{"id":22569,"date":"2012-10-28T17:00:58","date_gmt":"2012-10-28T16:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=22569"},"modified":"2012-10-27T10:02:24","modified_gmt":"2012-10-27T08:02:24","slug":"arbeiterinnen-fordern-den-suedafrikanischen-kapitalismus-heraus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/10\/arbeiterinnen-fordern-den-suedafrikanischen-kapitalismus-heraus\/","title":{"rendered":"ArbeiterInnen fordern den s\u00fcdafrikanischen Kapitalismus heraus"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_22570\" aria-describedby=\"caption-attachment-22570\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/644562_10151111074296279_2101333039_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-22570\" title=\"644562_10151111074296279_2101333039_n\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/644562_10151111074296279_2101333039_n-208x347.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/644562_10151111074296279_2101333039_n-208x347.jpg 208w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/644562_10151111074296279_2101333039_n-104x173.jpg 104w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/644562_10151111074296279_2101333039_n.jpg 325w\" sizes=\"(max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22570\" class=\"wp-caption-text\">Alec Thraves<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>von Alec Thraves, \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England &amp; Wales). Alec ist soeben von seinem Besuch in S\u00fcdafrika zur\u00fcckgekehrt. Dieser Artikel erschien am 18. Oktober auf socialistworld.net<\/em><\/p>\n<p>Am 16. August schockte das im Vorfeld durchgeplante Blutbad an 34 streikenden Bergleuten der Mine des Unternehmens \u201eLonmin\u201c in Marikana, die von der s\u00fcdafrikanischen Polizei erschossen worden waren, die Welt. Das offenbarte, trotz des Endes der Apartheid und dem historischen Wahlsieg des \u201eAfrican National Congress\u201c (ANC) im Jahre 1994, das skrupellose und brutale Regime des Kapitalismus, das in S\u00fcdafrika weiterhin existiert.<\/p>\n<p>Das Blutbad von Marikana hat die Grundfesten der ganzen s\u00fcdafrikanischen Gesellschaft ins Wanken gebracht. Es hatte Auswirkungen auf die herrschende Regierungspartei ANC, die nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen sind. Seither h\u00e4ngt auch ein dickes Fragezeichen \u00fcber dem Gewerkschaftsbund COSATU und seiner gr\u00f6\u00dften Einzelgewerkschaft, der Bergarbeitergewerkschaft NUM: Welche Rolle spielen sie bei alledem?<\/p>\n<p>So, wie die soziale Unzufriedenheit innerhalb der Arbeiterklasse S\u00fcdafrikas zunimmt, w\u00e4chst auch die Ablehnung gegen\u00fcber den korrupten politischen und gewerkschaftlichen F\u00fchrungsriegen. Und auch die Forderungen nach grundlegenden Ver\u00e4nderungen werden st\u00e4rker. Unterstrichen wird diese Tendenz nicht nur durch den wilden Streik der Bergleute, sondern auch durch die Arbeitsk\u00e4mpfe der hunderttausenden von ArbeiterInnen anderer Branchen in allen Bereichen der Industrie.<\/p>\n<p>Bei der Forderung der streikenden Kumpel nach 12.500 s\u00fcdafrikanischen Rand (rund 1.100 Euro) monatlichen Mindestlohns handelt es sich mittlerweile um einen Punkt, den die unterbezahlten ArbeiterInnen \u00fcberall im Land zum Anlass f\u00fcr eigene Kundgebungen und Versammlungen nehmen.