e26_b-e1356786983443.jpg 774w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23418\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/ramesh_lalwani\/ CC BY-NC 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Widersetzt euch sexueller Gewalt<\/strong><\/p>\n<p><em>Hier ver\u00f6ffentlichen wir eine \u00dcbersetzung des Flugblatts der indischen Sektion des CWI zu den Massenprotesten anl\u00e4sslich der Vergewaltigung und des Mordes einer 23j\u00e4hrigen Studentin in Neu-Delhi. Das Flugblatt kann im Original runtergeladen werden: <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Rage-against-rape.pdf\">Rage against rape<\/a><\/em><\/p>\n<p>Das abscheuliche Verbrechen passiert \u00fcberall: in Wohnungen, in Familien, in Nachbarschaften, in Polizeistationen, in D\u00f6rfern und St\u00e4dten und die Vorf\u00e4lle steigen \u00fcberall in Indien.<\/p>\n<p>Die modernen industriellen Zeiten haben Frauen aus der Beschr\u00e4nkung ihrer eigenen vier W\u00e4nde herausgeholt und die Rolle von Frauen hat sich ph\u00e4nomenal ge\u00e4ndert. Aber das herrschende kapitalistische System, angetrieben und gesteuert von den Werten des Feudalismus und Patriarchats hat das noch nicht akzeptiert. Im gesamten politischen Spektrum haben die Parteien, egal welcher Farbe nur Verachtung f\u00fcr Frauen und ihre Rechte \u00fcbrig. Im Geist dieses Systems wird Frauenfeindlichkeit aufrecht erhalten und die fundamentalsten Frauenrechte missachtet.<\/p>\n<h4>Stoppt Gewalt gegen Frauen<\/h4>\n<p>Die bisher beispiellose Wut der Jugend von Delhi und anderen St\u00e4dten des Landes \u00fcber die Gruppenvergewaltigung der 23 j\u00e4hrigen Medizinstudentin in einem Bus ist der Ausdruck der kochenden Unzufriedenheit, die sich gegen\u00fcber dem System \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit angestaut hat.<\/p>\n<p>Die Furcht vor der \u201eMacht der Stra\u00dfe\u201c, die in Delhi deutlich wurde und das ganze Land erfasst hat, f\u00fchrte zur Unterdr\u00fcckung dieser Proteste. In krassem Widerspruch zum spontanen Mitgef\u00fchl und der Forderung von jungen Frauen und M\u00e4nnern nach Gerechtigkeit, haben die Beh\u00f6rden ungeschickterweise die Proteste durch eine gewaltsame Niederschlagung brutalisiert. Das spricht B\u00e4nde \u00fcber die verzerrte Demokratie der so genannten gr\u00f6\u00dften Demokratie namens Indien.<\/p>\n<p>Es ist eine Tatsache, dass Gewalt gegen Frauen in Indien besonders in den marginalisiertesten Bev\u00f6lkerungsgruppen, wie den Dalit, Adivasi, Frauen in gewerkschaftslosen Betrieben, sexuellen Minderheiten, Prostituierten etc. verbreitet ist. Die Verurteilungsraten sind hier abgrundtief niedrig und die T\u00e4ter laufen meist frei herum.<\/p>\n<p>Es ist auch eine Tatsache, dass die meisten Vergewaltigungs- und Bel\u00e4stigungsf\u00e4lle nicht gemeldet werden, aufgrund der feudalen Werte, welche die indische Gesellschaft und Kultur dominieren. Die Folter und Vergewaltigung von Gefangenen sowie die anderen Sexualstraftaten von staatlichen Beh\u00f6rden wecken bisher nicht viel Emp\u00f6rung. Sexuelle Gewalt betrifft Frauen aus allen Schichten und Volksgruppen. Die T\u00e4ter sind eine Minderheit von M\u00e4nnern aus allen Schichten und Volksgruppen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin: 0; margin-right: 10px; border: 2px solid #000000; padding: 0em 1em 1em 1em; background-color: #c0c0c0;\">\n<h4>Zahlen:<\/h4>\n<p>Vergewaltigung ist das gr\u00f6\u00dfte Verbrechen in Indien: 24206 Vergewaltigungsf\u00e4lle in 2011.<\/p>\n<p>Seit 1972 sind die Vergewaltigungsf\u00e4lle um 791% angestiegen.<\/p>\n<p>Nur 50 Prozent aller Vergewaltigungen werden gemeldet.<\/p>\n<p>Alle 20 Minuten findet eine Vergewaltigung statt.<\/p>\n<p>Alle 76 Minuten wird ein Kind vergewaltigt.