{"id":21888,"date":"2012-10-03T17:01:14","date_gmt":"2012-10-03T15:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=21888"},"modified":"2014-02-21T10:19:55","modified_gmt":"2014-02-21T09:19:55","slug":"bedrohung-des-autonomes-zentrums-in-aachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/10\/bedrohung-des-autonomes-zentrums-in-aachen\/","title":{"rendered":"Bedrohung des Autonomen Zentrums in Aachen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/1-e1349080959217.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-21889\" title=\"Autonomes Zentrum Aachen\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/1-e1349080959217-280x173.jpg\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/1-e1349080959217-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/1-e1349080959217-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/1-e1349080959217-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/1-e1349080959217.jpg 732w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Zur Geschichte und Gegenwart eines besonderen Hauses linker Kultur<\/strong><\/p>\n<p><em>von Carolin H\u00e4nel, Aachen<\/em><\/p>\n<h4>Wie alles Begann<\/h4>\n<p>Der Wunsch nach unabh\u00e4ngiger, selbstverwalteter und freier Kultur in Aachen war schon lange vorhanden und seit den 80er Jahren wollte man, mit diversen Hausbesetzungen diesem Wunsch Nachdruck verleihen. Doch vor der Er\u00f6ffnung des Autonomes Zentrums gab es in Aachen daf\u00fcr keinen Platz. Das Johannes-H\u00f6fer-Haus, ein weitr\u00e4umiges, ehemaliges Kloster, war eine der ersten Besetzungen, in der unabh\u00e4ngige Kultur geboten wurde. Man nannte es &#8222;Caf\u00e9 Murks&#8220; und etablierte sich schnell zu einer Location f\u00fcr subkulturelle Veranstaltungen. Dennoch wurde es trotz immensen Widerstands brutal ger\u00e4umt. In den darauf folgenden Jahren kam es immer wieder zu Besetzungen und Versuchen Raum f\u00fcr alternative Kultur zu finden, die leider erfolglos blieben. Unter den besetzten Objekten war auch das heutige Guinness House im Stadtzentrum Aachens. Zuletzt wurde ein Geb\u00e4ude in der Kasionstra\u00dfe besetzt, welches jedoch auch schnell ger\u00e4umt wurde. Doch ganz erfolglos blieb die Besetzung nicht. Der Besitzer des Geb\u00e4udes, die katholische Kirche, wollte helfen endlich einen Raum zu finden. Es folgten zahlreiche Verhandlungen mit der Stadt Aachen und schlie\u00dflich entschied man sich dazu, den Luftschutzbunker, der zum Geb\u00e4ude des ehemaligen Gesundheitszentrums geh\u00f6rt, in der N\u00e4he des Hauptbahnhofes, zur freien Verf\u00fcgung zu stellen. So \u00f6ffnete am 31.01.1993 das Autonome Zentrum das erste mal seine T\u00fcren.<\/p>\n<h4>Unabh\u00e4ngige, selbstverwaltete und freie Kultur wurde m\u00f6glich<\/h4>\n<p>Das Autonome Zentrum sorgte schnell f\u00fcr Aufsehen und Sympathie, denn endlich existierte ein Raum f\u00fcr alternative Kultur. Es unterscheidet sich gewaltig von &#8222;normalen&#8220; Locations. Das Autonome Zentrum bietet einen Freiraum, in dem keine Art von Sexismus, Homophobie, Rassismus oder Antisemitismus geduldet wird. Viele Menschen engagieren sich seitdem auf ehrenamtlicher Basis f\u00fcr den Erhalt und Ausbau des Autonomes Zentrums. Durch niedrige Preise, die allein zur Kostendeckung dienen und der M\u00f6glichkeit auch f\u00fcr andere Gruppen, in Absprache mit dem AZ, den Raum zur Verf\u00fcgung zu stellen, entstand eine Kultur, die nicht nur einer profitinteressierten oder einseitig motivierten Lobby diente.Das Motte des AZ\u00b4s lautet seit jeher \u201eF\u00f6rderung der autonomen Kultur\u201c.<\/p>\n<h4>Das Autonome Zentrum ist nicht das erste mal bedroht!<\/h4>\n<p>Das \u00fcber die Schlie\u00dfung des Autonomes Zentrums diskutiert wird, ist leider nicht das erste Mal. In der Vergangenheit gab es manche Situationen, in denen man nicht wusste, ob das AZ weiter existieren kann. So wurde das AZ zwischen 2000-2002 und nochmal 2004 geschlossen. Damals konnte das AZ angeblich den g\u00fcltigen Brandschutzbestimmungen nicht gerecht werden. In dieser Zeit gab es weitere Hausbesetzungen, unter anderem in der Ottostra\u00dfe, die 3 Wochen andauerte. 