<\/p>\n<p>Das \u201eDemocratic Socialist Movement\u201c (DSM) in S\u00fcdafrika, das \u2013 wie die SAV in Deutschland \u2013 dem \u201eCommittee for a Workers\u2019 International\u201c (CWI; dt.: \u201eKomitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale\u201c) angeh\u00f6rt, spielt eine tragende Rolle in diesem Konflikt, den die Bergleute zur Zeit austragen. So leistet das DSM den \u201eCoordinating Strike Committees\u201c (dt.: \u201eStreik-Koordinierungskomitee\u201c), die an der offiziellen Gewerkschaftsf\u00fchrung vorbei entstanden sind, ma\u00dfgebliche Unterst\u00fctzung und \u00fcbt dabei eine F\u00fchrungsfunktion aus. Die Mitglieder des DSM stellen der Korruption, der Gier und dem Verrat der derzeitigen ANC- und NUM-F\u00fchrung eine sozialistische Alternative entgegen.<\/p>\n<p>Wie viele AktivistInnen haben auch die meisten ArbeiterInnen bei \u201eLonmin\u201c nur wenig Vertrauen in die \u201eoffiziellen Untersuchungen\u201c, die der s\u00fcdafrikanische Pr\u00e4sident Jacob Zuma veranlasst hat, um das Blutbad aufzukl\u00e4ren. Viele dieser ArbeiterInnen haben ihre Antwort auf die L\u00fcgen, die von den kapitalistischen Medien in S\u00fcdafrika und weltweit verbreitet werden, bereits gegeben.<\/p>\n<h4>Das Blutbad<\/h4>\n<p>Bei einem DSM-Treffen in Flagstaff in der Provinz Eastern Cape erkl\u00e4rten ein DSM-Aktivist und einer der f\u00fchrenden Figuren des \u201eStrike Coordinating Committee\u201c zusammen mit Weizmann Hamilton, einem Organisator des DSM aus Johannesburg, was am 16. August wirklich geschah. Sie beriefen sich auf Aussagen eines Bergarbeiters, der dabei gewesen ist:<\/p>\n<div style=\"margin: 0; margin-right: 10px; border: 2px solid #000000; padding: 0em 1em 1em 1em; background-color: #c0c0c0;\">\n<p>\u201eDas entscheidende Moment, das beim Lonmin-Streik die Wende brachte, war die einseitige Entscheidung der Gesch\u00e4ftsleitung, ausgew\u00e4hlten Besch\u00e4ftigten eine Lohnerh\u00f6hung zu gew\u00e4hren. Dazu kam es trotz der Tatsache, dass dieses Vorgehen einem bestehenden und noch geltenden Abkommen mit zweij\u00e4hriger Laufzeit widersprach, das von der Bergarbeitergewerkschaft NUM unterschrieben worden war und erst im Juni 2013 auslaufen sollte. Das Versagen der NUM, darauf entsprechend zu reagieren, bedeutete, dass man wieder einmal mit der Konzernleitung zusammenspielte, weshalb die ArbeiterInnen die Dinge dann selbst in die Hand nahmen und ein unabh\u00e4ngiges Komitee ins Leben riefen, das aus &#8218;einfachen&#8216; Besch\u00e4ftigten bestand. Am 9. August stellte das Streikkomitee bei Lonmin seine Forderung nach 12.500 Rand monatlichen Mindestlohns vor.<\/p>\n<p>Die NUM lehnte es ab, diese Forderung oder das Komitee zu unterst\u00fctzen. Und auch weil die Konzernleitung Verhandlungen dar\u00fcber ablehnte, machten die Bergleute dann die Grube dicht. Samstag fr\u00fch versuchten Vertreter der NUM, die Kumpel zur\u00fcck an ihre Arbeitspl\u00e4tze zu schicken. Daraufhin schickte das Streikkomitee eine Delegation zur NUM-Gesch\u00e4ftsstelle (die sich ironischer Weise direkt neben der Polizeiwache befindet, die f\u00fcr den Slum verantwortlich ist, in dem die meisten der Lonmin-ArbeiterInnen leben). Als die KollegInnen dort eintrafen, wurde auf sie geschossen, und zwei Mitglieder des Streikkomitees kamen ums Leben. Die Konzernleitung reagierte wie immer und schickte einen privaten Sicherheitsdienst und die Polizei, um den Streik mit Gewalt zu beenden. Das Ergebnis war, dass vier weitere KollegInnen sowie zwei Besch\u00e4ftigte der Sicherheitsfirma und zwei Polizisten starben.<\/p>\n<p>Die streikenden Bergleute entschieden dann, dass es zur eigenen Sicherheit besser sei, das Bergwerksgel\u00e4nde zu verlassen und sich auf eine Anh\u00f6he zur\u00fcckzuziehen, um von dort aus den Protest fortzusetzen. Die Forderung der ArbeiterInnen war einfach: Die Konzernleitung solle sich mit ihnen zusammensetzen und auf die Forderungen reagieren.