{"id":22383,"date":"2012-10-18T12:30:43","date_gmt":"2012-10-18T10:30:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=22383"},"modified":"2012-10-18T12:17:33","modified_gmt":"2012-10-18T10:17:33","slug":"usa-streiks-bei-walmart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/10\/usa-streiks-bei-walmart\/","title":{"rendered":"USA: Streiks bei Walmart"},"content":{"rendered":"<p><strong><em><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/walmart.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-22384\" title=\"Walmart\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/walmart-e1350555256849-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/walmart-e1350555256849-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/walmart-e1350555256849-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/walmart-e1350555256849-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/walmart-e1350555256849.jpg 764w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><\/em>Premiere beim weltgr\u00f6\u00dften Einzelh\u00e4ndler: Teile der US-Belegschaft wehrten sich mit Ausstand gegen Lohndumping und miese Arbeitsbedingungen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Einzehandelsriese Walmart erlebte innerhalb weniger Tage seiner 50j\u00e4hrigen Geschichte gleich zwei Premieren: In seinen US-Lagerh\u00e4usern und -Gesch\u00e4ften wurde gestreikt. Am 6. Oktober beendeten Besch\u00e4ftigte des Subunternehmens Roadlink einen 21t\u00e4gigen Ausstand in Elwood, Illinois. Im gr\u00f6\u00dften derartigen Warenlager der USA wehrten sich die Arbeiter gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung. Parallel dazu lie\u00dfen auch Besch\u00e4ftige in gro\u00dfen Walmart-Lagern S\u00fcdkalifor\u00adniens die Arbeit ruhen. Am 10. Oktober, einem Tag vor dem j\u00e4hrlichen Treffen der Investoren in der Konzernzentrale in Bentonville, Arkansas, trat das Verkaufspersonal in 25 Gro\u00dfsuperm\u00e4rkten in zw\u00f6lf US-Bundesstaaten in den Ausstand.<\/p>\n<p><em>Von Eckhard Geitz, Kassel<\/em><\/p>\n<p>Laut Werbung bekommen Kunden des Megakonzerns mehr Ware f\u00fcr weniger Geld. Niedrigstpreise sollen f\u00fcr h\u00f6chste Ums\u00e4tze sorgen. Die Bilanz zeigt, f\u00fcr das Unternehmen geht die Rechnung auf. Walmart f\u00fchrte 2011 die Rangliste des US-Wirtschaftsmagazins Forbes der weltgr\u00f6\u00dften Konzerne an \u2013 mit einem Jahresumsatz von 447 Milliarden US-Dollar (344 Milliarden Euro) und einem Gewinn von 15,6 Milliarden Dollar. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr diesen \u00bbErfolg\u00ab sind die geringen L\u00f6hne der Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Nach Gewerkschaftsangaben zahlen die gro\u00dfen Lagerh\u00e4user zehn Dollar pro Stunde (7,70 Euro). Entlohnung f\u00fcr \u00dcberstunden seien selten. Wer Pech habe und pro entladenem Container bezahlt wird, verdiene weniger als acht Dollar pro Stunde. Sicherheitskleidung und Gasmasken zum Entladen besonders staubiger Container fehlten. Kein Wasser f\u00fcr die Schwerstarbeiter, Schichten von bis zu 16 Stunden und das Verladen einzelner Warenst\u00fccke, die mehr als 100 Kilogramm wiegen, sind demnach keine Seltenheit. Wer sich beschwert, fliegt raus.<\/p>\n<p>Gewerkschaften gibt es weder bei Walmart noch bei den zahlreichen Leiharbeitsfirmen, bei denen der Konzern Personal anheuert. Frauen m\u00fcssen sich laut Angaben von Besch\u00e4ftigten anh\u00f6ren, da\u00df sie h\u00e4rter arbeiten sollen und mit den m\u00e4nnlichen Kollegen mitzuhalten haben. In freien Wochen sei das Geld knapp. H\u00e4ufig seien die Arbeiter gezwungen, sich untereinander etwas zu leihen, um \u00fcber die Runden zu kommen.<\/p>\n<h4>Streik macht Belegschaft unberechnbar<\/h4>\n<p>Der Streik hat manches angesto\u00dfen: \u00bbEs ist zwar immer noch ein sehr weiter Weg, aber inzwischen haben wir schon einige Ventilatoren, und Sicherheitskleidung ist etwas einfacher verf\u00fcgbar\u00ab, berichtete Lagerhausarbeiter Mike Compton gegen\u00fcber Amy Goodman vom Internetportal democracynow.org nach dem Streik. Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung f\u00fcr Compton und seine Mitstreiter sei gewesen, dass das Unternehmen trotz des Ausstandes die L\u00f6hne nachgezahlt habe.<\/p>\n<p>Kollegen, die nicht gestreikt h\u00e4tten, seien dar\u00fcber erstaunt gewesen: \u00bbAm liebsten h\u00e4tten sie sich selbst einen Tritt gegeben, weil sie nicht mitgekommen sind, um f\u00fcr ihre eigenen Rechte einzustehen\u00ab so Compton weiter.<\/p>\n<p>Bisher kannten die Besch\u00e4ftigten nur eine Konsequenz \u2013 den sofortigen Rauswurf, sobald jemand die Arbeitsbedingungen im Unternehmen kritisiert hatte. Die pl\u00f6tzliche Kehrtwende nach dem ersten Streik in der Firmengeschichte k\u00f6nnte als Versuch gewertet werden, die Angelegenheit so gut es geht herunterzuspielen. Denn der Druck auf Walmart war pl\u00f6tzlich gro\u00df.<\/p>\n<p>Am 3. Oktober hatten die Streikenden in Elwood Zufahrtswege zum Logistikzentrum blockiert. Unterst\u00fctzung bekamen sie von Gewerkschaften, Gemeindevertretern und aus Kirchen. Am 5. Oktober wurden 100000 Unterschriften f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen bei einer Konzernvertretung in Chicago abgegeben.<\/p>\n<p>\u00bbVor diesen Ausst\u00e4nden war das Personal f\u00fcr Walmart berechenbar. In Bentonville gab es immer Protestierende, aber es hat noch nie eine Unterbrechung von Walmarts Lieferkette gegeben. Die Streiks der Besch\u00e4ftigten ver\u00e4ndern die Situation. Es gab ein Davor, und es gibt ein Danach. Diese Linie haben wir soeben \u00fcberschritten\u00ab, analysierte die Politikwissenschaftlerin Dorian Warren in einem Interview mit dem Redakteur Josh Eidelson von Salon.com.<\/p>\n<p>Die Lieferkette zum Stocken zu bringen: Der Plan der Kampagne Warehouse Workers For Justice (Lagerhausarbeiter f\u00fcr Gerechtigkeit; WWJ) funktioniert. WWJ, selbst keine Gewerkschaft, wird durch die United Electric Workers (UE) unterst\u00fctzt. Organisatoren der WWJ-Kampagne konzentrieren sich darauf, Walmart anzugreifen, wo das Unternehmen verwundbar ist \u2013 bei der Logistik. \u00bbEs gibt wenige Produkte, die in den USA verkauft werden, die wir nicht in der Hand hatten\u00ab, sagt eine Besch\u00e4ftigte. Werden wegen eines Streiks Produkte \u00bbnicht mehr in die Hand genommen\u00ab, sind leere Supermarktregale eine Frage der Zeit. Die durchschnittliche Verweildauer der Waren im Lager betr\u00e4gt rund 72 Stunden.<\/p>\n<p>Das Signal aus den Lagerh\u00e4usern ist angekommen. Im September hat die Chicago Teachers Union (CTU) mit Logistikbesch\u00e4ftigten aus Elwood gemeinsam gestreikt. Der erfolgreiche CTU-Streik und der Ausstand der Besch\u00e4ftigten bei Walmart markieren m\u00f6glicherweise eine Trendwende: Es gibt wieder eine Perspektive f\u00fcr die Wiederbelebung gewerkschaftlicher Gegenmacht in den USA.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<address><strong><em>Dieser Artikel erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt.<\/em><\/strong><\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Premiere beim weltgr\u00f6\u00dften Einzelh\u00e4ndler: Teile der US-Belegschaft wehrten sich mit Ausstand gegen Lohndumping und miese Arbeitsbedingungen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":22384,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,35,42,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22383"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22383"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22383\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22384"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22383"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22383"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22383"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}