{"id":21696,"date":"2012-09-30T17:00:53","date_gmt":"2012-09-30T15:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=21696"},"modified":"2012-11-09T17:52:00","modified_gmt":"2012-11-09T16:52:00","slug":"europa-rueckkehr-der-auto-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/09\/europa-rueckkehr-der-auto-krise\/","title":{"rendered":"Europa: R\u00fcckkehr der Auto-Krise"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_21697\" aria-describedby=\"caption-attachment-21697\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/3385280443_4780fd8722_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-21697\" title=\"Opelkrise\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/3385280443_4780fd8722_b-e1348731753285-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/3385280443_4780fd8722_b-e1348731753285-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/3385280443_4780fd8722_b-e1348731753285-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/3385280443_4780fd8722_b-e1348731753285-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/3385280443_4780fd8722_b-e1348731753285.jpg 1021w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21697\" class=\"wp-caption-text\">Foto: flickr.com\/29487767@N02 CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit der Abk\u00fchlung der chinesischen Wirtschaft brechen f\u00fcr die Autoindustrie h\u00e4rtere Zeiten an. Allen voran in Europa. Hier sanken die Autoverk\u00e4ufe zwischen 2007 und 2012 von 15 auf gesch\u00e4tzte 12,4 Millionen. Wenn jetzt noch Absatzprobleme in China dazu kommen, k\u00f6nnte die Schlie\u00dfung von acht bis zehn Fabriken drohen. Das w\u00fcrde die Vernichtung von 250.000 Arbeitspl\u00e4tzen bedeuten. \u0084F\u00fcr Europas Autoindustrie naht der Tag der Abrechnung\u0093 titelte die \u0084New York Times\u0093.<\/p>\n<p><em>von Stephan Kimmerle, London<\/em><\/p>\n<p>Die fortgesetzte Krise in Europa und die Folgen der Kahlschlagpolitik, gerade in S\u00fcdeuropa, spiegeln sich auch in der Zahl der Autoverk\u00e4ufe wider: Stagnation in Deutschland, aber ein R\u00fcckgang um 14 Prozent in Frankreich, 20 Prozent in Italien sowie 40 Prozent in Griechenland und Portugal sind die Folge. Der Einbruch in S\u00fcdeuropa trifft Peugeot und Ford besonders schwer. In K\u00f6ln hat Ford bereits wieder Kurzarbeit angemeldet.<\/p>\n<h4>Gewinner und Verlierer<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend Volkswagen seine Marktanteile erh\u00f6hen konnte, stehen Peugeot und die europ\u00e4ischen Werke von General Motors (Opel, Vauxhall) besonders schlecht da. Bei Opel denkt die Konzernspitze bereits laut \u00fcber die Schlie\u00dfung eines Betriebs in Eisenach oder Bochum nach. Selbst R\u00fcsselsheim wird nach dem n\u00e4chsten Modellwechsel mit massiven \u00dcberkapazit\u00e4ten zu k\u00e4mpfen haben.<\/p>\n<p>Peugeot will ein Werk in der N\u00e4he von Paris dicht machen. Als diese Pl\u00e4ne im Juni bekannt wurden, provozierte das landesweit Protestaktionen. Gegen die z\u00f6gerliche Haltung der Gewerkschaftsf\u00fchrung setzte ein Treffen von Delegierten der verschiedenen Werke durch, dass die Gewerkschaft CGT f\u00fcr den 9. Oktober zu einer Demonstration in Paris aufruft, da der Vorstand an diesem Tag in der Hauptstadt seine neuen Modelle vorstellen m\u00f6chte.<\/p>\n<h4>Folgen die Unternehmer dem US-Beispiel?<\/h4>\n<p>Als die Krise 2009 ihren Lauf nahm, mussten Besch\u00e4ftigte mit Kurzarbeit und entsprechenden Einbu\u00dfen bluten. Gleichzeitig wurden Milliarden von Euro mobilisiert, um den Autokonzernen in Europa unter die Arme zu greifen. Doch \u0096 im Gegensatz zum Beispiel zu den USA \u0096 wurden diese Gelder nicht daf\u00fcr verwendet, um Kapazit\u00e4ten abzubauen und Betriebe plattzumachen. In den USA intervenierte der Staat, indem die Regierung die staatlichen Rettungsma\u00dfnahmen bei General Motors und Chrysler (zwei der drei US-Autoriesen) mit entsprechenden Auflagen verkn\u00fcpfte. Leider erwies sich die F\u00fchrungsriege der United Auto Workers (UAW) hierbei als willf\u00e4hriger Gehilfe.<\/p>\n<p>In der Folge wurden gerade im Mittleren Westen Dutzende Betriebe geschlossen und historische Errungenschaften der Arbeiterbewegung beseitigt. Neueingestellte bekommen heute beispielsweise nur noch die H\u00e4lfte dessen, was zuvor an Geh\u00e4ltern gezahlt wurde.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurden neue Fabriken im S\u00fcden der USA hochgezogen \u0096 in Bundesstaaten, in denen es kaum gewerkschaftliche Rechte und Traditionen gibt. Daimler und andere sind dort ebenfalls aktiv geworden.