<\/p>\n<p>Was dann passierte, muss als geplanter Mord bezeichnet werden und konnte nur nach Abstimmung auf allerh\u00f6chster Ebene in der Regierung, bei der Polizei und auf Seiten des Arbeitgebers geschehen. Es war die Entscheidung, den Streik zu brechen und ihn im Blut der Streikenden zu ertr\u00e4nken. Die Polizei sperrte den H\u00fcgel ab und lie\u00df dabei im Stacheldraht eine L\u00fccke von nur wenigen Metern Breite. 3.000 bewaffnete Polizisten machten sich, unterst\u00fctzt von Hubschraubern, bereit, die ArbeiterInnen von allen Seiten und aus der Luft anzugreifen.<\/p>\n<p>Sie begannen damit, von hinten auf die Menschenmenge zu schie\u00dfen und somit die Streikenden dazu zu zwingen, in Richtung des f\u00fcnf Meter schmalen Ausgangs zu rennen. Als diese dort herauszukommen versuchten, wurden sie von der Polizei, die sie dort erwartete, niedergeschossen. Deshalb machten sie Kehrt und rannten zur\u00fcck, um hinter B\u00e4umen und Felsen Zuflucht zu suchen.<\/p>\n<p>Und genau dort wurden die meisten Toten sp\u00e4ter gefunden. Sie konnten nirgendwo hin ausweichen. Einige von ihnen wurden get\u00f6tet, nachdem sie ihre Arme gehoben hatten, andere lagen verletzt am Boden und bekamen dort den t\u00f6dlichen Schuss. Es gab nur deshalb \u00dcberlebende unter den Verletzten, weil die Polizei dachte, dass alle tot seien, und sie auf einen Haufen geworfen wurden. 34 Streikende wurden get\u00f6tet, 79 verletzt und 234 verhaftet.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<p>Und als ob das nicht grausam genug gewesen w\u00e4re, versuchte die Staatsanwaltschaft anf\u00e4nglich noch, die verhafteten Bergleute wegen Mordes an ihren eigenen Kollegen anzuklagen. Dabei berief man sich ausgerechnet auf die \u201eDoctrine of Common Purpose\u201c (\u201eErlass gegen gemeinschaftlich begangene Straftaten\u201c), die das alte Apartheid-Regime eingef\u00fchrt und immer wieder bem\u00fcht hatte. Das zeigt, dass der heutige Staatsapparat offenbar keine Schamgrenze hat. Marikana zeigt die brutale Realit\u00e4t des Kapitalismus in S\u00fcdafrika!<\/p>\n<p>Dieses Blutbad fand unter der \u00c4gide der ANC-Regierung statt. Eine korrupte und degenerierte Regierung, die im Interesse der Konzerne handelt, geht in den Augen einer gro\u00dfen Zahl von Mitgliedern der Arbeiterklasse damit jetzt ihrem Ende entgegen. Genau wie die R\u00fcckkehr des Landes in die d\u00fcsteren Zeiten der Apartheid sind auch der ekelhaft zur Schau gestellte Reichtum und die Privilegien der f\u00fchrenden ANC-Politiker jeden Tag in den Medien zu sehen.<\/p>\n<h4>Die Bonzen unter den Politikern<\/h4>\n<p>Die Meldung, dass der private Wohnkomplex von Pr\u00e4sident Zuma in seinem Heimatdorf unter Verwendung von 200 Millionen Rand (rund 18 Mio. Euro) an staatlichen Geldern ausgebaut worden ist, dominiert die landesweite Presselandschaft. Den Berichten zufolge hat dieses Areal unterirdische Bunker, einen Hubschrauberlandeplatz, eine luxuri\u00f6se Einrichtung und zwei Fu\u00dfballfelder f\u00fcr die Sicherheitsleute, um ab und an ein Spielchen zu wagen!<\/p>\n<p>Beim alle f\u00fcnf Jahre stattfindenden Landesparteitag des ANC, der das n\u00e4chste Mal in diesem Dezember abgehalten wird, will Zuma versuchen, f\u00fcr weitere f\u00fcnf Jahre als ANC-Vorsitzender zu bestehen, was automatisch auch die Staatspr\u00e4sidentschaft bedeutet.