2004 konnte das AZ stark verkleinert (nur der Kneipenraum) nach langem Kampf, Protesten und Demonstrationen wiederer\u00f6ffnet werden. Erst 2006 konnte eine Einigung mit der Stadt Aachen erzielt werden, den vollen Gesch\u00e4ftsbetrieb wieder aufnehmen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<h4>Aktuelle Situation<\/h4>\n<p>Zum zweiten Mal steht das Autonome Zentrum nun schon vor dem Aus. Der Luftschutzbunker, indem das AZ liegt, geh\u00f6rt zum angrenzenden Geb\u00e4ude des ehemaligen Gesundheitsamtes. Das AZ grenzt keineswegs die Nutzung des Geb\u00e4udes ein, denn die R\u00e4ume werden seit Jahren nicht mehr genutzt. Seit L\u00e4ngerem ist klar: Die Stadt will das unbenutzbare Geb\u00e4ude los werden, denn das ehemalige Gesundheitsamt wurde, wie in den 70er Jahren \u00fcblich, mit Asbest gebaut, von dem man heute wei\u00df, das es h\u00f6chst krebserregend ist. Eine Sanierung des Geb\u00e4udes ist also unumg\u00e4nglich. Seit einigen Wochen steht fest, dass die Stadtverwaltung in konkreten Gespr\u00e4chen mit einem Investor ist, der der Stadt das Geb\u00e4ude abnehmen will. Bei dem Investor handelt es sich um die IPEM AG aus Wetzlar, die ihr Geld mit Billig-Hostels verdienen. Und genau das haben die Investoren auch mit den ehemaligen Gesundheitszentrum und mit dem dazugeh\u00f6rigen Luftschutzbunker, indem heute das AZ liegt, vor : Es soll zu einem Billig-Hostel umgebaut werden und im Luftschutzbunker soll ein Speiseraum entstehen. Dies w\u00fcrde jedoch f\u00fcr das AZ bedeuten, dass von etwa 800 Quadratmeter die Nutzungsfl\u00e4che auf 200 Quadratmeter verringert werden w\u00fcrde. Dies w\u00e4re das Ende f\u00fcr das AZ, mit all seinen M\u00f6glichkeiten und Angeboten. Konzerte oder Partys k\u00f6nnten nicht mehr stattfinden, Fahrradwerkstatt, Sportraum, Proberaum und Tonstudio fielen weg! All die jahrelange Arbeit der Ehrenamtlichen w\u00e4re dahin und unabh\u00e4ngige, selbstverwaltete und freie Kultur g\u00e4be es in Aachen kaum noch. Das AZ ist der einzige Lichtblick in dieser Hinsicht weit und breit! Die Stadt Aachen hat mit dem Autonomen Zentrum nicht nur keine Kosten, sondern sich die Finanzierung solcher Jugendarbeit sogar komplett gespart! Das AZ handelt und beliebt seid jeher seinem Motto treu: \u201eF\u00f6rderung der autonomen Kultur\u201c. Es steuert seid jeher gegen Kommerz und Profit, welches sich in den niedrigen Preisen widerspiegelt. Und genau damit ist das AZ nicht nur den etablierten Parteien ein Dorn im Auge, sondern auch ihren Hinterm\u00e4nnern in der Aachener Gesch\u00e4ftswelt. Von Seiten der Stadt besteht kein Bedarf an unabh\u00e4ngiger und kritischer Jugendkultur.<\/p>\n<h4>Kampf gegen Rechts!<\/h4>\n<p>Hinzu kommt, dass das AZ seit jeher ein Ort antifaschistischer Kultur ist. In einer Stadt wie Aachen um zu wichtiger, wo bis vor kurzem die Kameradschaft Aachener Land (KAL) noch legal ihr Unwesen treiben konnte. Wir sehen das st\u00e4rkere Auftreten der regionalen Neonazi-Szene auch im Zusammenhang mit der andauernden Repression gegen AntifaschistInnen und Linke, wovon auch das AZ regelm\u00e4\u00dfig betroffen ist. Die Folge: Seit 2007 sind das AZ und auch viele einzelne antifaschistische engagierte Personen, zumeist junge Menschen mehrfach und wiederholt Ziel faschistischer Provokationen und Gewalttaten geworden. Auch aus diesem Grund ist eine Beschneidung der Arbeitsm\u00f6glichkeiten des AZ kontraproduktiv und bedeutet letztlich eine St\u00e4rkung der Neonazi-Szene! Die KAL ist zwar vor Kurzem verboten wurden, ihre Mitglieder existieren jedoch weiter hin und dieses Problem wird auch in Zukunft existieren und Probleme bereiten.<\/p>\n<h4>NEIN zu Privatisierung!<\/h4>\n<p>Die Stadt Aachen wird, wie auch viele andere St\u00e4dte, in den n\u00e4chsten Monaten massive Probleme mit der Unterbringung der Studierenden haben. Zudem kommt angesichts des in Aachen mehr und mehr wachsenden Wohnungsmangels, insbesondere f\u00fcr junge und finanzschwache Menschen, schnell die Frage auf, warum die Stadt nicht st\u00e4rker in Wohnungsbau finanziert. Doch anstatt aktiv an diesem Problem zu arbeiten, gibt die Stadt das Problem in private H\u00e4nde mit der Kampagne \u201eExtrar\u00e4ume schaffen!