{"id":22489,"date":"2012-10-26T17:00:26","date_gmt":"2012-10-26T15:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=22489"},"modified":"2012-10-25T09:27:00","modified_gmt":"2012-10-25T07:27:00","slug":"wir-gewerkschafter-haben-schwere-fehler-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/10\/wir-gewerkschafter-haben-schwere-fehler-gemacht\/","title":{"rendered":"Kosovo: \u201eWir Gewerkschafter haben schwere Fehler gemacht\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Verdana;\"><span style=\"font-size: small;\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/logo_anash.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22490\" title=\"logo_anash\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/logo_anash-235x173.png\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/logo_anash-235x173.png 235w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/logo_anash.png 305w\" sizes=\"(max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a>Am 9. Oktober f\u00fchrte ich ein Gespr\u00e4ch mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Dachgewerkschaft BSPK Alush Sejdiu, in Prishtina\/Kosovo. Gleich zu Beginn des Gespr\u00e4chs meinte Sejdiu: \u201eWir haben ab dem Jahr 2002 den Privatisierungsprozess in Kosova unterst\u00fctzt, dies war ein schwerer Fehler. Ab jetzt lehnen wir jede weitere Privatisierung unserer Industrie und unserer Rohstoffe ab und werden dagegen k\u00e4mpfen.\u201c Sejdiu verwies darauf, dass die Gewerkschaft zusammen mit anderen Organisationen k\u00fcrzlich 62.000 Unterschriften gegen die Privatisierung der KEK, der PTK und von Trepca dem Parlament \u00fcberreichte. Auch eine Demonstration gegen die Privatisierung f\u00fchrte die Gewerkschaft vor einigen Wochen in Prishtina durch. Alush Sejdiu nannte eine Menge von grausamen Fakten, zum bis dato erfolgten Privatisierungsprozess. Nach Untersuchungen der Gewerkschaft kostete der Privatisierungsprozess bis jetzt \u201e76.000 Arbeitspl\u00e4tze\u201c. Die meisten Arbeiter erhielten nicht die ihnen zustehende gesetzliche Abfindung von 20%. Nach Sejdiu laufen zur Zeit, \u201e18.000 Klagen von Arbeitern bez\u00fcglich der Abfindungen.\u201c In Kosova gibt es keinerlei Arbeitslosenversicherung und Krankenversicherung. Die entlassenen Arbeiter wurden ins absolute Elend entlassen. In Kosova wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 400 Betriebe, &#8211; wie Alush Sejdiu meinte &#8211; zum \u201eSchleuderpreis verh\u00f6kert\u201c. Im Schnitt gingen nach Sejdiu, \u201ebei jeder Privatisierung die H\u00e4lfte der Arbeitspl\u00e4tze verloren\u201c. In den privatisierten Betrieben wird den Arbeitern \u201e oft mit kriminellen Methoden jegliche gewerkschaftliche Bet\u00e4tigung untersagt\u201c. Alush Sejdiu nannte folgende Fakten: \u201eEs gibt in Kosova einen Durchschnittslohn von 372 \u20ac im Monat, sowie einen Mindestlohn von 170 \u20ac f\u00fcr Arbeiter \u00fcber 35 Jahre. Die privaten Investoren k\u00fcmmern sich meist einen Dreck, um solche Festlegungen. F\u00fcr Sie existiert kein Gesetz kein Arbeiterrecht und keine normale Bezahlung.\u201c Als Beispiel kann die Privatisierung des Flughafens in Prishtina herangezogen werden. Dort schloss die Gewerkschaft eine Vereinbarung mit dem t\u00fcrkischen Investor ab. Nach dieser Vereinbarung gab es eine Arbeitsplatzgarantie f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten und einen Lohn von 500 \u20ac pro Monat. Ein Jahr nach der Privatisierung wurden 34 renitente Arbeiter entlassen, darunter der Gewerkschaftsleiter am Flughafen Sylejman Zeneli. Andererseits stellte das Unternehmen 100 Arbeiter f\u00fcr einen Lohn von 250 \u20ac im Monat ein. Die Regierung Thaci feiert bis heute die Privatisierung des Flughafens als \u201egro\u00dfen Erfolg\u201c. In der Tat, der private Profit feiert