<\/p>\n<p>Sein wichtigster Rivale ist Kgalema Motlanthe, stellvertretender Vorsitzender des ANC, der keine ideologischen Unterschiede zu Zuma aufweist. Doch wie bei all den sich gegenseitig bekriegenden Fraktionen ist auch in diesem Fall das gr\u00f6\u00dfte Augenmerk auf die Macht und den Reichtum und die \u201eNebeneinnahmen\u201c gerichtet, die damit einhergehen. Welche Seite auch immer an die Macht kommen wird und wer auch immer im Dezember zum neuen ANC-Vorsitzenden gew\u00e4hlt werden wird: Es wird lediglich darum gehen, welche neue korrupte Gesch\u00e4ftsleitung in ein morsches ANC-Geb\u00e4ude einziehen wird und darum, dass die Arbeiterklasse S\u00fcdafrikas die Zeche zu zahlen hat!<\/p>\n<p>Nach einer Anklage wegen des Vorwurfs der Geldw\u00e4sche ist davon auszugehen, dass der aus dem ANC ausgeschlossene ehemalige Vorsitzende des Jugendverbandes der Partei, Julius Malema, am Ende seiner politischen Karriere angelangt ist. Malema hatte auf opportunistische Art und Weise versucht, unter den streikenden BergarbeiterInnen Zuspruch zu bekommen, indem er ihren Streik unterst\u00fctzte und zur Verstaatlichung der Bergbauindustrie aufrief.<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlicher Weise fand die Forderung nach Verstaatlichung bei einer bestimmten Schicht der Arbeiterklasse in S\u00fcdafrika Zustimmung. Aber die Stimmung unter den streikenden AktivistInnen hinsichtlich Malema geht dahin, dass dieser nur aus Eigennutz und ganz bestimmtem politischen Kalk\u00fcl in die Ereignisse einzugreifen versuche. Mit H\u00e4usern und Villen, die Millionen wert sind, Sportwagen und Designerklamotten etc. hat Malema sich schon l\u00e4ngst vom ANC-K\u00e4mpfer weg entwickelt, der er in seinen fr\u00fchen Tagen einmal war.<\/p>\n<p>Jeder ernsthafte Versuch, Malema als Verfechter der Interessen der Arbeiterklasse darzustellen, w\u00fcrde unter den AktivistInnen in S\u00fcdafrika, die versuchen, eine wirklich sozialistische Alternative aufzubauen, nur Lachsalven ausl\u00f6sen. Der Begriff \u201eBonze\u201c k\u00f6nnte erfunden worden sein, nur um die emporstrebende, dunkelh\u00e4utige, b\u00fcrgerliche Klasse zu beschreiben, die \u2013 vor Arroganz strotzend \u2013 ihren Reichtum und ihre Gr\u00f6\u00dfe zur Schau stellt, was zu tiefer Abneigung der mit dem Allt\u00e4glichen k\u00e4mpfenden Arbeiterklasse f\u00fchrt.<\/p>\n<p>In der Oberschicht der s\u00fcdafrikanischen Gesellschaft f\u00fchlt sich das Ph\u00e4nomen Korruption wie zu Hause. Sie herrscht genauso bei den \u201eBonzen\u201c unter den Politikern und Konzernchefs wie den offiziellen Vertretern der Medienunternehmen und Gewerkschaften.<\/p>\n<h4>Verrat der NUM<\/h4>\n<p>Kann es daher irgendjemanden \u00fcberraschen, dass die streikbrecherische NUM tausende von Mitgliedern verliert, da sie mit der Konzernleitung kollaboriert und ihre eigene Mitgliedschaft angreift? Und dank der letzten Gehaltserh\u00f6hung verdient der Generalsekret\u00e4r der NUM, Baleni, nun 105.000 Rand (rund 9.300 Euro) im Monat, johlt aber, die Konzernherren von \u201eLonmin\u201c, die Polizei und die Armee sollten dem Streik ein Ende bereiten, in dem die ArbeiterInnen nur 12.500 Rand (rund 1.100 Euro) im Monat fordern!<\/p>\n<p>Die NUM macht nun die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung von \u201eLonmin\u201c f\u00fcr die Ausbreitung der wilden Streiks verantwortlich, weil sie auf die Forderungen der Streikenden eingegangen ist! Man muss sich manchmal wirklich selbst in die Hand zwicken, wenn man die verr\u00e4terische Rolle sieht, die die Gewerkschaftsf\u00fchrungen spielen, muss man sich manchmal wirklich selbst in die Hand zwicken, um zu pr\u00fcfen, ob man das alles nicht doch einfach nur tr\u00e4umt.<\/p>\n<p>Man muss nur die Kapitulation dieser feigen \u201eArbeiterf\u00fchrer\u201c mit der Entschlossenheit der Streikf\u00fchrer der wilden Streiks vergleichen! &#8211; Als die Konzernleitung einer Grube mitteilte, dass ihre landesweit geltende tarifliche Vereinbarung mit der NUM nicht vor Juni 2013 auslaufen w\u00fcrde und sie deshalb auch nicht neu verhandeln w\u00fcrden, meinte die NUM: \u201eOK, dann werden wir uns raushalten und sehen uns n\u00e4chsten Juni wieder\u201c!