{"id":22562,"date":"2012-10-25T17:00:33","date_gmt":"2012-10-25T15:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=22562"},"modified":"2012-10-26T22:53:04","modified_gmt":"2012-10-26T20:53:04","slug":"ford-soziales-massaker-in-limburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/10\/ford-soziales-massaker-in-limburg\/","title":{"rendered":"Ford: Soziales Massaker in Limburg"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_22563\" aria-describedby=\"caption-attachment-22563\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/8119482138_da84ba308c_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-22563  \" title=\"Ford Belgien\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/8119482138_da84ba308c_b-e1351149648732-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/8119482138_da84ba308c_b-e1351149648732-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/8119482138_da84ba308c_b-e1351149648732-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/8119482138_da84ba308c_b-e1351149648732-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/8119482138_da84ba308c_b-e1351149648732.jpg 977w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22563\" class=\"wp-caption-text\">Foto: flickr.com\/82965928@N00 CC BY-ND 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Artikel von der Homepage der \u201eLinkse Socialistische Partij\u201c\/\u201eParti Socialiste de Lutte\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion und Sektion des CWI in Belgien) vom 24. Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Die Botschaft der Konzernleitung von Ford war so einfach wie erbarmungslos: 10.000 ArbeiterInnen und ihre Familien stehen ab 2014 auf der Stra\u00dfe. Ford Genk macht dicht und reiht sich ins soziale Drama ein das in der Autoindustrie um sich geift: Renault-Vilvoorde, VW-Vorst, Opel-Antwerpen und nun auch Ford in Genk. Das ist ein Drama f\u00fcr Limburg, wo Ford bisher der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber war. Die Profitlogik f\u00fchrt zu sozialem Kahlschlag. Das werden nicht nicht einfach so hinnehmen, denn wer k\u00e4mpft, kann verlieren, aber wer nicht k\u00e4mpft, hat schon verloren.<\/p>\n<p>Die Nachricht, dass Ford Genk 2014 die Tore schlie\u00dfen wird, kam nicht vollkommen unerwartet. Schon fr\u00fcher gab es Ger\u00fcchte in dieser Richtung und in den letzten Tagen wurde deutlich, dass schlechte Nachrichten zu erwarten sind. Ende September stellte die Gesch\u00e4ftsleitung noch in Aussicht, dass die neuen Modelle Mondeo, Galaxy und S-Max eventuell in Genk produziert werden sollen. Aber die Krise in der Automobilindustrie ist derart tief, dass es nun doch zur Schlie\u00dfung des Produktionsstandorts kommt. Diente die Ank\u00fcndigung von Ende September also vielleicht nur dazu, um die Meldung von der Schlie\u00dfung erst nach den Wahlen vom 14. Oktober zu bringen?<\/p>\n<p>Die Schlie\u00dfung von Ford Genk bedeutet ein soziales Drama. Dort sind bisher 3.996 ArbeiterInnen und 268 Angestellte besch\u00e4ftigt sowie mehr als 5.000 in den Zulieferbetrieben. Insgesamt geht es um rund 10.000 Arbeitspl\u00e4tze. In der Vergangenheit hat die Belegschaft schon enorme Zugest\u00e4ndnisse gemacht, um die Produktion in Genk zu sichern. So wurde auf 12 Prozent des Lohns verzichtet, was offenbar nicht ausreichte, weil die sinkenden Verkaufszahlen von Automobilen in Europa (von 15 Millionen im Jahr 2007 auf sch\u00e4tzungsweise 12,4 Millionen in diesem Jahr) und die weltweite Krise mit den damit einhergehenden Abschwung zum sozialen Drama f\u00fchrte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Autobranche ist die Schlie\u00dfung von Produktionsst\u00e4tten die einzige Option, um \u00dcberkapazit\u00e4ten abzubauen und Rentabilit\u00e4t wieder herzustellen. Dabei wird auf die Belange der arbeitenden Bev\u00f6lkerung keine R\u00fccksicht genommen, sondern nur auf den Profit geachtet. Dass noch viel weniger Autos verkauft werden, wenn man f\u00fcr ein soziales Massaker sorgt, interessiert die Konzernleitung von Ford nicht, solange das eigene Unternehmen nur ein klein bisschen besser da steht als die Konkurrenz.