\u201c, bei der es darum geht, Vermieter und Wohnungsinhaber aufzufordern, zus\u00e4tzlichen Wohnraum f\u00fcr die kommenden StudentInnen zu schaffen. Auf Anfrage der LINKE-Bundestagsfraktion teilte das Bundesbauministerium mit, dass der \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Wohnungsbau in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel geschrumpft sei. Das entspricht einem R\u00fcckgang um rund 800.000 Wohnungen bundesweit! Auch in Aachen wurden ganze Wohnh\u00e4user f\u00fcr das gescheiterte Prestigeprojekt Kaiserplatzgalerie vernichtet. Mehr und mehr stellt sich die Frage: Warum eigentlich nicht das ehemalige Gesundheitszentrum sanieren und zu Studierendenwohnungen umbauen? Doch Stadt Aachen h\u00e4lt an ihrem profitorientierten Handeln fest. Sie hat weiterhin kein Interesse daran, die auf sie zukommende Problematik mit der fehlenden Wohnr\u00e4umen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Jedoch w\u00e4re Geld vorhanden: Im Haushalt 2012 sind Einnahmen aus der Gewerbesteuer in H\u00f6he von 181,4 Millionen Euro eingestellt. Laut K\u00e4mmerin Grehling k\u00f6nnten dies auch bis zu 5 Millionen mehr sein! (Aachener Nachrichten vom 6.8.2012). Mit diesem Geld k\u00f6nnte man nicht nur das ehemalige Gesundheitsamt sanieren und zu Wohnungen ausbauen, sonder auch noch an anderen Stellen Aachens Wohnungen entstehen lassen und die w\u00fcrde der Stadt Aachen auch noch Mieteinnahmen \u00fcber Jahre hinweg sichern! Die Situation des Wohnungsmarkt k\u00f6nnte sich somit entspannen und w\u00e4re in seinem vollen Bestand gesichert! Jeder Mensch sollte das Recht darauf haben, ein Dach \u00fcber dem Kopf zu besitzen um sich frei und individuell entwickeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>AZ verteidigen!<\/h4>\n<p>F\u00fcr die Rettung des Autonomen Zentrums wurde am 09.08.2012 eine gr\u00f6\u00dfere Demonstration veranstaltet, der sich ca. 250 Menschen anschlossen. Begleitet wurde diese Demo von ca. 20 Mannschaftswagen der Polizei und 50 &#8211; 60 Bereitschaftspolizisten. Die Polizei hatte wohl mit gr\u00f6\u00dferen Unruhen gerechnet und vor der Demo noch einmal speziell darauf hingewiesen das das bilden eines &#8222;schwarzen Blocks&#8220; verboten sei. Die als so gef\u00e4hrlich eingestuften Unterst\u00fctzerInnen von alternativer Kultur blieben jedoch friedlich und so wurde als einziges der v\u00f6llig \u00fcberzogene Polizeieinsatz kritisiert durch den wieder mal jede Menge Steuergelder verloren gegangen sind.<\/p>\n<p>Die Partei DIE LINKE in Aachen testet zurzeit, ob nicht die M\u00f6glichkeit bestehen w\u00fcrde Bestandsschutz f\u00fcr das Autonome Zentrum anzumelden und es somit in voller Gr\u00f6\u00dfe und Gesch\u00e4ftsf\u00e4higkeit bestehen zu lassen.<\/p>\n<p>Am vergangen Freitag (28.09.2012) gab es ein weiteres internes Gespr\u00e4ch zwischen Investoren, Stadt und Vertreter des AZ\u00b4s. Wie das Gespr\u00e4ch verlief und ob es neue Ergebnisse gibt ist noch unbekannt, jedoch sind die Vertreter des AZ\u00b4s sehr ver\u00e4rgert \u00fcber die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen wird. Nur durch einen Zufall erfuhr das AZ \u00fcber den Hausmeister, dass Vertreter der Stadt und Investoren einen Besichtigungstermin vereinbart haben, um weiter planen zu k\u00f6nnen. Das darf nicht sein! Das Autonome Zentrum und die Stadt Aachen stehen in einem Mietverh\u00e4ltnis. Die Stadt Aachen ist somit verpflichtet einen solchen Termin bzw. die Begehung des gemieteten Raumes anzuk\u00fcndigen. Das AZ fordert zu Recht transparenten Umgang und gegenseitigen Respekt. Die Stadt Aachen scheint keinen Respekt vor der jahrelangen Arbeit und der Aufopferung ehrenamtlicher Menschen zu haben, wobei das AZ all die Jugendarbeit und alternative Kultur versucht hat aufzufangen, die in Aachen nie einen Platz hatte und um die sich die Stadt nie, sei es finanziell oder anders, gek\u00fcmmert hat. Wie es nun weiter geht steht nun in den Sternen, jedoch ist eine Entscheidung in K\u00fcrze angedacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Geschichte und Gegenwart eines besonderen Hauses linker Kultur<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":21889,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[52,56,57,272],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21888"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21888"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21888\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21889"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}