<\/p>\n<p>Verurteilungsraten f\u00fcr Vergewaltigung sind von 41% 1971 auf 27% 2010 gesunken.<\/p>\n<p>Gemessen an 53 St\u00e4dten, macht Delhi 13,3 % (4.489) dieser F\u00e4lle aus, gefolgt von Bangalore mit 5,6 % (1.890) und Hyderabad mit 5,5 % (1,860).<\/p>\n<p>In einem Land, wo Dalits als die \u201eUnber\u00fchrbaren\u201c gelten, werden Dalit-M\u00e4dchen straffrei und rachs\u00fcchitg vergewaltigt.<\/p>\n<\/div>\n<p>Es ist verbreitet und angelegt in der kapitalistischen Gesellschaft. Frauen der Arbeiterklasse leiden unter Sexismus zus\u00e4tzlich zu der Unterdr\u00fcckung, die alle Teile der Arbeiterklasse erfahren. Die indische Geschichte ist gespickt mit Verbrechen gegen Frauen, angefangen mit der Mathura Vergewaltigung 1972, seit der die Bundespolizei angefangen hat, Vergewaltigungen zu dokumentieren. Bei den ber\u00fcchtigten Unruhen von Gujarat wurden unz\u00e4hlige muslimische Frauen gefoltert und vergewaltigt. Und auch der Fall von Soni Soori in Chattisgarh sowie die Gr\u00e4ueltaten der indischen Armee im Nord-Osten sowie Jammu und Kashmir finden kaum Erw\u00e4hung in den Mainstream Medien, die den Gro\u00dfunternehmen geh\u00f6ren. Alle 20 Minuten findet eine Vergewaltigung statt. Alle 76 Minuten wird ein Kind vergewaltigt. Es gibt einen unerbittlichen und stummen Krieg gegen Frauen, der auf unterschiedlichsten Wegen ausgetragen wird. Angefangen damit, dass sie im Bauch der Mutter get\u00f6tet werden, dazu dass sie bestraft werden M\u00e4dchen zu geb\u00e4hren und dazu sie zu bestrafen, wenn sie traditionelle M\u00e4nnerdom\u00e4nen in Frage stellen.<\/p>\n<h4>Frauen sind kein Objekt<\/h4>\n<p>Sexualit\u00e4t wird durch Pornographie entstellt, die immer zug\u00e4nglicher wird f\u00fcr j\u00fcngere Altersgruppen. M\u00e4nnliche und weibliche Rollenbilder werden uns von Geburt an aufgezwungen. Frauenk\u00f6rper werden objektiviert und \u00fcberall benutzt, zu \u201eunterhalten\u201c und Produkte zu verkaufen.<\/p>\n<p>M\u00e4nner, die sexuell gewaltt\u00e4tig sind m\u00fcssen die Verantwortung f\u00fcr ihre Rolle als T\u00e4ter \u00fcbernehmen. Trotzdem k\u00f6nnen wir sexuelle Gewalt nicht loswerden, in dem wir nur Individuen bestrafen.<\/p>\n<p>Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist ein Produkt der kapitalistischen Gesellschaft, wo Menschen darauf konditioniert werden Frauen als minderwertig, als G\u00fcter oder als Objekte anzusehen, die abgesondert von der Menschheit stehen.<\/p>\n<p>Sexismus hilft dem kapitalistischen System. Die Familie stellt die Grundlage da, ArbeiterInnen zu reproduzieren, zuk\u00fcnftige ArbeiterInnen gro\u00df zu ziehen und hilft die jetzigen ArbeiterInnen, Erwerbslosen und RentnerInnen zu versorgen.<\/p>\n<p>Die Arbeit, die in den Haushalten meist von unbezahlten Frauen verrichtet wird, die oft auch au\u00dferhalb des Hauses arbeiten, spart dem Kapitalismus Millionen von Rupees und erh\u00f6ht die Profite einiger Weniger.<\/p>\n<h4>Vergewaltigung ist kein Witz<\/h4>\n<p>Angeblich \u201eironisch\u201c, k\u00f6nnen sexistische Witze helfen, Sexismus zu normalisieren und Anmachen, sexuelle Bel\u00e4stigung und anz\u00fcgliche Witze akzeptierter zu machen. Es hilft auch Frauen, die sich \u00fcber unangemessene Witze beschweren als \u201epr\u00fcde\u201c oder \u201ehumorlos\u201c abzuurteilen. Wie kann sich denn eine Frau auf ihrem Heimweg in der Nacht sicher f\u00fchlen, wenn sie Angst haben muss, dass ein Mann dem sie begegnet, \u00fcber Vergewaltigungen lacht?