<\/p>\n<p>Die fl\u00e4mische Regierung hat bei Opel in Antwerpen schon unter Beweis gestellt, dass sie da keinen Unterschied macht. Abgesehen davon, dass f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung Sonderzahlungen vorgesehen sind und den ArbeiterInnen weitere Zugest\u00e4ndnisse versprochen werden, macht die Regierung nichts. Das Drama in Genk droht noch gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe anzunehmen als bei Opel in Antwerpen, weil der Standort Ford Genk gr\u00f6\u00dfer ist und in der Region um Genk nur wenige gr\u00f6\u00dfere Industriebetriebe ans\u00e4ssig sind.<\/p>\n<p>Kris Peeters (christdemokratischer Ministerpr\u00e4sident von Flandern; Erg. d. \u00dcbers.) griff das Drama prompt auf, um seine Besorgnis \u00fcber die hohen Energie- und Lohnkosten zu \u00e4u\u00dfern. Das sind allerdings nicht die Probleme, die bei Ford Genk eine Rolle spielen. Die Produktion in Genk ist nicht teurer als die in Deutschland. Das Problem sind die \u00dcberkapazit\u00e4ten. Wenn Peeters nun das soziale Drama in Limburg aufgreift, um damit alle L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen in Frage zu stellen, dann ist das ein Beispiel f\u00fcr die zynische neoliberale Schock-Strategie: das Aufgreifen einer Katastrophe, um nur noch mehr neoliberale Ma\u00dfnahmen durchzudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Mit Antworten wie den Sonderzahlungen an die \u201eLimburgse Reconversiemaatschappij\u201c (LRM; Finanzdienstleister f\u00fcr Unternehmensgr\u00fcndungen) kommen wir da nicht viel weiter. Nach der Schlie\u00dfung der Bergwerke in den 1980er Jahren sorgte gerade Ford Genk f\u00fcr einen Lichtblick in Limburg. Vor 15 Jahren arbeiteten bei Ford noch 13.000 Besch\u00e4ftigte. Heute sind es kaum mehr als 4.000. Sonderhilfen f\u00fcr die LRM werden da nicht mehr viel ausrichten, weil jedeR wei\u00df, dass die Umstrukturierung nach der Schlie\u00dfung der Bergwerke fehlgeschlagen ist. Sollen wir das einfach nochmal wiederholen?<\/p>\n<p>Kann man denn nichts gegen dieses soziale Drama tun? Wenn wir Leuten wie Kris Peeters das Feld \u00fcberlassen, dann wird sicher nichts geschehen. Das haben wir im Falle Opel schon erlebt. Aber warum sollten wir die Initiative \u00fcberhaupt anderen \u00fcberlassen? Die Arbeiterbewegung muss selbst das Heft in die Hand nehmen und in die Auseinandersetzung gehen. Der Schock, unter dem die Belegschaft steht, darf nicht zur L\u00e4hmung f\u00fchren. Die Wut muss im Rahmen der gesamten Arbeiterbewegung zu gemeinsamem Widerstand organisiert werden.<\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrfen wir nicht zum Opfer der Teile-und-Herrsche-Politik werden, wenn verschiedene Betriebe gegeneinander ausgespielt werden. Auf diese Weise w\u00fcrden wir eins nach dem anderen ins Schlachthaus getrieben. N\u00f6tig ist hingegen eine gemeinsame Strategie, um den Kampf f\u00fcr den Erhalt aller Arbeitspl\u00e4tze zu organisieren und so auch eine Erfolgsaussicht zu haben. In den Bereichen Transport und Verkehr wird es weiterhin zu Notlagen kommen. Um diese Situation zu beheben, schlagen wir die vollst\u00e4ndige Verstaatlichung des Automobilsektors vor.