<\/p>\n<p>Selbst der Gewerkschaftsdachverband COSATU musste eingestehen, dass ihre gr\u00f6\u00dfte Einzelgewerkschaft f\u00fcr einen erheblichen Imageschaden sorgt. Deshalb schlug man der NUM-F\u00fchrung nach wochenlanger Unt\u00e4tigkeit und keinem Deut an Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Bergleute nun kr\u00e4ftig auf die Finger. Dabei versucht man, wenigstens etwas an Ansehen zur\u00fcck zu gewinnen, schlie\u00dflich ist man ja ein Gewerkschaftsdachverband&#8230;<\/p>\n<p>In den Augen der k\u00e4mpferischsten und bewusstesten ArbeiterInnen hat sich der COSATU trotz allem und bestenfalls als ineffektiver Verein entbl\u00f6\u00dft. Es gibt aber auch etliche, die darin vielmehr erkennen, dass der COSATU einfach mit den Konzernoberen kollaboriert. Weil sie die schwache und schwankende Rolle des COSATU erkannt haben, machen die Streikkomitees der wilden Streiks allen Anschein, als w\u00fcrden sie weitermachen und ihren Einfluss auch auf andere Gewerkschaften ausweiten, sobald der momentane Arbeitskampf zu Ende gegangen sein wird.<\/p>\n<h4>Entsetzliche Bedingungen<\/h4>\n<p>Beim Streik der Bergleute geht es nicht allein um L\u00f6hne. Er ist auch Protest gegen die entsetzlichen Bedingungen, denen die Arbeiterklasse in S\u00fcdafrika im Kapitalismus ausgesetzt ist. Die \u201einformal settlements\u201c (dt.: \u201einformelle Siedlungen\u201c) oder \u201esquatter camps\u201c (dt.: \u201eElendsviertel\u201c) oder \u201eshack lands\u201c (dt.: \u201eBarackensiedlungen\u201c) oder welchen Begriff man auch immer daf\u00fcr verwenden will, sind eine Schande f\u00fcr die zivilisierte Gesellschaft im 21. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Diese sogenannten \u201einformal settlements\u201c existieren tausendfach \u00fcberall in S\u00fcdafrika, nicht nur in der N\u00e4he der Bergwerksminen sondern auch in den urbanen Gebieten von Johannesburg, Durban, Kapstadt und anderer St\u00e4dte. Es geht dabei um Blech-Baracken, die man in Gro\u00dfbritannien (oder Deutschland; Erg. d. \u00dcbers.) nur benutzen w\u00fcrde, um Tiere oder Gartenger\u00e4te darin unterzubringen aber keine Menschen! In vielen dieser Siedlungen gibt es keinen elektrischen Strom, kein flie\u00dfendes Wasser, keine sanit\u00e4ren Anlagen, keine Stra\u00dfen, nur dreckige Wege und sonst nichts: kein Leben, keine Existenzgrundlage \u2013 nur Elend.<\/p>\n<p>Soziale Bedingungen wie diese liefern Grund und Boden f\u00fcr Alkoholismus, Drogenabh\u00e4ngigkeit, Gewalt, Prostitution, aber auch f\u00fcr Revolution \u2013 vor allem unter den jungen Leuten! Deshalb hat das DSM Ortsgruppen in den \u201esquatter camps\u201c der Bergleute von Rustenburg, darunter auch in Marikana, wo noch mehr junge BergarbeiterInnen und entlassene Kumpel dem DSM beigetreten sind.<\/p>\n<p>In den \u201etownships\u201c von Freedom Park in Johannesburg hat das DSM au\u00dferdem unglaublich couragierte weibliche Aktivistinnen f\u00fcr sich gewinnen k\u00f6nnen. Dort wurde vor kurzem erst die sogenannte \u201eGolf Club\u201c-Gang verhaftet, die in der Gemeinde gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe ver\u00fcbte, nicht um junge Frauen auszurauben oder zusammenzuschlagen, sondern \u201eeinfach nur\u201c auf brutalste Art und Weise zu vergewaltigen. Dabei war das j\u00fcngste der Bandenmitglieder gerade einmal 14 Jahre alt.