<\/p>\n<h4>Behelfsl\u00f6sungen sind nicht genug<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend T\u00e4ter solcher Verbrechen definitiv bestraft werden m\u00fcssen, liegt die L\u00f6sung weder darin zu mittelalterlichen Praktiken, wie Todesstrafen oder Kastration zur\u00fcckzukehren, noch liegt sie darin, die \u00dcberwachung durch die Polizei zu erh\u00f6hen, was das Problem nicht l\u00f6sen wird. Das w\u00fcrde nur dazu f\u00fchren die Regierung mit unerh\u00f6rten Befugnissen auszustatten, die sie ungestraft gegen die Arbeiterklasse einsetzen k\u00f6nnen. F\u00fcr so ein weit verbreitetes Verbrechen sind Behelfsl\u00f6sungen keine Antwort.<\/p>\n<p>Beim besten Willen k\u00f6nnen wir dieses System und die herrschende Klasse von diesem tiefsitzenden \u00dcbel freisprechen, die darin versagten diese Gesellschaft zu entwickeln und feudale und mittelalterliche Werte und Praktiken zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Die Gewalt gegen Frauen ist ein Produkt vom kranken System Kapitalismus, wo Menschen dazu konditioniert werden, Frauen als minderwertig, als G\u00fcter und Objekte anzusehen, die daf\u00fcr da seien Vergn\u00fcgen zu bereiten.<\/p>\n<p>Eine Kampagne gegen Vergewaltigung isoliert von allen anderen Aspekten von Frauenunterdr\u00fcckung wird ihren Zweck nicht erf\u00fcllen. Vergewaltigung ist genauso wie h\u00e4usliche Gewalt und Bel\u00e4stigung ein Symptom einer tief ungerechten Klassengesellschaft, die dazu f\u00fchrt, dass einige M\u00e4nner denken, sie k\u00f6nnten \u00fcber Frauen herrschen, auch sexuell. Das wird verst\u00e4rkt durch die materielle Ungleichheit und ihren geringeren Status in der Gesellschaft. Wir m\u00fcssen Sexismus bek\u00e4mpfen und im Prozess des Kampfes werden Millionen von Menschen dieses brutale, sexistische, ausbeuterische kapitalistische System, in dem wir leben, in Frage stellen und nach einer Alternative jenseits des Kapitalismus suchen.<\/p>\n<h4>Baut eine Massenbewegung um Sexismus, das Kastenwesen und Kapitalismus zu bek\u00e4mpfen<\/h4>\n<p>New Socialist Alternative (CWI in Indien) fordert:<\/p>\n<ul>\n<li>Sofortige Aktionen gegen Sexualstraft\u00e4ter und angemessene Hilfe f\u00fcr die Opfer solcher Verbrechen<\/li>\n<li>eine unabh\u00e4ngige Untersuchung der Verantwortung von Polizei und Staatsapparat f\u00fcr die sexuelle Gewalt. Diese sollte Gewerkschaften, Frauen, Studierende und andere progressive Organisationen umfassen und das Recht haben, gegen diejenigen vorzugehen, die den T\u00e4tern zur Seite stehen.<\/li>\n<li>Nein zur Todesstrafe! Nein zur Kastration! Ja zu schnellen Gerichtsverfahren zu Vergewaltigung und anderen Formen der sexuellen Gewalt.<\/li>\n<li>Die arbeitende Bev\u00f6lkerung kann sich nicht auf die staatlichen Institutionen verlassen, f\u00fcr Gerechtigkeit zu sorgen. Deshalb muss es Verteidigungskomitees von Gewerkschaften, Nachbarschaftsorganisationen, ArbeiterInnen und anderen fortschrittlichen Organisationen geben, um die Stra\u00dfen wieder sicherer f\u00fcr Frauen zu machen und die Bedrohung von Frauen zu bek\u00e4mpfen durch eine Kampagne gegen sexuelle Gewalt und Ausbeutung gegen Frauen, die \u00fcber Vorteile bez\u00fcglich Vergewaltigung aufkl\u00e4rt und sich f\u00fcr Frauenrechte ausspricht.<\/li>\n<li>Ein Ende dieses kapitalistischen Systems, dass Frauen diskriminiert und unterdr\u00fcckt. F\u00fcr eine demokratische, s\u00e4kulare und sozialistische Gesellschaft auf der Basis von wirklicher Gleichheit, das die Bed\u00fcrfnisse der Menschen \u00fcber die Profite einiger Weniger stellt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugblatt der indischen Sektion des CWI<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23418,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,32],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23416"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23416"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23416\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23418"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}