Erfolge auf Kosten der Arbeiter und der Gesellschaft. <\/span><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: Verdana;\"><span style=\"font-size: small;\">Fakten und Perspektiven<\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Privatisierungsagentur AKP leitet jetzt den Privatisierungsprozess in Kosova. Im leitenden Gremium der AKP befinden sich 8 Leute darunter 3 \u201einternationale Beauftragte\u201c. Bis zum Jahr 2008 war der Privatisierungsprozess direkt dem 4 B\u00fcro der UNMIK unterstellt. K\u00fcrzlich wurde die Verteilungsstation der KEK ( KEK Energieversorger) f\u00fcr 24 Millionen \u20ac privatisiert. Nach Sejdiu kostete \u201eallein die Errichtung des Stromvierteilnetzwerkes im Bezirk Istog 21 Millionen \u20ac\u201c. Es handelt sich demzufolge um ein Geschenk an den kapitalistischen Investor. Das Gleiche soll jetzt mit der PTK (Post und Telekommunikation) geschehen. Der Kollege Sejdiu erkl\u00e4rte: \u201eDie hoch-profitable staatliche PTK zahlte an den Staatshaushalt Kosovas von 2007 bis 2012 etwas mehr als 410 Millionen \u20ac. Jetzt ist die PTK f\u00fcr 300 Millionen \u20ac zur Privatisierung ausgeschrieben. Wir sind grunds\u00e4tzlich dagegen.\u201c Die Regierung will allerdings noch in diesem Jahr nicht nur die PTK sondern auch die KEK und den Rohstoffgiganten Trepca privatisieren. Immer wieder f\u00fchren Arbeiter bei der PTK Warnstreiks durch. Dieser Sektor der Arbeiterklasse ist wohlorganisiert und kampfbereit. Diese Bereitschaft zum Kampf k\u00f6nnte, die anderen Sektoren der Arbeiterklasse mitrei\u00dfen. Zum konkreten Widerstand in der Zukunft wusste der Kollege Sejdiu nicht viel zu sagen. Dennoch ist es ein Fortschritt wenn ein f\u00fchrender Gewerkschafter Kosovas Fehler zugibt und k\u00e4mpfen will. Was fehlt ist ein konkretes gewerkschaftliches Kampfprogramm. Kosova ben\u00f6tigt eigentlich einen Generalstreik aller Sektoren der Arbeiterklasse gegen die Privatisierung. Dabei h\u00e4tten die Arbeiter der KEK die objektive Macht explizit der Regierung den Strom abzudrehen. Es fehlt auch ein gewerkschaftliches Programm zur Re-Vergesellschaftung bereits privatisierter Betriebe. Der Gigant Ferronikel in Drenas wurde 2006 f\u00fcr 33 Millionen \u20ac privatisiert. Von den einst 2000 Arbeitern blieben etwas mehr als 1000 Arbeiter \u00fcbrig. Die Firma Alferon gibt pro Jahr einen Reingewinn von 150 Millionen \u20ac nach Steuern an. Nebenbei verpestet Ferronikel die Umwelt. Die Firma Alferon geh\u00f6rt sofort enteignet. Auch die Forderung nach radikaler Arbeitszeitverk\u00fcrzung bei vollem Lohnausgleich hat in Kosova durchaus Relevanz. Die KEK besch\u00e4ftigt 6000 Arbeiterinnen und Arbeiter. Meist arbeiten die Besch\u00e4ftigten nicht 8 sondern 10 bis 12 Stunden. Eine Arbeitszeitverk\u00fcrzung auf 7 Stunden pro Tag bei gleichzeitiger Kontrolle des Arbeitstempos durch die Besch\u00e4ftigten k\u00f6nnte sofort 6.000 zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze bei der KEK schaffen. Es bleibt zu hoffen, dass solche und \u00e4hnliche Forderungen bei dem Kollegen Sejdiu auf offene Ohren sto\u00dfen. Denn die Arbeiter erwachen gerade aus Passivit\u00e4t und Depression. Die Bereitschaft der Arbeiter zu k\u00e4mpfen w\u00e4chst.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\"><span style=\"font-size: small;\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Max Brym<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gespr\u00e4ch mit Alush Sejdiu<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":22490,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43,82],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22489"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22489"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22489\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}