<\/p>\n<p>Die weiblichen Mitglieder des DSM werden auch an vorderster Front mit dabei sein, um gegen das schrecklich Ph\u00e4nomen der Homophobie anzuk\u00e4mpfen, das \u00fcber S\u00fcdafrika hereingebrochen und unter dem widerlichen Begriff des \u201ecorrective rape\u201c (dt.: \u201eAbhilfe schaffende Vergewaltigung\u201c) bekannt ist. Dieser Terminus, der in S\u00fcdafrika gerade gepr\u00e4gt wird, da derartige \u00dcbergriffe \u00fcberhand nehmen, bezieht sich auf das Vergewaltigen lesbischer Frauen, um diese von ihrer \u201eKrankheit\u201c zu \u201eheilen\u201c.<\/p>\n<p>S\u00fcdafrika ist weiterhin eines der L\u00e4nder mit der h\u00f6chsten Gewaltrate der Welt. F\u00fcr die Arbeiterklasse und die Armen ist ein Menschenleben nicht viel wert. In starkem Kontrast dazu steht zum Beispiel der haupts\u00e4chlich hellh\u00e4utig gepr\u00e4gte Johannesburger Au\u00dfenbezirk Sandton, wo die TouristInnen Fotos von der \u00fcbergro\u00dfen Nelson Mandela-Statue machen, die im vornehmen und an europ\u00e4ische Verh\u00e4ltnisse erinnernden Einkaufszentrum steht. Hier bewegt man sich in einer gesellschaftlichen Blase, die weit weg ist vom wirklichen S\u00fcdafrika. Eine derartige Kluft zwischen arm und reich wirkt wie die entscheidende Zutat im Rezept f\u00fcr eine massive gesellschaftliche Explosion. Und davon geben die Streiks und Proteste, die derzeit \u00fcberall im Land losbrechen, einen ersten Geschmack.<\/p>\n<h4>Sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>Demgegen\u00fcber schl\u00e4gt das DSM eine sozialistische Alternative vor. Das effektive Eingreifen beim Streik der BergarbeiterInnen in den letzten Monaten hat enorm dazu beigetragen, das Profil des DSM auf eine neue Ebene zu heben. Mametlwe Sebei, Mitglied des DSM und wichtigster Sprecher des \u201eStrike Coordinating Committee\u201c, ist aufgrund seiner Autorit\u00e4t, die er unter den Bergleuten genie\u00dft, und seiner f\u00fchrenden Rolle in der Streikbewegung von Rustenburg in den landesweiten Medien unvergleichlich oft erw\u00e4hnt worden.<\/p>\n<p>Mit Stolz und gro\u00dfer Offenheit rief Sebei die Bergleute, GewerkschafterInnen und die Arbeiterklasse allgemein dazu auf, dem DSM beizutreten und dabei mitzuhelfen, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Dutzende GewerkschafterInnen, Jugendliche und AktivistInnen aus den Wohnvierteln und Communities reagierten umgehend auf Sebeis Aufforderung und wurden Mitglied des DSM. Darunter waren auch verschiedene junge ArbeiterInnen, die zum landesweiten Treffen des \u201eCoordinating Strike Committee\u201c nach Marikana gekommen waren. Wann immer sie hervorgebracht wird, findet die Forderung nach einer neuen Massenpartei der ArbeiterInnen enthusiastische Unterst\u00fctzung, und das DSM wird an vorderster Front mit dabei sein und die Initiative dazu zu ergreifen.<\/p>\n<p>Der Klassenkampf in S\u00fcdafrika findet wesentlich zugespitzter statt als in vielen anderen L\u00e4ndern der Welt. In dieser m\u00e4chtigen Industrie-Arbeiterschaft existiert ein wesentlich st\u00e4rkeres sozialistisches Bewusstsein und die KollegInnen sind viel empf\u00e4nglicher f\u00fcr die Idee von einer sozialistischen Alternative.<\/p>\n<p>Das DSM ist bereit und sicher, beim Aufbau einer sozialistischen Bewegung einen gro\u00dfen Schritt vorw\u00e4rts machen zu k\u00f6nnen, die diesem brutalen kapitalistischen Staat ein Ende bereiten und eine sozialistische Gesellschaft einf\u00fchren kann, die endlich eine Zukunft bringt, in der die Armen und Unterdr\u00fcckten in S\u00fcdafrika ein lebenswertes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In S\u00fcdafrika findet der Klassenkampf wesentlich zugespitzter statt als in manch anderem Land. 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