<\/p>\n<p>Als Auftakt, um die Produktion in \u00f6ffentliche Hand zu \u00fcberf\u00fchren, d\u00fcrfen wir nicht zulassen, dass Ford diese Fabrik leer r\u00e4umt. Wenn Ford aus Genk weg will, dann ist das ihre Sache. Aber alles, was in Genk hergestellt wurde, geh\u00f6rt den ArbeiterInnen dieser Fabrik. Eine Besetzung der Produktionsanlagen kann verhindern, dass Ford sich mit der Produktion und den Maschinen einfach so aus dem Staub macht. Eine Besetzung in Verbindung mit einer aktiven Solidarit\u00e4tskampagne in der Region und bis in die gesamte Arbeiterbewegung hinein kann die Kampfkraft der Ford-ArbeiterInnen verst\u00e4rken, um die Betriebsanlagen schlie\u00dflich in die \u00f6ffentliche Hand zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Eine Verstaatlichung dient nicht dazu, die Verluste zu vergesellschaften und die Gewinne nach dem sozialen Blutbad erneut zu privatisieren. Das ist in der Praxis die momentane Politik in den USA, wo die Autobranche St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zum Niedriglohnsektor ohne soziale Rechte f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten verkommt. Nein, wir wollen diese Branche in die \u00f6ffentliche Hand \u00fcberf\u00fchren, um die Kenntnisse und M\u00f6glichkeiten, die in diesen Betrieben stecken, dazu zu nutzen, dass wir zu einem sicheren und umweltfreundlichen Transport- und Verkehrswesen kommen.<\/p>\n<p>Eine Verstaatlichung kann mit einer Arbeitszeitverk\u00fcrzung ohne Lohnverlust einhergehen. Und damit, dass das untragbare Arbeitspensum, das immer mehr in die H\u00f6he getrieben wurde, um die Produktivit\u00e4t zu steigern, auf ein menschliches Ma\u00df zur\u00fcckgefahren wird. Auch m\u00fcssen Mittel zur Verf\u00fcgung gestellt werden, um nach alternativen Mobilit\u00e4tsformen zu forschen. Mit Nachdruck m\u00fcssen neue Wege f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Nahverkehr und ein umweltfreundliches Transportwesen gesucht werden. Heute sorgt die \u00dcberproduktion daf\u00fcr, dass nicht in Alternativen investiert wird, sondern dass es nur die Logik des Plattmachens gibt.<\/p>\n<p>Im Zuge der Verstaatlichung d\u00fcrfen wir die Kontrolle \u00fcber diese Branche nicht denjenigen \u00fcberlassen, die in der Regierung f\u00fcr die Krise verantwortlich sind. Verstaatlichung muss unter der Kontrolle der Besch\u00e4ftigten vonstatten gehen, um Arbeitspl\u00e4tze zu retten und an L\u00f6sungen f\u00fcr das Mobilit\u00e4tsproblem zu arbeiten \u2013 f\u00fcr uns alle in der Zukunft.<\/p>\n<p>Nach dem Schock und der Emp\u00f6rung m\u00fcssen wir die Wut in Widerstand verwandeln. Gemeinsam k\u00f6nnen wir den Kampf gewinnen. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, aber was w\u00e4re die Alternative? Uns einer nach der anderen abschlachten zu lassen bis die jungen Leute gar keine angemessene Arbeit mehr finden k\u00f6nnen? Wer nicht k\u00e4mpft, hat im vorhinein schon verloren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel von der Homepage der \u201eLinkse Socialistische Partij\u201c\/\u201eParti Socialiste de Lutte\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion und Sektion des CWI in Belgien)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":22563,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22562"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22562"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22562\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22563"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22562"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22562"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22562"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}