<\/p>\n<p>Der Fiat-Chef Sergio Marchionne pl\u00e4diert nun daf\u00fcr, seitens der europ\u00e4ischen Autobosse dem koordinierten Kahlschlag der USA nachzueifern und auf EU-Ebene gemeinsam t\u00e4tig zu werden. In der Tat liegt es in der Logik des Kapitalismus, Krisen durch die Vernichtung von Kapital zu \u0084l\u00f6sen\u0093.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und Europa. Im Gegensatz zu den USA ist Europa in eine Vielzahl von Nationalstaaten gespalten, die \u0096 wie sich mit der Politik von Abwrackpr\u00e4mien und Kurzarbeit 2009 zeigte \u0096 darauf aus sind, gerade ihre jeweiligen Unternehmen auf Kosten der Konkurrenz in den Nachbarl\u00e4ndern durchzuboxen. Nat\u00fcrlich sind Absprachen und vor\u00fcbergehende Allianzen m\u00f6glich. Aber die Euro-Krise macht deutlich, dass die Kapitalisten heute nicht in der Lage sind, die nationalstaatlichen Schranken zu \u00fcberwinden. Schlie\u00dflich haben die verschiedenen Nationalstaaten die Funktion, den Interessen der jeweiligen Kapitalistenklassen zu dienen.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt die unterschiedliche Politik nach 2008 in den USA gegen\u00fcber Europa. Und es gibt einen Hinweis darauf, welches Hauen und Stechen \u0096 angesichts der gigantischen \u00dcberkapazit\u00e4ten \u0096 europaweit noch zu erwarten ist. Zumal sich die Wirtschaftsaussichten deutlich verd\u00fcstern.<\/p>\n<h4>Perspektiven<\/h4>\n<p>Es ist mehr als fraglich, ob die deutschen Autokonzerne, die sich bisher als Gewinner w\u00e4hnten, weiterhin so gut da stehen werden. Nach dem Einbruch 2009 war es vor allem der chinesische Markt, der den Automobil-Unternehmen in Europa einen Ausweg wies. Aufgrund ihrer Verkaufszahlen in Fernost kamen die Premiumhersteller \u0096 Daimler, BMW und Audi \u0096 weitgehend ungeschoren davon. Aber das droht sich jetzt zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Daimler hat gerade ein neues Sparprogramm von einer Milliarde Euro angek\u00fcndigt. Selbst VW spielt mittlerweile mit dem Gedanken, die Produktion in Deutschland um zehn Prozent zu drosseln.<\/p>\n<h4>Strategien f\u00fcr Gegenwehr<\/h4>\n<p>Die IG-Metall-F\u00fchrung lie\u00df sich vor drei Jahren auf Flexkonten-Modelle und Kurzarbeit ein. LeiharbeiterInnen landeten auf der Stra\u00dfe, Stammbelegschaften mussten ebenfalls einen Preis zahlen.<\/p>\n<p>Mit der R\u00fcckkehr der Auto-Krise darf sich dieser Kurs jetzt nicht wiederholen. N\u00f6tig ist eine gewerkschaftliche Strategie f\u00fcr europaweit und international koordinierten Widerstand zur Verteidigung aller Betriebe und Arbeitspl\u00e4tze. Es muss verhindert werden, dass Belegschaften gegeneinander ausgespielt werden.<\/p>\n<p>Ein gemeinsamer Kampf gegen Verzicht ist n\u00f6tig. Alle Betriebe, in denen Massenentlassungen und Schlie\u00dfungen drohen, m\u00fcssen in \u00f6ffentliches Eigentum \u00fcberf\u00fchrt und demokratisch kontrolliert und verwaltet werden. Aber aufgrund der gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeiten der einzelnen Betriebe voneinander und der \u00dcberkapazit\u00e4ten darf sich die Verstaatlichung nicht nur auf die Betriebe beschr\u00e4nken, f\u00fcr die die Unternehmer keine Verwendung mehr haben. Die ganze Industrie geh\u00f6rt von den Besch\u00e4ftigten, den Gewerkschaften und dem Staat demokratisch verwaltet. Es gilt, einen Plan zu entwickeln, wie sich die Autoindustrie neu organisieren und das Know-How und die Kompetenzen der Belegschaften bestm\u00f6glich nutzen l\u00e4sst. Das schlie\u00dft die Umstellung von Teilen der Produktion auf alternative G\u00fcter und eine Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit bei vollem Lohn ein.<\/p>\n<p>Um das zu erm\u00f6glichen, m\u00fcssen die Gewerkschaften wieder zu echten Kampf-organisationen gemacht werden. Daf\u00fcr braucht es eine k\u00e4mpferische Bewegung in den Betrieben und Gewerkschaften, die sich um eine direkte Vernetzung zwischen den Fabriken und L\u00e4ndern bem\u00fcht und die Hindernisse hin zu einem gemeinsamen Kampf \u00fcberwindet. n<\/p>\n<p><em>Stephan Kimmerle ist Mitglied im Internationalen Sekretariat des CWI<\/em><\/p>\n<p><a title=\"Socialist World\" href=\"www.socialistworld.net\/doc\/5958\">Langfassung des Artikels auf Englisch<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine europaweite und internationale Strategie der Gewerkschaften zur Verteidigung von Betrieben, Arbeitspl\u00e4tzen und Arbeitsbedingungen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":21697,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[122,10],"tags":[282],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21696"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21696"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21696\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}